D ie Mädchen hängten ihre Kleider in ihre neuen Schränke und füllten ihre Kommoden, dann ordneten sie all ihre restlichen Besitztümer auf den übrigen Regalen im hinteren Teil des Zimmers an. Als sie damit fertig waren, verstauten sie ihre Koffer unter ihren Betten und sahen sich erwartungsvoll an. Emma saß auf der Kante ihres Bettes, baumelte mit den Beinen und beobachtete die wechselnden Bilder an der Wand. Als das Bild des Schulgeländes erneut erschien, kam sie auf eine Idee.
»Leute, ich denke, es ist an der Zeit, dass wir Dorvu besuchen gehen. Meint ihr nicht auch?«
Izzie klatschte begeistert in die Hände und nickte. »Ja! Er hat euch alle diesen Sommer so sehr vermisst. Ich habe versucht, ihn so oft wie möglich zu besuchen, aber da ich die einzige hier war, musste er trotzdem viel Zeit alleine verbringen.«
Alison ging zur Tür. »Ja und als ich zu Besuch kam, war er nirgends zu finden. Ich will sehen, wie groß er geworden ist.«
Kathleen seufzte und zuckte mit den Schultern. »Ich schätze, wir sollten schnell nach ihm sehen. Immerhin sind wir seine Familie. Aber ich sage euch gleich, wenn ein Käfer auf mir landet, bin ich im Nullkommanichts wieder drinnen.«
Die Mädchen schmunzelten, als sie ihre Schuhe anzogen und ihr Zimmer verließen. Emma legte ihren Arm um Kathleen und sie bildeten gemeinsam das Schlusslicht. Lachend dachten sie über einen Plan nach, wie sie sicherstellen konnten, dass keiner der Käfer sie berührte. Sie gingen auf den Hof und machten sich dann entspannt auf den Weg hinüber zum Wald. Alle fünf Mädchen waren neugierig, wie groß der Drache geworden war.
Als sie die Felder überquerten, beobachteten sie das Dickicht im hinteren Teil des Waldes. Emma blieb stehen und zeigte in Richtung der Baumkronen.
»Hey, da ist er!«
Die Mädchen sahen, wie Dorvu von Ast zu Ast segelte. Es war offensichtlich, dass er noch nicht sicher fliegen konnte, zumindest nicht so hoch am Himmel, aber er tat sein Bestes, um seine Flügel zu benutzen und für die Zukunft zu üben. Izzie warf einen Blick zurück auf den Hof und sah, wie einige der Eltern aufschauten und dann den Kopf schüttelten. Professor Hudson blieb kurz stehen, während sie einige der neuen Schüler auf dem Gelände herumführte. Izzie legte ihre Stirn besorgt in Falten, weil sie befürchtete, dass die Lehrerin wütend werden würde. Offenbar wusste sie aber über Dorvu Bescheid, denn ihr Gesichtsausdruck zeigte Bewunderung, als die Flügel des silbernen Drachens das Sonnenlicht einfingen und es auf die Bäume reflektierten.
»Puh, zumindest müssen wir uns bei Misses Hudson keine Sorgen bezüglich Dorvu machen.«
Emma rückte näher an Izzie heran. »Vielleicht nicht, aber gleichzeitig würde ich nicht damit protzen, dass wir ihn besuchen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Lehrer alle wissen, dass wir ihn hergebracht haben. Misses Hudson könnte sehr wohl denken, dass das alles auf dem Mist der Direktorin gewachsen ist, vielleicht als neuer Wachhund für das neue Schuljahr. Ich möchte nicht dabei sein, wenn sie die Wahrheit herausfindet.«
Izzie nickte, aber eigentlich wünschte sie sich, dass die Dinge anders wären. Die Kreaturen aus Oriceran waren erstaunlich. Izzies war der Meinung, dass Wesen wie magische Drachen, Wandler und sogar die Feen, die im Wald lebten, genau das waren, was sie in der Zukunft brauchen würden, wenn sich die Magie auf der Erde weiter etablieren sollte. Sie konnte sich vorstellen, dass die Menschen von der Schönheit dieser Kreaturen geblendet sein würden und das könnte ihnen helfen, sich wohler zu fühlen, wenn Magie vor ihnen eingesetzt wurde. Gleichzeitig musste sie jedoch zugeben, dass Dorvu vielleicht ein bisschen zu viel sein würde, um Magie auf der Welt bekannter zu machen. Das Letzte, was sie momentan brauchten, war noch ein Konflikt.
* * *
Als die Mädchen die Scheune erreicht hatten, schlugen sie einen Haken und gingen querfeldein, dann parallel zum Wald und über die Wiesen. Sie hatten Angst, dass sie versehentlich jemanden zu Dorvu führen konnten und das durfte nicht passieren. Alison warf einen Blick in Richtung der Werkstatt von Horace, in der Hoffnung, seine Energie zu erkennen, aber er war nicht da.
Die Mädchen schlichen sich schnell hinter die Werkstatt und warteten einen Moment, bevor sie in den Wald eilten. Sie kletterten über die umgestürzten Bäume, rannten durch die restlichen Laubhäufchen des letzten Herbstes und drangen tiefer in den Wald hinein. Schließlich, als sie Dorvus Lichtung tief im Wald erreicht hatten, blieben sie stehen.
»Ich denke, die Luft ist rein«, sagte Emma und schaute hinter ihnen nach jemandem, der ihnen gefolgt sein könnte.
Alison nickte. »Ich spüre niemanden außer uns.«
Izzie räusperte sich und formte die Hände vor ihrem Mund zu einem Trichter. »Dorvu! Wir sind alle hier, um dich zu sehen! Komm her!«
»Dorvu!«, rief Alison. »Hier ist deine Familie. Wir haben dich vermisst. Komm schon her!«
Die Mädchen gingen bis zum Rande der Lichtung zurück, als sie das Rascheln der Blätter und Knacken der Äste aus der Ferne hörten. Sie blickten in das Blätterdach und sahen, wie die Bäume immer wilder schwankten. Dann entdeckten sie Dorvu, dessen silberne Schuppen hell in der Sonne glitzerten. Er schlug ein paar Mal mit den Flügeln und ließ sich langsam vor ihnen auf den Boden nieder. Freudig stieß er eine eiskalte Böe winterlicher Luft aus seiner Nase aus.
»Whoa.« Die Mädchen kicherten und stolperten auf ihn zu. Ihre Haare waren vereist und mit kleinen Eiskristallen bedeckt.
Er war größer geworden, als sie erwartet hatten. Er neigte den Kopf und sah sie fröhlich an. Ein Mäuseschwanz hing aus seinem Mund und er schlürfte ihn ein, bevor er sich zu ihnen herunterbeugte. Alle außer Alison zogen eine Grimasse, selbst als Dorvu ihnen kühle Luft zu blies, um die schwüle Luft des heißen Sommertages zu vertreiben.
Emma und Kathleen rümpften die Nasen.
»Eau de Maus, lecker …«
»Du bist so groß geworden!«
»Das ist er«, sagte Horace und trat hinter ihnen auf die Lichtung.
Sein Hund bellte neben ihm, glücklich, die Mädchen zu sehen, aber nicht so erfreut, dem Drachen zu begegnen. Dorvu schnaubte und pustete Eiskristalle auf den Hund, der sein Fell schüttelte, um sie loszuwerden. Sie fielen auf den Boden und schmolzen augenblicklich. Horace lachte und tätschelte seinem Hund den Kopf.
»Willkommen zurück, meine Damen! Ich habe mich schon gefragt, wo ihr steckt. Ich war in der Villa, um euch zu suchen, aber Scarlett meinte, ihr seid nicht in eurem Zimmer.«
Alison streckte ihre Hand aus, woraufhin der Hund zu ihr herüber trabte und sich von ihr streicheln ließ. Sie sah von ihm auf und lächelte über Horaces beruhigende Energie. »Wir wollten Dorvu sehen. Ich habe ihn verpasst, als ich über die Ferien zu Besuch hier war. Izzie sagte, es war wirklich schwer, ihn den Sommer über zu besuchen.«
»Ich habe mich weiter in die Wälder vorgewagt. Ich habe langsam genug von Kaninchen und Mäusen«, sagte Dorvu und erregte damit ihre Aufmerksamkeit. »Wenn ich gewusst hätte, dass du hier bist, wäre ich in der Nähe geblieben, aber jemand hat vergessen, mir zu sagen, dass du kommst.«
Dorvu sah Izzie an und schüttelte den Kopf. Die Kälte seines Atems bildete eine Eisschicht auf Izzies Haar. Sie lachte, als sie ihr Haar zu einem Pferdeschwanz zusammennahm und mit einem Band befestigte. Sie umarmte den Kopf des Drachens und küsste ihn auf die Wange.
»Es tut mir leid, Dorvu«, flüsterte sie. »Ich werde es das nächste Mal nicht vergessen. Ich verspreche es.«
Horace grinste und schüttelte den Kopf. »Also, ich habe gehört, dass die Tochter meines Bruders – meine Nichte Jennifer – dieses Jahr bei euch einziehen wird.«
Kathleen nickte. »Oh, für sie ist also das sechste Bett gedacht! Das ist aufregend!«
»Das sehe ich auch so. Sie ist etwas nervös, aber ich habe ihr gesagt, dass sie sich bei euch wie zu Hause fühlen wird. Sie ist mütterlicherseits zur Hälfte eine Hexe und lernt gerade, wie man diese Kräfte einsetzt und sie stärkt. Gerade ist sie in der Scheune bei den Pferden. Wollt ihr sie kennenlernen?«
Alle Mädchen nickten und Izzie tätschelte Dorvu über die Schnauze. »Wir werden dich später besuchen kommen, Dorvu. Vielleicht bringen wir das neue Mädchen mit. Du kannst sie mit einem Hauch frischer Luft begrüßen.«
»Ich warte auf euren Besuch«, antwortete Dorvu und zeigte sein bestes Drachengrinsen.
Die Mädchen folgten Horace aus dem Wald und über das Feld zur Scheune. Als sie hineingingen, fanden sie ein großes, schlankes Mädchen vor, das in einer der Boxen stand und das wunderschöne, kastanienfarbene Pferd streichelte. Sie hatte das für die Familie typische rote Haar und wilde Locken, die ihren Rücken hinunter wippten. Sie trug perfekt geputzte Reitstiefel über ihrer Jeans und sah aus, als würde sie sich im Stall unglaublich wohlfühlen.
»Hi«, sagte Kathleen und lächelte.
Jennifer wandte sich den Mädchen zu und lächelte, dann blickte sie Horace an, der breit grinste und nickte. »Das sind die Mädchen, mit denen du ein Zimmer teilen und hoffentlich tolle Freundschaften schließen wirst. Das sind Kathleen, Emma, Aya, Izzie und Alison.«
Izzie trat vor und schüttelte Jennifers Hand. »Ich liebe deine Reitstiefel. Eines Tages werde ich hoffentlich auch welche haben. Pferde sind so cool.«
»Wirklich? Ich liebe Pferde auch. Ich habe mein ganzes Leben lang mit ihnen zu tun gehabt. Tatsächlich hoffe ich, dass ich eines Tages einen Pferdehof haben werde. Zumindest ist das mein Ziel, wenn ich nicht gerade etwas Verrücktes mit Magie oder so mache.«
Horace nickte und zwinkerte ihr zu.
»Jennifer spielt ihre Pferdekenntnisse ein wenig herunter. Sie ist eigentlich eine erfolgreiche Reiterin. Sie reitet fast schon genauso lange, wie sie laufen kann und ich bin extra immer nach Texas gefahren, um mir ihre Wettkämpfe anzusehen, wann immer ich konnte. Jetzt, wo wir sie hier haben, kann sie unseren Pferden mal mehr Aufmerksamkeit geben, als ich es bisher konnte.«
Die Mädchen waren unglaublich aufgeregt, Jennifer kennenzulernen. Sie fügte sich fast augenblicklich in die Gruppe ein. Alison beobachtete, wie ihre wunderbare Energie auf die Pferde übersprang. Ströme voller Aufregung, Vorfreude und Neugier schlängelten sich um sie herum, als sich jeder von ihnen vorstellte. Dazwischen flackerten Wellen von Schlitzohrigkeit auf, sodass Alison sofort wusste, dass Jennifer keine Schwierigkeiten haben würde, sich in der Gruppe wohlzufühlen.
* * *
»Nein, ich war noch nicht in der großen Eingangshalle«, antwortete Jennifer aufgeregt. »Ich bin schon früh mit Horace hier angekommen, aber es fühlte sich komisch an, ganz allein im Herrenhaus herumzulaufen. Ich bin nur bei den Pferden geblieben und habe Horace geholfen, so gut ich konnte.«
Die Mädchen lernten Jennifer ein wenig besser kennen, während sie zurück zum Schlafsaal gingen. Sie war lebhaft und fröhlich und schien sich mit jeder von ihnen zu verstehen. Es gab eine Menge zu besprechen. Schnell fiel ihr das schöne Kleid auf, das Kathleen trug, was sofort ein Gespräch über Mode auslöste.
»Wo ich herkomme, in Texas, sind die Leute entweder extrem ländlich angezogen oder sie versuchen den neuesten Trends nachzueifern. Da gehöre ich auch dazu. Ich mag es, mit der Mode Schritt zu halten, aber nicht mit den wirklich verrückten Sachen. Ich mag die Stücke, die zeitlos sind.«
Kathleen nickte aufgeregt. »Ja! Ich meine, ich habe einige Stücke, die nicht zeitlos sind, das ist definitiv Fakt, aber die schlichten Kleidungsstücke, die man zehn Jahre lang im Schrank haben kann und die immer noch modisch sind – die liebe ich. Eleganz mit einem modernen Touch, das sage ich meiner Mutter immer, wenn wir einkaufen gehen.«
Emma und Aya gefiel Jennifers bodenständige Art und ihr Wunsch, sie selbst zu sein, aber gleichzeitig Dinge für andere zu tun. Die Art und Weise, wie sie ihre Familie beschrieb, erinnerte Aya an ihre eigene und das allein reichte aus, um fast augenblicklich eine Freundschaft zwischen den beiden Mädchen zu formen. Izzie war Feuer und Flamme, seit sie sie mit den Pferden gesehen hatte, denn sie selbst hatte diese besondere Art, mit Tieren umzugehen, die einfach erstaunlich war. Für Alison war es ihre Energie – eine Mischung aus so vielen verschiedenen Emotionen und keine davon war schlecht. Alison wusste, dass sie zu ihnen passen würde und sie war wirklich froh, eine weitere Person zu haben, die sie in ihre Familie aufnehmen konnte.
Als sie das Feld in Richtung Hof überquerten, fanden sie Peter, Ethan und Luke, die mit einigen anderen Schülern Hacky-Sack spielten. Ethan benutzte seine Elfenmagie, um den Hacky-Sack in der Luft zu halten, wenn er zu ihm kam, was ihm Zeit gab, ihn mit Schwung zu dem anderen Spieler zu kicken. Die Hälfte der Jungs kicherte, während die andere Hälfte stöhnte und mit den Augen rollte.
Luke knurrte leise: »Kumpel, ich dachte, wir hätten gesagt, keine Magie. Wenn du aufs College gehst und dieses Spiel mit den Leuten dort spielst, kannst du nicht einfach deine Magie rausholen, nur damit du gewinnst.«
»Nun, wenn ich überhaupt aufs College gehe.« Ethan grinste.
»Hey, Leute, ich möchte euch unsere neue Mitbewohnerin vorstellen«, sagte Kathleen aufgeregt, woraufhin Peter den Hacky-Sack fallen ließ. »Das ist Jennifer. Sie ist eine neue Schülerin. Sie ist eine Hexe und die Nichte von Horace!«
»Schön, dich kennenzulernen«, antwortete Luke und nickte. »Wir haben auch ein leeres Bett in unserem Zimmer. Keine Ahnung, wem es gehört, also muss es einen weiteren Neuzugang geben.«
Ethans Augen weiteten sich, als er Jennifer die Hand schüttelte. Er konnte nicht aufhören, sie anzustarren. »Schön dich kennenzulernen. Du kannst dich bei der Willkommensfeier gerne neben mich in den Saal setzen. Ich erzähle dir alles über die Leute hier.«
Izzie grinste und lehnte sich zu Alison hinüber. »Oh-oh, sieht so aus, als hätte Grace Konkurrenz bekommen.«
Die Mädchen kicherten, als sie sich auf den Weg nach drinnen zum Mittagessen und einer kleinen Willkommen-zurück-Feier machten. Ethan streckte seine Arme aus, als sie hereinkamen.
»Also, das ist unser Speisesaal, der zu besonderen Anlässen wie Weihnachten oder dem Valentinstag in einen Ballsaal verwandelt wird.«
»Wow.« Jennifer betrachtete die hohen Decken, die schönen Kunstwerke und die Reihen von Tischen und Stühlen.
Einige Eltern der neuen Schüler versuchten, ihren Kindern in den Speisesaal zu folgen, nur um sich, sobald sie einen Schritt in den Saal machten, ein paar Meter vor der Eingangstür wiederzufinden. Ihre Kinder kicherten und winkten ihren Eltern von der Tür aus zu. Sie waren zum Teil mehr als erleichtert, ihnen entkommen zu sein. Die Gruppe ging hinüber zu ihrem gewohnten Tisch und unterhielt sich, während sie alle darauf warteten, dass das Essen begann.
»Normalerweise, wenn es kein geplantes Mittagessen gibt, kommt man rein, überlegt sich einfach, was man essen möchte und es erscheint auf einem Teller. Wir sitzen übrigens immer hier«, erklärte Ethan Jennifer.
Jennifer sah sich um und nickte. »Das ist cool. Ich frage mich, ob ich meinen Teller auch mit nach draußen in den Stall zu den Pferden nehmen darf.«
Auf der anderen Seite des Tisches stand Alison neben einem leeren Stuhl und hielt ihre Augen nach Tanners Energie offen. Sie hatte ihn noch nicht gesehen, seit sie wieder in der Schule angekommen war. Luke und Izzie standen dicht beieinander und hielten Händchen. Sie taten so, als hätten sie sich seit Jahren nicht mehr gesehen, obwohl sie sich im Sommer getroffen hatten. Für sie gab es nicht genug Zeit am Tag, die sie miteinander verbringen konnten. Horace betrat mit seinem Hund den Saal und schloss die große Tür. Misses Hudson betrat die Empore und schwenkte ihren Zauberstab, um die Lichter zu dimmen, die an den Wänden schwebten.
Professor Regency ging am Tisch der Freundesgruppe vorbei, klopfte Luke auf die Schulter und nickte zufrieden. »Luke, schön, dich wiederzusehen.«
»Coach Regency, es ist auch schön, Sie zu sehen, Sir.«
»Ich bin sehr gespannt auf die neue Louper-Saison. Ich denke, wir haben eine echte Chance, es dieses Jahr ganz nach oben zu schaffen. Letztes Jahr waren wir so nah dran. Was hast du den Sommer über gemacht, Luke? Ich hoffe doch sehr, dass du als einer unserer besten Nachwuchsspieler weiter trainiert hast.«
»Danke, Coach. Ich habe geübt, wann immer ich die Gelegenheit dazu hatte.«
Professor Regency gab ihm einen Daumen hoch. »Die Saison ist dieses Jahr zweigeteilt und beginnt früher, also müssen wir die Probetrainings zügig in Gang bringen. Mehr Schulen haben ein Team gebildet, also werden wir dieses Halbjahr das erste Turnier spielen und dann ein noch größeres im nächsten. Ich zähle wirklich auf Spieler wie dich. Es wird eine langwierige und körperliche Herausforderung. Wir sehen uns auf dem Feld«, sagte er und machte sich auf den Weg zur Empore.
Luke setzte sich auf den Stuhl neben Izzie, nahm ihre Hand in seine und lächelte. »Ich glaube wirklich, dass wir dieses Jahr gewinnen können, zumindest das erste Turnier.« Izzie drückte seine Hand.
Misses Berens ging die Stufen hinauf zu ihren Kollegen und berührte mit einer glühenden Hand ihren Hals, um die Lichtmagie eindringen zu lassen. Sie hob die Hand, um auch die letzten Schüler zum Schweigen zu bringen und lächelte.
»Willkommen!«, dröhnte ihre Stimme durch den Saal. »An euch zurückkehrende Schüler, willkommen zurück. An alle neuen Schüler, sowohl die Erstklässler als auch die Seiteneinsteiger: Willkommen an der Schule der grundlegenden Magie ! Wir freuen uns alle, dass der Unterricht wieder beginnt und sind gespannt auf ein lehrreiches und aufschlussreiches Jahr.« Sie streckte ihre Hand aus und ließ eine Kugel aus blauem Licht aus ihrer Handfläche aufsteigen und sich in einen Vogel verwandeln, der aufstieg und durch den Raum kreiste, bis nur noch sein Licht zurückblieb.
Die Erstklässler im Raum staunten.
Die Direktorin klatschte in die Hände und schaute zum Tisch hinüber, wo Izzie und ihre Freunde immer noch leise vor sich hin tuschelten. Als sie die Blicke bemerkten, verstummten sie augenblicklich. Misses Berens holte tief Luft und breitete ihre Arme aus.
»Bevor wir beginnen, müssen wir reinen Tisch über das letzte Schuljahr machen. Transparenz ist für uns alle wichtig. Einige haben mir geraten, nicht mit euch darüber zu reden. Wir sollten es einfach ruhen lassen. Aber ihr lebt, esst und schlaft hier. Die Schule ist für neun Monate im Jahr euer Zuhause und als Familie müssen wir auch über härtere Themen reden können.« Misses Berens verschränkte die Hände hinter dem Rücken und sammelte ihre Kräfte.
»Letztes Jahr hat jemand unsere Gestaltwandler-Schüler vergiftet. Die restlichen Schüler waren nie in Gefahr von den Wandlern, aber die Wahrheit ist, dass gerade die Wandler in Gefahr schwebten. Glücklicherweise haben wir diesen schweren Moment überstanden und niemand wurde verletzt. Wir arbeiten eifrig daran, herauszufinden, wer dahintersteckte.«
Die anderen Lehrer sahen sich gegenseitig an. »Ich hoffe, sie weiß, was sie tut«, flüsterte Mister Powell.
»Es ist ihre Entscheidung«, sagte Professor Grant ruhig. »Wir werden sie unterstützen, egal was passiert«, flüsterte sie und richtete ihren Blick auf ihn.
»Ich habe die Bibliothek nach ein paar neuen Zaubersprüchen durchforstet, um die Zäune zu schützen, aber ich weiß nicht, ob sie funktionieren, bis sie im Ernstfall getestet wurden.«
Miss Grant kniff kurz die Augen zusammen. »Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt. Die Regierung hat davon gehört und wollte eingreifen und ihr eigenes Regelwerk aufstellen. Mara konnte sie dank all der zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen davon abhalten, aber wenn noch eine Sache passiert …« Ihre Stimme verstummte.
Die Direktorin lächelte. »Dieses Jahr wird eines der aufregendsten bisher. Wir haben viele besondere Dinge geplant und es beginnt alles mit dem heutigen Mittagessen. Heute Abend findet nach dem Abendessen eine kleine Party statt, damit sich alle besser kennenlernen können.«
Scarlett lehnte ihren Kopf zurück und stöhnte. Die Direktorin sah sie schmunzelnd an.
»Zu Beginn unseres Mittagessens, möchte ich Scarlett bitten, aufzustehen und allen zuzuwinken.« Scarlett änderte augenblicklich ihre Haltung und lächelte. Sie stand auf und winkte der Menge zu.
»Das ist Scarlett, eure Schülersprecherin. Wenn jemand Sorgen, Fragen oder sogar Ideen hat, wie das Schuljahr reibungsloser ablaufen kann, ist Scarlett die richtige Ansprechpartnerin. Sie wird dafür sorgen, dass eure Ideen und Anliegen so schnell wie möglich bei uns Gehör finden. Nun, ohne weitere Umschweife, genießt euer Mittagessen. Ich freue mich darauf, euch heute Abend nach dem Essen bei der Feier zu sehen.«
Es gab einen tosenden Applaus, dann schwappte eine Welle von Gelächter durch den Raum, als die Schüler ihr Mittagessen begannen. Das Essen, das auf den Tellern erschien, variierte je nachdem, worauf die Schüler Lust hatten. Die Schüler trugen ihre Teller umher, um sich unter ihre Freunde zu mischen, die sie den ganzen Sommer über vermisst hatten. Jetzt, da einige schon seit drei Jahren an der Schule waren, gab es an jeder Ecke Freunde – und auch Feinde.
Die Verteilung der Tische hatte sich allerdings nicht geändert. Die Sportler saßen immer noch bei den Sportlern, die Künstler immer noch bei den Künstlern und die Wissenschafts-/Magie-Nerds saßen zusammen in einer Ecke. Die einzige Gruppe, die von allem ein bisschen hatte, war die von Alison und Izzie. Das bedeutete jedoch nicht, dass sie keine Freunde im Rest des Saals hatten. Sie liefen herum, begrüßten die anderen und plauderten mit ihnen über ihre Sommerferien.
»Was ist das ?«, fragte Jennifer Izzie und sah zum Louper Tisch hinüber.
»Das Ding, das über dem Tisch schwebt? Oh, das ist das Wappen unseres Louperteams, den Cardinals!«
Jennifer nickte und ihr Blick wanderte zum Tisch der Wissenschaftler. »Und … was genau machen die da ?«
Izzie kicherte und hielt sich den Mund zu, als sie Peter anschaute. »Das sind die Leute, die Wissenschaft und Magie kombinieren. So ähnlich wie unser Freund Peter hier, aber das wirst du in der Zukunft noch erleben. Sieht so aus, als würden sie versuchen, etwas zu bauen, obwohl ich mir nicht sicher bin, was genau.«
Jennifer hob eine Augenbraue und neigte den Kopf nach rechts. »Was auch immer es ist, da schwebt eine Gabel zwischen ihnen.«
Alison war immer noch nicht in der Lage, Tanner zu finden, aber er war schon mehr als einmal zu spät aufgetaucht. Sie versammelten sich wieder an ihrem Tisch, gerade als die Direktorin auftauchte und sich räusperte.
»Ich wollte nur vorbeikommen und allen Hallo sagen. Außerdem wollte ich wissen, wie es Jennifer geht.«
Jennifer schluckte ihre grüne Götterspeise hinunter und nickte lächelnd. »Wirklich gut, Frau Direktorin. Alle waren sehr freundlich und haben mir das Haus und das Gelände gezeigt.«
Die Schulleiterin nickte. »Gut. Dann hoffe ich, dass du dich wohlfühlen wirst. Ich bin eine sehr gute Freundin von Jennifers Großtante Estelle, die in Austin lebt.«