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›Du schon wieder.‹

Während Woody über diese unheilvollen Worte nachdachte, sammelte sich Spucke in seinem Mund, als ob er sich gleich übergeben müsste, und sein Herz hämmerte. Er hatte das Gefühl, das ›o‹ in ›schon‹ wäre ein Auge, das ihn unverwandt anstarrte.

Aber es war unmöglich, dass sie ihn sehen konnten. Zum einen hatte er die Kamera seines Computers mit einem Stück Klebeband abgedeckt. Zum anderen hatte er auf dem Weg hierher mehrere Tarnidentitäten benutzt. In der kurzen Zeit, die er heute auf ihrer Seite verbracht hatte, konnten sie ihn unmöglich zum Ursprungsort zurückverfolgt haben.

Die Schrift verschwand vom Bildschirm. Nun begannen Buchstaben von links nach rechts aufzutauchen, als würde ihm jemand eine Textnachricht schicken: ›D-u-b-i-s-t-n-i-c-h-t‹…

Mit wachsendem Entsetzen sah Woody zu, wie die Nachricht Gestalt annahm: ›Du bist nicht Alexander Gordius.‹

Sie konnten nicht alle Zwischenstationen kennen, durch die er hierhergelangt war, konnten seine Herkunft nicht festgestellt haben, nicht so schnell – aber sie wussten, wessen Account er übernommen hatte, um sie zu besuchen.

Die Worte verschwanden und vier weitere erschienen, Buchstabe für Buchstabe: ›Wir werden dich finden.‹

Er schloss die Seite hastig, verließ das Internet, schaltete den Computer aus. Dann rollte er mit seinem Stuhl zurück, kroch unter den Arbeitstisch und zog alle Computerkabel heraus, obwohl diese Vorsichtsmaßnahme ihm so unnötig wie sinnlos erschien.

Das Sicherheitsprogramm von Tragedy schien die Herkunft jedes Besuchers der Seite zu überwachen. Wenn jemand sie besuchte, aber kein Passwort eingab, wurde offenbar eine Art Alarm ausgelöst, der die Betreiber warnte, dass sie möglicherweise von jemandem ausspioniert wurden, der nicht auf ihrer Kundenliste stand. Woody hatte die Seite vorher bereits zweimal besucht. Obwohl zwischen diesen Kontakten und seinem dritten Besuch heute Monate vergangen waren, hatte das Sicherheitssystem auf der Lauer gelegen.

Okay.

Also gut.

Cool bleiben. Kein Grund, in Panik zu geraten. Null Problemo. Alles picobello. In so kurzer Zeit konnten sie unmöglich seinen Weg über die neun Zwischenstationen zurückverfolgt haben. Außerdem hatte er noch weitere Tricks benutzt, um seine Spuren zu verwischen. Und er würde nie, nie, nie wieder diese Website aufrufen.

Auf seiner Stirn bildeten sich Schweißtropfen, und eine Welle der Übelkeit überkam ihn. Er brauchte irgendetwas, um seinen Magen zu beruhigen. Eine Coca-Cola. Mehr brauchte er nicht, nur eine Coca-Cola, dann würde es ihm wieder gut gehen.