I ch bin so aufgeregt. Ich warte schon seit Anfang des Schuljahres auf dieses Spiel«, erzählte Tanner, als die Gruppe in Richtung des Louperfeldes hinter der Schule ging.
Alison lachte und ließ ihre Hand in seine gleiten. »Ich weiß. Du redest ja auch gefühlt über nichts anderes mehr.«
Tanner stimmte ins Lachen ein, während sie die Treppen der Tribüne zu ihren Stammplätzen erklommen. Peter und Emma kamen kurz nach ihnen an, mit Aya und Kathleen im Schlepptau. Aya sah aus wie ein liebeskrankes Hündchen, aber Kathleen war zu sehr damit beschäftigt, ihr Dinge über Die Schöne und das Biest zu berichten, um es zu bemerken. Izzie stand am Spielfeldrand und suchte sehnsüchtig nach Luke. Sie trugen alle ihre Fan-Trikots und Izzie hatte sogar Lukes Namen auf die Rückseite ihres T-Shirts gezaubert.
Kathleen blieb an der Treppe stehen und rief Izzie zu. »Kommst du?«
Izzie winkte ihr und nickte. »Ich bin gleich da. Halt mir einen Platz frei!«
»Na, was haben wir denn hier? Eine schöne junge Elfe, die mutterseelenallein am Spielfeld herumläuft?«
Izzie drehte sich erschrocken um und musste sofort lachen. Luke, der bereits umgezogen war, lehnte an einem der Pfosten unterhalb der Tribüne. »Ich liebe die Gefahr.«
Luke lachte, packte sie am Handgelenk und zog sie zu sich heran. »Ich habe gehört, dass Wandler ziemlich gefährlich sind.«
Izzie tat verzweifelt. »Oh, nein! Ich war mit einem gut aussehenden Wandler hinter der Tribüne verabredet. Was soll ich nur tun?«
Luke lächelte und küsste sie. »Ich werde dich beschützen.«
Izzie küsste ihn erneut, zog sich dann zurück und legte ihre Hände auf seine Brust. »Sei vorsichtig da draußen. Ich weiß, es ist nur virtuell, aber ich habe gesehen, wie sich letztes Jahr einige heftig verletzt haben. Das kannst du nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es ist dein erstes Spiel der Saison. Du wirst bestimmt sehr erschöpft sein.«
Luke lachte. »Du hast doch gesehen, dass ich trainiert habe. Ich schaffe das.«
Izzie rollte mit den Augen, ihr Ohren waren rot angelaufen und sie lächelte verlegen. »Okay, los geht’s. Dein Team wartet auf dich. Viel Glück!«
Luke lächelte, als er auf das Team am anderen Ende der Tribüne zulief und Izzie sah ihm nach, bis er verschwunden war. Sie machte sich auf den Weg zurück zur Treppe, kletterte hinauf und setzte sich neben Kathleen und Alison. Die ganze Schule war zum Spiel erschienen, sodass die Tribüne wie ein Meer aus roten Hemden aussah. Die einzigen anderen Farben waren das Grün des Spielfelds und die Farben der Flagge auf der anderen Seite, die das Team repräsentierte, gegen das sie zuerst spielten – die New Orleans Crawfish.
Kathleen stupste Izzie an. »Ist er bereit? Es ist schließlich das erste Spiel der Saison.«
Izzie hob eine Augenbraue. »Woher weißt du, dass ich ihn gerade gesehen habe?«
Kathleen lachte. »Dir steht, Ich habe gerade meinen Freund geküsst ins Gesicht geschrieben.«
Izzie kicherte und beobachtete, wie der Schiedsrichter das Feld betrat. Die Schüler auf der Tribüne jubelten und klatschten eine ganze Weile, bevor Ruhe im Stadion einkehrte. Der Schiedsrichter erläuterte die Regeln. Als er fertig war, stellte er die Gegner vor, während die Menge buhte. »Die New Orleans Crawfish spielen gegen unsere SGM Cardinals!«
Die Menge jubelte, als die Cardinals endlich das Feld betraten. Das Team winkte den Zuschauern auf der Tribüne zu und stellte sich am Rand auf, bereit für das Spiel. Der Schiedsrichter hob seinen Zauberstab. Er wirbelte ihn über seinen Kopf und feuerte einen Schuss grüner Energie geradeaus in die Luft, die sich in Funken über die Köpfe der Spieler ergoss. Diese schlossen die Augen und warteten darauf, dass die Magie wirkte.
Wyatt schlug Luke auf die Brust, sodass er seine Augen aufriss. »Bist du noch bei uns, Luke? Alles okay?«
Luke fand sich auf den Straßen von Chicago wieder. »Ich bin hier. Packen wir‘s.«
Wyatt sah die anderen an. »Wir teilen uns in drei Gruppen auf, eine wird von mir angeführt, eine von Henry und eine von Luke. Hört auf eure Anführer und findet so schnell wie möglich zum Schatz. Lasst uns die Saison mit einem Sieg beginnen.«
Die Spieler legten ihre Hände in die Mitte und brüllten ihren Schlachtruf, dann liefen sie in drei verschiedene Richtungen los. Henry und sein Team rannten die Treppe hinunter in die U-Bahn-Station und fanden am Bahnsteig einen liegengebliebenen Zug. Sie sprangen hinunter auf die Gleise und bewegten sich durch die Tunnel. Es war dunkel und feucht und Wasser tropfte an den Wänden herunter, während Ratten um ihre Füße rannten.
Henry legte den Finger an die Lippen, als er etwas an den Wänden vor ihnen entlang kratzen hörte. Langsam schlichen sie vorwärts, zogen ihre Zauberstäbe hervor und erzeugten kleine Lichtquellen. Ihre Stiefel knirschten auf dem Schotter zwischen den alten Gleisen.
Henry blinzelte, als er zwei kleine rote Punkte sah, dann sprang er zurück, als weitere in der Dunkelheit zu leuchten begannen. »Spindeln! Lauft! Benutzt eure Zauberstäbe!«
Einer der Neuen schaute die anderen verwirrt an. »Was ist eine Spindel?«
Als er sich umsah, sprang eine der zehnbeinigen Kreaturen von der Wand und landete auf seiner Brust. Er schrie auf, als die Kreatur mit einem roboterähnlichen roten Auge nach oben starrte, bevor sie ihre Reißzähne in seinen Körper stieß und ihn aus dem Spiel nahm. Henry, der schon einmal mit diesen Kreaturen konfrontiert worden war, fing an, Blitze aus weißem Licht durch den Tunnel zu schleudern, die einige der Spindeln trafen und sie in Staub verwandelten.
»Macht euch bereit, Jungs. Diese Dinger sind schnell und sie werden gleich über uns sein«, brüllte Henry.
Einer der Jungen beschwor einen Feuerball, der drei von den Kreaturen zerschmetterte. »Benutzt eure Magie! Verwandelt sie in Staub!«
Henry setzte seine Magie so ein, dass er an der Seite der Wand hochlaufen konnte, dann machte er einen Salto und landete auf zwei der größten Spindeln. Er schleuderte seinen Zauberstab hin und her, traf die Kreaturen und sah zu, wie sie sich auflösten. Auch seine Teamkollegen schienen die Lage im Griff zu haben. Feuerkugeln flogen umher und nur einer ihrer Mitspieler war bisher ausgeschieden.
Henry lief rückwärts auf sein Team zu, bildete eine Linie mit ihnen und hielt seinen Zauberstab wie die anderen vor sich. »Bei drei erschaffen wir einen großen Strahl, der den ganzen Tunnel einnimmt. Eins, zwei, drei!«
Der kombinierte Strom der Magie der Gruppe wirbelte durch den gesamten Tunnel, warf die Kreaturen zu Boden und verwandelte sie in Staub. Als sich das Licht verzogen hatte und keine roten Augen mehr zu sehen waren, beugte sich Henry vor, legte die Hände auf seine Knie und lachte. »Oh verdammt. Ich frage mich, ob die anderen es auch so schwer haben …«
* * *
Wyatt führte sein Team in eines der älteren Viertel und durchsuchte die dreistöckigen Backsteinhäuser auf dem Weg. Als sie das letzte Haus im Block erreichten, sah er den Schimmer einer Schatztruhe im obersten Stockwerk. Es war nicht die endgültige Trophäe, aber es musste ein Hinweis darauf sein, wo sie zu finden war, also war es wichtig, dass sie zuerst dort ankamen.
Wyatt zeigte auf das Fenster und legte den Finger auf die Lippen. »Wenn es eine Hinweisbox gibt, dann ist eine Gefahr ganz in der Nähe. Haltet die Ohren und Augen offen.«
Sie nickten alle und folgten Wyatt wachsam über die zerrüttete Straße Chicagos und durch die offene Tür des Hauses. Als sie hindurchtraten, flog etwas über sie hinweg und krächzte laut. Alle richteten ihre Zauberstäbe darauf, aber es war nur ein Vogel. Die wahre Gefahr kam aus einem anderen Raum – eine klassische Chicagoer Straßengang, wie man sie aus Filmen kannte, bewaffnet mit Pistolen, Messern und sogar Zauberstäben.
Wyatt feuerte seine Jungs an, als sie sich zum Kampf bereit machten. »Nutzt eure Fähigkeiten, Jungs. Ab hier zählt es. Wir müssen an die Truhe rankommen.«
Die Jungs lieferten sich einen intensiven Schlagabtausch mit der Straßengang, wichen magischen Kugeln aus und versuchten, nicht von fliegenden Messern getroffen zu werden. Einige der Straßenbande gingen zum Nahkampf über, was den Jungs zugutekam, da sie so ihre in den letzten drei Wochen antrainierte Stärke beweisen konnten. Einer der jüngeren Jungs wurde von einem bewaffneten Gangmitglied erwischt.
Der Junge streckte seinen Arm in die Luft, in der Hand eine große Lichtkugel. »Du Dummkopf, man bringt nicht nur eine Waffe zu einem Kampf mit einem Elfen mit.«
Der Feuerball traf den Mann im Gesicht und schleuderte ihn quer durch den Raum gegen die Wand. Sobald er die Wand traf, löste er sich, wie fast alle virtuellen Gefahren, in Luft auf. Wyatt sah den Jungen an und nickte ihm anerkennend zu.
Während das Team weiterkämpfte, schlich Wyatt leise um die Kämpfer herum und sprang über das Geländer der Treppe. Er nickte seinem Team zu, um sie wissen zu lassen, dass er so schnell wie möglich zurück sein würde und sie ihn decken sollten. Er schlich sich in den dritten Stock, wo die goldene Truhe mit dem Hinweis stand.
»Nicht so schnell. Das ist meine«, sagte eine Stimme von rechts.
Wyatt drehte sich um und sprang zurück. Ein Gangmitglied stand in der Ecke, Tattoos bedeckten seine Arme, seinen Hals und sogar einen Teil seines Gesichts. Wyatt schnappte sich den Hinweis aus der Truhe und sah das Gangmitglied an, das nun vor dem einzigen Ausgang stand. Er blickte auf den Schreibtisch hinunter und schnappte sich einen Brieföffner, den er fest umklammerte.
»Das wird jetzt hoffentlich oscarreif«, murmelte Wyatt, als er quer durch den Raum auf den Kerl zuging.
Als er näher kam, zog der Kerl ein Messer. Wyatt ließ sich auf die Knie fallen, krabbelte über den Holzboden und stach seinem Gegner den Brieföffner in den Bauch, während er zwischen dessen Beinen hindurchkroch. Er hielt nicht an, um zurückzuschauen, sondern stand auf und rannte einfach los. Als er die untere Etage erreichte, wartete sein Team schon auf ihn. Sie hatten die anderen Gangmitglieder besiegt.
Er hielt den Hinweis in die Luft und lächelte. »Ich hab ihn!«
Die Jungs sahen ihn stumm an und starrten nur. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen und er sah verwirrt in die Runde. »Habt ihr mich nicht gehört? Ich habe den Hinweis gefunden!«
Er folgte ihren Augen zu seiner Brust und sah ein Messer darin stecken. Er seufzte und schüttelte den Kopf, da er wusste, was kommen würde. Als seine Umgebung für ihn zu flackern begann, warf er den Hinweis einem seiner Teamkollegen zu, schloss die Augen und tauchte wie die anderen, die schon aus dem Spiel geworfen worden waren, wieder auf dem Feld auf.
Er schlug die Hände über seinem Kopf zusammen. »Verdammt!«
* * *
»Also gut, wir wissen, dass der Schatz da drin ist«, sagte Luke und deutete auf den Glasbalkon des Willis Tower.
Eines der anderen Teammitglieder blinzelte und sah Luke an. »Ja. Aber Gefahren werden auch da drin lauern und uns Dutzende von Stockwerken hoch in der Luft bekämpfen wollen.«
Luke lachte und klopfte ihm auf die Schulter. »Ist dieses Spiel nicht fantastisch? Am besten, wir gehen einfach mit voller Kraft rein und stellen uns dem, was auch immer auf uns wartet.«
Die Jungs griffen nach ihren Zauberstäben und bereiteten sich vor. Der Glasbalkon war ein kleiner Raum, aber das bedeutete nicht, dass dort nicht die Hölle los sein konnte. Luke richtete sich auf, holte tief Luft und blickte nach vorn. Er nickte, dann rannten sie das Treppenhaus hinauf und auf die Tür zum Balkon zu, vorbereitet auf so ziemlich alles.
Draußen auf der Tribüne standen die Zuschauer in den Farben der Cardinals gekleidet und hielten den Atem an, während beide Teams Fortschritte machten. Die Spieler der Cardinals konnten das andere Team nicht sehen und umgekehrt, aber die Zuschauer konnten alles sehen und sie wussten, dass beide Teams dem Sieg sehr nahe waren.
Izzie biss sich auf die Innenseite ihrer Wange und hielt sich am Geländer vor ihr fest, als die Gruppe auf den Balkon zuging. »Komm schon, du schaffst das. Nur noch ein kleines Stückchen.«
Im Spiel trat Luke durch die Tür in den Bereich, in dem sich der Schatz befand. Die Glasscheiben sahen stabil aus, aber das bedeutete nicht, dass sie sicher waren. Er wusste, dass sie den Glasboden so vorsichtig wie möglich überqueren mussten. Bevor er etwas zu seinem Team sagen konnte, bebte das Gebäude leicht und lautes Quietschen erfüllte ihre Ohren. Das Geräusch ließ sie in die Knie gehen und sie alle hielten sich die Ohren zu.
Einer der Jungs sah Luke an. »Was zum Teufel war das? Es klang wie eine Horde Riesenratten!«
Gerade als sein Teammitglied das sagte, blickte Luke auf und sah Dutzende von Ratten, die knapp einen Meter groß waren, auf die Gruppe zukommen. »Nun, man sagt immer, dass es in Chicago Ratten gibt, aber ich wusste nicht, dass es so große Mistviecher sind.«
Ohne Aufforderung sprang das Team auf und nutzte ihre Magie, um kräftige Lichtströme in Richtung der Ratten zu schießen. Sie konnten das Quieken und Zähneknirschen hören, während sie versuchten, die Ratten zurückzudrängen. Sie waren eine Bedrohung, aber Luke konnte erkennen, dass sie noch nicht die ultimative Gefahr darstellten.
Einer der Jungs rannte zur Seite und wedelte mit seinem Zauberstab gegen eines der Fenster auf der Rückseite, wodurch es zerbrach und der Raum nach außen geöffnet wurde. »Drängt sie durch das Loch!«
Dies tat die Gruppe so lange, bis die Letzte der Ratten kreischend in den Tod fiel, dann drehten sie sich aufgeregt zu Luke um. Eine Sekunde später wanderten ihre Augen an ihm vorbei zu dem, was hinter ihm stand. Langsam drehte er sich um und ballte die Fäuste. Ein großer Werwolf stand vor ihm, laut atmend und knurrend.
Luke ließ seine Waffe fallen, zog seine Weste aus und ließ sie zu Boden gleiten. Er schaute zurück zu den Jungs und nickte. »Ich übernehme das.«
Draußen auf der Tribüne jubelten die Zuschauer wild, als sie sahen, wie Luke sich in seine Wolfsgestalt verwandelte – seine Klauen lang, seine Augen gelb und seine Zähne scharf. Die beiden Wölfe griffen einander an und tauschten Hiebe und Bisse aus. Alles wurde still und nur ihr Wimmern und Kläffen waren noch zu hören. Izzie hielt sich am Geländer fest. Sie erstarrte bei jedem Schlag, den Luke einstecken musste. Der andere Wolf hob Luke auf, schleuderte ihn quer durch den Raum und er knallte gegen eine der Glasscheiben, die daraufhin zersprang.
Luke holte tief Luft, dann sah er den Wolf mit seinen leuchtend gelben Augen an und knurrte, nicht bereit, sich von einem virtuellen Werwolf ausschalten zu lassen.
Er rümpfte die Nase und grub seine Krallen in den Boden. »Du bist an den falschen Wolf geraten.«
Luke rannte los, sprang in die Luft, packte den Wolf an den Schultern, als er über ihn hinwegflog und schleuderte ihn gegen ein anderes Fenster. Luke grub seine Klauen erneut in den Boden und sah zu, wie die Scheibe zersprang. Der Werwolf konnte sich nicht halten und fiel aus dem Fenster, kläffend und heulend den ganzen Weg, bis er am Boden aufprallte.
Luke hielt den Kopf gesenkt, während er sich zurück in seine menschliche Form verwandelte, dann stand er auf und sah seine Teamkollegen an.
Einige Augenblicke lang schwiegen sie, aber als der Schatz neben Luke auftauchte, begannen sie zu klatschen und zu jubeln. Er war der Held des Spiels. Luke griff nach der Trophäe und alle Spieler gelangten zurück auf das Feld. Als er die Augen öffnete, sah er, wie das ganze Stadion auf den Beinen war und die Cardinals lautstark anfeuerte. Sie waren den Regionalmeisterschaften einen Schritt nähergekommen und Luke war einen Schritt näher dran, sich akzeptiert zu fühlen.