13
Stewart
Mir war kalt, als ich erwachte, aber gleichzeitig auch nicht. Ein warmer Arm hielt mich umschlungen, mein Körper lag eng an seinem, aber dennoch hatte mich die Kälte geweckt. Ich öffnete die Augen, im Zimmer war es noch dunkel.
Na toll.
Ich hatte eine fantastische Nacht mit Roland und ruinierte nun alles, indem ich zu früh aufwachte.
Ein Laut am Fußende des Bettes weckte Roland und er rollte sich auf die Seite. Lulu kam zu mir aufs Bett und presste ihre kalte Nase gegen meine Wange.
„Schhh.“ Ich streckte einen Arm unter der warmen Bettdecke hervor, um sie zu streicheln. Mist. Ich musste dringend Feuer machen.
Ich schlüpfte aus dem Bett, auch wenn es mir nicht gefiel. Ich zog mich dick an und ging nach unten, um den Ofen zu befeuern.
Sobald das Feuer brannte, hoffte ich, dass es genug Wärme verbreitete, bis die ersten Gäste aufwachten. Die Dunkelheit vermittelte den Eindruck, dass es noch viel früher war, als die Uhr behauptete. Denn danach zu urteilen, musste ich schon in einer halben Stunde Kaffee kochen.
Ich stellte das Radio meiner Tante an wie jeden Morgen. Das Ding konnte nur zwei Sender abspielen und das Rauschen verschwand nie ganz, aber irgendwie war sie mir dadurch nahe. Sie hatte das Radio immer an, jeden Tag.
Dies war nicht die große, weihnachtliche Neueröffnung, wie ich sie mir vorgestellt hatte.
Heute war Heiligabend, der Generator war noch immer unsere einzige Stromquelle und das Holz unsere einzige Wärmequelle. Zum Ausgleich wollte ich das beste Frühstück aller Zeiten machen. Wenn es doch nur so einfach wäre.
Ich hatte für viel weniger Gäste geplant, als hier waren.
Ich öffnete den Kühlschrank und ging die Fächer durch. Nichts war gut genug für die Bedeutung dieses Tages.
Als Nächstes warf ich einen Blick in den Froster.
„Na bitte.“ Ich holte drei Quiches und eine Eierkasserolle heraus, die ich letzte Woche gemacht hatte, um kein Brot zu verschwenden. „Volltreffer.“
Ich stellte die Kasserolle in den Ofen, sobald er heiß war, denn die würde länger brauchen als die anderen Sachen. Während sie buk, lief ich nach oben, um zu duschen.
Roland kam gerade aus dem Bad, noch immer etwas verschlafen. „Hey, du warst verschwunden.“
„Ist dir aufgefallen, wie kalt es war?“ Ich ging zu ihm, nahm ihn fest in die Arme und freute mich, wie leicht mir das fiel, auch wenn es vielleicht seltsam war. „Ich musste das Feuer im Ofen anmachen.“
„Das wollte ich doch für dich erledigen.“ Er hielt mich fest. „Ich schätze, es war einfach zu gemütlich, ich bin einfach nicht wach geworden.“
„Sorry?“ Er klatschte mir verspielt auf den Hintern. „Oder nicht?“
„Nicht.“ Seine Lippen strichen über meine Wange. „Was muss noch getan werden?“
„Das Feuer ist an, das Frühstück ist im Ofen. Entspann dich. Du bist eigentlich Gast hier.“
„Ich arbeite gern an deiner Seite.“ Seine Stimme war leise, als wäre er unsicher, ob ich das hören durfte, und mein Herz schwoll an vor lauter Gefühlen.
„Mir gefällt das auch.“ Ich drückte ihn und ließ ihn dann los. „Ich muss mich waschen, um vorzeigbar auszusehen.“
„Wir sehen uns unten.“
Lulu folgte ihm, als er das Zimmer verließ.
Als ich wieder nach unten kam, roch es bereits herrlich nach Kasserolle. Das Aroma hatte etwas Heimeliges.
„Ich wusste nicht, wann die Quiche in den Ofen musste, aber ich habe Kaffee aufgesetzt und den Wasserkessel.“ Roland hatte mehr als das getan.
Auf einem Tablett standen Joghurtparfaits, in den Krügen war Saft und die Muffins standen aufgereiht auf der Anrichte, bereit für den Ofen.
„Das ist wunderbar.“ Ich ging um die Anrichte herum, denn ich musste ihn einfach küssen. „Du bist unglaublich.“
„Ich habe meine Momente.“ Er strich mit dem Daumen über meine Wange, als der Jingle vom Wetterbericht im Radio durch die Küche hallte.
„Das Wetter“, sagte ich und ging hinüber, um das Radio lauter zu stellen.
„Das ist nicht ideal.“ Roland seufzte, nachdem der Ansager eine durchwachsene Vorhersage getroffen hatte. „Immerhin wird es bald etwas wärmer.“
Immerhin.
Ich erwähnte nicht, dass wärmeres Wetter oft nur noch mehr Stromausfälle zur Folge hatte. Es würde die Lage nicht besser machen, sondern seinen Stresslevel über die Feiertage nur noch erhöhen.
Er hatte so nett von Heiligabend gesprochen und nun saß er hier fest, fast ohne Strom und Wärme und ohne die Chance, seine Lieben zu sehen.
„Und Kekse.“ Sein Lächeln war gezwungen. Das verstand ich. Wirklich.
„Heute werden Kekse verziert.“ Die Kinder hatten uns gestern mehr als nur einmal daran erinnert. Es würde chaotisch, eine Sauerei und laut. Perfekt.
„Kekse machen einfach alles besser.“
Das hoffte ich zumindest.
Das Geräusch vieler Schritte auf der Treppe war ein deutlicher Hinweis, dass die Gäste im Anmarsch waren. Es würde noch etwas dauern, bis die Eierkasserolle fertig war, erst recht die Quiche, aber die Muffins gingen schnell und wenn wie die Parfaits rechtzeitig fertig hatten, dann würde es funktionieren.
Wir.
Da war wieder dieses lästige Wort. Es tauchte immer auf, wenn ich daran dachte, wie Roland und ich gemeinsam die Aufgaben erledigten. Sicher, wir waren ein gutes Team unter diesen einzigartigen Umständen, aber das hieß nicht, dass er hierblieb.
Oder dass er das überhaupt wollte.
Er hatte einen Job und Familie.
Beides nicht hier vor Ort.
Ich durfte mich nicht an seine Hilfe gewöhnen – oder an seinen Körper neben meinem, wenn ich morgens aufwachte.
Leider war es für all das längst zu spät.