Kapitel 10

Emma hatte sich ordentlich herausgeputzt und war bereit für eine ausgedehnte Shopping-Tour. Jetzt wartete sie nur noch auf die Jungs, die bereits eine halbe Stunde Verspätung hatten. Da Emma jedoch selbst gerade erst mit Anziehen fertig geworden war, nahm sie es ihnen nicht übel. Sie trug eine Lederhose, eine Weste mit weißen Streifen und darüber eine enge schwarze Jacke mit Schulterpolstern von Mark Eisen. Die Augen und Lippen hatte sie sich dunkler geschminkt als sonst, was ihr in Kombination mit der hellen Grundierung einen leichten Gothic-Touch verlieh. Sie öffnete ihre Gucci-Tasche und prüfte, ob sie alles dabeihatte, was sie benötigte – ihre American Express Platinum Card.

Das Telefon klingelte. Emma warf einen Blick auf ihre Uhr und ging davon aus, dass die Jungs ihr mit irgendeiner Ausrede kommen würden.

»Hallo«, sagte sie.

»Hi, ich bin’s, Matt«, erwiderte die Stimme am anderen Ende der Leitung.

»Hi«, entgegnete sie fröhlich. »Wie geht’s dir?«

»Gut. Ich wollte dir nur Bescheid sagen, dass meine Eltern mit der Wohnung in Soho einverstanden sind.«

Emma ließ ihre Gedanken noch einmal zu dem Nachmittag in der Loftwohnung zurückschweifen. Die hellen Räume. Die hohen Decken. Das weiche Bett. Sie wickelte die Telefonschnur um ihren Finger und neigte den Kopf zur Seite.

»Das ist ja großartig!«

»Ich würde sie mir trotzdem gern noch einmal ansehen.«

Seine Stimme klang kokett und hatte einen leicht lüsternen Unterton.

»Wollen deine Eltern mitkommen? Sie möchten sich die Wohnung doch bestimmt auch mal anschauen«, sagte Emma, um ihn ein wenig zu ärgern.

»Was ich im Sinn habe, möchten sie sich wohl kaum anschauen.«

Emma verlagerte ihr Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Ihre Lederhose fühlte sich plötzlich bedeutend enger an als noch vor ein paar Sekunden. Während sie überlegte, wann sie sich mit Matt treffen könnte, läutete es an der Tür.

»Mist«, sagte sie. »Es hat gerade geklingelt. Ich gehe heute mit Freunden aus.«

»Können wir uns Wiedersehen? Möglichst bald?«

»Natürlich. Ich rufe dich morgen an. Wir könnten uns bei mir treffen, dann koche ich was.«

Es läutete erneut, und Emma verfluchte Neils Ungeduld.

»Okay, das klingt gut. Bis dann.«

Emma legte auf, ging zur Tür und öffnete sie.

»Entschuldige die Verspätung, Mutter«, sagte Neil, gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange und trat an ihr vorbei in die Wohnung.

Tom war deutlich zerknirschter und entschuldigte sich für Neils Beiläufigkeit.

»Wow«, rief dieser derweil aus dem Wohnzimmer. »Hier sieht’s ja aus wie im Hello!-Magazin! Und guck dir bloß diese Küche an! Fantastisch. Erwartest du Besuch von Robert Wagner und Stephanie Powers?« So ging es zehn Minuten lang, während Neil mit Tom und Emma im Schlepptau die Wohnung erkundete. »Kein Wasserbett. Ich bin enttäuscht«, verkündete Neil im Schlafzimmer. »Andererseits verliert man darauf die Hebelwirkung.«

Tom warf Emma einen entschuldigenden und Neil einen nachsichtigen Blick zu.

»Jetzt können wir los«, sagte Neil schließlich, als sie wieder im Flur angekommen waren. »Die Lederhose steht dir übrigens ausgezeichnet. Die stammt bestimmt aus Toms Zeit als Marlboro-Mann, und er hat sie dir vererbt, oder?«

»Das wird ein sehr langer Tag«, stöhnte Tom gequält.

»Quatsch. Du wirst es genießen, wenn wir erst einmal unterwegs sind«, entgegnete Neil. Er zog seine Brieftasche hervor und entnahm ihr eine Kreditkarte. Dann öffnete er die Haustür, stellte sich auf die oberste Stufe der Außentreppe, schwenkte die Karte wie eine Fahne und stimmte seinen üblichen Einkaufs-Schlachtruf an.

»Auf in den Kampf!«

»Ist das etwa die Karte von unserem gemeinsamen Konto?«, fragte Tom besorgt.

Emma aktivierte lächelnd die Alarmanlage und schloss die Haustür hinter sich.

***

Wie sich herausstellte, war Neil in Bestform. Bei Gap verwickelte er einen besonders süßen Verkäufer in eine ernsthafte Diskussion über die verschiedenen Methoden, einen Pullover zu falten.

»Sollen wir irgendwo einen Kaffee trinken gehen?«, schlug Emma nach einer Weile vor.

»Geht ihr zwei nur, wir treffen uns dann bei Peter Jones in der Lampenabteilung«, erwiderte Neil.

»Na gut«, sagte Tom. »Aber wehe, du kaufst schon wieder einen Lampenschirm.«

»Ich doch nicht«, entgegnete Neil mit einem verschmitzten Grinsen.

Zehn Minuten später saßen Emma und Tom an einem Bistrotisch, der beinahe vollständig von zwei großen Cappuccino-Tassen eingenommen wurde.

»Du lässt Neil einfach allein losziehen?«, fragte Emma.

»Er hat eine Schwäche für gut aussehende Verkäufer. Letzten Monat wurde er von einem Ladendetektiv verfolgt, weil der glaubte, er würde klauen. Dabei ist er nur wie ein rehäugiger Teenager umhergeirrt und hat nach einer hübschen Aushilfe Ausschau gehalten.«

»Man muss ihn einfach lieben«, sagte Emma.

»Ja, er lässt einem keine große Wahl«, erwiderte Tom. »Und wie läuft es bei dir, seitdem du zurück bist? Ich finde es nach wie vor ungeheuer mutig von dir, dein altes Leben einfach aufzugeben.«

»Mit einer Menge Geld als Sicherheitsnetz ist das wahrhaftig keine Heldentat. Eher eine Laune.«

»Wie schrecklich! Das bedeutet ja, dass du eigentlich gar keinen Grund mehr zum Aufstehen hast.«

»Doch, momentan gefällt es mir nämlich ganz gut in der Immobilienbranche.«

»Das ist ein ziemlich hartes Geschäft, oder?«, fragte Tom.

»Nicht in dem Sektor, den Lomax bedient. Vermietungen und Verkäufe von Luxuswohnungen bringen eine ganze Menge Geld ein.«

»Aber du könntest dir nicht vorstellen, für immer dort zu arbeiten.«

Tom stellte keine Frage, sondern schien vielmehr Emmas Gedanken auszusprechen. Während er auf eine Erwiderung wartete, betrachtete er sie nachdenklich und strich über seinen Schnurrbart.

»Nein. Ich werde nur so lange bei Lomax arbeiten, bis ich sicher bin, dass alles seine Ordnung hat. Irgendetwas kommt mir nämlich seltsam vor.«

»Und das wäre?«

»Ich kann nur vage Vermutungen anstellen. Ich glaube, dass bei den Finanzdaten irgendetwas faul ist, aber ich weiß nicht genug, um genau sagen zu können, was.«

»Sie wollen dein Geld, ohne dir reinen Wein einzuschenken? Klingt wie mein Job bei der Bank.«

»Mir fällt es schwer, mit der Eigentümerin der Agentur darüber zu sprechen. Schließlich habe ich keine Beweise, sondern einfach nur ein ungutes Gefühl. Womöglich finde ich überhaupt nichts, selbst wenn ich Zugang zu den Unterlagen bekomme.«

»Wonach suchst du denn genau?«

»Nach den Kleinigkeiten, wie immer.«

»Hast du jemanden im Verdacht?«

Emma seufzte. »Nein.«

»Hört sich tatsächlich nicht so an, als hättest du etwas Konkretes vorzuweisen, Mutter«, sagte Tom und tätschelte ihre Hand. »Wer könnte es denn sein?«

»Catherine auf keinen Fall. Es ist ihre Agentur, sie würde sich also nur selbst bestehlen. Es muss einer der leitenden Angestellten sein, die anderen haben kaum Zugang zu wichtigen Informationen.«

»Und wie viele leitende Angestellte gibt es dort?«

»Nur drei. Ein Miststück, einen Schwachkopf und Mutter Teresa.«

Tom ignorierte ihre Spöttelei.

»Ist einer von denen Teilhaber oder Partner in der Agentur?«

»Nein. Bei Lomax herrschen klare Hierarchien. Sie sind lediglich gut bezahlte Angestellte, die jedes Quartal eine Provision, dazu eine verbesserte Altersvorsorge und Weihnachtsgeld erhalten. Das Übliche.«

»Hat einer von ihnen noch andere Geschäftsinteressen?«, fragte Tom.

Emma dachte an die Lebensläufe, die sie von Catherine erhalten hatte.

»Einer führt zusammen mit seiner Frau ein Geschäft für Trockenblumen. Bei den anderen beiden bin ich mir nicht sicher. Worauf willst du hinaus, Tom?«

»Du solltest die Sache mal aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Konzentrier dich nicht auf die Agentur, sondern auf die Mitarbeiter.«

»Ich bin eine Investmentbankerin im Ruhestand, keine Privatdetektivin«, wandte sie ein.

»Ich könnte bei allen Mitarbeitern eine Kreditwürdigkeitsprüfung durchführen«, schlug Tom vor.

»Ist das legal?«, fragte Emma, obwohl sie die Antwort bereits kannte.

»Ich könnte bei allen Mitarbeitern eine Kreditwürdigkeitsprüfung durchführen«, wiederholte Tom in genau demselben Tonfall.

»Was benötigst du dafür?«

»Name, Adresse und Postleitzahl. Falls du weißt, bei welcher Bank sie sind, umso besser, aber es ist nicht unbedingt notwendig.«

»Könntest du mir auch eine Bankauskunft über Lomax besorgen?«

»Zeigen sie dir etwa nicht einmal die Kontoauszüge?«, fragte Tom.

»Die Angelegenheit ist ziemlich heikel, Tom. Ich will Catherine nicht wie eine Dampfwalze überrollen, und ich kann die Mitarbeiter in der Verwaltung auch nicht einfach nach Kontoauszügen fragen. Alle Informationen, die Catherine bekommt, werden speziell für sie zusammengestellt. Wie viele Firmenchefs kennst du, die sich die eigentlichen Informationsquellen ansehen?«

»Sie sollte aber keine Angst haben, nach diesen Quellen zu fragen. Und du genauso wenig.«

»Wenn es hart auf hart kommt, werde ich mich schon durchsetzen. Aber momentan halte ich es für besser, auf etwas unauffälligerem Wege Informationen zu sammeln«, beharrte Emma.

»Ich verstehe. Auf diese Weise kannst du ein paar Leuten ein Messer in den Rücken rammen, bevor sie überhaupt merken, dass du hinter ihnen stehst.«

»Du bist ganz schön ausgekocht, Tom.«

»Das habe ich von dir gelernt, Mutter. Also – lass mir die Namen und Adressen zukommen. Sollen wir jetzt mal nachsehen, ob es bei Peter Jones noch ein paar Lampen gibt? Neil ist schon fast eine halbe Stunde dort.«

***

Eine weitere halbe Stunde später ignorierte Emma den Protest der Jungs und verabschiedete sich vor »The Garden«, der Damenabteilung von Hamiltons, zu der Männer keinen Zutritt hatten.

»Das ist nicht fair!«, jammerte Neil.

»Das ist wie bei euren Schwulenkneipen, in die ich auch nicht rein darf«, konterte Emma.

»Wenn du diese Hose trägst, kommst du vielleicht doch rein«, erwiderte Neil und zog an dem straff sitzenden Leder. Schließlich beschlossen sie, sich in der Herrenabteilung im Erdgeschoss wiederzutreffen. Nach einer Stunde trat Emma die Stufen der Steintreppe hinab, die ins Erdgeschoss führte. Neil und Tom hatten sich getrennt. Tom begutachtete gerade eine Jacke von Timberland, Neil war in der Donna-Karan-Abteilung.

»Für dieses Jackett würde ich töten«, rief Neil Emma leise entgegen. »Es ist aus der Kollektion, nicht von DKNY. Das macht einen großen Unterschied«, belehrte er sie. »Vielleicht hat sogar Donna selbst diesen Stoff berührt. Stell dir das mal vor!«

Emma warf einen Blick auf das Preisschild. »Soll ich es für dich kaufen?«, fragte sie.

»Sei doch nicht albern«, entgegnete Neil schnell.

Geld veränderte einiges. Egal, wie sehr sie sich einzureden versuchte, dass alles beim Alten war – das war es nicht. Das Leben der meisten Menschen schien eine Jagd nach materiellem Wohlstand zu sein, den sie schon sehr früh erreicht hatte. Sie hätte Neil und Tom genug Geld geben können, damit diese sich nie wieder Gedanken um die Zukunft machen mussten, aber sie wusste, dass die beiden das niemals annehmen würden. Sie bezahlten ihr weiterhin die Miete für das Haus, obwohl Emma sie gebeten hatte, damit aufzuhören. Sie zahlte das Geld daher auf ein Sparkonto ein, das sie eigens dafür eröffnet hatte. Geld spielte immer eine Rolle, ganz egal, ob es um die Miete, ein teures Jackett oder auch nur eine Rechnung im Restaurant ging. Emma war vernünftig genug, dies zu akzeptieren. »Und, gibt es einen Glücklichen, der deine Aufmerksamkeit erregt hat?«, fragte sie Neil.

»Was hat Tom dir erzählt?«

»Nichts, was ich nicht schon längst wüsste, du kleiner Schlingel. Hallo? Du unterhältst dich hier gerade mit Emma Fox.«

Sie sprach die letzten Worte mit übertriebenem New Yorker Akzent aus.

»Protz hier nicht so mit deinem New Yorker Akzent herum. Der da drüben, wenn du es unbedingt wissen willst.«

»Hetero«, sagte Emma mit absoluter Gewissheit in der Stimme.

»In der Donna-Karan-Abteilung?«

»Ausnahmen bestätigen die Regel«, erwiderte Emma.

»Mit wem schläfst du gerade?«, fragte er aus heiterem Himmel, während sie Hemden von Jean Paul Gaultier betrachteten.

»Wie kommst du auf den Gedanken, dass ich mit jemandem schlafe?«

»Emma! Lederhosen, Gothic-Make-up, dein federnder Gang. Du triffst dich definitiv mit jemandem. Das sehe ich doch sofort. Sollen wir mal ein paar der Jungs hier fragen, ob sie das genauso sehen?«

Emma hielt ihn am Arm zurück. Neil wäre sicherlich nur allzu gern zu einem der Verkäufer gegangen, um ihn nach seiner Meinung zu fragen.

»Du bist eine blöde Kuh«, schalt sie ihn.

»Aber ich habe recht, oder nicht?«

Sein Gesicht strahlte voller Selbstzufriedenheit. »Vielleicht.«

»Ich will Einzelheiten wissen. Schnell, bevor Tom kommt. Du weißt ja, er ist manchmal etwas prüde.« Emma sah zu Tom hinüber, der inzwischen eine andere Timberland-Jacke in der Hand hielt.

»Ich glaube, er ist noch für eine Weile beschäftigt«, sagte sie. »Na schön. Ich habe ihn über die Agentur kennengelernt. Seine Eltern wollen ihm eine Wohnung mieten.«

»Seine Eltern? Emma, du triffst dich doch nicht etwa mit einem Teenager, oder?«

»Matt ist zweiundzwanzig.«

Neil griff nach ihrer Schulter und tat so, als würde er ohnmächtig werden.

»Das genügt. Wenn du mir noch mehr erzählst, machst du es nur kaputt. Bestimmt ist er einfach zuckersüß. Er muss es sein, wenn du ihm hinterherrennst.«

»Wer sagt, dass ich ihm hinterherrenne?«, fragte Emma gespielt entrüstet.

»Deine ganze Ausstrahlung verrät es. Ist er gut im Bett?«

»Du kommst ziemlich schnell zur Sache, was? Name, Alter, gut im Bett?«

»Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Manchmal sind selbst Name und Alter unwichtig. Aber wie auch immer, du bist meiner Frage ausgewichen.«

»Er ist weit mehr als nur ein guter Fick.«

»Vielleicht sollten wir hier nach einem Hochzeitstisch fragen. Und Tom wird Brautjungfer.«

Neil hielt eine Unterhose mit breitem Gummiband und weit ausgeschnittenem Bein hoch. Dann sah er Emma an, streckte seine Zunge heraus, bewegte sie schnell auf und ab und hob gleichzeitig eine Augenbraue.

»Kauf ihm doch so eine, Emma«, schlug er vor.

»Hoffst du auf einen detaillierten Bericht darüber, wie ihm die Unterhose steht? Da werde ich dich leider enttäuschen müssen.«

Tom erschien an Neils Seite, achtete jedoch nicht auf dessen Possen mit der Unterhose.

»Neil, du musst dir unbedingt diese Jacken ansehen. Ich kann mich einfach nicht entscheiden, welche ich nehmen soll«, sagte er.

»Mutter ist verliebt«, sagte Neil. »Bald werden wir Waisen sein.«

Tom warf Emma einen Blick zu. Er und Neil waren ihr großartige Freunde, jeder auf seine eigene Art. Neil war furchtbar witzig und spielte gern die Tunte, während Toms Warmherzigkeit Balsam für die Seele war. Nun sagte er nichts, sondern deutete nur ein wohlwollendes Nicken an. Trotzdem war Emma peinlich berührt. Sie wollte nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen und wünschte, sie hätte Neil gegenüber nichts erwähnt. Andererseits hatte sie es seit dem Nachmittag mit Matt kaum erwarten können, ihm alles zu erzählen. Nach fast vier Jahren voller One-Night-Stands hatte sie beinahe vergessen, wie es sich anfühlte, jemanden zu begehren und ihn wiedersehen zu wollen.

»Ich glaube, Tom hat dir gerade seinen Segen gegeben«, sagte Neil. »Ich küsse seinen Ring später. Sag deinem Freund, dass er erst bei uns um deine Hand anhalten muss.«

Emma und Tom stießen gleichzeitig einen verzweifelten Seufzer aus, ließen Neil mit der Unterhose in der Hand stehen und gingen zu den Timberland-Jacken.

Kurze Zeit später beschlossen die Jungs, sich noch ein wenig in der Porzellanabteilung umzusehen. Emma kaufte derweil das Donna-Karan-Jackett für Neil und versteckte es in einer ihrer eigenen Tüten zwischen zwei Hosen und einem Kostüm, das sie in der Agentur tragen wollte. Außerdem hatte sie noch zwei Paar Schuhe erstanden. Sie würde schon eine passende Gelegenheit finden, bei der sie Neil das Jackett geben konnte.

***

Der Tag verging viel zu schnell, und sie beschlossen, ihn im Kino mit einer Komödie ausklingen zu lassen. Emma saß zwischen Neil und Tom, in der Hand einen für New Yorker Maßstäbe winzigen Becher Popcorn. Als sich die Jungs nach der Werbung noch schnell ein Eis holten, zog Emma das Jackett von Donna Karan hervor und legte es in eine von Neils Tüten.

Nach der Vorstellung fragte Neil Emma vor dem Kino mit weinerlicher Stimme: »Werden wir dich jemals wiedersehen?«

»Ich rufe euch nächste Woche an«, versprach sie.

»Und wann stellst du uns Mr. Right vor?«

»Alles zu seiner Zeit.«

»Neil, hör auf, sie zu drangsalieren!«, mischte sich Tom ein. »Sie hat ihn doch gerade erst kennengelernt.«

»Aber sie weiß schon, dass er der Richtige ist. Nicht wahr?« Neil warf ihr einen flehenden Blick zu.

»Dazu sage ich jetzt nichts mehr. Ich rufe euch nächste Woche an.«

»Aber Mutter, du kannst uns doch nicht einfach so hier stehen lassen!«, protestierte Neil.

Emma winkte lachend ab. »Ich halte euch auf dem Laufenden.«

»Warte!«, bat Neil eindringlich und reichte ihr eine kleine Tüte. »Ich habe ein Geschenk für dich. Na ja, mehr oder weniger für dich. Und ich will Einzelheiten

»Versprochen«, erwiderte sie und küsste ihn und Tom zum Abschied auf die Wange. Sie konnte sich denken, was in der Tüte war – die Unterhose, mit der Neil herumgeblödelt hatte. Er liebte es, das letzte Wort zu behalten.

Als Emma etwa zehn Schritte von ihnen entfernt war, wandte sie sich um und rief: »Ach, Neil!«

Er drehte sich ebenfalls um.

»Grüß Donna von mir.«

Emma lachte laut über seinen verwirrten Gesichtsausdruck und winkte ein Taxi heran.