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In einem merkwürdigen Traum saß Woody zusammen mit einer alten Frau namens Dorothy auf dem Rücksitz eines Autos. Eine jüngere Frau, die Dorothy Rosa nannte, saß am Steuer. Sie sahen einen Anhalter am Straßenrand stehen, einen großen, stark aussehenden Kerl. Woody wusste, dass es unklug war, Anhalter mitzunehmen, vor allem solche, die groß und stark aussahen, aber Rosa hielt trotzdem an. Als der Mann ins Auto stieg, sagte sie: »Wir brauchen Schutz vor Frank dem Hasser. Sonst steckt der uns in Käfige und lässt uns nie mehr raus.« Der Mann lächelte – er hatte ein sehr angenehmes Lächeln – und erwiderte: »Mit Frank dem Hasser hatte ich schon mal zu tun. Machen Sie sich um den mal keine Sorgen.« Von draußen war Wind zu hören, obwohl es vorher nicht windig gewesen war. Woody spürte ihn im Gesicht, obwohl alle Fenster geschlossen blieben. Dann drehte sich der große, starke Mann zur Rückbank um und fragte: »Na, wie geht’s, Scooby-Doo?« Rosa steuerte das Auto wieder auf den Highway. Der Wind in Woodys Gesicht wurde stärker, blies gegen seine Augenlider und Wimpern. Dorothy wandte sich an den Mann: »Meinem lieben Jungen geht’s gut, jetzt, da Sie hier sind«, und sie legte den Arm um Woody. Obwohl es ihm nichts ausmachte, wenn nette Leute ihn berührten, war Woody überrascht, als er Dorothys Hand leckte.

Der Wind ließ ihn blinzeln, blinzeln, blinzeln, und als er die Augen öffnete, lag er in seinem Bett auf der linken Seite. Ein Mann kniete neben dem Bett und war im schwachen Licht der Lampe deutlich zu sehen. Er beugte sich nahe heran und blies Woody ins Gesicht.

Für einen Augenblick fühlte Woody sich desorientiert, fragte sich, was aus dem Auto und all seinen Insassen geworden war. Dann wurde ihm bewusst, dass er geträumt hatte. Als der kniende Mann aufhörte zu blasen und ihn angrinste, überlegte er, ob er vielleicht immer noch träumte.

Dann nahm er den Geruch des Eindringlings wahr, schwach und nicht zu beschreiben. Er hatte ihn schon ein paarmal im Leben gerochen. Vielleicht waren solche Duftnoten für Hunde stärker, das stand jedenfalls in den Artikeln, die er gelesen hatte. Dieser Mann roch Furcht einflößend.

Schlimmer als das. Was war schlimmer? Böse?

Die Angst lähmte Woody, sodass er nicht einmal den Kopf vom Kissen heben konnte.

Der Fremde sprach leise. »Hey, kleiner Kerl, na, was sagst du?«

Woody sagte nichts.

»Hat’s dir die Sprache verschlagen?«

Ihre Gesichter waren vielleicht 15 bis 20 Zentimeter voneinander entfernt.

Das linke Auge des Mannes war grau, das rechte braun, als würde er farbige Kontaktlinsen tragen, von denen eine herausgefallen war.

Irgendetwas war seltsam am linken Auge, da war so ein schwaches Leuchten tief in ihm. »Hast du mich gehört, Woodrow? «, flüsterte der Fremde. »Oder bist du etwa stumm und taub, du kleiner Freak?«