Kapitel 8

WEITERBILDUNG

DIE FAKES BEKÄMPFEN

Am 3. Januar 1973 landete unser Flugzeug auf der Norton Air Force Base in Kalifornien. Es waren etwa 200 Soldaten an Bord, die aus Vietnam zurückkehrten. Ich war als Offizier für die 16 Marines des Flugzeugträgers zuständig.

Das Erste, was uns allen auffiel, war die große Menge an Demonstranten gegen den Krieg, die uns erwarteten. Nachdem meine 16 Männer ihre Taschen zusammengesucht hatten und sich auf den Heimweg machten, schüttelte ich ihre Hände und wünschte ihnen alles Gute.

Wir hatten alle zusammen ein Jahr lang in Vietnam gedient.

Das Skandieren der Demonstranten wurde immer lauter, je näher die zurückkehrenden Truppen dem Tor kamen. Ich konnte die Angst spüren und die Spannung in den Gesichtern meiner Männer sehen, als wir zum Tor gingen. In vielerlei Hinsicht fürchteten wir die Begegnung mit den amerikanischen Kriegsgegnern mehr als die Begegnung mit dem Vietkong in Vietnam.

Ich wusste, dass ich etwas sagen musste, bevor wir uns einen Weg durch die Demonstranten bahnten. Als ich ein letztes Mal kurz vor dem Tor stehen blieb, sagte ich zu den jungen Männern: »Denkt daran: Dafür haben wir gekämpft. Wir kämpften für die Meinungsfreiheit, ihr Recht, uns Babymörder, Vergewaltiger und Mörder zu nennen.« Die jungen Männer nickten, wir salutierten und gingen durch das Tor, bahnten uns unseren Weg durch die spuckende und schreiende Menge. Ich habe nie wieder einen dieser Männer gesehen.

Der Rat meines armen Vaters

Ich hatte das Glück, zur Marine Corps Air Station Kaneohe auf Hawaii versetzt zu werden, weniger als eine Stunde vom Haus meines Vaters auf Oahu entfernt. Mein Vertrag mit der Marineinfanterie lief noch etwa anderthalb Jahre.

Nachdem mein Vater, mein armer Vater, mich zu Hause willkommen geheißen hatte, fragte er mich, was meine Pläne seien. Er wollte wissen, ob ich vorhatte, in den nächsten 20 Jahren bei der Marineinfanterie Karriere zu machen oder für eine Fluggesellschaft zu fliegen oder zu Standard Oil in San Francisco zurückzukehren und als dritter Offizier auf ihren Öltankern über die Meere zu fahren. Ich sagte ihm, dass ich anderthalb Jahre Zeit hätte, um über meine Zukunft nachzudenken.

Als Lehrer schlug er vor, dass ich meinen Master und möglicherweise meinen Doktor machte, wie er es getan hatte. Einige Monate später wurde ich in die Abendschule des Executive-MBA-Programms der University von Hawaii angenommen.

Rich Dads Ratschläge

Mein reicher Vater war froh, mich zu sehen.

Nachdem ich ihm meine Goldmünze gezeigt und ihm von dem Flug hinter feindliche Linien auf der Suche nach Gold erzählt hatte, sagte er nur: »Du bist verrückt.«

Als ich ihn um Ratschläge für meine Zukunft bat, sagte er: »Lerne, in Immobilien zu investieren.«

Als ich ihn fragte, warum, sagte er: »Du musst lernen, Schulden als Geld einzusetzen.«

Rich Dad und ich sprachen ausführlich über Präsident Nixon und seine Entscheidung, den US-Dollar vom Goldstandard zu nehmen. Er erklärte, was er in dem Brief gemeint hatte, den er mir nach Vietnam schickte, als er schrieb: »Pass auf – die Welt ist im Begriff, sich zu verändern.«

Er vermutete, dass der US-Dollar zu 100 Prozent eine Schuld werden würde, und zwar für immer. Nixon, oder die Machthaber, würden den US-Dollar nicht wieder zum Goldstandard zurückführen. Als er noch durch Gold gesichert war, bestand der US-Dollar aus etwa 80 Prozent Schulden und 20 Prozent Gold.

»Was bedeutet das?«, fragte ich.

Was war seine Antwort? »Es bedeutet, dass Geld Schulden sind. Es bedeutet, dass Geld nur durch die Schaffung von Schulden erschaffen werden kann. Es bedeutet, dass die US-Federal-Reserve-Bank und das US-Finanzministerium jeden ermutigen werden, sich zu verschulden. Wenn die Menschen sich nicht verschulden, wird unsere Wirtschaft nicht wachsen.«

Mein reicher Vater hatte sich finanziell sehr gut geschlagen und Schulden eingesetzt, als der US-Dollar durch Gold gestützt wurde. 1973 vermutete er, dass er noch reicher werden würde, jetzt da der US-Dollar zu 100 Prozent eine Schuld war.

Er war auch besorgt. Ich saß mit ihm in meiner Marineuniform in seinem Waikiki-Büro, als er mich fragte: »Hast du eine Kreditkarte?«

»Ja, habe ich«, sagte ich. »Mir wurde eine auf der Basis ausgestellt.«

Mein reicher Vater nickte schweigend mit dem Kopf. »Sie haben dir eine Kreditkarte ausgestellt?« »Ja. Allen Offizieren wurde eine ausgestellt. Die Finanzabteilung der Basis will, dass wir für unsere Einkäufe Kreditkarten benutzen.« »Interessant«, sagte mein reicher Vater und grinste. »Warum?«, fragte ich.

»So wird Geld erschaffen. Auf deiner Karte ist kein Geld. Du brauchst kein Geld auf der Bank. Geld entsteht aus dem Nichts, sobald man mit der Kreditkarte bezahlt.«

Einen Moment lang war ich stumm. Die Dinge begannen, einen Sinn zu ergeben. Ich fragte ihn: »Hast du deshalb geschrieben: ›Pass auf – die Welt ist im Begriff, sich zu verändern‹?«

Mein reicher Vater nickte und sagte: »Millionen von Menschen werden ihr Leben mit Hilfe von Kreditkarten verändern. Millionen werden Häuser und Autos kaufen, indem sie sich verschulden. Millionen werden härter arbeiten und ärmer werden, weil sie nie gelernt haben, Schulden einzusetzen.«

Ich fragte meinen reichen Vater: »Und deshalb willst du, dass ich einen Immobilienkurs mache, um zu lernen, wie man Schulden als Geld benutzt?«

Mein reicher Vater schwieg und dachte eine Weile nach, bevor er antwortete: »Immobilien werden immer die Grundlage des Vermögens bilden. Immobilien (Auf Englisch: real estate) sind wie Gold und Silber. Das Wort real stammt aus dem Spanischen. Auf Spanisch bedeutet real ›königlich‹. Das Königshaus hat im Laufe der Geschichte immer Land, Gold und Silber geschätzt.«

Dann fuhr er fort: »Wenn du lernst, Schulden als Geld zu benutzen und königliche Güter mit Schulden zu kaufen, wie ich es getan habe, wirst du ein sehr reicher und kluger Mann werden.« Er fügte hinzu: »Wenn du Schulden verwendest, um Verbindlichkeiten zu kaufen, wirst du zu den Millionen und Abermillionen von armen Menschen und Angehörigen der Mittelschicht gehören, die ihr Leben lang für die »Könige« arbeiten werden, denen die Banken gehören, und für Fake-Geld arbeiten, um ihre Schulden zu begleichen«.

Ich saß still da und dachte darüber nach, dass ich ein Verbrecher war, weil ich eine Goldmünze besaß. Ich dachte jetzt darüber nach, Schulden einzusetzen, um Immobilien zu kaufen.

Dann fragte ich: »Was ist, wenn ich mich dafür entscheide, mich von Schulden fernzuhalten? Was, wenn ich schuldenfrei lebe?«

Mein reicher Vater lächelte und sagte: »Für die meisten Menschen ist das die intelligentere Wahl. Wenn du nicht lernen willst, Schulden als Geld zu verwenden, halte dich von Schulden fern. Schulden sind sehr gefährlich. Schulden sind wie eine geladene Waffe. Schulden können dich töten oder schützen.«

Ich wusste, dass mein reicher Vater noch mehr zu sagen hatte, also fragte ich: »Und was passiert, wenn ich lerne, Schulden als Geld zu verwenden?«

Mein reicher Vater lächelte wieder und sagte: »Siehst du das Hotel, in dem wir sitzen? Glaubst du, ich könnte mir ein Hotel für 1 Million US-Dollar von meinen Ersparnissen leisten?«

Dazu konnte ich nur den Kopf schütteln, ein stilles »Nein« signalisieren.

»Ich habe weniger als 1 Million Dollar für dieses Hotel am Waikiki-Strand bezahlt. Wie viel denkst du, wird es in 10 Jahren wert sein, wenn die Regierung weiterhin Geld druckt?«, fragte er.

»Ich weiß nicht«, antwortete ich.

»Wenn du weiterhin hart arbeitest, Steuern zahlst und Geld sparst, glaubst du, dass du dir dieses Hotel in 10 Jahren leisten kannst?«

Ich wusste wirklich nicht, was ich sagen sollte oder wie ich seine Frage beantworten sollte.

»Glaubst du, dass deine Kameraden von der Marine, die eine Stelle bei einer Fluggesellschaft annehmen, sich dieses Hotel in 10 Jahren leisten können?«

Auch hier wusste ich nicht, was ich sagen sollte.

Mein reicher Vater fuhr fort: »Und die japanischen Touristen kommen in Scharen. Sie haben Geld. Sie kaufen Waikiki und den Rest von Hawaii. Willst du für die Japaner arbeiten? Glaubst du, du kannst dir Waikiki-Immobilien in 10 Jahren leisten? Glaubst du, du kannst dir in 10 Jahren ein Haus am Strand von Waikiki leisten?«

Die Lektion meines reichen Vaters begann, mir zu dämmern. Ich fragte: »Wirst du mir beibringen, in Immobilien zu investieren?«

Mein reicher Vater schüttelte den Kopf und sagte: »Ich investiere in Immobilien. Ich unterrichte nicht, wie man in Immobilien investiert. Außerdem bin ich selber ein Schüler, der immer und immer wieder Immobilienkurse besucht.« Er sagte mir: »Wenn du ein professioneller Investor sein willst, musst auch du ein Schüler sein, ein lebenslanger Lernender. Der Einsatz von Schulden als Geld ist ein gefährliches und riskantes Spiel. Verwende keine Schulden, um Immobilien zu kaufen, wenn du nicht bereit bist, dein Leben lang zu lernen.«

Ich musste darüber nachdenken. Ich hatte die Schule gehasst. Die Idee, lebenslang zu lernen, gefiel mir gar nicht.

Als er meinen Widerstand spürte, fragte mein reicher Vater: »Nimmst du als Pilot nicht immer wieder Flugstunden?«

Ich nickte und antwortete dann: »Ständig. Ich fliege seit fünf Jahren, und wir nehmen ständig weiterführende Flugstunden, immer schwierigere Stunden.«

Mein reicher Vater sagte: »In Immobilien zu investieren, ist nicht anders. Ich nehme immer Unterricht. Ich bin immer ein Schüler. Deshalb gehört mir heute dieses Hotel am Waikiki-Strand.« Er fügte hinzu: »Es ist genau wie beim Monopoly-Spiel. Als du und Mike noch kleine Kinder wart, besaß ich kleine grüne Häuser. Heute gehören mir rote Hotels. Wenn ich nicht ständig lernen und Kurse besuchen würde, säße ich nicht hier am Waikiki-Strand.«

Nach einer langen Pause sagte ich: »Ich melde mich für einen Immobilienkurs an.« Mein reicher Vater lächelte, und das Treffen war zu Ende.

Mein MBA-Programm

Ich hatte jetzt zwei Väter, deren Rat ich befolgen konnte. Mein armer Vater schlug mir vor, den Master und dann den Doktor zu machen. Mein reicher Vater schlug vor, Immobilienkurse zu besuchen.

Die Anmeldung für das MBA-Programm war einfach. Bei der Marineinfanterie gab es einen Offizier, der für die Weiterbildung zuständig war. Alles, was ich tun musste, war, in sein Büro zu gehen und mich anzumelden.

Bei der Marine gab es keine Kurse für Immobilieninvestitionen, also musste ich diese Kurse selbst suchen. Die Marine bot Kurse für die Anlage an der Börse, aber keine Kurse über Immobilien. Ich wollte einen Kurs über Immobilien besuchen, weil ich lernen wollte, Schulden als Geld zu verwenden.

In weniger als zwei Monaten war ich im MBA-Programm der Universität von Hawaii angenommen. Zweimal die Woche abends und Samstag den ganzen Tag flog ich nicht, sondern ging zur Uni.

Ich hatte die traditionelle Bildung nie gemocht, aber ich liebte die Flugschule. In der Flugschule hatten wir echte Lehrer, echte Piloten. Wir besuchten Kurse und flogen. Je besser wir als Flugschüler ausgebildet waren, desto besser wurden unsere Instruktoren. Wir wussten, dass sie fliegen können, weil wir mit ihnen geflogen sind. Unsere Piloten-Instruktoren waren wie Mr. Ely, mein Klassenlehrer der fünften Klasse. Es waren Lehrer, die die Schüler zum Lernen inspirierten, um klüger zu werden.

Die fortgeschrittene Waffenausbildung war noch spannender. Ein Flugzeug mit Waffen zu fliegen, war eigentlich ein ganz anderes Flugzeug. Kampfpiloten haben ganz andere Taktiken und Strategien. Unsere fortgeschrittenen Waffenlehrer waren gerade aus Vietnam zurückgekehrt.

Als wir Waffen, Maschinengewehre und Raketen aus unserem Hubschrauber abfeuerten, schossen unsere Instruktoren zuerst – nur um uns zu zeigen, dass sie konnten, was sie uns beigebracht hatten. Wenn wir das Ziel verfehlten, ließen die Instruktoren uns nicht durchfallen. Sie sagten einfach: »Kehr’ um. Mach es noch mal.« Und das haben wir getan. Immer wieder, viele Male, bis wir ebenso gut wie unsere Instruktoren fliegen und schießen konnten. Deshalb liebte ich die Flugschule. Ich liebte sie, weil unsere Lehrer echte Lehrer waren, die uns auf einen echten Krieg vorbereiteten.

Das MBA-Programm im Seminarraum gefiel mir nicht. Ich fühlte mich, als wäre ich wieder in der Highschool. Eines Abends erreichte meine Frustration den Siedepunkt.

»Waren Sie schon mal ein echter Buchhalter?«, fragte ich den Buchhaltungslehrer.

»Ja«, antwortete er. »Ich habe einen Abschluss in Buchhaltung.« »Das ist nicht, was ich gefragt habe«, sagte ich kurz angebunden. »Ich weiß, dass Sie einen Abschluss in Buchhaltung haben, aber waren Sie jemals ein echter Buchhalter – in der realen Welt?«

Nach einer längeren Pause gab der Dozent zu: »Nein, war ich nicht.

Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter. Ich habe einen Bachelor-Abschluss in Buchhaltung. Ich bereite mich auf meinem Master-Abschluss vor.«

»Das merke ich«, antwortete ich.

»Sind Sie Buchhalter?«, fragte mich der Dozent. »Nein, bin ich nicht«, antwortete ich.

»Warum haben Sie mich dann gefragt, ob ich ein echter Buchhalter bin?«

»Weil ich merke, dass Sie nicht wissen, wovon Sie reden. Sie lehren aus einem Lehrbuch, nicht aus dem wirklichen Leben.«

Der Auszubildende

Ich machte meine ersten realen Erfahrungen in der Buchhaltung, als ich in der Lehre bei meinem reichen Vater war. Ich war zwar kein Buchhalter, aber ich hatte jahrelang mit den echten Buchhaltern meines reichen Vaters gearbeitet. Ich konnte erkennen, dass unser Lehrer aus der Theorie lehrte, nicht aus der Realität.

Die Vereinigten Staaten kämpften noch immer in Vietnam und die Marineinfanteristen waren auf dem College-Campus nicht allzu beliebt. Dass ich im Kurs saß und dem Dozenten eine schwere Zeit bereitete, verbesserte meine Popularität nicht gerade.

»Planen Sie, Buchhalter zu werden?«, fragte der Dozent.

»Nein«, antwortete ich. »Ich habe vor, Unternehmer zu werden. Ich habe vor, Buchhalter einzustellen. Also muss ich in der Lage sein, den Buchhaltern intelligente Fragen zu stellen.«

»Und welche Frage wollen Sie mir stellen?«

»Ich habe Ihnen gerade eine intelligente Frage gestellt. Sind Sie ein echter Buchhalter? Haben Sie Erfahrung in der Buchhaltung?«

Der Dozent stand einfach benommen da, wie die Maus vor der Schlange. Die Stunde war aus, und der Kurs zu Ende.

Der Marketingkurs

Ich hatte mich auf den Marketingkurs im Rahmen des MBA-Programms gefreut. Der Kurs-Katalog bewarb einen angesehenen Marketing-Guru. Also meldete ich mich voller Begeisterung an, um von diesem Experten zu lernen.

Auch hier war es eine enttäuschende Erfahrung. Auch hier stellte ich die gleiche Frage: »Wie viel Erfahrung haben Sie in der Praxis?«

Der Guru war stolz darauf, uns zu sagen, dass er einen Fahrradladen besaß, den unser Kurs besuchen und dort praktische Übungen machen würde.

Der Fahrradladen war weniger als 1.500 Quadratmeter groß. Er war winzig. Zwei Samstage fand unser Kurs im Fahrradladen statt.

Der Guru brachte uns kein Marketing bei. Er brachte uns das Merchandising bei, wie man Fahrräder auf Ständern, Accessoires auf Regalen und Kleidung auf Bügeln ausstellt.

Ich hatte mehr über das Merchandising gelernt, als ich als Lehrling meines reichen Vaters in den Geschenkläden seiner Hotels und Restaurants gearbeitet hatte.

Der Guru lehrte uns kein Marketing, weil er nur einen Laden hatte. Er lehrte uns Werbung – wie man Anzeigen in lokalen Zeitungen und Zeitschriften schaltet.

Ich erfuhr mehr über echtes Marketing, als ich ohne Bezahlung arbeitete und die Kette der Hotels und Restaurants meines reichen Vaters vermarktete.

Ich habe mir allerdings ein Fahrrad gekauft. Der Guru konnte verkaufen – was ein Teil des Marketingprozesses ist. Er bot unserem Kurs einen speziellen Studentenrabatt an, und viele von uns kauften neue Fahrräder.

Als ich meinem reichen Vater von meinem neuen Fahrrad und meinem lächerlichen Marketing-Dozenten und seinem kleinen Laden erzählte, lachte er nur und sagte: »Dein Marketing-Dozent ist sehr klug. Er unterrichtet Marketing an der gesamten Universität, wo er ein Guru ist. Er lädt Studenten und Dozenten ein, seinen Fahrradladen zu besuchen und zu studieren. Und weißt du was? Du und deine Klassenkameraden kaufen Fahrräder. Dieser Typ ist ein brillanter Vermarkter.«

Es war ein tolles Fahrrad. Ich fuhr dieses Fahrrad fast jeden Tag auf der Marine-Air-Base entlang der Rollbahnen. Mein Dozent war ein echter Marketing-Guru.

Ein Immobilien-Seminar

Eines Abends sah ich beim Fernsehen eine Werbesendung, in der ein Kurs angeboten wurde, in dem die Teilnehmer lernen könnten, wie man Immobilien »ohne Anzahlung« kauft.

Ein paar Tage später war ich einer von etwa 300 Teilnehmern, die an einem »kostenlosen Seminar« in einem schönen Ballsaal des Waikiki-Hotels teilnahmen. Dort wurde ein Immobilienkurs angeboten, und ich bezahlte 385 US-Dollar für einen dreitägigen Wochenendkurs.

Etwa zwei Monate später kam der Seminarleiter aus Kalifornien und der dreitägige Kurs begann. Es war mein erstes Seminar, im Gegensatz zum Unterricht an der Schule oder in der Ausbildung.

Mein armer Vater glaubte an das Schulsystem. Er besuchte keine Seminare, die seiner Meinung nach Abzockerei waren. Zugegeben, einige sind es. Aber auch einige Schulen sind als solche einzustufen.

Mein reicher Vater besuchte nur Seminare. Er sagte, er mag Seminare, weil sie »kurz und bündig« sind. Er besuchte sie nur, um mehr über ein bestimmtes Thema zu erfahren, das ihn interessierte. Er ging ihm nicht um einen Abschluss oder die Buchstabensuppe der höheren Weihen. Viele Mitarbeiter in Unternehmen und Behörden sowie lizenzierte Experten geben diese Bezeichnungen – MA, Dr. phil, Dr. jur., Dr. med., CFP (zertifizierter Finanzplaner) – als Auszeichnungen an.

Warren Buffett hat einen Hochschulabschluss. Er macht kein Geheimnis daraus, stellt aber sein Hochschuldiplom nicht in seinem Büro aus. Er zeigt jedoch stolz sein Zertifikat von einem Dale-Carnegie-Rhetorik-Kurs. Für ihn hat sich als unbezahlbar erwiesen, dass er lernte, eine Rede zu halten, ohne dass ihm die Knie und die Stimme zittern, wenn es darum geht, bei Investoren Milliarden von US-Dollar einzuwerben.

Ein echter Immobilien-Trainer

Von den 300 Teilnehmern, die zum kostenlosen Einführungsseminar erschienen waren, hatten sich etwa 30 für den dreitägigen Kurs angemeldet. Der Trainer war beeindruckend. Er war lässig, aber gut gekleidet. Er trug keine Krawatte, aber eine sportliche Jacke; seine Hose und seine Schuhe sahen teuer aus. Für mich sah er aus wie ein Immobilieninvestor.

Fragen Sie jeden, der im Militär war, nach der großen Bedeutung von gepflegtem Aussehen. Die meisten Militärangehörigen tragen ihre Uniformen mit Stolz. Sie sehen gepflegt aus und ihre Schuhe glänzen.

Die Dozenten im MBA-Programm sahen aus wie Lehrer. Sie sahen nicht wohlhabend aus. Sie sahen billig, schmuddelig und schlampig aus – wie gut gekleidete Hippies, was viele von ihnen waren.

Unser Immobilienlehrer begann mit der Präsentation von Folien seiner Immobilieninvestments und der Finanzkennzahlen der einzelnen Immobilien. Er erzählte uns, wie viel er verdiente, wie er die Immobilien finanziert hatte und welche Herausforderungen er bewältigen musste.

Er zeigte uns auch Immobilien, bei denen er Geld verloren hatte, erzählte uns von den Fehlern, die er gemacht hatte, was er gelernt hatte und wie seine Fehler ihn intelligenter und reicher machten.

Er war authentisch. Er war nicht gekommen, um Immobilien zu verkaufen. Er brachte uns nicht bei, Fahrräder zu verkaufen.

Und er war transparent. Er zeigte uns seinen geprüften persönlichen Jahresabschluss. Er brauchte nicht zu lehren, um sich selbst über Wasser zu halten. Und obwohl er den Kurs nicht umsonst anbot, brauchte er das Geld nicht. Er war da, um zu unterrichten.

Und so begann der Unterricht. Drei Tage lang beschäftigten wir uns mit Immobiliengeschäften, realen Problemen, realen Herausforderungen und den realen Gaunern, die er in seiner 24-jährigen Karriere als Immobilieninvestor kennengelernt hatte.

Er lehrte uns zu sehen, was die meisten Amateur-Immobilieninvestoren nicht sehen. Er lehrte uns, wie er mit Verkäufern, Bankern und Investoren über Geld spricht.

Am letzten Tag lehrte er uns, wie man einen Deal ohne Anzahlung verhandelt, eine Investition, bei der man nichts von seinem eigenen Geld einsetzt.

Am Ende des dritten Tages waren die Teilnehmer Feuer und Flamme – wirklich aufgeregt. Ich hatte ein besseres Verständnis dafür, warum mein reicher Vater oft sagte: »Man braucht kein Geld, um reich zu werden.«

Die letzten zwei Stunden verbrachten wir mit Wiederholung, Fragen und Antworten. Kurz bevor der Kurs zu Ende war, sagte der Trainer: »Jetzt beginnt der eigentliche Kurs.«

Die Teilnehmer waren verblüfft und wollten wissen, warum er sagte, dass der Kurs jetzt erst anfängt – am Ende des Kurses.

Der Trainer antwortete: »Dieser Kurs beginnt, wenn man in die reale Welt eintritt. Ihre Aufgabe ist es, in 90 Tagen 100 potenzielle Anlageobjekte zu finden. Schreiben Sie eine einseitige Analyse jeder der 100 Liegenschaften. Entscheiden Sie dann, welche der 100 Anlagemöglichkeiten die beste ist.

Sie müssen nichts kaufen. Wenn Sie eine gute Investition finden, werden Sie die Energie und den Enthusiasmus aufbringen, sie zu kaufen, auch wenn Sie kein Geld haben.«

Die 30 Teilnehmer teilten sich in kleinere Gruppen von drei bis fünf Personen auf, die alle versprachen, die Aufgabe in 90 Tagen gemacht zu haben.

Wie Sie vielleicht vermuten, stand das wirkliche Leben dem Reichtum im Weg. Ich vermute, dass nur drei von den 30 die Aufgabe tatsächlich erfüllt haben. Das verschafft uns auch einen Einblick in die menschliche Natur. Reich zu werden, erfordert Arbeit und Disziplin.

Nach 90 Tagen wusste ich, welches der 100 Objekte das allerbeste war. Es war eine Eigentumswohnung mit einem Schlafzimmer und einem Bad am Strand auf der Insel Maui.

Der Bauherr war Pleite gegangen. Die Bank hatte das Projekt abgesetzt. Der Preis der Eigentumswohnung betrug 18.000 US-Dollar. Alles, was ich brauchte, waren 10 Prozent Anzahlung. Die Bank würde den Rest finanzieren.

Sofort holte ich meine Kreditkarte heraus und belastete sie mit den 1.800 US-Dollar.

Es war ein Deal ohne Anzahlung – 100 Prozent Fremdfinanzierung.

Und es floss ein positiver Cashflow von 25 US-Dollar pro Monat.

Es war eine Investition mit »unendlicher Rendite«, weil ich nichts – absolut nichts von meinem eigenen Geld in die Investition gesteckt hatte, und ich verdiente immer noch 25 US-Dollar an Netto-Cashflow bei 100 Prozent Schulden.

Ein paar Tage später stieg ich aus dem MBA-Programm aus.

»Das kann man hier nicht machen.«

Egal wo ich heute in der Welt bin, sagen die Leute zu mir: »Das kann man hier nicht machen.«

Sie haben Recht. Sie sind vielleicht nicht in der Lage, einen unendlichen Deal zu machen, aber andere Menschen können es.

»Die Menschen können das nicht« hauptsächlich, weil sie zur Schule gegangen sind oder ihre Eltern zur Schule gegangen sind.

Wenn Sie sich die Abbildung auf der folgenden Seite ansehen, die die höheren Stufen der Lehrer darstellt, werden Sie sehen, wie der Schulbesuch viele Menschen arm hält.

Wie man den Unterschied zwischen echten Lehrern und Fake-Lehrern erkennt.

Fake-Lehrer unterrichten mittels Vorlesungen und aus Büchern. Das echte Leben ist ein gutes Klassenzimmer.

Echte Lehrer lehren aus der Praxis, aus ihren Fehlern, und ermutigen Sie, dasselbe zu tun.

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EINE PERSÖNLICHE ÜBUNG:

Nennen Sie drei Fake-Lehrern, die Sie in Ihrem Leben hatten, und die Fächer, die sie unterrichtet haben:

Name des Lehrers

Fach

1. ____________________

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2. ____________________

____________________

3. ____________________

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Nennen Sie drei echte Lehrer in Ihrem Leben und die Fächer, die sie unterrichtet haben:

Name des Lehrers

Fach

1. ____________________

____________________

2. ____________________

____________________

3. ____________________

____________________

Welche Lektionen haben Sie bei den echten Lehrern gelernt?

1. _________________________________________________

2. _________________________________________________

3. _________________________________________________

IHRE FRAGEN – ROBERT T. KIYOSAKIS ANTWORTEN

F: Finden Sie ein Wort oder einen Satz, mit dem Sie den Wert Ihrer Erfahrung bei der Marineinfanterie vermitteln würden?

Marco C. – Italien

A: Tolle Frage. Als ich in der Highschool war, wusste ich, dass ich in Schwierigkeiten war. Ich war ein Surfer. Ich bin von der Schule geflogen. Ich war ein Schwänzer und ein Clown. Ich wollte nicht erwachsen werden und »zur Schule gehen, eine Stelle finden, hart arbeiten ...« und so weiter und so fort.

Als ich in der Highschool war, wollte ich meine Freiheit. Viele meiner Highschool-Freunde entschieden sich, frei zu leben, und sie lebten das Leben der Surfer, landeten im Gefängnis, wurden süchtig oder starben jung. Einer beging Selbstmord, einer starb bei einem Motorradunfall, zwei bei Autounfällen, weil sie sich unter Alkoholeinfluss ans Steuer gesetzt hatten.

Also, obwohl es gegen meine Natur schien, entschied ich mich, auf eine Militärschule zu gehen und der Marineinfanterie beizutreten, gerade weil ich frei sein wollte.

In der Sonntagsschule hatte ich gelernt: »Das Wort wurde Fleisch.« Die Worte, die die Akademie und die Marines für mich realisierten oder »Fleisch wurden«, sind: Mission, Pflicht, Ehre, Mut, Respekt, Disziplin und Kodex.

Für die meisten Menschen, besonders für die in der Unternehmenswelt, sind diese Worte nur schöner Schein, Unternehmenssprache, eine Pointe, die nie real wurde, nie Fleisch wurde. Wenn diese Worte nicht Fleisch werden, werden die Worte Arbeitsplatzsicherheit, Gehaltsabrechnung und Ruhestand wichtiger als echte Freiheit.

Deshalb bin ich der Akademie und der Marineinfanterie dankbar. Diese Worte wurden wahr, wurden Fleisch, ich verkörpere sie und sie geben mir spirituelle Kraft. Und echte spirituelle Stärke ist unerlässlich für echte finanzielle Freiheit und vor allem für echte persönliche Freiheit.

Wie mein reicher Vater oft sagte: »Ohne finanzielle Freiheit hast du keine persönliche Freiheit.«

F: Was glauben Sie, wie Ihr reicher Vater in der Lage war, die Zukunft in einer Zeit solcher wirtschaftlicher Unsicherheiten vorherzusagen?

Adonis K. – Griechenland

A: Mein reicher Vater lehrte seinen Sohn und mich, dass »Unternehmer auf die Zukunft achten müssen, weil Ihre Konkurrenz die Zukunft ist«.

Andy Grove, der Gründer von Intel, sagte einmal Folgendes über die Zukunft des Unternehmens: »Nur die Paranoiden überleben.«