Kapitel 11

Als Emma um kurz vor neun die Agentur betrat, saß Catherine bereits am Schreibtisch und brütete über Unterlagen. Es schien fast, als wäre sie die ganze Nacht im Büro gewesen. Außer ihr waren nur ein paar Angestellte da, und es würde noch dauern, bis die Agentur zum Leben erwachte.

Emma hatte die Besprechung mit Nic Lawson, die für den späten Vormittag anberaumt war, zum Anlass genommen, sich eleganter zu kleiden als sonst. In dem weichen Kaschmirkleid von Calvin Klein und ihrem Lieblingsmantel von Chanel fühlte sie sich gleich viel wohler, und auch die Passanten auf der Straße reagierten auf ihr Outfit. Während sie die Kings Road entlanggeschlendert war, hatte sie zufrieden bemerkt, dass sich der eine oder andere bewundernd nach ihr umdrehte. Catherine hingegen sah müde aus.

»Guten Morgen«, begrüßte Emma sie und schloss die Bürotür hinter sich.

Catherine warf einen leicht verwirrten Blick auf ihre Uhr.

»Wir haben Mittwoch«, sagte Emma in einem liebevoll neckenden Tonfall. »Bitte sag jetzt nicht, dass du die ganze Nacht hier warst, Catherine.«

»Ich fühle mich zumindest so. Und wie geht es dir? Akzeptieren dich die anderen inzwischen?«

»Noch nicht wirklich. Sie sind ein bisschen misstrauisch, aber ich arbeite daran.«

»Ed ist dir gegenüber viel umgänglicher geworden. Ich habe keine Ahnung, was du während dieser Wohnungsvermessung mit ihm angestellt hast, aber es hat auf jeden Fall etwas gebracht«, sagte Catherine.

»Wir sind gewissermaßen zu einer Einigung gekommen«, erwiderte Emma lächelnd. Dann fuhr sie mit ernster Miene fort: »Hör mal, ich habe mir die Umsätze der letzten Monate angesehen und bin ein bisschen verwundert über die spärlichen Details. Erstellt Sonia eigentlich eine Trendanalyse?«

»Nein, wir gehen intuitiv mit so etwas um. Wir wissen ungefähr, zu welchem Zeitpunkt im Jahr das Geschäft gut läuft und wann es eine Flaute gibt. Sonia listet nur den Cashflow auf.«

»Wie lange bewahrt ihr die Aufzeichnungen hier auf, bevor ihr sie archiviert?«

»Ungefähr achtzehn Monate lang, glaube ich. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ich müsste Sonia fragen.«

»Gibt es eine Möglichkeit, wie ich an die Aufzeichnungen der letzten drei Jahre komme, ohne Aufmerksamkeit zu erregen?«

Catherine dachte einen Augenblick lang nach. »Ich werde mal sehen, was sich machen lässt. Hmm – das ist eigentlich ziemlich lächerlich, oder? Schließlich gehört mir der Laden.«

»In meinem alten Job haben wir uns eingehend mit dem Thema Eigentum und Kontrolle beschäftigt. Man kann allein durch den geschickten Einsatz von Informationen Kontrolle ausüben, Catherine.«

»Willst du in den Unterlagen nach etwas Bestimmtem suchen?«

»Nein, noch weiß ich nicht, wonach ich suche«, erwiderte Emma. »Aber vielleicht finde ich auffällige Muster oder Entwicklungen. Das war schon bei Morse Callahan meine Stärke. Das Problem liegt meist nicht darin, dass es zu wenig Informationen gibt, sondern darin, wie diese Informationen interpretiert und manipuliert werden.«

»Ich merke schon – ich kann froh sein, dass du auf meiner Seite bist. Du siehst heute übrigens umwerfend aus. Hast du dich zu Ehren unseres Freundes Mr. Lawson in Schale geworfen?«

»Ich dachte, ein bisschen Aufwand könnte nicht schaden. Gibt es vor dem Meeting eine Lagebesprechung mit Malcolm und Dominic?«

»Ja. Wie wäre es in einer halben Stunde?«

»Einverstanden«, erwiderte Emma und verließ Catherines Büro.

***

Die Lomax-Immobilienagentur versuchte, Nic Lawson als Kunden zu gewinnen. Er hatte sich von ganz unten nach ganz oben gearbeitet und gehörte damit zu den sogenannten Neureichen. Ob es dem alten Geldadel nun passte oder nicht, Leute wie Nic Lawson spielten im Luxussegment inzwischen eine große Rolle. Neil kannte Nic vom Hörensagen und hatte Emma kurz über ihn ins Bild gesetzt.

»Er ist der Manager einer Boygroup, deren Mitglieder immer mit nacktem Oberkörper durch die Gegend tanzen. Tom steht drauf – er ist ziemlich tittenfixiert, musst du wissen«, teilte Neil ihr mit.

Nic Lawsons Interessen beschränkten sich jedoch nicht auf das Musikgeschäft. Er besaß auch Anteile einer Firma, in der Video- und Computerspiele entwickelt wurden. Um mehr über Lawson zu erfahren, rief Emma Chris an, dankte ihm nochmals für den »Willkommensgruß« in ihrer Wohnung und bat ihn dann, aus dem Onlinesystem seiner Firma alles über Nic herauszusuchen, was er finden konnte. Wie immer kam Chris ihr sehr entgegen.

Viel wichtiger waren jedoch die Gespräche, die bereits zwischen Nic Lawson und Lomax stattgefunden hatten. Malcolm hatte ursprünglich Dominic damit beauftragt, sich um Lawson zu kümmern, die Verhandlungen jedoch selbst übernommen, als er bemerkte, dass Dominic keinen Erfolg hatte. Leider waren auch diese Gespräche schiefgelaufen. Nic Lawson gab Lomax nun eine dritte Chance, was Emma äußerst nachsichtig fand. Bevor sie und Catherine sich mit ihm trafen, wollte Emma jedoch herausfinden, woran die Gespräche bisher gescheitert waren.

Bis auf Jane Bennett waren inzwischen alle zur Arbeit erschienen und saßen geschäftig an ihren Plätzen. Emma hatte beschlossen, sich einige Auslandstransaktionen anzusehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sie strukturiert wurden. Da Jane noch nicht da war, trat sie selbstsicher an Nicolas Schreibtisch heran. »Guten Morgen, Nicola«, begrüßte sie die jüngere Kollegin.

Nicola machte ein finsteres Gesicht und warf einen abschätzigen Blick auf Emmas Kleid. Alles an ihr rief Emma stumm »Du Flittchen!« entgegen.

»Hallo«, erwiderte sie tonlos.

»Ich würde mir gern die Unterlagen zu ein paar Auslandstransaktionen ansehen. Jane hat mir erzählt, dass du sie ordnest und abheftest. Ich möchte mir einen Überblick darüber verschaffen, wie diese Abteilung der Agentur arbeitet.«

»Wir brauchen keine Hilfe«, entgegnete Nicola knapp. »Ich will nicht in eure Abteilung einsteigen, sondern nur lernen, wie sie funktioniert.«

»Ich weiß, worauf du aus bist«, sagte Nicola leise. Emma hob die Augenbrauen und überlegte, was Nicola meinte.

»Du glaubst wohl, dass du hier direkt eine Abteilung übernehmen kannst, oder?«, fuhr Nicola fort. »Dass du einfach nur hier reinzumarschieren und ein paarmal mit den Wimpern zu klimpern brauchst und alle sofort tun, was du sagst. Ich bin wichtig in dieser Abteilung, und daran wirst auch du nichts ändern. Wenn du irgendwelche Unterlagen haben willst, dann frag Jane.«

Emma beugte sich zu Nicola hinunter und sah ihr in die Augen. »Nicola, wenn ich deinen Job haben wollte, hätte ich ihn schon längst. Soweit ich das beurteilen kann, machst du deine Sache hier gut – vermassle es nicht wegen ein paar dämlicher Unterlagen. Du hast einen Ehemann und einen Liebhaber, um die du dich kümmern musst, also hör auf, dir auch noch um mich Gedanken zu machen. Wenn du mir die Unterlagen nicht gibst, frage ich Catherine. Du hast die Wahl.«

Sie richtete sich auf. Ein gelassenes Lächeln umspielte ihre Lippen, als wären Nicola und sie gute Freundinnen, die sich einfach nur miteinander unterhielten.

Nicola starrte sie an und spielte nervös mit einer Büroklammer.

»In etwa einer Stunde habe ich eine Besprechung mit einem Kunden. Danach hätte ich die Unterlagen gern auf meinem Schreibtisch. Vielen Dank, Nicola«, sagte Emma und ging in Richtung Küche, ohne eine Antwort abzuwarten.

In der Küche wechselte Ian Cameron gerade den Tank des Wasserkühlers.

»Man muss ihn so einsetzen, dass man die Aufschrift sehen kann«, erklärte er ihr mit ernstem Gesichtsausdruck. »Malcolm steckt ihn einfach irgendwie drauf, und das hasse ich.« Er platzierte den Tank und ließ ihn einrasten. »Soll ich dir einen Kaffee einschenken?«, fragte er Emma und nahm die Kanne von der Warmhalteplatte.

»Ja, vielen Dank.«

In der Kaffeemaschine lief gerade eine zweite Kanne Kaffee durch, und auf einem Post-it stand: »Kundenkaffee – Finger weg!«

Ian bemerkte, dass sie die Notiz las. »Ich muss einen Zettel daraufkleben, sonst ist der Kaffee schneller aufgetrunken, als ich gucken kann. Außerdem benutzen wir für Kunden eine bessere Marke, aber das darfst du keinem verraten.«

»Bist du hier der offizielle Kaffeekocher?«, fragte sie.

»Irgendjemand muss es ja machen. Und die anderen sind offenbar nicht in der Lage, die Kaffeemaschine zu bedienen.«

»Ich bin gar nicht so schlecht im Kaffeekochen«, bemerkte sie und wollte ihm von einem Café in der Nähe des Times Square erzählen, wo es fantastischen Latte macchiato gab. Gerade noch rechtzeitig hielt sie sich zurück. »Ich versuche es beizeiten mal.«

»Emma, wegen neulich Abend«, stieß er hervor.

»Ist schon in Ordnung, Ian. Es hat mir geschmeichelt, ehrlich, aber ich habe zurzeit jemanden. Trotzdem könnte ich in der Agentur einen Freund gebrauchen.« Sie lächelte ihm zu.

»Ich komme mir nur so dumm vor«, erwiderte er mit gesenktem Blick.

»Das musst du nicht. Versprich mir, dass du nicht mehr darüber nachdenkst, okay?«

»Okay«, sagte er.

Nachdem Emma an ihren Schreibtisch zurückgekehrt war und sich vergewissert hatte, dass niemand sie beobachtete, schrieb sie die Namen und Adressen der Mitarbeiter sowie der Agentur selbst auf, damit Tom die entsprechenden Informationen sammeln konnte. Unter die Liste schrieb sie noch: »Deine Mutter freut sich über eine schnelle Antwort.«

Zwischendurch warf sie immer wieder einen Blick auf das Post-it an ihrem Bildschirm, auf dem stand, dass Matt angerufen hatte. Sobald sie mit dem Brief an Tom fertig war, rief sie Matt zurück und verabredete sich mit ihm für den Abend. Er klang sehr zurückhaltend, als wolle er sie nicht bedrängen. Vor ihrer Rückkehr nach England hatte sich Emma geschworen, dass sie sich nicht so rasch auf jemanden einlassen würde. Doch bei Matt geriet ihr Vorsatz ins Wanken. Solange sie bei Lomax recherchierte, würde eine Beziehung mit ihm allerdings nicht einfach werden. Darüber hinaus würde sie ihm auch erklären müssen, dass sie ihm etwas vorgespielt hatte. Aber schließlich gab es schlimmere Geheimnisse. Ach Schatz, ich bin übrigens Multimillionärin. Habe ganz vergessen, es dir zu sagen. Bitte entschuldige …

»Sollen wir die Lagebesprechung jetzt machen?«

Sie sah auf. Malcolm stand vor ihrem Schreibtisch. »Gern, ich komme sofort«, erwiderte sie.

Die Besprechungsräume von Lomax gehörten zu den elegantesten, die Emma je gesehen hatte. Nic Lawson würde in Raum eins eine VIP-Behandlung bekommen. Der Raum erinnerte Emma an die Besprechungszimmer von Staranwälten, in denen man das Gebäck bis auf den letzten Krümel aß und literweise Kaffee trank, um sicherzugehen, dass man für sein Geld auch etwas bekam. Raum eins hatte mit etwa fünfundzwanzig Quadratmetern genau die richtige Größe und war mit Ahornholzmöbeln im Stil von Frank Lloyd Wright ausgestattet. Am Konferenztisch fanden sechs Leute Platz, und auf der polierten Tischplatte lagen bereits lederne Schreibunterlagen, Notizpapier mit Lomax-Logo und hochwertige Kugelschreiber. Geschmackvolle Aquarelle mit Londoner Ansichten schmückten die Wände, und auf einem Beistelltisch stand ein Kaffeeservice bereit.

Dominic Lester und Catherine warteten bereits auf Emma und Malcolm. Emma hatte bisher noch nicht viel mit Dominic zu tun gehabt, er war jedoch stets hilfsbereit gewesen, wenn sie ihn etwas gefragt hatte. Er war dreißig und galt als »ewiger Junggeselle von Lomax«. Es kursierten Gerüchte, dass er schwul war, doch seitdem er Emma zum ersten Mal angelächelt hatte, bezweifelte sie dies. Sie kannte genug schwule Männer und wusste die Zeichen zu deuten. Als sie mit Malcolm den Raum betrat, erhob sich Dominic. Sie wünschten einander einen guten Morgen und begannen mit der Besprechung.

»Malcolm, klärst du uns bitte über die neuesten Entwicklungen auf?«, bat Catherine.

»Nic Lawson könnte ein sehr wichtiger Kunde für uns werden.« Malcolm klopfte auf eine sandfarbene Mappe, die vor ihm auf dem Tisch lag. »Er ist im Musik- und Unterhaltungsgeschäft und offenbar ein gefragter Mann, soweit ich das beurteilen kann.«

»Und was erwartet er von Lomax?«, erkundigte sich Emma.

»Ich glaube, das weiß er selbst nicht so genau«, warf Dominic ein. »Er würde gern ein Haus kaufen, weiß aber weder wo, noch, wie es aussehen soll. Offenbar hofft er, dass wir das für ihn herausfinden. Dafür scheine ich allerdings der falsche Mann zu sein. Meine Vorschläge gefielen ihm alle nicht. Ganz im Gegenteil, er wurde regelrecht wütend.«

»Vielleicht waren wir ein bisschen zu bemüht, ihn in unsere Kundenkartei aufzunehmen, und haben uns dabei zu wenig um ihn selbst gekümmert«, warf Malcolm ein. »Er verfügt über sehr gute Verbindungen, die uns Zugang zu einem neuen Kundenkreis verschaffen könnten. Aber genau das macht die Sache so schwierig.«

»Haben wir Personen in unserer Kartei, die ihn kennen?«, fragte Emma.

»Eine oder zwei«, erwiderte Catherine. »Wir müssen sehr diskret mit Mundpropaganda umgehen. Lomax wurde ihm empfohlen, deswegen gibt er uns noch eine Chance. Unsere besten Geschäfte resultieren aus Verbindungen wie dieser, aber es braucht Zeit, so etwas aufzubauen.«

»Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass Dominic und ich die Richtigen für Nic Lawson sind«, erklärte Malcolm. »Was ist mit Ed?«, fragte Catherine.

Malcolm massierte seine Schläfen. »Du kennst doch Ed. Ich glaube, dass sich Lawson von ihm überrumpelt fühlen würde. Nic Lawson ist ein Selfmademan«, fuhr Malcolm an Emma gewandt fort. »Er ist ein bisschen empfindlich, was seine Herkunft betrifft, und wenn wir ihm Ed vor die Nase setzen, könnte er sich ständig daran erinnert fühlen. Ed hat nun mal einen gewissen … Standesdünkel. Nichts gegen Ed, aber wie heißt es so schön: Schuster, bleib bei deinen Leisten.«

»Zumindest sieht Ed besser aus als wir beide, Malcolm«, warf Dominic ein.

»Was meinst du damit?«, fragte Emma.

»Ach, nichts. Ist nur so ein Gefühl«, erwiderte Dominic.

»Kommen wir mal zurück zu den Fakten«, sagte Catherine. »Was haben wir bis jetzt?«

Malcolm schlug die Mappe auf. »Lawson besitzt zwar ein großes Haus in Essex, aber er will lieber in London wohnen. Was mit dem Haus geschieht, ist ihm im Grunde egal. Ich kann mir zwar kaum vorstellen, dass es jemand kaufen will, aber das Grundstück wird einiges wert sein. Das Haus ist mit allem ausgestattet, was man sich vorstellen kann, bis hin zum Swimmingpool in Form einer Gitarre. Ich schätze, dass er bereit ist, für sein neues Domizil fünf bis sechs Millionen Pfund auszugeben. Wir haben einfach noch nicht die richtige Schublade gefunden, in die wir ihn stecken können.«

»Er kommt um halb zwölf«, sagte Catherine und fuhr an Malcolm und Dominic gerichtet fort: »Ich schlage vor, dass ihr beide euch um diese Uhrzeit rarmacht.«

»Wundere dich nicht, wenn es eine ziemlich kurze Besprechung wird«, warnte Malcolm sie. »Nic Lawson kann sehr impulsiv sein.«

***

Die Ankunft von Nic Lawson sorgte in der gesamten Agentur für Nervosität, als ahnten alle, dass etwas Wichtiges geschehen würde. Lawson betrat das Büro mit einem vierköpfigen Gefolge, das er jedoch wenig später mit scharfen Worten in breitem Londoner Akzent wieder vor die Tür schickte.

Obwohl er bereits achtunddreißig war, wirkte er sehr jugendlich, und sein Tweedanzug im Stil der Sechziger ließ ihn aussehen wie einen der Beatles – wenn man seine langen, schwarzen, zu einem Pferdeschwanz zusammengebundenen Haare außer Acht ließ. Er hatte ein kantiges Gesicht, volle Lippen, war nur mittelgroß und ziemlich breit. Emma schoss bei seinem Anblick das Wort »viereckig« durch den Kopf. Trotzdem war er auf seine Weise durchaus attraktiv.

»Hallo, Catherine«, begrüßte er die Inhaberin und streckte ihr die Hand entgegen.

»Herzlich willkommen«, erwiderte Catherine. »Das ist Emma Fox. Sie arbeitet erst seit kurzem bei Lomax und wird bei unserer Besprechung dabei sein.«

»Entzückend«, entgegnete er und reichte auch Emma die Hand.

»Emma Fox. Es freut mich, Sie kennenzulernen«, sagte sie und blickte in seine dunkelbraunen Augen.

»Das Vergnügen ist ganz auf meiner Seite. Ich habe meine Leute wieder vor die Tür gesetzt, sie bringen nur alles durcheinander«, sagte Nic Lawson und ließ sich auf einen Stuhl fallen. »Catherine, ich will bloß ein verdammtes Haus. Das kann doch nicht so schwer sein.«

»Malcolm und Dominic haben Ihnen ja schon einige Häuser gezeigt. Hat Ihnen keines davon gefallen?«

»Nein. Die meisten waren schrecklich. Wie soll ich Geld verdienen, wenn ich meine Zeit damit verplempern muss, mir Häuser anzusehen?«

»Was versprechen Sie sich denn von einem Umzug?«, fragte Emma.

»Hauptsächlich will ich raus aus Essex, aber nicht im versnobten Surrey landen.«

Emma fragte sich, ob sein Michael-Caine-Akzent echt war. Er schlich sich ab und zu in seine Aussprache ein, verblasste aber im nächsten Satz direkt wieder.

Die Tür öffnete sich, und Ian kam mit einem Tablett mit Kaffee und Gebäck herein. Als er sich über den Beistelltisch beugte, um das Tablett abzustellen, beobachtete Emma, wie Nic Ian von den Füßen bis hinauf zu seinem Hintern taxierte. Sobald sich Ian umdrehte, setzte Nic ein charmantes, gewinnendes Lächeln auf. Seine Augen blitzten. Ian bemerkte es nicht oder ignorierte es und verließ den Raum, ohne Nic Lawson auch nur eines Blickes zu würdigen, was Nic wiederum ein wenig zu ernüchtern schien.

»Besitzen Sie nur das Haus in Essex?«, fragte Emma ihn.

»Nein. Ich habe noch ein Haus in Spanien und eines in Los Angeles.«

»Ist das in Spanien eine Villa?«

»In etwa. Ich bin nicht sehr oft dort.«

Während er sprach, wanderte sein Blick auf die gleiche Weise über ihr Kleid wie kurz zuvor über Ians Hose. Nic Lawson strahlte eine unterschwellige Sinnlichkeit aus, die nur darauf wartete, entfesselt zu werden. Emma beugte sich ein Stück vor, um ihm einen besseren Einblick zu gewähren, und glaubte zu erkennen, dass sich seine Augen weiteten.

»Und wo in L. A. steht Ihr Haus?«, fragte sie weiter.

»In West Hollywood, in einer Seitenstraße vom Sunset Boulevard.«

»Bei La Cienega?«

»Eher Nähe Griffith Park. Sind Sie oft in L. A.?«, fragte er, offenbar beeindruckt.

»Ab und zu. Wie sieht Ihr Domizil dort aus?«

»Es ist einfach großartig – mein Lieblingshaus. Es ist mit einer ganzen Reihe von Besonderheiten ausgestattet. Ich habe ein halbes Vermögen ausgegeben, um es umbauen zu lassen. Aber ich verbringe viel zu wenig Zeit dort. Ich besitze Anteile an einer Computer- und Videospielfirma, und außerdem will ich eine Surferband unter Vertrag nehmen. Eine etwas schmutzigere Version der Beach Boys.« Er lächelte sie an.

»Wenn ein solches Haus in London stehen würde, wäre es dann das, was Sie sich vorstellen?«

»Möglicherweise.«

»Hatte eines der Häuser, die Sie sich hier angesehen haben, Ähnlichkeit mit Ihrem Haus in L.A.?«, hakte Catherine nach und schlug damit dieselbe Richtung ein wie Emma.

»Nicht einmal ansatzweise.«

»Wenn wir ein Haus finden würden, das Ihnen die gleiche Bewegungsfreiheit bietet wie Ihr Wohnsitz in L. A., an dem Sie aber zusätzlich noch Verbesserungen vornehmen könnten – wäre das von Interesse für Sie?«, fragte Catherine.

Nic dachte einen Moment lang darüber nach. Dann begannen seine Augen plötzlich zu leuchten, und die Worte sprudelten aus ihm heraus, als wäre die Idee seine eigene gewesen.

»Wenn wir ein ähnliches Haus wie das in L. A. finden und ich es auch noch umbauen könnte, dann wäre es ja fast kein Unterschied mehr, ob ich hier oder dort bin. Genial!« Er lächelte höchst zufrieden.

»Wäre es möglich, dass ich mir das Haus in L. A. einmal anschaue?«, fragte Emma und war sich dabei Catherines erstaunten Blicks durchaus bewusst.

»Sie würden nach L.A. fliegen, nur um sich mein Haus anzusehen?«, rief er und wirkte sehr geschmeichelt.

»Liebend gern«, erwiderte sie.

»Ich fliege nächste Woche selbst für ein paar Tage hin. Ich könnte Ihnen das Haus persönlich zeigen.«

»Hervorragend. So bekomme ich ein Gefühl dafür, wonach genau Sie suchen.«

»Was für eine fabelhafte Idee«, sagte er und klang wie ein kleiner Junge am Weihnachtsmorgen.

Nachdem die Einzelheiten geklärt waren und Nic Lawson sich formvollendet von Catherine und Emma verabschiedet hatte, rauschte er aus der Agentur und verursachte dabei einen ebenso großen Aufruhr wie bei seiner Ankunft.