5

O hne zu zögern, schob Garrett ihr Kleid nach oben und aus dem Weg. Seine Handfläche umfasste ihren Venushügel, der nur von einem Dreieck aus dünnem Seidenstoff bedeckt war. Sie sog erschrocken den Atem ein, als ein Hitzepfeil durch sie hindurchschoss und sie lähmte. Er packte mit bedrohlicher Kraft zu, während er auf sie hinunterstarrte. Die Linien auf seinem Gesicht zeigten sowohl zornige Wut als auch eine wachsende und einschüchternde Erregung.

In ihrem Kopf pfiff und blitzte es. Scheiße, Scheiße, Scheiße! Das war nicht gut. Selbst jetzt konnte sie spüren, wie ihr Körper begann, feuchte Hitze auszustoßen. Verdammt, er würde diese Hitze jeden Moment durch ihr Höschen spüren. Vier, drei, zwei, eins …

Der Ausdruck auf seinem Gesicht veränderte sich, als ein deutliches Feuer in seinen Augen explodierte. »Verdammte Scheiße, Maria.« Blitzschnell schob er den Stoff ihres Höschens zur Seite und platzierte seinen Finger an ihrer Klitoris. Er begann, sie zu reiben, zu massieren, und der Schock über die Situation, in der sie sich plötzlich befand, hielt sie einen Moment lang in Starre. Obwohl er erregt war, war seine Wut immer noch da. »Was, wenn ich jemand anderes gewesen wäre? Jemand, der dich verletzen wollte?«

Trotz ihrer wachsenden Erregung, nein, wegen ihrer wachsenden Erregung, griff Maria nach seinem Handgelenk, um zu versuchen, ihn aufzuhalten, während sie um Worte rang. »Hier ist es vollkommen sicher. Hier sind nur Mitarbeiter und Gäste …«

Er ließ nicht von ihr ab. »Blödsinn, hier ist es nicht sicher . Ich verstehe, dass du den Mitarbeitern hier vertraust. Aber verdammt nochmal, eines Tages könnte hier irgendein Psycho einchecken und du hättest keinen blassen Schimmer. Jeder könnte dir hierher folgen, dich überwältigen und dir wehtun. Du wirst die Treppe nicht mehr nehmen, hast du mich verstanden? Wenn du die verdammte Treppe nehmen willst, dann nimm die offene Treppe in der Lobby, nicht diese Treppen im hinteren Bereich des Hotels, hast du mich verstanden?«

»Du hast mir nicht zu sagen, was ich zu tun habe«, spuckte sie aus und begegnete seinem Blick direkt.

»Äh, wie bitte?« Er sagte diese ungeduldigen Worte, als hätte man sie ihm aus der Kehle gerissen. »Was zum Teufel kam da gerade aus deinem Mund?«

»Du hast mir nicht zu sagen, was ich zu tun habe!«, stieß sie rebellisch hervor.

Er machte sich gar nicht erst die Mühe, zu antworten. Sein Kopf senkte sich, er knabberte an ihrer Unterlippe, zwang dann seine Zunge in ihren Mund und begann erneut, mit seinem Finger um ihre Klitoris zu wirbeln. Ein leises, vibrierendes Knurren kam tief aus seiner Brust, als er sie mit dem Rücken gegen die Wand drückte, während er ihre Beine spreizte und seinen Unterkörper zwischen sie schob.

Wieder verschwamm alles in Marias Kopf, und ein weiterer Ausbruch feuchter Hitze überflutete die Verbindung zwischen ihren Beinen. Wie konnte er sie nur so wütend machen und ihr gleichzeitig dieses berauschende Gefühl verschaffen? Sie war mehr als nur erregt. Wenn er nicht bald damit aufhören würde, würde sie Gefahr laufen, genau hier im Treppenhaus zum Höhepunkt zu kommen.

Abrupt hob er den Kopf, sein Mund löste sich von ihrem. Sie öffnete die Augen und fand ihn, wie er auf sie mit bebenden Nasenlöchern herabstarrte. »Und was ist mit diesem verdammten Kleid?«

»Was?«, fragte sie verwirrt.

»Das habe ich vorher noch nie an dir gesehen«, sagte er mit tadelndem Ausdruck, bevor er plötzlich wieder die Fahrbahn wechselte. »Wer zum Teufel war der Typ, Maria?«

Kleid? Typ? Worum ging es ihm hier? »Was für ein Typ?«

Auf ihre Frage hin knurrte er warnend. Sein Finger glitt nach unten und fand ihre feuchte Öffnung. Ihr Herzschlag drehte beinahe durch und sie versuchte mit aller Mühe, sich ihm nicht entgegenzuwölben, denn ihr verräterischer Körper schrie nach einem gewissen Grad an Befriedigung.

Er ließ seinen Finger ohne Vorwarnung in sie hineingleiten. Sie stieß ein leicht erschrockenes Stöhnen aus und hörte ihn gleichzeitig ebenfalls aufstöhnen. Seine Stirn fiel auf ihre, als er seinen Finger in ihr herumwirbelte. Sie gab auf. Sie drückte sich gegen ihn und verrückte ihr Bein nur ein kleines bisschen. Aah … ja, genau dort. Oh Gott, dort war er genau richtig.

Er hatte die Befragung jedoch noch nicht beendet. »Der Typ im Ballsaal. Der Wichser, der seinen Arm um dich gelegt hat.«

»Nie… niemand«, keuchte sie, unfähig, an etwas anderes zu denken als an die Magie, die seine Finger erzeugten.

»Komm mir nicht mit so einem Scheiß. Fühlst du mich in deinem Innern, Baby?« Er stieß fester zu, wirbelte in einem größeren Kreis um ihre Innenwände, sodass ihr ganzer Körper zu beben begann. »Lass es mich dir unmissverständlich erklären «, knurrte er. »Niemand fasst dich mehr an, verstanden?«

Herrgott. Dieser Typ war ein Wahnsinniger . »Du … nein … du kannst mir nicht vorschreiben, was ich zu tun habe.«

»Nein? Ich glaube, ich kann das verdammt nochmal. Aber keine Sorge, du wirst dich daran gewöhnen. Dir wird nichts anderes übrig bleiben.« Damit fielen seine Lippen wieder auf ihre, und alles, was sie noch hätte sagen können, wurde von seinem Mund zum Schweigen gebracht.

Maria wurde an allen Fronten von einem fundamentalen, sexuellen Bedürfnis überflutet. Unter dem Angriff seines Mundes, seiner Zähne und seiner Zunge konnte sie kaum noch atmen. Ihr wurde schwindelig, und alles Gefühl in ihrem Körper schien abzutauchen und um einen pulsierenden Punkt zwischen ihren Schenkeln zu kreisen. Er schob einen zweiten Finger in sie hinein. Die Wirkung war elektrisierend. Sein Daumen rieb an ihrer Klitoris, und sie war sich der Ausbuchtung seiner Erektion bewusst, die sich in den Stoff ihres Kleides schob und so stark drückte, dass seine Gürtelschnalle sie zu zwicken begann.

Es hätte ihr bereits wehtun müssen, es hätte ihr auch wehgetan, wenn sie sich nicht schon in einer anderen Welt befinden würde. Wenn sie jemand erwischen würde … Doch alles, worauf sie sich konzentrieren konnte, war sein unglaublicher Duft … Er roch so gut. Verlockend … Wie eine Droge … Ihre Hormone spielten verrückt. Sie fühlte sich, als würde sie sich von dieser sexuellen Begegnung für den Rest ihres Lebens nicht mehr erholen können. Als würde sie nie wieder etwas anderes genießen können. Niemals. Ihr Gehirn zersplitterte bei dem Gedanken und als sie spürte, wie er sich gegen sie drückte, mit seinen Fingern, seinen Lippen, seiner Zunge, begann sie endgültig in zwei Teile zu zersplittern und die Schwelle der Lust zu überschreiten.

Irgendwo im Hintergrund hörte sie ein Wimmern, ein Geräusch, das in eine Art Heulen überging, und dann wurde sie von allen Seiten geblendet, als die Ekstase ihre Sinne endgültig überflutete. Eine vernichtende Hitze rann durch ihre Adern und zentrierte sich an der intimen Stelle, wo sie miteinander verbunden waren.

Sobald sie wieder zu atmen begann, riss Garrett seinen Mund von ihrem weg. Er hielt sie mit seinem Oberkörper an die Wand gepresst, nahm seine Hand von ihr und machte sich sofort daran, den Verschluss seiner Hose zu öffnen.

Alarmsignale begannen in ihrem Kopf unübersehbar aufzuleuchten. Sie blinkten, als befände sie sich auf einem Weg, der sie direkt zu einem tiefen Abgrund führen würde. Einen Abgrund, den sie jetzt noch nicht sehen konnte, von dem sie aber wusste, dass er da war. Würde sie diesen Weg weitergehen, würde sie ohne Zweifel abstürzen und verbrennen. »Garrett, nein.«

Sie stemmte sich gegen ihn. Ihr plötzlicher Stimmungswandel überraschte ihn, wodurch sie die Gelegenheit bekam, sich von ihm wegzuziehen, sodass sie nun außerhalb seiner Reichweite stand. Seine Hände erstarrten am Reißverschluss seiner Hose, und der Blick eines gefährlichen Raubtieres bildete sich auf seinem Gesicht. »Nein?«

Sie schüttelte den Kopf und wich zurück, ohne zu schauen oder zu bemerken, wohin sie ging.

Seine Hand schoss hervor und packte ihren Arm, zog sie gewaltsam an seine Brust und weg von den Stufen, die direkt hinter ihr zu den unteren Etagen führten. Ihr Herz begann zu hämmern, vor Schock wegen dem, was gerade beinahe passiert wäre. Und plötzlich wollte sie nur noch weinen.

Doch sie weinte niemals und hatte nicht vor, jetzt damit anzufangen.

Und schon gar nicht vor Garrett Rule. »Lass mich gehen. Mir geht’s gut.«

»Bist du sicher?«

»Ja.« Sie ging einen Schritt zurück, aber er umklammerte ihr Handgelenk und hielt sie fest.

Seine Augen fuhren über sie, von oben bis unten. Sie konnte seinen Ausdruck jedoch nicht deuten. Doch was aus seinem Mund kam, schockierte sie. »Ich werde nie vergessen, wie du in diesem Kleid aussiehst, wie du auf meinem Finger gekommen bist, nicht bis zum Tage meines Todes.«

Die Tatsache, dass diese erotischen Worte, die aus seinem Mund kamen, für seine Verhältnisse beinahe romantisch waren, regte sie nur noch mehr auf. Sie versuchte ihren Arm erneut aus seinem Griff zu befreien, aber er ließ sie nicht los. Er begann, die Treppe zum vierten Stock hinaufzugehen, wobei er sie hinter sich herzog. Ein besorgniserregendes Gefühl machte sich in ihr breit. »Wohin gehen wir?«

»Ich begleite dich auf dein Zimmer.«

»Ich brauche keine Eskorte.«

Er hielt an und drehte sich zu ihr um. »Denkst du, ich lasse dich einfach ganz allein im Treppenhaus zurück?«

Sie erkannte die kompromisslose Haltung in seinen Gesichtszügen und beschloss, nicht weiter mit ihm darüber zu diskutieren. Sie presste die Lippen zusammen und begann, auf die Stahltür des Treppenhauses zuzugehen. Er drückte sie auf und hielt sie für sie offen, ohne ihr Handgelenk für eine Sekunde loszulassen.

Als sie den Flur zu ihrem Zimmer hinuntergingen, ließ er seine Hand von ihrem Handgelenk zu ihren Fingern gleiten und umschloss ihre Handfläche in seiner. Diese Handlung brachte ihre ohnehin schon derangierte Verfassung ins Ungleichgewicht. Irgendwie überraschte es sie nicht, dass er genau wusste, welches ihr Zimmer war, als er vor ihrer Suite zum Stehen kam.

Mit zitternden Fingern zog sie ihre Karte aus der Tasche und entriegelte die Tür. Sie öffnete sie mit einem Klingeln , und als sie hindurchgehen wollte, hielt er sie auf, indem er an ihrer Hand zog. Sie stand auf der Schwelle, und er lehnte sich mit einem Blick, der einen unnachgiebigen Befehl enthielt, gegen den Türrahmen. Eine Flut von Emotionen schlug ihr auf den Magen, weshalb sie ihre Hand von seiner lösen wollte.

Wieder verlegte er seine Finger von ihrer Hand auf ihr Handgelenk, wo er sie festhielt. »Bleib ruhig.«

Jetzt war sie noch entschlossener, ihre Hand zurückzubekommen, weshalb sie sie noch fester zurückzog. Das führte jedoch nur dazu, dass sich seine Finger noch fester um sie zusammenkrampften, und ein bedrohlicher Blick streifte seine Züge. »Bleib ruhig und hör zu. Wenn ich dich noch einmal im Treppenhaus erwische, dann hast du richtigen Ärger mit mir, verstanden?«

Sie blieb unendlich ruhig und schweigsam und starrte ihn unter ihren dunklen Wimpern an.

Er spannte seinen Kiefer an und strahlte nichts als feindseligen Unmut aus. »Hast du verstanden, Babe? Ich weiß, dass du denkst, dass du hier der Boss bist, aber es gibt eine Person, die dir sagen kann, was du tun und lassen kannst, und das bin ich. Ob es dir gefällt oder nicht, du hast keine Wahl, du musst verflucht nochmal tun, was ich sage, verstanden?«

Obwohl ihr Magen, angesichts des urzeitlichen Höhlenbewohners, der sie gefangen hielt, von einem wilden weiblichen Beben übermannt wurde, kam ihr ihr Zorn zu Hilfe und trampelte jeden Rest von Verlangen, den sie verspürte, nieder und drückte ihn unter die Oberfläche. Und Gott sei Dank dafür . »Gut. Ich gehe nicht mehr in das verdammte Treppenhaus, Herr Boss «, zischte sie sarkastisch wütend. Dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen und brachte ihr Gesicht so nah an seines, wie es ihr möglich war und blickte zu ihm hoch. »Aber wenn du der verdammte Boss sein willst, hältst du dich besser aus meinem Schlüpfer raus, verstanden, Arschloch?«

Als sie seinen fassungslosen Gesichtsausdruck sah, nutzte sie seinen momentanen Schockzustand und zog mit aller Kraft an ihrer Hand. Sie riss sich los, und ohne ihm eine Sekunde Zeit zu geben, sich von ihrem Wutausbruch zu erholen, schlug sie ihm die Tür vor der Nase zu und verriegelte sie sicherheitshalber hinter sich.

* * *

Der nächste Tag war brutal für Maria. So sehr sie sich auch bemühte, sie konnte die Erinnerung an diesen erstaunlichen Orgasmus oder an seine Worte nicht aus ihrem Kopf bekommen.

Garrett machte seinen Unmut über sie überaus deutlich. Er knallte den ganzen Tag Türen zu und ging ihr aus dem Weg, um auch wirklich auf Nummer sicher zu gehen, dass sie mitbekam, dass er sie ignorierte. Er hatte nicht mit ihr gesprochen, selbst wenn er es musste. Mehrere Male hörte sie, wie er nach Beth brüllte, um das arme Mädchen über irgendetwas auszufragen. Beth wiederum kam aus seinem Büro, stellte sich zitternd vor Marias Schreibtisch und stellte ihr die Frage, die Garrett ihr eigentlich hätte selbst stellen sollen. Maria antwortete Beth so ruhig wie möglich und versuchte ihr Bestes, das Mädchen nicht in ihren Streit hineinzuziehen. Dann ging Beth zu Garrett zurück, um ihm die Antwort mitzuteilen, woraufhin er sie wegschickte.

So ging das stundenlang, bis Maria schließlich gegen zwei Uhr nachmittags, als Beth ihr eine lächerlich triviale Frage stellte, spürte, wie ihr Temperament mit ihr durchging. »Du kennst die Antwort darauf doch sicher selbst?«

»Natürlich«, antwortete die andere Frau mit einem Blick, der sagte, dass sie langsam verstand, was hier vor sich ging. »Ich habe es ihm gesagt, aber er sagte, ich müsse das mit dir klären.«

Maria stand auf und setzte ein Lächeln auf. »Ist schon gut, ich kümmere mich um ihn, okay?«

Beth sah erleichtert aus. »Bist du sicher?«

»Natürlich, mach dir keine Sorgen. Das hat nichts mit dir zu tun. Geh zurück an die Arbeit.«

Während Maria in Richtung von Garretts Büro ging, kehrte Beth zu ihrem Platz am Empfangstresen zurück. Maria versuchte, die Wut, die durch ihre Adern pochte, im Zaum zu halten, ging in sein Büro und schloss die Tür mit einem leisen Klicken hinter sich. Dann drehte sie sich um, lehnte sich rücklings dagegen und wartete darauf, dass er seinen Blick von dem Dokument hob, das er sich gerade durchlas.

Nachdem ein langer Moment verstrichen war, wurde ihr klar, dass er genau wusste, dass nicht Beth in seinem Büro stand. Er ignorierte sie eklatant oder machte wahrscheinlich eine Art blödsinniges Spiel daraus, das scheinbar beinhaltete, dass sie zuerst sprach.

Sie kam seiner Regel ohne zu zögern nach. »Ich denke, es ist an der Zeit, dass du zurück nach St. Louis gehst«, sagte sie ohne Umschweife.

Ruckartig hob er den Kopf und bedachte sie mit einem Blick, der Bände sprach. Seine Miene trübte sich vor Wut, und er stieß verächtlich hervor: »Was genau gibt dir das Recht, mir zu sagen, was ich tun soll?« Er starrte sie weiter an und sagte dann viel zu leise: »Was glaubst du, wer du bist?«

Eine plötzliche Kälte hing bei seiner Frage zwischen ihnen in der Luft. Sie ließ Schmerz über seine gefühllosen Worte nicht zu und konzentrierte sich auf die Wut, die in ihr zu brodeln begann. »Ich kann diesen Job mit geschlossenen Augen machen, und das weißt du. Es gibt keinen Grund mehr für dich, hier zu sein. Du bringst den Betrieb aus dem Gleichgewicht … du verärgerst Beth. Du kannst sie nicht ständig vom Empfangstresen wegzitieren. So wie es heute war, kann es einfach nicht weitergehen.«

Er drehte seinen Stuhl und stand auf. Eine glühende Maske der Verurteilung spiegelte sich auf seinem Gesicht. »Ich warne dich. Sei vorsichtig, was du zu mir sagst.«

Aus irgendeinem Grund, Wahnsinn vielleicht, hatte sie keine Angst vor seinen Drohungen, zumindest nicht, was ihren Job betraf. Er konnte schimpfen und toben und drohen, so viel er wollte. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund wusste sie, dass ihr Job sicher war, egal wie sich das persönliche Verhältnis zwischen ihnen entwickeln würde. Mit dieser Gewissheit fiel es ihr leicht, sich weiter mit ihm anzulegen. »Ernsthaft, Garrett. Du musst deinen Scheiß packen und gehen. Geh zu den Keys oder nach St. Louis oder wohin auch immer du willst, aber es gibt keinen beschissenen Grund mehr für dich, noch hierzubleiben.«

Seine Hand schlug feindselig aus. »Es gibt jeden verdammten Grund für mich, hier zu bleiben, und du hast in dieser Angelegenheit kein Mitspracherecht, verstanden?«

Maria stärkte ihr Inneres. »Was gibt es denn für einen Grund?«, rief sie. »Was könntest du noch für einen möglichen Grund haben?«

Es gab eine Pause von nur etwa einer Sekunde, bevor es aus ihm heraussprudelte. »Du, verdammt nochmal!«

Ein plötzlicher lächerlicher, schrecklicher, unangebrachter Schauer schoss ihr den Rücken hinunter und kräuselte sich durch ihre Blutbahn. Dass er sich dieses Eingeständnis machte und auch noch laut aussprach, überraschte sie. Warum, das wusste sie nicht wirklich, aber sie hätte niemals erwartet, dass er den Grund für sein Bleiben zugeben würde – nicht in einer Million Jahren, selbst wenn sie die Wahrheit tief im Inneren lange gewusst hatte. Und jetzt, da er sich mit einer sexuellen Absicht langsam an sie heranpirschte, um sie dafür bestrafen zu wollen, dass sie dieses Geständnis aus ihm herausgelockt hatte, tat es nur ihr verdammt leid, dass sie etwas in ihm geöffnet hatte, dass der Büchse der Pandora offensichtlich sehr nahe kam. Seine Augen loderten, und sie atmete einen Moment lang tief durch, bis ihr klar wurde, dass er sie in wenigen Sekunden erreichen würde.

Schnell drehte sie sich um und flüchtete aus seinem Büro, wobei sie die Tür hinter sich zuschlug.

Sie dachte kurz darüber nach, nach oben zu rennen, einfach irgendwo hinzulaufen, aber sie tat es nicht. Sie machte einen stabilisierenden Atemzug und ging so ruhig, wie sie konnte, in ihr Büro zurück und setzte sich hinter ihren Schreibtisch. Sie fuhr mit den Händen über die Tastatur, zog automatisch den Reservierungskalender für den nächsten Monat hervor und tat so, als würde sie ihn studieren.

Die Tür zu seinem Büro ging klickend auf, und ohne von ihrem Computerbildschirm aufzublicken, nahm sie wahr, dass er direkt auf sie zukam und vor ihrem Schreibtisch stehen blieb.

Ihre Augen klebten an ihrem Bildschirm, als er seine Handflächen an die Kante ihres Schreibtisches legte und sich auf sie stützte. »Stelle mein Handeln nicht in Frage, Maria.« Seine Stimme war rau und sauer, und Maria ließ ihren Blick zu ihm gleiten und sah, dass seine Finger so fest auf ihren Schreibtisch drückten, dass seine Knöchel weiß geworden waren. Zwei dieser Finger waren letzte Nacht in ihr gewesen . Ihr Herz klopfte wild bei dieser Erinnerung und sie ließ ihren Blick langsam wieder zurück auf ihren Bildschirm gleiten, als er noch feindseliger fortfuhr: »Du willst das Recht haben, mein Handeln in Frage zu stellen? Du willst das Recht haben, in mein Leben einzugreifen? Sag mir nicht, dass ich mich von deinem Schlüpfer fernhalten soll. Wenn du mir verweigerst, was ich will, wirst du nie ein Wörtchen mitzureden haben.«

Damit drehte er sich um und schlenderte aus den Büros.

Maria nahm ihre Hände von der Tastatur und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück. Irgendwo tief in ihr wusste sie genau, dass der Tag der Abrechnung nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Sie ließ einen Atemzug aus, von dem sie nicht einmal wusste, dass sie ihn angehalten hatte … und gab im Stillen zu, dass der Strom des Verlangens, das sie nach ihm hatte, ohnehin nicht mehr lange hinter dem Damm gehalten werden konnte.

* * *

Garrett stürmte aus dem Hotel und stieg in seinen Mietwagen, einen schwarzen Cadillac Escalade. Er legte den Rückwärtsgang ein und ließ die Räder durchdrehen. Das Brennen des Gummis auf dem Asphalt ließ eine zugegebenermaßen unreife Befriedigung in ihm aufsteigen. Als er durch die Straßen von Miami fuhr, wusste er, dass etwas passieren musste, und zwar verdammt bald. Er spürte, dass er nicht mehr lange so weitermachen konnte.

Sie würde nachgeben müssen … oder er musste aufgeben und gehen, so wie sie es ihm keine fünf Minuten zuvor lautstark gesagt hatte.

Aber wie konnte er gehen, ohne sie vorher zu ficken? Er würde immerzu daran denken, er würde es nicht vergessen können … das war ihm schon damals nicht gelungen, als sie noch nur eine Stimmte in seinem Kopf gewesen war. Und jetzt … zur Hölle, nein. Er konnte nicht einfach gehen. Es würde nicht funktionieren. Sein Verlangen nach ihr war zu stark. Nachdem er sie kennengelernt hatte, war es obendrein mittlerweile mehr als nur ihre Stimme und ihr exotisch gutes Aussehen. Es war die verdammte Art, wie sie seufzte, wenn sie müde war … es war die Art, wie sie sich den Hals lockerte, wenn sie zu lange am Computer gesessen hatte … es war die Art, wie sie lächelte, wenn sie sich über etwas freute.

Nein, er würde nicht gehen. Verfickte Scheiße. Er konnte nicht gehen, bevor das hier beendet war. Der Orgasmus, den er ihr in der Nacht zuvor im Treppenhaus beschert hatte, würde sein Gehirn für den Rest seines Lebens durcheinanderbringen, wenn er keinen Weg finden würde, sie zu haben. Mit einer neuen Entschlossenheit brachte er das Auto zum Stehen, machte eine Kehrtwende und fuhr zum Hotel zurück.

Und was, wenn er sie auch noch wollte, nachdem er sein ultimatives Ziel, sie ins Bett zu bekommen, erreicht hatte?

Er schüttelte den Gedanken ab. Darüber würde er sich Gedanken machen, wenn die Zeit gekommen war.

* * *

Um sechs Uhr an diesem Abend ging Maria in den Barbereich des Restaurants, wo jeden Abend von fünf bis acht Uhr eine kostenlose Happy Hour angeboten wurde. Es war ihre Angewohnheit, den Kopf hereinzustrecken, um sicherzustellen, dass zumindest ein Barkeeper anwesend war, und dann ging sie normalerweise wieder.

Heute Abend jedoch saßen Luis Calderon und ein paar andere Jungs von der Party an einem Bartisch und winkten sie zu sich herüber.

Mit einem beunruhigenden Gefühl im Magen, das ihr sagte, dass sie verdammt froh war, dass Garrett nicht in Sichtweite war, schlenderte sie zu ihnen hinüber, wobei ihre hohen Absätze auf den brandneuen Porzellanfliesen klackten. Sie blieb neben dem Tisch stehen und lächelte. »Guten Abend, meine Herren.«

Luis schob ihr einen Barstuhl hin. »Hey, Süße, was darf’s sein?«, fragte er, während er ins Spanische wechselte und ihr die hispanischen Männer vorstellte, mit denen er zusammen war, bevor er dem Kellner ein Zeichen gab, der gerade die Runde machte.

Maria lächelte die Männer zur Begrüßung an, und als sie sich auf den Stuhl setzte, nahm sie Blickkontakt mit Mario auf, dem anwesenden Kellner, der sie aufmerksam beobachtete. Die beiden waren diese Übung schon öfter durchgegangen, als sie zählen konnten, und sie beherrschten sie mittlerweile in- und auswendig. »Ich hätte gerne ein Crown Royal mit Cola light«, sagte sie, und hob ihre Hand, wobei sie Finger und Daumen nur leicht auseinander hielt. »Aber nicht zu stark, okay, Mario?«

Die Wörter nicht zu stark zusammen mit ihrer Handbewegung war ein geheimes Signal, das sie vor einiger Zeit mit den Kellnern und Barkeepern perfektioniert hatte. Es bedeutete, dass sie nur eine Cola light wollte, aber sowohl sie als auch die Angestellten taten so, als würde sie Alkohol trinken. Sie hatte sich diesen Trick ausgedacht, weil der ein oder andere Gast von ihr erwartete, einen Drink mit ihnen zu nehmen, und sie versuchte stets es ihren Gästen recht zu machen, wenn sie konnte.

Sie war beileibe keine Abstinenzlerin, aber sie wollte nicht jeden Abend trinken, und die kleine Täuschung war bisher noch nie aufgeflogen, denn ihre Drinks wurden sicherlich nie jemandem auf die Rechnung gesetzt.

Einen Augenblick später hatte sie eine Diet Coke, serviert in einem Highball-Glas und garniert mit einer Limettenspalte vor sich stehen. Sie bedankte sich bei Mario, und er schenkte ihr im Gegenzug ein kleines, verschwörerisches Lächeln, bevor er sich zum Gehen wandte. Sie nahm sich einen Moment Zeit, um die Limette in ihren Drink zu pressen, und spürte, wie Luis’ Arm hinter ihren Sitz glitt. Er berührte sie nicht, sondern nur ihren Stuhl, also tat sie so, als wäre sein Arm nicht da, während sie sich allen drei Männern zuwandte und in fließendem Spanisch eine angeregte Unterhaltung über irgendetwas begann.

Etwa zehn Minuten später – Luis’ Arm lag immer noch auf der Rückenlehne ihres Sitzes, und sie hatte vielleicht die Hälfte ihres Getränks ausgetrunken –, warf sie einen zufälligen Blick durch den Raum und traf Garretts Blick. Er stand auf der Schwelle und beobachtete sie. Ein Sturm braute sich auf seinen Gesichtszügen zusammen.

Er trug blaue Jeans, schwarze Stiefel und ein enges schwarzes T-Shirt, das seine Brust, Bauchmuskeln und seinen Bizeps betonte. Er sah buchstäblich zum Anbeißen aus, und der besitzergreifende Blick in seinen Augen beunruhigte sie und setzte ihrer Weiblichkeit zu. Ihr Magen drehte sich in Knoten und ihre Finger wurden ungeschickt, also setzte sie ihr Getränk ab, bevor sie es verschüttete.

Garretts Augen verließen die ihren und sahen auf die Armlehne hinter ihrem Stuhl, bevor sie sich zu dem Mann neben ihr bewegten, um ihn zu studieren. Er ging etwa bis zur Hälfte des Weges zu dem Tisch, an dem sie saß, bevor er zum Stehen kam. Sein Blick kehrte zu ihr zurück, seine Lippen verzogen sich zu einer unverkennbaren Linie des Missfallens. Er neigte ruckartig den Kopf, um ihr zu signalisieren, auf der Stelle zu ihm zu kommen, ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen.

Der Mann neben ihr bemerkte es. »Wer ist er?«

Maria begann von ihrem Sitz zu gleiten. »Der neue Besitzer. Ich sehe besser nach, was er will.«

Als sie sich aufrichtete, glitt Luis’ Hand auf ihre Schulter, seine leisen, spanischen Worte klangen besorgt. »Man kann bereits an seinem Blick sehen, was er will, Babe. Kommst du zurecht?«

Maria nahm ihren Drink und antwortete in der gleichen Sprache, wobei sie sich einredete, dass es ihr nichts ausmachte, dass Garrett in Hörweite war und sein großer Körper nur ein paar Meter entfernt aufragte: »Er kann mich ansehen, solange er will, aber das heißt nicht, dass er es jemals kriegen wird.« Damit schenkte sie den drei Männern ein strahlendes Lächeln, von dem sie wusste, dass es Garrett nicht entgehen konnte. »Wir sehen uns später, okay?«

»Sicher, Süße«, sagte Luis, nahm seinen Drink und hob ihn in ihre Richtung, um ihr zuzuprosten.

Maria lächelte noch einmal und neigte den Kopf, dann machte sie auf dem Absatz kehrt und ging auf Garrett zu. Als sie seine Seite erreichte, legte er seine Hand mit einer wütenden, präzisen Bewegung auf ihren Ellenbogen und führte sie aus dem Raum.

Mit der Hand an der Unterseite ihres Armes führte er sie zu den Aufzügen. Einer der Aufzüge war bereits auf ihrer Etage, also stiegen sie ein und die Türen glitten mit einem leisen Zischen zu. Er drückte die Nummer für den vierten Stock und manövrierte sie dann mit einer schnellen und ungeduldigen Bewegung gegen die Wand.

Maria hielt ihr Getränk zur Seite und versuchte, die Flüssigkeit im Glas davon abzuhalten, ihren Rock und ihre Bluse zu besudeln.

Garrett stützte beide Hände gegen die Wand zu beiden Seiten ihres Kopfes, um sie in seinem Raum zu umschließen. »Was habe ich dir gestern Abend gesagt?«

Ihr Magen verdrehte sich zu einem festen Knoten. »Wie bitte?«

»Gestern Abend«, sagte er wieder, »was habe ich dir da gesagt?«

»Du hast mir eine Menge Dinge gesagt.« Sie atmete kurz ein, denn sie wusste genau, dass er Luis Calderon meinte und den Arm, den der Mann kurz zuvor um sie gelegt hatte. »Du hast mir gesagt, ich soll mich vom Treppenhaus fernhalten.«

Seine Augen wurden eisig. »Ich habe dir gesagt, dass dich niemand anfassen darf.«

Sie hob ihr Kinn und presste die Zähne zusammen. »Und ich habe das als Schwachsinn bezeichnet, nicht wahr?«

Gerade als ein grimmiger Blick über sein Gesicht wanderte, klingelte die Tür, und der Aufzug kam auf ihrer Etage zum Stehen. Garrett trat zurück und hielt die Tür offen. Offensichtlich erwartete er, dass sie aussteigen würde. Wo zur Hölle sollte sie denn sonst hin? Sie hatte keine andere Wahl, als ihm nach draußen zu folgen.

Er packte sie am Arm und marschierte mit ihr in Richtung ihrer Suite. Die Schmetterlinge in ihrem Bauch wurden zu einem Band des Verlangens, das durch ihren Körper schoss, während ihr Verstand noch mit ihrem Körper im Wettstreit lag. Warum nicht? schrien ihre weiblichen Körperteile. Weil er ein arroganter Arsch ist, antwortete ihr Verstand.

Als er sie den Korridor förmlich entlangschleppte, stolperte sie beinahe, und er packte sie sofort fester. »Wie viel hast du getrunken?«, fragte er genervt.

»Nichts.«

Sie waren an ihrer Tür angekommen, und er drückte sie mit dem Rücken dagegen. »Du trinkst doch gerade. Willst du mir erzählen, dass das dein erster Drink ist?«

»Ich sage dir, dass das Cola light ist.«

Sein Blick war mehr als skeptisch. Sein Ausdruck sagte, dass er ihr nicht glaubte. »Blödsinn.«

Feuer entzündete ihre Wirbelsäule. »Riech daran. Oder nimm einen Schluck«, forderte sie ihn auf.

»Warum lässt du es so aussehen, als wäre es ein Cocktail? Und warum bist du gerade gestolpert?«

»Ich bin nicht gestolpert.« Beim Stolpern landet man mit dem Gesicht auf dem Boden, richtig? Sie betete, dass sie bei ihrem kleinen Ausrutscher eben nicht annähernd so ungraziös ausgesehen hatte.

Er knurrte, um ihr zu signalisieren, dass er genug von ihren Ausflüchten hatte. »Wo ist deine Schlüsselkarte?«

Als sie sah, wie ein anderes Pärchen ein paar Türen weiter ihre Suite verließ, und weil sie nicht länger im Flur herumstehen und eine Szene machen wollte, holte Maria ihre Karte aus der Tasche und schob sie in den Schlitz in ihrer Tür. Als sie das tat, griff eine starke und dunkle Hand um sie herum und drückte die Klinke nach unten, und die Tür öffnete sich.

Sie keuchte und wollte sich umdrehen, nicht ahnend, dass er versuchen würde, ebenfalls in ihr Zimmer zu gelangen. Sie dachte, er hatte vorhin nur die Absicht gehabt, sie von den Männern zu trennen, mit denen sie zusammensaß. Sie murmelte: »Du kannst nicht mit reinkommen«, aber da war es schon zu spät.

Er führte sie mit einer festen Hand an ihrem Rücken vorwärts in die Suite, drehte sich um und verriegelte die Tür. Wie betäubt stand sie da, als er ihr das Glas aus der Hand nahm und es an seine Nase hielt. Er sah ihr in die Augen, nahm einen Schluck, offensichtlich, um sie zu testen, und stellte das Glas dann auf die Kommode neben dem Fernseher.

Sein mangelndes Vertrauen ihr gegenüber ignorierend, schluckte sie und versuchte erneut ihn hinauszubefördern: »Ich will dich nicht hier drin haben, Garrett.«

»Ist mir ziemlich egal«, sagte er knapp, während er eine kleine weiße Karte aus seiner Gesäßtasche nahm und sie auf die Kommode neben das Glas warf.

»Was ist das?«, fragte sie und blickte auf etwas, was wie eine Visitenkarte aussah.

Seine Augen verengten sich und er sagte durch knirschende Zähne: »Der Name eines guten Anwalts.«

Ihr Herz setzte einen Schlag aus und begann dann so stark zu hämmern, dass sie es in ihrem Trommelfell hören konnte. »Ein Anwalt?«

Er trat einen Schritt näher. »Der Beste im ganzen Land. Er ist spezialisiert auf sexuelle Belästigung. Du wirst seine Dienste benötigen, sobald ich mit dir fertig bin.«