Nur einen Sekundenbruchteil später war ich wie von Zauberhand aus dem Schlafzimmer verschwunden, aber zuerst hatte mein … Vater Luzifer zu sich beordert. Was eine wirklich raffinierte Fähigkeit war, falls Luzifer mal wieder nicht aufzufinden wäre.
Aber darüber wollte ich mich jetzt nicht mehr aufregen.
Ziemlich sicher hatte mein Vater alle Hände voll zu tun, Luzifer an seinen rechtmäßigen Platz zurückzubringen. Darüber hinaus lief das sicher außerordentlich gut, wenn man bedachte, dass Luzifer als Erstes meinte: »Du bist also gekommen, um mir persönlich für die Rettung des Himmels zu danken. Welch Ehre.«
Luzifer schien nicht sonderlich überrascht zu sein, mich lebend zu sehen. Er sagte nur: »Was geht?«, und konzentrierte sich dann wieder auf Michael.
Und jetzt stand ich mitten …
»Was, zum Teufel …?«, flüsterte ich und drehte mich langsam um die eigene Achse. Ich war nicht zurück auf das Feld nahe der Farm geschickt worden, sondern befand mich … auf dem Dach unseres Apartmentgebäudes?
Langsam ließ ich den Blick über die sanft leuchtenden Lichterketten, die säuberlich aufgereihten Strandsessel und Bistrotische wandern. Warum hatte mich Michael hierhergeschickt? Zayne war nicht in der Nähe. Er war auf dem Feld, das nach Schwefel und ekelerregend süßlicher Fäulnis stank.
Ich warf die Hände in die Luft und drehte mich erneut in Richtung Ausgang. Ich musste mir ein Taxi rufen und mich … mitten ins Nirgendwo bringen lassen.
Oder ich könnte Zayne anrufen. Na klar! Ich griff nach meinem Handy und merkte dann, dass ich es seit meinem Verschwinden nicht mehr gesehen hatte.
»Verdammt.« Ich stapfte an einem Tisch vorbei und konnte mich kaum zurückhalten, ihn hochzuheben und übers Dach zu schleudern.
Ich war meinem Vater superdankbar und glücklich für alles, was er getan hatte, obwohl manches schwer zu begreifen und ein bisschen gruselig war, aber ernsthaft? Er hatte mich aufs Dach statt zu Zayne befördert?
Ich hatte genau zwei Möglichkeiten. Entweder meinen Hintern zurück zu diesem Feld zu bewegen oder im Apartment auf Zayne zu warten. Okay … Nicht wirklich zwei Möglichkeiten. Ich konnte ja nicht ernsthaft zu diesem Feld zurücklatschen, und Zayne musste schließlich irgendwann nach Hause kommen. Die Warterei auf ihn würde mich nur völlig verrückt machen.
Es kam mir vor, als würde ich bereits jetzt den Verstand verlieren – mit all dem, was darin herumwirbelte, während ich über das Dach schlenderte. Ich musste sehr viel verarbeiten, aber im Moment konnte ich nur an Zayne denken. Ich wusste genau, was er in diesem Augenblick durchmachen musste, weil ich das ja auch durchgemacht hatte, und ich wollte nicht, dass er diesen Qualen länger als nötig ausgesetzt war. Immerhin war er damals nicht vor meinen Augen verschwunden. Er musste völlig panisch sein und …
»Trinity?«
Ich stolperte über meine eigenen Füße, und mir stockte der Atem. Aber ich fing mich wieder und wirbelte herum.
Auf der anderen Seite des Daches stand Zayne auf einem der breiten Pfeiler, der Wind erfasste und hob sein Haar und die Federn dieser herrlichen Flügel und offenbarte die Adern pulsierend schimmernder Gnade. Da fiel mir auf, wie sehr er mich an die Kampf-Engel erinnerte, die damals in den Potomac Highlands die Decke der Großen Halle geziert hatten. Zayne schien fast irreal.
»Trinity«, wiederholte er. Seine Stimme war heiser, aber trotzdem das Schönste, das ich je gehört hatte.
Ich taumelte vorwärts, mein Herz klopfte wie wild. »Ja, ich bin’s.«
Zayne war so schnell, dass ich nicht einmal sah, wie er sich von der Kante des Dachs fortbewegte. Plötzlich war er da, vor mir, und kaum einen Herzschlag später hatte er die Arme um mich geschlungen. Er zog mich an seine Brust und vergrub die Hand und das Gesicht in meinen Haaren, während sich seine Flügel um mich schmiegten.
»Du bist es wirklich. Du bist wirklich hier.« Ein Schauer durchfuhr ihn, während ich seinen Wintermint-Duft einatmete. »Das hier ist wahr. Nicht irgendeine Art von Traum. Ich halte dich wirklich. Du bist am Leben.«
»Ja, bin ich.«
Ehrfürchtig berührte Zayne mein Gesicht und strich dann meinen Hals hinunter. Seine Finger verharrten einen Moment, wo mein Puls wild schlug, dann ließ er die Hand tiefer gleiten und legte sie mitten auf meine Brust, auf mein Herz.
Ein weiterer Schauer erfasste ihn, und er fiel vor mir auf die Knie. Mein Herz schlug Purzelbäume. Die schönen Flügel breiteten sich über den Fliesenboden aus, als Zayne meine Taille umfasste und zu mir hochstarrte.
»Du bist alles, was ich je wollte, noch bevor ich wusste, was ich wollte. Das warst du. Das warst immer nur du«, flüsterte er rau. »Und ich habe dich verloren.«
»Nein, hast du nicht.« Ich ließ mich vor ihm auf die Knie fallen und nahm sein Gesicht in die Hände. Die leuchtend blauen Augen glitzerten, als sich unsere Blicke trafen, und meine Brust zog sich zusammen, als ich die Tränen sah – die Panik und die Trauer, den Funken Hoffnung und am schlimmsten: die Angst. Ich erkannte all das in seinen Tränen, und ich wünschte mir nichts sehnlicher, als ihm all das abzunehmen. »Das ist kein Traum. Es ist definitiv so verrückt wie einer, aber es ist wahr. Es geht mir gut. Ich bin am Leben. Anscheinend wirklich lebendig, und ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr. Ich sage das nicht oft genug. Ich weiß, dass ich das nicht mache, weil ich komisch und unbeholfen bin, aber ich liebe dich …«
Zayne verschloss meine Lippen mit einem Kuss, der all die Angst und Panik wegspülte, die ich empfunden hatte, als ich glaubte, ich würde sterben. Er fegte Verwirrung und Gedanken gleichermaßen beiseite und ließ keinen Platz für etwas anderes als das Gefühl seiner Lippen auf meinen, seinen Geschmack und seine tiefen Empfindungen für mich. All die Angst und der Kummer, die er gefühlt hatte, nährten diesen Kuss, ebenso wie seine ganze Liebe, und diese Liebe übertraf nicht nur das Üble. Sie löschte es aus, und ich war erstaunt, wie viel ein Kuss offenbarte, wenn sich zwei Leute küssten, die sich liebten.
Und wir küssten und küssten uns, und meine Tränen vermischten sich mit seinen. Am Ende setzte er sich zurück, und irgendwie hockte ich auf seinem Schoß, seine Brust an meine gepresst und seine Flügel um mich gefaltet. Ich glaubte nicht, dass wir jemals aufhören würden, uns zu küssen, denn es lag eine Freude darin, eine süße Erleichterung darüber, dass wir beide schon zu oft kurz davor gewesen waren, das möglicherweise nie wieder zu erleben. Wir küssten uns eine Ewigkeit, und es war dennoch nicht lange genug.
»Du bist es wirklich.« Sein warmer Atem strich über meine Lippen, während er die Stirn an meine lehnte und sein Brustkorb sich heftig hob und senkte. »Niemand bekommt in so kurzer Zeit so viele Wörter heraus wie du.«
»Eins meiner vielen Talente«, erwiderte ich.
Sein Lachen klang unendlich erleichtert. »Wie ist das möglich, Trin? Du …« Seine Stimme klang belegt. »Ich habe dich gehalten. Ich konnte kaum noch spüren, dass du atmest, und du schienst mich nicht mehr zu hören. Dann warst du plötzlich verschwunden.« Er streichelte meine Wange. »Einfach weg.«
»Tut mir leid …«
»Gott, Trin. Du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen. Du hast nichts falsch gemacht.«
»Ja, aber ich weiß auch, was du durchgemacht hast, und ich wünschte, du hättest das nicht müssen.« Ich drehte den Kopf und küsste seine Handfläche. »Wenn ich könnte, würde ich das ungeschehen machen.«
Seine Nase streifte meine. »Was ist denn eigentlich passiert?«
»Mein Vater«, sagte ich und streichelte sein Kinn. »Es ist … äh … es ist wirklich da, aber du hattest recht. Was er für dich getan hat? Seine Art zu zeigen, dass er sich kümmert, und … warum ich nicht gestorben bin, lag auch an ihm. Der Zauberspruch, den die Alte mir gegeben hat? Der hat mehr bewirkt, als dich zu mir zu bringen. Er hat uns miteinander verbunden. Das Zeichen auf meiner Brust? Ein Zeichen der Bindung. Wie die Verbindung mit einem Beschützer, nur andersrum und stärker. Deshalb hat mich die Engelsklinge nicht getötet. Sie hat mich nur verwundet. Ich werde nicht altern. Ich sterbe nicht, es sei denn, dir passiert etwas.« Ich legte einen Finger auf die Mitte seiner Unterlippe. »Du hast mich also sozusagen für alle Ewigkeit am Hals. Gratuliere.«
Zayne lehnte sich so weit zurück, dass wir uns in die Augen sehen konnten. »Bist du … falls du … du würdest bei so etwas doch nicht lügen, oder?«
»Nein, würde ich nicht.« Ich hatte Zayne noch nie so aufgeregt gehört.
Er riss die Augen auf. »Ich … oh Gott, Trin. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, außer: Wie, zum Teufel, kannst du auch nur meinen, ich hätte dich am Hals?«
Ich lachte, und meine angespannten Muskeln begannen sich zu lockern. »Dachtest du etwa, mein Älterwerden wäre keine große Sache? Dass du mich auch noch mit kaputter Hüfte und so lieben würdest?«
»Ich würde dich ganz sicher lieben, auch mit kaputter Hüfte und so«, erwiderte er ernst. »Ich würde dich mit achtzig genauso sehr lieben wie jetzt. Ich würde auf keinen Fall zulassen, dass irgendetwas der Zeit, die ich mit dir hatte, im Wege steht, aber es wäre sicher nicht leicht gewesen, dabei zuzusehen, wie du mich langsam verlässt, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Und wenn dieser Tag gekommen wäre, hätte ich meinen Weg zu dir gefunden. Ich wäre dir gefolgt. Nichts hätte mich aufhalten können.«
Vor Rührung schnürte sich mir die Kehle zu. »Ich weiß.«
Sein Blick suchte meinen. »Aber sich darum nicht sorgen zu müssen? Diesen Tag nicht zu fürchten? Zu wissen, dass du auch in fünfzig Jahren noch an meiner Seite sein wirst? Und in hundert?«
Jetzt war wahrscheinlich nicht der richtige Zeitpunkt, diese Antichrist-Sache zu erwähnen. Lieber später.
»Ich kann fast nicht glauben, dass das wahr ist. Dass wir so viel Glück haben.« Langsam ließ er den Blick über mein Gesicht wandern. »Dass wir das hier haben. Eine echte Zukunft, in der ich mich nicht vor dem Tag fürchten muss, an dem ich dich verliere und du nicht mehr ununterbrochen von einem kaputten Hüftgelenk sprichst.«
Erneut lachte ich auf, und die Spannung fiel weiter von mir ab.
Er küsste mich, schnell und innig. »Ich liebe dieses Geräusch.«
»Das merke ich«, hauchte ich.
Seine Lippen formten ein Lächeln. »Ich bin echt sprachlos.«
»Na ja, ich hab dir noch nicht alles erzählt.«
»Ich glaube nicht, dass mich noch etwas schocken kann.« Er küsste mich auf die Wange.
»Peanut war Michael. Also mein Vater.«
Zayne lehnte sich zurück.
»Mein Vater ist Peanut«, wiederholte ich. »Die ganze Zeit war er Peanut. Eine Projektion von ihm aus … jüngeren Jahren, beziehungsweise eine Manifestation. Auf jeden Fall extrem bizarr und verwirrend.«
»Was?«
Ich nickte. »Du hast richtig gehört. Das war die einzige Möglichkeit für ihn, an meinem Leben teilzuhaben«, erklärte ich, wobei ich stockend ausatmete, und dann erzählte ich Zayne alles, was mein Vater mir gesagt hatte.
Aus meinem Mund klang das alles lächerlich.
»Okay. Du hattest recht«, meinte Zayne, als ich fertig war. »Das ist … Ich weiß nicht, was ich sagen soll.«
Ich zuckte mit den Schultern.
»Aber ist er nicht häufiger … zu mir ins Bad gekommen, wenn ich geduscht habe?«, fragte Zayne.
Ich erschauderte. »Er meinte, dass das nichts Unheimliches war und er es nur halb so oft gemacht hat, wie er behauptet hat, aber ja, ich weiß auch nicht so recht …«
»Ich werde einfach nicht weiter drüber nachdenken.«
»Ist vermutlich das Beste.«
Er streichelte meine Wange und wickelte sich eine Strähne meines Haars um den Finger. »Was hältst du von alldem?« Er drückte mir einen kleinen Kuss in den Mundwinkel. »Wie fühlst du dich?«
»Ich … ach, Gott, ich weiß es nicht. Ich glaube, ich habe noch nicht mal angefangen, irgendetwas davon zu verarbeiten«, gab ich zu und spielte mit den Spitzen seiner Haare. »Vor allem, wie viel Michael … mein Vater für mich getan hat. Wie viel ich nicht gewusst habe, sondern offen an ihm gehasst habe – ihn vor Peanut gehasst habe. Und darum komme ich mir jetzt wie eine Vollidiotin vor.«
»Nein, tu das nicht«, bat er, und als ich ihn das sagen hörte, musste ich grinsen. »Ich glaube, er versteht, warum du so empfunden hast. Er ist dein Vater. Er liebt dich.«
»Ja, das tut er«, flüsterte ich und atmete tief aus, während ich den Blick zu Zayne hob. In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken, aber ich würde … ich würde noch ewig brauchen, um das alles zu verarbeiten. »Wir haben Gabriel besiegt.«
»Ja, haben wir.« Zayne küsste meine Nasenspitze. »Wir haben den Himmel gerettet.«
»Und Gott die Menschheit.«
»Ich finde, das ist auch ein Verdienst von uns.« Mit den Lippen strich er über meine Stirn. »Luzifer ist wieder verschwunden.«
»Das war Michael«, sagte ich und fragte mich, ob ich jemals aufhören würde, es seltsam zu finden, ihn als meinen Dad oder meinen Vater zu bezeichnen. »Er wird zurück in die Hölle eskortiert. Übrigens, woher hast du eigentlich gewusst, dass ich hier oben bin?«
»Nachdem Luzifer verschwunden war, tauchte der Sensenmann auf.« Zayne küsste meine Schläfe. »Er sagte mir, ich würde finden, was ich suche, wenn ich nach Hause zurückkehre. Ich wusste, dass er von dir sprach, auch wenn ich viel zu viel Angst hatte, es auch nur zu hoffen.«
Ich lehnte die Stirn gegen seine. »Ich habe gehört, dass du von Luzifer verlangt hast, mich zurückzuholen, und dass du dann nach dem Sensenmann gefragt hast. Es tut mir so leid, dass du das alles durchmachen musstest.«
»Was du durchgemacht hast, als ich starb, war viel schlimmer. Ja, diese Minuten kamen mir wie eine Ewigkeit vor, aber du musstest das tagelang durchstehen.« Er legte mir die Hand in den Nacken. »Aber wir müssen uns keine Sorgen mehr machen, dass das noch einmal vorkommt. Jetzt sind wir zusammen.«
»Für immer.«
»Für immer«, wiederholte er und küsste mich zärtlich.
Ich lächelte. »Wir müssen den anderen sagen, dass es mir gut geht.«
»Machen wir.« Er strich über meinen Rücken, und seine Flügel öffneten sich. »Aber nicht gleich. Ich habe andere Pläne für dich und mich, und es ist mir egal, wie egoistisch das vielleicht rüberkommt.«
Mir stockte der Atem, als er über mein Becken strich. »Ich glaube, ich mag es, wenn du egoistisch bist.«
Zayne hob mich auf seine Arme. »Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du meinen Egoismus lieben.«
Und damit lag er nicht falsch.
Ganz und gar nicht.
In unserem Schlafzimmer, im Schein von Zaynes Sternbild, schliefen wir nicht nur miteinander. Wir bewiesen uns unsere Liebe schon, als wir uns auszogen. Sie offenbarte sich in jedem Streicheln und jeder neckischen und verweilenden Berührung. Die Liebe leuchtete bei jedem Kuss und jedem leisen Seufzer, und sie war ganz deutlich zu erkennen, als sich unsere Körper vereinigten, wir uns zusammen bewegten, angetrieben von der Erkenntnis, dass wir ein Leben teilten – und gleich mehrere davon – in Liebe und Akzeptanz, Respekt und Leidenschaft. Und dennoch fühlte sich selbst diese Ewigkeit an gemeinsamer Zeit nicht ausreichend genug an.
Danach, als ich ausgestreckt auf Zaynes Brust lag und einer seiner Flügel auf meinem Rücken, fragte Zayne: »Weißt du, was mit deiner Sehfähigkeit geschehen wird?«
»Keine Ahnung. Ich habe Michael gefragt, aber er wusste es auch nicht. Möglich ist, dass das Absterben der Zellen aufgehört hat oder eben weitergeht. Ein Geduldsspiel.«
»Wie vorher.«
»Yep.«
Er fuhr fort, Kreise auf meinem Oberarm zu zeichnen. »So oder so, du kriegt das hin.«
Ich grinste. »Wir kriegen das hin.«
»Richtig.« Er streckte den Hals und küsste meinen Scheitel. Wir schwiegen eine Weile. »Habe ich dir jemals erzählt, wie es für mich im Himmel gerochen hat?«
Ich hob den Kopf und versuchte, trotz des schummrigen Lichts seine Gesichtszüge zu erkennen. »Nein, das hast du nicht.«
»Jasmin«, sagte er. »Der Himmel roch nach Jasmin.«
Ich brauchte einen Moment – okay, es dauerte länger, als es wohl sollte, bis ich begriffen hatte, aber dann hatte ich’s. »Mein Duschgel riecht nach Jasmin.«
»Ja, ich weiß«, bestätigte er. »Der Himmel riecht nach dir.«
Mein Herz hüpfte und vollführte ein kleines Tänzchen. »Ich liebe dich.«
Wir küssten uns, und dann verbrachten wir den Rest der Nacht damit, einander wieder und wieder zu zeigen, wie sehr wir uns liebten.
»Ich hätte nie gedacht, dass ich mal auf einer Grillparty mit Dämonen zu Gast sein würde«, sagte Jada, als sie sich am nächsten Abend neben mich an einen Picknicktisch setzte. »Verdammt, und dass ich sehen würde, dass Wächter und Dämonen zusammen abhängen, wäre mir auch nie in den Sinn gekommen«, fügte sie kopfschüttelnd hinzu.
Wir saßen im Garten von Roth und Layla direkt neben einem extravaganten Pool, der wunderbar zu einem … Dämonen-Prinzen passte. Das Ding hatte sogar einen Wasserfall, der aus einem Felsen heraussprudelte! »Und vergiss den gefallenen Engel nicht.« Mit der Schulter stupste ich gegen ihre und sah zu Zayne hinüber. Er stand auf der Terrasse neben dem Pool und unterhielt sich mit Ty und Roth.
Ich war schockiert, dass Ty hier überhaupt aufgetaucht war, und noch überraschter, als er beim Kennenlernen erst Roths und dann Caymans Hand geschüttelt hatte. Und kann sein, dass ich auch ein wenig die Luft angehalten hatte, als Nicolai mit Danika und Dez, der seine Frau mitgebracht hatte, angekommen war. Dass die Führung des D. C.-Clans erscheinen und zwei Frauen mitbringen würde, war wirklich erstaunlich. Ja, die beiden männlichen Wächter hassten nicht alle Dämonen, aber das bedeutete noch lange nicht, dass sie mit ihnen in der Freizeit abhingen.
Und genau das taten sie jetzt. Sie standen mit den anderen zusammen und redeten und lachten sogar. Jasmine und Danika saßen am Poolrand, ihre Beine baumelten im Wasser, während Cayman Spaß bei einem Volleyballmatch mit Stacey hatte.
Vielleicht war die bisherige Welt wirklich untergegangen.
Doch es gab auch einen Grund zum Feiern. Gideon hatte es geschafft, genug Edelsteine zusammenzutragen, um die Ley-Linien zu unterbrechen. Ende der Woche würden sie in unserem Besitz sein.
»Das ist ein Neuanfang, so fühlt es sich zumindest an«, sagte Jada. »Eine neue Ära.«
»Ja, stimmt.« Ich schaute zu Jada. Sie hatte alles, was ich ihr erzählt hatte, ziemlich gut aufgenommen. Sogar den Teil, dass Peanut mein Vater war. Ich glaubte, sie verkraftete das alles besser als ich, aber Jada war ja schon immer unglaublich pragmatisch gewesen. »Wann, meinst du, wird Ty offiziell zum D. C.-Clan versetzt? Wird noch bis zur nächsten Akkolade damit gewartet?«
»Ich wünschte nicht, aber denkst du echt, mein Vater würde mal etwas anders machen?«
Ich grinste. »Wahrscheinlich nicht.«
»Du kommst uns doch besuchen, oder?«
»Natürlich. Zayne und ich haben uns einen Urlaub verdient, und den machen wir, sobald wir das mit dem Portal geregelt haben.« Ich sah, wie Zayne den Volleyball zurück zu Cayman schmetterte.
Wir wollten all die Orte besuchen, über die wir schon gesprochen hatten. Rom. Edinburgh. Hollywood. Und dann würden wir hierher zurückkommen. Im Moment planten wir, hier in der Gegend zu bleiben, vor allem weil der Antichrist hier irgendwo in der Nähe war, aber vielleicht würden wir auch umziehen. Wir wussten es noch nicht, und es hatte etwas Aufregendes, dass die Zukunft so ungewiss war. Es würde nicht immer einfach sein. Das wusste ich. Wir mussten zurück in die Highschool und das Portal stören. Dort gab es immer noch Geister und Schattenwesen, und wir mussten trotzdem herausfinden, wie wir den Engelsbann brechen konnten, der sie dort festhielt. Es würde noch mehr Dämonen geben, die sich nicht an die Regeln halten wollten, und noch mehr dumme Menschen, die irgendwie Schlimmeres anrichten würden, als jede dämonische Kraft es je könnte. Und dann waren da noch der Antichrist, mit dem ich möglicherweise zu tun haben würde, und die Tatsache, dass ich nach wie vor erblinden könnte. Die Dinge würden nicht immer sicher sein oder Spaß machen. Es lauerten Gefahren und ganz andere Abende als dieser, aber wir hatten einander. Und wir hatten unsere Freunde.
Das war alles, was zählte.
Etwas später knisterten die Flammen in der Feuerstelle. Es gab tatsächlich S’Mores, und ich lag in Zaynes Armen, den Hinterkopf an seine Brust gelehnt, während ich in den dunklen Himmel schaute.
Da waren keine Sterne, die ich sehen konnte, aber das war in Ordnung. Schließlich hatte ich Zaynes Sternbild, auf das ich jede Nacht blicken konnte. Ich würde mich immer daran erinnern, wie schön das Meer aus schillernden, funkelnden Lichtern gewesen war. Diese Erinnerung würde nie verblassen. Sie würde immer da sein, wenn ich in den Nachthimmel schaute. Ich würde immer die Sterne sehen, egal, was passierte. Seinetwegen.
Wegen Peanut.
Meines Vaters.
Danke, Dad. Lautlos formte ich die Wörter mit den Lippen, aber ich glaubte, er würde sie trotzdem hören.
Danke.