Graffiti ist ein Wort, das ursprünglich aus dem Griechischen stammt. Es bedeutet zeichnen oder schreiben. Graffiti, nicht als Schmiererei, sondern als eine politische Botschaft, entdeckst du in Nordirland häufig, vor allem in Gegenden, die überwiegend von Menschen einer Konfession bewohnt werden. Bei den Protestanten steht dann zum Beispiel „No surrender!“ – „Wir ergeben uns nicht!“ – auf den Mauern und Hauswänden. Bei den Katholiken dagegen heißt es „You are now entering Free Derry!“ – „ Sie betreten jetzt das freie Derry!“ – im Unterschied zu Londonderry, wie man die Stadt sonst nennt, wenn man ihre Zugehörigkeit zu London betonen will.
Manche Graffitis sind regelrechte Kunstwerke und erzählen ganze Geschichten. Zum Beispiel von Bobby Sands, einem IRA-Kämpfer, der sich 1981 im Gefängnis zu Tode hungerte. Mit seinem Hungerstreik wollte er erreichen, dass die IRA-Kämpfer wie Kriegsgefangene und nicht wie Terroristen behandelt würden. In protestantischen Vierteln reitet wiederum oft King Billy auf seinem Schimmel in die Schlacht am Fluss Boyne. King Billy, der protestantische König Wilhelm von Oranien, hatte in dieser Schlacht 1690 den katholischen und zuvor von ihm abgesetzten englischen König Jakob II. besiegt.
Die IRA, die Irisch-Republikanische Armee (Irish Republican Army), eigentlich seit 1969 PIRA (Provisorische irisch-republikanische Armee), war eine paramilitärische Untergrundarmee, die die Unabhängigkeit des Nordens von Großbritannien und dessen Vereinigung mit der Republik Irland gewaltsam erkämpfen wollte. 1998 erklärte sich die IRA im Karfreitagsabkommen bereit, ihre Waffen abzugeben.
Es gab auch protestantische Untergrundorganisationen, zum Beispiel die UDA (Ulster Defence Association) und ihre Tarnorganisation, die UFF (Ulster Freedom Fighters). Oder die UVF (Ulster Volunteer Force). Leider besteht manche Terrorgruppe bis heute fort.
Einige Figuren in diesem Buch tragen irische Namen. Oft werden diese Namen vollkommen anders ausgesprochen, als du das beim Lesen vielleicht vermutest. Cathal spricht sich aus wie Kachel. Siobhan hört sich an wie Schivohn und Seamus wie Scheimes. Sean spricht sich Schooon aus, aber mit einem dunklen, kehligen und sehr gedehnten O. Deirdre klingt wie Dierdre und Sínead wie Schineid. Vater Faughan klingt wie Vater Wohn. Dabei kannst du das O aussprechen, als steckte dir eine Kartoffel im Hals und du würdest den Mund nicht richtig aufbekommen. Versuch es doch einfach mal! Irisch ist eine tolle Sprache und macht Spaß.
In Nordirland spielen Namen eine große Rolle. Weil irische Namen wie Cathal oder Siobhan mit der Republik Irland und damit oft auch mit dem Katholizismus gleichgesetzt werden (da die meisten Bewohner der Republik Irland katholisch sind), bedeuten Namen immer mehr: Sie stehen auch für eine politische Gesinnung, ob man etwa die Vereinigung mit der Republik Irland befürwortet oder den Verbleib Nordirlands im Vereinigten Königreich. Das bedeutet auch, dass der Konflikt in Nordirland weniger mit religiösen als mit kulturellen Unterschieden zu tun hat.
Die irische Nationalflagge ist senkrecht grün, weiß und orange gestreift. Warum es ausgerechnet diese Farben sind, kann niemand genau sagen, doch gibt es viele Deutungen. Grün spielte schon immer eine große Rolle auf der irischen Insel, die auch die Grüne Insel genannt wird (weil es dort viel regnet, wächst dort auch viel Gras), und die irischen, überwiegend katholischen Freiheitskämpfer trugen Grün in ihrer Kleidung. Orange gilt dagegen als Farbe der Protestanten im Norden. Orange erinnert sie an den protestantischen König Wilhelm von Oranien, der 1690 den katholischen König Jakob II. bei der Schlacht am Fluss Boyne schlug. Manche sagen deshalb, dass das Weiß zwischen den beiden Farben für den Frieden unter den Konfessionen beziehungsweise für den Waffenstillstand zwischen den kämpfenden Lagern stünde. Ob diese Erklärung stimmt, weiß wohl keiner; schön klingt sie allemal.
Als Katholiken – vom griechischen katholikós, allumfassend – bezeichnet man einen Menschen, welcher der römisch-katholischen Kirche angehört. Als Mitglied dieser Kirche erkennt er den Papst als geistliches Oberhaupt und Stellvertreter Christi auf Erden an. Die katholische Kirche kennt sieben Sakramente, durch die Gott den Menschen sein Heil schenkt. Die Sakramente sind Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung, Weihesakrament und Ehe. Nach katholischer Lehre verwandeln sich Brot und Wein im Abendmahl tatsächlich in den Leib und das Blut Jesu Christi.
Menschen, die sich durch ihre Hingabe an Gott und Wundertaten wie Heilungen auszeichnen, werden häufig als Heilige und Glaubensvorbilder verehrt. Insbesondere Maria, die Mutter Jesu, gilt als „Urbild der Kirche“.
Die Bezeichnung römisch-katholische Kirche gibt es allerdings erst, seit Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg schlug und damit die flächendeckende Reformation der Kirche ankurbelte. Der Begriff sollte damals dabei helfen, die verschiedenen christlichen Bekenntnisse besser voneinander unterscheiden zu können. Offenbar gelingt ihm das bis heute.
Ein Loyalist ist jemand, der sich als loyal bezeichnet. Loyal bedeutet treu, wobei treu bezogen auf Nordirland meint, dass er oder sie auf der Seite des englischen Königshauses steht und möchte, dass Nordirland im Vereinigten Königreich verbleibt.
Margaret Hilda Thatcher, auch die Die Eiserne Lady genannt, war eine britische Politikerin. Von 1975 bis 1990 war sie die Vorsitzende der Konservativen Partei und als solche von Mai 1979 bis November 1990 sogar Premierministerin des Vereinigten Königreichs. Das ist das höchste Amt, das ein Politiker im Vereinigten Königreich ausüben kann. In ihrer Nordirlandpolitik galt sie als ausgesprochen unnachgiebig: Niemals würde das Land unter ihrer Herrschaft das Vereinigte Königreich verlassen! Das versprach sie allen Protestanten in Nordirland. Selbst als am 12. Oktober 1984 während des Parteitags der Konservativen ein Bombenanschlag auf ihr Hotel in Brighton verübt wurde, wich sie nicht von dieser Haltung ab. Die Bombe hätte Mrs Thatcher töten sollen; sie blieb jedoch unverletzt und hielt, scheinbar unbeeindruckt, bereits am nächsten Tag ihre vorgesehene Rede. Später bröckelte ihr Einfluss in der eigenen Partei, sodass sie am 22. November 1990 als Premierministerin zurücktrat. Das geschah übrigens an einem Donnerstag und nicht, wie im Buch erwähnt, an einem Freitag. Bis dahin hatte sie elf Jahre und zweihundertneun Tage regiert.
Ein Nationalist befürwortet die Wiedervereinigung Nordirlands mit der Republik Irland. Das Wort natio kommt aus der lateinischen Sprache und bedeutet Geburt, Geschlecht.
Der Nordirlandkonflikt, den die Einheimischen selbst The Troubles nennen, was so viel wie Unruhen, Rangeleien oder Unbequemlichkeiten bedeutet, hat eine lange Geschichte. Vielleicht begann der Nordirlandkonflikt schon im Jahr 1169, als Normannen und Engländer Irland großflächig besiedelten, und er setzte sich 1607 fort, als der englische König in der Plantation of Ulster (wörtlich: der Anpflanzung) protestantische Schotten, Waliser und Engländer in die Provinz Ulster im Norden Irlands holte. 1690 besiegte der protestantische König Wilhelm III. von England (Wilhelm von Oranien) in der Schlacht am Boyne die Truppen des zuvor von ihm abgesetzten katholischen englischen Königs Jakob II. Bis heute feiern am 12. Juli manche Protestanten dieses Ereignis, das die protestantische Prägung des Nordens endgültig verfestigte, mit Märschen, Fahnenschwenken und Paukenschlägen.
Als der Süden der Insel 1921/22 seine Unabhängigkeit von Großbritannien als irischer Freistaat erlangte und 1949 schließlich zur Republik Irland wurde, verblieb der überwiegend protestantische Norden im Vereinigten Königreich.
1994 erklärte die IRA, die irische Untergrundarmee, die für die Aufnahme des Nordens in die Republik Irland kämpfte, eine unbefristete Waffenruhe. Vier Jahre später beschlossen die Regierung Großbritanniens, die Regierung der Republik Irland sowie die Parteien Nordirlands, gemeinsam nach einer politischen Lösung für Nordirland zu suchen und dabei auf Gewalt und Terror zu verzichten. Außerdem gab Irlands Regierung den Anspruch auf ein vereintes Irland auf, es sei denn, die Mehrheit der Bürger in Nordirland wünscht dies. All das geschah am 10. April 1998, einem Karfreitag, weshalb die Vereinbarung auch Karfreitagsabkommen genannt wird.
Am 28. Juli 2005 erklärte die IRA, ihr bewaffneter Kampf sei nun endgültig vorbei. In der Nacht vom 30. auf den 31. Juli 2007 beendete auch die britische Armee ihren Einsatz in Nordirland. Um Mitternacht übernahm daraufhin die Polizei wieder die alleinige Verantwortung für die Innere Sicherheit.
Im Verlauf von 38 Jahren wurden rund 300 000 Soldaten in Nordirland eingesetzt. Ein Großteil von ihnen hat das Land inzwischen wieder verlassen. Dennoch dauern die Konflikte bis heute an. So bekämpften sich am 4. Januar 2013 Loyalisten und Nationalisten in Belfast, nachdem der Stadtrat beschlossen hatte, die britische Fahne – den Union Jack – künftig nicht mehr das ganze Jahr über auf dem Rathaus zu hissen, sondern nur noch an siebzehn symbolträchtigen Tagen.
In den Troubles sind bis zum Karfreitagsabkommen 1998 rund 3500 Menschen ums Leben gekommen; etwa die Hälfte von ihnen waren Zivilisten, also Menschen, die sich nicht an den gewalttätigen Handlungen beteiligt hatten.
Patrick Henry Pearse (1879–1916) war ein irischer Lehrer und Schriftsteller. Er hielt viele flammende Reden, in denen er gegen die Engländer aufrief, denn die Engländer hielten Irland besetzt. Doch erst als er nach dem Osteraufstand 1916 in Dublin hingerichtet wurde, fanden seine Gedanken bei vielen Iren Gehör. Insofern behielt Pearse zumindest im Nachhinein und vordergründig betrachtet recht, dass man für Irlands Freiheit ein blutiges Opfer, er nannte es „Blutopfer“, bringen müsse.
Die sogenannten Friedensmauern verlaufen zwischen Wohngebieten unterschiedlicher Konfessionen. Vor allem in Belfast, der Hauptstadt von Nordirland, gibt es sie nach wie vor. Es sind dicke, haushohe Mauern zum Schutz gegen Geschosse und Handgranaten. Insgesamt bilden sie ein ausgeklügeltes Absperrsystem aus Zäunen, Mauern, Stacheldraht und Umgehungsstraßen, in welchem du dich gut auskennen solltest, sonst verläufst du dich.
Plastikgeschosse wurden 1973 von den britischen Sicherheitsbehörden entwickelt, um sie bei Tumulten in Nordirland einzusetzen und dabei tödliche Treffer zu vermeiden. Die Plastikgeschosse sollten die Gummigeschosse ersetzen, die seit 1970 in Nordirland verwendet wurden und häufig zu Todesopfern geführt hatten. Doch die Überlegung ging nicht auf. Der erste Tote war der zehnjährige Stephen Geddis. Er starb am 30. August 1975, zwei Tage nachdem er von einem Plastikgeschoss getroffen worden war.
Plumpudding ist ein Gericht, das im Vereinigten Königreich und einigen Ländern des Commonwealths sowie in der Republik Irland traditionell am ersten Weihnachtsfeiertag gegessen wird. Anders als man das bei seinem Namen vermuten würde, enthält der eher einem Kuchen als einem Pudding gleichende Teig keine Pflaumen. Da aber früher auch Rosinen und Trockenfrüchte als plum bezeichnet wurden, erhielt der Pudding seinen Namen von diesen wesentlichen Zutaten.
Ursprünglich war der Begriff Protestant – vom lateinischen protestari, für etwas zum Zeugen aufgerufen werden – ein rein politischer. Er bezog sich auf das Recht, mit dem eine Minderheit von Ständen oder Reichsstädten ihre Anliegen auf einem Reichstag vorbringen konnte. Später meinte man mit Protestant ganz allgemein den Anhänger einer jener christlichen Konfessionen, die durch die Reformation in Abgrenzung zur römisch-katholischen Kirche entstanden waren.
Schon früh gab es immer wieder Menschen, die sich von den Lehren des Papstes und der damaligen Kirche abgrenzten – dagegen protestierten. Nur einer sei hier genannt: Als der Mönch Martin Luther 1511 nach Rom reiste, entsetzte ihn, was er dort sah. Der Papst und seine Kardinäle lebten in Saus und Braus, während die Menschen ringsum hungerten. Luther missfiel auch, dass Prediger durch die Lande zogen und Ablassbriefe verkauften, mit denen sie eine verkürzte Zeit im Fegefeuer versprachen. In Wirklichkeit beglich das Geld den ausschweifenden Lebenswandel der Bischöfe. Als Luther am 31. Oktober 1517 all seine Bedenken in 95 Thesen zusammenfasste und diese an die Schlosskirche von Wittenberg nagelte, schuf er damit zugleich eine neue Konfession: die Protestanten.
Protestanten richten ihr Leben an der Bibel aus. Sie erkennen allein Jesus als Kopf der Kirche und des einzelnen Glaubenden an – darum lehnen sie auch den Papst als Glaubensvermittler ab – und betonen, dass ein Mensch „allein aus Gnade“, nicht aufgrund seines Handelns, von Gott geliebt und angenommen werde.
Während der ungefähr dreißig Jahre andauernden Troubles galt die Polizei in Nordirland als gefährlichste Polizeieinheit, in der man weltweit dienen konnte. Das erkannte man bereits an ihrer Ausrüstung: Die Polizisten trugen nicht bloß Waffen und Schlagstöcke, sondern auch kugelsichere Westen und Helme und fuhren in stahlverstärkten Polizeiwagen, sogenannten Saracens, Streife – zum Schutz vor Anschlägen. Früher bestand die RUC, eine Abkürzung von Royal Ulster Constabulary, also Königliche Polizeiwache von Ulster, überwiegend aus protestantischen Mitgliedern. Seit 2001 heißt sie Police Service of Northern Ireland und es müssen in ihr gleichermaßen Katholiken wie Protestanten vertreten sein.
Während der Unruhen wurden 319 Polizisten getötet und an die 9000 verwundet. Umgekehrt tötete die RUC im selben Zeitraum 55 Menschen, darunter 28 Zivilisten, also Bürger, die nicht gekämpft hatten. Die Zahlen schwanken und werden immer wieder, je nach Quelle, unterschiedlich angegeben; in den Verhältnissen stimmen sie aber überein.
Vielleicht kennst du das auch? Menschen erfinden manchmal Schimpfwörter für andere, wenn sie ihnen fremd erscheinen. Die Briten werden deshalb gelegentlich auch Tommys genannt. Das kommt aus jener Zeit, als auf den Musterbögen zur Aufnahme in die britische Armee der Name Thomas Atkins als Mustername stand – ähnlich wie unser Max Mustermann. Später wurde daraus verkürzt Tommy als allgemeine Bezeichnung für einen britischen Soldaten. Der irische Name Tadgh dagegen kam einmal so häufig in Irland vor, dass auch er schließlich als Bezeichnung für einen Iren galt – wie heute vielleicht Paddy oder Mick.
Ulster ist eine Region im Norden Irlands. Ihr gehören drei Grafschaften aus der Republik Irland und sechsundzwanzig Distrikte aus Nordirland an. Manchmal wird der Begriff Ulster verwendet, als stünde er für Nordirland. Sachlich betrachtet ist das aber falsch.
Der Union Jack ist die Nationalflagge des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Dabei wurden drei Flaggen übereinandergeschichtet: Das rote Georgskreuz der Engländer auf weißem Grund, das weiße Andreaskreuz der schottischen Flagge auf blauem Grund und das rote Patrickskreuz der nordirischen Flagge auf weißem Grund.
Hast du gewusst, dass das lateinische Wort Britannia – aus dem später Großbritannien wurde – von dem keltischen Begriff brith stammt, was buntfarbig oder gefleckt bedeutet? Bunt war dieses Land also von Anfang an.