Am Dienstagmorgen schlüpfte Emma kurz nach acht Uhr durch die Eingangstür von Lomax und verschloss sie sorgfältig hinter sich, damit es den Anschein hatte, als sei noch niemand da. Die Räumlichkeiten sahen genauso aus wie bei ihrem geheimen Besuch vor etwa sechs Monaten, der mitten in der Nacht und nur in Begleitung von Catherine stattgefunden hatte. Das stille, leere Büro wirkte trotz des hellen Morgenlichts düster, und die Klimaanlage würde wahrscheinlich erst in einer halben Stunde anspringen.
Emma blieb vor dem Empfangstisch stehen und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen. Sie war froh, dass sich ihre Zeit bei Lomax dem Ende zuneigte, auch wenn ihr die vergangenen Wochen einige interessante Erlebnisse beschert hatten. Die Züchtigung von Ed Shields beispielsweise oder ihre Begegnung mit dem exaltierten Nic Lawson. Und natürlich Matt. Heute musste sie noch ein paar Dinge erledigen, bevor sie ihren Abgang vorbereitete. Am Ende der Woche würde sie Lomax den Rücken kehren, dessen war sie sich so sicher wie damals bei Morse Callahan. Ein weiteres Spiel, aus dem sie ausstieg. Doch nun war nicht die Zeit, sentimental zu werden.
Auf ihrem Weg durch das Büro warf Emma hier und da einen Blick auf die Schreibtische. Einige der Mitarbeiter hatten ihre Arbeitsplätze vor dem Feierabend säuberlich aufgeräumt, genau, wie sie selbst es immer tat. Dominic Lesters Tischplatte aus Nussbaumholz blitzte geradezu. Nur Eds Schreibtisch sah aus wie ein Schlachtfeld. Mit ihrer Aktentasche in der Hand ging Emma an der kleinen, von den Putzfrauen gründlich gesäuberten Küche vorbei.
Ihr Hauptinteresse galt drei Computern, die eine eigene Festplatte hatten, anstatt wie die anderen nur auf den gemeinsamen Server zuzugreifen. Emma schaltete die drei Rechner ein. Nachdem sie den dritten angeschaltet hatte, ging sie zurück zum ersten, der bis dahin hochgefahren war. Niemand bei Lomax kannte sich so gut mit Computern aus wie Emma. Das Netzwerk war für eine Unsumme von einem professionellen Techniker eingerichtet worden, der laut Catherine mit dem exklusivsten Mercedes vorgefahren war, den sie jemals gesehen hatte. Die Ordner auf den persönlichen Laufwerken waren jedoch ziemlich amateurhaft organisiert. Würde Emma einen Betrug planen, wäre ihr Bürocomputer der letzte Ort, an dem sie Informationen abspeichern würde, aber manchen Leuten war jede Dämlichkeit zuzutrauen.
Ihre Suche ergab allerdings nichts, also schaltete sie die drei Computer wieder aus.
Emma betrat Catherines Büro und stellte die Jalousie des Innenfensters so ein, dass sie selbst hindurchsehen konnte, von außen aber nicht zu sehen war. Sie setzte sich an den PC, schaltete ihn ein und wartete ungeduldig, bis er hochgefahren war. Dann loggte sie sich mit ihrem eigenen Namen und Passwort in das Netzwerk ein. Damit ging sie zwar das Risiko ein, dass jemand ihrer Spionageaktion auf die Schliche kam, doch sie bezweifelte, dass irgendjemand bei Lomax eine Systemadministratordatei überprüfen würde. Darüber hinaus würde ihr in ein paar Tagen die Hälfte der Agentur gehören, und sie konnte tun und lassen, was sie wollte.
Da innerhalb des Netzwerks kein Bereich gesperrt war, hatte Emma Zugriff auf jede einzelne Datei der anderen Mitarbeiter. Das war zwar nicht unbedingt Sinn und Zweck eines offenen Systems, andererseits sollte bei Lomax eigentlich niemand etwas zu verbergen haben. Dank der Informationen von Tom wusste sie genau, wonach sie suchte und in wessen Verzeichnis sie danach suchen musste. Sie bezweifelte jedoch, dass sie auf diesem Wege viel erreichen würde. Es hätte sie wirklich überrascht, wenn jemand derart deutliche Spuren hinterließ.
Nachdem sich Emma durch eine Vielzahl von Textdateien geklickt hatte, bestätigte sich ihre Vermutung. Sie fand nichts, außer einem Eintrag in den Protokollen der Urlaubs- und Krankmeldungen. Sie wechselte zu den Tabellenkalkulationen und prüfte sie eingehend. Drei von ihnen waren durch Passwörter geschützt und trugen nichtssagende Dateinamen. In diesem Fall konnten auch Emmas Computerkenntnisse nichts ausrichten. Das Netzwerk war ein kühnerer Versuch gewesen als die persönlichen Laufwerke, doch das Ergebnis fiel leider ebenso enttäuschend aus.
Die Eingangstür von Lomax öffnete sich. Es war kurz vor halb neun. Emma hatte Catherine am Abend zuvor telefonisch gebeten, jemanden anzurufen und ihm mitzuteilen, dass er an diesem Morgen ein wenig früher kommen sollte als sonst.
Emma erhob sich und beobachtete ihn durch die Jalousie. Er setzte sich an seinen Schreibtisch und fuhr den Computer hoch. Emma wartete, bis er sich eingeloggt hatte. Dann trat sie wieder an Catherines Computer und schrieb eine Nachricht, die direkt auf seinem Bildschirm erscheinen würde:
Du weißt vielleicht, wer ich bin, aber du weißt nicht, wo ich bin …
Emma ging um den Schreibtisch herum zum Innenfenster, damit sie seine Reaktion besser beobachten konnte, streckte dann die Hand nach der Tastatur aus und schickte die Nachricht ab.
Als sie von einem deutlich hörbaren Piepen begleitet auf seinem Monitor erschien, zuckte er förmlich zusammen. Emma lächelte. Er blickte sich erschrocken und verwirrt um. Dann stand er auf, zappelte nervös herum und fuhr mit den Fingerspitzen über seine Schreibtischplatte. Emma holte zwei Blatt Papier aus ihrer Aktenmappe und betrat das Großraumbüro. »Guten Morgen«, sagte sie in sarkastischem Tonfall.
»Hi«, erwiderte er lahm.
Emma faltete den anonymen Brief auseinander, den sie nach ihrer Rückkehr aus den USA erhalten hatte, und reichte ihn Ian Cameron.
»Was ist das?«, fragte Ian.
Emma machte sich gar nicht erst die Mühe, ihm zu antworten, sondern starrte ihn nur mit durchdringendem Blick an.
Schließlich reichte sie ihm das zweite Blatt Papier. Es war der Hinweis auf ihr Passwort Guten Morgen, den er Emma an ihrem ersten Arbeitstag auf den Schreibtisch gelegt hatte.
»Von einer Karriere als Erpresser rate ich dir dringend ab«, sagte sie. »Du hättest das Briefchen genauso gut unterschreiben können. Bei Lomax benutzt niemand sonst diese alberne Schriftart.«
Ian schwieg mit betretener Miene.
»Wie hast du es herausgefunden?«, wollte Emma wissen.
»Ich habe auf Catherines Schreibtisch einen Brief gefunden, den du an sie geschrieben hast. Ich bin ganz zufällig darauf gestoßen, er lag zwischen ein paar Unterlagen«, erklärte er. »Ich habe die ersten Zeilen gelesen und konnte nicht mehr aufhören.«
»Warum hast du überhaupt auf Catherines Schreibtisch herumgeschnüffelt?«, fragte Emma weiter.
Ian schüttelte kläglich den Kopf und erwiderte: »Ich weiß einfach gern, was vor sich geht.«
»Und was hast du dir von diesem anonymen Brief erhofft? Hat das etwas mit unserer Unterhaltung am Abend des Begrüßungsumtrunks zu tun? Als du mir nach dem Abendessen diese bescheuerte Szene gemacht hast?«, fragte sie mit Wut in der Stimme. So leicht würde sie ihn nicht vom Haken lassen.
Er wurde rot.
Nach dem Begrüßungsumtrunk mit Catherine und den Lomax-Mitarbeitern waren Emma und Ian gemeinsam essen gegangen, obwohl Emma im Hinblick auf ihre aufkeimende Beziehung mit Matt Bedenken hatte. Ihre Befürchtungen erwiesen sich als berechtigt, denn sie verbrachte den Großteil des Abends damit, Ians unbeholfene Annäherungsversuche abzuwehren, was schließlich in einer unangenehmen Szene in der U-Bahn-Station Sloane Square gipfelte. Da er sich am nächsten Tag in der Agentur jedoch wieder völlig vernünftig benommen hatte, war Emma davon ausgegangen, dass das Thema erledigt war.
»Was hast du jetzt vor?«, fragte er sie kleinlaut.
»Was hast du jetzt vor?«, gab sie zurück. »Oder anders ausgedrückt: Was meinst du, was ich jetzt tun sollte?«
»Willst du die Agentur wirklich kaufen? Hast du so viel Geld?«
»Frage eins: nicht die ganze Agentur, nur einen Teil. Frage zwei: mehr als genug. Ich könnte Catherine bitten, dich zu feuern«, sagte sie.
»Es sind doch nur ein paar Worte auf einem Zettel. Es interessiert mich nicht, wer du bist oder was du vorhast. Ich wollte dir bloß klarmachen, dass ich Bescheid weiß. Vielleicht könnte ich dir sogar von Nutzen sein«, erwiderte er hektisch.
»Daran habe ich auch schon gedacht«, sagte sie.
»Wirklich? Könnte ich dir helfen?«
Emma entschied, dass er genug gelitten hatte; sein Gesicht war viel zu rot für ihren Geschmack. Ian hatte nichts mit der Sache zu tun, davon war sie überzeugt. »Was weißt du über Tony Wilsons Frau?«, fragte sie.
»So viel wie jeder andere auch – nichts. Niemand außer Sonia hat mit ihr Kontakt. Ich glaube, die beiden sind befreundet«, erwiderte Ian.
»Kommst du an irgendwelche Unterlagen von Sonia heran, zu denen du eigentlich keinen Zugang hast?«
»Nein«, antwortete er knapp.
»Ian!«, sagte Emma mit Nachdruck.
»Sie bewahrt ein paar Unterlagen in dem kleinen, feuerfesten Aktenschrank neben ihrem Schreibtisch auf.«
»Schließt sie ihn ab?«
»Ja. Aber es gibt einen Zweitschlüssel. Ich habe ihn in einem Bund Ersatzschlüssel gefunden.«
»Du hast einen Haufen Schlüssel gefunden und einen nach dem anderen durchprobiert, bis einer gepasst hat?«, fragte sie fassungslos.
Ian grinste verschmitzt und ein wenig stolz.
»Weiß Sonia davon?«, fragte Emma.
»Natürlich nicht.«
»Was befindet sich in dem Schrank?«
»Nichts Aufsehenerregendes. Zum einen die Personalakten, aber ich weiß ohnehin, was jeder hier verdient, weil ich ab und zu die Gehaltslisten bearbeite. Außerdem noch eine Menge Papier, Rechnungen, so was eben. Hat alles nicht viel Sinn ergeben.«
Für ihn vielleicht nicht, dachte Emma. Sie wollte sich lieber selbst ein Bild von dem Inhalt des Aktenschranks machen.
»Ich hätte gern den Schlüssel«, sagte sie.
Ian zögerte. Dann öffnete er den Mund, als wolle er widersprechen, doch Emma kam ihm zuvor.
»Ian, gib mir einfach den Schlüssel, in Ordnung?«
Er nickte und schluckte schwer.
»Wenn du irgendjemandem auch nur ein Sterbenswörtchen hierüber erzählst, bist du draußen, verstanden?«
»Das werde ich nicht. Ich sagte ja bereits, ich will dir helfen.«
Emma hörte Enthusiasmus und Einsatzbereitschaft in seiner Stimme. Genau das, was ich brauche, dachte sie und seufzte im Stillen – einen Gefährten im Geiste.
***
Kurz vor neun Uhr rief Emma Tom an. Sie war immer noch in Catherines Büro und mittlerweile im Besitz von Sonias Aktenschrankschlüssel.
»Hi, Tom, ich bin’s, Emma.«
»Hallo, Mutter«, erwiderte er.
»Könntest du noch etwas für mich herausfinden?«, fragte sie.
»Wahrscheinlich schon. Worum geht es denn?«
Catherine Lomax betrat ihr Büro und lächelte Emma zu. Sie schloss die Tür hinter sich, stellte ihre Aktentasche ab und setzte sich in einen der Besuchersessel. Emma hoffte, dass Catherine es ihr nicht übel nahm, dass sie sich an ihrem Schreibtisch gebärdete, als habe sie die Leitung der Agentur übernommen.
»Ich möchte den Eigentümer eines Hauses ermitteln, und ich brauche detaillierte Bankdaten über zwei Personen.«
»Das sollte kein Problem sein«, erwiderte Tom.
»Außerdem möchte ich wissen, ob irgendjemand hier bei Lomax eine eigene Firma besitzt.«
Catherine runzelte die Stirn.
»Von wem willst du die Bankdaten haben?«, fragte Tom.
»Tony Wilson und Sonia Morgan«, sagte Emma. Dann las sie Tom die Adresse des Hauses vor, das Tony Wilson angeblich gemietet hatte. »Wie schnell kannst du mir die Informationen beschaffen?«
»Du willst sie wahrscheinlich schon heute haben, oder?«
»Wenn möglich, ja«, bestätigte sie.
»Ich rufe dich um die Mittagszeit herum an.«
Als Emma den Hörer auflegte, sah Catherine sie verwundert an. »Ich habe das ungute Gefühl, dass mir hier irgendetwas entgangen ist.«
»Wir müssen uns unterhalten«, sagte Emma.
»Dann schieß mal los.«
»Ich warte noch auf Informationen, die meine Vermutung bestätigen, aber ich glaube, dass bei Lomax gerade ein Betrug im Gange ist.«
Catherine schien weder überrascht noch verärgert zu sein. Emma wartete vergeblich darauf, dass sie etwas sagte.
»Es handelt sich nicht um horrende Summen, aber es ist und bleibt Betrug. Jemand stiehlt dir und der Agentur Geld«, fuhr Emma fort.
»Wer?«, fragte Catherine.
»Die einzige Person bei Lomax, die die Möglichkeit dazu hat, ist Sonia. Sie allein verfügt über die nötigen Informationen. Sie kümmert sich um sämtliche Unterlagen. Es gibt keinen unabhängigen Steuerberater, und die Firma speichert auch keine Daten über öffentliche Konten, weil sie wie eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts strukturiert ist. Das hat mich am Anfang etwas verwirrt, denn zu Victors Zeiten war die Agentur eine Tochtergesellschaft der Lomax-Gruppe. Doch nach deren Auflösung hat die Agentur wieder einen GbR-Status erhalten. Das bedeutet, dass es keine Möglichkeit gibt, offiziell an Informationen heranzukommen.«
»Ich bekomme von Sonia jeden Monat eine Aufstellung über die Finanzen. Du wusstest genauso viel wie ich«, entgegnete Catherine.
»Aber Sonia zeigt dir die einzelnen Rechnungen und Buchungen nicht im Detail. Sie tätigt sämtliche Bankgeschäfte allein und befindet sich damit in einer Ausnahmeposition.«
»Ich kann mir das bei Sonia einfach nicht vorstellen. Hast du irgendwelche Beweise?« Catherine klang, als hoffte sie, dass sich die ganze Sache als großes Missverständnis entpuppte. Doch Emma wusste, dass sie recht hatte.
»Mir fehlen noch ein paar Informationen. Bei einer Firma wie Lomax gibt es keinen Kassenumsatz. Man kann das Geld also nicht einfach aus der Kasse nehmen, sondern muss es über andere Wege abzweigen. Ich vermute, dass Sonia eine Firma besitzt, die Lomax Beratertätigkeiten in Rechnung stellt. Dieser Verdacht ist mir gekommen, als ich den Cashflow der Agentur analysiert habe. Darin gibt es eine regelmäßige Unregelmäßigkeit, wenn ich es mal so nennen darf. Selbst die größten Skandale, die die Wall Street in den 1980er Jahren erschütterten, wurden aufgrund ähnlich magerer Hinweise aufgedeckt. Letzten Endes muss immer jemand bezahlt werden, für diese Bezahlung muss es einen Vorwand geben, und dieser Vorwand hinterlässt Spuren.«
»Sonia mag ja ausreichend Gelegenheit haben, so etwas zu tun – aber welchen Grund hätte sie dafür?«, fragte Catherine.
»In meiner alten Firma hieß es immer, dass es entweder um Geld oder um Sex geht. Wenn man beides miteinander verbinden kann, umso besser. Ich glaube, dass Sonia eine Affäre mit Tony Wilson hat«, schloss Emma.
Catherine lachte laut auf. »Sonia und Tony Wilson? Ganz bestimmt nicht. Er ist ein absoluter Familienmensch.«
»Seine Frau hat ihn vor zwei Jahren verlassen, Catherine. Tony lebt nicht einmal mehr in seinem alten Haus, sondern wohnt mietfrei in einem Haus in Whitton. Wie konnte Tony das jahrelang vor dir und Lomax geheim halten? Nur Sonia hätte ihm dabei helfen können.«
»Aber Tony ist immer noch verheiratet. Wir haben uns erst vor ein paar Tagen über seine Frau unterhalten. Sonia hat letzte Woche mit ihr telefoniert…« Catherine verstummte.
»Wusstest du, dass Sonia im vergangenen Jahr Urlaub auf den Seychellen gemacht hat?«, fragte Emma.
»Nein«, erwiderte Catherine verblüfft.
»Sie war drei Wochen lang dort, die letzten beiden Juniwochen und die erste Woche im Juli.«
»Nein, da hat sie ihren Bruder in Neuseeland besucht«, sagte Catherine.
»Tony Wilson war letztes Jahr krank, und zwar genau in der letzten Juni- und der ersten Juliwoche. Ich habe es zwar nicht überprüft, aber es würde mich nicht wundern, wenn er zu ihr auf die Seychellen geflogen ist.«
»Wäre er dann nicht ziemlich braun gebrannt zurückgekommen?«, fragte Catherine.
»Vielleicht ist er das ja«, entgegnete Emma.
»Kannst du irgendetwas davon beweisen?«
»Die beiden haben mit Sicherheit irgendwo eine Spur hinterlassen. Man muss sie nur finden. Ich glaube, ich weiß auch, wie ich das anstellen kann, aber dazu brauche ich deine Hilfe.«
»Und was soll ich machen?«
»Setze heute für zehn Uhr eine Mitarbeiterbesprechung an und teile den Leuten mit, dass jemand eine Menge Geld in die Agentur investieren will. Lass meinen Namen aber erst einmal aus dem Spiel. Diese Überraschung heben wir uns für später auf. Du müsstest die Truppe ungefähr vierzig Minuten lang beschäftigen, mehr Zeit brauche ich nicht. Und Ian soll am Empfang bleiben, um Anrufe entgegenzunehmen.«
»In Ordnung«, erwiderte Catherine.
***
Als sich um kurz nach zehn alle Mitarbeiter im Konferenzzimmer befanden, öffnete Emma den Aktenschrank neben Sonias Schreibtisch. Ian hatte ein Schild mit der Aufschrift »Geschlossen« an die Eingangstür der Agentur gehängt, um unangemeldete Besucher fernzuhalten. Emma blätterte durch die Akten und ignorierte dabei die Personalakten, eine Mietaufstellung für das Gebäude und andere Einzelheiten über die Agentur.
Schließlich stieß sie auf die Informationen, die sie zu finden gehofft hatte, kopierte die Unterlagen, legte sie in der ursprünglichen Reihenfolge zurück und verschloss den Aktenschrank wieder. Das Ganze dauerte weniger als fünfundzwanzig Minuten. Sobald Emma fertig war, gab sie Ian ein Zeichen, und er entfernte das Schild von der Tür. Als die Mitarbeiter aufgeregt und leicht besorgt aus dem Konferenzzimmer zurückkehrten, sah alles wieder aus wie zuvor.
Emma verbrachte den restlichen Vormittag damit, auf Toms Rückruf zu warten. Um kurz vor zwölf ertönte das ersehnte Klingeln.
»Ich habe einige sehr interessante Informationen für dich, Mutter.«