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Shacket rast. Seine Verwandlung macht ihn so stark, dass er glaubt, er könne sie alle umbringen, die zwei herbeigerufenen Polizisten, das Miststück und den Jungen. Furchtlos geht er auf die Vordertreppe zu, aber seine Gerissenheit macht aus seiner Raserei Wut, aus seiner Wut bloßen Ärger. Er wirbelt herum, eilt durch den Flur zur Hintertreppe zurück und läuft hinunter, wobei er zwei Stufen auf einmal nimmt.

Vielleicht werden noch mehr als diese beiden Cops auf den Alarm reagieren. Selbst wenn es nur zwei sind, haben sie sicher Pistolen und Schrotflinten, und sie können Verstärkung rufen. Er ist besser als sie, aber auch ein Rudel Wölfe kann einen Tiger besiegen.

Durch die Küche, durch die Hintertür, auf die Veranda. Der Sturm heißt ihn willkommen, auch die Nacht, und er springt von der Terrasse, über die Stufen hinweg in den Garten.

Sie werden eine Suchaktion starten. Vielleicht wird er nicht direkt über den Forstweg zu seinem Dodge Demon gehen und fliehen können, bevor sie damit anfangen, auf dem Highway Autos anzuhalten, um nach ihm zu suchen. Er muss indirekt vorgehen.

Hier waren keine Hirsche, kein dummer Junge, der sie mit Apfelstücken fütterte, kein Mondlicht, das aus den Dingen hervordrang, statt von den Dingen reflektiert zu werden. Nur der tobende Wind, der die erste Herbstkühle in sich trug, und überall um ihn herum der Wald, eine Zitadelle, aus der sich die Nacht erhob und in die sie sich mit der Morgendämmerung wieder zurückziehen würde. Er rennt durch den am tiefsten gelegenen Bereich des Gartens zum Wald im Westen.

Sie werden den Wald mit ihren taktischen Taschenlampen betreten und seinen Spuren folgen. Aber durch seine Verwandlung, seine sich verbessernde Nachtsicht und seinen besseren Geruchssinn, geleitet von einem intuitiven Verständnis der Wildnis, das noch kein Mensch besessen hat, wird er flink sein, wo sie linkisch sind, selbstsicher, wo sie unsicher sind. Er wird sie weit hinter sich lassen, sie abhängen, bis sie sich geschlagen geben müssen.

Zwischen den Bäumen findet er mit Augen und Nase rasch die Pfade, die Generationen von Hirschen durch das Unterholz gezogen haben. Ihre Route ist markiert vom Geruch ihrer zurückgelassenen Haare, von Moschus, Urin und Fäkalien. Der gewundene Pfad führt hindurch zwischen Kiefern, Zedern, Tannen und Rosskastanien. Bald steigt er zu einem Felsvorsprung an, den die Jahrhunderte geglättet haben. Hinter dem Felsen geht der Pfad weiter und fällt nach und nach zu einem Bach ab. Hier ist die klare Luft voller Gerüche von Moosen, Seggen und Wildzwiebeln.

Was für ihn früher einmal eine anstrengende Wanderung gewesen wäre, ist nun nicht die geringste Herausforderung. Seine Muskeln spannen und entspannen sich mit Leichtigkeit. Er bewegt sich gelenkig und geschmeidig durch die Wildnis, wie er es zuvor nur in den Träumen seiner Jugend erlebt hat. Nichts fürchtet er, keinen Bären, keinen Berglöwen. Er spürt, dass sein Kommen Furcht in die Herzen aller Wesen pflanzt, die hier leben, dass es die kleinen Tiere, die seine Beute sein könnten, wenn er es will, paralysiert.

Der Wind wütet hier am Waldboden weniger heftig als oben in den höheren Ästen. Er schüttelt abgestorbene Nadeln, Tannenzapfen und Vogelnester heraus, die wie ein urzeitliches Äquivalent von Konfetti herabrieseln wie zu seinen Ehren.

Sein Gefühl von Herrschaft, von souveränem Verfügen über alles, was ihm vor Augen kommt, hätte vielleicht die Wut lindern sollen, die seit dem gestrigen Tag in ihm brennt. Aber je weiter er sich vom Bookman-Haus, dem Ort seiner Niederlage, entfernt und je tiefer er zwischen den gotischen Turmspitzen von Zedern und Kiefern verschwindet, desto mehr verschmilzt die nachmitternächtliche Finsternis mit seinem Blut. Sein Ärger wird wieder zu Wut, die Wut zur Raserei. Jetzt, da ihm die Flucht geglückt ist – oder da er die Notwendigkeit zur Flucht vergessen hat –, schleicht er mit der Hoffnung durch die Nacht, seine frühere Erfahrung zu wiederholen, die aufregender und erfüllender war als alles andere in seinem Leben. Er schnuppert den Informationen nach, die in der Luft liegen, leckt die Dunkelheit und denkt an diesen einzigartigen Geschmack zurück. Er knirscht mit den Zähnen und wünscht sich, sie wären schärfer.