D amit die Schüler eine Chance hatten, sich in Ruhe mit den Alumni zu unterhalten, wurde am Abend ein großes Essen veranstaltet. Die sonst eher tristen Möbel im Speisesaal waren durch runde Tische mit weißen Leinentischdecken, schönem Porzellan, weißen Hortensien und Schwimmkerzen, die den ganzen Raum beleuchteten, ersetzt worden.
»Seht euch das an«, stieß Kathleen aus, als sie in den Raum eintraten.
Emma lächelte. »Oh mein Gott, nicht wahr? Hier drin sieht es fantastisch aus, als würden wir einen Ballsaal betreten. Ich wünschte, sie würden das für unsere Partys machen, obwohl ich sagen muss, dass es mir schon reicht, wenn der Boden verzaubert wird.«
Aya tauchte neben den beiden auf und schaute auf den Boden. »Aber das nenne ich mal glamourös. Sie haben ihn einfach zu wunderschönem, weißem Marmor verzaubert. Wer auch immer dafür verantwortlich ist, Hut ab.«
Die drei gingen auf Izzie und Luke zu, Izzie küsste jeden von ihnen auf die Wange. »Apropos wunderschön, schaut mal, wer gerade durch die Tür gekommen ist.«
Alle drehten sich um, sogar Ethan, der gelangweilt auf seinem Stuhl hing und mit seinen Fingern spielte. Alison und Tanner traten durch die großen Türen. Alisons Kleid war ein wunderschönes, glitzerndes, rotes Kleid, das bis zum Boden reichte. Ihr silbernes Haar war zu einem perfekten Dutt hochgesteckt und sie trug ein Paar baumelnde Ohrringe, die ihr bis zum Kinn herabhingen.
Peter stand hinter den anderen und pfiff laut. »Seht euch diese schöne Lady an.«
Alison lächelte und schaute an sich hinunter. »Oh, dieses Outfit? Das hing die letzten drei Jahre in meinem Schrank.«
Kathleen spottete. »Bestimmt. Ich weiß noch, was du getragen hast, als du frisch hergekommen bist.«
Izzie rümpfte die Nase. »Sie hat sich meiner Meinung nach gar nicht viel verändert und ich finde es gut.«
Alison lächelte Izzies Energie entgegen und nickte. »Danke.«
Sie nahmen alle an einem der großen Tische Platz. Auf jedem Teller erschienen Häppchen und ihre Gläser füllten sich.
Tanner hob sein Glas und setzte einen ernsten Blick auf, was die anderen zum Lachen brachte. »Mmm. Ja, ein schöner 1956er Apfelwein. Köstlich.«
»Wie geht es euch allen heute Abend?«, fragte Professor Powell, als er mit einem Lächeln auf den Tisch zuging.
Tanner hustete ein wenig, als er seinen Apfelwein herunterschluckte, dann grinste er. »Na ja. Wir sind von unseren Freunden umgeben und der Saal sieht absolut fantastisch aus. Es könnte uns also schlimmer gehen.«
Einer der Ehemaligen kam auf Professor Powell zu, klopfte ihm auf die Schulter und sah die Schüler an. »Das könnte es wirklich. Professor Powell hat einen erstaunlichen Job gemacht. Wir haben ihm die Dekoration des Hauses fast vollständig allein überlassen. Die Direktorin war ein bisschen nervös, was ich ihr nicht verdenken kann. Wir erinnern uns alle daran, was für ein Trottel du gewesen bist, als du hier Schüler warst.«
Ethan runzelte die Stirn und sah den Professor an. »Sie sind ein Alumnus?«
Der Professor räusperte sich und sah aus, als wäre ihm nicht wohl. »Ja. Aber das solltet ihr nicht unbedingt rumerzählen.«
Er war überhaupt nicht glücklich darüber, dass seine Vergangenheit zur Sprache gekommen war. Für ihn waren eine Menge schlechter Erinnerungen mit dieser Zeit in seinem Leben verknüpft. Fast hätte er die Stelle an der Schule deswegen nicht angenommen, auch wenn das Problem eigentlich nicht die Schule gewesen war, sondern die Ereignisse, die in dieser Zeit stattgefunden hatten.
Der Lehrer sah die Schüler an und lächelte verlegen. »Nun, ich wünsche euch einen schönen Abend. Ich habe noch einiges mit ein paar Leuten hier zu besprechen. Beschränke die Streiche auf ein Minimum, Ethan. Mit Minimum meine ich null.«
Ethan zuckte mit den Schultern, als der Professor wegging, dann beugte er sich vor und flüsterte der Gruppe zu: »Es ist so seltsam, dass er ein Alumnus ist, aber es niemandem erzählt. Ich habe das Gefühl, dass die Ehemaligen hier es eh vom Dach schreien.«
Emma räusperte sich und flüsterte: »Ich wusste, dass er ein Ehemaliger ist. Mein Vater hat es mir erzählt. Er wollte nicht viel darüber reden, aber er deutete eine Art unglücklichen Vorfall an, der ihm passiert war oder wegen ihm oder so etwas in der Art. Das war alles, was er sagen wollte und ich hatte Angst, es einem der anderen Lehrer hier gegenüber anzusprechen. Wenn mein Vater nicht darüber sprechen will, ist es offensichtlich etwas, was wir Schüler nicht wissen sollen.«
Peter lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und rieb sich das Kinn, während er über den Professor, der ein ehemaliger Schüler war, aber nicht wollte, dass es jemand erfuhr und das Gerücht nachdachte. Für alle anderen war es merkwürdig, aber nichts, worüber man sich den Kopf zerbrechen musste, aber für Peter roch es nach einer Sensationsgeschichte. Er schien ein glückliches Händchen für zufällige Stories zu haben, inklusive der über die dunklen Zauberer vor der Schule, die ihn immer noch nicht losgelassen hatte. Professor Powells Vergangenheit könnte sein nächster großer Hit werden.
Izzie schaute über den Tisch zu Peter und hob eine Augenbraue. »Ich weiß nicht, ob du das hier benutzen solltest, Peter. Ich weiß, was du denkst.«
Peter verschränkte die Hände hinter dem Kopf und lächelte schelmisch. »Ich bin ein Journalist. Ich gehe einfach dahin, wo die Geschichten sind.«
* * *
»Als wir unseren Abschluss gemacht haben, wurde mir alles erst klar«, sagte einer der Alumni zu ein paar der Jungs im Jungenschlafsaal, nachdem das Abendessen vorbei war.
Ein anderer gluckste. »Das kann man wohl sagen. Ich habe in meinem ersten Jahr nach der Schule so viel neue Magie kennengelernt, es war verrückt. Ich mache so gut wie nichts mehr von Hand in meinem Haus.«
Einer der Jungen lächelte und schaute die Alumni an. »Habt ihr irgendeinen Zauber auf Lager, der hilft, mit Mädels zu flirten?«
Die Ehemaligen sahen sich an und begannen hysterisch zu lachen. »Und ob wir das haben. Ich glaube, mittlerweile wissen die Menschen, die in meiner Nähe leben, dass ich ein Zauberer bin. Früher führte ich in einer Scheune Zaubertricks vor, die von den Menschen wegerklärt werden konnten, aber es beeindruckte sie definitiv.«
Einer der anderen Jungen rutschte näher heran. »Würden Sie es uns zeigen? Ich meine, Sie bleiben sowieso nur heute Nacht hier und wir sehen Sie vielleicht nicht wieder, also ist es nicht so, als könnten Sie Ärger bekommen.«
Einer der Ehemaligen lachte. »Was könnten sie schon mit uns machen? Uns zum Nachsitzen in die Bibliothek schicken?«
Alle schauderten, auch die Alumni, als sie an das Nachsitzen bei Bibliothekar Decker dachten. Der Mann hörte auf zu lächeln und schüttelte den Kopf. »Ich habe während meiner Schulzeit viel zu viel Zeit mit Bibliothekar Decker verbracht. Ich war ständig beim Nachsitzen. Er kannte mich beim Vornamen und sorgte immer dafür, dass ich die schwierigsten Aufgaben bekam.«
Alle lachten. »Er hat sich kein bisschen verändert, so wie es sich anhört.«
Die Alumni steckten die Köpfe zusammen, flüsterten und versuchten, sich zu einigen, welchen Zaubertrick sie zuerst machen wollten. Schließlich, nach ein paar Minuten, zog der Erste seinen Zauberstab und lehnte sich nach vorne. »Okay, das ist ein einfacher Trick. Trotzdem hat er mir ungefähr tausend Dates beschert.«
Die Jungen sahen zu, wie er seinen Zauberstab über seine Hand wirbelte und dabei versuchte, das Licht so unauffällig wie möglich zu halten, damit er keinen der schlafenden Jungen aufweckte. Ein rosafarbener und funkelnder Faden aus Magie trat aus der Spitze seines Zauberstabs und schimmerte in seiner Hand. Er formte eine Kugel in seiner Handfläche, schloss sie dann und klopfte mit dem Zauberstab auf seine Knöchel. Als er seine Hand umdrehte und öffnete, kam eine wunderschöne rote Rose zum Vorschein, die aufblühte. Einer der Jungen streckte seine Hand aus und versuchte, sie zu berühren, aber als sein Finger sich ihr näherte, verwandelte sie sich in eine magische Gestalt in Form eines Schmetterlings und flog davon.
Der Alumnus gluckste und zuckte mit den Schultern. »Menschen mögen so etwas. Magische Wesen hingegen … nun, sie sind nicht so leicht zu beeindrucken.«
Einer der anderen Absolventen benutzte seine Elfenmagie, um einen weiteren Zauber zu sprechen. »Die Mädels zu bekommen ist toll, aber worauf ihr euch wirklich konzentrieren müsst, ist euer Leben im Griff zu behalten. Das Leben kann hier auf der Erde wahnsinnig stressig werden. Dieser einfache Zauber wird alles im Handumdrehen für einen in Ordnung bringen.«
Er schloss die Augen und flüsterte einen Zauberspruch, während er eine Hand über die andere hielt und sie gegen den Uhrzeigersinn im Kreis drehte. Während er dies tat, entstanden helle Lichtstrahlen und eine Lichtkugel erschien in seiner Handfläche. Er zog sie zum Mund, pustete hinein und sah zu, wie sie durch den Raum hüpfte und jeden Platz, den sie berührte, aufräumte. Es dauerte nur etwa drei Minuten, bis sie in seine Hand zurückkehrte, sich in Funken auflöste und der gesamte Gemeinschaftsraum noch aufgeräumter erschien, als zu Beginn des Schuljahres.
Die Jungs waren beeindruckt. Sie wussten, dass sie den Zauber gut gebrauchen konnten, vor allem, wenn es um Zimmerkontrollen ging. Sie wollten gerade nach einem weiteren fragen, als sie Connor den Flur hinunterkommen hörten. Einer der Schüler schoss wie von Zauberhand los, löschte die Lichter so schnell er konnte und tat dann so, als ob er schliefe.
Connor durchquerte durch den Flur und überprüfte jedes Zimmer, bevor er wieder herauskam und auf Zehenspitzen an denen vorbeiging, die so taten, als würden sie auf dem Boden des Gemeinschaftsraums schlafen. Er erreichte die Schwelle seines Zimmers, schaute zurück und schüttelte den Kopf. »Erst die Eichhörnchen, dann die Kinder und jetzt die Ehemaligen … uff.«
* * *
Im Schlafsaal der Jungen war es für einige Momente still. Alle Lichter waren aus und niemand gab einen Laut von sich. Als das Licht in Connors Zimmer ausging und der Flur dunkel wurde, setzten sich die wachen Jungen wieder auf. Einer der Schüler, ein Lichtelf, schnippte mit den Fingern und sandte eine kleine Lichtkugel aus, die zur Deckenbeleuchtung hüpfte und sie gerade so weit erhellte, dass sie sich gegenseitig sehen konnten.
Einer der Alumni nickte. »Das war schon ziemlich cool. Das habe ich erst auf dem College gelernt.«
Der Junge zuckte mit den Schultern. »Ich habe drei ältere Brüder und meine Mutter hat versucht, eine Sieben-Uhr-Schlafenszeit durchzusetzen, als wir Kinder waren. Das war wirklich praktisch.«
Die Jungs kicherten alle und der Ehemalige sah die Schüler an und fragte sich, wozu sie noch fähig waren. »Warum zeigt ihr uns nicht ein paar Zaubersprüche? Wer weiß? Vielleicht lernen wir ja auch noch etwas.«
Einer der Jungen nickte und zückte seinen Zauberstab. »Ich kenne einen Trick, der mich davor bewahrt hat, erwischt zu werden, als ich mich letztes Jahr mit meiner ersten Freundin in den Obstgarten geschlichen habe.«
Der Junge stand auf und räusperte sich. Er schloss die Augen und wirbelte seinen Zauberstab über seinen Kopf. Schimmernde Strahlen aus grünem Licht wirbelten um ihn herum, verwandelten sich dann in Funken und fielen zu Boden, wodurch sein Körper verschwand.
Einer der Ehemaligen stand mit großen Augen auf und schüttelte den Kopf. »Das ist ja unglaublich. Ich nehme an, du bist unsichtbar, richtig?«
»Falsch«, sagte der Junge, trat aus dem Bad am anderen Ende des Raums und schüttelte die letzten Funken von seinem Bademantel.
Der Alumnus lachte überrascht. »War das ein Portal?«
Der Junge nickte. »So ist es. Mein Vater hat es mir beigebracht, als ich jünger war. Er brauchte den Zauber, als es auf der Erde nicht so friedlich zuging. Er war ein Silbergreif und musste wissen, wie man schnell aus der Klemme kommt und gleichzeitig die Person verwirrt, die hinter einem her ist. Er hat es der ganzen Familie beigebracht, nur für den Fall, dass uns mal jemand verfolgen würde.«
Der Alumnus gluckste. »Als ich jünger war, hätte ich das sehr gut gebrauchen können. Meine Eltern hätten es nie geschafft, mich in meinem Zimmer festzuhalten.«
Der andere Alumnus sah ihn neugierig an. »Musstest du ihn jemals benutzen? Als dein Vater ein Silbergreif war, meine ich.«
Der Junge nickte und wurde ein wenig still. »Nur einmal und wir haben es alle gut überstanden. Es macht aber viel mehr Spaß, wenn man versucht, den Lehrern zu entkommen.«
Der Ehemalige lachte. »Auf jeden Fall.«
Einer der anderen Jungen stand auf und klopfte sich die Hände ab. »Letztes Jahr hat sich ein Eichhörnchen in den Schlafsälen verirrt oder es könnte das Jahr davor gewesen sein … Ich weiß es nicht mehr. Wie auch immer, es war ein unglaubliches Spektakel. Einer unserer Betreuer hat sich fast umgebracht, als er versuchte, es zu fangen und am Ende sind wir vor dem Tier weggelaufen, aber es ist uns bis nach draußen gefolgt. Ich hielt es für klug, mir einen Zauberspruch für eine solche Situation auszudenken.«
Einer der Ehemaligen schüttelte den Kopf. »Um ein weiteres Eichhörnchen zu fangen, falls es sich zufällig hierher verirrt?«
Der Junge gluckste, krempelte die Ärmel hoch und holte seinen Zauberstab heraus. »Nicht ganz.«
Er wirbelte seinen Zauberstab und Energiestrahlen formten sich zu der Gestalt eines Eichhörnchens. Zuerst war es nur Licht und Energie, aber als der Zauber wirkte, wuchsen dem Eichhörnchen Haare. Man konnte es sogar quieken hören. Es mochte aus Magie gemacht sein, aber es sah aus wie ein echtes Eichhörnchen.
»Ich dachte mir, es wäre praktisch, wenn ich schnell aus einem Raum raus muss und eine Ablenkung brauche, außerdem ist es urkomisch anzusehen.« Der Junge lachte, als das Eichhörnchen durch den Raum lief.
Er pfiff und das Eichhörnchen rannte zurück zu ihm, sprang durch die Luft und verwandelte sich zurück in Energie, die sich an der Spitze des Zauberstabs auflöste. Er steckte den Zauberstab in seine Tasche und verbeugte sich, während die Jungen leise jubelten. Er hatte recht, das würde auf jeden Fall Connors Aufmerksamkeit erregen. Die meisten Jungen hofften jedoch, dass er den Zauber nicht so bald benutzen würde.