D anke, dass ihr mich hier draußen trefft«, sagte Peter, als er Alison und Izzie bei einem ihrer spätabendlichen Spaziergänge abfing.
Alison lächelte. »Natürlich. Wir haben gesagt, dass wir für dich da sein würden. Außerdem habe ich gar nicht daran gedacht, Dorvu um Hilfe zu bitten. Er ist die ganze Zeit auf dem Gelände unterwegs. Wenn es einen Eindringling gibt, wird er ihn schon finden.«
Peter blickte zu den Hügeln, die an den Wald grenzten. »Ja, aber wie willst du ihn finden?«
Izzie nickte in Richtung des Waldes. »Es ist Nacht, das heißt, er wird auf der Jagd nach seinem Abendessen sein.«
Peter lief nervös hinter ihnen her, immer noch nicht daran gewöhnt, sich in der Nähe eines Drachens zu befinden. Als sie den Rand der Lichtung erreichten, blieben sie stehen. Izzie formte ihre Hände vor dem Mund zu einem Trichter.
»Dorvu! Dorvu, wir brauchen dich!«
Sofort hörten sie ein Rascheln in den Baumwipfeln und das Geräusch der Flügel, die durch die Äste raschelten, als er sich auf den Weg zu seinen Freunden machte. Bei der Landung stieß er ein kaltes Schnauben aus, das den Boden um ihn herum vereiste. Er warf den Kopf zurück und leckte sich ein letztes Stück pelzigen Tieres, von der Lippe, dann sah er die Mädchen und Peter an.
»Ich habe gerade an euch gedacht, während ich mein Abendessen gejagt habe«, erklärte Dorvu durch seine noch von Überresten des Tieres bedeckten Zähne.
Peter zog eine angewiderte Grimasse und schaute in die andere Richtung, während Izzie lachte und auf Dorvu zuging, um ihm den Kopf zu tätscheln. »Du bist ganz schön gewachsen. Aber deshalb sind wir nicht gekommen. Wir brauchen deine Hilfe bei einer bestimmten Sache. Es gibt Leute, die versuchen, die Schule zu übernehmen und wir wissen, dass sie sich nahe am Schulgelände aufhalten.«
Dorvu knurrte. »Ich werde jeden zerfleischen, der versucht, meiner Familie zu schaden.«
Alison ging hinüber und streichelte Dorvu sanft. »Das ist vielleicht gar nicht nötig. Wenn wir herausfinden können, wo sie sind, können wir die Professoren informieren und die kümmern sich darum. Wir werden am Zaun entlang gehen, aber wir brauchen dich oben, um von dort aus ein Auge auf uns zu haben.«
Dorvu begann mit den Flügeln zu schlagen. »Das klingt aufregend. Ich mag ein wenig Spannung am späten Abend.«
Die Mädchen lachten und machten sich auf den Weg über die Lichtung zum Zaun, während Peter hinter ihnen herlief und den Drachen, der über ihnen flog, beobachtete. Sie gingen eine ganze Weile geradeaus und tasteten sich vorsichtig am Zaun entlang, aber sie fanden nichts. Zwischen all den Bäumen, Lianen und Unkraut gab es niemanden außer den Feen und anderen kleinen magischen Wesen.
Izzie seufzte und blieb am Waldrand stehen. »Ich glaube nicht, dass sie hier draußen sind. Zumindest nicht heute.«
Peter nickte. »Glaube ich auch nicht. Ich habe sie auch nur das eine Mal gesehen, seitdem habe ich nach ihnen gesucht, aber sie sind nicht noch einmal aufgetaucht. Außerdem sollte ich langsam zurück, damit ich keinen Ärger bekomme. Unser Fluraufseher macht nachts gerne Kontrollgänge, um sicherzugehen, dass wir uns nicht rausschleichen.«
Alison nickte und streckte die Arme über ihren Kopf. »Ich werde, glaube ich, noch hier draußen bleiben. Wenigstens noch ein bisschen die Nachtluft genießen.«
Izzie nahm neben dem Zaun Platz, tätschelte den Boden und ergriff Alisons Hand. »Ich bleibe bei dir.«
Peter wich ein Stück zurück, als Dorvu neben ihnen landete. »Okay, danke für die Hilfe. Wir sehen uns morgen früh.«
Dorvu rollte sich in einem Halbkreis zusammen und die Mädchen rutschten zu ihm hinüber. Sein Körper war überraschend warm, wenn man bedachte, dass sein Atem so kalt war. Sie kuschelten sich an ihn und schauten zu den Sternen hinauf. Beide Mädchen dachten immer noch darüber nach, ob sie die Zauberer finden würden.
Dorvu gähnte und seine Schuppen schimmerten durch die Bewegung im Mondlicht. »Ich weiß nicht, wie es euch geht, meine Damen, aber ich muss etwas schlafen.«
Izzie tätschelte ihn und lächelte. »Ich glaube, ich bleibe noch eine Weile hier, bevor wir zurückgehen.«
Die Mädchen lagen eine ganze Zeit einfach da und beobachteten das Leuchten der Sterne. Doch die Wärme des Drachens in Kombination mit der Uhrzeit ließ sie schläfrig werden. Ehe sie sich versahen, schliefen sie mit Dovu zusammengerollt auf dem Boden ein. Es war eine interessante Mischung: ein Drache, eine Drow-Prinzessin und eine Jaspis-Elfe. Die Mädchen waren die perfekte Kombination, um mit ihrer Kraft dem Drachen beim Wachsen zu helfen, aber das wussten sie noch nicht.
Während alle drei schliefen, bemerkte sie nicht, dass Dorvu begann, von einem mittelgroßen Jungdrachen zu einem ausgewachsenen Tier heranzuwachsen.
* * *
Die frühe Morgensonne lugte über den Horizont und ließ goldene Lichtstrahlen durch das Blätterdach des Waldes fallen. Izzie grunzte, drehte sich auf die Seite und fuhr mit ihrer Hand über das, was sie für die Matratze hielt. Als ihre Hand jedoch Dorvus kalte Schuppen berührte, öffnete sie langsam die Augen und sah sich um. Alison lag tief schlafend neben ihr und Dorvu. Er war über Nacht sprunghaft gewachsen und schnarchte leise.
Izzie brauchte einen Moment, um zu realisieren, was vor sich ging, aber als sie sich aufrichtete, geriet sie in Panik. »Fuck! Alison, wach auf! Es ist Morgen und wir sind immer noch draußen!«
Alison riss ihre Augen weit auf, setzte sich hin und nahm die Energie um sich herum wahr. »Verdammt!«
Die beiden Mädchen sprangen auf, klopften schnell den Dreck von ihren Hosen und liefen so schnell sie konnten durch den Wald zurück zur Schule. Alison hielt sich an Izzies Ärmel fest, um den Weg leichter zu finden. Sie verabschiedeten sich nicht einmal von Dorvu, der ihre Panik verschlafen hatte. Als sie den Waldrand erreichten, blieben sie stehen, schauten auf die Schule und stießen einen Seufzer der Erleichterung aus. Es war noch niemand draußen zu sehen, auch wenn das nicht bedeutete, dass niemand ihre nächtliche Abwesenheit bemerkt hatte.
»Es muss schon Zeit fürs Frühstück sein«, sagte Izzie und schüttelte den Kopf.
Alison nickte beruhigt »Okay, gehen wir zur Seitentür beim Garten und die Treppe hoch, bevor uns jemand sieht. Es sollte schon genug Leute auf den Fluren unterwegs sein, sodass wir uns zum Umziehen einfach wieder reinschleichen können.«
Izzie zuckte mit den Schultern. »Ich schätze, es gibt keine andere Möglichkeit. Bereit?«
Sie flitzten über die grünen Felder und den Hof. Bei jedem Schritt sah Izzie sich um, um sicherzugehen, dass niemand sie sah. Sie öffnete vorsichtig die Tür und blickte nach rechts und links, um zu überprüfen, dass noch niemand im Flur war. Die beiden Mädchen schlichen an der Wand entlang, bis sie am Haupteingang ankamen, wo sie lässig an einer Gruppe von Leuten vorbeigingen, die auf dem Weg in den Speisesaal waren. Nachdem die Schüler um die Ecke gebogen waren, rannten Izzie und Alison die Treppe hoch.
Keines der Mädchen, die aus dem Schlafsaal strömten, beachtete Alison oder Izzie, sodass sie sich unbemerkt unter die Schülerinnen mischen konnten. Sie schafften es bis zu ihrem Zimmer, öffneten und schlossen schnell die Tür und schmissen sich dann schwer atmend auf ihre Betten, froh, dass sie es ohne Probleme zurückgeschafft hatten.
»Verdammte Scheiße, das war knapp«, keuchte Alison.
»Allerdings. Alle anderen sind schon beim Frühstück. Wir müssen uns umziehen und schnell nach unten gehen, damit niemand etwas merkt. Wenn die anderen Mädchen fragen … dann improvisieren wir«, sagte Izzie atemlos, während sie zu ihrem Schrank hinüberlief, um sich umzuziehen.
Außerhalb des Jungenschlafsaals und wahrscheinlich lauter, als sie hätten sein sollen, trieben die Jungs wie immer ihr Unwesen.
Einer der Jungen sammelte Energie in seiner Hand, wodurch eine Flamme entstand. »Also gut, dies ist ein Duell. Wie in den alten Western fängt man von Angesicht zu Angesicht an, dreht sich um, geht zehn Schritte und dreht sich wieder um, bereit zum Schießen. Der Erste, der zu Boden geht, ist der Verlierer. Passt auf, dass ihr niemanden tötet oder verstümmelt oder das Gebäude zum Einsturz bringt.«
Die Jungen standen sich gegenüber und versuchten, sich gegenseitig böse Blicke zuzuwerfen, konnten aber ihr Lachen nicht zurückhalten. Sie schüttelten sich die Hände und drehten sich um. Der Ansager zählte langsam bis zehn und mit jeder Zahl machten die Jungs einen weiteren Schritt.
Sie grinsten und jonglierten mit dem Feuer in ihren Händen, auch wenn ihre Gegner es nicht sehen konnten. »Bei drei dreht ihr euch um. Eins, zwei …«
»Was macht ihr Jungs da? Ihr solltet doch beim Frühstück sein«, rief Connor, als er um die Ecke kam.
Die Jungs griffen nach ihren Taschen und rannten so schnell sie konnten zur Treppe. Connor seufzte, er war es leid, sich mit den Idioten herumzuschlagen. Er jagte ihnen hinterher, aber als er oben an der Treppe ankam, waren sie schon weg. Sie hatten technisch gesehen nichts getan, wofür sie bestraft werden konnten … noch nicht.
Er klatschte mit der Hand auf das Treppengeländer, schüttelte den Kopf und wandte sich wieder den Schlafsälen zu. »Toll, anscheinend hat einer von ihnen diesen Sommer zu viele Westernfilme gesehen. Das wird definitiv noch chaotisch werden.«
* * *
»Alles ist gut, meine kleinen, lieben Pflänzchen. Ruht euch über den Winter aus, der nächste Frühling kommt bald«, flüsterte Misses Fowler, während sie ihren magischen Kräutergarten pflegte.
Die Pflanzen schwankten und hörten aufmerksam zu, was sie sagte. Es war bekannt, dass Oriceran-Pflanzen viel besser wuchsen, wenn man sich intensiv mit ihnen unterhielt. Einige von ihnen versuchten sogar zu antworten, indem sie einzigartige Bewegungen machten. Professor Fowler beschäftigte sich schon so lange mit ihnen, dass sie die Pflanzensprache fließend beherrschte.
»Was sagt ihr?« Misses Fowler beugte sich näher zu den Pflanzen, die sich in ihre Richtung neigten.
Sie kicherte und ihre Wangen wurden rot, als sie an ihrem Kleid hinunterblickte, als hätten die Pflanzen ihr ein Kompliment gemacht. In diesem Moment wehte ein Windhauch um sie herum, woraufhin sie nach ihrem Hut griff und zum Himmel aufsah. Dorvu schwebte über ihr. Seine Flügelspannweite war viel größer geworden und seine Schuppen schimmerten silbern in der Sonne. Die Lehrerin kniff die Augen zusammen, verblüfft darüber, wie groß er geworden war.
Sie betrachtete die Pflanzen, die sich in der Luftbrise bewegten. »Er ist ziemlich schnell gewachsen, nicht wahr? Interessant. Sehr interessant.«
Professor Fowler sammelte ihre Sachen ein, stand auf, staubte ihre Knie ab und machte sich dann auf den Weg zur Schule, um die Direktorin zu suchen. Ihre Hände waren immer noch mit Schmutz bedeckt und hinterließen beim Gehen Flecken an den Seiten ihres Kleides. Sie nickte einem Schüler zu, als sie kräftig an die Bürotür klopfte.
»Herein«, rief Misses Berens.
Misses Fowler öffnete die verschnörkelte Holztür, trat ein und schloss sie hinter sich. Als sie sich umdrehte, schloss die Direktorin gerade ein kleines Kästchen, tippte es mit ihrem Zauberstab an und lächelte. »Wie kann ich helfen?«
Die Professorin hatte ihre Hände zu Fäusten geballt und versuchte, keinen Schmutz zu hinterlassen. »Ich war draußen im Kräutergarten und der Silberdrache flog vorbei.«
Die Direktorin setzte sich auf ihren Stuhl und nickte. »Das kommt vor. Er ist in letzter Zeit aktiver gewesen, weil das Wetter nicht mehr so kalt ist wie sonst.«
Die Lehrperson zögerte einen Moment, entschied sich dann aber, es einfach anzusprechen. »Er scheint sehr schnell zu wachsen. Ich war schockiert, wie groß er ist. Du hast keine Ahnung, woran das liegen könnte, oder?«
Mara lächelte und legte die Hände vor sich auf den Schreibtisch. »Ich weiß es nicht. Drachen sind sehr interessante Lebewesen. Wir haben hier auf der Erde nicht viel Wissen über sie. Aber danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast und ich werde mich auf jeden Fall damit befassen. Ich freue mich auch schon auf die Kräuter in diesem Jahr. Wie ich höre, ist der Kräutergarten eine wahre Augenweide.«
Professor Fowler grinste und trat rückwärts zur Tür. »Das hoffe ich sehr. Ich habe hart daran gearbeitet. Lass es mich wissen, wenn du bezüglich des Drachens Hilfe benötigst.«
Direktorin Berens winkte ihr zu und zwang sich zu einem Lächeln. »Das werde ich.«
Sie wartete, bis sich die Tür hinter der Professorin geschlossen hatte und ließ ihre Mundwinkel fallen. Nachdem sie so viel Zeit auf Oriceran verbracht hatte, wusste sie eine ganze Menge über Drachen und es war keine Raketenwissenschaft für sie zu wissen, was genau passiert war. Sie stellte die Kiste zurück ins Regal und verließ den Raum. Die letzten Schüler, die sich noch auf den Fluren aufhielten, rannten davon, als sie sie sahen. Sie wussten, dass sie Ärger bekämen, wenn die Direktorin sie nach dem zweiten Klingeln erwischen würde.
Die Direktorin machte sich auf den Weg in die Bibliothek. Sie brauchte noch ein wenig mehr Informationen und wusste genau, welches Buch sie sich ansehen wollte. Die Mädchen konnten es nicht ahnen, aber es war eine natürliche Sache für einen Drachen, Energie von mächtigen Wesen in seiner Umgebung zu beziehen. Es war offensichtlich, dass der Drache Energie von Izzie und Alison erhalten hatte, als er noch in seinem Ei war. Was die Direktorin jedoch schockierte, war, dass er dies scheinbar weiterhin tat, was sie annehmen ließ, dass der Drache sie immer noch regelmäßig sah.
Sie stieß die Bibliothekstür auf und sah, dass Professor Decker auf einem Hocker stand und einige Bücher einräumte. »Fühlen Sie sich nicht gestört. Ich muss nur ein paar Dinge nachschlagen.«
Der Bibliothekar hob eine Augenbraue und beobachtete, wie die Direktorin durch die Regale ging, mehrere Bücher herauszog und durch die Seiten blätterte. Sie ging zum gesperrten Bereich hinüber und wedelte mit ihrem Zauberstab, um ihn zu entriegeln. Bibliothekar Decker ging ihr lässig hinterher und stellte sich direkt vor den eingezäunten Bereich.
»Ich spioniere Ihnen nicht nach, Frau Direktorin«, versicherte er ihr.
Diese lachte und blätterte in einem sehr alten Buch. »Ich weiß. Niemand, auch ich nicht, darf sich allein in diesem Bereich aufhalten. Ich verspreche, ich werde nicht zu viel von Ihrer Zeit in Anspruch nehmen.«
Sie fuhr mit den Fingern über den Absatz über Silberdrachen und hielt inne, als sie die Zeile fand, von der sie wusste, dass sie in diesem alten Buch stand: Jaspis Energie wurde von Silberdrachen verstärkt. Es war ein seltenes Vorkommnis, aber es konnte passieren und anscheinend war es genau das, was mit Izzie passierte. Diese Energie schwebte um sie herum und beeinträchtigte nicht nur ihre Fähigkeit, ihre Magie zu kontrollieren, sondern führte auch dazu, dass der Gedächtniszauber schwächer wurde.
Sie schüttelte den Kopf und klappte das Buch zu. »Das klingt nicht gut. Überhaupt nicht gut.«
* * *
»Also, das ist der Grund, warum Gnome diese besondere Uniform tragen, egal wo man sie sieht«, sagte Professor Hudson zu ihrer Klasse, als die Glocke läutete.
Die Schüler standen auf und begannen, ihre Sachen einzupacken. Misses Hudson bemerkte die Direktorin, die in der Tür stand und mit dem Fuß wippte. Es war offensichtlich, dass sie etwas Wichtiges mit ihr zu besprechen hatte, aber zuerst mussten die Schüler aus dem Raum gehen.
»Okay, Klasse, vergesst die Hausaufgaben nicht, die nächste Woche fällig sind und versucht, keinen Ärger zu machen«, rief sie und zwinkerte einem der Schüler zu.
Bevor sich die Schüler aus der Tür hinausdrängten, betrat die Direktorin den Raum und lächelte ihnen im Vorbeigehen freundlich zu. Sie wartete, bis alle gegangen waren und schloss die Tür mit einem Handumdrehen. Professor Hudson klappte ihr Buch zu und legte es in die Schublade. Sie sah ihre Chefin an, hob eine Augenbraue und ging zu ihr hinüber.
Sie beobachtete die Direktorin einen Moment lang. »So viel Sorge habe ich bei Ihnen schon lange nicht mehr gesehen. Das gefällt mir gar nicht. Was ist los?«
Misses Berens nahm sie bei den Händen und die beiden setzten sich an einen der Tische im Raum. »Ich brauche Ihre Hilfe, aber zuerst muss ich wissen, dass alles, was ich Ihnen sage, unter uns bleiben wird. Es geht um Leben und Tod. Das ist nicht übertrieben.«
Professor Hudson legte ihre Hand auf ihre Brust und nickte. »Natürlich. Sie wissen, dass Sie mir vertrauen können. Ich würde niemals ein Leben absichtlich in Gefahr bringen.«
Direktorin Berens stieß einen Seufzer aus. »Ich weiß und deshalb bin ich zu Ihnen gekommen. Ich kann Ihnen nicht die ganze Geschichte erzählen, noch nicht, aber Izzie ist in Gefahr. Ich muss herausfinden, wie ich sie vor sehr dunkler Magie schützen kann. So dunkel, dass sie keinem von uns je zuvor begegnet ist. Uns steht vielleicht ein bedeutendes Ereignis bevor und Izzie wird dabei eine große Rolle spielen. Ich bin die Einzige, die sie beschützen kann und ich habe mein Wort gegeben – einen Eid auf mein Leben – dass ich sie vor allem beschützen werde.«
Misses Hudson holte tief Luft, schluckte schwer und sah auf ihre Hände hinunter. »Izzie ist eine sehr talentierte und sehr mächtige Elfe. Ich weiß, dass sie eine Jasper-Elfe ist. Das war nicht schwer herauszufinden. Ihre größte Schwäche ist, dass sie das Licht nicht kontrollieren kann, eine Schwäche, die sie mit vielen ihrer Vorfahren teilt. Wenn sie das überwinden kann, wird sie in der Lage sein, jedes dunkle Wesen zu besiegen, genau wie deine Enkelin.«
»Ich weiß. Ich weiß nur nicht, wie ich sie im Moment beschützen soll. Es gibt eine Menge Dinge, die Sie nicht wissen und eine Menge Dinge, die sie selbst nicht weiß. Das muss erst einmal so bleiben.«
Misses Hudson nickte. »Ich verstehe.«
Die Direktorin sah zu, wie die Professorin zu ihrem Schreibtisch hinüberging und ein verziertes silbernes Kästchen herauszog. Sie zog an einer Kette, die um ihren Hals hing und ein kleiner Schlüssel kam zum Vorschein. Sanft hielt sie ihn an ihre Lippen und flüsterte etwas, woraufhin Funken aus Energie entstanden und sich um den Schlüssel schlängelten. Aus dem Kästchen holte Professor Hudson ein silbernes Armband mit einem grünen Juwel heraus.
Sie warf einen Blick auf die Direktorin, dann sah sie wieder auf das Armband hinunter, schloss die Schachtel und legte sie in ihre Schreibtischschublade zurück. Sachte reichte sie Misses Berens das Armband. »Seien Sie vorsichtig damit. Es trägt eine Menge Energie in sich. Eine Menge alter Energie. Es stammt aus Oriceran und sollte Izzie schützen, zumindest für eine Weile.«
Die Schulleiterin wickelte das Armband in ein Stofftaschentuch, das sie aus ihrer Tasche nahm. Sie konnte die Energie spüren, die durch das Schmuckstück pulsierte und fragte sich, ob sie zu stark für Izzie sein würde. Andererseits hatte ihre Enkelin Leira ein ähnliches Armband, das bei ihr Wunder bewirkte.
Direktorin Berens sah Professor Hudson an. »Ich danke Ihnen sehr dafür, Eleanor. Ich werde nicht vergessen, welche Opfer Sie für die Schule und für die Schüler erbracht haben und immer noch bringen.«
Als Misses Berens aufstand, berührte Misses Hudson ihre Schulter. »Wenn Sie irgendetwas brauchen – egal was – fragen Sie nur. Sie wissen, wie loyal ich gegenüber Ihnen bin. Wenn Gefahr droht, werde ich an Ihrer Seite kämpfen. Darauf können Sie sich verlassen. Immerhin war ich mal ein Silbergreif. Ich weiß, dass das heute für niemanden mehr viel bedeutet, aber für mich ist es immer noch wichtig. Ich habe genug an dunklen Tagen gesehen, um zu wissen, dass der Kampf noch nicht vorüber ist und ich werde bereit sein, wenn es so weit ist.«
Die Direktorin lächelte und drückte ihre Hand. »Ich weiß. Sie sind eine meiner wichtigsten Verbündeten hier. Ich verspreche, dass ich Ihnen von Izzies Geschichte erzähle, sobald die Zeit reif ist. Ich weiß, dass ich auf Sie zählen kann, wenn es darum geht, die Schüler zu beschützen und die dunklen Mächte da draußen abzuwehren. Sie wissen gar nicht, wie wichtig mir dieses Armband ist und ich hoffe, dass es Izzie beschützt. Sie braucht im Moment so viel Schutz wie möglich.«
Die Lehrerin lächelte und beobachtete, wie Misses Berens aus dem Klassenzimmer eilte und die Tür hinter sich offen ließ. Ihr Lächeln verblasste, daraufhin griff sie besorgt nach dem Schlüssel um ihren Hals und umklammerte ihn fest. »Ich habe das Gefühl, dass Izzie nicht die Einzige sein wird, die Schutz braucht.«
* * *
»Wie viele von euch kennen das riesige Eisenbahnsystem, das für die magischen Wesen geschaffen wurde? Vielleicht seid ihr ja sogar schon damit gefahren?« Professor Grant saß auf der Kante ihres Schreibtisches und unterrichtete die Klasse über die Verborgene Welt .
Fast jeder im Raum hob die Hand. Die meisten von ihnen waren schon mehrmals damit gefahren, vor allem auf dem halbjährlichen Hin- und Rückweg zur Schule. Miss Grant drehte sich zur Tafel und wedelte mit ihrem Zauberstab, um eine Karte der Eisenbahnsysteme erscheinen zu lassen.
»Wie ihr sehen könnt, kann das riesige Eisenbahnsystem einen so ziemlich überall auf der Erde hinbringen. Die Bahnen halten in allen großen Städten und man kann auch so ziemlich jeden Ort der Welt speziell anfragen. Sie sind schnell, schneller als ein Auto, ein Flugzeug oder ein Schiff. Sie sind ein technisches und magisches Wunder …«
Die Direktorin steckte ihren Kopf zur Tür herein und erregte Miss Grants Aufmerksamkeit. »Es tut mir leid, Sie zu stören. Könnte ich bitte Izzie für einen Moment hier draußen auf dem Flur sprechen?«
Die Professorin nickte und sah Izzie an, die nervös von ihrem Stuhl aufstand und auf den Flur ging. »Ist alles in Ordnung?«
Die Direktorin zwang sich zu einem Lächeln, nickte und reichte Izzie das Armband. »Ich weiß, dass du mit deiner Energie und deinen Zaubersprüchen zu kämpfen hast. Dieses Armband dient dazu, die Jasper-Energie zu bändigen.«
Izzie legte das Armband an ihr Handgelenk und sah die Direktorin neugierig an. »Was bewirkt es?«
»Es wird dir helfen, deine wachsenden Kräfte zu kontrollieren, das ist alles. Es wird dich zu einer besseren Schülerin in der Kunst der Magie machen.« Die Schuldirektorin lächelte.
»Vielen Dank«, sagte Izzie und war im Begriff, das Armband abzunehmen.
Misses Berens klammerte ihre Hand um das Armband und schob es zurück an ihr Handgelenk. »Es ist sehr wichtig, dass du es anbehältst. Es wird nur funktionieren, wenn du es nie abnimmst. Ich weiß, das klingt verrückt, aber bitte vertraue mir einfach. Das wird dir wirklich helfen. Du musst nur Vertrauen haben und es anbehalten.«
Izzie sah sie einen Moment lang verwundert an, dann blickte sie unsicher auf das Armband. Aber wenn es ihr helfen würde, ihre Magie zu kontrollieren und ihre wachsenden Kräfte leichter zu beherrschen, wollte sie der Direktorin nicht widersprechen. »Okay, ich verspreche, ich behalte es an. Vielen Dank dafür. Ich hatte wirklich gehofft, dass es da draußen etwas gibt, das mir helfen kann. Alison hat auch ein ähnliches, obwohl sie ihres immer wieder abnehmen muss.«
Die Direktorin nahm sie bei den Händen. »Izzie, ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, aber du musst mir einfach vertrauen. Die Drow-Magie ist anders als deine. Es ist absolut notwendig, dass du das hier niemals abnimmst.«