Kapitel 27

I zzie und Alison waren immer noch erschüttert von den Geschehnissen der Woche, aber sie schafften es ein paar Tage später dennoch zum Louperspiel. Die Tribüne war voller Schüler, die ihr Team lautstark anfeuerten. Izzie hielt sich am Geländer fest und blickte auf das Feld, wo Luke stand und sich auf das Spiel vorbereitete. Für sie sah alles anders aus. Alles war anders. Es war fast so, als sähe sie die Welt mit anderen Augen.

»Willkommen zum Spiel der SGM Cardinals. Heute geht es um den regionalen Titel!«, rief die Direktorin vom Spielfeld aus.

Alle jubelten laut und schwenkten ihre Fahnen in der Luft, während der Wind über den Rasen peitschte. Es war kalt draußen, aber das schien niemanden zu stören. Sie waren alle zu aufgeregt, da sie ihr Team nach fünf Siegen in Folge weiter aufsteigen sehen wollten. Die Direktorin lächelte und wartete, bis sich alle ein wenig beruhigt hatten.

»Unsere Cardinals werden gegen die Coyotes spielen!«

Die Menge buhte, aber Misses Berens hob ihre Hand und rümpfte die Nase. Ihr ging es um einen guten Sportsgeist, auch wenn die andere Mannschaft nicht anwesend war und die Buhrufe der Menge nicht hören konnte. Sie wollte alle bei Laune halten und den Schülern ein gutes Gefühl geben. Mit einem Blick auf das Team nickte sie. »Viel Glück heute, Cardinals. Ich werde von der Tribüne aus zusehen. Egal, wie das Spiel ausgeht, ihr habt bisher eine tolle Saison gespielt.«

Henry schaute Wyatt an, während sie am Spielfeldrand standen und darauf warteten, dass es losging. »Hat dir der Trainer gesagt, wie unser Spielfeld aussehen wird?«

Wyatt flüsterte Henry zu. »Du weißt, dass das nicht erlaubt ist … aber ja. Wir werden in einem dichten Wald auf Oriceran sein. Ich hoffe nur, dass sich die Neulinge nicht wie beim letzten Mal wie Touristen verhalten. Wir müssen dieses Spiel gewinnen. Ich werde nicht zulassen, dass uns die Coyotes noch einmal besiegen.«

Henry nickte. »Da hast du verdammt recht. Sie denken vielleicht, dass sie uns einen Schritt voraus sind, weil sie in unser Spiel eingreifen können, aber diesmal sind wir darauf vorbereitet. Wir haben unsere Lektion gelernt und ich werde nicht noch mal verlieren.«

Wyatt schaute in die Runde und kicherte. »So wie die anderen Jungs aussehen, werden sie das auch nicht zulassen. Anscheinend hat sich das letzte Spiel rumgesprochen. Selbst die neuen Schüler wussten davon, bevor sie die Schule betreten haben. Hier geht es um mehr als normale Rivalität. Wir haben etwas zu beweisen und die Coyotes sind zu eingebildet, um sich daran zu erinnern. Ich kann dir versprechen, wenn wir in den Wäldern auf Oriceran ankommen, wird jeder einhundert Prozent geben.«

Henry klatschte, als der Schiedsrichter auf das Spielfeld kam. »Gut, denn ich bin bereit, ihnen in den Arsch zu treten.«

Der Schiedsrichter las die Regeln vor und erlaubte den Coyotes ein paar Augenblicke auf ihrem Feld zu sein, bevor sie auf ihre Seite der virtuellen Welt verschwanden. Er hob seinen Zauberstab und legte einen grünen Funkenregen über die Spieler. Alle schlossen die Augen, ballten die Fäuste und warteten darauf, dass die virtuelle Spielwelt um sie herum auftauchte.

Genau wie Wyatt vermutet hatte, war keiner der Spieler seines Teams auch nur annähernd im Touristenmodus. Alle waren konzentriert und bereit, loszulegen. Wyatt versammelte sie in einem Kreis und legte seine Arme über Henrys und Lukes Schultern. »Dieses Team spielt gerne mit unfairen Mitteln, wie ihr alle vom letzten Jahr wisst. Haltet die Augen offen und scheut euch nicht, zuzuschlagen, wenn ihr etwas seht, das auffällig ist. Wir sind im Wald von Oriceran und da draußen gibt es eine Menge Dinge, die euch erwischen können und die Coyotes – sie werden nicht locker lassen. Luke, Henry und ich werden die drei Teams anführen. Lasst uns loslegen und ins Finale einziehen.«

Alle legten ihre Hände in die Mitte und schrien ihren Schlachtruf, bevor sie sich in ihre drei Gruppen aufteilten. Luke führte sein Team durch den Wald und auf eine kleine Lichtung, wo er sich hinkniete, um die Strategie durchzugehen.

Luke sah jeden der Jungen an und nickte. »Das ist unsere Chance. Die lassen wir uns nicht entgehen. Ich will, dass wir nach Osten durch den Wald und auf die Klippen zugehen. Haltet die Augen offen und eure Magie bereit. Wenn wir zu den Klippen kommen, macht nicht dieselben Fehler wie letztes Jahr. Haltet Ausschau nach Drachen und Harpyien, die euch packen und über die Kante werfen könnten. Wir sind ein Team. Wir gewinnen als Team oder wir scheitern als Team. Lasst uns gewinnen.«

Alle nickten und sie schlichen den Waldrand entlang. Sie konnten alle Arten von Geräuschen hören. Die meisten klangen wie große Vögel oder wilde Löwen. Als sie sich den Klippen näherten, hockten sie sich in die Büsche und schauten hinaus.

»Ich glaube, ich kann den Schatz von hier aus sehen. Ich sage, wir machen uns auf den Weg dorthin. Haltet eure Waffen und eure Magie bereit«, flüsterte Luke dem Team zu.

Als sie aus den Bäumen heraustraten, schossen Drachen herab, krallten sich mehrere der Jungen und ließen sie über die Klippen fallen. Luke beugte sich hinunter und sah einen seiner Teamkollegen an. »Meinst du, du könntest mir aus diesem Zauberstab eine Waffe machen?«

Luke wollte nur scherzen, aber der Junge drehte seinen Zauberstab und herauskam ein Lichtstrahl, der sich schnell in ein langes Schwert verwandelte. Er reichte das Schwert an Luke weiter, der die Augenbrauen hochzog. »Das sollte reichen.«

Lukas stand auf und schwang das Schwert in Richtung der Drachen über ihm. Sie stürzten herab und auf ihn zu, wichen aber zurück, als die Klinge auf ihre Schuppen traf. Die anderen Jungen setzten ihre Magie ein und schossen Lichtströme auf die Drachen. Mehrere von ihnen trafen dessen Flügel und ließen sie die Klippen hinunterstürzen. Luke nutzte seine Wandlerkraft, um das schwere Schwert zu schwingen und die Drachen zu bezwingen.

Sie kämpften hart und lange, bis sich die Biester schließlich in die Ferne zurückzogen. Luke stand am Rande der Klippen und versuchte, Luft zu holen, als er sich wieder den anderen zuwandte. Sie hatten ziemlich viele Spieler verloren, aber ein paar standen noch und das war alles, was zählte. Aus dem Wald erregte das Geräusch von raschelnden Blättern und knackenden Zweigen seine Aufmerksamkeit.

Er hielt sein Schwert vor sich und verengte seine Augen. »Wer ist da?«

Henry, Wyatt und ihre Teams traten heraus und klatschten. Henry lachte und schüttelte den Kopf. »Ich muss zugeben, das war ziemlich beeindruckend.«

Luke stieß einen Seufzer aus und ließ sein Schwert sinken. »Ihr seid noch am Leben.«

Wyatt zuckte mit den Schultern. »Noch …«

In diesem Moment schoss ein Lichtstrahl aus den Bäumen und verwandelte sich in Dutzende von dunklen Pfeilen. Luke sah entsetzt zu, wie zwei der Pfeile Wyatt und Henry in die Brust trafen und sie aus dem Spiel nahmen. Ihr Team schrumpfte schnell. Luke riss den Kopf hoch und sah ein Mitglied der Coyotes in den Baumkronen hocken.

Seine Augen leuchteten gelb auf und er knurrte, während er zu dem Baum hinüberrannte und auf einen Ast sprang. Die Augen des gegnerischen Spielers weiteten sich und er warf Lichtkugeln auf Luke. Womit er nicht gerechnet hatte, war, dass Luke eine Waffe hatte – eine magische Waffe – mit der er die Feuerbälle in den Wald schmetterte.

Luke blickte auf sein Schwert hinunter und seufzte. »Es wäre wirklich schön, wenn das Ding deutlich kürzer wäre.«

Das Schwert funkelte und verwandelte sich von einem Langschwert in einen Dolch. Luke sah es überrascht an, dann zuckte er mit den Schultern. »Das war cool.«

Er warf den Dolch so fest wie möglich in Richtung des Spielers der Coyotes und traf ihn in die Brust, wodurch er direkt verschwand. Luke nickte zufrieden, sprang hinunter und landete vor den Übriggebliebenen seines Teams. Er schaute sie an, dann blickte er über die Klippen zu dem Schatz, der in der Sonne Oricerans funkelte.

Luke war sauer und erschöpft, aber es war nur noch diese Gruppe von ihnen übrig und sie mussten vor dem anderen Team ankommen. »Ich gehe kein Risiko ein. Ihr Jungs bleibt hier. Haltet die Augen nach weiteren Coyoten offen und lasst euch nicht von den Drachen erwischen. Hoffentlich bin ich fertig, bevor etwas passiert.«

Das Team sah ihm verwundert nach, als er zum Rand der Klippe ging und mit den Schultern rollte. Er erlaubte einem Teil seines inneren Wolfes, die Kontrolle zu übernehmen. Lange Krallen wuchsen aus seinen Händen und seine Muskeln zuckten und verhärteten sich, als er langsam rückwärts ging und mit Anlauf von der Klippe sprang. Er schwebte durch die Luft, während die Drachen versuchten, ihn anzugreifen.

Mitten in der Luft schlug er mit seinen Krallen nach den Drachen, grub sich tief unter ihre Schuppen und schleuderte sie ins Wasser unter ihnen. Er lehnte seinen Körper zurück, bis seine Füße wieder in Richtung Boden zeigten und landete direkt vor dem Schatz. Er schaute zurück zum jubelnden Team und strahlte, als er ihn packte. Das Spiel endete und er fand sich mit dem Schatz in der Hand auf der Mitte des Spielfeldes wieder. Seine Teammitglieder und er befanden sich alle wieder dort und es waren keine Coyotes mehr in der Nähe.

Die Stille im Stadion hielt nur einen Moment lang an, bevor die Zuschauer wieder laut wurden, Lukes Namen schrien und auf das Feld rannten. Sein Team stürzte sich auf ihn, sprang auf und ab und hielt den Schatz hoch in die Luft. All die Erschöpfung und die Muskelschmerzen, die Luke am Ende des Spiels gespürt hatte, verflüchtigten sich schnell, zumindest für den Moment.

»Ich wusste, dass du es schaffst«, rief Izzie, als sie ihre Arme um ihn schlang.

Luke lächelte und küsste Izzie. »Du warst wie immer meine Inspiration.«

Izzie lächelte und trat zurück, als das Team Luke auf die Schultern hob. Er hielt den Schatz hoch und die Menge tobte erneut, schwenkte ihre Fahnen und tanzte zur Siegesmusik im Hintergrund. Die Mannschaft ging voran, trug Luke vom Spielfeld und machte sich auf den Weg zum Speisesaal, um den Sieg des Spiels zu feiern. Es sollte eine der größten Feiern werden, seit er angefangen hatte, Louper zu spielen und obwohl es nicht sein erster Sieg war, fühlte es sich wie der beste überhaupt an. »Auf zum Finale«, rief er.

Izzie nahm Alison bei der Hand und sie gingen hinter der Menge her. »Ich schätze, das ist doch gar nicht so schlecht gelaufen.«

Alison drückte ihre Hand. »Wir werden dafür sorgen, dass nichts schiefgeht, auch wenn wir dafür kämpfen müssen.«