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Deputy Foster Bendix war auf einer gewundenen Landstraße stationiert. Hier passierte nie etwas, abgesehen von ein paar Festnahmen wegen Trunkenheit am Steuer, Teenagern, die auf den Hinterstraßen Rennen fuhren und sich Beulen holten, Hinterwäldlern, die aus Spaß auf Straßenschilder schossen, wenn man das Spaß nennen wollte, und liegen gebliebenen Fahrzeugen, deren Fahrer seine Hilfe brauchten. Manchmal hatte Foster das Gefühl, eher eine Art Hausmeister zu sein, der Chaos beseitigte, als ein richtiger Cop.

Als er an der früheren Wohnwagensiedlung vorbeifuhr, wo die geplante Vogelschlachtungsanlage mangels einer Genehmigung doch nicht gebaut worden war, glaubte er, im düsteren, grauen Licht des Unwetters durch die dichten Regenvorhänge ein Trugbild zu sehen, eine Fata Morgana. Aber es war keine Illusion von Felsen und Gebäuden, sondern von reihenweise Autos.

Hier lebte seit Jahren niemand mehr. Die Wohnmobile waren verschwunden. Früher hatte es einmal Stromanschlüsse sowie Anschlüsse für Gastanks und Fäkaltanks gegeben, aber diese waren längst stillgelegt worden, noch bevor die Entscheidung gefällt worden war, die Windmühlen nicht zu bauen. Das Gelände war für Zusammenkünfte nicht mehr brauchbar.

Tatsächlich gehörte es dem Land, das keinen Käufer dafür fand und daher für Verletzungen haftbar gemacht werden konnte, die irgendjemand sich dort zuzog. Für einen Zaun fehlte das Geld, aber man hatte Betreten-verboten-Schilder vor der Einfahrt aufgestellt.

Weil Foster Bendix die Aufgabe hatte, jeden Übeltäter dingfest zu machen, der die Schilder ignorierte, fuhr er von der Landstraße auf den buckligen, rissigen Asphalt dieses verlassenen Grundstücks. Mehr als ein Fahrzeug hatte er hier nie zur gleichen Zeit gesehen, und es war immer nachts gewesen. Irgendwelche Teenagerpaare, die sonst nirgendwohin fahren konnten, taten hier das, worüber Meat Loaf in Paradise by the Das hboard Light sang.

All diese Fahrzeuge, die dort im prasselnden Regen nebeneinanderstanden, schienen ohne Fahrer und Beifahrer zu sein, es sei denn, diese hatten sich flach hingelegt, was Foster nicht annahm. Da waren Hondas, BMWs, SUVs, Pick-ups mit Doppelkabinen, ein paar Vans mit Schiebetüren. Die meisten Kennzeichen stammten aus Kalifornien, drei aus Oregon. Bendix zählte 41 Wagen.

Weil er nicht sicher war, was er tun sollte, rief er den wachhabenden Kommandanten Cecil Kalstrom an. Cecil fragte ihn: »Haben Sie sie sich aus der Nähe angeschaut und nachgesehen, ob da vielleicht zusammengesackte Leichen drinsitzen oder so?«

»Warum sollten hier so viele Leichen sein?«

»Könnten Mitglieder von einem Kult sein, wie bei dieser Jim-Jones-Sache vor ein paar Jahren. Vielleicht haben die sich alle da getroffen, um zusammen Selbstmord zu begehen.«

»Sie haben eine blühende Fantasie, Sarge.«

»Es gibt da draußen Sachen, die sind so merkwürdig, dass ich sie mir auch mit zehnmal so viel Fantasie nicht ausdenken könnte. Schauen Sie in ein paar der Autos rein.«

»Hier regnet’s dermaßen, dass Noah sich sofort ’ne Arche bauen würde, wenn er hier wäre.«

»Das Leben ist hart für Helden in Uniform.«

»Verstanden«, sagte Foster.