80

Ne in. Er heißt Kipp.

Diese Worte erweckten etwas in Megan zum Leben, von dem sie nicht gewusst hatte, dass es noch in ihr war: das beglückende Gefühl neuer Möglichkeiten, das ihr vielleicht bei Jasons Tod abhandengekommen war. Der wunderbare Klang der Stimme ihres Kindes – so schön, so honigsüß – erweckte in ihr eine Hoffnung, die sie in einer tiefen Kammer ihres Geistes abgelegt hatte, ohne die Erwartung, diese je wieder zu öffnen. Elf Jahre lang hatte sie gewartet, hatte sich elf Jahre lang an den Gedanken gewöhnt, dass das Warten vergeblich sein könnte – und jetzt diese vier einfachen Worte.

Ben Hawkins, der neben ihr am Fußende des Bettes stand, sagte: »Was ist los? Sie zittern ja.« Dann erinnerte er sich an das, was sie zu ihm gesagt hatte, als sie zusammen in der Diele gearbeitet hatten. »Er hat noch nie gesprochen.«

Ihr Herz klopfte jetzt nicht weniger heftig als zu dem Zeitpunkt, an dem Lee Shacket neben dem Bett gehockt und mit Daumen und Zeigefinger dazu angesetzt hatte, Woody blind zu machen. Aber diesmal war es nicht der rasende Puls von Angst und Wut, sondern der von Freude und Staunen. Und noch mehr als Staunen: Sie war von Ehrfurcht ergriffen, von einem Gefühl des Wunderbaren und Transzendenten, sodass sie plötzlich so stumm wurde, wie Woody es zuvor gewesen war.

Sie ging zur Seite des Bettes, bis sie vor dem Jungen stand, der mit dem Rücken zu ihr lag. Sie legte ihm die Hand auf die Schulter, vorsichtig, als könnte ihre Berührung ihn zu Staub zerfallen lassen.

Weder Woody noch Kipp bewegten sich. Sie steckten immer noch in dieser seltsamen Form der Kommunikation, die dem Jungen den Namen des Retrievers verraten und seine Zunge befreit hatte, sodass er diese Information an Megan und Ben weitergeben konnte.

Der Junge, der Hund, das Bett, das ganze Zimmer verschwammen und flossen wie warmer Regen über ihr Gesicht. Obwohl sie wünschte, Jason wäre hier, um zum ersten Mal die Stimme seines Sohnes zu hören, enthielt dieser Moment nicht die kleinste Spur Traurigkeit.

Im Laufe der Jahre hatte sie sich manchmal gefragt, wie Woodys Stimme klingen mochte, wenn er je sprechen würde. Manchmal hatte sie geglaubt, seine Aussprache könnte misslungen sein, verzerrt. Er hatte sein Leben lang anderen beim Reden zugehört, aber er besaß keine Übung darin – soweit sie wusste. Doch obwohl diese vier Worte, die er gesagt hatte, sie mehr erschütterten und bewegten, als sie sich erklären konnte, ganz unabhängig von der Information, die sie enthielten, hörte er sich an wie ein ganz normales Kind seines Alters.

Sie erinnerte sich daran, wie Woody früher in dieser Nacht im Schlaf gemurmelt hatte. Als sie sich von seinem Bett abgewandt hatte, hatte sie geglaubt, ihn Dorothy sagen zu hören, obwohl sie niemanden dieses Namens kannte. Sie hatte angenommen, sich verhört zu haben. Jetzt vermutete sie, dass er diesen Namen wirklich ausgesprochen hatte. Sie hatte die Hand auf seine Schulter gelegt und fragte ihn mit dem Wunsch, ihn wieder sprechen zu hören: »Schatz, wer ist Dorothy?«

Der Hund klopfte mit dem Schwanz dreimal auf die Matratze, und Woodys Mund entströmten Worte, die für seine Mutter wie Musik klangen: »Dorothy war seine menschliche Mom. Sie hat ihn als Welpen bekommen und aufgezogen. Gestern ist sie an Krebs gestorben, und Kipp hat sie mehr geliebt als alles andere, alles. So wie ich dich mehr liebe als alles andere. Stirb nie, niemals, das ist viel zu schrecklich für die, die du zurücklässt.«

Ihr ganzes Leben lang war Megan stark gewesen. Von Schicksalsschlägen ließ sie sich nicht unterkriegen. Das Leben war ein reißender Fluss mit vielen Strömungen, aber jeder Sog, jede Stromschnelle ließ sich nicht nur lebend überstehen, sondern war auch eine Erfahrung, die sie noch stärker machte. Daher hätte es sie nicht überraschen sollen, dass es keine tödliche Gefahr war, die sie so ins Herz traf, sondern stattdessen Woodys Liebeserklärung. Gegen sie konnte sie sich weder verteidigen noch wollte sie es, nachdem sie elf Jahre darauf gewartet hatte, diese Worte zu hören. Ihre Beine wurden plötzlich so schwach, dass sie nicht mehr stehen konnte, und aus dem Tröpfeln ihrer Tränen wurde eine stille Flut. Sie setzte sich auf den Bettrand und sagte ihm, dass sie ihn auch liebe, ihn verzweifelt liebe. Woody sprach in diesem Moment nicht weiter, aber dafür klopfte Kipp mit seinem prächtigen, buschigen Schwanz dreimal auf die Matratze.