S ieh mal, ich weiß, dass es ein besonderer Tag und der Schleier dünn ist, aber das bedeutet nicht, dass du auf dumme Gedanken kommen musst«, sagte ein Oberstufenschüler zu seiner jüngeren Schwester.
Sie rollte mit den Augen und verschränkte die Arme. »Meine Magie ist genauso dunkel wie deine und ich bin im zweiten Jahr, also sollte ich tun und lassen können, was ich will. Kannst du dir vorstellen, wie stolz Mom und Dad auf mich wären, wenn ich schon in meinem zweiten Jahr mit Leuten in der Zwischenwelt jenseits des Schleiers reden könnte?«
Der Junge schüttelte den Kopf und packte seine Schwester an den Schultern. »Nur weil du eine dunkle Hexe bist, heißt das nicht, dass es sicher ist, mit dunkler Magie herumzuspielen. Mom und Dad wären viel stolzer, wenn du deinen Abschluss schaffst, als wenn du in die Zwischenwelt gesaugt wirst, weil du etwas zu riskantes versucht hast.«
Das Mädchen seufzte und nickte enttäuscht. »Ich wollte doch nur einen kleinen Zauberspruch versuchen.«
»Leg es nicht drauf an! So cool war Onkel Fred nun wirklich nicht.«
»Ich verstehe immer noch nicht, wie du ein dunkler Zauberer sein kannst, wenn du bei allem so vorsichtig und zurückhaltend bist«, sagte seine Schwester, als sie sich abwand und den Flur hinunterging.
* * *
Die Zwischenwelt war ein Ort, den viele fürchteten und nur wenige gesehen und überlebt hatten, aber dennoch ein Ort, der Alison neugierig machte. Sie war zwar nicht mit den Gruselgeschichten über die Zwischenwelt aufgewachsen, aber sie hatte in ihrer Schulzeit einige Dinge darüber gelernt. Es wurde gemunkelt, dass die Direktorin Jahre in der Zwischenwelt verbracht hatte, aber mit der Hilfe ihrer Enkelin Leira entkommen war.
Demnach, was Alison verstanden hatte, befanden sich Seelen in der Zwischenwelt, die entweder versehentlich durch einen Spalt in einem Portal gefallen waren oder noch offene Angelegenheiten zu erledigen hatten. Manchmal, aber sehr selten, konnten magische Wesen mit den Toten in Kontakt treten. Allein das weckte ihr Interesse. Sie konnte den schlechten Ruf, den die Zwischenwelt besaß, nicht verstehen.
»Wir sehen uns beim Abendessen«, flüsterte Izzie, klappte ihr Buch zu und tätschelte Alisons Hand.
Alison nickte und lächelte, warf einen Blick auf den Bibliothekar und beobachtete, wie Izzies Energie durch die Türen und um die Ecke verschwand. Es war sonst niemand in der Bibliothek, da es früher Abend war und die Schüler entweder zu Abend aßen oder in ihren Zimmern lernten. Sie hatte jedoch ein Buch gefunden, das Zaubersprüche beinhaltete, die es ihr ermöglichen könnten, jemanden in der Zwischenwelt zu kontaktieren.
»Kommst du einen Moment allein zurecht? Ich gehe durch die Regale und sehe nach, ob alles richtig zurückgestellt wurde«, flüsterte der Bibliothekar Alison zu und klopfte ihr auf die Schulter.
Alison verdeckte das Buch und ihren Braille-Reader mit einem ihrer Lehrbücher und lächelte zu Bibliothekar Decker hoch. »Natürlich. Ich lese nur noch ein bisschen leichte Lektüre. Mir ist heute nicht wirklich nach Abendessen zumute.«
»Ich hole mir vielleicht noch einen Snack, aber wenn jemand reinkommt, erinnere ihn bitte daran, dass er keine Bücher aus den Regalen herausnehmen darf, wenn ich nicht da bin.«
Alison kicherte. »Natürlich.«
Die Energie des Bibliothekars leuchtete und wirbelte, als er sich auf den Weg machte und die Tür hinter sich schloss. Alison klappte schnell das Buch wieder auf und schob ihren Übersetzer über den Text. Sie las sich den Zauberspruch noch einmal durch, um sicherzugehen, dass sie alles richtig verstanden hatte. Es schien ein einfacher Zauber zu sein. Sie hoffte wirklich, dass sie ihre Mutter oder vielleicht jemand anderen aus ihrer Familie damit kontaktieren konnte.
Alison atmete tief durch, während sie ihre Finger fest auf die Übersetzungsmaschine drückte, um sicherzugehen, dass sie alle Wörter richtig verstanden hatte. Sie hatte von so vielen Zaubern gehört, die schiefgegangen waren und das Letzte, was sie wollte, war, in die Zwischenwelt gesaugt zu werden, weil sie sich mit ihren Fähigkeiten zu weit aus dem Fenster gelehnt hatte.
Alison spürte, wie die Magie durch sie hindurchfloss, sie erwärmte jeden Teil ihres Körpers. Sie schloss die Augen, dehnte ihren Nacken von einer Seite zur anderen und fuhr mit den Fingern ein letztes Mal über die Worte. Als sie sich bereit fühlte, öffnete sie ihre Augen, aber anstelle ihrer normalerweise hellblauen Pupillen war nichts als ein stürmisches Grau in ihren Augenhöhlen zu sehen.
Alison flüsterte den Spruch: »Dem Furchtlosen, der sich über den Graben in die endlose Weite wagt, wird dort drüben die Erlösung versagt. Ein endloses Wachen und gedankenloses Irren lässt die dazwischen müde und taumelnd im Nichts schwirren. Mit diesem Zauber bitte ich ehrfürchtig, die, die ich verlor, meine Lieben hinter dem Schleier, tretet hervor. «
Alison wollte einfach mehr erfahren. Sie musste mit jemandem sprechen, der ihr erklären konnte, wer sie war und sie wollte wirklich diese verrückte andere Dimension verstehen, über die die Leute so viel sprachen und die sie so sehr fürchteten. Sie rechnete nicht damit, dass der Zauber funktionieren würde, zumal sie keine Ahnung hatte, was sie da tat. Doch nachdem sie das letzte Wort gesprochen hatte, begann der Tisch unter ihr zu zittern und sie fühlte, wie die Magie durch ihren Körper strömte und ihn über ihre Handflächen verließ.
Sie schüttelte den Kopf und versuchte, die Energie zu sehen, die um sie herumwirbelte, aber alles, was sie sehen konnte, waren die dunklen Strahlen, die aus ihren Händen schossen. Alison stolperte zurück, stieß den Stuhl hinter sich um und ballte ihre Hände zu Fäusten. Sie wollte einfach nur, dass das alles aufhörte. Plötzlich hörte sie ein leises Knurren, das ihr die Nackenhaare zu Berge stehen ließ.
Alison schüttelte ungläubig den Kopf. »Schon gut, ich nehme alles zurück. Hör auf. Das wollte ich nicht.«
Doch es war zu spät. Der Zauber war gesprochen und in der Mitte der Bibliothek, entstand ein Riss in der Luft. Sie sah entsetzt zu, wie die Toten herauszuklettern begannen. Zuerst dachte sie, dass sie sie mit sich reißen würden, aber dann sah sie, dass sie direkt zu flüchten schienen. Sie kämpften sich aus dem Portal und stürmten auf die Türen der Bibliothek zu.
Alison wartete nicht darauf, dass sich der Riss schloss, drehte sich einfach um und rannte zur Tür. Sie wusste nicht, wie sie es aufhalten sollte und die Energie floss einfach weiter. Sie rannte den Flur entlang in Richtung des Speisesaals. Sie brauchte die Hilfe ihrer Freunde und obwohl sie nicht wusste, ob sie eine Ahnung hatten, was zu tun war, konnte sie sich der Situation nicht allein stellen.
Alison blieb an ihrem Tisch stehen und blickte auf, um sich zu vergewissern, dass die Direktorin sie nicht beobachtete. »Ich brauche eure Hilfe, von euch allen.«
Ethan war mitten im Satz, aber er hörte auf zu sprechen und sah in Alisons erschrockenes Gesicht. »Was ist los?«
Izzie drehte sich in ihrem Stuhl um und ergriff Alisons Hand. »Was gibts? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.«
Alison hob eine Augenbraue und atmete tief aus. »Ich denke, das ist vielleicht etwas untertrieben. Bitte kommt einfach mit und ich zeige euch, was passiert ist. Wir müssen schnell etwas unternehmen.«
Alle nickten und warfen einen Blick auf die Lehrpersonen an ihren Tischen, um sicherzugehen, dass sie nichts mitbekamen. Izzie nahm Alison an die Hand, als sie aus dem Speisesaal und hinunter in Richtung Bibliothek rannten. Als sie sich der Tür näherten, schauten sich die Freunde schockiert um und sahen Geister den Korridor entlang schweben.
Ethan stieß seine Hand durch einen der Geister und lachte. »Das ist ja mal ein krasser Zauberspruch und es ist noch nicht mal Halloween.«
Alison zitterte und schüttelte den Kopf. »Das sind nicht einmal die Hälfte von denen. Glaubt mir, sie sind echt.«
Ethan sah sie verwirrt an, während Alison die Bibliothekstür öffnete und ihre Freunde hineinführte. Sobald sie den Raum betreten hatten, keuchten sie los und schlossen schnell die Tür hinter sich. Sie sahen zu, wie die Geister aus dem Riss im Raum kletterten und versuchten, die Bibliothek zu verlassen. Sie brauchten nicht einmal die Türen zu öffnen, sie schwebten einfach hindurch.
Kathleen hielt sich die Hand vor den Mund und sah die anderen mit großen Augen an. »Das ist furchtbar. Nicht unbedingt wegen der verbotenen Magie, sondern weil alles durch diesen Riss kommen könnte. Nach dem, was ich gehört habe, gibt es in der Welt dazwischen ein paar wirklich dunkle Wesen.«
Aya packte Alisons Handgelenk. »Warst du das? Hast du einen Riss in der Zwischenwelt geöffnet?«
Alison rieb sich die Schläfen, griff nach der Lehne des nächstgelegenen Stuhles und ließ sich auf den Boden plumpsen. »Ich war nur neugierig. Ich wusste nicht, dass das passieren würde. Ich dachte, ich könnte vielleicht jemanden kontaktieren, den ich kenne und sie würde mich besuchen kommen. Ich wusste nicht, dass ich einen Riss zur Zwischenwelt öffnen und einen Haufen toter Wesen herauslassen würde. Wie auch immer, Kathleen hat recht. Das ist wirklich schlimm. Ihr müsst mir helfen, herauszufinden, wie ich all diese Geister zurückbekomme.«
Der Riss schloss sich und die restlichen Geister schwebten aus der Bibliothek. Die Gruppe versammelte sich an einem der Tische und setzte sich. Sie sahen auf, als sich die Tür öffnete und der Bibliothekar hereinkam. Er schüttelte den Kopf und streifte sein Hemd ab. »Da ist aber jemand früh in Halloween-Stimmung.«
Die Gruppe lächelte nervös und wartete, bis er sich zwischen die Regale verkrochen hatte, bevor sie sich nach vorn lehnten und zu flüstern begannen.
Izzie erkannte, dass keiner von ihnen die Worte des Bibliothekars mit Humor genommen hatte. Peter sah aus, als würde er gleich ohnmächtig werden. »Okay, ich weiß, dass es irgendwo in dieser Bibliothek ein Buch gibt, das uns helfen kann, einen Weg zu finden, die Geister wieder dahin zu bringen, wo sie hingehören.«
Alison ließ das Buch in die Mitte des Tisches fallen. »Ich glaube, das ist es, was du meinst, aber ich verstehe das meiste nicht.«
Izzie blätterte durch die Seiten und las, so schnell sie konnte. Die anderen hielten Wache, um sicherzugehen, dass Bibliothekar Decker sich nicht an sie heranschlich und herausfand, was sie taten.
Izzie legte das aufgeschlagene Buch mittig auf den Tisch und zeigte mit dem Finger auf eine Seite. »Das ist es. Wir müssen die Geister irgendwo einsperren, wo die Leute sie nicht bemerken, dann zünden wir vier blaue Kerzen an, eine nach der anderen und sagen diesen Zauberspruch.«
Emma schnappte sich ihre Tasche und stand auf. »Ich habe vier blaue Kerzen im Zimmer. Ich hatte sie für irgendein Projekt gekauft und behalten, um eine beruhigende Atmosphäre zu schaffen. Wo wollt ihr euch treffen?«
Peter schluckte schwer und rieb sich das Gesicht. »Vielleicht im Garten mit dem großen Baum neben der Schule. Ihr wisst schon, der, der am Zaun steht, mit der Gedenkbank für einen der Professoren, der verstorben ist. Das ist wahrscheinlich der beste Platz. Da wird uns niemand bemerken.«
Ethan klopfte Peter auf den Rücken. »Gute Idee. Gibt es etwas, das wir benutzen können, um die Geister an einem Ort zu versammeln?«
Kathleen nickte. »Ja, meine Mutter hat mir von einem Zauber erzählt, den sie bei einer Séance benutzt hat. Anscheinend lockt man die Geister zu sich, wenn man ihn immer wieder aufsagt – er ist auf Latein.«
Emma lief los, um die Kerzen zu holen, während die anderen ihre Sachen einsammelten und sich auf den Weg nach draußen in die Gärten machten. Es wurde dunkel und die meisten Schüler waren schon auf ihre Zimmer gegangen, also war niemand da, der sie stören konnte. Doch selbst neben der Schule, unter den schwankenden Ästen des Weidenbaums, hatte sich ein unheimliches Gefühl breitgemacht.
Sie standen in einem Kreis. Ethan nahm die Hand von Aya und Peter. »Okay, Kathleen, wie lautet der Spruch?«
Kathleen holte tief Luft und nahm die Hände von Peter und Alison. »Spiritibus venit ad me iungere mihi hic locus .«
Kathleen sagte es wieder und wieder, zuerst langsam, damit jeder es verstehen konnte, als die anderen mit einstiegen, wurde sie schneller. Nach etwa fünf Minuten kam Emma über den Weg und stellte die vier Kerzen in der Mitte ihres Kreises ab. Sie reichte den anderen die Hand und begann, Kathleens Spruch zu wiederholen.
Ethan sah sich mit großen Augen um. »Es klappt. Sie kommen.«
Die Geister wirbelten um sie herum, das Stöhnen und Ächzen erfüllte ihre Ohren. Izzie begann, die Kerzen anzuzünden, während sie den Zauberspruch aus dem Buch flüsterte. Der Boden bebte leicht und alle fassten sich fester an die Hände. Doch als das Licht der Flammen flackerte und schimmerte, schrien die Geister wütend auf, wankten hin und her und stürzten sich in den Boden.
Aya ließ ihre Hände frustriert fallen und schüttelte den Kopf. »Sie scheinen zu wissen, was du versuchst, zu tun. Wir haben sie angelockt, das hat funktioniert, aber wenn man versucht, den Riss zu öffnen, um sie wieder durchzuschieben, ist es, als ob sie die Worte erkennen.«
Alison biss sich auf die Lippe und dachte einen Moment lang nach. Sie wusste, dass sie alle Möglichkeiten ausschöpfen mussten. »Wie wäre es, wenn wir sie versammeln, dann spreche ich denselben Zauber, den ich zum Öffnen benutzt habe, nur dass wir sie diesmal irgendwie in den Riss locken. Es entsteht eine Art Sog, sobald sie nah genug sind, also denke ich, dass es klappen könnte.«
Kathleen zuckte mit den Schultern. »Einen Versuch ist es wert, denke ich.«
Sie bliesen die Kerzen aus und alle sprachen weiter, um die Geister zu sich zu rufen.
»Spiritibus venit ad me iungere mihi hic locus .«
Etwa die Hälfte der Geister tauchte wieder auf, sie schwirrten um die Gruppe herum. Alison griff nach unten und schnappte sich das Buch, legte ihren Übersetzer darauf und ließ ihre Finger noch einmal über den Zauberspruch fahren. Bevor sie ihn beginnen konnte, stürzte einer der größeren Geister herab und schlug das Buch in ihren Händen zu, sodass es zu Boden fiel.
Die Schüler ließen die Hände fallen und sahen sich gegenseitig erschöpft an. Sie wussten nicht, was sie tun sollten. Izzie schlang ihre Arme um die aufgebrachte Alison und umarmte sie, um sie zu beruhigen. Kathleen kratzte sich am Kinn und überlegte, was ihr nächster Schritt sein sollte.
Ethan sah die anderen an. »Wir können nicht aufgeben. Wir müssen weiter recherchieren, aber wir müssen heimlich vorgehen, denn der Bibliothekar ist immer noch da.«
Peter fügte hinzu. »Ja und wir müssen versuchen, nicht in die Zwischenwelt gesaugt zu werden, während wir diese Erscheinungen wieder dahin schicken, wo sie hingehören.«
Emma behielt einen positiven Ton bei, hob die Kerzen auf und steckte sie in ihre Tasche. »Hört zu, Leute, wenn es einen Zauber gibt, um die Zwischenwelt zu öffnen, dann gibt es auch einen Weg, sie zu schließen und alle wieder hineinzubekommen. Wir sollten nur schnell herausfinden, welcher das ist. Es müssen ja nicht alle wieder rein. Aber einige sollten es schon sein.«
Aya verschränkte ihre Arme und sah nervös aus. »Ja, aber wie können wir das machen? Wir kennen die fortgeschrittenen Zaubersprüche nicht und selbst Leute wie Izzie und Alison, die über stärkere Magie verfügen, wissen nicht, wie wir das in Ordnung bringen können.«
Emma zuckte mit den Schultern und legte eine Hand auf die von Alison. »Ich weiß nicht, aber wir müssen etwas tun … irgendetwas , um das wieder geradezubiegen. Andernfalls droht Alison ernsthafter Ärger und wer weiß, was für Probleme das Herauslassen dieser Geister noch verursachen könnte. Aber wir haben schon schlimmere Dinge erlebt. Zusammen können wir das schaffen.«
Alle gingen zurück in den Innenhof. Eine Gruppe von Schülern saß an einem der Picknicktische.
»Alter, hast du den toten Typen gesehen, dem der Augapfel fehlte? Wer auch immer sich diesen Scherz erlaubt hat, ist ziemlich krank. Die hätten auf Halloween warten sollen. Es wäre geil gewesen, mit ihnen durch die Hallen zu laufen.«
Ethan hob eine Augenbraue und sah Peter an. »Immerhin merken sie nicht, dass sie über echte wandelnde Tote reden.«
Die ganze Gruppe kehrte in die Bibliothek zurück und ignorierte die verwunderten Blicke des Bibliothekars so gut wie möglich. Sie blätterten durch mehrere Bücher, lasen leise und versuchten, die Geister auszublenden, die in regelmäßigen Abständen in der Bibliothek ein- und ausschwirrten. Nach etwa einer Stunde stand Emma auf und eilte zu den anderen hinüber, öffnete das Buch in ihrer Hand und deutete auf etwas.
Izzie las es durch. »Das klingt gut. Im Grunde muss man den Spruch nur sagen, wenn man in der Nähe eines Geistes ist und er sollte ihn dorthin zurückdrängen, wo er hergekommen ist. So können wir uns aufteilen und sie alle schneller erledigen.«
»Bin dabei«, sagte Ethan und nickte.
»Los geht`s«, erwiderte Emma, die neben Kathleen stand.
Aya und Alison nickten und sie zogen los. Izzie und Luke schlugen eine gemeinsame Richtung ein. Die beiden rannten durch die Flure und jagten einen ziemlich großen Geist in einen der großen Wandschränke, wo alte Schulbücher und ähnliches aufbewahrt wurden. Izzie hob ihre Hände, während sie den Geist behutsam in die Ecke drängte.
»Komm schon. Das ist nicht der richtige Ort für dich«, sagte sie und ließ zwei Kugeln aus Licht in ihren Handflächen entstehen.
Der Geist neigte seinen schwankenden Kopf zu ihr, verengte seine Augen und der schwarze Nebel um seine Knöchel wirbelte auf Izzie zu. Sie wich einen Schritt zurück, als der Geist anwuchs und seine Augen in einem tiefen Blutrot zu glühen begannen. Izzie schüttelte den Kopf, doch bevor sie die Energie in ihren Händen nutzen konnte, sprang Luke vor sie. Seine Augen waren leuchtend gelb und seine Eckzähne hatten sich in scharfe Reißzähne verwandelt. Er stieß ein tiefes Knurren aus und drängte den Geist zurück.
Luke richtete seine leuchtenden Augen auf Izzie. »Sag den Zauberspruch!«
Izzie nickte und streckte ihre Hände aus. »Aus der Dunkelheit getreten und in unserem Licht gewandelt, gehe nun zurück in dein Reich, worum es sich auch handelt .«
Lichter schossen aus ihren Handflächen und über den Boden, wodurch zwei helle Kugeln hinter dem Geist entstanden. Plötzlich riss die Luft hinter ihm entzwei und große Hände mit spitzen Krallen griffen nach ihm. Der Geist versuchte zu entkommen, aber die Hände zogen ihn nach hinten, bis er in einem hellen Lichtblitz verschwand. Izzie ließ ihre Hände sinken und Luke trat neben sie.
Sie schauten sich an und Izzie kicherte. Sie schüttelte die restliche Lichtmagie von ihren Fingerspitzen ab. »Es hat funktioniert.«
Luke nickte, ließ seine scharfen Zähne verschwinden und seine Augen wieder klar werden. »Tut mir leid, dass ich mich eingemischt habe. Ich habe die Gefahr gesehen und konnte nicht anders.«
Izzie küsste ihn auf die Wange. »Kein Problem. Komm, lass uns den Rest holen.«
Überall auf dem Schulgelände und in der Schule verfrachteten die Freunde die Geister dorthin zurück, wo sie herkamen. Alison und Aya standen am Rande des Waldes. Beide streckten ihre Hände aus, um einen der letzten Geister in die Enge zu treiben. Alison konnte sehen, wie die Dunkelheit und das Licht im Inneren des Geistes miteinander kämpften und obwohl er sich gegen die Schülerinnen wehrte, hatte Alison nicht das Gefühl, dass der Geist böse war.
Er peitschte Ströme von Magie in Richtung Alison und Aya, woraufhin sie sich duckten und die Magie sich hinter ihnen auflöste. In diesem Moment kamen die anderen, Kathleen und Emma sahen stolz, aber auch besorgt aus. Peter und Ethan klopften den Dreck und Schlamm von ihren Hosen ab, in den sie hineingeraten waren. Izzie und Luke hielten sich an den Händen, während sie auf sie zuliefen.
Der Geist hob die Hände und schüttelte den Kopf, die Reste seiner langen blonden Haare schimmerten im Wind. »Bitte, ich will euch nichts Böses. Ich bin mit den anderen rausgekommen, aber ich muss einer Schülerin hier eine Nachricht überbringen«, sagte er mit einer hellen, weiblichen Stimme. Bei genauerem Hinsehen, erkannte Alison, dass es sich um eine Frau handelte.
Izzie berührte Alisons Handgelenk. »Welche Schülerin?«
»Misty, Misty Albertson. Sie war meine Nichte und sie soll wissen, dass es mir gut geht. Mein Tod war tragisch, ein Unfall, den keiner von uns hat kommen sehen. Mein Haus fing mitten in der Nacht Feuer und der Rauch hat mich damals eingehüllt, bevor ich aus meinem Bett aufstehen konnte. Ich bin im Feuer umgekommen, aber Misty hat es überlebt. Sie soll wissen, dass es uns jetzt gut geht, ihrem Onkel und mir. Ich habe so lange darauf gewartet, ihr diese Nachricht zu übermitteln.«
Alison entspannte sich und nickte. Sie sah, wie die Dunkelheit von einer positiven Energie verdrängt wurde und nichts als Licht durch sie hindurchfloss. Es war für Alison offensichtlich, dass, wer auch immer diese Person war, sie ein Lichtwesen gewesen sein musste, als sie auf der Erde wandelte. »Wir werden es ihr sagen. Das versprechen wir.«
Die Frau lächelte, als sich ein Riss in der Luft hinter ihr auftat. »Sagt ihr, dass die Kraft des Schmetterlings noch in ihr ist. Sie wird wissen, was ich meine.« Sie drehte sich um und verschwand im Licht.
* * *
Alison, Izzie, Luke, Emma, Kathleen, Ethan, Peter und Aya hielten sich an den Händen, als sie die tote Frau im Licht verschwinden sahen. Als sich der Spalt schloss, setzte er einen großen Energieblitz frei, der sie alle zu Boden schleuderte. Das Licht umkreiste sie und ihnen wurde in einer Botschaft gezeigt, wer wirklich hinter allem stand, was geschah.
Das Licht verblasste und alle rappelten sich auf. Sie sahen sich erstaunt an. Emma schüttelte überrascht den Kopf. »Es war gar nicht Alison. Ich meine, irgendwie schon, weil Alison mit der Magie herumgespielt hat, aber der eigentliche Grund, warum die Dunkelheit so leicht eindringen konnte, sind die dunklen Mächte, die unsere Schule zerstören wollen!«
»Wir müssen sofort Misty Albertson finden«, sagte Izzie.
Kathleen nickte, »Ich glaube, sie wohnt auf unserem Flur. Ein ruhiges Mädchen und jetzt wissen wir wohl auch, warum.« Sie rieb sich die Schläfen. »Ihr habt es auch gesehen?«
»Wie konnte man das übersehen?«, murmelte Emma erstaunt. Sie warf einen Blick auf Peter und Ethan, die immer noch auf die Stelle starrten, wo die Frau verschwunden war. Kathleen sah Izzie an. »Was ist mit dir? Und Luke?«
Izzie nickte und nahm Lukes Hand. »Ich habe es gesehen. Es gibt dunkle Mächte, die versuchen, hier reinzukommen.«
Luke schüttelte das grelle Gelb aus seinen Augen und blickte auf Izzie hinunter. »Ich habe es auch gesehen …«
Alison nahm Izzies Hand und sah Peter an, der bereits wusste, was sie dachten. Nervös schlug er die Hände zusammen. Er fühlte sich schrecklich, weil er es ihnen nicht von Anfang an gesagt hatte, aber er wusste auch, dass er erst mehr Informationen sammeln musste, bevor er alle einweihen konnte.
Izzie legte ihre Hand auf Peters Schulter und nickte. »Du musst es den anderen sagen.«
Der Rest der Gruppe sah ihn misstrauisch an und wartete darauf, dass er sprach. Peter holte tief Luft, räusperte sich und sah seine Freunde an. »Es fing alles damit an, dass ich einen Artikel über die neuen Markierungen auf dem Parkplatz schreiben sollte. Als ich dort auf dem Parkplatz rumlief, hörte ich drei dunkle Zauberer darüber reden, dass sie in die Schule einbrechen wollten. Also beschloss ich, nachzuforschen und herauszufinden, was wirklich vor sich geht. Izzie und Alison wissen davon, weil ich sie in der Nacht getroffen habe, als ich auf der Suche nach den Zauberern war. Aber da ist noch mehr …«
Die Gruppe schaute Peter verwirrt an, während dieser versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Er leckte sich über die Lippen und klopfte sich mit den Händen auf die Oberschenkel. »Die dunklen Mächte, Zauberer aus den verschiedenen dunklen Familien – sie wollen die Schule schließen.«
Kathleen schüttelte wütend den Kopf. »Warum? Sie haben doch gerade erst angefangen, ihre eigenen Kinder herzuschicken.«
Peter schüttelte den Kopf. »Ich weiß. Ich glaube nicht, dass diese Schüler etwas damit zu tun haben, aber ich weiß es nicht genau. Was ich weiß, ist, dass diese dunklen Kräfte die Schule nicht nur schließen wollen, weil es hier Lichtmagie gibt. Sie wollen die Magie auf der ganzen Welt kontrollieren.«
Ethan ballte die Fäuste und sah Luke an, der ebenso wütend war. »Für wen zum Teufel halten die sich? Denken die wirklich, wir würden das zulassen?«
Peter trat zurück, um einen besseren Blick auf alle zu haben. »Das ist noch nicht alles. Sie sind auf der Suche nach einem Mädchen, einer Schülerin, die auf unsere Schule geht. Tatsächlich scheinen sie sie zu jagen.«
Izzie und Alison schluckten beide schwer. Natürlich fragten sie sich, ob eine von ihnen diejenige war, die gejagt wurde. Izzie bekam ihre Gefühle schnell unter Kontrolle und sah zu Peter. »Wer ist sie? Ich meine, haben sie was gesagt? Wenn sie in Gefahr ist, müssen wir sie in Sicherheit bringen. Wir müssen der Direktorin Bescheid sagen, denn sie weiß vielleicht, wen sie jagen würden, es muss ja etwas Besonderes an ihr sein. Etwas, das wir nicht in die Hände der dunklen Zauberer fallen lassen dürfen, besonders wenn sie versuchen, die Macht über die magische Welt zu übernehmen.«
Ethan steckte die Hände in die Taschen und schaute auf den Boden. »Dann macht es wohl Sinn, dass sie hier in der Schule sind. Wen auch immer sie suchen, diejenige muss der Schlüssel sein, um die Magie kontrollieren zu können.«
Peter nickte Ethan zu, dann sah er Izzie an und zuckte mit den Schultern. »Sie haben nie einen Namen erwähnt. Es wirkte fast so, als ob sie ihn selbst nicht wüssten oder zumindest nicht alle von ihnen. Ich habe keine Ahnung. Das ist alles, was ich bis jetzt herausgefunden habe.«
Alison schüttelte den Kopf und musterte Peters Energie. »Ich verstehe das nicht. Als wir das letzte Mal mit dir darüber gesprochen haben, wusstest du nur, dass sie etwas mit den Wandlern zu tun hatten. Woher hast du jetzt so viele Informationen?«
Ethan verschränkte die Arme vor der Brust. »Ja, woher hast du diese Infos? Hat das etwas damit zu tun, dass du angeblich zu Besprechungen der Zeitung gehst, von denen ich weiß, dass sie nicht wirklich stattgefunden haben? Ich bin an eurer Redaktion vorbeigekommen und es gab kein Treffen, obwohl du behauptet hast, es gäbe eins.«
Peter bemerkte, dass er aufgeflogen war und zog eine Grimasse. Er wusste, dass die Jungs wütend sein würden. »Hört mal, ich wollte nicht, dass noch jemand darin verwickelt wird oder sogar noch in Lebensgefahr gerät. Ich habe keine Ahnung, wer das Mädchen ist, nach dem sie suchen.«
»Warum hast du es keinem Lehrer gesagt?«
»Nach der Sache mit dem Toombie«, sagte er und blickte zu Alison auf, »wollte ich sicher sein, wer auf unserer Seite ist, bevor ich etwas sage. Das Mädchen könnte jeder sein. Eine Freundin vielleicht. Also habe ich erstmal auf eigene Faust recherchiert und verschiedene zwielichtige Bars in der Stadt abgeklappert. Ich musste mich schminken, um älter auszusehen und habe mich unter Roben versteckt, um die dunklen Zauberer in der Stadt zu belauschen. Es ist erstaunlich, wie viele von ihnen hier am helllichten Tag herumlaufen und darüber reden, wie sie böse Taten vollbringen.«
Luke trat neben Ethan, verschränkte die Arme und runzelte die Stirn. »Ich denke, das war ziemlich dumm von dir, Peter. Du hättest leicht entdeckt werden können. Was hättest du getan, wenn die dunklen Zauberer herausgefunden hätten, dass du sie ausspioniert hast? Keiner von uns hat genug Magie, um sich gegen die zu wehren. Außer vielleicht Izzie und Alison.«
Izzie nickte, enttäuscht von Peter. »Vermutlich und selbst Alison und ich können unsere Magie nicht immer kontrollieren. Sie ist noch zu neu für uns.«
Ethan konnte sehen, dass Peter sich schlecht fühlte, also ging er hinüber und legte eine Hand auf die Schulter seines besten Freundes. »Sieh mal, Bro, wir versuchen nicht, dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Du hast ein paar unglaubliche Dinge entdeckt und ich bin ziemlich beeindruckt. Die Sache ist die. Wir wollen nicht, dass dir etwas zustößt. Deshalb halten wir auch immer zusammen. Wir sind ein Team, sind füreinander da. Wenn du etwas auf dem Herzen hast, hab keine Angst davor, uns davon zu erzählen, egal wie viel du weißt. Komm einfach zu uns und wir versuchen, dir so gut es geht zu helfen. Alles ist besser, als sich allein gegen die dunklen Magier behaupten zu müssen, insbesondere weil wir alle noch in der Schule sind und die Welt da draußen nicht einschätzen können.«
Emma lächelte Peter sanft zu. »Er hat recht, Peter. Es ist wie mit dem Kemana in unserem ersten Jahr oder den Stadtbewohnern im letzten Jahr. Wir haben jedes Mal zusammen gearbeitet und waren so in der Lage, sie zu besiegen. Auch wenn einige von uns mächtiger sind als andere, brauchen wir uns alle auf irgendeine Art und Weise. Du hättest uns vertrauen sollen. Inzwischen müsste dir klar sein, dass wir dich nicht im Stich lassen werden.«
Kathleen nickte und schenkte ihm ihr bestes Lächeln. »Wir halten uns gegenseitig den Rücken frei, vergiss das nicht. Wir wollen nicht, dass dir etwas zustößt, vor allem nicht, wenn wir es hätten verhindern können, indem wir für dich da sind.«
Peter nickte und sah die anderen in der Gruppe an, um zu gucken, wie sie darüber dachten. »Nun, ich hoffe, es ist noch nicht zu spät, denn ich könnte wirklich eure Hilfe gebrauchen. Wir müssen der Sache auf den Grund gehen. Es scheint, als hänge die Zukunft der Magie davon ab, zumindest die der Lichtmagie. Wir wissen, wie diese Familien arbeiten. Sie werden die Lichtmagier nicht einfach herumlaufen lassen, wenn sie die Macht haben, dagegen vorzugehen. Außerdem will ich das in der Schülerzeitung veröffentlichen. Es wird meine erste bahnbrechende Geschichte sein und etwas, auf das ich wirklich stolz sein kann.«
Alle fingen sofort an, durcheinanderzureden.
»Du hast nicht einmal Magie benutzt, um das alles herauszufinden, oder?«, fragte Emma erstaunt. »Old school, sehr nice.«
Ethan lachte und klopfte Peter auf den Rücken. »Du wirst bestimmt einen Preis bekommen, wenn du das schaffst.«
Luke nickte mit hochgezogenen Augenbrauen. »Und du die Schule gerettet hast …«
Kathleen verdrehte die Augen. »Oder wir werden alle rausgeschmissen und umgebracht.«
Aya grinste ihn an. »Aber vergiss nicht, dass du über den Parkplatz schreiben sollst. Wenn du das nicht machst, fällt es auf.«
Peter warf den Kopf zurück, rollte ebenfalls mit den Augen und ballte seine Hände zu Fäusten. Er stöhnte laut auf, woraufhin alle anderen lachten und ihm aufmunternd auf die Schulter klopften. Dann machten sie sich auf den Rückweg zur Schule.
* * *
»Hey, ist das nicht Misty Albertson? Das ist das Mädchen …« Kathleens Stimme verstummte.
Ein Mädchen mit einem langen Zopf und einer braunen Brille ging allein den Bürgersteig entlang und vermied Blickkontakt mit ihren Mitschülern.
»Wir haben sie die ganze Zeit nicht gefunden«, murmelte Aya, »bei all dem, was los war.«
»Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen«, rief Peter, ermutigt. »Sie verdient es, das zu erfahren.«
»Was bist du denn für ein Vogel?«, fragte Luke und lachte.
Kathleen winkte dem Mädchen zu und rief: »Misty? Misty! Hey, sind wir nicht im selben Sportkurs?« Sie holte das Mädchen ein. »Mensch, wir haben eine echt krasse Story für dich!«
Misty schaute verwirrt und zog ihre Bücher näher an ihre Brust. »Ihr habt … Ich meine …«
»Wir kennen dich zwar nicht, aber wir haben deine Tante kennengelernt.«
Mistys Augen wurden groß und die Farbe wich aus ihrem Gesicht. »Das ist unmöglich«, stammelte sie.
»An dieser Schule wird die Liste des Unmöglichen jeden Tag kürzer. Vielleicht sollten wir von vorne beginnen. Ich heiße Kathleen und es gab vor Kurzem eine Öffnung zwischen diesem Ort hier«, erklärte sie und schwang ihren Arm herum, »und der Zwischenwelt.«
»Sie ist in der Zwischenwelt?« Mistys Augen wurden noch größer und sie schaute deutlich schockierter.
»Komm zur Sache«, drängte Luke und presste die Lippen aufeinander.
»Ja, wir können den Grund später erklären. Ich bin Peter.« Peter streckte seine Hand aus, Misty schüttelte sie widerwillig und ließ sie dann sofort wieder los.
»Gut, okay. Meine Güte, das ist nicht einfach zu erklären.«
»Wie wäre es, wenn wir mit dem Wichtigsten anfangen? Ich soll dir von deiner Tante sagen, dass sie froh ist, dass du heil rausgekommen bist und du dir keine Sorgen machen sollst. Es geht ihr gut.«
»Wir haben sogar gesehen, wie sie hinüberging und Teil des Lichts wurde«, fügte Luke hinzu.
Misty rümpfte die Nase und ließ die Schultern hängen. »Hört mal, ich weiß nicht, warum ihr das macht, aber ich finde es nicht witzig.«
»Sie glaubt uns nicht.« Aya kaute auf ihrer Unterlippe, als Misty schneller wurde und versuchte, etwas Abstand zwischen sie und die Gruppe zu bringen.
»Warte! Ich soll dir sagen, dass du noch die Kraft des Schmetterlings in dir hast. Sie sagte, du würdest wissen, was das bedeutet.«
Misty erstarrte und man hörte ein erschrockenes Keuchen. Ihre Schultern sanken und ihre Augen glänzten vor Tränen. »Ihr habt sie tatsächlich gesehen«, äußerte sie erstaunt.
Emma holte sie ein und legte sanft ihren Arm um die Schultern des Mädchens und drückte sie. »Sie will nur, dass du glücklich bist.«
»In meiner Familie sind alle Waldelfen. Wir ändern ständig unser Aussehen. Meine Tante sagte immer, dass uns das zu ewigen Schmetterlingen macht, die erstaunliche Dinge tun können.«
»Das klingt cool. Hey, wir sind auf dem Weg zur Feier. Kommen doch mit uns.«
»Das ist das mindeste, was wir tun können«, murmelte Luke und Kathleen stieß ihn mit dem Ellbogen an.
»Eine Waldelfe, hm? Sehr cool«, meinte Peter. »Du kannst sicher überall hingehen, ohne gesehen zu werden. Schon mal daran gedacht, bei der Schülerzeitung mitzumachen?«