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Shacket steht am oberen Ende der Treppe, mit dem Rücken zur Wand. Er sieht in die Diele hinunter, als erst der Junge und dann seine köstliche Mutter das Wohnzimmer verlassen. Er hat ihre einseitige Unterhaltung belauscht und fragt sich, ob die Frau selbst an einer milderen Form der geistigen Behinderung ihres Sohnes leidet. Es ergibt keinen Sinn, dass sie mit einem stummen, halb schwachsinnigen Jungen redet, als ob er sie verstehen und jeden Moment antworten könnte, obwohl er in seinem ganzen armseligen Leben noch nie ein Wort gesprochen hat.
Als das leise Knarren der Schwingtür verkündet, dass sie die Küche betreten haben, geht Shacket schnell die Stufen in die Diele hinunter und bewegt sich dabei so katzenhaft leise, dass es ihm ein breites Grinsen entlockt. Seine Verwandlung erregt ihn. Der kaum merkliche Duft ihrer feuchten Vagina, der ihr folgt, ist ein Versprechen, bei dem ihm das Wasser im Mund zusammenläuft. Er leckt sich ein wenig Speichel aus den Mundwinkeln.
Im Wohnzimmer verschwindet sein Lächeln, als ihm wieder einfällt, was sie zu dem Jungen gesagt hat, dieser ganze schmalzige Blödsinn über Jason. Vor allem ein Satz erbost Shacket: Er war der beste Mann, dem ich je begegnet bin.
Die Schlampe ist wahrscheinlich zahllosen Männern begegnet, aber sie hat Lee Shacket nie gekannt, nie wirklich gekannt. Sie hat ihm nie ihre Pforte geöffnet, hat ihm nie die Chance gegeben, ihr zu beweisen, dass er sie befriedigen kann wie kein anderer Mann.
Das wird sich bald ändern.
Am Steinway-Flügel betrachtet er die silbernen Bilderrahmen. Er nimmt einen, dreht ihn um und starrt auf ein Foto von Megan und Jason: die Beute und der Dieb, der sie ihm gestohlen hat, das heiße Miststück und der verräterische Dreckskerl.
Sein erster Impuls ist es, das Bild auf den Boden zu werfen, fest darauf zu treten, das schützende Glas zu zerbrechen, all ihre geschätzten Erinnerungen zu zerstören, genauso wie sie und ihr heimtückischer Mann Shackets Hoffnungen zerstört haben.
Aber sie würde es hören und kommen, um nachzusehen – und dies ist weder der richtige Ort noch der richtige Zeitpunkt, um ihr die Zukunft zu enthüllen, die er für sie vorgesehen hat. Nachdem er in ihrem Bett gelegen und einen Vorgeschmack der Freuden erhalten hat, die sie ihm bieten wird, hat er vor, unter ihre Decke zu kriechen, wenn sie schläft, und sie zu wecken, indem er sie nimmt. Wenn sie sich in ihrer Blindheit im Dunkel des Schlafzimmers fragen wird, wer sie bestiegen und ausgefüllt hat wie niemand zuvor, wird er mit seiner Mottensicht Megans Schreck und ihre Furcht beobachten, wird sehen, wie diese sich in Verzückung verwandeln. Ihre langen, wohlgeformten Beine werden sich um ihn schließen, sie wird ihn tiefer in sich hineinziehen. Archaeen sind keine Bakterien, und die Veränderungen, die diese Milliarden von ihnen bei ihm bewirkt haben – und weiter bewirken –, können nicht weitergegeben werden wie ein Grippevirus. Doch falls die neuen genetischen Informationen in seinem Sperma enthalten sind, wird er mit ihr ein Kind zeugen, das anderen Kindern so überlegen sein wird, wie Lee Shacket nun allen anderen Männern überlegen ist.
Anstatt das Glas des Bilderrahmens zu zerschmettern, öffnet er die Laschen, nimmt die dünne Rückwand aus Pappe heraus und holt das Foto hervor. Er nimmt auch die anderen neun Bilder aus den Rahmen, eins nach dem anderen.
Zuerst will er sie zwischen die Keramik-Holzscheite im Gaskamin stecken, um sie später zu verbrennen. Aber dann beschließt er, sie für etwas Besseres aufzubewahren. Er faltet sie zusammen und steckt sie in eine Hüfttasche seiner Jeans. Wenn er sich in der Nacht auf sie legt und sie ihn zurückweist, wenn sie sich wehrt, wenn sie ihn verspottet und beleidigt, wenn sie ihren toten Mann und ihr schwachsinniges Kind einem neuen Leben mit Shacket vorzieht, dann wird er sie bis zur Besinnungslosigkeit schlagen, jedes der Fotos zusammenknüllen und sie ihr nacheinander in den Hals stopfen, bis sie an ihrer ach so kostbaren Familie erstickt.