Zayne stand kaum einen Meter von mir entfernt, und die für Juli überraschend kühle Brise wehte ihm die Spitzen seines blonden Haars von den nackten Schultern.
Beziehungsweise glaubte ich das zu sehen.
Langsam wurde ich blind. Mein Sichtfeld war schon stark eingeschränkt, an den Rändern konnte ich nur noch wenig bis gar nichts erkennen. Letztlich würde nur noch ein stecknadelkopfgroßer Ausschnitt bleiben. Um das Ganze noch komplizierter zu machen, war auf beiden Augen Grauer Star hinzugekommen, sodass meine Sehfähigkeit noch verschwommener und die Augen noch lichtempfindlicher waren. Dabei handelte es sich um die genetisch bedingte Krankheit namens Retinitis pigmentosa, und nicht mal das ganze Engelsblut, das durch meine Adern floss, konnte das Fortschreiten der Krankheit verhindern. Jedes helle Licht erschwerte es mir, etwas zu sehen, und schwaches Licht war auch nicht viel besser, weil dadurch alles nur schemenhaft wurde, und sobald es dunkel wurde, konnte ich kaum noch etwas erkennen.
Und da die Laternen im Rock Creek Park ausschließlich den Wanderweg hinter mir beleuchteten, war es mehr als wahrscheinlich, dass ich gar nicht sah, was ich zu sehen meinte.
Außerdem hatte ich erst vor wenigen Tagen ein höllisches Trauma durchlebt, als mir der psychotische Erzengel Gabriel, auch bekannt als der Bote überlanger Monologe, eine Tracht Prügel epischen Ausmaßes verpasst hatte, und Gott allein wusste, was das mit meinen Augen angerichtet hatte.
Oder mit meinem Verstand.
Zayne könnte bloß eine Halluzination sein, ausgelöst von einem Gehirnschaden oder durch Trauer. Beides kam mir logischer vor, als meinen Augen zu trauen. Denn: Wie stand er da vor mir? Zayne war … oh Gott, er war gestorben, sein Körper war mittlerweile zu Staub zerfallen, wie bei allen toten Wächtern. Unsere Bindung, die ihn zu meinem Beschützer machte und die uns beiden Stärke und Schnelligkeit verlieh, hatte sich in dem Moment gegen uns gerichtet, als ich mir aufrichtig eingestand, wie sehr ich in Zayne verliebt war. Das schwächte ihn körperlich, und Gabriel nutzte das zu seinem Vorteil. Ich hatte Zaynes letzte Worte gehört. Schon okay. Und ich hatte mitbekommen, wie er seinen letzten Atemzug tat. Ich hatte gespürt, wie das Band, das uns als Beschützer und Trueborn zusammenhielt, innerlich riss.
Er war gestorben.
Er war tot.
Aber er war hier, er stand vor mir, und ich roch frisch gefallenen Schnee und Minze – Wintermint. Stärker denn je, als wäre die Sommerluft wintergetränkt.
Wegen dieses Duftes fragte ich mich, allerdings nur kurz, ob er vielleicht ein Geist wäre – jemand, der gestorben und übergegangen war. Wenn Seelen, die ins Jenseits übergetreten waren, nach ihren Lieben schauten, rochen die Hinterbliebenen oft etwas, das sie an die Verstorbene oder den Verstorbenen erinnerte. Parfum. Zahnpasta, Zigarren. Lagerfeuer. Es konnte alles sein, denn der Himmel … Der Himmel duftete ganz besonders. Er roch nach dem, was man sich am meisten wünschte, und ich wollte mehr als alles auf der Welt, dass Zayne noch lebte.
Jetzt nahm ich den Duft des Himmels wahr.
Aber selbst mit meinem eingeschränkten Sichtfeld konnte ich erkennen, dass Zayne kein Geist war. Nein, er war aus Fleisch und Blut – strahlend lebendig. Denn seine Haut leuchtete mit einem sanften Schimmer, der zuvor nicht da gewesen war.
Schwindel überfiel mich, als ich in die Augen blickte, die nicht mehr hellblau waren. Nun besaßen sie einen intensiven, lebendigen Farbton, der mich an den kurzen Moment während der Abenddämmerung erinnerte, wenn der Himmel ein sattes Saphirblau annahm. Aber Wächter hatten weder solche Augen, noch leuchteten sie wie diese Glo-Worm-Stofftierchen, die Jada mal auf dem Dachboden gefunden hatte, als wir noch Kinder gewesen waren.
Und Wächter besaßen, verflucht noch mal, auch keine solchen Flügel, wie sie sich in diesem Moment an Zaynes kräftigen Schultern ausbreiteten. Das waren keine Wächter-Flügel, die mich oft an weiches Leder erinnerten. Oh nein, diese hier waren gefiedert – weiß und fest, durchzogen mit leuchtenden goldenen Spuren göttlichen Feuers, durchzogen mit Gnade.
Bis auf Gott selbst trugen nur zwei Geschöpfe in dieser Welt und darüber hinaus die starke und allmächtige Gnade in sich. Und ich war eines dieser Geschöpfe.
Doch anders als ich war Zayne kein Trueborn, und er war auch nicht wie einige wenige Menschen, die in ihrem Familienstammbaum einen Engel hatten, der ihnen eine schwächere und nicht sehr kraftvolle Gnade verlieh, sodass sie entweder Geister und Gespenster sehen konnten oder über irgendwelche anderen spirituellen Fähigkeiten verfügten. Mein ganzes Leben lang war mir erklärt worden, dass ich die einzige Trueborn bin, die erste Generation der Verbindung eines Engels und eines Menschen. Allerdings war das nicht ganz richtig. Denn es hatte noch Sulien gegeben, Gabriels Sohn, aber Zayne hatte ihn umgebracht, darum ging ich davon aus, wieder so einzigartig zu sein, wie ich nun mal war. Doch all das spielte keine Rolle, weil Zayne ja Wächter gewesen war.
Das einzige andere Wesen mit dieser Art von Gnade und Flügeln war ein Engel, allerdings war Zayne auch das nicht.
Trotzdem besaß er jetzt definitiv Engelsflügel – gefiederte Engelsflügel, die vor Gnade nur so strahlten.
»Trin …?«, sagte er und atmete hörbar scharf ein. Oh Gott, das war tatsächlich seine Stimme, und mein ganzer Körper schien zu beben. Vor Tagen hätte ich alles dafür gegeben, seine Stimme noch einmal zu hören, und nun war es so weit.
Auf wackligen Beinen bewegte ich mich einen Schritt vorwärts.
»Ich kann … dich spüren.« Er klang verwirrt und starrte mich an.
Meinte er damit die Bindung als mein Beschützer? Ich suchte die Spur eines Zeichens in mir, die Andeutung von Gefühlen, die nicht meine waren. Doch nichts. Da war kein Band. Keine Verbindung.
Zayne war nicht mehr mein Beschützer.
»Trinity«, wiederholte er sanft. Und da bemerkte ich es. Den Klang seiner Stimme. Er war anders. Da war mehr als nur Verwirrung. »Der Name … er bedeutet etwas.«
Mein Herz überschlug sich. »Weil’s mein Name ist.«
Er neigte den Kopf, sodass sein Gesicht im Schatten lag. Dennoch konnte ich den starren Blick fühlen. Erinnerte er … erinnerte Zayne sich nicht an mich? Sorge keimte in mir auf. Keine Ahnung, wie er zurückgekommen war oder warum er wie ein Engel aussah. Doch wenn ihm etwas zugestoßen war, was sein Gedächtnis beeinträchtigt hatte, würde ich ihm helfen. Wir würden das gemeinsam bewältigen. Alles, was zählte, war, dass er am Leben war. Ich machte einen weiteren Schritt vorwärts, hob den Arm …
In einem Augenblick stand er noch ein Stück von mir entfernt, im nächsten war er direkt vor mir – mit diesen unglaublichen Flügeln, die die Welt hinter ihm verdeckten. Zayne bewegte sich schneller als jeder Wächter – sogar schneller als ich.
Verblüfft zuckte ich zusammen und drehte ruckartig den Kopf zur Seite. Etwas sagte mir, dass Zayne, der wusste, wie es um meine Sehfähigkeit stand und wie schwer es mir fiel, Bewegungen zu verfolgen, sich mir nicht auf diese Art genähert hätte. Aber mit seinem Gedächtnis stimmte eindeutig irgendetwas nicht und …
Zayne ergriff meine Hand, senkte das Kinn und atmete tief ein. Er erschauderte und hob dann wieder den Kopf. Erstaunt riss ich die Augen auf. So nah, wie er mir nun war, konnte ich die vertrauten Linien und Umrisse seines Gesichts erkennen, doch sie waren … Ich sah sie viel deutlicher, und das alles ergab keinen Sinn. Zaynes Flügel blockierten das Mondlicht, und der Lichtschein der Laternen war nicht nah genug, als dass er eine Erklärung dafür geboten hätte, warum ich Zayne so gut sehen konnte. Seine Gesichtszüge waren allzu klar, und da … da war tatsächlich dieses Leuchten unter …
»Meinst du, du kannst es mit mir aufnehmen, kleines Nephilim?«, fragte er.
Moment mal. Was?
Sämtliche meiner Sinne gerieten in Alarmbereitschaft, während ich zu ihm aufblickte. »Kleines …?«
Meine noch nicht ganz verheilte Haut und die angeschlagenen Muskeln protestierten, loderten schmerzhaft auf, während er mich an seine Brust zog. Als wäre er aus Stahl, schloss sich sein Arm fest um meine Taille. Der Griff war erdrückend, der Körperkontakt war allerdings ein Schock für mein gesamtes System, er zerstreute alle Gedanken und ließ die Alarmglocken verstummen, die eigentlich laut hätten läuten sollen. Erneut senkte Zayne den Kopf, und mein Körper spannte sich erwartungsvoll an. Hier ging eine Menge Seltsames vor sich, aber er wollte mich offenbar küssen, und das würde ich mir niemals entgehen …
Er barg das Gesicht in meinem Haar und atmete erneut tief ein. »Dein Duft … den kenne ich. Er sagt mir was. Warum?«
»Weil du … äh … mich kennst?«, meinte ich.
»Kann sein«, murmelte Zayne, und für einen Moment hielt er mich bloß fest, und ich betrachtete das als gutes Zeichen. »Aber du … ich erkenne die Gnade. Sie ist stark. Wie bei einem Erzengel«, sagte er und spie das letzte Wort aus, als würde er über eine unheilbare Krankheit sprechen.
Was, zur Heiligen Hölle …?
Ich wandte den Kopf, immer noch unfähig, die Arme zu heben, weil sie seitlich an meinen Körper gedrückt wurden. »Zayne, ich bin’s«, meinte ich und versuchte, mir auf all das hier einen Reim zu machen. »Trinity.«
Er rührte sich kein bisschen. »Da ist etwas Wichtiges – dein Name, dein Duft«, erwiderte er, erneut erschaudernd, während sich sein Griff ein wenig lockerte. »Ich spüre zu viel. All die Gier und Unersättlichkeit, die Abscheu und den Hass. Das ist in mir, und es erfüllt mich.«
Das … das hörte sich überhaupt nicht gut an.
»Aber du riechst fantastisch. Berauschend. Vertraut«, wiederholte er. Er bewegte den Kopf, und ich spürte seinen Mund an meiner Wange.
Ich keuchte, denn meine Sinne waren überwältigt von der Explosion widersprüchlicher Gefühle. Mein Körper reagierte vertraut auf seine Nähe, doch mein Verstand und mein Herz nicht. »Lass mich los, und wir werden herausfinden, was vor sich geht.«
Doch Zayne ließ nicht los.
Er lachte.
Und dieses Lachen … es hatte nichts von dem Klang, den ich liebte und mochte. Schauer überzogen meine Haut, aber nicht auf lustige, gute Art. Zaynes Lachen war kalt, beinahe herzlos, und es gab eigentlich nichts an ihm, das herzlos war. »Lass mich runter, Zayne.«
»Hör auf, mich so zu nennen.«
Mein Herz setzte gleich mehrere Schläge aus. »Aber so heißt du.«
»Ich habe keinen Namen.«
»Doch, hast du. Er lautet Zayne …«
»Und ich werde dich runterlassen, wenn es mir passt«, unterbrach er mich. »Rate mal, kleines Nephilim. Ich habe keine Lust dazu.«
Okay. Ich liebte ihn mit jeder Faser – liebte ihn mehr als alles andere. Allerdings war ich darüber hinaus momentan superbesorgt, was seinen Geisteszustand betraf. Ich wollte ihm helfen, und das würde ich auch. Aber er fing echt an, mich zu nerven.
»Hör auf, mich kleines Nephilim zu nennen«, warnte ich ihn.
»Das bist du doch.«
»Ich bin eine Trueborn, aber das ist auch nicht mein Name. Mein Name lautet Trinity oder Trin.« Vergeblich versuchte ich, mich aus seinem Griff zu winden. Ein tiefer, animalischer Laut drang aus seiner Kehle. »Lass mich runter, oder ich schwöre bei Gott …«
»Gott? Du schwörst bei Gott?« Erneut lachte er auf. »Gott hat uns alle verlassen.«
Ich war schockiert, empfand eine wilde Mischung aus Erleichterung, Verwirrung, Irritation und etwas viel Stärkerem und Erschütternderem. Zum ersten Mal, seit ich Zayne kannte, empfand ich in seinen Armen Angst.
Mir wurde eiskalt, und mein körpereigenes Alarmsystem reagierte auf den Ansturm von Furcht. Tief in mir sprühte meine Gnade erste Funken.
Zayne fauchte. Tatsächlich! Er fauchte – wie eine wütende, ungezähmte Katze. Wie eine wütende, sehr große Wildkatze. Wegen der Gnade, die in mir pulsierte. Das war mehr als verrückt.
Mein Instinkt übernahm. Ich drehte den Körper, achtete nicht auf die Schmerzen, die von meinen noch nicht geheilten Verletzungen ausgingen, riss das Knie hoch und rammte es ihm in die Leiste.
Oder versuchte es zumindest.
Denn Zayne ahnte den Move voraus. Mein Knie traf bloß seinen Oberschenkel. Eine Woge des Zorns und rasch wachsender Panik peitschte durch mich hindurch, während meine Gnade drängte und verlangte, ans Licht zu kommen, doch ich hielt sie zurück. Zayne war verwirrt, und er war eben erst mit Engelsflügeln von den Toten zurückgekehrt, deshalb wollte ich ihm nicht allzu sehr wehtun. Und meine Gnade würde mehr als das anrichten. Sie würde ihn umbringen.
Es gelang mir, einen Arm zu befreien, und ich boxte Zayne auf den Kiefer, immerhin so fest, dass in meinen Knöcheln Schmerz aufflammte, und er lächelte. Er lächelte, als hätte ich ihn nicht mal getroffen, doch der Schwung seiner Lippen wirkte überhaupt nicht richtig, sondern eiskalt und unmenschlich.
»Autsch«, nuschelte er. »Da musst du schon noch besser werden.«
Ich holte mit der flachen Hand aus und traf ihn unterm Kinn. Vor Schmerz stöhnte er auf, während er mich zur Seite stieß – nein, zur Seite warf. Spitz aufschreiend schlug ich ein Stück entfernt auf dem Boden auf. Noch immer hatte mich der Schock fest im Griff und dämpfte so ein wenig die neuerliche Welle von stechendem Schmerz, als ich zu Zayne aufschaute und begriff.
Das war Zayne – und doch war er es nicht.
Der wahre Zayne würde mich nie wie eine Frisbeescheibe wegschleudern. Selbst wenn ich es verdient hätte, und, weiß Gott, ich konnte extrem unausstehlich sein, dennoch würde Zayne so etwas niemals tun. Ich könnte ihm mitten ins Gesicht schlagen, und er würde trotzdem nicht mal einen Finger gegen mich erheben, wenn mir das Schaden zufügen könnte.
Den Schmerz und die Bestürzung über diese Erkenntnis abschüttelnd, rappelte ich mich auf.
Verschwommen nahm ich die Bewegung von goldener Haut und Flügeln wahr. Allerdings war sie so schnell, dass ich sie nicht verfolgen konnte, und schon hatte Zayne mich am Ärmel meines Shirts gepackt. Er hob mich hoch in die Luft. So schwebte ich meterhoch über dem Boden.
Heiliger Mist.
Seine Flügel entfalteten sich und breiteten sich aus. Sie waren riesig und wunderschön. Und momentan auch echt Angst einflößend. Zayne hielt mich, als wäre ich ein Kleinkind, das einen Wutanfall hatte. Noch dazu ein winziges Kleinkind.
Und das legte meinen Bitch-Schalter um.
Ich trat um mich und traf Zayne in den Magen. Sein Griff an meinem T-Shirt lockerte sich, und urplötzlich flog ich.
Ich landete auf dem Bauch, knallte mal wieder auf den Boden. Schmerz bohrte sich in die Rippen, während mir die Luft wegblieb. Okay. So fühlte es sich also wirklich an, wenn man wie eine Frisbeescheibe weggeschleudert wurde. Jetzt kannte ich das auch. Gut zu wissen. Stöhnend kippte ich zur Seite und versuchte, mich aufzusetzen. Doch ich kam nicht weit. Schon war er wieder da, über mir, sein Gesicht direkt vor mir. Diese strahlend blauen Augen waren wie Glasscherben aus Eis. Bei seinem Blick gefror mir das Blut in den Adern, gefror meine Seele.
»Zayne, bitte …«
Er packte mein Kinn, die Finger drückten in die Haut. »Hör auf, mich so zu nennen.«
»Aber das ist dein Name …«
»Nein.«
»Wie soll ich dich denn sonst nennen?«, brüllte ich. »Idiot?«
Amüsiert zog er einen Mundwinkel nach oben. »Du darfst mich Tod nennen. Wie hört sich das an?«
Angst flutete mein System, doch das konnte ich zum Glück verbergen. »Wie sich das anhört? Ziemlich bescheuert!«
Sein Grinsen gefror.
Ich holte mit der Faust aus.
Ruckartig streckte er die Hand aus und fing meine Faust im Flug. Er hatte nicht mal den Blick von mir abgewandt, nicht einmal mein Kinn losgelassen. »Das kommt mir bekannt vor.«
»Dass ich etwas, das du gesagt hast, für bescheuert halte? Denn das sollte …«
»Nein.« Er kniff die Augen zusammen. »Das hier. Das Kämpfen.«
»Weil wir zusammen trainiert haben! Wir haben gegeneinander gekämpft«, erklärte ich schnell und versuchte, die Panik und Furcht zu unterdrücken. »Nicht, um uns zu verletzen. Nie, um uns gegenseitig zu verletzen.«
»Nie um uns gegenseitig zu verletzen«, wiederholte er behäbig, als könnte er nicht begreifen, wie die Wörter zusammenpassten. Sein Kopf wirbelte zur Seite, und er schloss die Augen. »Das ist nicht …« Seine Finger gruben sich in meine Haut und drückten so kräftig zu, dass ich mir sicher war, mein Kinn würde zersplittern. »Du kennst mich. Du bist wichtig.«
Ich schluckte die Angst hinunter. »Weil … weil wir uns kennen. Wir sind zusammen. Du würdest das nicht tun. Du würdest mir nicht wehtun.«
»Würde ich nicht?« Nun klang er noch verwirrter. »Warum nicht? Du bist ein Nephilim. Du besitzt die Gnade eines Erzengels.«
»Das ist egal. Du würdest mich nicht verletzen, weil du mich liebst«, flüsterte ich mit brüchiger Stimme. Meine Augen füllten sich mit Tränen. »Darum.«
»Liebe?« Erschrocken fuhr er zusammen, als hätte er sich verbrannt, und ließ abrupt mein Kinn los. »Ich liebe dich?«
»Ja. Ja! Wir lieben einander, Zayne, und was auch immer dir zugestoßen ist, wir bringen es wieder in Ordnung. Gemeinsam kommen wir dahinter und …«
»Wir?« Seine Hand schloss sich um meine Kehle, der Griff beinahe tödlich. »Es gibt kein Wir. Es gibt keinen Zayne«, widersprach er. »Ich bin Der Gefallene.«
Es blieb nicht genug Zeit, dass diese Worte Schaden anrichten oder irgendeinen Sinn ergeben konnten. Seine Hand umklammerte meinen Hals dermaßen fest, dass nur noch der dünnste Hauch von Atem durch meine Kehle passte. Keine Ahnung, ob er tatsächlich zudrücken würde oder nicht. Wenn ja, war er dann ins Leben zurückgekehrt, um mich zu töten? Das schien ironischerweise passend. Und wenn das wirklich so war, wäre ich offenbar supertot und superangepisst, aber auch wahnsinnig untröstlich. Denn wenn Zayne aus dem, was auch immer es war, erwachte, würde ihn die Erkenntnis, was er getan hatte, erneut umbringen.
Das jedoch hatte ich nicht verdient.
Genauso wenig wie er.
Schwer zu erklären, was ich als Nächstes tat. Unbewusst hob ich die Hände. Die zitternden Finger einer Hand legte ich an seine Wange und die Handfläche der anderen auf seine Brust. Haut an Haut.
Zayne blinzelte, löste den Griff um meinen Hals und wich ruckartig zurück. Einen flüchtigen, irritierenden Moment lang trübten sich seine leuchtenden Augen, während ich mich seitlich wegdrehte und herrlichen Sauerstoff einatmete. Keinen Schimmer, was ihn dazu veranlasst hatte, loszulassen, und was ihn daran gehindert hatte, noch ein bisschen mehr Druck auszuüben. Überglücklich, wieder Luft zu bekommen, war es mir im Augenblick auch echt egal.
Jetzt schloss sich seine Hand um meine Schulter, und ich verkrampfte mich sofort, aber er rollte mich bloß auf den Rücken. Fast zärtlich.
»Was …« Er schüttelte den Kopf, und Strähnen seines blonden Haars fielen ihm ins Gesicht. »Warum würdest du mich nicht angreifen? Warum berührst du mich? Ich kann die Macht in dir spüren. Du kannst gegen mich kämpfen. Du wirst nicht gewinnen, aber immer noch besser, als nur dazuliegen.«
Besser, als dich nicht zu töten, hätte ich am liebsten eingeworfen, aber selbst ich konnte erkennen, dass das sinnlos war. Mit ihm zu diskutieren würde nicht funktionieren. Ich könnte von den Dächern der Häuser schreien, dass ich ihn liebe, und es würde nichts ändern. Ich musste hier weg, an einen sicheren Ort, um herauszufinden, was, zur Hölle, eigentlich los war. Mir gefiel nicht, was ich gleich tun würde, allerdings gab es keine andere Möglichkeit.
Ich griff an meinen Oberschenkel und zog den eisernen Dolch heraus, der unter dem Saum meines Shirts verborgen war.
»Warum willst du nicht gegen mich kämpfen?«, fragte er. »Du bist der Feind. Du solltest gegen mich kämpfen.«
Dass er mich Feind nannte, konnte ich überhaupt nicht begreifen. »Ich werde nicht gegen dich kämpfen, weil ich dich liebe, du verdammter Idiot.« Meine Finger schlossen sich um den Griff des Dolches, während er einen Blick aufsetzte, den er mir immer zuwarf, wenn ich etwas tat, das er nicht verstand, was oft der Fall war. Es zerriss mir das Herz.
»Tut mir leid«, flüsterte ich.
Zayne neigte den Kopf zur Seite. »Tut mir leid, dass …«
Ich drückte mich vom schmutzigen Boden und dem Gras ab und schwang den Arm im hohen Bogen. Die scharfe Kante der Klinge erwischte ihn unterm Kinn. Ich führte den Hieb schnell und flach aus, was ihn verblüffte.
Zayne stolperte nach hinten, sein wunderschönes Gesicht wutverzerrt. Er griff sich an die Kehle und brüllte so laut, dass es mir kalt den Rücken hinunterlief. Ich sprang auf die Füße und zögerte keine Sekunde. Ich rannte los, als wäre der Teufel hinter mir her.
Ich lief und lief, kreuzte blindlings den Verkehr und rannte beinahe unzählige Menschen über den Haufen, während meine Sneakers über den Asphalt trommelten. Wie ich es hinbekam, nicht von einem Auto plattgemacht zu werden, war mir ein Rätsel. Jeder einzelne Körperteil schmerzte, aber ich wurde nicht langsamer. Ich wusste nicht mal, wohin ich lief …
Folge mir.
Ich strauchelte, als eine Stimme, die so gar nicht meine war, um mich herum widerhallte. Schwer atmend wurde ich langsamer. Grellgelbe Straßenlaternen warfen bedrohliche Schatten auf die Gehwege. Gesichter und Körper bildeten nichts weiter als formlose Unschärfen, während von der Straße Autohupen ertönten und Leute schrien.
Folge mir, Trueborn.
Entweder war ich kurz davor, den Verstand zu verlieren, was meiner bescheidenen, unvoreingenommenen Meinung nach zu diesem Zeitpunkt völlig verständlich gewesen wäre, oder ich hörte tatsächlich eine Stimme in meinem Kopf.
Doch bedeutete es nicht auch, dass man den Verstand verlor, wenn man Stimmen hörte?
Folge mir, Kind des Michael. Das ist deine einzige Hoffnung, den in den alten Stand zurückzuversetzen, der deinetwegen der Gefallene wurde.
Plötzlich entstand vor meinem geistigen Auge wieder das Bild von etwas, das wie ein Stern aussah, der auf die Erde fiel. Zayne. Das war Zayne gewesen.
Gefallen.
Er sagte ja auch, er sei der Gefallene.
Ich wusste, was das bedeutete, aber das konnte doch wohl nicht wahr sein.
Folge mir.
Die Stimme … sie klang, als würde sie große Macht ausstrahlen. Eine Stimme, unter der ich mir nichts vorstellen konnte. Ich schluckte trocken, mein Blick huschte hektisch hin und her, und ich sah nichts. Zayne war von den Toten auferstanden – er war verändert, im Stil von Friedhof der Kuscheltiere, hatte Flügel, aber er war wieder da. Er war es wirklich, und er lebte, also konnte ich sehr wohl eine echte Stimme in meinem Kopf hören.
Momentan war eben alles möglich.
Aber wenn die Stimme real war, wie, in aller Welt, sollte ich etwas folgen, das ich nicht sehen konnte?
Kaum gedacht, hörte ich: Vertrau deiner Gnade. Sie weiß, wohin sie muss. Du bist schon auf halbem Weg zu dem Ort, wohin du musst.
Meiner Gnade vertrauen? Beinahe hätte ich aufgelacht, allerdings war ich zu erschöpft. Ich war bereits auf halbem Weg zu dem Ort, wohin ich musste? Ich war doch bloß gerannt …
Und zwar kopflos.
Gerannt, ohne wirklich bewusst zu denken. Genauso wie ich Zayne berührt hatte. Beide Male hatte mein Instinkt übernommen, und Instinkt und Gnade waren ein und dasselbe.
Ich war bereit, alles zu versuchen, um herauszufinden, was mit Zayne geschehen war.
Ich nahm wieder Tempo auf, begann erneut zu rennen und lief geradeaus, bis ich nach links abbog. Dafür gab es keinen Grund. Ich kürzte nur den Weg ab und eilte dann weiter. Als Nächstes bog ich nach rechts ab. Es fing an zu regnen und schüttete dann gleichmäßig. Keine Ahnung, wohin ich laufen sollte. Das Herz pochte gegen meine Rippen, als ich eine verkehrsreiche Ecke überquerte. Ich hatte die Stimme eine Weile nicht mehr gehört, und schon als ich befürchtete, sie mir doch nur eingebildet zu haben, sah ich die … die Kirche auf der anderen Straßenseite, die nach und nach deutlicher zu sehen war. Aus Sandstein errichtet und mit vielen Erkern und Türmchen, wirkte sie wie aus grauen Vorzeiten. Mir war sofort klar, dass ich genau dorthin geführt werden sollte. Wie oder warum? Keine Ahnung!
Ich glaubte, die Kirche wiederzuerkennen, als ich die breiten Stufen hinaufstieg und zwischen zwei erleuchteten Laternen hindurchging. Saint Patricks oder so ähnlich? Der Mondschein fiel auf das Kreuz über dem Eingang, und einen Moment lang schien es so, als würde es in himmlischem Licht erstrahlen.
Kaum dass ich unter das Vordach trat, atmete ich flach ein. Regentropfen liefen seitlich an meinem Gesicht und meiner Kleidung hinunter. Blut klebte unter meinem Mund. War es überhaupt meins? Oder Zaynes? Keinen Schimmer. Ich hatte den leisen Verdacht, mir eine Rippe gebrochen zu haben, die wahrscheinlich erst verheilt war, aber es tat nicht weh. Vielleicht hatte mein Körper, weil ich so viel gleichzeitig fühlte, keine Gelegenheit, um eine Auszeit zu betteln.
»Wird schon schiefgehen«, murmelte ich, näherte mich dem Kirchenportal und blieb dann stehen.
Jedes einzelne Härchen meines Körpers stellte sich auf, und das Unbehagen wuchs, sodass es mir schwerfiel zu schlucken. Ohne zu wissen, was mich erwartete, öffnete ich die massiven Türen und betrat das Gebäude, das vor über zwei Jahrhunderten erbaut worden war. Umgehend tanzte ein elektrisierender Reiz auf meiner Haut, wie eine Warnung, dass ich … dass ich an einem Ort war, an den ich eigentlich nicht gehörte.
Das Kind eines Engels, geschweige denn eines Erzengels, war ein großes Tabu, auch wenn ich im Grunde dafür geschaffen wurde zu kämpfen. Darum sollte es mich eigentlich nicht allzu überraschen, dass mein Instinkt verlangte, mich gleich wieder umzudrehen und zu gehen.
Doch das tat ich nicht.
Meine Muskeln spannten sich an, als sich knarrend eine kleine Tür zu meiner Rechten öffnete. Ein junger Geistlicher in weißem Gewand mit rotem Saum trat heraus.
Er nickte mir zu. »Hier entlang, bitte.«
Unsicher, ob ich dankbar sein sollte, dass man mich zu erwarten schien, oder ob ich echt ausflippen sollte, setzte ich meine Füße in Bewegung. Leise folgte ich dem Priester einen schmalen Korridor entlang. Während wir voranschritten, hielt er alle paar Meter an, um Kerzen anzuzünden. Hätte er das nicht getan, wäre ich wahrscheinlich gegen eine der Wände gelaufen.
Die Statue des Heiligen Brendan des Seefahrers bewachte den Eingang des Kirchenschiffs. In der einen Hand hielt er ein Boot, in der anderen einen langen Stab. Die Heilige Brigid stand ihm gegenüber, eine Hand auf dem Herzen.
Ich hatte das unheimliche Gefühl, dass mich die Statuen beäugten, während mich der Geistliche weiter in Richtung Altar führte. Meine Schritte gerieten ins Stocken, als meine Augen langsam das Bild von dem zusammensetzten, was ich da sah.
Vier in Stein gemeißelte Engel knieten auf dem Boden, die Flügel nach hinten gestreckt. In ihren Händen hielten sie Becken mit etwas, das ich für Weihwasser hielt, denn ich bezweifelte, dass sie Regenwasser oder so etwas sammelten.
Der Priester trat zur Seite und winkte mich nach vorn. Mir schlug das Herz bis zum Hals, während ich den Altarraum betrat. Geradeaus hing ein wohl vier Meter hohes Kreuz über dem Hauptaltar, das sowohl den gekreuzigten als auch den auferstandenen Jesus trug.
Ein eisiger Luftzug umwehte mich, und der nächste Atemzug, den ich ausstieß, bildete neblige Wölkchen. Das war … seltsam. Genauso wie der deutliche Duft von Sandelholz, der in der kalten Luft hing. Ich drehte mich um, und der Priester war weg. Verschwunden.
Na toll.
Ich wollte nicht frevelhaft oder so erscheinen, aber das hier war kein Ort, an dem ich allein sein wollte. Langsam ging ich an den steinernen Engeln vorbei – unisono hoben sie die gesenkten Köpfe und streckten die Becken aus.
Oh mein Gott, ein ganzer Eimer voller Albträume. Mein Magen revoltierte, aber ich widerstand dem Drang, schnell den Mittelgang zurückzulaufen, weil Stein über Stein schliff. Einer der Engelsarme löste sich von seinem Wasserbecken und bewegte sich bedächtig, um auf die rechte Seite des Altars zu zeigen. Ich erschauderte und drehte mich vorsichtig um.
Dann rang ich nach Luft.
Er stand vor dem Altar, gekleidet in eine Art weißer Tunika und Hose, die man nicht online kaufen konnte. Die Umrisse seines Körpers schienen zu schimmern, während er seine vollständige Gestalt annahm. Von den Spitzen der weißblonden Locken bis zu den nackten Füßen war er das Schönste, das ich je gesehen hatte.
Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber dann entfalteten sich seine Flügel, erstreckten sich mindestens drei Meter in beide Richtungen. Sie waren dermaßen leuchtend und weiß, dass sie in diesem schwachen Licht geradezu glühten. Geräuschlos bewegten sie sich, aber ihre Kraft wirbelte die Luft auf, und mein Haar wehte zurück, obwohl wir ein ganzes Stück voneinander entfernt waren. Schielend beugte ich mich vor. Was war da an der Spitze jedes Flügels? Irgendetwas, das …
Oh Gott.
Da waren Augen an den Spitzen seiner Flügel. Hunderte von Augen!
Mit kribbelnder Haut ließ ich den Blick zurück zu seinem Gesicht wandern, musste aber schnell wieder wegschauen. Der Anblick war schmerzhaft – die Reinheit seiner Schönheit schnitt mir ins Fleisch und warf ein grelles Licht auf jeden dunklen Gedanken, den ich je gehabt hatte.
Ich wusste jetzt, was er war – welche Art von Engel.
Ein Thronender.
Einen Thronenden anzuschauen bedeutete, jedes Geheimnis preiszugeben, das man je gehütet hatte, und für jedes einzelne verurteilt zu werden. Und ich wurde jetzt verurteilt. Sein ganzes Benehmen – angefangen bei der Art, wie er den Kopf zur Seite neigte, bis zu der Art, wie sich seine blassblauen Augen durch Haut und Muskeln bohrten – sagte mir, dass er alles sah.
Und er war nicht beeindruckt.
In diesen kristallenen Augen war der Tod zu lesen. Nicht die Form von Tod, die »begib dich auf die nächste Stufe des Lebens« oder »kurz vor der Himmelspforte« heißt, sondern die große Leere des endgültigen Todes – der Tod der Seele.
Ich holte tief Luft, denn ich wollte etwas sagen.
Gleichzeitig öffnete der Engel den Mund.
Ein ohrenbetäubender Schrei erschütterte die Bleiglasfenster und die Kirchenbänke und schlug einen Ton an, den kein Mensch erreichen oder aushalten konnte. Ich drehte mich um und hielt mir die Ohren zu. Es war, als würden tausend Trompeten auf einmal schmettern und mich im Innersten erschüttern. Die Töne hallten durch den Altarraum, tanzten um meinen Schädel, bis ich sicher war, dass mein Kopf gleich explodieren würde. Warme Feuchtigkeit tropfte aus meinen Ohren und an meinen Händen hinunter.
Als ich dachte, ich könnte es keine Sekunde mehr aushalten, erstarb der Lärm.
Zitternd nahm ich meine blutbefleckten Hände herunter und hob den Kopf. Der Engel schaute mich mitleidlos an, während sich seine Flügel immer noch leise bewegten.
»Das war nicht schlecht«, krächzte ich.
Er antwortete nicht, und die sich ausbreitende Stille war unerträglich.
»Du hast mich hierhergerufen«, sagte ich und machte mich auf ein weiteres unirdisches Heulen gefasst. Das blieb aber aus. Genauso wie eine Antwort. »Du meintest, das sei die einzige Möglichkeit, Zayne zu helfen.«
Immer noch nichts.
Schließlich verlor ich echt die Geduld. All der Schmerz, die Angst, die Trauer und sogar die Freude, Zayne wiederzusehen, brachen über mir zusammen. »Du hast in meinem Kopf gesprochen, nicht wahr? Du hast gesagt, ich soll zu dir kommen.«
Schweigen.
»Kannst du mich nicht hören? Hat dein Schrei dein Trommelfell zerstört? Oder findest du das lustig? Ist es das? Ist Gabriels Versuch, diese Welt und den Himmel zu vernichten, nicht genug Unterhaltung für dich? Verdammt noch mal!«, brüllte ich mich fast heiser. »Na schön. Du willst nur dastehen und mich anstarren? Das kann ich auch. Oder noch besser: Wie wär’s, wenn ich rausgehe und jedem, der mir begegnet, erzähle, dass es Engel gibt? Ich kann’s beweisen. Ich zeige einfach meine Gnade. Dann kann ich die Leute mit ein paar Dämonen bekannt machen, und wenn ich damit fertig bin …«
»Das wird nicht nötig sein.« Er sprach mit einer sehr melodischen Stimme, die unendlich freundlich klang, aber ohne jede Spur von Menschlichkeit. Das war derart widersprüchlich, dass ich zusammenzuckte. »Du bist wegen ihm hier, wegen dem, der starb, als er dich beschützte.«
Erschrocken wich ich zurück. »Ja. Aber er lebt.«
»Ich weiß.«
»Er ist nicht ganz in Ordnung.«
»Natürlich nicht.«
Ich schüttelte mich – jeder einzelne Teil meines Körpers zitterte. »Was ist ihm zugestoßen? Wie hat er es hierhergeschafft?«
Der Thronende neigte den Kopf zur Seite. »Er hat einen Akt der Selbstlosigkeit und des Opfers begangen, um dir zu Hilfe zu kommen. Er tat dies aus der reinsten Form der Liebe. Er wurde in seiner Alten Herrlichkeit wiederhergestellt.«
»Alte Herrlichkeit?« Keine Ahnung, wovon er da sprach.
Der Thronende nickte. »Aber er entschied sich für dich. Er hat sich dafür entschieden, ein Gefallener zu sein.«