Verpflegung

Kalorien

Ernährung ist generell ein wichtiges Thema, da es nicht nur deine Gesundheit sondern auch deine Leistungsfähigkeit beeinflusst. Du solltest deshalb grundsätzlich auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung während deiner Wanderung achten.

Wenn du einen Fernwanderweg wie den Te Araroa Trail gehst, hast du einen deutlich höheren Kalorienbedarf als im Alltag. Nicht nur, weil du weite Strecken läufst und dabei auch noch Gepäck mit dir herumträgst. Nach einiger Zeit baust du auch mehr Muskeln auf (vor allem in deinen Beinen) und hast deshalb einen höheren Grundumsatz. Das heißt, nach ein paar Wochen täglichen Wanderns verbrennst du sogar beim abendlichen Ausruhen in der Hütte mehr Kalorien als vor der Wanderung, weil du mehr Muskeln hast und die auch im Ruhezustand Energie verbrauchen. Deshalb musst du mehr essen als du es gewohnt bist. Dein tägliches Aktivitätsniveau ist höher und dein Grundumsatz steigt durch den Aufbau von mehr Muskelmasse.

Nun kann man dieses Thema bis ins kleinste Detail ausweiten. Es gibt im Internet Kalorienrechner, die dir deinen exakten Kalorienbedarf gemäß Alter, Größe, Gewicht und Intensität der Bewegung berechnen. Ich glaube allerdings nicht an die Genauigkeit dieser Rechner. Jeder Mensch ist anders – und jeder Mensch wandert auch anders. Am besten du schaust sie dir aber trotzdem einmal an. Du kannst ein bisschen mit deinen Daten spielen und zumindest einen Eindruck davon bekommen, welchen Unterschied es macht, ob du einen Tag im Büro oder mit Wandern in der Wildnis mit Gepäck verbringst. Der offizielle Durchschnittsverbrauch an Kalorien bei einem männlichen Erwachsenen liegt bei 2 000 kcal. Je nach individueller Situation kann der Bedarf für den gleichen Menschen schnell auf 3 000 kcal bis 4 000 kcal ansteigen. Die genaue Zahl ist dabei weniger wichtig. Ich will nur verdeutlichen, dass du massiv mehr Energie verbrauchst.

Dein Körper wird sich während der Wanderung eingewöhnen und dir auch mitteilen, was er braucht. Anfangs wirst du etwas Gewicht verlieren, was völlig normal ist. Iss immer, wenn du Hunger hast und achte auf kalorienreiche Nahrung.

Wenn du dann später bei einem bestimmten Gewicht bleibst und dich gut fühlst, isst du genau richtig. Fühlst du dich müde und schlapp und nimmst weiterhin massiv ab, dann musst du schlichtweg mehr essen. Hast du noch Fettreserven, ist das noch nicht all zu tragisch. Sind die aber aufgebraucht, geht dein Körper an die Muskeln, die er nicht braucht und baut dort ab. Nimm im Zweifelsfall also lieber etwas zu viel zu dir als umgekehrt. Du wirst erstaunt sein, wie viel du während deiner Wanderung essen kannst, ohne zuzunehmen.

Nährstoffe

Beim Fernwandern musst du immer einen Kompromiss aus Menge, Qualität, Volumen und Gewicht der Nahrung machen. Dadurch landest du am Ende bei einer Hand voll Lebensmittel, die eine hohe Kaloriendichte haben. Das ist gut für dein Rucksackgewicht, aber auf Dauer schlecht für deine Gesundheit. Achte deshalb darauf, so viel Nährstoffe wie möglich zu dir zu nehmen. Vor allem Proteine, gesunde Fette, Mineralstoffe und Vitamine sind besonders wichtig.

Proteine bekommst du über Nüsse (die haben gleichzeitig wichtige Fette) und Hülsenfrüchte (z. B. Kichererbsen, Linsen) und über Käse und Salami. Nüsse haben auch eine hohe Kaloriendichte und sind unkompliziert in der Lagerung. Hülsenfrüchte dauern lange bei der Zubereitung, Käse und Salami halten sich nicht allzu lange, besonders bei heißem Wetter. Es kommt deshalb auch auf deine Planung an. Dazu später mehr im Kapitel Vorbereitung und Verpackung.

Gesunde Fette hast du z. B. in Nüssen und Avocados. Meine persönliche Geheimwaffe ist Kokosöl. Das hat nicht nur eine sehr hohe Kaloriendichte, es schmeckt auch hervorragend (natürlich nur, wenn du Kokos magst) und ist darüber hinaus universell einsetzbar. Du kannst es pur löffeln, in dein Müsli mixen, zum Kochen und Braten benutzen und außerdem ist es eine hervorragende Hautpflege. Mit Kokosöl kannst du z. B. abends deine Füße massieren. Bist du ein Mann und lässt dir einen Bart stehen, wirkt eine Gesichtsmassage damit Wunder. Die Haut bekommt Feuchtigkeit und der Bart wird gepflegt und geschmeidiger. Kokosöl ist aber im wahrsten Sinne Geschmacksache. Probiere es einfach aus.

Besonders empfehlenswert sind Haferflocken. Sie sind leicht, geben dir viel Energie, lassen sich mit den verschiedensten Zutaten kombinieren und halten lange satt.

Mineralstoffe und Vitamine kannst du über frisches Obst und Gemüse zu dir nehmen. Das ist aber verhältnismäßig schwer und hält sich nicht lange. Hast du Mangelerscheinungen, kann es hilfreich sein, dir ein Nahrungsergänzungsmittel in Tablettenform mitzunehmen. Lass dich dazu am besten in der Apotheke beraten.

Wasser

Grundsätzliches

Wasser ist unser Lebenselixier. Die meisten Menschen trinken schon im Alltag zu wenig. Der Te Araroa Trail ist im Vergleich zu anderen Fernwanderwegen besonders anspruchsvoll mit viel schwierigem Gelände. Es kann außerdem in den Sommermonaten (Dezember bis Februar) sehr heiß werden. Du wirst also viel schwitzen und brauchst deshalb sehr viel Wasser.

Du kannst das Wasser pur trinken oder behandeln. Ich habe einige Wanderer gesehen, die ihr Wasser nie behandelt haben und damit keine Probleme hatten. Das Risiko, dass du dir dabei Bakterien, Viren oder eine Vergiftung einfängst, ist aber nicht zu unterschätzen. Es ist ein Gesundheitsrisiko und verschafft dir eine Zwangspause während deiner Fernwanderung.

Erstens kannst du dir Guardia-Bakterien einfangen. Diese verursachen eine fiese Magen-Darm-Verstimmung und fesseln dich bis zu zwei Wochen ans Bett. Zweitens können besonders in Gebieten, in denen es viel Landwirtschaft und Viehzucht gibt (und davon gibt es in Neuseeland eine Menge), Chemikalien und Fäkalien in die Flüsse gelangen.

Wenn du es vermeiden kannst, solltest du dort überhaupt kein Wasser aus Flüssen und Bächen entnehmen. Warte lieber auf eine verlässliche Quelle und fülle dir einen größeren Vorrat auf.

Reinigungsmethoden

Es gibt verschiedene Filter mit unterschiedlichen Aufbauten und Funktionsweisen. Die einfachsten werden auf den Wasserbehälter mit dem Schmutzwasser geschraubt. Das kann entweder ein extra Faltbeutel sein oder einfach nur eine alte Wasserflasche. Je nach Modell fließt das Wasser dann mit etwas Druck oder einfach nur durch die Schwerkraft durch den Filter in eine leere saubere Flasche. Es gibt unterschiedliche Größen von verschiedenen Herstellern. Die Filter unterscheiden sich auch in der Membrangröße und der Durchflussgeschwindigkeit. Je feiner der Membran, umso mehr wird aus dem Wasser herausgefiltert. Den Geschmack des Wassers verändern diese Filter nicht.

Wasserreinigungstabletten gibst du einfach zum Wasser hinzu und wartest 30 Minuten. Dann kannst du ohne weiteres Umfüllen direkt trinken. Das Wasser schmeckt dann meistens etwas nach Chlor.

Wenn du das Wasser mit UV-Licht behandelst, hältst du einen sogenannten „Steripen“ für eine Weile einfach in das zu behandelnde Wasser. Je nach Modell dauert das ca. eine Minute. Der Steripen funktioniert elektronisch und muss deshalb regelmäßig aufgeladen werden.

Die älteste und verbreitetste Methode zur Wasseraufbereitung ist das Kochen. Bring Wasser in deinem Kochtopf zum Kochen und lass es mindestens drei Minuten köcheln. Diese Methode verbraucht aber Brennstoff, was du in deine Überlegung, wie viel du davon im Rucksack trägst, mit einfließen lassen musst. Wenn du das Wasser nicht heiß trinken willst und die Zeit zum Abkühlen einberechnest, dauert diese Variante am längsten.

Jede Methode hat Vor- und Nachteile. Ich habe den Wasserfilter Sawyer® MINI verwendet. Er ist sehr klein und leicht, äußerst zuverlässig und kann auf handelsübliche Wasserflaschen aufgeschraubt werden. So konnte ich unterwegs Wasser aufnehmen und direkt aus der Flasche mit aufgeschraubtem Filter trinken. Ich musste mich nirgends hinsetzen, Ausrüstung auspacken und warten bis ich genug Wasser gereinigt hatte. Mit einem Preis von ca. 40 EUR ist das auch eine günstige Option.

Welche Variante du wählst, ist letztendlich Geschmacksache. Schaue dich einfach in den diversen Wanderforen im Internet um. Du wirst schnell merken, welche Methode du bevorzugst. Um sicher zu gehen, kannst du zwei Varianten dabeihaben, z. B. einen Filter und ein paar Wasserreinigungstabletten für den Fall, dass der Filter kaputt geht oder du ihn verlierst.

Kalt oder warm?

Um Gewicht einzusparen, kannst du ausschließlich kalte Nahrung zu dir nehmen. Dabei entgehen dir einige Menüvarianten. Dafür kannst du auf Kocher, Brennstoff und Kochtopf verzichten und reduzierst nicht nur Gewicht, sondern auch Volumen im Rucksack.

Es gibt allerdings ein nicht zu vernachlässigendes Argument gegen diese Variante. Wenn du für Stunden im Regen gewandert und völlig durchgefroren bist, ist ein heißer Tee, Kaffee oder eine Trinkschokolade manchmal das Einzige ist, wonach du dich sehnst. Manche Menschen können außerdem morgens nicht ohne ihren Kaffee. Wäge also klug ab.

Wenn du dir keine warmen Mahlzeiten kochst, musst du bei der Menüplanung kreativer sein. Du kannst dir z. B. etwas rechtzeitig einweichen. Couscous bereitest du morgens vor, um es dann mittags oder abends zu essen oder du weichst Haferflocken über Nacht für das nächste Frühstück in Wasser ein. Immer gut für die kalte Ernährung sind auch Pesto, mexikanische Tortillas, Thunfisch und Kartoffelbreipulver. Den morgendlichen Frühstücksbrei essen viele Wanderer warm. Es ist aber reine Gewöhnungssache, ihn einfach kalt zu essen. Das Aufwärmen ist nicht notwendig sondern lediglich angenehmer. Mehr zu dessen Zubereitung findest du im Kapitel Frühstück.

Entscheide selbst, ob dir die Kompromisse die Gewichtsersparnis Wert sind. Ich habe damit etwas experimentiert und bin je ca. die Hälfte des Weges mit kalter und warmer Verpflegung unterwegs gewesen. Beides war okay und ich hab weder die warme Nahrung besonders vermisst noch hat mich das Zusatzgewicht der Kochutensilien wesentlich gestört. Vielleicht möchtest du auch beides ausprobieren?

Mein Vorschlag: Starte einfach mit kompletter Ausrüstung. Schau in den ersten Wochen, wie andere das machen. Wenn du danach ausschließlich kalt essen willst, packst du deine Kochausrüstung in deine Bounce Box und probierst es aus. Gefällt es dir nicht, kannst du die Sachen beim Einsammeln deiner Bounce Box einfach wieder in deinen Rucksack packen.

Frisches Essen

Je mehr frische Sachen du unterwegs essen kannst, umso besser. Da besonders Obst und Gemüse voll mit Wasser sind, ist das Gewicht aber sehr hoch und die Kaloriendichte niedrig. Außerdem hält sich vieles nur wenige Tage. Ein Kompromiss wäre, dir für die ersten zwei bis drei Tage z. B. einen Apfel und eine Karotte pro Tag einzupacken. Das bringt Abwechslung in den täglichen Genuss von Haferflocken und Müsliriegeln und sorgt für ein paar zusätzliche Nährstoffe.

Auf jeden Fall solltest du bei der nächsten Möglichkeit vielleicht nicht unbedingt nur Pizza und Burger in dich reinstopfen (das Verlangen danach wird sehr groß sein). Nutze die Verpflegungsmöglichkeiten lieber, um so viel Obst und Gemüse zu essen, wie du nur kannst. Denn während eines Pausentages sind Gewicht und Haltbarkeit egal.

Frühstück

Du wirst an Haferflocken nicht vorbeikommen. Sie sind schmackhaft, enthalten neben Kohlenhydraten auch noch Proteine und sie machen lange satt. Deshalb sind sie die perfekte Basis für ein ordentliches Kraft-Frühstück. Etwas aufpeppen und variieren kannst du es mit Kakaopulver, Zimt, Honig, Kokosraspeln, Nüssen, Trockenfrüchten oder Milchpulver.

Alternativ kannst du auch andere Flocken aus Dinkel, Roggen, o. ä. nehmen. Die Haferflocken sind allerdings am günstigsten und überall erhältlich. Sei einfach kreativ und probiere immer wieder neue Varianten aus.

Normalerweise würde man bei dieser Mischung von Müsli sprechen und es mit Milch oder Joghurt genießen. Da beides auf einer Wanderung nicht praktikabel ist, bleibt nur das Mischen mit Wasser. Um dem Ganzen etwas mehr Gehalt und Geschmack zu geben, ist Milchpulver sehr gut. Aufgrund der verschiedenen Möglichkeiten der Zusammenstellung deines persönlichen Kraft-Frühstücks nenne ich es der Einfachheit halber Frühstücksbrei. Du kannst ihn kalt oder warm essen, morgens frisch mixen oder abends bereits vorbereiten und einweichen.

Ich habe während meiner Wanderung niemanden gesehen, der eine dauerhafte Alternative zu den Haferflocken hatte. Mancher hat ab und zu auf das Frühstück verzichtet oder eben nur einen Müsliriegel gegessen.

Einmal habe ich jemanden gesehen, der frische Eier dabei hatte und sich damit morgens Rührei zubereitete. Ob sich der Aufwand dafür lohnt, entscheidest du selbst. Sicher kannst du morgens auch mal etwas Frisches essen. Auf die Dauer und besonders für lange Streckenabschnitte empfehle ich dir allerdings wirklich die guten, alten Haferflocken.

Mittagessen und Snacks

Es wird dir schwer fallen den klassischen Rhythmus von Frühstück, Mittagessen und Abendbrot einzuhalten. Da du meistens bis zum Abendessen den ganzen Tag wanderst, hat dein Körper einen kontinuierlichen Energiebedarf. Du solltest also nicht nur drei große Mahlzeiten alle vier Stunden zu dir nehmen.

Am besten naschst du immer wieder kleine Snacks. Je nach dem, wie viele Pausen du machst, kannst du diese gleich zum Essen nutzen. Wanderst du stundenlang ohne Pause durch (was ich dir nicht empfehle), iss einfach etwas während des Gehens.

Entweder du nimmst dir Zeit für ein richtiges Mittagessen, isst kleine Snacks zwischendurch oder du isst einfach kontinuierlich. Das hängt von deinem Pausenrhythmus ab.

Die Grenze zwischen Snack und Mahlzeit verschwimmt beim Mittagessen. Wenige Wanderer packen ihre Kochutensilien aus und bereiten sich eine große, warme Mahlzeit zu. Ich empfehle dir eine (bzw. mehrere) eher leichte Mahlzeiten. Dein Körper ist sonst zu stark mit Verdauen beschäftigt und eine große Mahlzeit mitten am Tag würde dir dadurch mehr Energie rauben als geben.

Eine leichte Mahlzeit zum Mittag ohne Kochen kann aus Crackern oder Knäckebrot mit Salami, Käse oder Erdnussbutter bestehen. Dazu gibt es noch Nüsse und Trockenfrüchte. Alternativ kannst du dir auch ein paar Wraps machen. Die lassen sich gut verarbeiten, sind platzsparend und halten sich lange. Darauf streichst du Erdnussbutter oder Schokoladencreme, wenn du es süß magst. Oder du belegst auch deine Wraps herzhaft mit Wurst und Käse. Du kannst dir auch morgens schon etwas Couscous einweichen und dann zum Mittag entweder herzhaft mit Pesto oder süß mit Milchpulver, Honig und Zimt genießen. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, lass dir etwas einfallen und experimentiere.

Wenn du keine große Mahlzeit zu dir nimmst, achte auf eine kontinuierliche, leicht verdauliche Energiezufuhr. Müsliriegel eignen sich hervorragend. Am besten sind möglichst Hochwertige mit vollwertigen Zutaten, nicht irgendwelche billigen Süßigkeiten. Gute Müsliriegel haben viele Nüsse, Haferflocken und Trockenfrüchte und sind z. B. mit Honig gesüßt. Diese halten länger satt und sind vorteilhafter für deinen Blutzuckerspiegel. Weiterhin eignen sich zum Naschen Nüsse jeglicher Art, Trockenfrüchte, Käse, Salami, Obst und Gemüse (sofern du für die ersten Tage etwas Frisches dabei hast).

Cracker oder sogar etwas Trockenfleisch wie Biltong oder Beef Jerkey sind auch lecker. Etwas voluminös aber trotzdem lecker sind Mais- oder Reiswaffeln. Achte darauf, so vielseitig wie möglich zu bleiben und lass den Strom der Energiezufuhr nie abreißen.

Egal ob mit größerer Mittagsmahlzeit oder vielen verteilten Snacks, durch kontinuierliches Essen stellst du sicher, bis zum Abend Energie für deine Tagesstrecke zu haben. Da jeder Mensch anders wandert (Geschwindigkeit, Distanz, Gepäck, Tageszeit, usw.) und einen individuellen Stoffwechsel hat, solltest du jederzeit auf deinen Körper hören und mit deinen Essgewohnheiten experimentieren. Probiere verschiedene Lebensmittel zu unterschiedlichen Zeiten und in variierenden Mengen aus, so wirst du schnell das für dich richtige Maß finden.

Abendessen

Im Alltag ist es eher ungünstig, abends eine große Mahlzeit zu essen. Sportler nehmen jedoch oft abends nach dem Training noch eine ordentlich Portion zu sich, um den Muskeln genügend Nährstoffe zur Regeneration zu geben. Nun kann man viel über verschiedene Ansätze einer gesunden Ernährung diskutieren.

Nach einer Tageswanderung wirst du abends allerdings einfach Hunger haben. Du solltest auch hier wieder auf deinen Körper hören und ihm geben, wonach er verlangt. Außerdem ist es besonders auf einer Fernwanderung wichtig, dass du dich wohlfühlst und eine gute Zeit hast. Eine vernünftige Mahlzeit am Ende des Tages gehört für mich einfach dazu.

Da du abends meistens alles aus deinem Rucksack auspackst und etwas mehr Zeit als beim Frühstück oder Mittagessen hast, kannst du beim Abendessen auch kreativer sein und stärkere „Geschütze“ auffahren. Das Abendessen ist deine Möglichkeit, dich für den Tag so richtig zu belohnen.

Kalt

Eine Idee für ein kaltes Abendessen sind Wraps mit Thunfisch. Den gibt es auch in einer Tütenverpackung statt in Blechdosen. Das ist leichter und nimmt weniger Platz in deinem Müllbeutel weg. Ich hatte immer viel frischen Knoblauch dabei, den ich zu fast allem hinzugegeben habe. Der hält sich locker zwei Wochen, wenn es nicht zu heiß ist, gibt herzhaften Mahlzeiten Würze und stärkt dein Immunsystem. Aber dazu musst du Knoblauch mögen.

Mit Kartoffelbreipulver oder -flocken, etwas Milchpulver, Salz und gerösteten Zwiebeln machst du dir einen schmackhaften Brei. Dazu passt etwa Käse oder du mixt dir noch etwas Trockenfleisch mit hinein.

Wenn du dich etwas vorbereitet hast, steht dir abends bereits eingeweichter Couscous zur Verfügung, den du wie im Kapitel Mittagessen und Snacks beschrieben süß oder herzhaft genießen kannst. Es gibt auch dehydrierten Reis, in Neuseeland „flat rice“ genannt. Der muss auch nur wenige Minuten in kaltem Wasser eingeweicht werden und schmeckt hervorragend mit etwas Salz und Pesto.

Sicher hast du bei kalter Ernährung ohne Kocher weniger Optionen. Ich bin mehr als zwei Monate mit den hier beschriebenen Varianten gut ausgekommen. Wenn du etwas kreativ bist, fallen dir sicher noch viele andere Menüs ein.

Warm

Wenn du abends richtig kochen möchtest, sind dir bei deiner Menüplanung theoretisch keine Grenzen gesetzt. Die Raffinesse deines Abendmahls hängt davon ab, wie viel du bereit bist, mit dir herumzutragen. Ich habe Wanderer getroffen, die eine halbe Küchenausstattung dabei hatten. Dazu gehörten Gewürze, Öle, Knoblauch, Zwiebel, Brühpulver, Butter und teilweise frische Zutaten. Das erhöht dein Gewicht ungemein. Es ist hier (wie bei allem, worüber ich schreibe) eine individuelle Entscheidung, was dir wichtig ist und wie viel Aufwand du bereit bist, zu betreiben.

Die einen machen sich jeden Abend eine Tüte Fertignudeln warm und sind damit zufrieden. Die anderen kochen sich Mahlzeiten mit Reis, Nudeln, frischem oder dehydriertem Gemüse, Wurst, geschmolzenem Käse und pikanten Gewürzen. Alles ist möglich, du musst es nur tragen können und wollen. Je mehr du kochst, umso mehr Brennstoff brauchst du auch.

Eine sehr beliebte Möglichkeit sind fertige Wandermahlzeiten, die sogenannten „Backcountry Meals“. Das sind vollwertige Mahlzeiten mit Reis, Nudeln, Kartoffeln, Gemüse oder Fleisch. Du bekommst sie dehydriert in einer Tüte, gießt heißes Wasser hinzu, lässt das Ganze zehn Minuten ruhen und hast eine sättigende Mahlzeit. Kritiker betrachten diese Variante als eine bessere Tütensuppe. Auch wenn solche Mahlzeiten natürlich nicht an die Qualität eines selbstgekochten Essens aus frischen Zutaten herankommen, so sind sie ein guter Kompromiss aus Volumen, Gewicht, Nährstoffen und Aufwand. Der einzige Nachteil ist, dass sie sehr teuer sind. Kannst du dir 10–15 NZD pro Mahlzeit leisten, sind sie eine praktische Alternative.

Wenn du das erste Mal eine Fernwanderung machst, wirst du eine Weile brauchen, um „deinen Weg“ bei der Ernährung zu finden. Je nachdem, was dir schmeckt, welche Kompromisse du bereit bist einzugehen und wie experimentierfreudig du bist, wird sich dein Abendessen mehr oder weniger von den von mir angesprochenen Optionen unterscheiden. Beobachte vor allem andere erfahrene Wanderer und lerne von ihren Methoden. Mir hat es Spaß gemacht, Neues auszuprobieren. Viele landen bei den immer gleichen Mahlzeiten. Das ist vielleicht praktisch, wird aber ziemlich schnell langweilig. Und der Wert einer guten Mahlzeit am Abend, die du wirklich genießt, ist nicht zu unterschätzen.

Vorbereitung und Verpackung

Unterwegs willst du deine Nahrungsaufnahme so einfach wie möglich haben. Es soll schnell gehen und wenig Müll produzieren. Außerdem willst du bereits im Vorfeld geklärt haben, was und wie viel du essen darfst, damit dein Proviant bis zum Ende des geplanten Teilstücks reicht. Dazu bietet es sich an, vor dem Start alles zu portionieren.

Entferne jede überflüssige Verpackung wie Kartons, Folien oder Etiketten. Danach füllst du alles in ZipLock-Beutel um. Dadurch hast du keine unnötige Luft in deinen Verpackungen, siehst jederzeit Menge und Inhalt und du kannst sie beliebig oft öffnen und wiederverschließen.

Leere Ziplock-Beutel kannst du später wiederverwenden. Alternativ sind sie auch gute Müllbeutel, da du Abfall darin gut komprimieren und luftdicht verschließen kannst. So reduzierst du Volumen und Geruch.

Bereite deine Mahlzeiten vor, so gut es geht. Wenn du z. B. zum Frühstück einen Mix aus Haferflocken, Milchpulver, Nüssen und Trockenfrüchten isst, dann mixe dir alles vorher schon portionsweise zurecht. Bist du z. B. sechs Tage bis zur nächsten Möglichkeit zum Einkaufen unterwegs, präpariere sieben identische Frühstücksbeutel. Einen Tag solltest du immer als Reserve einplanen.

Fülle dazu alles, was du für ein Frühstück brauchst in einen Ziplock-Beutel. Davon machst du sieben identische Füllungen. So hast du dein Frühstück unterwegs schneller auf dem Teller und gehst sicher, nicht zu viel oder zu wenig zu essen, weil du bei den Mengen durcheinander kommst.

Das gleiche Prinzip kannst du auf so ziemlich jede Mahlzeit anwenden. Sogar Snacks für unterwegs (Nüsse, Cracker, usw.) kannst du ebenfalls portionsweise abpacken. Ich habe diese aber in einem großen Zip-Lock-Beutel gelassen, weil ich es mit dem Umpacken nicht übertreiben wollte. Probiere das in den ersten Wochen aus und du wirst dein eigenes System schnell finden.

Pausentage

Zwischen den einzelnen Streckenabschnitten solltest du ab und zu einen Pausentag einlegen, den sogenannten „zero day“. Den nutzt du neben der Entspannung deiner Muskeln und Gelenke vor allem auch zum Ausgleich deines Nährstoffbedarfs. Iss dabei so viel wie möglich von all dem, was du in der Wildnis nicht bekommst:

Du wirst auch einen Heißhunger auf ungesunde Sachen wie Pizza, Burger, Pommer Frites, usw. verspüren. Auch wenn du dir um die vielen Kalorien keine Gedanken machen brauchst, solltest du trotzdem auf die Qualität deines Essens achten. Ein frischer Salat mit einem hochwertigen Rindersteak in einem lokalen Restaurant ist viel besser als das Sparmenü bei McDonald’s. Ein Obstsalat als Dessert beinhaltet mehr Nährstoffe als ein Eisbecher.

Natürlich solltest du dir auch mal etwas gönnen und die Seele baumeln lassen. Aber übertreibe die ungesunde Ernährung nicht, du isst während deiner Wandertage schon ungesund genug.

Verpflegungspakete

Auf der Südinsel gibt es einige Wegstrecken, wo du gar nicht oder nur bedingt neue Lebensmittel kaufen kannst. Du kannst von diesen Orten per Anhalter vom Wanderweg wegfahren und dich in der nächstgrößeren Stadt mit neuen Lebensmitteln eindecken. Oft kostet dich das aber mindestens einen Tag an Zeit und jede Menge Nerven.

Eine andere Möglichkeit ist es, vorher einzukaufen und dir dann Verpflegungspakete vorauszuschicken.

Die beliebtesten Ziele solcher Pakete sind:

Je mehr Pakete du schickst, umso weniger musst du tragen. Dafür schröpfst du dein Budget, da die Portokosten sehr hoch sind. Außerdem bist du je nach Adressat möglicherweise auch an Öffnungszeiten gebunden.

Schau dir dazu bitte die Homepage des TA-Wikis zum Thema „Resupply“ an. Dort hast du alle aktuellen Adressen und noch einiges an weiterführenden Tipps und Links zu diesem Thema:

www.tawiki.org/wiki/Resupply

Beachte auch, dass ein Versand von Nord- zu Südinsel teurer ist als innerhalb einer Insel. Du kannst deine Pakete auch von Picton aus verschicken. Dafür hast du dort aber weniger Auswahl und etwas höhere Lebensmittelpreise. Informiere dich am besten vor Ort noch einmal, was zum Zeitpunkt deiner Wanderung die beste Option ist.