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Eine Meile südlich des Hauses der Bookmans versammelten sich Verbotski, Knacker und zwei weitere ihrer Partner bei Atropos, Speer und Rodchenko, in der Garage des Hauses, in dem Charles Oxley tot im Keller lag. Abgesehen von Oxleys Wagen enthielt die Garage den schwarzen Suburban, in dem Speer und Rodchenko von Reno hierhergefahren waren.
Unter anderem hatten die Neuankömmlinge im Suburban aufklebbare Druckbuchstaben aus weißem Vinyl in zwei verschiedenen Größen mitgebracht, groß und extragroß. Sie hatten nicht das ganze Alphabet, nur F, B und I in mehrfacher Ausführung. Es kostete sie Zeit und Geduld, die Buchstaben richtig anzuordnen und sie auf dem Dach, den beiden Vordertüren und der Heckklappe des Autos anzubringen. Aber das Ergebnis wirkte überzeugend.
Alexander Gordius rief an, um ihnen mitzuteilen, dass die Deputys Megan Bookman und ihren Sohn nicht mehr bewachten.
Verbotski, Knacker, Speer und Rodchenko waren sich darüber einig, dass sie bis um 16 Uhr warten sollten, bevor sie zum Haus der Bookmans fuhren. Früher zu handeln, hätte es offensichtlich gemacht, dass ihr Eintreffen eine direkte Folge des Rückzugs der Hilfssheriffs war, und es hätte dazu geführt, dass die Witwe sich gefragt hätte, ob sie tatsächlich dem FBI angehörten.
Nachdem sie die simple Sprengvorrichtung am Ofen im Keller angebracht und nur eine Verbindung weggelassen hatten, die sie später knüpfen würden, vertrieben sie sich die Zeit mit einem Pokerspiel am Küchentisch. Der Mindesteinsatz betrug 1000 Dollar. Zwar tranken sie, aber niemals dann, wenn sie einen Job zu erledigen hatten. Verbotski kochte eine Kanne frischen Kaffee, und Knacker brachte eine Packung mit einem Dutzend Donuts mit Schokoladenglasur zum Vorschein, die er im Brotkasten entdeckt hatte.
Weil er noch nie jemanden gesehen hatte, der mit einer Verlängerungsschnur erdrosselt worden war, war Speer neugierig darauf, wie die Würgemale aussahen. Er ging in den Keller, um sich Charles Oxleys Kehle anzusehen, und zeigte sich bei seiner Rückkehr beeindruckt.
Sie spielten erst seit einer halben Stunde Poker, als Alexander Gordius anrief und ihnen berichtete, dass Megan und Woodrow Bookman nach den Angaben eines freundlichen Deputys aus der Wachmannschaft nicht die einzigen Personen im Haus waren. Außerdem waren dort eine Latina in den Dreißigern sowie ein Mann in den Dreißigern, der mit einem Golden Retriever in einem Range Rover eingetroffen war. Irgendwann hatte der Mann den Lincoln MKX der Latina sowie seinen eigenen Wagen in Mrs. Bookmans Garage gefahren. Niemand hatte die Hilfssheriffs angewiesen, Neugier gegenüber Mrs. Bookmans Besuchern an den Tag zu legen, und ihnen hatte die Eigeninitiative gefehlt, sich die Kennzeichen des Rovers und des Lincolns zu notieren. Es war nicht möglich, zu erfahren, wer diese Leute waren oder ob sie sich immer noch im Haus befinden würden, wenn die Leute von Atropos eintrafen.
Nach einer dreiminütigen Diskussion waren sich die Killer einig, dass diese neue Entwicklung keine Rolle spielte. Gemeinsam hatten sie einmal ganze elf Zivilisten überwältigt, verhört und sie danach alle erschossen. Sie waren Profis.
Als sie sich wieder ihrem Spiel zuwandten, stellte Rodchenko fest: »Das sind verdammt gute Donuts.«
»Ein Dutzend für uns vier«, erinnerte ihn Speer. »Das heißt, es gibt drei für dich.«
»Und wenn ich vier esse, erschießt du mich dann?«
»Wir könnten den Job auch zu dritt erledigen«, erwiderte Speer.
»Mit Leichtigkeit«, bestätigte Knacker.
»Wenn wir müssten«, sagte Verbotski.
Weil keiner der Anwesenden für seinen Sinn für Humor bekannt war, verzichtete Rodchenko darauf, einen vierten Donut zu nehmen.