Unterkunft

Camping

Den Großteil deiner Nächte wirst du wahrscheinlich in deinem Zelt verbringen. Bei mir waren es knapp die Hälfte. Dabei möchtest du am liebsten einen ebenen Untergrund, eine Toilette und eine Wasserquelle. Nicht überall, wo du campen kannst oder magst, darfst du es auch. In den folgenden Unterkapiteln beschreibe ich die Optionen, die sich dir bieten.

Leave no trace

Gerade entlang des Wanderweges immer häufiger sichtbare „Häufchen“ und auch das dazugehörige Toilettenpapier sind Grund des Ärgers vieler Farmer, Einheimischer und Mitarbeiter des Department of Conservation (DOC). Je mehr Wanderer auf dem Te Araroa Trail unterwegs sind, umso mehr wird insgesamt gegessen und verdaut. Und wenn keine Toiletten vorhanden sind, musst du dein Geschäft wohl oder übel in der Natur verrichten.

Bei „Leave no trace“ geht es allerdings nicht nur um Verdauungsreste sondern auch um deinen ökologischen Fußabdruck. Um die Folgen und Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, verfahre bitte nach folgenden Regeln.

Dein Campingplatz sollte nach dem Verlassen genauso aussehen wie vorher. Achte darauf, keine Pflanzen zu beschädigen, abzuknicken oder rauszureißen. Nimm deinen Müll mit. Stelle deinen Kocher auf eine Unterlage, um den Untergrund nicht zu schädigen. Wenn du ein großes Geschäft verrichtest, tue das mindestens 50m von jeglicher Wasserquelle entfernt und grabe dafür ein Loch von mindestens 20cm Tiefe. Schaufel das Loch am Ende wieder zu und bedecke es mit ein paar Steinen.

Es bietet sich an, dazu eine Schaufel mitzuführen. Die gibt es in sehr kompakten und leichten Ausführungen für Wanderer zu genau diesem Zweck. Das Thema bekommt immer mehr Popularität und es gab bereits mehrere Artikel in lokalen Zeitungen mit der Aufforderung, eine Schaufel mitzunehmen. Auch wenn viele Wanderer keine dabeihaben, kannst du hier mit gutem Beispiel vorangehen.

Department of Conservation (DOC)

Das DOC ist eine staatliche Organisation mit dem Ziel, Neuseelands natürliches und historisches Erbe zu bewahren. Es kümmert sich u. a. um die Erhaltung bedrohter Tierarten, die Pflege von Wanderwegen, die Instandhaltung von Hütten und noch so Einigem mehr. Außerdem ist das DOC der größte Grundstückseigentümer Neuseelands und die meisten Flächen in der Wildnis zählen als sogenanntes „DOC-Land“. Um mehr über die Themen und Arbeit des DOC zu erfahren, kannst du dich in zahlreichen Projekten als Freiwilliger beteiligen. Mehr dazu findest du auf der Homepage www.doc.govt.nz.

Wildcampen ist auf DOC-Land grundsätzlich erlaubt. Jedoch solltest du dich dabei immer an den Grundsatz „Leave no trace“ halten.

Privat

Gerade auf der Nordinsel wirst du häufig durch Gebiete wandern, in denen hauptsächlich Viehzucht (Kühe und Schafe) betrieben wird. Dieses Land befindet sich nahezu immer in Privatbesitz.

Wenn du dort irgendwo dein Zelt aufschlagen willst, brauchst du die Genehmigung des Grundeigentümers. Das gilt auch, wenn es dort noch so verlassen und wild aussieht.

Hier befindest du dich oft in einer Grauzone. Denn häufig wirst du weit und breit keine Menschenseele sehen und hast auch keine Telefonnummer, um nachzufragen. In manchen Abschnitten wird dir deshalb nichts anderes übrigbleiben, als ohne Erlaubnis zu campen.

Hast du in seltenen Fällen wirklich einmal keine andere Wahl, dann halte dich auch hier strikt an das Prinzip „Leave no trace“ und versuche auch, dein Zelt etwas versteckt aufzubauen. Vor allem bleibe fern von allen Wegen und Straßen, um den Verkehr der Farmer mit ihren Fahrzeugen und Gerätschaften nicht zu behindern.

Streng genommen begehst du damit Hausfriedensbruch. Die meisten Farmer haben aber Verständnis dafür. Versuche trotzdem, deine Tage im Voraus möglichst so zu planen, dass du immer einen vernünftigen Schlafplatz hast. Nur in absoluten Ausnahmefällen solltest du auf die oben beschriebene Verfahrensweise ausweichen.

Campingplätze

Sehr komfortabel campen kannst du auf den zahlreichen Campingplätzen. Der größte Betreiber heißt „Top 10 Holiday Park“ und ist überall zu finden, wo es etwas zu sehen gibt. Die Preise dort variieren zwischen 15 und 25 NZD und sind damit schon fast so teuer wie ein Bett in einem Hostel.

Manchmal bleibt dir allerdings nichts anderes übrig, wenn Hostels z. B. ausgebucht sind und es im Umkreis nur Privatgrundstücke gibt.

Dafür hast du dort Annehmlichkeiten wie Waschmaschinen, heiße Duschen, Küchen, Gemeinschaftsräume und manchmal sogar ein kleines Geschäft. Wenn du Glück hast, gibt es dort auch einige warme Speisen.

Great Walks

Wildcampen auf den Great Walks ist grundsätzlich nicht gestattet. Der Te Araroa Trail tangiert zwei davon: Das Tongariro Crossing und die Reise auf dem Whanganui River. Auf beiden kannst du entweder in Hütten schlafen oder auf gekennzeichneten Campingplätzen. Beides musst du vorher buchen und auch bezahlen.

In der Hochsaison von Dezember bis Februar kann es auch mal eine Woche im Voraus ausgebucht sein. Buche also rechtzeitig.

Hütten

Die sogenannten „Backcountry Huts“ waren für mich die zweithäufigste Variante für Übernachtungen. Das Hüttensystem in Neuseeland ist wirklich Weltklasse! In den entlegensten Gegenden findest du Hütten. Sie haben zwischen zwei und zwanzig Betten. Am häufigsten ist die Variante mit sechs Betten. Meistens gibt es einen großen Tank mit Regenwasser, Bänke, Tische, eine Feuerstelle und ein Waschbecken.

Oft liegen die Hütten so, dass du nach einer anstrengenden Wanderung den Tag bei einem herrlichen Ausblick ausklingen lassen kannst.

Manchmal sind sie über 100 Jahre alt. Der Komfort lässt dann zu wünschen übrig. Dafür besitzen diese alten Hütten einen besonderen Charme und waren deshalb meine persönlichen Favoriten. Ganz hoch im Kurs stehen bei mir die Camp Stream Hut und die Martins Hut.

Es gibt aber auch frisch renovierte oder erst vor wenigen Jahren erbaute Hütten mit deutlich besserer Ausstattung. Meist sind diese Hütten vom DOC finanziert und betrieben. In einigen Ausnahmefällen gibt es aber auch private Hütten. Hier musst du vorher prüfen, ob du dort übernachten darfst und was es kostet.

Die meisten Hütten befinden sich auf der Südinsel, weil es dort mehr unbesiedelte Gebiete gibt als auf der Nordinsel.

Das Hüttensystem gab es bereits lange vor dem Te Araroa Trail. Es war und ist nicht auf die immer größer werdende Anzahl an Wanderern durch die Popularität des Weges ausgelegt. Da es dem Te Araroa Trust und dem DOC chronisch an Geld mangelt, wird sich daran auch in den nächsten Jahren wenig ändern. Sei also darauf vorbereitet, in manchen Hütten keinen Schlafplatz mehr zu bekommen. Du kannst sie dann trotzdem nutzen, um dich aufzuwärmen, zu essen und dich mit den anderen Wanderern zu unterhalten. Die Nacht musst du allerdings im Zelt vor der Hütte verbringen.

Hüttenpass

Hütten kosten je nach Größe und Ausstattung zwischen 5 und 15 NZD pro Person und Nacht. Wenn du die Südinsel komplett bewundern willst, lohnt sich für dich der Hüttenpass. Den kannst du in jedem Büro des DOC kaufen. Für 92 NZD kannst du in allen DOC-Hüten ein halbes Jahr schlafen so oft du willst. Ausgenommen sind hier lediglich die Hütten der Great Walks. Für die musst du grundsätzlich extra bezahlen und auch im Vorfeld buchen.

Wenn du eine Hütte nur tagsüber zum Kochen und zum Austausch mit anderen Wanderern nutzt, die Nacht aber in deinem Zelt verbringst, das du in der Nähe der Hütte aufschlägst, muss du nichts bezahlen. Ich traf einige Wanderer, die diese Option nutzten. Wer gerne zeltet, spart hier etwas Geld und hat nachts seine Ruhe, denn in den Hütten kann es nachts durch Schnarcher oder Leute die spät erscheinen oder früh aufstehen, teilweise sehr laut und unruhig werden.

Verhaltenskodex

Das Hüttensystem kann nur deshalb auf Dauer gut funktionieren, weil die Benutzer aufeinander Acht geben. Dazu gehört, dass jeder die Hütte mindestens genauso sauber und ordentlich verlässt, wie er sie betreten hat oder besser.

Das bedeutet, dass jeder die Hütte vor dem Verlassen besenrein fegt und alle Matratzen aufstellt, damit sie lüften können und eventuell vorhandene Mäuse oder anderes Getier nicht darauf ihre Notdurft verrichten, während die Hütte unbewohnt ist. Findest du eine Hütte schmutzig und ohne hochgestellte Matratzen vor, ist das ein Grund, mit gutem Beispiel voranzugehen. Denke also nicht: „Wenn die vor mir das nicht machen, mache ich das auch nicht“, sondern durchbrich den negativen Kreislauf und erhöhe den Standard.

Die Tür sollte immer geschlossen sein, um Insekten und Tiere in der Hütte zu vermeiden. Wasser muss sparsam verwendet werden, um genug für andere übrig zu lassen. Wenn es länger nicht regnet, wird das Wasser in den Regentanks schnell knapp. Schmutzige Ausrüstung wie Schuhe, Wanderstöcke oder Gamaschen bleiben draußen. Das Gleiche gilt für besonders stark riechende Dinge wie z. B. Socken.

Weiterhin sollte immer für genügend Feuerholz gesorgt werden. Wenn du selber Feuer machst, ist es das Mindeste, die Menge an selbst verbrauchtem Feuerholz wieder zu besorgen. Je nach Gegebenheit heißt das, bereitgestellte Stücke von draußen nach drinnen zum Trocknen zu bringen und kleine tote Äste zu sammeln und ebenfalls zum Trocknen nach drinnen zu legen.

Wenn grobe Baumstümpfe vorhanden sind, sollten die ein wenig kleingehackt werden. Gibt es wenig Feuerholz und auch keine Möglichkeit, neues zu besorgen, sollte ein Feuer nur im absoluten Notfall und nicht rein zum Komfort gemacht werden. Sicherlich ist ein Feuer am Abend immer angenehm und romantisch. Es muss aber immer genug Holz auf Vorrat sein, um Menschen in Notsituationen (überraschende Unwetter, Schneestürme, Kälteeinbrüche) zu wärmen und zu trocknen.

Der Sinn ist nicht die Romantik sondern die Lebensrettung. Also denke bei jedem Stück Holz, das du in die Hand nimmst an andere, die es vielleicht nötiger haben werden als du.

Etwas Holzhacken kann auch eine gute Abwechslung zum täglichen Wandern sein. So trainierst du ein wenig deinen Oberkörper und tust noch etwas Gutes für andere.

Eine wahrlich gute Einstellung ist es außerdem, jede Hütte in einem besseren Zustand zu verlassen, als du sie vorgefunden hast. Völlig egal, wie andere das handhaben, gehe mit gutem Beispiel voran.

Hostels, Motels und Hotels

Durch die höhere Zivilisationsdichte auf der Nordinsel hast du dort mindestens zwei Mal pro Woche die Möglichkeit, dir ein Bett oder gar ein ganzes Zimmer zu mieten. Hostels sind die günstigste Variante. Viele bieten neben den klassischen Schlafsälen auch Doppel- und Einzelzimmer an. Diese sind oft günstiger als Zimmer in klassischen Hotels.

Das Motel ist in Neuseeland sehr gehoben. Es ist nicht zu vergleichen mit den Motels in den USA, die das Image haben, sehr billig zu sein.

Ich habe keinen wirklichen Unterschied zwischen Hotels und Motels entdecken können, was Preise und Komfort angeht. Äußerlich sind Motels meistens in kleinen Wohnanlagen organisiert und Hotels klassisch in einem einzigen größeren Gebäude.

Privat bei Einheimischen

Die wohl aufregendste und interessanteste Variante der Übernachtung ist der Homestay. Entweder kostenlos oder gegen eine kleine Spende wirst du von Einheimischen in deren Zuhause eingeladen. Das passiert oft spontan, ist sehr individuell und damit absolut nicht planbar. Sollte sich aber einmal die Gelegenheit für dich ergeben, bei jemandem zu Hause zu übernachten, nimm sie auf jeden Fall an. Es ist die beste Möglichkeit, vollends in die neuseeländische Kultur einzutauchen und die Menschen richtig kennenzulernen.

Einen üblichen Ablauf für so einen Homestay gibt es nicht. Jede Familie ist anders. Manchmal darfst du einfach nur bei jemandem im Garten dein Zelt aufschlagen, bei anderen wirst du hingegen eingeladen, im Gästezimmer zu schlafen, bekommst drei Mahlzeiten, eine heiße Dusche und deine Wäsche wird gewaschen. Meistens wird es jedoch irgendetwas dazwischen sein.

Um dafür zu sorgen, dass Te-Araroa-Wanderer weiterhin freundlich empfangen werden, ist es hilfreich, wenn du nichts erwartest, offen für alles und immer freundlich und zuvorkommend bist. Jeder Wanderer, den ich unterwegs getroffen habe, hat ein ganzes Repertoire an Geschichten mit Einheimischen und für mich sind diese Erfahrungen ein ganz besonderer Teil des Abenteuers „Te Araroa“.

Mein schönster Aufenthalt ergab sich ganz unerwartet. Ich klopfte bei einem Farmer an die Tür und bat darum, irgendwo auf seinem Gelände mein Zelt aufschlagen zu dürfen. Er erlaubte es mir prompt und während er mir beschrieb, wo ungefähr ein guter Platz zum Campen wäre, führten wir ein bisschen Small Talk. Als er erfuhr, dass ich Deutscher bin, erzählte er mir ganz stolz von seiner Sammlung von Relikten aus dem ersten und zweiten Weltkrieg. Während er mir alles an der Haustür zeigte, wurde ihm das zu ungemütlich und er lud mich zu einem Kaffee ins Haus ein.

Daraus wurde dann ein Bier und als seine Frau nach Hause kam auch gleich ein Abendessen. Doch bevor ich das genießen durfte, wollte mir Warren unbedingt noch seine Farm zeigen und so fuhr ich mit ihm und seinem Sohn im Geländewagen durch seine erstaunlich weitläufigen Ländereien. Ganz stolz zeigte er mir die Grenzen seines Landbesitzes und erklärte mir allerhand zur Schafzucht, die er betrieb.

Als wir zurückkamen, servierte seine Frau das Abendessen und danach hatten die Eltern alle Mühe, ihre beiden kleinen Kinder von mir loszubekommen. Die waren total begeistert von so einem Wanderer wie mir und wollten gar nicht ins Bett, sondern mich mit allerhand Fragen löchern.

Nach weiteren kühlen Getränken, einer Dusche, einer erholsamen Nacht im Gästezimmer, einem ausgiebigen Frühstück und unzähligen Fragen über mich, meine Herkunft, den Te Araroa Trail und noch so vieles andere, machte ich mich am nächsten Tag wieder zurück auf den Weg.

Es war eines der schönsten Erlebnisse, die ich während meiner Wanderung hatte. Und es ist ein hervorragendes Beispiel für die unglaubliche Gastfreundschaft der Neuseeländer.