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Woody betrat das Wohnzimmer, und Megan war erleichtert, als sie ihn sah. Als er zum Klavier kam, hoffte sie, dass er seine Traurigkeit so weit überwunden hatte, dass er zumindest einige der Fotos seines Vaters wieder aufstellen würde, die er umgekippt hatte. Aber obwohl sie für ihn noch einmal Moon River von Anfang an spielte, stand er nur mit verträumtem Gesichtsausdruck da und hörte zu.

Als sie fertig war und die Klaviaturklappe schloss, fragte sie ihn: »Schatz, warum hast du die Fotos hingelegt?«

Der Junge betrachtete die Bilderrahmen und runzelte die Stirn.

»Ich weiß, du vermisst deinen Dad immer noch. Ich vermisse ihn auch, sehr sogar. Das werde ich immer tun. Er war der beste Mann, dem ich je begegnet bin.«

Woody sah sie an, immer noch stirnrunzelnd, aber sie konnte den Ausdruck seines Gesichts und seiner Augen nicht deuten.

»Wenn du Bilder von ihm loswirst, wirst du dadurch nicht die schmerzlichen Erinnerungen los. Deinen Dad durch Bilder und Erinnerungen am Leben halten, ihn in unseren Herzen behalten, damit wir ihn nie wirklich verlieren können – das ist der beste Weg, mit dem zurechtzukommen, was passiert ist. Verstehst du das, Schatz?«

Der Junge nickte, immer noch mit finsterer Miene. Als sie vorschlug, dass sie die Fotos zusammen wieder aufstellen sollten, verließ er das Wohnzimmer.

Es wäre sinnlos gewesen, ihn zurückzurufen. Er war weder gedankenlos noch ungehorsam, lediglich ein Gefangener seines Zustands, der nicht anders konnte als sich entsprechend einer Interpretation des Augenblicks und der Umstände zu verhalten, die ihm logisch erschien, die sich ihr jedoch nicht erschließen wollte.

Wenn sie zu Abend gegessen hatten und Megan den Tisch abräumte, würde Woody sehr wahrscheinlich aus eigenem Antrieb wieder ins Wohnzimmer kommen und alle silbernen Bilderrahmen wieder aufstellen. Ihr Vorschlag musste für ihn wie Worte in einer fremden Sprache gewesen sein, die er zuerst mühsam übersetzen musste. Solche verspäteten Reaktionen auf eine Bitte waren bei ihm nichts Ungewöhnliches.

Sie folgte ihm durch den Hauptflur in die Küche. Er ging zum Tisch, ließ sich auf den Stuhl sinken, auf dem sie zuvor gesessen hatte, und hob den Roman auf, den sie gelesen hatte. Er begann, ihn von der ersten Seite an zu lesen, wobei er darauf achtete, dass ihr Lesezeichen blieb, wo es war.

Da das Buch nichts enthielt, das sie ihm vorenthalten wollte, sagte sie lediglich: »Wird ein spätes Abendessen heute, aber dafür ein gutes.«

Bevor sie die geschnittenen Karotten und den Blumenkohl aus dem Kühlschrank holte, sie in Töpfe füllte und für das Kochen würzte, goss sie sich ein zweites Glas Cabernet ein. Für Woody füllte sie ein Glas mit Sparkling Ice, Trauben-Himbeer-Geschmack. Es war ein Weinglas wie ihr eigenes.