Kapitel 30: Vorausgezahlt
DER PEITSCHENDE WIND
und der Nieselregen waren der Grund, warum niemand auf dem Dach war. Ich rannte zum Eingang des Gebäudes. Wie sollte ich Trixie finden? Wir hatten keine Zeit für unser Treffen abgemacht. Ich hatte nur versprochen, am Wochenende zu kommen.
Die Tür öffnete sich zischend, aber niemand kam heraus, um mich zu begrüßen. Ich betrachtete es als Einladung und ging hinein.
Vor mir befand sich eine Metalltreppe, die nach unten führte. An der Decke hing eine alte Leuchtstofflampe, die summte und knackte und den Gang nur mangelhaft beleuchtete. Das flackernde Licht produzierte skurrile Schatten, die den Eindruck vermittelten, als würde sich jemand verstecken. Fast hätte ich gekniffen und wäre zu meinem Auto zurückgegangen, doch dann überwand ich meine Angst. Ich machte mir jedoch keine Illusionen hinsichtlich des orbitalen Verbrechenserfassungssystems. Hier draußen würden sie ganz bestimmt nichts erfassen, vor allem nicht in einem Gebäude. Meine einzige Hoffnung war, dass das Gesundheitsministerium ü
ber meinen Gesundheitszustand informiert war. Falls mir etwas passieren sollte, würde in 10 Minuten ein Krankentransport eintreffen.
Was das Licht betraf, hatte ich so etwas noch nie gesehen. Unser Gebäude war mit leuchtenden Wänden und Decken ausgestattet. Seit Langem schon hatte niemand mehr Glühbirnen wie diese benutzt. Jeder wusste, dass sie die Umwelt schädigten.
Ich hielt mich am Geländer fest, als ich die Treppe hinunterstieg. Schließlich erreichte ich einen langen Korridor. Große Buchstaben an der Wand informierten mich darüber, dass ich mich auf der 100. Etage in Block 39 befand. Genau wie der verstorbene Clayton wohnte Trixie in Block 36, doch ich kannte weder die Etage noch die Nummer seines Zimmers. Sollte ich dem Korridor folgen oder weiter nach unten gehen? Unentschlossen ging ich zur Treppe zurück.
„He!”, rief jemand mit zerzaustem, grauem Haar zu mir herauf. „Hier unten.”
„Trixie?” Ich konnte nicht erkennen, wer aus der Dunkelheit gerufen hatte.
„Trixie ist in Dis
. Er hat mich gebeten, nach dir Ausschau zu halten. Komm schon, bevor ich mir eine Lungenentzündung hole und sterbe”, murmelte die Stimme von unten. „Wir sollten uns beeilen, ich bin kein offizielles Empfangskomitee.”
Ich hörte quietschende Räder. Die Stimme wurde leiser und leiser, als sie sich entfernte. Ich sprang die Treppe hinunter und lief los, um ihn
einzuholen. Allem Anschein nach handelte es sich um Trixies Großvater, den alten Mann im Rollstuhl, den ich ihn alten Mann, als er in einen weiteren Korridor bog.
„Tut mir leid, Herr ...” Ich hielt inne, um ihm Gelegenheit zu geben, seinen Namen zu sagen, doch er schwieg spöttisch. Seine alten Augen betrachteten mich müde. „Sind Sie Trixies Großvater?”
Er nickte und wartete, um zu sehen, ob ich weitersprechen würde, aber sein Blick drückte nicht das geringste Interesse aus.
„Ich habe versprochen, Trixie zu besuchen und ihm Donuts mitzubringen. Falls er gerade beschäftigt ist, könnten Sie sie ihm von mir geben?” Ich nahm meinen Rucksack ab und holte die Packungen mit den Donuts heraus, aber der alte Mann ergriff meine Hand.
„Furtado”, sagte er. „Mein Name ist Furtado. Und niemand hat mich je mit ‚Herr‘ angesprochen, also fang du nicht damit an, Junge. Alex, richtig? Trixie hat mir deinetwegen in den Ohren gelegen. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, warum. Aber ich erinnere mich an dich. Du warst hier, um Clayton zu besuchen. Du kannst mich Harold nennen. Komm jetzt.”
Er fuhr seinen Rollstuhl mit kräftigen Stößen den Korridor hinunter, in dem überall Müll herumlag. Darüber hinaus war er schlecht beleuchtet, mehrere Glühbirnen waren ausgebrannt oder zerschlagen worden. Je dunkler es war, desto schneller fuhr der
Mann mit seinem Rollstuhl. Ich stolperte ständig über Kisten und Eimer und fiel schließlich über einen Ziegelstein, wobei ich mir die Hand an ein paar Glasscherben aufschnitt. Kurz darauf stieß ich auch noch mit dem Oberschenkel gegen einen Tisch, der den engen Gang fast völlig blockierte.
Der alte Mann lachte, als er mich vor Schmerz stöhnen und fluchen hörte. Er murmelte etwas zu sich selbst.
„Bleib nicht zurück”, murrte er wieder. „Wir sind fast da.”
Nach ein paar weiteren Ecken hatten wir den „Schuhkarton” erreicht, den er sich mit seinem Enkel teilte. Schatten standen im Korridor herum, Zigaretten glühten in der Dunkelheit. Überall waren Stimmen zu hören. Hysterisches Lachen, Streit, Schreie und normale Gespräche.
Eine enge Tür glitt zur Seite. Der alte Furtado drehte seinen Rollstuhl mit virtuosem Geschick und rollte in den Raum. Ich folgte ihm.
Ein Drittel des kleinen Zimmers war von einer virtuellen Realitätskapsel belegt. Nicht die gleiche, die ich hatte, sondern nur ein Basismodell, das allen Nicht-Bürgern zugewiesen worden war. Unter dem geschlossenen Deckel ging etwas vor sich. Ein kleiner Bildschirm auf der Kapsel zeigte Protokolle, die den Zustand des Spielers wiedergaben: Puls, Blutdruck und Erschöpfungsgrad, alle im gelben Bereich. Trixie musste in Dis
körperlich sehr aktiv sein. Vielleicht kämpfte
er gerade.
„Du musst etwas warten”, bemerkte sein Großvater. „Setze das Wasser auf, wir können einen Tee trinken.”
„Wird es noch lange dauern?”, erkundigte ich mich.
„Wer weiß.” Der alte Mann zuckte die Schultern. „Wenn sie ihn töten, kann er das Spiel verlassen. Was ist denn mit deiner Hand? Hast du dich geschnitten? Hol das Desinfektionsmittel aus dem Regal und reinige die Wunde. Man kann sich hier alle möglichen Krankheiten holen. Erst vor Kurzem ist ein armer Kerl an Tetanus gestorben.”
Ich fand eine Plastikflasche mit Alkoholgel zwischen einem Haufen von Klebeband, Drähten, Schrauben, Nägeln und Coupons. „Dies hier?”
„Ja”, bestätigte Furtado. „Spritz dir etwas davon auf deine Hand und verreibe es.”
Ich drückte einige Tropfen heraus und tat, was der alte Mann gesagt hatte. Ich konnte kaum einen Schrei unterdrücken, so stark brannte der Alkohol in der Schnittwunde meiner Hand. Harold nickte befriedigt.
Danach goss ich Wasser aus einem Kanister in einen elektrischen Wasserkocher, steckte den Stecker in die Steckdose an der Wand und suchte einige Zeit nach dem Knopf, um ihn einzuschalten. Er reagierte nicht auf Sprachbefehle und hatte weder eine Reinigungs- noch eine Desinfizierungsfunktion. Das beunruhigte mich. Als ob das Wasser in dem Kanister nicht schon Grund genug gewesen wäre, mir
Sorgen um meine Gesundheit zu machen.
Während ich mich mit dem vorsintflutlichen Gerät vertraut machte, rief der alte Mann jemandem zu: „Ja, er ist hier. Komm auf eine Tasse Tee rüber, dann kannst du ihn kennenlernen.”
Ich sah Furtado fragend an, aber er hob eine Hand und sagte zu meiner Beruhigung: „Alles in Ordnung, es ist ein Freund.”
„Ein Freund?” Das beruhigte mich kein bisschen. „Welcher Freund?”
„Du wirst schon sehen”, antwortete der alte Mann mehrdeutig. Er rollte an mir vorbei und deckte einen kleinen Falttisch. „Hol deine Donuts heraus.”
Ich stellte eine Packung auf eine alte Tischdecke. „Haben Sie eine Möglichkeit, sie aufzuwärmen? Sie sind kalt geworden.”
„Sie schmecken auch so”, winkte Harold ab.
Ich wollte diesen „Freund” nicht kennenlernen, weil ich befürchtete, dass Trixie ihm etwas über mich verraten würde, und das könnte meinen ganzen Plan durchkreuzen.
„Tut mir leid, Herr Furtado. Mein fliegendes Auto wartet auf mich. Grüßen Sie Trixie von mir.”
„Wie du willst”, erwiderte er. Er gab etwas in eine kleine, schäbige Teekanne aus Porzellan, deren Ausgießer einen Sprung hatte, und füllte sie dann mit kochendem Wasser. „Kannst du den Weg zum Dach allein finden?”
„Ähm ... Geradeaus, links, wieder geradeaus und dann
rechts?”
„Glaub mir, auf diese Weise kommst du nie aus dem Gebäude heraus. Und es ist zu schwierig für mich, dich herumzuführen. Warte, bis Trixie aus dem Grab steigt, oder warte auf Hank. Er kommt gleich vorbei. Einer von beiden kann dich zu deinem Auto bringen.”
„Hank?” Der Name sagte mir nichts, darum wurde ich noch unruhiger.
„Du weißt schon, der Kerl, den du schon einmal getroffen hast. Ich weiß nicht, was er von dir will, aber sobald Trixie deinen Namen erwähnt hatte, hat er gestrahlt”, murmelte der alte Mann. Er hob den Deckel der Kanne und roch hinein. „Oh, sehr gut. Es ist nicht leicht, guten Tee zum Aufbrühen zu finden. Der Mist, den sie verkaufen, ist so teuer, dass man eine Niere hergeben muss, um ihn bezahlen zu können. Und den löslichen Tee können sie behalten”, fügte er verächtlich hinzu. „Also gut, setz dich hin und mach es dir gemütlich. Ich wette, dass du so etwas noch nie probiert hast.”
„Ich habe schon öfter Tee getrunken!”, protestierte ich.
„Er hat schon öfter Tee getrunken, sagt er”, murmelte Furtado empört. „Tee soll nicht getrunken werden, es ist kein Wasser. Tee muss in kleinen Schlucken genossen werden. Am besten mit einem Stück Würfelzucker im Mund. Zu schade, dass es keinen Zucker gibt, aber diese Donuts tun es auch. Oh, sogar mit Streuseln!” Er reichte mir eine Tasse mit braunen Linien unter dem Rand. „Hier, nimm ein
paar kleine Schlucke.”
An der Tür erklang ein durchdringender Ton. Ich zuckte zusammen und verschüttete etwas von dem Getränk auf dem Tisch. Wenn das Hank war, erwartete ich nichts Gutes.
„Du erschreckst wohl leicht, was?” Furtado rollte ärgerlich vom Tisch weg, um einen Lappen zu holen. „Wovor hast du Angst? Das war die Klingel. Geh und öffne die Tür!”
Der alte Mann ging mir langsam auf die Nerven. Was bildete er sich ein, mir Befehle zu geben? Selbst meine Eltern sagten ‚bitte‘, wenn ich etwas für sie tun sollte. Ich war schließlich über den halben Kontinent geflogen, um ihn und Trixie zu besuchen, und hatte sogar Donuts mitgebracht. Was hatte er je für mich getan?
Ich sagte jedoch nichts. Aus Respekt vor seinem Alter und seiner körperlichen Verfassung hielt ich mich zurück und tat, was er gesagt hatte. Ich erhob mich von dem quietschenden Stuhl und war in wenigen Schritten bei der Tür. Wer war dieser Mann überhaupt? Er war ein Nicht-Bürger, darüber hinaus wusste ich nicht viel über ihn. Das bedeutete, dass er praktisch keine Person war.
„Dreh den Schlüssel dreimal um und schiebe den Riegel zurück, aber nimm die Kette nicht ab. Sieh erst nach, wer es ist.”
Seine Anweisungen waren verwirrend für mich, aber ich bat ihn nicht um eine Erklärung, denn ich wollte nicht wie ein Idiot erscheinen.
Ich drehte, was sich drehen ließ, öffnete das Schloss, schob den Metallbolzen zur Seite und öffnete die Tür einen Spalt.
„Guten Tag”, begrüßte ich den Mann, der im Türrahmen stand.
„Alex alias Scyth, nehme ich an?”, fragte er.
„Höchstpersönlich. Und Sie müssen Hank sein.”
„Genau. Hank Almeida. Lässt du mich rein, oder was?”
„Lass ihn rein, Junge!”, rief Harold. „Er ist ein Freund.”
Es war schwer zu sagen, wie alt der Gast war. Er sah jung aus, aber um die Augen herum hatte er Krähenfüße. Er war mager, und seine Schulterknochen standen hervor. Hank trug eine Trainingshose, Laufschuhe und ein schwarzes T-Shirt. Seine Kleidung sah alt aus, aber in Cali Bottom war alles alt und gebraucht.
Hank zog einen Nachttisch zwischen den alten Mann und mich und setzte sich darauf. Dann nahm er die Teekanne, goss sich etwas Tee ein und nahm sich einen Donut aus der Packung, ohne um Erlaubnis zu fragen. Der alte Mann wies ihn nicht zurecht, darum musste Hank tatsächlich ein Freund sein.
„Schön, dich kennenzulernen, Alex.”
„Was willst du von ihm, Hank? Ich habe so eine Ahnung”, sagte der alte Mann.
„Ich kann es nicht direkt sagen.” Hank hielt seine Nase über den Donut und atmete
den Duft ein, doch er biss nicht hinein. Danach legte er ihn vorsichtig wieder in die Packung zurück. „Dieser Duft! Vor einigen Jahren war ich ganz verrückt nach Apfelkuchen. Nicht so einen, den sie in Dis
servieren, sondern einen echten aus Teig und Äpfeln, wie Großmutter ihn immer gemacht hat ...”
„Oh, erinnere mich nicht daran”, seufzte Furtado.
„Ich werde es versuchen, Harold”, sagte Hank. „Ich konnte nicht aufhören, vom Geschmack des Apfelkuchens zu träumen. Ich bin fast durchgedreht! Also habe ich meinen gesamten Verdienst aus Dis
gespart und bin in die Stadt geflogen, um Mehl und Äpfel zu kaufen. Im Supermarkt ist mir das Wasser im Mund zusammengelaufen. Echte Lebensmittel! Schinken, Fleisch, Nudeln! Echtes Gemüse, frisch vom Bauernhof! Und der Duft ... Die Erinnerungen sind immer noch sehr lebendig.” Sein Magen begann zu knurren. „Entschuldigung. Der Supermarkt hieß übrigens Pherax. Hast du den Namen schon mal gehört, Alex?”
Pherax? Darum ging es also. Wenn Hank den Endboss im Gefängnis von Tristad gesteuert hatte, wusste er alles. Verdammt!
Ich nickte kurz, um ihn wissen zu lassen, dass ich ihn verstanden hatte.
„Wie auch immer, ich bin durch den ganzen Laden gegangen, weil ich nach billigem Mehl und Eipulver gesucht habe. Zuerst hatte ich echte Eier kaufen wollen, aber der Preis war zu hoch. Verstehst
du?”
„Ja.” Ich schluckte schwer. Vermutlich würde er versuchen, mich zu erpressen. Ehrlich gesagt wäre das besser, als wenn er mich irgendwelchen Verhinderern übergeben würde.
„Und ich bin so wütend geworden!” Genüsslich trank er einen Schluck Tee. „Warum bezahlen sie uns so wenig? Warum gibt es keine Arbeit? Ich könnte hart arbeiten.” Hank hielt seine Hände hoch. „Warum muss ich als gesunder Mann mit Verstand mein Geld in einer imaginären Welt verdienen?”
„Auf wen waren Sie wütend?”
„Auf alle!”, erwiderte er und schlug mit der Faust auf den Tisch. Trixies Großvater sah ihn missbilligend an. „Warum muss meine Familie diese synthetischen Mischungen essen? Ich habe diese Nährstoffmischungen so satt! Sie bringen mich zum Kotzen! Sogar Gummi schmeckt besser als das Zeug, aber es ist alles, was meine ganze Familie zu essen hat. Meine Eltern, meine Frau, mein Kind, mein Bruder und seine Familie – alle! Und wir alle liegen einen Tag nach dem anderen in diesen Särgen und bauen für 1 kümmerlichen Phönix am Tag imaginäre Rohstoffe ab!”
„Haben Sie den Kuchen gebacken?”, fragte ich.
„Ja”, entgegnete Hank müde. „Und er war das Geld wert. Du hättest den Ausdruck auf Caseys Gesicht sehen sollen. Casey ist meine kleine Tochter. Aber er lag ihr schwer im Magen, sie ist feste Nahrung nicht gewöhnt. Trotzdem fragt sie
seitdem jeden Tag, wann wir wieder einen backen können. Ich weiß nicht, was ich ihr antworten soll. Ihre Mutter und ich würden ganze Tage in unseren Kapseln verbringen müssen. Wer würde auf sie aufpassen?”
„Vielleicht sollten Sie ein paar Donuts für Casey mitnehmen”, schlug ich vor. „Trixie und Herr Furtado haben sicher nichts dagegen.”
„Was sagst du, Harold?” Hank hob den Kopf.
„Natürlich, Hank”, sagte der alte Mann. „Nimm eine ganze Packung und gib deinem Bruder die Hälfte.”
„Danke”, erwiderte Hank strahlend.
„Danke ihm, dass er Trixie eingestellt hat”, gab Furtado zurück.
„Als was hat er ihn eingestellt?”, fragte ich.
„Als Bergarbeiter in den Steinbrüchen”, antwortete der alte Mann. „Ich weiß nicht, warum mein Enkel dort arbeiten will. Er verdient weniger, aber es hängt viel von seiner Leistung ab. Nachdem er seine Fertigkeit Bergbau gelevelt hat, hat er vielleicht Glück und findet etwas Wertvolleres als Steine und Kupfer.”
„Das heißt, dass er bis zum Abend in Dis
sein wird, oder? Bergarbeiter haben einen langen Arbeitstag.”
„Ja, Alex.” Es war das erste Mal, dass er mich bei meinem Namen genannt hatte. „Tut mir leid, dass ich dich beschwindelt habe, um dich hierzubehalten. Hank wollte dich wirklich gern kennenlernen. Ich habe den ganzen Morgen Ausschau nach dir gehalten.
Trixie wollte nicht, dass ich dich verpasse, aber das Wetter ... Ich habe am Fenster gesessen und auf ein fliegendes Auto gewartet. Er hatte gehofft, dass du später kommen würdest, nach seiner Arbeit.”
„Du fragst dich vielleicht, warum ich die Geschichte vom Supermarkt erzählt habe”, griff Hank alias Pherax den Faden wieder auf. „Das war der Tag, an dem ich begonnen habe, alle Bürger zu hassen. Um ehrlich zu sein, ich mochte euch noch nie besonders, aber als ich gesehen habe, dass ihr wie die Maden im Speck lebt, während wir keine Hoffnung auf ein besseres Leben haben ... Ich habe dort einen Jungen in deinem Alter gesehen, Alex. Er hatte den Einkaufswagen voller Eiscreme. Wozu brauchte er so viel Eiscreme? Hat er ganze Packungen auf einmal gegessen?”
„Ähm ... Kann sein”, entgegnete ich. Ich wurde verlegen, als ich daran dachte, wie oft ich schon ganze Tüten Chips gegessen hatte. „Für uns ist es nicht so teuer.”
„Das meine ich ja! Wer hat diesen Idioten an der Spitze das Recht gegeben, zu entscheiden, wer es wert ist, ein Bürger zu sein, und wer nicht?” Er verzog den Mund. „Verdammt noch mal, was ist bloß mit dieser Welt los?”
„Beruhige dich, Hank”, sagte der alte Mann und legte seinem Freund die Hand auf die Schulter. „Was hat das mit dem Jungen zu tun?”
„Darauf komme ich jetzt”, erwiderte Hank. „Ich will ganz ehrlich sein, Alex. Ich wollte dich verkaufen.
Nachdem der Kampf beendet war, habe ich Dis
verlassen. Meine Schicht war sowieso beendet. Ich bin in die Foren gegangen und wollte einigen Verhinderer-Clans eine Nachricht schreiben, um dich an den Höchstbietenden zu verkaufen. Ich habe schon vor Augen gehabt, wie ich mit meiner Frau und meiner Tochter in den Supermarkt gehen würde, um echte Lebensmittel zu kaufen.”
„Ich weiß nicht, wovon Sie reden”, sagte ich. Bei dem Gedanken, dass Hank für einen Korb Lebensmittel vielleicht meine Lebenspläne ruinieren würde, trat mir der Angstschweiß auf die Stirn.
„Was? Du verstehst nicht, was ich meine?”, lachte er. „Dir entgeht nichts, Junge. Aber ich bin auch nicht auf den Kopf gefallen.”
„Clayton hat nur Gutes über ihn gesagt”, bemerkte der alte Furtado ganz nebenbei. „Mein Enkel mag ihn auch ...”
„Offenbar gibt es gute Gründe dafür”, sagte Hank. „Lass mich zu Ende erzählen, damit du Bescheid weißt, Alex. Ich bin also aus meiner Kapsel gestiegen, um etwas zu trinken. Mein älterer Bruder war zu Besuch, und was meinst du wohl? Er hat mir die unglaublichste Geschichte erzählt!”
„Was hat er gesagt?”
„Du kennst sie bereits. Er hat erzählt, dass die Männer im Steinbruch nach einem Vorfall im Sprudelnden Krug ganz aufgeregt waren. Ich glaube, du weißt, von wem ich rede, Alex.”
„Meinen Sie
Manny?
„Genau”, entgegnete Hank mit einem breiten Lächeln. „Manny ist die Abkürzung für Manuel, der Name meines älteren Bruders. Und weißt du was? Ich müsste ein echter Dreckskerl sein, wenn ich jetzt etwas tun würde, um dir zu schaden.”