Die Sauna

Auch für unsere Gesundheit war zwischenzeitlich etwas getan worden. Unter fachkundiger russischer Anleitung hatten die deutschen Kriegsgefangenen aus Holz ein großes Saunahaus errichtet. Dort gab es einen großen Umkleideraum, in dem man seine Kleider aufbewahren konnte, und einen großen Saunaraum für etwa fünfundzwanzig Leute mit Liegebrettern in drei Etagen an der Längswand. Durch ein Fenster an der Stirnwand drang Licht herein. Dieses Fenster diente auch als Belüftung. In einer der Ecken war ein Geviert aufgemauert, auf dem ein schwerer Rost lag. Darauf waren in mehreren Schichten Granitpflastersteine aus der Dorfstraße aufgestapelt. Unter dem Rost befand sich eine Feuerstelle, die vom kleinen Eingangsflur her beschickt wurde. Rauch und Flammen zogen durch die Steine erst in den Raum und dann zur Saunadecke. Dort war eine Luke, die von unten mit einer Stange geöffnet werden konnte. Bis die Steine heiß genug waren, konnte so wenigstens ein Teil des Rauchs abziehen. Dann wurde die Luke geschlossen und das Saunen begann im noch halbverqualmten Raum. Wenn der Rauch uns zu sehr in die Augen biss und die Tränen zu sehr liefen, musste zwischendurch erneut gelüftet werden. Das Feuer brannte fast den ganzen Tag. Das Brennholz stammte aus verlassenen Häusern und Scheunen. Zum Abkühlen waren hinter dem Haus in Verlängerung der Giebelwände rechts und links etwa drei Meter lange Holzwände errichtet worden. Eine Tür führte vom Umkleideraum dorthin. Hier gab es eine Schwengelpumpe mit eiskaltem Wasser, das wir, wenn wir aus der Sauna kamen, eimerweise über uns schütteten. Wasser zu pumpen und auszugießen war bei uns Jungen äußerst beliebt. Es machte einfach Spaß, das eiskalte Wasser auf kreischende Kinder zu kippen.

Während wir uns wieder anzogen, war schon die nächste Gruppe in der Sauna. Wahrscheinlich wollte der Kommandant uns und seine Leute gegen die Kälte des Winters abhärten. Jedenfalls mussten wir von da an einmal pro Woche in die Sauna, Mädchen und Jungen getrennt. Abends war dann das ganze Lager in der Sauna gewesen.

Das Saunen war das schönste und lustigste Erlebnis in Pobethen und für uns alle etwas völlig Neues. Allein die Vorbereitungen wie Holzsammeln, Heizen, Wasser zum Aufgießen auf die glühenden Pflastersteine Holen, geschahen immer mit großem Gejohle und fröhlichem Geschrei. Es machte uns allen Spaß, und das Saunen selbst erst recht. Auf welche Etage traute man sich? Wie lange konnte man den brennenden Qualm in den Augen aushalten, wer durfte diesmal den vollen Wassereimer in einem Schwall auf die Steine gießen und damit das herrliche Zischen und die große heiße Dampfwolke erzeugen?

Wer zuerst zum Fenster lief und es öffnete, galt als schwächlich und wurde gehänselt. Wir lachten und redeten die ganze Zeit, und manche trauten sich sogar, sich gegenseitig vorsichtig mit Birkenreisigbündeln zu schlagen. Wenn die nächste Gruppe ungeduldig im Vorraum lärmte und hin und wieder die Tür aufriss, war der schöne Spaß fast zu Ende. Es folgte nur noch der Abkühllauf, der gefiel uns weniger.

Wir Jungen mussten auch für die Mädchen, die Russen und die wenigen deutschen Frauen das Saunahaus aufheizen. Natürlich durften wir uns dann aber nicht im Innern sehen lassen.