Devin hatte zugesagt, als Lucas sie gefragt hatte, ob er sie auf ihrer abendlichen Joggingrunde begleiten dürfe. Sie war immer noch aufgewühlt von ihrer Begegnung mit Steve, und etwas Gesellschaft kam ihr gerade recht.
Sie folgten dem beleuchteten Weg, der sich über das Grundstück schlängelte. Im Gegensatz zu ihrem letzten gemeinsamen Joggingausflug legte Lucas nur ein mäßiges Tempo vor und plauderte über die Instandhaltung seines Segelboots und die nächsten Veranstaltungen für den neuen Krankenhaustrakt. Devin entspannte sich nach und nach.
Sie umrundeten die Ställe, vor denen, nahe am Weg, zwei große kastanienbraune Pferde standen.
„Reitest du?“, fragte sie heftig atmend.
„Gelegentlich. Byron ist der Cowboy in der Familie. Er hat ziemlich viel Besitz unten in Texas, und geht im Landleben voll und ganz auf. Halbwegs hab ich schon erwartet, dass er eines Tages hier mit ein paar Stieren aufkreuzt. Wenn man ihm glaubt, haben wir gutes Weideland auf der Nordseite des Grundstücks.“
Sie musterte Lucas in der kurzen Jogginghose und den Turnschuhen. „Irgendwie kann ich mir dich nicht vorstellen, wie du die Ranch abreitest.“
„Wie bitte? Glaubst du, ich mache keine gute Figur mit einem Stetson?“
Eigentlich nahm sie an, er würde hervorragend mit einem Stetson aussehen. Aber darüber wollte sie lieber nicht nachdenken, geschweige denn reden. „Ich glaube, du würdest den Staub hassen.“
„Stimmt“, sagte er und nickte. „Gib mir eine sauberes Hemd, eine heiße Braut und einen Bugatti, und ich bin in meinem Element.“
„Oder einen Satz polierte Golfschläger und einen Golfcaddy?“
„Das ginge auch“, stimmte er zu. „Was ist mir dir? Spielst du Golf?“
„Nein.“
„Möchtest du es ausprobieren?“
„Nicht wirklich.“
„Was ist mit schwimmen?“, fragte er, als sie sich dem Pool und dem Ende ihrer Joggingrunde näherten.
„Natürlich gehe ich schwimmen. Ich lebe am Meer.“
„Ich meinte jetzt. Ich vergehe vor Hitze.“
Sie verlangsamten ihre Schritte, als sie die Poolterrasse betraten. Lucas wischte sich mit dem Handrücken über seine verschwitzte Stirn.
Auch ihr war heiß. Und der Pool sah verlockend aus.
„Kein Badeanzug“, sagte sie und stützte eine Hand auf dem Tisch ab, um das Gleichgewicht zu halten, während sie ihre Wadenmuskulatur dehnte.
„Kein Problem.“ Er zog das Handy aus der Tasche seiner Shorts.
„Du wirst jetzt nicht einen Angestellten anrufen, damit er meinen Badeanzug holt.“
„Wer hat was von einem Badeanzug gesagt?“ Er legte das Handy auf den Tisch, streifte sein T-Shirt ab und warf es auf einen der Liegestühle.
Devin konnte sich nicht von einem kurzen Blick auf seine nackte Brust zurückhalten. Der Mann war fantastisch gut in Form.
Aber dann griff er nach dem Bund seiner Shorts.
Sie hörte auf, ihr Bein zu dehnen, und stolperte ein paar Schritte zurück. „He, Moment mal, Cowboy.“
Er grinste ohne jegliche Reue. „Boxershorts“, versicherte er ihr. „Aber ich kann das Licht dimmen, wenn du schüchtern bist.“
Sie zog sich weiter zurück. „Der Pool gehört ganz dir. Ich werde einfach hoch in mein Zimmer gehen.“
„Mach dich nicht lächerlich.“ Er ging zum Poolhaus hinüber und öffnete einen Schaltkasten, betätigte einige Hebel, und schon wurde das Wasser im Pool dunkel, ebenso wie die Terrasse. Beleuchtung boten jetzt nur noch die Laternen aus den umliegenden Blumengärten und Gebüschen.
„Komm schon …“ Er winkte ihr auffordernd zu und ging durch die Dunkelheit zum Pool. „… dir muss doch heiß sein.“
„Ich trage keine Boxershorts“, antwortete sie säuerlich, halb entsetzt und halb erregt bei dem Gedanken an ein nächtliches Bad mit Lucas.
„Bist du nackt unter diesen Shorts?“ Er griff wieder nach seinem Hosenbund, und sie blickte schnell weg.
„Bin ich nicht.“
„Dann schwimm in Unterwäsche. Ist doch nichts anderes als ein Bikini.“
„Ist es doch.“
„Nur in deinem Kopf.“
Sie hörte Wasser aufspritzen und sah ihn aus dem Augenwinkel in das tiefe Ende des Pools eintauchen. Seine Boxershorts glänzten schwarz, dann verschwand er im dunklen Wasser.
Er kam wieder hoch und schüttelte sein nasses Haar. „Wundervoll“, schwärmte er. „Ich werde mich auch wie ein Gentleman verhalten und mich wegdrehen, bis du im Wasser bist.“
Sie musste zugeben, dass das Wasser sehr verlockend aussah. Es war außergewöhnlich warm für die Jahreszeit, und Devin war heiß und verschwitzt, nachdem sie den ganzen Tag in der Stadt unterwegs gewesen war. Amelia hatte schlechte Laune gehabt, und die Klimaanlage in Devins Auto starb einen langsamen aber sicheren Tod.
Sie griff nach einer Flasche mit eisgekühltem Wasser und trank einen Schluck, kühlte ihre trockene Kehle. Die Flüssigkeit half ein wenig, aber nicht genug. Der Pool sah sehr verlockend aus.
„Versprichst du, wirklich nicht zu gucken?“
Er wandte ihr den Rücken zu. „Jetzt übertreib nicht.“
Sie atmete tief durch und blickte sich im sanft beleuchteten Garten um. Außer ihnen war niemand hier, und das Haus war weit genug weg, von dort wären sie nicht zu sehen, wenigstens nicht so genau, insbesondere da das Licht hier am Pool ausgeschaltet war. Ihre pfirsichfarbene Unterwäsche würde sich kaum von einem Bikini unterscheiden. Es war ja nicht so, als würden sie nackt baden gehen, sagte sie sich. Und die Abkühlung vor dem Schlafengehen würde sich fantastisch anfühlen.
„Also gut“, verkündete sie und streifte die Schuhe ab. „Ich komme rein.“ Schnell zog sie auch ihr verschwitztes T-Shirt und die Jogging-Shorts aus. Eigentlich vertraute sie darauf, dass Lucas sein Wort hielt, aber trotzdem ging sie kein Risiko ein. Sie sprang kopfüber in den Pool.
Nach dem ersten Kälteschock fühlte das Wasser sich herrlich an. Sie tauchte auf und strich sich das nasse Haar aus dem Gesicht, trat Wasser im tiefen Ende des Pools, auf der entgegengesetzten Seite von Lucas.
„Gut?“, fragte er mit tiefer, leiser Stimme. Sein Gesicht war nur eine dunkle Silhouette im Licht, das von den entfernten Gartenflächen herüberschien.
„Sehr gut“, stimmte sie zu, durchquerte im Bruststil einmal den Pool. Sie bemühte sich vorzugeben, das hier wäre nichts weiter als ein normales Bad im Pool, aber sie war sich der Dunkelheit, ihrer seidig glatten Unterwäsche und Lucas’ Blick nur zu bewusst.
Die Erinnerung an den Kuss stahl sich in ihren Kopf. Und es gelang ihr nicht, zu verdrängen, wie es sich angefühlt hatte, als seine Arme sie umfangen hielten. Vielleicht war es das Verbotene-Frucht-Syndrom. Oder vielleicht lernte sie hier gerade all die Gründe kennen, wegen derer Monica Konrad nicht hatte widerstehen können, trotz all der Hinweise darauf, dass er nicht gut für sie war.
Lucas war definitiv nicht gut für sie. Das war ihr mit jeder Faser ihres Körpers klar. Aber das hielt sie eindeutig nicht davon ab, ihn zu wollen. Es hielt sie nicht einmal von unklugen Entscheidungen wie diesem nächtlichen Schwimmausflug ab.
Oh, diese Demarcos waren wirklich gut.
„Devin?“ Lucas’ tiefe Stimme strich elektrisierend über ihren Körper.
„Ja?“, antwortete sie, brusttief im Wasser stehend, und stützte sich mit einer Hand an der glatten Wand des Pools ab, als sie sich zu ihm umdrehte.
Er schwamm näher heran und stand ihr dann gegenüber. Wassertropfen rannen an seinem Körper hinab. „Wir müssen reden.“
„Worüber?“, fragte sie vorsichtig und hoffte, es hatte nicht damit zu tun, dass sie nur Unterwäsche trug und sie zusammen einen nächtlichen Schwimmausflug unternahmen, oder mit dem Kuss von vor zwei Tagen.
Aber er sah ernst aus und ganz und gar nicht flirtend.
Trotz allem musste sie einen Anflug von Enttäuschung unterdrücken. Sie rief sich selbst zur Ordnung. Sie wollte nicht, dass er mit ihr flirtete. Sie graute sich vor dem Gedanken, dass er versuchen könnte, mit ihr zu flirten.
„Es ist wegen Steve“, sagte er, und seine Stimme wurde noch tiefer, als er sich ihr weiter näherte.
Ihr Bauch zog sich vor Angst zusammen. Sie wollte nicht über Steve reden. Sie wollte nicht mal über Steve nachdenken.
„Byron und ich haben seine neue Taktik durchschaut.“
Devin schluckte. „Ist es schlimm?“ Musste sie sich Sorgen machen?
„Verabscheuungswürdig“, sagte Lucas und fuhr sich mit einer Hand übers Gesicht, wischte die letzten Wassertropfen fort. Die hinabperlenden Tropfen ließen ihn verwegen und gefährlich aussehen. „Er will Amelia enterben lassen.“
Devin riss sich zusammen. „Wie meinst du das?“
„Steve versucht zu beweisen, dass sie kein Recht auf die zehn Prozent von Pacific Robotics hat.“
„Kann er das?“
„Er hat ein Schlupfloch im Testament gefunden“, sagte Lucas. „Er denkt, wenn er beweisen kann, dass die Ehe von Konrad und Monica nur Betrug war …“
„Sie war nur Betrug“, fühlte sie sich verpflichtet zu sagen.
Lucas verschränkte die Arme vor seiner muskulären Brust. „War sie nicht. Aber das ist nicht der Punkt.“
Sie antwortete nicht, da sie annahm, dass Lucas sie nicht allzu warten lassen würde, bevor er ihr erzählte, was der Punkt war.
„Der Punkt ist …“ Er holte tief Atem. „… dass du ihm unbeabsichtigt helfen könntest.“
„Unbeabsichtigt?“ Auf welchem Planeten hatte Lucas die letzten Wochen gelebt? „Wenn er beweisen will, dass die Ehe von Konrad und Monica Betrug war, dann werde ich ihm absichtlich helfen.“
Lucas trat einen Schritt auf sie zu, legte den Kopf leicht zur Seite. „Das kannst du nicht tun, Devin.“
„Ich werde nicht lügen, Lucas.“
„Ich bitte dich nicht zu lügen.“
„Konrad hat Monica nicht geliebt.“
„Er hat sie geliebt.“
Devin presste ihre Kiefer zusammen. Wenn Amelia ein Recht auf ihr Erbe hatte, würde sie mit allen Mitteln darum kämpfen. Aber wenn sie kein Recht darauf hatte …
„Du hast doch keine übersinnlichen Fähigkeiten, dass du in Konrads Kopf gucken kannst“, sagte Lucas.
„Meinst du nicht eher in sein Herz?“
„Du musst das Gesamtbild betrachten.“
„Nette Ausdrucksweise.“
„Du musst die Möglichkeit in Betracht ziehen, wie klein auch immer sie sein mag, dass du dich getäuscht hast, was Konrad angeht.“
„Ich muss gar nichts tun.“ Die Wahrheit blieb die Wahrheit.
„Hör mir zu …“
„Du klammerst dich an einen Strohhalm.“ Sie hatte unzählige Nächte damit zugebracht, Monica wegen Konrads Betrug zu trösten. Er hatte ihre Schwester tief verletzt, und Devin war nicht bereit, die Dinge schöner zu malen, als sie waren.
„Amelia ist die gesetzliche und rechtmäßige Erbin meines Großvaters“, knurrte Lucas. „Du und ich …“ Er hielt inne, kämpfte eindeutig darum, seine Gefühle wieder unter Kontrolle zu bekommen. „Wir schulden es Konrad und Monica und meinem Großvater, Amelias Interessen zu schützen.“ Lucas hatte die Schultern gestrafft, das Kinn vorgereckt, und seine Augen funkelten schwarz im dämmrigen Licht.
Als sie nicht antwortete, fuhr Lucas fort: „Und das bedeutet, wir beide müssen aufhören, miteinander zu streiten.“
„Wir streiten doch gar nicht.“ Gut, vielleicht taten sie es im Moment. Aber in den vergangenen Tagen waren sie ziemlich gut miteinander ausgekommen. Tatsächlich waren sie sehr gut miteinander ausgekommen, viel zu gut für Devins Seelenfrieden.
„Ich rede vom Streit um die Vormundschaft“, sagte Lucas. „Wir müssen ihn beenden.“
Es brauchte ein paar Momente, bis die Bedeutung seiner Worte zu ihr durchdrang. Und als sie es tat, sank ihr das Herz. Sie wusste nicht, warum sie so enttäuscht war. Sie hätte nicht einmal überrascht sein sollen. „Ist das irgendeine frei erfundene Einschüchterungstaktik, damit ich die Vormundschaftssache fallen lasse?“
Seine Augenlider senkten sich. „Nein.“
„Hat Steve wirklich etwas im Testament gefunden?“
„Devin …“
„Ich glaube dir nicht.“ Warum, verdammt, warum ließ sie nur immer wieder ihre Schutzmauern ihm gegenüber fallen? Was war mit ihr los?
„Glaub mir“, sagte Lucas, seine Stimme war hart wie Stahl. „Steve hat etwas gefunden. Und wenn du und ich den Fall vor Gericht ausfechten, wird Amelia die Verliererin sein. Deine Zeugenaussage, so fehlgeleitet wie sie ist, wird Steve direkt in die Hände spielen.“
„Ich werde nicht einfach so auf das Sorgerecht für Amelia verzichten.“ Sie presste sich gegen die Poolwand und fuhr mit den Händen durch das lauwarme Wasser, während sie in Richtung der Leiter watete. „Dieses Gespräch ist beendet.“
Er streckte die Hand aus und umfasste ihren nassen Arm. „Ich verlange von dir nicht, dass du auf das Sorgerecht verzichtest, Devin. Ich bitte dich, uns Zeit zu geben, um Amelias Willen.“
Sie schüttelte seine Hand ab, kämpfte gegen das Prickeln an, das Lucas’ Fingerspitzen auf ihrer Haut hinterließ. „Du hast doch noch nie etwas für Amelia getan.“
„Das weißt du nicht.“
„Doch, das weiß ich.“ Sie rieb sich über den Arm, dort, wo er ihn berührt hatte, kämpfte darum, seine Nähe zu ignorieren, die Dunkelheit um sie herum, das kühle Wasser, das ihre nackte Haut umspielte.
„Du hörst ja nicht mal zu“, beschuldigte er sie.
„Ich habe sehr gut zugehört. Alles, was ich tue, ist, dir zuzuhören. Und ich vertraue dir immer wieder, obwohl ich es besser wissen müsste …“
„Ha!“, spottete er.
„Und ich treffe dumme Entscheidungen.“
Er kam näher. „Und du denkst, das tue ich nicht? Ich treffe die dümmsten Entscheidungen der Welt, sobald du ins Spiel kommst.“ Sein Körper drückte sich sanft gegen ihren, Schenkel an Schenkel, Bauch an Bauch.
Im Zeitlupentempo neigte er seinen Kopf, und sie hielt den Atem an, wartete auf seinen Kuss.
Im Wasser war Devins pfirsichfarbener BH durchsichtig geworden, ein Anblick, der unablässig durch Lucas’ Kopf tanzte. Ihre Brustwarzen waren hart, und der hauchdünne Stoff enthüllte jede Kleinigkeit ihrer hinreißenden Brüste. Ihr Gesicht war gerötet, ihre vollen Lippen öffneten sich.
Nur mit stahlharter Entschlossenheit gelang es ihm, sie nicht an sich zu reißen und bis zur Besinnungslosigkeit zu küssen. Stattdessen fuhr er mit den Fingerspitzen über ihren nassen, glatten Arm und ihre Schulter entlang, fand den Weg zu ihrem Nacken.
Ihre Pupillen weiteten sich, und sie atmete flach und keuchend. Er wusste, dass er mit dem Feuer spielte.
Kleine Wellen umspielten sie beide. Er legte seine Hand um ihren Nacken und zog sie noch näher zu sich heran.
„Ich kann dir nicht vertrauen“, sagte sie zu ihm, auch wenn ihr Blick etwas anderes sagte.
„Ich weiß“, erwiderte er sanft, die Worte mehr eine Liebkosung als Teil eines zusammenhängenden Gesprächs. Aber er verstand ihre Einstellung. Im Moment kümmerte sie ihn nicht besonders, aber er verstand sie.
„Und du kannst mir nicht vertrauen“, sagte sie atemlos, sendete ihm mit Worten und Körper deutlich unterschiedliche Botschaften.
Er bewegte sich so, dass ihre nackten Schenkel sich berührten. „Das weiß ich auch“, sagte er ehrlich.
Er gab nach und berührte ihre Lippen mit seinen, zu einem schmerzlich kurzen Kuss. Mehr eine Frage als eine Aussage. Wenn sie das hier beenden wollte, musste er das jetzt wissen … jetzt sofort.
Stattdessen strich sie mit den Fingerspitzen über seine Brust, weckte ein heftiges Verlangen tief in ihm.
„Schon wieder eine Pattsituation“, murmelte sie.
„Scheint unser Schicksal zu sein.“ Und er küsste sie härter, öffnete seinen Mund und legte seine freie Hand tief auf ihren Rücken, zog sie nah an sich und umschloss sie mit seinen Schenkeln, bis nichts mehr als dünne Stückchen Seide sein Verlangen von ihrer Hitze trennte.
„Das wird nicht …“ Das Rest ihrer Worte ging in einem Keuchen unter, als sie ihre Arme um seinen Nacken schlang, ihre vollen Brüste an seinen Körper schmiegte und es ihm schien, als würden ihre harten Brustwarzen ihn verbrennen.
Er vertiefte den Kuss, seine Zunge tanzte mit ihrer, während er mit einer Hand über ihr Haar strich, ihren Nacken liebkoste, ihre Wange, ihr zierliches Ohr berührte. Sie war so perfekt, so köstlich, er konnte sie nicht genug küssen, nicht genug berühren, konnte sie nicht fest genug halten.
Sie strich mit ihren Händen über seine Schultern, glitt über seine nasse Haut, zeichnete die Kurve seines Bizeps nach, versengte ihn mit ihrer Hitze überall dort, wo sie ihn berührte. Er spürte, wie seine Muskeln sich anspannten. Jeder Zentimeter seines Körpers wurde hart, und alles, was er sah, war Devin.
Er streichelte die untere Hälfte ihres Rückens, glitt mit den Fingerspitzen unter den Bund ihres pfirsichfarbenen Slips. Das Gefühl von glatter Haut, Seide und Wasser ließ ihn tief aufstöhnen.
Ihre Zunge reagierte auf seine, und ihre Hände umfassten fest seine Schultern, ihre Finger drückten sich aufreizend in seine harten Muskeln. Sanft umschloss er ihre Pobacken, hob Devin mühelos hoch, zog sie an sich, während sie im kühlen Wasser auf und nieder wippte. Sie schlang die Beine um seine Taille, und sein Körper presste sich reflexartig an sie. Er verfluchte den dünnen Stoff, der sie trennte.
Als sie seinen Namen stöhnte, ertappte er sich dabei, wie er sich bewegte, kurz davor, die letzten Reste von Kontrolle zu verlieren.
„Nicht hier“, brachte er heraus, aber gleich küsste er sie wieder härter, länger und tiefer.
„Dann …“
Er umschloss ihre Brust, und sie keuchte laut auf.
Die Treppe war nur wenige Schritte entfernt. Er konnte das schaffen. Er bewegte sich darauf zu.
Ohne den Kuss zu unterbrechen, stieg er die Treppe am niedrigen Ende des Pools hinauf und trug Devin quer über die Terrasse, am Handtuchständer vorbei und schnappte sich seine Jogging-Shorts, bevor er Devin in die dunklen, warmen Tiefen und die Privatsphäre es Poolhauses trug.
Sie zog sich ein Stückchen von ihm zurück, blinzelte ihn aus verschleierten Augen an, bevor sie einen kurzen Blick auf die Liege in dem schmalen, dämmrig beleuchteten Raum warf. Sie schien zu zögern. „Das ist keine gute …“
Er strich mit dem Daumen über eine ihrer geschwollenen Brustwarzen, und sie hielt den Atem an. Ihre Schenkel schlossen sich fester um ihn, und er spürte, wie nacktes Verlangen ihn durchpulste.
Er wusste, dass es keine gute Idee war.
Es war eine schrecklich dumme, verwegene Idee.
Aber das kümmerte ihn längst nicht mehr.
Er presste seinen Mund auf ihren und küsste sie noch tiefer. Sanft strich er über ihre seidig glatte Haut. Er sog ihren Duft ein, kostete die Süße ihres Mundes und stöhnte ekstatisch auf, als sie ihn von der Brust bis zur Taille und weiter liebkoste.
Hastig setzte er sich auf die Liege und öffnete den Verschluss von Devins BH, ließ das grazile Kleidungsstück zu Boden fallen.
„Du bist hinreißend“, stöhnte er und liebkoste wieder ihre Brüste.
Sie legte ihren Kopf zurück und schloss die Augen, drückte sich gegen ihn. Wie sehr er ihre Empfindungen genoss! Ihre Hände krallten sich in seine Schenkel, jede Fingerspitze wurde zu einem Pfeil der Lust.
Federleicht berührte er die Innenseite ihrer Schenkel, zeichnete die Kontur ihres hauchzarten Slips nach, glitt darunter, bis sie aufstöhnte und sich gegen ihn drückte.
Er fing ihr Stöhnen mit einem heißen, tiefen Kuss auf, während er seine Boxershorts abstreifte und in seinen Jogging-Shorts nach dem Kondom tastete, das in einer der Taschen stecken musste.
Er fand es, aber ihr Slip war immer noch im Weg.
Er schloss eine Faust um ein Stück Spitze. Fluchend vor Frustration zog er heftig an dem Stoff, und er zerriss.
Devin schlang die Arme um seinen Nacken, pressten ihren hinreißenden Körper gegen ihn, küsste seinen Hals, sein Ohr, seine Augenbraue, strich mit beiden Händen durch seine Haare und hielt ihn fest.
Aufstöhnend umfasste er ihre Hüften mit beiden Händen und drang langsam in sie ein, Zentimeter für Zentimeter, staunend, und spürte, wie ihr heißer Körper ihn umklammerte. Er senkte den Kopf und küsste eine ihrer Brustwarzen, zog sie zwischen seine Lippen, in seinen Mund.
„Lucas“, schrie sie auf, und er stieß sich ganz in sie hinein.
Ihr geschmeidiger Körper schmiegte sich an ihn, und sein Instinkt bestimmte seine Bewegungen, trieb ihn vor und zurück.
Die heiße Sommerluft umschmeichelte sie. Die Düfte des Gartens stahlen sich herein. Der sanfte Lichtschein der Gartenbeleuchtung schien durch die Fenster hereinzutanzen, während das Gefühl von Devins Körper an seinem ihm den Verstand raubte.
Sie küsste ihn.
Zunächst ganz tief.
Dann immer sanfter, langsamer, als würde sie jede Empfindung in sich aufnehmen wollen.
Ihr Körper bewegte sich im gleichen Rhythmus wie seiner, ihr Atem ging tief und gleichmäßig.
Sie umfasste sein Gesicht mit beiden Händen, zog sich nur ein winziges Stück von ihm zurück und blickte in seine Augen. Ihre glänzten wie die tiefste, sternenfunkelnde Nacht.
Er verlangsamte den Rhythmus, während sie einander anblickten. Sie sagten beide kein Wort, aber ihre Kommunikation war endlich klar, kristallklar, keine Täuschung, kein Getue mehr.
Er versuchte den Augenblick hinauszuzögern.
Er wollte unbedingt die Zeit anhalten. Genau hier. Genau jetzt. Für immer.
Doch sein Instinkt war stärker. Er beschleunigte den Rhythmus seiner Stöße, und sie schloss die Augen. Sie klammerte sich fester an ihn, und sein Verlangen wuchs und wuchs, bis ihre Schreie die Sommernacht durchbrachen und er ihr in die Ekstase folgte.
Sein Herz hämmerte in seiner Brust. Er rang um Luft und kämpfte darum, sich von ihrem umwerfenden Liebesspiel zu erholen.
Devin schmiegte sich an ihn, ihr heißer Körper offensichtlich ebenso erschöpft wie seiner, Schweiß mischte sich auf seiner Haut mit Poolwasser, und er lehnte sich auf der Liege zurück, schloss sie fest in seine Arme. Er streichelte ihr nasses Haar, küsste sie auf eine Augenbraue und strich ihr mit beiden Händen über den Rücken.
„Wow, Junge“, flüsterte sie atemlos an seinem Ohr.
„Bist du okay?“, fragte er sanft.
Sie schwieg für einen Augenblick. „Definiere ‚okay‘.“
„Ich habe dich nicht verletzt?“
Ihr Körper bebte unter ihrem leichten Lachen. „Nicht verletzt. Überrascht vielleicht.“
„Überrascht?“ Er lehnte sich zurück, sodass er ihr in die Augen blicken konnte. „Ich hab das auf Kilometer kommen sehen.“
Sie schüttelte den Kopf, als wolle sie es abstreiten, aber so leicht würde er sie nicht davonkommen lassen. Er fing ihren Blick wieder ein. „Willst du damit wirklich sagen, dass ich der Einzige bin, der sich die ganze Woche lang in Fantasien ergangen ist?“
Sie schaute zur Seite weg, ohne zu antworten.
„Gib es zu“, lockte er sie.
Sie schmiegte ihre Stirn gegen seine. „Irgendwas stimmt mit uns nicht.“
„Wir sind gesunde Erwachsene?“
„Wir machen eine ohnehin schon üble Situation noch komplizierter.“
„Devin?“
„Ja?“
„Es ist in Ordnung, eine Pause einzulegen. Wir können morgen weiterstreiten.“ Er schloss die Hände um ihren Nacken und bettete ihren Kopf sanft auf seine Schulter. Alles, was er in diesem Moment wollte, war, sie festzuhalten. Er war noch nicht bereit, sie gehen zu lassen.
„Bietest du einen Waffenstillstand an?“, fragte sie mit erstickter Stimme.
„Ein Waffenstillstand ist besser als eine Pattsituation“, seufzte er und zog sie fester in seine Umarmung, schmiegte den Kopf in ihre Halsbeuge und sog ihren frischen Geruch ein.
Sie entspannte sich, ihre Lippen berührten seinen Haaransatz, als sie sprach. „Nur bis zum Frühstück, okay?“
Er küsste ihren Nacken, dann küsste er sie aufs Ohr, dann richtete er sich auf und küsste ihre geschwollenen Lippen, einmal, zweimal, ein drittes Mal, lang. „Bis zum Frühstück“, stimmte er zu und fühlte, wie das Verlangen in seinem Körper erneut erwachte.
Devin saß in der Frühstücksnische in der großen Küche der Demarcos und konzentrierte all ihre Aufmerksamkeit auf Amelia in ihrem hohen Kinderstuhl, fütterte sie Löffelchen für Löffelchen mit Reisbrei, während die Hausangestellten in der Küche arbeiteten.
Ihr gegenüber hatte Lucas sein Omelette längst vertilgt und war bei seiner zweiten Tasse Kaffee.
„Hast du schon genug, Süße?“, fragte Devin, als Amelia ihren Mund zu einer Schnute verzog angesichts des Löffels, der sich ihren Lippen näherte.
Zur Antwort strampelte Amelia mit den Füßen und streckte eine Hand nach dem Fläschchen mit Apfelsaft aus, das auf dem Tisch stand. Devin wischte ihr den Mund ab und reichte ihr die bunte Saftflasche.
„Ist das der Plan?“, fragte Lucas mit ausdrucksloser Stimme.
„Welcher Plan?“, gab sie gespielt fröhlich zurück, ohne ihm in die Augen zu sehen. Stattdessen wischte sie die Reste von Brei auf, die das Tischchen des Hochstuhls überzogen, bevor sie von ihrem Blaubeer-Bagel abbiss, der längst kalt geworden war.
„Wir tun so, als sei es nie passiert?“
„Gefällt mir.“ Sie nickte und wischte noch einmal mit einem feuchten Lappen über das Tischchen des Hochstuhls. „Ist ein ziemlich guter Plan.“
Im kühlen Licht des Morgens konnte sie kaum glauben, dass sie mit Lucas Sex gehabt hatte, im Poolhaus, in hemmungsloser Unbekümmertheit.
Sie hatte geschrien.
Sie war keine, die beim Sex schrie.
Was war in sie gefahren? Was musste Lucas von ihr denken?
„Sieh mich an“, sagte er.
„Warum?“
„Schämst du dich?“
„Nein.“ Nicht wirklich. Na gut, ja, schämen würde es ganz gut beschreiben. Sie versicherte sich, dass alle Ecken des Tischchens sauber waren.
„Weil es wirklich nichts gibt …“
„Lucas.“ Mit ihrer Geduld am Ende, legte sie den feuchten Lappen weg und starrte ihn an. „Können wir bitte nicht darüber reden?“
Er hielt inne, sah sie verunsichert an. „Ich wollte nur sichergehen, dass du okay bist.“
„Mir geht es gut. Hervorragend. Ich hab heute eine Menge zu tun.“
Amelia hatte nicht mehr genug Windeln, und außerdem brauchte sie Apfelmus, und Devin war fest entschlossen, ein paar Seiten zu Papier zu bekommen, während Amelia ihren Mittagsschlaf hielt.
Lucas räusperte sich. „Wir müssen immer noch über Steve reden. Und wir müssen uns auch immer noch über das Kindermädchen unterhalten.“
„Ich hab auch noch ein Leben, weißt du?“
Er schwieg wieder einen Moment lang. „Ich habe nie das Gegenteil behauptet.“
„Es kann sich nicht immer nur um das drehen, was du willst.“
„Alles, was ich will, ist, für Amelia zu sorgen.“
„Tja, das will ich auch.“
„Gut. Dann sind wir uns also einig.“
Amelia ließ ihr Fläschchen auf den Dielenboden fallen, und Devin beugte sich hinunter, um es aufzuheben.
Sie setzte sich wieder hin. „Ich bezweifle sehr, dass wir uns in irgendeinem Punkt einig sind.“
Seine Augen blitzten. „Letzte Nacht waren wir uns einig.“
Sie schlug mit beiden Händen auf die Tischplatte. „Wirst du mir die letzte Nacht jetzt ewig vorwerfen?“
Amelia hatte keine Lust mehr, in ihrem Hochstuhl zu sitzen, und zappelte darin hin und her.
Devin beugte sich zu ihr und löste ihr Lätzchen, faltete den feuchten Stoff zusammen und legte ihn auf den Tisch. Sie öffnete den Riegel am Tischchen, griff unter Amelias Arme und hob sie aus dem Stuhl.
Lucas stand auf. „Du bist doch total durch den Wind.“
„Nein, bin ich nicht.“ Aber sie wusste, dass er recht hatte. Letzte Nacht war ihr alles so richtig vorgekommen. Na gut, es war einfach fantastisch, überwältigend gewesen. Aber jetzt war ihr klar, dass sie Lucas, indem sie mit ihm geschlafen hatte, zu einem Vorteil verholfen hatte.
Denn während er absolut in der Lage zu sein schien, unverbindlichen Sex zu haben, musste sie feststellen, dass ihre Gefühle für ihn sich in einem hoffnungslosen Aufruhr befanden. Einerseits musste sie gegen ihn kämpfen. Um Amelias Willen musste sie weiter gegen ihn kämpfen. Andererseits wollte sie nur zu gern den Waffenstillstand fortsetzen.
Vielleicht wollte sie auch nur wieder mit ihm schlafen. Oder vielleicht musste sie sich selbst einreden, dass es mehr als pure Lust gewesen war letzte Nacht. Wie konnte sie Sex mit einem Mann, den sie weder respektierte noch bewunderte, so sehr genießen? Es machte keinen Sinn.
Nichts machte an diesem Morgen Sinn.
Eine Hausangestellte betrat die Küche und begann das Kaffeeservice vom Frühstücksbuffet abzuräumen.
Lucas senkte die Stimme. „Wir müssen reden.“
„Haben wir doch gerade.“
„In dieser Sache müssen wir zusammenhalten, Devin.“
Sie drückte Amelia gegen ihre Schulter. „Wir müssen vergessen, dass es je passiert ist.“
„Ich rede nicht vom Sex“, zischte er, und die Hausangestellte hielt im Aufräumen inne.
Devin runzelte die Stirn.
Lucas beugte sich dichter zu ihr. „Steve. Wir müssen gegen Steve zusammenhalten.“
„Nicht jetzt“, sagte sie und schüttelte den Kopf. Sie brauchte Zeit für sich. Sie musste sich klar werden über … nun, über alles.
„Wann dann?“, beharrte er.
„Ich weiß nicht.“ Sie hielt inne. „Morgen. Okay? Morgen.“
„Devin.“ Seine Verärgerung war klar zu hören.
Sie ging zur Tür, Richtung Flur. „Hör auf, Lucas. Ich brauche etwas Zeit.“