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Im Haus von Mr. Oxley waren die Atropos-Killer mit ihrem Pokerspiel fertig und bereiteten sich auf ihren Besuch bei den Bookmans vor.

Sie waren mit Pistolen bewaffnet, hatten jedoch nicht die Absicht, sich ihren Weg ins Haus freizuschießen. Ein einfaches Anklopfen und das Vorzeigen authentisch aussehender Dienstmarken würden ihnen die Tür öffnen. Die Bookmans rechneten vielleicht mit Schwierigkeiten, aber nicht damit, dass diese Schwierigkeiten in einem FBI-Wagen wie in den Filmen eintreffen würden, dass sie dunkle Anzüge trugen, sich respektvoll ausdrückten und einen ausgezeichnet gefälschten Fotoausweis mit dem FBI-Stempel vorzeigten.

Die Waffen ihrer Wahl waren Taser und kleine Sprayflaschen, die Chloroform versprühten. Wenn die Zielpersonen einen 50.000-Volt-Schock erhalten und das Bewusstsein verloren hatten, würde man sie mit Kabelbindern fesseln.

Danach konnte das Verhör beginnen, bei dem sie in allen Einzelheiten erfahren würden, was Megan Bookman über das Geschäft mit Auftragsmorden im Internet sowie über die Kunden herausgefunden hatte, die für gut inszenierte Unfälle, Herzinfarkte, zerebrale Embolien, Selbstmorde und Terroranschläge bezahlten.

Sie würden der Witwe Bookman und möglicherweise auch anderen das Barbiturat Thiopental injizieren, oft »Wahrheitsserum« genannt. Das Mittel garantierte allerdings nicht, dass sie ihnen alles sagen würde, nur, dass sie einen unwiderstehlichen Drang verspüren würde, auf ihre Fragen zu antworten. Doch wenn Thiopental zusammen mit einem Drogencocktail verabreicht wurde, den die Oberdirektion des russischen Geheimdienstes entwickelt hatte, wurde das Lügen so gut wie unmöglich, vor allem dann, wenn mit den Injektionen die Androhung extremer Schmerzen einherging.

»Wenn wir Glück haben«, sagte Verbotski, »hat sie noch mit niemandem außerhalb dieses Hauses über das gesprochen, was sie erfahren hat. Dann müssten wir bloß all ihre Beweismittel einsammeln, die vier hierherholen, sie so sauber wie möglich kaltmachen, wieder nach Reno zurückbringen und die Leichen so entsorgen, dass sie nie gefunden werden.«

Atropos & Company waren dafür bekannt, dass sie über Methoden verfügten, die Toten so zu beseitigen, dass ihre Überreste niemals entdeckt wurden. Das Liquidierungslabor in ihrer Einrichtung in Reno konnte Wunder wirken, was das Verschwindenlassen von Leichen betraf.

»Was ist mit dem Hund?«, fragte Rodchenko. »Dieser Kerl, wer immer er ist, ist dort mit einem Hund aufgetaucht.«

»Was soll mit dem sein?«

»Töten wir den Hund?«, fragte Rodchenko.

»Wenn er uns Schwierigkeiten macht.«

»Ich will ihn töten, ob er Schwierigkeiten macht oder nicht.«

»Was hast du gegen Hunde?«

»Ich mag die Art nicht, wie sie mich anschauen.«

»Wie schauen sie dich denn an?«, wollte Bradley Knacker wissen.

»So wie ein Polizist dich anschaut, wenn sein Instinkt anschlägt. Hunde jagen mir Angst ein. War schon immer so. Bin schon dreimal gebissen worden.«

Speer sagte: »Dann töte den Hund eben.«

»Hat jemand was dagegen?«, hakte Rodchenko noch einmal nach.

Niemand hatte etwas dagegen.