20

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Kurz nachdem er diese Bombe hatte platzen lassen, verschwand Cayman aus dem Apartment.

Ich war davon ausgegangen, er würde versuchen, Roth und Layla zu erreichen, aber höchstwahrscheinlich waren sie in einem Bereich der Hölle, in den sich nicht einmal Cayman traute. Nachdem er uns erklärt hatte, er wolle schauen, ob irgendjemand mit Sicherheit wisse, dass es Luzifer war, der Killer auf mich angesetzt hatte, hatte sich Cayman einfach so verdünnisiert.

Ein weiteres cooles Talent, das Dämonen besaßen und das ich mir wünschte ebenfalls zu haben.

»Luzifer«, sagte Zayne, als Cayman weg war. »Ernsthaft?«

»Das war Roths Idee.«

»Hammer.«

»Aber ich war einverstanden. Wir müssen die ganz großen Geschütze auffahren, um Gabriel zu besiegen, und zu dem Zeitpunkt schien es eine vernünftige Entscheidung.« Ich streckte die müden Beine aus und ließ sie über die Sofakante baumeln. »Und ist es immer noch. Hoffentlich irrt sich Cayman, und diese Dämonen wurden nicht von Luzifer geschickt. Das wäre nämlich eine Komplikation, die wir nicht gebrauchen können.«

»Findest du?«

Das war eine Komplikation, die ich der immer länger werdenden Liste von sehr greifbaren und möglichen Komplikationen hinzufügen konnte. Ich hoffte nur, dass, sollte Luzifer wirklich dahinterstecken, Roth und Layla es schafften, ihn auf unsere Seite zu ziehen und davon abzubringen, wer weiß was mit mir anzustellen. »Ja, du findest, dass es keine kluge Idee ist, ihn da mit reinzuziehen, aber wir werden … wir müssen ihn irgendwie kontrollieren.«

»Luzifer kontrollieren?« Zayne lachte leise und fuhr sich mit der Hand durchs Haar. »Nichts einfacher als das. Er scheint genau die Art von Typ, der leicht zu kontrollieren ist.«

Ich grinste. »Vielleicht hat er nur einen schlechten Ruf?«

»Oder er hat mittlerweile dank Yoga und Meditation gelernt, ein ruhigerer, netterer Herrscher der Hölle zu sein?« Zayne griff nach meinem Zopf und löste sanft das Haarband.

»Hey, es sind schon merkwürdigere Dinge passiert.«

Er schüttelte den Kopf. »Ich habe das Gefühl, er ist genau wie Roth, nur noch schlimmer.«

Erneut musste ich grinsen, und für eine Weile verlor ich mich ein wenig darin, Zayne zu beobachten. Behutsam öffnete er meinen Zopf. Wir mussten noch über eine Menge Dinge reden, aber ich fing mit dem an, was mir am wichtigsten erschien. »Hast du deinen Vater gesehen?«

Mitten in der Bewegung hielt er inne. »Es war nicht viel Zeit für Besuche. Ich habe jede Minute genutzt, um Kontrolle über meine Gnade zu bekommen.« Er löste weiter meinen Zopf. »Als ich sie das erste Mal beschwor, habe ich ein Loch in eines der Gebäude gesprengt. War das bei dir auch so?«

»Nein. Ich hab nie ein Loch in ein Haus gesprengt, aber wenn ich wütend oder aufgebracht war, fiel es mir schwer, die Gnade im Zaum zu halten.« Ich berührte seinen Arm. »Das heißt, du hast deinen Vater nicht gesehen?«

»Nein. Außer Michael, ein paar anderen Engeln und den Alphas hab ich niemanden gesehen.«

»Das tut mir leid.« Ich legte die Finger um sein Handgelenk. »Man hätte dafür sorgen können, dass du die Gelegenheit bekommst, jeden zu sehen, den du willst.«

Er ließ mein Haar los und verschränkte die Finger mit meinen. »Ich hätte meinen Vater gern gesehen. Und Sam«, sagte er und meinte den Geist, der zurückgekehrt war, um uns zu warnen, was in der Highschool vor sich ging. »Aber ich musste ja vor allem dafür sorgen, dass ich mit dem, was mir geschenkt wurde, umgehen konnte.« Seine dichten Wimpern hoben sich. »Ich musste zu dir zurück. Das war das Wichtigste.«

Mein Herz vollführte einen kleinen Freudentanz in der Brust, und für einen Moment war da nichts als Wärme und Glück. Doch das blieb nicht lange so.

Denn wie hoch war der Preis dafür?

Als sich die rasiermesserscharfe Panik wieder meldete, stockte mir der Atem. Ich wich zurück und löste die Finger aus Zaynes.

»Was ist?« Sein Blick suchte meinen.

Plötzlich hatte ich das Bedürfnis, mich zu bewegen, darum stand ich auf, denn das dumpfe Aufflackern der Schmerzen in den Schultern und der Wirbelsäule war nichts im Vergleich zu meiner Angst. »Ich muss dich was fragen, und du musst ehrlich antworten.«

»Ich bin immer ehrlich zu dir.« Zayne blickte zu mir auf, ein leichtes Grinsen um die Lippen. »Na ja, meistens. Es gab in der Vergangenheit schon ein paar Male, bei denen ich vielleicht nicht ganz ehrlich war.«

Fast hätte ich gefragt, welche Gelegenheiten er meinte, falls da mehr war, als ich ahnte, aber ich hielt mich zurück. »Du musst jetzt ganz ehrlich sein, egal, wie die Antwort lautet.«

»Natürlich.«

Mit nervösem Kribbeln auf der Haut lief ich vor dem Fernseher auf und ab. »Ich muss die Wahrheit wissen, Zayne.«

Er rückte an die Kante der Couch. »Ja, das habe ich verstanden. Was willst du wissen?«

Ängstlich schluckte ich die in mir aufsteigende Übelkeit hinunter und zwang mich, die Frage auszusprechen: »Du bist zu mir zurückgekehrt, ohne dass ich feilschen oder betteln musste. Du kamst mächtiger zurück, als selbst ich es bin, und ja, ich musste zwar die Sache mit dem Schwert des Michael durchführen, und das war stressig, aber du bist am Leben, obwohl du gestorben bist.«

Er neigte den Kopf zur Seite. »Ja.« Pause. »Bin ich.«

»Die Engel wollten dich hierhaben, um Gabriel aufzuhalten, aber sie lassen dich zum Gefallenen werden? Sie haben kein Problem damit, dass du bei mir bist? All das scheint zu schön, um wahr zu sein. Dafür muss es einen Preis geben. Einen Haken.« Ich verschränkte die Arme vor der Brust und rannte immer noch vor dem Fernseher auf und ab. »Ich muss wissen: Ist das nur vorübergehend? Dass du hier bei mir bist? Wirst du mir wieder weggenommen, wenn wir Gabriel besiegt haben? Werden die Alphas und weitere Engel kommen, um dich zu holen? Werden sie versuchen, dir deine Gnade wieder zu nehmen oder dich einzukerkern?«

»Nein.« Das kam ohne Zögern. »Ich hab das selbst befürchtet, und weil ich weiß, was ich von Engeln zu halten habe, dachte ich auch, dass es da einen Haken gibt. Eine vorübergehende Angelegenheit klingt nach etwas, das ihnen Spaß machen würde. So was habe ich auch erwartet, aber es ist nicht vorübergehend, Trin.«

»Wie kannst du dir da sicher sein?«, wollte ich wissen.

»Weil dein Vater mir gesagt hat, dass es nicht so ist.«

Ich blieb stehen und rührte mich nicht mehr. Konnte auch sein, dass mein Herz aufgehört hatte zu schlagen. »Er hat dir gesagt, du darfst bei mir bleiben? Er hat das genau so ausgedrückt und keinen Platz für Interpretationen gelassen?«

»Michael sagte, ich würde an deiner Seite bleiben, solange du mich haben willst.« Ohne den Blick von mir zu wenden, bückte er sich, um einen Chip vom Boden aufzuheben, und warf ihn auf den Couchtisch. »Und dann hat er sehr fürsorglich hinzugefügt, dass ich so lange an deiner Seite wäre, wie ich am Leben bliebe.«

»Echt?«, raunte ich nur, zu ängstlich, um mich zu entspannen. »Das mit ›solange du am Leben bleibst‹ klingt ganz nach ihm.«

Zayne nickte. »Es ist nichts Vorübergehendes, Trin.«

»Aber warum?«, fragte ich, machte einen Schritt vorwärts und blieb vor Zayne stehen. »Warum sollten die Engel so was … so was Nettes tun?« Ich wusste, wie schlimm das klang, aber allgemein wurde angenommen, Engel seien Säulen der Tugend und Großzügigkeit. Sie waren jedoch eher von der Sorte, die den Menschen durch Verlust und Trauer eine Lektion erteilten, und, ja, ich war mir sicher, dass es darunter auch flauschige und liebevolle Exemplare gab. Wir hatten nur nie mit solchen zu tun. »Es sieht ihnen einfach nicht ähnlich.«

»Ja, aber ich glaube … dein Vater hatte viel damit zu tun, dass sie das Ganze zugelassen haben. Eigentlich weiß ich, dass es dein Vater war.«

»Wirklich?« Ich wollte das gern glauben, aber seine Vorgeschichte und meine Erfahrung mit ihm zeigten, dass er nicht der Typ Vater war, der sich stark einbrachte.

Oder sich kümmerte.

»Weißt du, warum ich annahm, dass Michael von mir erwartet, ein Gefallener zu werden? Sogar Cayman dachte so.« Zayne griff nach mir und legte mir die Hände auf die Hüften. Er zog mich zwischen seine Beine. »Könnte es daran liegen, dass er erkannt hat, dass ich mich sowieso nicht an die Regeln für den Kampf zwischen Engeln halten würde? Klar. Ich wette, das war das Argument, das er benutzte, um die anderen Engel zu überzeugen. Aber ich weiß, da war noch mehr.« Er blickte zu mir hoch, die markante Zeichnung seines Gesichts war deutlicher als je zuvor. »In der Nacht, als er mich zu deinem Beschützer gemacht hat, flüsterte er mir etwas zu. Ich dachte damals, ich hätte verstanden, was er meinte, aber ich glaube, er hat mir damit mehr mitgeteilt, als mir zunächst klar war.«

Ich erinnerte mich daran, meinen Vater gesehen zu haben, wie er Zayne etwas zugeflüstert hatte. Als ich Zayne danach gefragt hatte, hatte er gesagt, es sei nicht wegen des Boten gewesen. Dann wurde ich, nun ja, abgelenkt – wie immer. »Was hat er denn gesagt?«

»Er sagte: Meine Tochter wird dir eines Tages Gnade erweisen und dir zu deiner göttlichen Herrlichkeit zurückverhelfen. Dann sagte er, er hoffe, ich hätte gelernt, wann ich die Regeln befolgen sollte und wann nicht. Ich habe die ganze Sache mit der Gnade und der göttlichen Herrlichkeit nicht wirklich verstanden, aber ich wusste, was er mit dem Befolgen der Regeln meinte. Er sprach über uns – über die Regeln, die für eine Trueborn und ihren Beschützer gelten, und er meinte eben, ich solle sie nicht befolgen.«

Ich atmete zittrig aus. Zayne hatte sein ganzes Leben lang die Regeln befolgt, und was hatte es ihm gebracht? Er hatte Layla verloren, und dabei spielte es keine Rolle, dass er, wenn sie zusammengekommen wären, gemerkt hätte, wie stark seine Gefühle waren oder eben nicht. Er hatte die Regeln befolgt und war weiter auf Distanz zu seinem Clan gegangen. Und ich erinnerte mich daran, wie er mal zu mir gesagt hatte, dass er es leid sei, die Regeln zu befolgen. Das war in der ersten Nacht, in der wir zusammen gewesen waren.

»Aber du wurdest nur geschwächt, weil wir uns nicht an die Regeln gehalten haben«, argumentierte ich. »Du bist gestorben, weil …«

»Und meine göttliche Herrlichkeit wurde deinetwegen wiederhergestellt – weil ich dich liebe. Mir wurde die Gnade verliehen, weil ich dich liebe«, sagte er. »Die Regeln nicht zu befolgen hat erst dorthin geführt, und, ja, ich habe als Gefallener meine Herrlichkeit verloren, aber ich bin hier. Ich bin bei dir, und sicher können wir nun annehmen, dass er mich vorgewarnt hat, damit ich hier und bei dir bin, um gegen Gabriel zu kämpfen, aber ich denke, es ging um mehr. Ich weiß, dass es so war. Er will, dass du glücklich bist, und er wusste, dass meine Rückkehr das bewirken würde.«

Niemals, nicht in einer Million Jahren, hätte ich gedacht, dass das die Worte waren, die mein Vater Zayne zugeflüstert hatte. Ebenfalls hätte ich nie gedacht, dass er auch nur eine Sekunde an mein Glück dachte. Niemals.

»So, wie er ist, oder so, wie ich mir vorstelle, was von ihm erwartet wird, kann er nicht viel für dich tun.« Zayne schaute immer noch zu mir auf, die Augen von diesem umwerfend klaren Blau. »Und ich sage das nicht, um seinen generellen Mangel an väterlichen Fähigkeiten zu entschuldigen, aber das war etwas, was er eben für dich tun konnte.«

»Wenn du recht hast, dann… dann weiß ich nicht, was ich sagen soll«, meinte ich und kniff die Augen zusammen. Als ich sie wieder öffnete, sah ich winzige Lichtblitze. »Ich glaube, es fällt mir leichter, nach wie vor zu denken, dass er nicht fähig ist, so etwas zu tun.«

»Warum?«, fragte Zayne.

Schwer, meine Gefühle in Worte zu fassen. »Weil … ich sonst darüber nachdenke, wie es ist, einen Vater zu haben, einen echten, der sich einbringt und sich kümmert. Dann will ich so etwas.«

»Daran ist nichts falsch.«

»Ich weiß, aber es macht mich nur traurig und wütend, zu wissen, dass ich einen Vater habe, der das nicht kann«, gab ich zu. »Also ist es einfacher, ihn einfach als das zu sehen, was er ist – ein Erzengel, der nur cooles Missfallen empfinden kann.«

Suchend ließ Zayne den Blick über mein Gesicht wandern. »Verstehe«, sagte er, und ich nahm ihm das ab, obwohl er einen Vater gehabt hatte, der Teil seines Lebens gewesen war. Den er geliebt hatte und von dem er geliebt worden war, sogar wenn sie sehr unterschiedlicher Meinung gewesen waren.

»Nur damit du es weißt«, sagte ich, atmete aus und schöpfte innerlich Hoffnung, während ich die Gedanken an meinen Vater beiseiteschob und mich ganz auf Zayne und mich konzentrierte. »Du musst dir keine Sorgen darüber machen, wie ich mich fühle. Ich werde dich immer haben. Immer

»Ja.« Das sagte er ohne einen Hauch Arroganz und zog mich dann auf seinen Schoß. Als er daraufhin die Hände hob, tat er das langsam und achtete darauf, mich nicht zu erschrecken, während er sanft meine Wangen umschloss. »Es ist sechs Tage, vier Stunden und ungefähr zwanzig Minuten her, dass ich wirklich mit dir reden und dich mit eigenen Augen sehen konnte. Andere haben länger gebraucht. Wochen. Monate. Jahre. Aber diese Tage und Stunden und Minuten haben sich wie eine Ewigkeit angefühlt. Ich möchte mir überhaupt nicht vorstellen, wie die Zeit für dich war.«

Ich legte die Hände auf seine warme Brust. »Ich dachte immer, mein Augenlicht zu verlieren wäre das Schlimmste, was mir passieren könnte, aber dann … habe ich meine Mutter verloren, und das war schlimmer. Ich bin damit klargekommen, aber dann verlor ich Misha und dachte, dass alles, was er getan hatte, das Schlimmste war, was ich je erleben könnte. Doch ich hatte mich geirrt. Alles war auf einzigartige Weise schrecklich oder hart oder lebensverändernd, aber dich zu verlieren fühlte sich an, als würde mir jeder Atemzug gestohlen, bevor ich überhaupt einatmen konnte.« Mir brannten die Augen vor ungeweinten Tränen. »Es war schlimmer als die Hölle, und das galt nicht für die körperlichen Schmerzen. Die waren ätzend, aber viel schlimmer war es, wach zu sein. Das Bewusstsein, dass du … dass du fort bist, das war das Schlimmste, und ich wusste nicht, wie ich weitermachen sollte, und ich wollte …«

»Wolltest was?« Vorsichtig fuhr er mir mit den Daumen unter den Augen entlang, und da erst merkte ich, dass ich weinte. Schon wieder. Ich musste wirklich damit aufhören. Oh Gott.

Ich flickte mich rasch wieder zusammen. Na ja, so in etwa. »Ich wollte zum Sensenmann gehen – zum Todesengel – und ihn zwingen, dich zurückzubringen.«

»Du hattest was vor?«

»Zum Sensenmann zu gehen und ihn zu zwingen, dich zurückzubringen. Ich wusste nicht, wie ich das schaffen sollte, aber dann … Ich wusste nicht, ob es das Richtige war, verstehst du? Was, wenn du deinen Frieden gefunden hättest und ich dich da rausgeholt hätte? Dich zurück ins Leben geholt und wofür? Um gegen Gabriel zu kämpfen und möglicherweise noch einmal zu sterben?« Diese verwirrenden Gefühle brannten mir immer noch in der Kehle wie Batteriesäure. »Aber ich wusste, selbst wenn ich Gabriel überleben würde – dich zu verlieren, hätte ich nicht überlebt. Ein Teil von mir wäre für immer verschwunden. Der Teil, der zu dir gehört. Und in der Nacht, als du zurückkamst? Ich war im Park und versuchte herauszufinden, was das Richtige war und ob ich allein leben könnte, egal, wie ich mich entscheiden würde.«

Er flüsterte meinen Namen, senkte den Kopf und küsste zuerst meine Stirn und dann die Nasenspitze. »Ich bin froh, dass du diese Entscheidung nicht treffen musstest.« Dann zog er mich an seine Brust und legte die Arme um mich. »Ich hätte keinen Frieden gefunden, Trin. Das hättest du gemerkt. Du hättest mich als Geist oder Seele gesehen. Ich wäre zu dir zurückgekommen.«

Ich schlang die Arme um seine Taille und wusste, er hatte recht. Schon beim Aufwachen und in den Tagen, die vergangen waren, hätte ich merken müssen, dass etwas vor sich ging, denn ich hatte ihn nicht als Geist oder Seele gesehen. »Ich glaube, ich hatte Angst, dass Gabriel es geschafft hat, etwas mit deiner Seele anzustellen«, gab ich zu, und Zayne verspannte sich. »Ich weiß, es klingt vielleicht bizarr, aber ich hatte einfach solche Angst.«

»Das ist nicht bizarr.« Zayne schob meinen Kopf zurück und lehnte sich so weit nach hinten, dass er mir in die Augen sehen konnte. »Du weißt, dass ich immer hier sein werde. Ich werde immer hier sein und dafür sorgen, dass du die Sterne sehen kannst. Ich bin nur dein Guide … der gefallene Engel.«

Ich lachte unsicher, als ich mich wieder vorlehnte. Unsere Gesichter trafen sich auf halbem Weg, und als sich unsere Lippen berührten, spürte ich endlich ein wenig Erleichterung. Sein Wintermint-Duft umgab mich, und ich hätte ihn bis in alle Ewigkeit küssen können …

Als mich schlagartig die Erkenntnis traf, zuckte ich zurück und riss die Augen auf. Mir stockte das Herz, als ich auf Zaynes markante Züge und Details seines Gesichts starrte, und ich dachte an meinen Vater und all die anderen Engel, die mir je begegnet waren. Keiner von ihnen sah älter aus als Mitte zwanzig. Zur Hölle, die meisten Dämonen sahen auch nicht viel älter aus. Ich wusste nicht, ob sie nur unglaublich langsam alterten oder ab einem bestimmten Zeitpunkt ganz aufhörten, älter zu werden. Auf einmal war mir ganz mulmig, denn mir war eingefallen, dass es bei Gefallenen genauso war.

Ich würde mit jedem Jahr altern.

Zayne nicht.