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Eine Spur des Highway 89 wurde endlich geräumt. Die Highwaypolizei ließ die nach Süden und Norden reisenden Verkehrsteilnehmer abwechselnd an den übrig gebliebenen Fahrzeugwracks vorbeifahren. Der schwere Nebel begann sich zu lichten, als Rosa Leon vom See aus ins Landesinnere nach Tahoe City fuhr. Als sie noch zwei Meilen von Olympic Village entfernt war, hatten sich die letzten Nebelfetzen hinter ihr in der Dunkelheit aufgelöst. Vor ihr lag eine klare, aber sternlose Nacht unter einer Wolkendecke.

In den Stunden, die sie in der Schlange gewartet hatte, während der 18-rädrige Lastwagen zum Straßenrand geschleppt wurde, war sie zweimal eingedöst, und jetzt gähnte sie herzhaft. Es war ein langer Tag gewesen, ermüdend nicht nur durch seine Länge, sondern durch die Traurigkeit, die ihn geprägt hatte. Aber Kipp, dieses Wunder, und ihre Verantwortung für ihn hielten sie in Bewegung.

Wenige Meilen vor Olympic Village rief sie noch einmal die Pied-Finder-App auf. Bestürzt stellte sie fest, dass Kipp, nachdem er Stunden am selben Ort verbracht hatte, nun wieder in Bewegung war. Dem blinkenden Symbol zufolge war er auf der Interstate 80, westlich von Truckee, auf dem Weg nach Donner Summit. An der Geschwindigkeit, mit der er unterwegs war, erkannte sie, dass er sich in einem Fahrzeug befinden musste.

Vielleicht war er in der Gesellschaft eines guten Menschen, vielleicht eines weniger guten. Wer auch immer sein Begleiter war – diese Person konnte nicht wissen, dass Kipp mehr war als nur ein Hund, dass er ein echter Schatz war. In jedem Fall war es nicht die Person, die Dorothy als Kipps Aufpasser ausgesucht hatte. Und bei Gott, Rosa würde Dorothy nicht enttäuschen.

Obwohl sie das Tempolimit bereits erreicht hatte, drückte sie das Gaspedal weiter durch.