20
Roland
Unsere zärtliche Wiedervereinigung wurde von einer Flut von Gästen gestört, die für das Wochenende gebucht hatten. Als wäre gar keine Zeit vergangen, ging ich direkt wieder in den Helfermodus über, trug Koffer nach oben, servierte Getränke, die gewünscht wurden und half Stewart mit ein paar kleineren Problemen, die während des Eincheckens anfielen.
Als wir endlich ein paar Minuten für uns hatten und uns zum Essen hinsetzten, fühlte ich mich seltsam lebendig. Es machte irgendwie Spaß, mit ihm zu arbeiten und seinen Traum zu unterstützen, während andere einen romantischen Kurzurlaub hier machten.
„Ich schätze, das ist nicht das Date zum Valentinstag, das du dir vorgestellt hast.“ Stewart sah mich mit einer Mischung aus Hoffnung und Angst in den Augen an. „Es tut mir leid.“
Ich griff über den Tisch und nahm seine Hand. „Es war perfekt. Ich wollte einfach nur bei dir sein, erst recht jetzt, da ich weiß, dass ein Baby in dir heranwächst. Ich hätte es gehasst, so weit weg von dir zu sein, wenn du mir die Neuigkeiten erzählt hättest.“
Er nickte und seufzte dann. „Ich werde jemanden einstellen müssen. Es ist tausendmal einfacher, wenn du da bist, und ich weiß, es wird nur noch schwieriger, je runder ich werde. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als jemanden einzustellen.“
Ich legte den Kopf schräg, unsicher, wie ich antworten sollte. Dachte er, ich reise wieder ab? Wollte er, dass ich wieder abreise? „Ich verstehe nicht.“
Jetzt sah Stewart ebenfalls verwirrt aus. „Was verstehst du nicht? Ich würde immer noch hin und her rennen, wenn du heute nicht aufgetaucht wärst. Wenn du wieder zu Hause bist, brauche ich Hilfe. Und wenn du das nächste Mal zu Besuch kommst, habe ich dann vielleicht endlich mal mehr Zeit für dich, anstatt die ganze Zeit zu arbeiten, während du hier bist.“
„Ich gehe nicht zurück.“ Die Worte flogen mir aus dem Mund, noch bevor ich Zeit hatte, darüber nachzudenken, was ich da eigentlich sagte. Aber als ich den Schock und die Erleichterung auf Stewarts Gesicht sah, wusste ich, es war die absolute Wahrheit. „Ich kehre nach Hause zurück, um ein paar Sachen zu packen, aber ich verlasse weder dich noch das Baby.“
„Tust du nicht?“ Tränen glänzten in seinen Augen, als er das akzeptierte, was mir gerade erst klar wurde. „Du gibst dein Leben für uns auf?“
Ich konnte nicht auf meinem Platz sitzen bleiben. Ich kam um den Tisch herum und zog Stewart in meine Arme. „Ich gebe gar nichts auf. Ich bekomme eine Familie. Meine Familie daheim kann ich jederzeit besuchen, aber ich will bei dir und dem Baby sein. Meine neue Familie. Selbst für ein paar Klamotten abzureisen, erscheint mir wie eine Qual. Ich will nicht für eine Minute von dir getrennt sein, erst recht nicht für Stunden oder Tage.“
Er konnte keine Worte finden, sondern presste einfach seine Stirn gegen meinen Hals und schluchzte, während er mich mit all seiner Kraft drückte.
„Ich weiß, diese Beziehung ist sehr schnell und unkonventionell entstanden, aber manchmal ist das eben so. Und von dir für zwei Monate getrennt zu sein, war die Hölle. Wenn du es erlaubst, bleibe ich hier bei dir und helfe dir, den Gasthof zu führen und unser Kind aufzuziehen. Ich weiche dir nicht von der Seite.“
„Versprochen?“
„Versprochen.“ Ich hob sein Kinn und presste meinen Mund auf seinen, küsste ihn hart und versuchte, ihm auf diese Weise zu zeigen, wie viel er für mich und meine Zukunft bedeutete.
„Was ist mit deinem Job?“ Er sah wieder besorgt aus und zog die Stirn in Falten.
„Ich kann von hier aus arbeiten. Außerdem habe ich über einen Berufswechsel nachgedacht. Ich hatte zwar nicht damit gerechnet, Gastwirt zu werden, aber das nächtliche Unterhaltungsprogramm war hier überraschend gut.“ Ich wackelte vielsagend mit den Augenbrauen, um die Stimmung zu heben.
Stewart kicherte und schob mich von sich. „Nun, Mister, die Unterhaltung muss man sich erst verdienen. Heute hast du schon gute Arbeit geleistet, aber es gibt da noch einen tropfenden Wasserhahn im Keller, den du dir morgen vornehmen müsstest.“
Ich lächelte, bereit, ihn mir sofort anzusehen. „Alles und jederzeit für dich … für euch, denn ich liebe dich.“
Das Gewicht meiner Worte wog schwer auf Stewarts Gesicht und er wurde wieder ernst. „Ich hätte nie gedacht, dich diese Worte einmal sagen zu hören, aber ich bin sehr froh, denn jetzt kann ich sie dir auch sagen.“
Ich hielt die Luft an und wartete darauf, ihn sagen zu hören, dass ich ihm gehörte so wie er mir.
„Ich liebe dich auch, Roland. So sehr, dass es wehtut. Und da du nun wieder hier bist, werde ich dich nie wieder gehen lassen.“
Und binnen weniger Minuten hatten sich unsere Wege für immer vereint.