„Natürlich helfen wir dir“, sagte Tom. „Ich kann dir meinen Hengst leihen, um den Wagen zur Mine zu bringen.“
Erleichterung breitete sich auf dem Gesicht des Mannes aus. „D…d…danke“, stammelte er. „Das werde ich euch nie vergessen. Ich stehe tief in eurer Schuld. Habt vielen Dank!“
Rasch schnallte er sein Pferd vom Wagen ab. Elenna hielt es am Zaumzeug fest, während Tom dem Mann half, Storm das Geschirr anzulegen.
„Tut mir leid“, sagte Tom und rieb seinem Hengst über die Nase. „Ich weiß, dass du kein Zugpferd bist, aber es dauert nicht lange.“
Storm schüttelte die Mähne und schnaubte laut.
Tom führte Storm vorsichtig den Weg entlang. Der Minenarbeiter folgte ihm mit seinem lahmenden Pferd und Elenna bildete mit Silver den Schluss.
Tom war froh, dass er helfen konnte, trotzdem hatte er ein ungutes Gefühl im Bauch. „Ein normaler Mann kann den Arbeiter nicht in solche Angst versetzt haben. Aber ein Biest schon“, dachte er.
„Pharox …“, murmelte Tom nachdenklich vor sich hin.
Als sie das Ende des Kraters erreicht hatten, führte sie der Minenarbeiter zu Eisenbahnschienen, die in einem der dunklen Tunnel verschwanden. Mehrere Holzwaggons standen auf den Schienen bereit.
„Das ist schlau“, meinte Tom.
„Ich habe so etwas Ähnliches schon mal in Avantia gesehen“, sagte Elenna. Silver war zu den Waggons gelaufen und schnüffelte an ihnen.
„Ich auch“, erwiderte Tom und wandte sich an den Mann. „Bringt ihr alles, was ihr braucht, auf den Schienen in die Mine?“
„Ja, genau“, antwortete der Mann. „Werkzeug, Vorräte und Arbeiter. Ihr werdet auch auf diesem Weg in die Mine gelangen.“
Aufregung erfasste Tom. „Das Biest ist nicht mehr weit weg!“
„Du kannst nicht mit in die Mine“, sagte Tom zu Storm, als er ihn abschirrte. Er führte ihn zu einem knorrigen Baum neben dem Mineneingang. „Warte hier auf uns.“
Storm stupste Tom mit der Nase gegen die Schulter.
„Silver sollte auch lieber hier bleiben“, sagte Tom.
Er drehte sich um und sah, dass Silver bereits in den ersten Waggon geklettert war. Er saß dort mit heraushängender Zunge und schien auf Tom und Elenna zu warten.
„Silver, komm da runter!“, rief Elenna, doch der Wolf rührte sich nicht von der Stelle.
Tom musste grinsen. „Er ist ein treuer Kerl“, sagte er. „Und seine feine Nase könnte uns in der Mine nützlich sein.“
Elenna seufzte. „Na gut“, sagte sie und kletterte in den Waggon. „Aber dann wird es eng hier drin.“
Sie verabschiedeten sich von dem Minenarbeiter, der das Werkzeug von seinem Wagen lud. Tom gab dem Waggon einen Schubs, damit er losrollte. Dann rannte er hinter ihm her und sprang gerade rechtzeitig hinein, bevor der Waggon zu schnell wurde.
Die Stimme des Minenarbeiters hallte hinter ihnen durch den Tunnel. „Viel Glück! Passt gut auf euch auf.“
Der Waggon ratterte mit ohrenbetäubendem Lärm über die Schienen. Der Tunnel war mit Fackeln erleuchtet und machte viele Kurven. Zunächst fiel noch Tageslicht durch Spalten in der Decke. Aber als sie immer tiefer in die Mine hineinfuhren, erhellte nur noch das Fackellicht, das unheimlich von den feuchten Wänden gespiegelt wurde, die Umgebung.
Tom klammerte sich an dem Waggon fest und genoss die rasante Fahrt über Buckel und Senken im Boden.
„Tom“, sagte Elenna und griff nach seinem Arm. „Was, wenn die anderen Arbeiter mehr Fragen stellen als der blinde Mann?“
„Du hast recht“, meinte Tom. „Wir müssen anhalten, bevor wir das Zentrum der Mine erreichen.“
Er wusste nicht, wie viel Zeit sie noch hatten. Der Waggon hatte sie bereits tief unter die Erde gebracht.
Vorsichtig kletterte Tom hinten aus dem Wagen. Elenna hielt ihn an den Armen fest, damit er die Füße auf die Schienen stellen konnte. So fest er konnte, stemmte Tom die Füße gegen die Eisenschienen, um den Wagen abzubremsen. Funken stoben von den Rädern auf, als der Wagen langsam und quietschend zum Stehen kam.
Als das Quietschen verklang, hörte Tom entfernte Stimmen und Hammerschläge. „Das sind die anderen Minenarbeiter“, sagte er. „Wir sind besser leise.“
Elenna nickte. Sie kletterte aus dem Waggon und Silver sprang hinter ihr zu Boden. Vorsichtig tasteten sie sich durch den Tunnel.
Sie kamen zu einer Stelle, wo sich die Schienen gabelten. Ein Schienenzweig führte in die Dunkelheit. Tom und Elenna entschieden sich für den zweiten Durchgang, der von Fackeln erleuchtet war.
Die Geräusche wurden lauter. Tom entdeckte vor ihnen einen roten Schimmer. Da öffnete sich der Tunnel zu einer riesigen Höhle. Durch ein paar Löcher in der Decke fiel Tageslicht, das sich mit dem roten Glühen in der Höhle vermischte.
Tom und Elenna drückten sich eng an die Tunnelwand und sahen sich aufmerksam um.
„Sieh mal“, wisperte Elenna.
Dutzende Männer hackten mit hängenden Schultern auf die Wände ein. Ihre Schläge waren langsam und schwach, als wären sie sehr erschöpft. Manche von ihnen schaufelten Felsbrocken in Säcke. Tom sah etwas glitzern und stupste Elenna an.
„Sie graben nach Gold!“, flüsterte er.
Einige Männer luden die Säcke auf Wagen, die am Ende der Schienen standen. Sie hatten je eine Hand auf die Schulter ihres Vordermannes gelegt und schlurften schwerfällig durch die Höhle.
Tom wurde ganz mulmig zumute.
„Sie sind alle blind“, wisperte er.
„Aber warum?“, murmelte Elenna entsetzt.
Toms Augen gewöhnten sich langsam an das dumpfe Licht und er entdeckte die Quelle für das rote Funkeln. Ein roter Edelstein befand sich in der gegenüberliegenden Wand. Über dem Juwel entdeckte er zwei orange glühende Augen.
Sofort wanderte Toms Hand zu seinem Schwertgriff. „Das sind die Augen des Biests!“