O h, schau, Ethan! Du hast gerade bei Professor Wilson ein virtuelles Auto gecrasht und jetzt kannst du ein echtes bei Professor Powell schrotten.« Kathleen lachte.
»Ich erhole mich immer noch von den vielen Unfällen«, stöhnte Ethan. »Ich weiß also nicht mal, ob ich mich in dieses Ding setzen will.«
»Das Gefühl beruht auf Gegenseitigkeit«, brummte Mister Powell als er an ihnen vorbei, auf den leeren Parkplatz ging.
In diesem Jahr konnte die Freundesgruppe am Fahrschulunterricht teilnehmen und der Professor war nicht erfreut, sie unterrichten zu müssen. Er war dazu verdonnert worden, weil er Misses Berens noch einen alten Gefallen schuldete. Egal, was er versucht hatte, um aus der Situation herauszukommen, die Direktorin war eiskalt geblieben.
»Versprochen ist versprochen«, hatte sie ihm gesagt.
Dem konnte er nicht widersprechen, aber als er auf die Schar von Schülern zuging, die aufgeregt tuschelten und kicherten, begann er sich zu fragen, wie wichtig ihm das Versprechen war. Er räusperte sich und hob die Hand, um die Menge zu beruhigen. Es dauerte einen Moment lang, bis sie sich im Halbkreis um ihn versammelt und beruhigt hatten. Er versuchte, Verständnis für ihre Aufregung aufzubringen, schließlich war es für viele der Jugendlichen das erste Mal, dass sie ein Auto fahren durften.
»Ich brauche die volle Aufmerksamkeit von allen. Ihr seid heute hier, da ihr die schriftliche Prüfung, die Anfang des Jahres stattfand, bestanden habt, aber nun wird es ernst. Damit ich euch nach euren sechzehnten Geburtstagen zu den Fahrprüfungen anmelden kann, müsst ihr nun die praktischen Stunden meistern.«
Die Schüler standen aufmerksam da und lauschten jedem seiner Worte.
»Autofahren ist eine große Verantwortung. Heute bekommt ihr die Chance, mir zu zeigen, wie gut ihr euch schon auskennt, wie verantwortungsbewusst ihr seid und woran ihr noch arbeiten müsst, um die Fahrprüfung zu bestehen. Obwohl ich nicht mit euch im Auto sitzen werde, vergesst nicht, dass ich die Möglichkeit habe, das Auto jederzeit anzuhalten. Also bitte keine Showeinlagen. Bildet jetzt Paare und ich rufe eure Namen, wenn ihr dran seid.«
Jeder schnappte sich die Person, die ihm am nächsten war. Sie flüsterten leise, während sie darauf warteten, an die Reihe zu kommen. Izzies und ihre Freundesgruppe standen ganz hinten. Sie waren alle nervös, außer Kathleen, die schon seit Jahren Fahrstunden bei ihrem Vater genommen hatte.
»Wenn ich den Mercedes meines Vaters fahren kann, der die Liebe seines Lebens ist, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich den Ford Focus der Schule um einen Parkplatz voller Kegel fahren kann«, flüsterte Kathleen Emma zu.
Ein lauter Rums lenkte ihre Aufmerksamkeit zurück auf den Parcours, der auf dem Parkplatz hinter dem Herrenhaus aufgebaut war. Tanner hatte es geschafft, in einer Kurve drei Kegel umzufahren. Er war einfach ein bisschen zu schnell gefahren, um vor seinen Freunden zu protzen.
Jason grinste zuerst, fing sich aber schnell, als er bemerkte, dass Ethan ihn ansah.
Professor Powell rollte mit den Augen, wedelte mit der Hand, um die Kegel wieder aufzustellen und wartete, bis die Schüler die Positionen getauscht hatten. Der nächste Schüler kletterte auf den Fahrersitz, offensichtlich nervöser als sein Freund. Er legte seine Hände vorsichtig auf das Lenkrad und überprüfte alle Spiegel.
»Ich hoffe wirklich, dass ich keine Hütchen ummähe oder durch den Zaun fahre«, murmelte Peter nervös.
»Fahr einfach langsam«, antwortete Aya. »Ich glaube nicht, dass es eine Mindestgeschwindigkeit gibt und je langsamer du fährst, desto mehr Kontrolle wirst du haben.«
Peter zuckte mit den Schultern. »Mein Vater hat diesen Sommer versucht, mir das Autofahren beizubringen, aber er war super nervös und hat jedes Mal losgeschrien, selbst wenn nur ein Vogel vorbeiflog, sodass ich nicht wirklich viel davon mitgenommen habe. Naja, außer dass ich jetzt jedes Mal nervös zucke, wenn ich in die Nähe eines Autos komme.«
»Das wird schon alles klappen«, versicherte Aya ihm und versuchte, ein Kichern zu unterdrücken, während sie ihm auf die Schulter klopfte.
Der Lehrer stand vorn und nickte, als ein Schüler das Auto um die Pylonen manövrierte und wieder zurück zur Gruppe fuhr, dann langsam abbremste und vor ihnen anhielt. Der Junge stellte den Wagen im Parkmodus ab und stieg mit einem breiten Lächeln im Gesicht aus, doch sein Freund schaute bedröppelt, denn er wusste, dass er kläglich versagt hatte. Der Professor nickte und machte sich auf seinem Klemmbrett Notizen, bevor er sich der Gruppe zuwandte.
»Okay, Ethan. Zur Abwechslung hätte ich heute gerne mal eine perfekte Fahrt ohne Feuer oder Überschläge von dir gesehen.«
Ethan holte tief Luft und sah Luke an, als sie zum Auto gingen. Luke setzte sich auf den Beifahrersitz, schnallte sich an und beobachtete Ethan erwartungsvoll, während dieser auf die verschiedenen Knöpfe und Rädchen vor ihm starrte.
»Der Prof hat recht. Bitte jag uns nicht in die Luft.«
»Ich denke, das mit dem Feuer sollte ich, gerade noch verhindern können. Schließlich sind wir auf einer ebenen Fläche auf einem Parkplatz. Chill mal, wird schon schiefgehen«, sagte Ethan mit etwas mehr Zuversicht in der Stimme als zuvor.
»Davor habe ich Angst«, antwortete Luke und seufzte, während er sich an den Sitz klammerte.
Ethan legte den Gang ein und drückte langsam aufs Gas, sodass der Wagen genug Saft hatte, um langsam in den Hindernisparcours zu rollen. Als er um die Kurven fuhr und vorsichtig durch die Hütchen lenkte, wurde deutlich, dass Ethan ein Naturtalent im Fahren war.
»Nice«, freute sich Luke, als sie auf das Ziel zufuhren. »Wer hätte das gedacht? Ich schätze, du bist nur einfach nicht talentiert darin, herauszufinden, wie du dein Auto davon abhältst, den Abhang eines Berges hinunterzustürzen, aber wer ist das schon?«
Ethan hielt vor seinem Lehrer an und lächelte. Er sah zu Luke rüber und nickte stolz. Es kam nicht oft vor, dass er so gut in etwas war, aber bis jetzt schien er einer der besten Fahrer in der Klasse zu sein. Die beiden Jungen stiegen aus und der Professor nickte Ethan beeindruckt zu, als die Jungen die Plätze tauschten.
»Okay, Wölfchen.« Ethan lächelte. »Zeig mir, was du drauf hast.«
Luke schnallte sich an, atmete tief durch und schaltete in den Fahrmodus. Er hob den Fuß langsam von der Bremse, rollte los und trat panisch wieder zu. Ethan griff nach dem Gurt um seine Brust und hob eine Augenbraue. Mit seiner anderen Hand fasste er nach oben zum Griff über der Tür. Luke sah ihn an, lächelte nervös und packte das Lenkrad fester.
»Nimm den Fuß von der Bremse und drücke einfach langsam aufs Gas«, wies Ethan an.
Luke nickte. »Ich schaffe das.«
Er nahm den Fuß von der Bremse, trat mit seinem Fuß vorsichtig aufs Gas und steuerte das Auto auf die Hütchen zu. Je näher er kam, desto schneller wurde er und kurz vor dem Parkour, drückte er ein bisschen zu stark auf das Gaspedal und der Wagen riss drei der Hütchen um. Ethan krallte sich am Türgriff fest und schrie: »Bremsen! Bremsen! Tritt auf die Bremse!«
Luke keuchte, nahm den Fuß vom Gas und trat kräftig auf die Bremse. Die Pfützen, die vom Regen am Vortag auf dem Parkplatz zurückgeblieben waren, brachten den Wagen leicht ins Schleudern, bevor er zum Stehen kam. Beide Jungen lehnten sich in ihre Sitze. Ethan schaute langsam auf und versuchte, sich das Lachen zu verkneifen, denn das würde dem Professor ganz und gar nicht gefallen.
»Nun, da wir direkt vor der Ziellinie stehen, warum versuchst du nicht ins Ziel zu rollen?«, fragte Ethan und blickte den Lehrer an, der nun neben ihnen stand und den Kopf schüttelte. »Ich denke, das war genug Übung für heute.«
»Ich glaube, Sie haben recht.«
»Das wird ein Kinderspiel«, rief Jason hinter ihm und grinste. »Mein Onkel hat mich diesen Sommer sein Auto fahren lassen.«
Luke fuhr langsam auf die Ziellinie zu und bremste wieder einmal zu stark, sodass sie mit einem Ruck zum Stehen kamen. Er stellte den Wagen auf Parken und die Jungs kletterten heraus. Ethan lachte und schüttelte den Kopf. Luke sah völlig gedemütigt aus.
»Ihr magischen Leute habt es leicht. Wenn etwas schiefgeht, schnippt ihr einfach mit den Fingern und repariert es. Wenn es ums Fahren geht, bin ich nichts anderes als ein Mensch.«
»Eigentlich …«, warf der Professor ein und wandte sich der Gruppe zu. »spricht Luke einen wichtigen Punkt an. Wenn es ums Fahren geht, sind wir alle nicht anders als die Menschen. Wenn ihr eure Magie beim Fahren einsetzt, tut ihr euch damit keinen Gefallen. Es gibt keine magische Alternative für die Fahrprüfung. Wenn ihr Auto fahren möchtet, müsst ihr die gleiche Prüfung wie Menschen bestehen und das bedeutet ohne Magie.«
Der Professor ging vor seinen Schülern auf und ab und überlegte, wie er ihnen am besten begreiflich machen konnte, dass die Verwendung von Magie ihnen in der realen Welt tatsächlich keinen Vorteil bringen würde, zumindest wenn es um das Autofahren ging.
»Wenn ihr parallel einparken wollt, müsst ihr das wie jeder andere auch üben. Wenn ihr eine Dreipunktwende macht, müsst ihr diese so machen wie jeder andere. Wenn es darum geht, Schilder zu lesen, hilft euch auch keine Magie. Die Menschen wissen, dass wir hier sind, egal wie unauffällig wir uns verhalten und sie haben Gesetze erlassen, die sicherstellen, dass für uns die gleichen Sicherheitsvorschriften und technischen Maßnahmen gelten wie für sie. Wenn ihr während eurer Prüfung Magie benutzt, fallt ihr nicht nur durch und müsst sie wiederholen, sondern bekommt zusätzlich einen Eintrag mit einem M in euren Führerschein, wenn ihr die Prüfung irgendwann besteht. Damit wird vermerkt, dass ihr magische Wesen seid.«
Die Schüler flüsterten untereinander. Fast alle ihre Eltern fuhren, aber keiner hatte ein M auf seinem Führerschein, was bedeutete, dass sie die Prüfung wie Menschen bestanden hatten. Es gab eine Menge Dinge, über die die Schüler noch nicht nachgedacht hatten, wenn es darum ging, in der Menschenwelt zu leben.
»Ihr solltet euch während der Prüfung am besten gar nicht anmerken lassen, dass ihr magisch seid. Das ist nichts, was ihr auf eurem Führerschein stehen haben wollt, wenn ihr zufällig angehalten werdet oder ihr ihn als Ausweis benutzen müsst.« Der Professor sah auf sein Klemmbrett hinunter und machte eine Notiz neben Lukes Namen. »In Ordnung, der Nächste ist … Peter.«
Peter trat vor, Aya dicht hinter ihm. Die beiden stiegen in das Fahrzeug ein, Peter auf der Fahrerseite und Aya nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Der Junge war nervös. Aya schwieg, denn sie wusste, dass er diese Zeit brauchte, um sich zu sammeln und die Fahrt durchzustehen. Er löste die Bremse, trat sanft aufs Gas und fuhr langsam vorwärts. Er war ein vorsichtiger Fahrer, was niemanden überraschte, der ihn kannte. Das Einzige, bei dem er normalerweise nicht vorsichtig war, waren seine Experimente.
Er umrundete die Hütchen langsam und seine Beifahrerin sah, wie er vor sich hin lächelte. »Ich wusste, dass du es schaffst. Gute Arbeit.«
»Danke«, sagte Peter mit einem breiten Grinsen, als er langsam vor dem Lehrer zum Stehen kam.
Nun waren die restlichen Schüler an der Reihe. Kathleen schlug sich natürlich fantastisch. Aya war genauso vorsichtig wie Peter und Emma war zwar nicht ganz so furchtbar wie Luke, brauchte aber definitiv noch etwas Übung. Als Izzie an der Reihe war, ergriff sie Alisons Hand. Alison hatte still an der Seite gestanden und beobachtet, wie die Energien der anderen immer aufgeregter wurden und sich gesagt, dass es okay war, dass sie nicht mitmachen konnte. Sie hatte versucht, sich loszureißen und in die Bibliothek zu gehen, zu ihrem Lieblingsplatz, wo der Bibliothekar sie in ein paar der älteren Bücher schauen ließ, die nicht auf der verbotenen Liste standen.
Aber Izzie und Kathleen waren damit nicht einverstanden und bestanden darauf, dass sie mitkam.
»Komm mit mir. Das wird lustig«, sagte Izzie aufmunternd.
Alison gab nach, ließ sich ins Auto ziehen und schnallte sich nervös lächelnd an.
»Bist du bereit?«, fragte Izzie aufgeregt. »Ich weiß nicht warum, aber ich habe das Gefühl, schon einmal hinter dem Steuer eines Autos gesessen zu haben.«
In letzter Sekunde öffnete Jason die Hintertür, kletterte auf die Bank und schnallte den Sicherheitsgurt an. »Los geht’s!«, sagte er mit einem breiten Grinsen und packte Izzie und Alison an den Schultern.
Tanner protestierte, aber niemand rührte sich, um Jason aus dem Auto zu holen, sodass er wütend zusehen musste.
Izzie rollte mit den Augen, während sie das Auto in den Fahrmodus schaltete und losfuhr. Sie nahm die Kurven schnell und ohne zu zögern. Das Auto zischte zwischen den Pylonen durch und Alison musste aufgrund der Fliehkräfte lachen. Sie tastete schnell nach dem Griff über dem Fenster. Jason stieß einen Schrei aus und klopfte auf den Sitz. Izzie ging ein Risiko ein und es zahlte sich aus. Sie war schnell und erledigte den Job, ohne ein einziges Hütchen umzuwerfen.
»Oh, mein Gott«, rief Alison aus und lachte laut, als sie an der Ziellinie zum Stehen kamen. »Das war die beste Fahrt meines Lebens. Können wir das noch mal machen?«
Der Professor wischte sich den Schweiß von der Stirn, schüttelte den Kopf und griff nach den Schlüsseln.
»Ich denke, das war mehr als genug für heute.«