»Es gefällt mir gar nicht, dass du darin verwickelt bist«, sagt Vater. »Jetzt müssen wir vor allem aufpassen, dass die Presse die Finger davonlässt, allerdings bezweifle ich, dass das zu schaffen ist. Außerdem mache ich mir ein wenig Sorgen um Clara und ihren neuen Job.«
Das ist ziemlich typisch. Vater hat immer eine Schwäche für Clara gehabt, sie als seine eigene Tochter angesehen. Immer tönt er herum, wie klug sie ist, auch wenn er findet, sie habe schon zu viele Jahre im Ministerium zugebracht.
»Deine Mutter ist übrigens außer sich. Du solltest mit ihr reden«, fügt er hinzu.
»In Ordnung«, sage ich. »Darf ich bis morgen damit warten?«
»Ich kann mich so lange um sie kümmern. Aber, Haavard. Das Wichtigste jetzt … Du bist gut verheiratet. Sehr gut verheiratet.«
»Vater«, sage ich. »Sei so gut.«
Eine Predigt wegen Untreue ist das Letzte, was ich jetzt brauchen kann. Und schon gar nicht von ihm.
Ich glaube, dass Vater Mutter eigentlich liebt und sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen kann. Aber er hat wirklich eine seltsame Art, das zu zeigen.
Was war das für ein Theater all die Jahre. Anrufe spät am Abend. Mutter weinte und zeterte, Vater schwieg. Oder wie ich einmal früher aus der Schule kam, Mutter war gerade in Paris, und dann Vaters weißen Hintern zwischen Ninni Jessens Beinen auf- und abpumpen sah. Stöhnen und Kichern und Flüstern.
Ich schlich weg, bevor er mich entdecken konnte, und erwähnte es ihm gegenüber nie. Aber mir schwor ich, nie so zu werden.
Doch genau so bin ich geworden.
Das Ganze fing an, nachdem Clara und ich ins Haus meiner Eltern gezogen waren. Ich wurde irgendwie wie mein Vater, als er noch jung und rege war. Jetzt scheinen ihm Wanderungen, teure Weine und seine Kumpel wichtiger zu sein als Frauen.
»Wie auch immer, Haavard, schau zu, dass du dein Leben in Ordnung bringst.« Er hält den Wagen vor unserer Einfahrt.