Kapitel 11

L eira stand in ihrem Wohnzimmer und sah auf den schwarzen Cowboyhut in der Schachtel hinunter. »Mama war wieder einkaufen, nehme ich an.«

Correk nahm seinen dunkelbraunen Wildlederhut in die Hand und probierte ihn an. »Erstaunlich. Er passt perfekt.«

»Mit den langen Haaren und den Jeans siehst du aus wie alle Typen, mit denen ich zur Highschool gegangen bin.«

»Ist das eine gute Sache.«

»Zum größten Teil.«

Correk wartete auf eine längere Erklärung, aber Leira schüttelte den Kopf. »Nein. Diese Erinnerungen sind im Tresor«, sagte Leira und tippte sich an die Schläfe.

»Herausforderung angenommen. Glühe mich nicht mit deinen Augen an. Ich kann das Gleiche tun, Cousine. Es ist unvermeidlich. Noch ein plötzlicher Ruck von zu viel Magie, wenn du nicht damit rechnest und die Erinnerungen kommen heraus.« Er lachte, als Leira ihre Hände in die Hüften stemmte und ihm einen Toten-Fisch-Blick zuwarf.

»Das wird nicht passieren. Turner hat mich gelehrt, wie man mit der Magie eins wird.«

»Es stimmt, du hast in kurzer Zeit einen weiten Weg zurückgelegt, aber es liegen noch einige Überraschungen vor dir.« Er streckte seine Hände aus. »Ich weiß natürlich nicht, welche das sind, sonst würde ich es dir sagen.«

»So wie du mir alles andere erzählt hast.«

»Verstanden.«

Leira verengte ihre Augen und musterte ihn. »Wirst du mir eher früher als später sagen, warum du dich nachts hin und her wälzt?«

»Das ist meine Hoffnung, aber ich muss erst ein paar Dinge klären und mehr Informationen sammeln. Sonst kann ich nur spekulieren.«

»Damit verdiene ich mein Geld. Es hilft, das mit jemandem zu machen, weißt du.« Sie konnte sehen, dass er ihr etwas sagen wollte.

»Noch nicht.« Sein Gesicht wurde angespannt. Wenn ich es dir sage, wirst du durch diese Tür gehen, alles andere vergessen und direkt in eine Gefahr laufen, der du nicht gewachsen bist. Das letzte Mal hat es die ganze Kraft von sieben Armeen gekostet und noch mehr. Du brauchst mehr Zeit. »Das muss warten.«

Leira nickte und schenkte ihm ein schiefes Lächeln. »Dann wartet es.« Sie nahm den zweiten Hut aus der Schachtel und eine Einladung flatterte auf den Boden. »Die Intrige wächst. Ich hatte das schon ganz vergessen.« Leira beugte sich vor, um die Karte aufzuheben. »Habe ich dir schon mal erzählt, dass meine Mutter für mich immer ausgeklügelte Schnitzeljagden veranstaltet hat, als ich klein war? Um einen weiteren Hinweis zu bekommen, musste ich ein Lied singen, ein Gedicht aufsagen oder so schnell rennen, wie ich konnte. Am Ende gab es Schokoladenmünzen in Goldfolie.«

»Was ist das heutige Abenteuer?«

Leiras Augenbrauen schossen hoch und sie schaute amüsiert. »Austin Rodeo!« Sie blickte auf den Troll hinunter.

Yumfuck stand neben der Kiste und trug eine identische, kleine Version von Leiras neuem Hut zusammen mit seinen roten Cowboystiefeln. »Die stehen dir gut.«

Yumfuck trillerte und zog seinen Hut.

»Ich nehme an, du hast es die ganze Zeit gewusst.«

Der Troll prustete ihr ins Gesicht. »Mistkerl!«

Correk schüttelte den Kopf. »Es hört sich tatsächlich so an, als würde er Ja sagen.«

»Mir hat es besser gefallen, als du immerzu Yumfuck gesagt hast«, sagte Leira. Der Troll gackerte, wackelte mit dem Hintern und drehte sich im Kreis.

»Diese Einladung ist für heute Abend und beinhaltet ein Abendessen, sozusagen. Na ja, das, was ihr als Food Porn bezeichnen würdet. Dem Rodeo ist ein Jahrmarkt angeschlossen, mit Fahrgeschäften und frittiertem Essen in Hülle und Fülle.«

»In Hülle und Fülle?«

»Vertrau mir einfach, vielleicht können wir Yumfuck tatsächlich abfüllen. Ich schätze, wir gehen zu einem Rodeo.« Leiras Telefon surrte und sie holte es heraus. »Nicht die Arbeit. Es ist Mama. Sie will wissen, ob wir schon losgefahren sind. Anscheinend sind alle übermäßig aufgeregt. Seid ihr bereit?«

Correk kippte seinen Hut zurück auf seinen Kopf. »So weit wie ich kann, wenn man bedenkt, dass ich keine Ahnung habe, worauf wir uns einlassen.«

»Typische Vorgehensweise in letzter Zeit. Du wirst gleich zusehen, wie ein Haufen Menschen mit viel größeren Tieren auf eine Art und Weise spielt, die sie verletzen könnte – für eine richtig coole Schnalle und Geld. Dazu gibt es frittierte Twinkies, frittierte Donuts, frittierte Milky Ways und einen Corndog. Dann nimm alles mit auf eine Fahrt, die dich herumwirbelt«

»Woooooohooooooo!«, kreischte der Troll und zeigte seine scharfen kleinen Zähne, während er seine Hand in der Luft kreisen ließ, als würde er ein Lasso halten.

»Klingt nach Spaß. Los geht’s.« Correk schnappte sich Yumfuck und half ihm, sich in der Tasche seiner Jacke niederzulassen. »Du musst den Hut abnehmen, bis wir da sind. Es passt nicht. Du wirst ihn zerdrücken.«

Der Troll zischte ihn an, zog ihn aber schließlich aus und reichte ihn weiter.

»Ich behalte ihn in meiner anderen Tasche und gebe ihn dir zurück, sobald wir im Auto sind. Du hast das Wort eines Lichtelfen.«

Als sie auf die Terrasse kamen, sahen sie, dass alle Stammgäste an drei Tischen saßen, die aneinander gereiht waren. Auf jedem Platz lag Silberbesteck und neben dem üblichen Bier stand ein Glas Wasser.

»Das ist etwas Neues«, sagte Leira. »Ich glaube, ich habe sie hier noch nie etwas essen sehen. Nachos, ja.«

»Leira!« Der Refrain wurde lauter. »Correk!«, riefen Mike und Mitzi.

Leira schaute auf das Tor, aber ihre Neugierde war stärker als sie. »Was hat es mit dem förmlichen Essen auf sich?«

»Wir sind nie dazu gekommen, den Sieg beim Bowlingturnier zu feiern. Du solltest dich uns anschließen! Ihr zwei wart eine große Hilfe.« Kimberly sah sich um, um zu sehen, welchen Tisch sie am Ende noch hinzufügen konnten.

»Ihr seid auf dem Weg zum Rodeo, nicht wahr? Heute Abend gibt es eine Menge Premieren. Ich habe dich noch nie in einer richtigen Cowboy-Kleidung gesehen, Leira.« Scott gab ihr einen Daumen hoch. »Wusste gar nicht, dass du das in dir hast.«

Estelle kam aus dem Restaurant gestürmt und trug ein großes Tablett mit heißem Essen, das sie auf einer Schulter balancierte, in der anderen Hand einen zusammengeklappten Ständer, die Zigarette baumelte an ihrer Lippe. Ohne Mühe überquerte sie die Terrasse, klappte den Ständer aus und stellte das Tablett mit einer einzigen fließenden Bewegung ab.

»Warum ich ihr nicht widerspreche ist, weil …«, begann Craig. »Sie einen von uns zu Fall bringen könnte, während sie einen anderen ohrfeigt.«

Estelle brummte und lehnte sich zurück, eine Hand in der Hüfte, während sie einen langen Zug an ihrer Zigarette nahm. »Das Essen serviert sich nicht von selbst!«, blaffte sie, als Mike und Janice aufsprangen, um zu sortieren, wer was bekam.

»Japp, da gehen wir hin«, erwiderte Leira. »Amüsiert euch gut.«

»Das müssen wir noch mal machen«, sagte Paul. »Vielleicht nachdem wir das Softball-Turnier gewonnen haben. Was? Ich bin da ganz optimistisch.«

Leira sah auf und bemerkte, wie ein Mann sein Glas zu ihr hob und ihr zuzwinkerte. Sie wandte sich ab und tat ihr Bestes, ihn zu ignorieren, aber aus dem Augenwinkel sah sie, wie er aufstand. Gerade als er sich dem Tisch näherte, schlich sich eine Gruppe von Frauen in Abendgarderobe an Correk heran.

»Meine Freundinnen haben mit mir gewettet, dass ich keinen Kuss aus dir herausbekomme«, sagte eine große Brünette und neigte ihren Kopf zur Seite. »Hilf mir, ihr Geld zu nehmen und ich gebe dir die Hälfte.«

»Geht zurück zu euren Minivans«, knurrte Estelle und blies müßig Rauch in ihre Richtung. »Weiter die Straße runter, da könnt ihr es versuchen. Wir machen hier keine Bestellungen zum Mitnehmen.« Estelle starrte sie durch den Rauchschleier an.

»Entschuldigung, Sie sind mir aufgefallen und ich wollte Sie auf einen Drink einladen.« Der Mann von der Bar lächelte Leira an und wartete auf eine Antwort.

Alle am Tisch standen auf und begannen, die Störenfriede zu verscheuchen. Leira schüttelte den Kopf und lächelte Mitzi an, die mit ihrer Serviette dem Mann zuwinkte. Mit einem Lächeln und einem Achselzucken zog er sich an die Bar zurück. Die Frauen brauchten etwas länger, gingen ein paar Schritte zurück, kicherten immer noch und winkten Correk zu, bis Mitzi auch ihnen mit ihrer Serviette zuwinkte und sie nach drinnen gingen, um sich einen Tisch zu suchen.

»Du weißt, dass ich auf mich selbst aufpassen kann. Bundesagent und so.« Leira hakte ihre Finger in die Gürtelschlaufen ihrer Hose ein.

»Süße, es geht nicht darum, ob du es allein schaffst. Das musst du nicht und außerdem fühlen wir uns dann nützlich. Ehrlich gesagt bin ich überrascht, dass das bei euch beiden nicht öfter vorkommt.« Mitzi lächelte Correk an, als sie sich setzte.

»Okay, ruhig, Mädchen«, kicherte Kimberly. »Du hast etwas Anziehendes an dir, Correk.« Kimberly nahm einen langen Schluck von ihrem Wasser.

»Jetzt müssen wir wirklich gehen. Danke nochmal für das Abblocken.«

»Bringt uns etwas mit!«

»Viel Spaß!«

»Fahre für mich mit der Walzerbahn!«

Correk wollte sich verabschieden, aber Leira drückte seinen Arm und unterbrach ihn. Sie hütete sich, etwas zu sagen, bis sie am Tor ankam und es aufhielt. »Macht’s gut, Leute!«

Ein dumpfes ›Mistkerl!‹, ertönte aus Correks Tasche und ließ ihn zusammenzucken, als er winkte. »Gute Nacht!«, sagte er mit dröhnender Stimme, drehte sich um und dämpfte das zweite kleine ›Mistkerl‹.

Als sie sicher im Auto saßen, reichte Correk dem Troll den Cowboyhut zurück. »Deine Abschiedsgrüße sind so lustig, wie du denkst.«

Der Troll schnatterte laut und setzte sich auf Correks Bein. »Aloha!«

Leira erschrak und sah ihn lachend an.

Correk schaute verwirrt. »Was war das? Eine neue Art zu fluchen?«

»Ich glaube, das war ein Kompromiss.«