Kapitel 5: Offiziell verärgert
ICH WARF DIE Keule über die Schulter und ging auf das Stadttor zu, wo die Händler ihre Waren anpriesen, doch der Wächter Mills hielt mich an.
„Steck deine Keule ein, junger Mann!”
„Darf man hier keine Waffen tragen?”
„Du nicht. Die Stadt traut dir nicht. Ich traue dir nicht. Steck deine Keule weg!”
Er legte eine Hand an den Griff seines Schwertes, das in der Scheide steckte, und starrte mich erwartungsvoll an. Offenbar hatte ich nicht genug Ansehen bei der Stadt. Um ehrlich zu sein, ich hatte überhaupt kein Ansehen, darum misstrauten die Einwohner mir. Ich nickte und platzierte die Keule in meinem Inventar. Es war eine der altmodischen Spielkonventionen, die Snowstorm Inc. zum Nachteil der Realität in Dis beibehalten hatte. Das Inventar folgte nicht den uns bekannten Gesetzen der Physik. Sein Speicherraum befand sich außerhalb unseres räumlichen Kontinuums, sodass es möglich war, Gegenstände aller Größen darin aufzubewahren. Die einzigen Beschränkungen waren die Anzahl der Plätze, die ein Spieler in seinem Inventar hatte, und das Gewicht der Gegenstände, das sich nach der Tragfähigkeit des jeweiligen Spielers richtete.
Auf der Hauptstraße ging ich direkt auf das Rathaus zu. Ich konnte fühlen, dass Mills‘ misstrauische Blicke mich verfolgten. In Tristad hielten sich jede Menge Leute auf, obwohl viele unterwegs waren, um gegen die Klasse-Z-Gefahr zu kämpfen. Der unglückselige Spieler war wahrscheinlich nur zufällig Nekromant geworden und hatte sich sicher übernommen. Ich wusste nicht viel darüber, aber ich hatte gehört, dass in Disgardium Gefahren oft zufällig ausgelöst wurden, um das Gameplay zu variieren und zu verhindern, dass die Entwicklung der Spieler stagnierte. Auf allen Levels wurden mehr und mehr „Gefahren” generiert.
Eine andere Frage war, welche Vorteile die Spieler, die als eine solche Gefahr eingestuft worden waren, von ihrer Rolle als globale Sündenböcke hatten. Irgendwann war ich neugierig geworden und hatte in den Foren nach Informationen gesucht, doch außer Gerüchten und Geheimnissen hatte ich nichts gefunden. Ich hatte den Eindruck gewonnen, dass das Unternehmen ihnen schlicht und einfach verboten hatte, irgendetwas verlauten zu lassen, und starke Druckmittel einsetzte, um alle Versuche im Keim zu ersticken.
Durch meine schwachen Attribute war es schwierig für mich, durch die Menge zu kommen. Alle um mich herum waren stärker, schwerer und mächtiger als ich.
Als ich zwischen einem Krieger in Plattenrüstung und einem Mädchen hindurchschlüpfte, trat ich aus Versehen auf den Saum ihres Kleides. Der Stoff gab nach und riss deutlich vernehmbar. Die Beine des Mädchens waren entblößt, sie stolperte und wäre fast gefallen, doch der geharnischte Typ stützte sie mit einer Hand. Mit der anderen Hand packte er mich beim Kragen.
„Hey, beweg dich nicht!”, bellte er drohend.
„Ich bewege mich nicht”, seufzte ich enttäuscht.
Nach den Neuigkeiten über die Scheidung meiner Eltern hatte ich das Gefühl, als ob es für mich kein Licht am Ende des Tunnels geben würde, und dieser Vorfall war nur ein weiterer böser Scherz, den das Leben mir spielte.
„Du hast die Kleidung dieser Dame beschädigt!”
Die „Dame” war ein 14-jähriges Mädchen namens Vista auf Level 1 und der bullige Typ, der sich als Ritter aufspielte, war ein Level-12-Krieger namens Crag alias der 15-jährige Tobias Asser. Eine ziemlich billige Anmache, aber Vista stand offenbar darauf und sah mich fordernd an.
„Es war ein Versehen. Ich bitte um Entschuldigung ...”
„Eine Entschuldigung reicht nicht aus. Du musst sie entschädigen!”, rief Crag und zog seine Worte in die Länge. Befriedigt sah er Vista an. Sie lächelte zweideutig und war kein bisschen verlegen, dass sie halbnackt war.
„Entschädigen? Wofür? Es ist ein standardmäßiges Kleid für Anfänger. Lass sie sterben und in ihr Zimmer im Gasthaus gehen. Dort kann sie sich ein neues aus ihrer Truhe holen.”
„Ich habe es aber eilig, mein Freund wartet auf mich!”, beschwerte Vita sich. „Und jetzt soll ich wegen irgendeines Blödmanns respawnen?”
„Es war ein Versehen!”
„Bezahle für den Schaden, oder ich rufe die Wache!”, brüllte der Krieger.
„Ich habe kein Geld, also ...”
„Wache!”, schrie Crag. „Ich habe einen Kriminellen gefasst!”
Also wirklich. So ein Unsinn! War das sein Ernst? Ich versuchte, mich zu befreien. Mein Hemd riss, doch der Krieger ergriff mich am Arm. Ja, er wollte mich tatsächlich ausliefern!
„Komm schon, Crag. Warum willst du die Wache mit hineinziehen? Ich habe wirklich kein Geld.”
„Ja, sicher, Freundchen. Du bist seit über einem Jahr hier und ich soll dir glauben, dass du nicht mal eine einzige Kupfermünze besitzt? Erzähl das den Wachen ... Da sind sie ja!” Crag zerrte mich vor drei Wachen, die herbeigelaufen waren. „Wachmann Gale, dieser Kriminelle hat das Kleid der eleganten Dame Vista beschädigt und muss bestraft werden!”
„Wir wollen den Richter entscheiden lassen, ob er ein Krimineller ist oder nicht”, brummte Gale. „ Nehmt ihn mit, Leute!”
Die Wachen hoben mich unter den Achseln hoch. Gale zeigte ihnen, wohin sie gehen sollten, und bellte laut: „Macht Platz für die Wache!”
Die Leute machten einen Weg frei. „Du bist so stark!”, hörte ich Vistas Stimme noch hinter mir. Crags Antwort konnte ich nicht mehr verstehen, aber er war sicher sehr zufrieden mit sich. Im Spiel Mädchen aufzureißen war nichts Neues, genauso wenig wie die Tatsache, dass einige von ihnen nicht davon abgeneigt waren, sich von einem hochleveligen Spieler, dem sie im Vorübergehen schöne Augen gemacht hatten, helfen zu lassen.
‚Ihr seid doch alle nicht ganz dicht!‘ Dieser Gedanke ging mir immer wieder durch den Kopf, bis die Wachen mich absetzten. Die Leute verhielten sich, als ob dies das reale Leben wäre und nicht nur ein Rollenspiel, in dem sie einen Charakter spielten. Das ging mir gewaltig gegen den Strich.
Nach einigen Blocks zogen die Wachen mich in eine leere Gasse und drückten mich gegen die Wand. Gale, der Anführer der Wache, kam mit seinem Gesicht dicht an meins und rülpste laut. Sein Atem stank nach Fleisch und Zwiebeln. Dann flüsterte er: „Was sagst du dazu, wenn wir uns ohne Richter einigen? 3 Kupfer, für jeden von uns eine, und wir lassen dich frei. Abgemacht?”
„Ich habe kein Geld, Wachmann Gale.”
„Denke kurz darüber nach.”
„Selbst wenn ich den ganzen Tag darüber nachdenke, wird es nichts daran ändern, dass ich kein Geld habe.”
„Nicht mal 1 Kupfermünze für uns, damit wir nach unser Schicht etwas Dampf ablassen können?”
„Wenn ich 1 Kupfermünze hätte, hätte ich sie dem Mädchen gegeben, Wachmann Gale.”
„Verdammt!” Ärgerlich schlug er mit seinem Plattenhandschuh gegen die Wand und runzelte die Stirn, während er überlegte, was er aus mir herausquetschen könnte.
„Was ist, Gale, bringen wir ihn zum Gericht?”, erkundigte sich einer seiner Kollegen. „Vielleicht hat er ...”
„Zur Hölle mit ihm!”, entschied Gale. „Lasst uns verschwinden. Und du hältst dich in Tristad besser bedeckt, Scyth. Du hast uns offiziell verärgert!”
Dein Ansehen bei der Stadt Tristad ist um 5 gesunken.
Derzeitiges Ansehen: Misstrauen
Die Wachen machten sich davon und hatten mich sofort vergessen. In Gedanken saßen sie wahrscheinlich bereits mit ihren Freunden im Gasthaus, um zu trinken und Karten zu spielen.
Ich sah mir den Fortschrittsbalken für mein Ansehen in Tristad an. Die Stadt war mir zwar noch nicht feindlich gesinnt, doch es würde nicht mehr lange dauern. So weit durfte ich es nicht kommen lassen, sonst würde ich nicht mehr in die Stadt hineinkommen.
Ich rannte zum Rathaus und hoffte, dass es noch nicht geschlossen hatte. Am Eingang hing eine Anschlagtafel, auf der die aktuellen Missionen standen.
Straße kehren: 1 ganzer Arbeitstag. Belohnung: 1 Kupfermünze, 1 EP
Post austragen: Erfordert Beweglichkeit über 5, 1 ganzer Arbeitstag. Belohnung: 2 Kupfermünzen, 2 EP
Unkraut jäten: 1 ganzer Arbeitstag, erfordert Level 1 in Kräuterkunde. Belohnung: 2 Kupfermünzen
Grenze zum Düsterwald bewachen: 1 ganzer Arbeitstag, erforderliches Level: höher als 10. Belohnung: Anteil an der Beute, 10 Silbermünzen, 30 EP
Ich las mehrere Dutzend dieser sogenannten Tagesmissionen, Quests für das öffentliche Wohl, die einmal pro Tag erneuert wurden. Doch jede Anzeige war mit dem gleichen Stempel versehen: „Mission nicht verfügbar. Bitte morgen wiederkommen!”
Das war verständlich, denn es wurde langsam Abend. Außerdem war die Anzahl der freien Plätze begrenzt. Die Stadt konnte schließlich nicht 1.000 Leute schicken, um in einem Garten Unkraut zu jäten. Es war zwar unmöglich, das Unkraut ganz zu vernichten – es wuchs jeden Tag nach –, doch alles hatte seine Grenzen.
Heute würde ich keine Tagesmission mehr bekommen können, doch ich konnte mein Glück beim Ersten Stadtrat Whiteacre versuchen. Als ich das Rathaus betrat, entdeckte ich ihn in einer kleinen, gemütlichen Halle, die mit Holzfußboden und einem riesigen Kerzenleuchter ausgestattet war. Whiteacre ging in der Halle hin und her, seine Hände hinter dem Rücken verschränkt. Als er mich sah, hielt er inne und lächelte mir freundlich zu.
„Scyth! Wie schön, dich zu sehen! Gefällt dir dein Aufenthalt in Tristad?”
Seine Liebenswürdigkeit, egal, wie gestellt sie auch sein mochte, freute mich. Ich wusste, dass er ein von künstlicher Intelligenz gesteuerter NPC war, aber nachdem sich die Wachen etwas zu realistisch benommen hatten, fühlte ich mich durch seine Freundlichkeit etwas besser.
„Es ist eine schöne Stadt mit netten Einwohnern, Stadtrat Whiteacre. Es gefällt mir hier sehr gut.”
„Ausgezeichnet!”, erwiderte er überschwänglich. „Wie kann ich dir helfen?”
„Ich möchte der Stadt von Nutzen sein. Hätten Sie vielleicht einige Missionen für mich?”
„Aber natürlich, verehrter Scyth! Wir freuen uns immer, wenn unsere Besucher hilfreich sein wollen. Lass mich überlegen ...” Er erhob den Zeigefinger. „Ich habe eine sehr wichtige Aufgabe für dich!” Das klang gut. Für gewö hnlich äußerte er die Worte „sehr wichtig” nicht, sondern kam gleich zur Sache und vergab die Quest.
„Ich werde mein Bestes tun! Was kann ich für Sie erledigen, Stadtrat Whiteacre?”
Er warf mir einen skeptischen Blick zu. „Nun ja, es ist eine etwas heikle Angelegenheit. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich überhaupt bitten kann ...”
„Natürlich können Sie das! Ich erledige die Sache so schnell wie möglich, und sie bleibt natürlich unter uns.”
„Also gut.” Er nickte. „Gehe zur Konditorei Kuchenduft. Sie befindet sich auf der Bäckerstraße. Weißt du, wo das ist?”
„Ja, Herr Stadtrat.”
„Sehr gut”, sagte er und rieb sich die Hände. „Richte Frau Großmann aus, dass heute Nacht wegen ... unvorhergesehener Komplikationen an der rechten Flanke ausfällt.”
„Und?” Ich war überrascht, dass ich kein Questfenster sah. War es vielleicht der erste Teil einer einzigartigen Kettenquest? „Ist das alles?”
„Ja, mein lieber Scyth. Das ist alles. Wirst du die Aufgabe erledigen? Weißt du noch, was du tun sollst?”
„Frau Großmann, Kuchenduft, heute Nacht fällt wegen unvorhergesehener Komplikationen an der rechten Flanke aus. Ich laufe sofort los, Stadtrat Whiteacre!”
Wie ein Pfeil schoss ich geradewegs zur Bäckerstraße. Ich wusste genau, wo sich die Konditorei befand. Eve und ich hatten ein paar Mal einen Spaziergang dorthin unternommen. Vorsichtig lief ich um Passanten herum, um weiteren Ärger zu vermeiden, und erreichte den Laden gerade als mein Energiebalken auf null gesunken war. Ich hatte es in knapp 5 Minuten geschafft.
Der Laden war leer. Die liebenswürdig aussehende, stattliche Frau Großmann hörte sich die Nachricht mit steinernem Gesichtsausdruck an und nickte schweigend. Ich trat von einem Fuß auf den anderen, weil ich eine Antwort erwartete, doch sie fing wieder an, das übriggebliebene Gebäck in einen großen Sack zu verfrachten.
„Entschuldigung ... Frau Großmann?”
„Ja? Ist das alles?”
„Ja, ich habe Ihnen die ganze Nachricht Wort für Wort überbracht.”
„Gut, brauchst du noch etwas? Möchtest du etwas von meinem frischen Gebäck kaufen?”
„Äh ... Nein, ich wollte nur fragen, ob Sie eine Bitte an mich haben. Soll ich dem Ersten Stadtrat vielleicht Ihre Antwort bringen?”
„Nicht nötig. Obwohl ...” Sie runzelte die Stirn. „Sage ihm, dass wegen der rechten Flanke etwas unternommen werden muss. So kann es nicht weitergehen. Das ist alles. Geh jetzt, du stehst mir nur im Weg.”
Darauf hatte ich gewartet. Ich war gespannt, wie der Erste Stadtrat Whiteacre reagieren würde. Meine Energie reichte aus, um den ganzen Weg zurückzulaufen.
„Es muss etwas unternommen werden?”, wiederholte er, nachdem er Frau Großmanns Nachricht gehört hatte. „In Ordnung. Danke, Scyth.” Der Erste Stadtrat lächelte augenzwinkernd und machte sich pfeifend auf den Weg zurück in sein Büro.
Was? Keine Erfahrung? Zum Teufel mit dieser Kettenquest, sie hatte mir noch nicht mal eine klägliche Kupfermünze eingebracht. Aber was noch frustrierender war, ich hatte keinen einzigen Erfahrungspunkt bekommen.
„Stadtrat Whiteacre! Warten Sie!”
„Ja?”, fragte er ungeduldig und wandte sich um. „Was gibt es noch, Scyth?”
Ich atmete tief ein und wieder aus. Na gut, nichts Neues in einem Onlinespiel. Ich hatte 10 Minuten vergeudet, keine große Sache. Aber jetzt brauchte ich eine Quest, die ich mit meinem Charakter abschließen konnte, um stärker zu werden.
„Hätten Sie vielleicht noch andere Missionen für mich?”
„Tut mir wirklich leid, Scyth.” Er hob hilflos die Arme. „Alle heutigen Missionen sind bereits vergeben worden. Komm morgen wieder, ich lasse mir etwas für dich einfallen.”
„Ich werde morgen wiederkommen, Sie können sich darauf verlassen. Danke, Stadtrat Whiteacre. Und vielleicht hätten Sie etwas Interessanteres für mich, als Straßenkehren oder Post austragen?”
Er hatte nach wie vor ein Lächeln auf dem Gesicht, doch es erreichte seine Augen nicht mehr. Er betrachtete mich durchdringend, während ihm ein bestimmter Gedanke durch den Kopf zu gehen schien. „Etwas Interessanteres?”
„Ja, etwas weniger Langweiliges.”
„Weniger langweilig? Aha, ich verstehe. Das Reinigen öffentlicher Bereiche und die pünktliche Postzustellung sind sehr wichtig für unsere Stadt. Es gibt viele Dinge in diesem Leben, die für die Gesellschaft große Bedeutung haben, jedoch nicht unbedingt interessant sind. Arbeit soll keinen Spaß machen. Leute werden nicht dafür bezahlt, Spaß zu haben. Besucher erweisen unserer Stadt einen Dienst, indem sie diese ‚langweiligen‘ Aufgaben übernehmen, und die Stadt vergilt es ihnen, indem sie ihnen Respekt entgegenbringt und sie willkommen heißt. Aber wenn Neuankömmlinge über diese grundlegenden Aufgaben, die Tristad zu einer attraktiven Stadt mit einem bequemen Lebensstil machen, die Nase rümpfen, heißt das ... Es heißt, dass diese Besucher nicht in Tristad willkommen sind. Die Stadt kann Besuchern wie dir keine wichtigen Aufgaben anvertrauen, Scyth.”
„Wie bitte?”
„Es tut mir leid, aber ich muss dich abweisen. Die Stadt wird dich nicht länger für soziale Tagesmissionen einstellen, wenigstens solange ich etwas zu sagen habe.”
Dein Ansehen bei der Stadt Tristad ist um 5 gesunken.
Derzeitiges Ansehen: Misstrauen
Er wandte sich ab, um mir zu signalisieren, dass ich gehen sollte. Mein Ansehen war der Stufe „Feindlich gesinnt” noch näher gekommen. Doch das Schlimmste war, dass Tristad der einzige Ort in der gesamten Sandbox war, wo ein Spieler meines Levels eine Quest erhalten konnte. Ich musste die Sache wieder in Ordnung bringen!
„Stadtrat Whiteacre!”
„Das Gespräch ist beendet”, antwortete er, ohne sich umzudrehen.
„Es tut mir leid! Ich habe mich falsch ausgedrückt! Es ist nur ... Ich konnte es nicht abwarten, etwas zum Wohle der Stadt zu tun, aber alle öffentlichen Arbeiten für heute sind bereits erledigt worden ...”
„Was?” Ich hatte scheinbar sein Interesse geweckt. Er lächelte zwar nicht, doch er hatte angehalten und sich zu mir umgedreht.
„Kann ich der Stadt nicht doch noch irgendwie von Nutzen sein? Das würde mich sehr freuen!”
„Also gut”, gab er mit einem aufrichtigen Lächeln nach. „In Ordnung. Ich weiß, dass es für einen jungen Menschen wie dich manchmal schwierig sein kann, seine Gedanken richtig zu formulieren.” Offensichtlich machte er sich über mich lustig und hatte mich gerade einen Idioten genannt.
„Sie haben recht”, antwortete ich und machte gute Miene zu seinem Spiel. „Es ist wirklich schwierig für mich, die richtigen Worte zu finden, verständliche Sätze daraus zu bilden und ...”
„Genug mit dem Herumalbern”, unterbrach der Erste Stadtrat mich. „Der Tempel von Nergal dem Leuchtenden. Die Gruft. Irgendetwas geht da unten vor. Etwas Übles. Finde heraus, was es ist, und kümmere dich darum.”
Nach seinen letzten Worten erschien ein Questfenster.
„Etwas Übles”
Der Erste Stadtrat von Tristad, Peter Whiteacre, möchte, dass du herausfindest, was in der Gruft des Tempels von Nergal dem Leuchtenden Probleme verursacht, und dass du dich darum kümmerst.
Belohnung: 1 Silbermünze, 100 EP
Empfohlenes Mindestlevel: 5
Strafe bei Ablehnung der Mission: Dein Ansehen bei der Stadt Tristad sinkt auf „Feindlich gesinnt”.
Jetzt machte er sich wirklich über mich lustig. Ich blickte von der Questbeschreibung zum Ersten Stadtrat, um abzuschätzen, ob der verwirrte Ausdruck auf meinem Gesicht echt genug aussah.
„Was tust du noch hier? Beweise deinen Wert für die Stadt, Scyth!”
Er hatte keine Witze gemacht! Ich nahm die Quest an, und Whiteacre nickte zufrieden .
„Wie viel Zeit habe ich?”, fragte ich. Von Panik erfasst dachte ich, dass meine einzige Möglichkeit wäre, zu leveln, indem ich Mobs mit meiner gerade erhaltenen Keule erschlagen würde, um dann in etwa ein oder zwei Monaten in die Gruft gehen zu können.
„Du hast mehr als genug Zeit”, antwortete er mir wohlwollend. „Mehr als genug. Ich erwarte morgen am Ende des Arbeitstages dein Resultat. Mach dich jetzt am besten auf den Weg.”
Auf den Weg? Ich war heute so oft fortgeschickt worden, dass ich nicht wusste, welchen Weg ich einschlagen sollte.