So, jetzt mal hier etwas Grundsätzliches, weil ich mich gleich ziemlich auskotzen werde: Mein Mann Alex und ich sind ein Superteam, das waren wir auch schon vor den Kindern. Sonst hätten wir das Abenteuer ja gar nicht miteinander gewagt.
Wir sind beide krass reflektiert und lieben einander abgöttisch.
Und auch wenn sich das möglicherweise gleich so anhören könnte: Es ist nicht alles scheiße.
Das Leben mit zwei kleinen Kindern ist nur gerade sau-anstrengend.
Ja, es ist das Schönste der Welt, die beiden Mäuse aufwachsen zu sehen. Aber dieses Familiending ist neu und manchmal auch fremd für uns, deshalb kommen wir an unsere Grenzen. Gerade zum Beispiel ist es einfach nur crazy.
Vor unseren Kindern war es so, dass Alex und ich eines dieser coolen Paare waren. Ehrlich gesagt war ich immer der Meinung, dass wir die Ultracoolsten überhaupt sind. So ein sexy Künstler-Couple halt. Er ist Orchestermusiker, sein Instrument ist die Trompete. Tagsüber hat er seine Proben und abends seine Konzerte. Ich bin die unabhängige, lustige Entertainerin.
Wir konnten spontan sein, in den Tag hineinleben. Wir waren easy und witzig.
Und nun?
Heute sagen wir Sätze zueinander wie:
»Lilly muss heute pünktlich Mittagsschlaf machen. Legst du sie gleich in den Kinderwagen und gehst mit ihr an die frische Luft? Hast du beim Kinderarzt angerufen wegen der nächsten Vorsorgeuntersuchung? Sind frische Äpfelchen in der Vesper-Dose?«
Das klingt so gar nicht mehr nach einem spontanen Tagesablauf – und eines kann ich euch sagen: Das ist es auch nicht!
Wer sich fürs Kinderkriegen entscheidet, kann sich von Selbstbestimmtheit und Spontaneität gleich mal verabschieden. Die kleinen Scheißer brauchen nämlich Struktur.
Bei solchen Elternsätzen wird dir schlagartig klar, dass du überhaupt nicht mehr cool bist. Ich würde nicht sagen, dass man sich dann gleich zu den Spießern zählen muss, aber man führt mit seinem Partner eben exakt die gleichen Diskussionen wie alle anderen auch.
Klar dachten wir früher, wir stehen über all dem. WIR lassen uns doch von einem Kind nicht diktieren, wann wir nach Hause zu gehen haben oder wie früh wir morgens aus den Federn kommen. Heute kann ich darüber nur müde lächeln. Kinder machen einem unmissverständlich klar, wie der Hase läuft. Nämlich nach ihrem Gusto. Ansonsten wird es schnell unangenehm, vor allem in puncto Lautstärke. Die Kleinen haben eine Art eingebautes Megafon.
Ich denke, alle Eltern kommen irgendwann an den gleichen Punkt: Sie realisieren, dass das Leben nicht mehr ist wie vor dem Kind. Und dass es locker 15 Jahre dauern wird, bis man selbst wieder die Hauptrolle im eigenen Leben spielt.
Bei Alex und mir hat es ein wenig Zeit gebraucht, bis wir uns eingestehen konnten, dass das jetzt unser neues daily business ist. Dass es jetzt nicht mehr easypeasy ist. Vorbei die Zeiten, in denen wir in den Tag hineinleben und spontan um elf Uhr brunchen gehen konnten.
Das kommt mir alles vor wie aus einem früheren Leben.
Ja, und ich sag es euch ehrlich: Es ist schmerzhaft, dass diese Autonomie flöten gegangen ist.
Eigentlich bereitet einen so eine Schwangerschaft schon ganz gut auf dieses neue Leben vor. Zumindest bei der Frau ist es so. Männer haben körperlich ja recht wenig bis gar nichts mit dem Entstehungsprozess eines neuen Menschleins zu tun. Mit der Zeugung ist ihr Job getan. Ein Unding, aber bei wem soll ich mich beschweren?!
Gerade in der Spätschwangerschaft habe ich mich häufig wie der dumme Vogel gefühlt, der zu Hause das Kind ausbrütet.
Mein Leben lang konnte ich machen, was ich will.
Ich war gesund, fühlte mich sexy, war völlig autonom.
Mal eben um die Häuser ziehen, die Nacht zum Tag machen? Kein Ding!
Als Schwangere fühlte ich mich zum ersten Mal gehandicapt, weil mein Körper so schwer und aufgedunsen war und es sich einfach nicht richtig anfühlte, abends in einer Bar zu hocken und Limonade zu trinken, wenn man doch kaum noch vom Sofa hochkommt und bei jeder Treppenstufe das Schnaufen anfängt.
Bevor das Leben mit Kindern überhaupt richtig losgeht, bist du als Frau also schon mittendrin.
Was ich an der Schwangerschaft besonders Hardcore finde, sind die Hormonumstellungen. Und Hormone, das wissen wir alle, können richtige kleine Wichser sein (es gibt auch tolle Hormone, keine Frage. Aber manche machen dich auch einfach nur fertig oder lassen dich den halben Tag lang flennen).
Wenn mein Mann Alex abends weggegangen ist und ich zu Hause bleiben wollte, weil ich mich mit meinen dicken Beinen nur noch ablegen musste, ging manchmal mein Kopfkino mit mir durch. Ich habe mir da so krass dumme Gedanken gemacht – das darf ich hier eigentlich gar nicht aufschreiben. Aber ich mache es trotzdem, weil ich denke, dass es ganz vielen so geht, aber keine gerne drüber redet, weil sie nicht will, dass man denken könnte, sie sei ein Psycho.
Ihr müsst wissen: Alex geht wirklich nicht oft weg. Und wenn, dann mit seinen Musiker-Freunden. Wirklich völlig harmlos und kein Grund, zu Hause an die Decke zu gehen. Als ich aber schwanger war, wurde ich immer unruhiger, wenn mein Mann bis ein Uhr in der Nacht nicht wieder zu Hause aufgetaucht war.
Ich dachte: »Was treibt der sich denn noch draußen herum, es ist doch schon nach Mitternacht! Die hocken doch jetzt seit 19 Uhr zusammen, wie lang kann man denn in der Kneipe sitzen und Bierchen trinken?«
Einmal stand ich wie ein Freak zwei Stunden lang am Fenster und habe rausgegeiert, wann er nun endlich um die Ecke biegt. Ciao, Evelyn, du Psychoweib! Ich habe dann auch ganz bescheuerte Fantasien, während ich wie ein Walross hochschwanger im Bett liege, und male mir aus, wie die Situation gerade aussehen könnte:
Da tänzelt dann vor meinem inneren Auge so eine hippe Barkeeperin in ihren High-Waist-Jeans und einem kurzen T-Shirt. Am besten noch ohne BH mit den perfekten Tittchen. Total witzig und lässig drauf, living la vida loca! Und NATÜRLICH flirtet die meinen Alex an und gibt ihm einen Drink aus und beugt sich ein bisschen heiß über die Theke zu ihm rüber. Während ich zu Hause wie eine trächtige Sau mit dicken Zitzen liege und auf die Niederkunft warte, spreaded Alex seinen Charme in irgendeiner Berliner Bar.
Das ist natürlich völliger Bullshit, aber solche absurden Gedanken hat man als Schwangere eben mal. Denn wie gesagt, ich kann gerade nicht locker-lässig in der Bar sitzen und mir einen Whiskey Sour reinknallen.
Leute, ganz ehrlich, das fand ich in diesen Momenten einfach nur scheiße. Ich bin das besetzte Haus mit angeschwollenen Füßen, und der Vater des ungeborenen Kindes sieht blendend aus wie immer und zieht mit seinen Jungs los.
Wenn Alex später endlich zur Wohnungstür reingestolpert kam, war ich schon richtig in Stimmung. Also stinksauer. Alex wusste natürlich keinen Meter, wie ihm geschieht, denn er hatte ja nichts falsch gemacht. Ich hatte mich aber leider nicht im Griff und beschimpfte ihn böse, wo er sich so spät rumtreiben und wie er dazu kommen würde, seine schwangere Frau hier alleine zurückzulassen.
Wohlgemerkt hatte ich ihm vorher natürlich »erlaubt« auszugehen und war auch noch übertrieben cool und lässig dabei. »Klar, geh raus, und hab Spaß. Leb dein Leben, Baby!« Aber was interessiert mich mein Geschwätz von heute Nachmittag?
Hinterher habe ich meinen Ausraster jedenfalls bitterlich bereut, weil ich meinem Alex seinen schönen Abend kaputt gemacht habe.
Das ist die Widersprüchlichkeit einer schwangeren Frau: Du willst unbedingt die lässige Alte sein, die ihrem Kerl einen schönen Abend wünscht. Und dann nervt es dich doch, dass du nicht mehr so kannst wie früher, und springst zu Hause innerlich im Dreieck.
Ich möchte hier jetzt noch einmal schwarz auf weiß festhalten, dass mir zu jedem Zeitpunkt klar war, dass Alex nichts Verbotenes tun würde. Aber wenn du in so einem crazy Schwangerschaftshormonrausch bist, kommt dir auf einmal nichts mehr unmöglich vor. Das waren jedenfalls die Momente, in denen ich voll nicht in meiner Mitte war. Man fühlt sich auf eine merkwürdige Art und Weise benachteiligt und vom Leben ausgeschlossen – obwohl man paradoxerweise Leben in sich trägt.
Also wenn Hollywood anruft und eine Frau sucht, die ihre Emotionen im Griff hat – mich würden sie nicht fragen, so viel ist sicher. Es fällt mir schon im Normalzustand schwer, mich im Zaum zu halten. Aber als Schwangere ist es mir geradezu unmöglich, mich unter Kontrolle zu halten.
Ja, Kinder verändern alles. Das ist ja keine neue Erkenntnis. Aber dass sich die Partnerschaft auch so mitverändert, finde ich schon bemerkenswert.
Das ist noch immer alles total neu für mich, das gebe ich offen zu. Und ich glaube, damit hätte ich in diesem Ausmaß auch nicht gerechnet.
Alex und ich sind halt nicht mehr nur er und ich, ein Liebespaar. Sondern wir beide sind jetzt eine Versorgungsgemeinschaft mit Verantwortung, wir sind jetzt die Gang-Leader mit allem Drum und Dran.
Da gilt es, den Kindern drei bis vier Mahlzeiten am Tag zu servieren.
Sie brauchen eine kindersichere Bude, frische Luft und Obst.
Und ständig hat jemand Scheiße unterm Fingernagel!
Wir diskutieren, wie wir den Tag aufteilen mit Kindern und Arbeit. Wer bekommt wann wie viel Zeit, wer muss was wann erledigen?
Es ist derbe schwer, sich das alles einzuteilen mit zwei Kindern und gleichzeitig zu versuchen, fair miteinander zu bleiben. Oft gelingt uns das supergut. Aber wenn dann die Kita ausfällt oder ein Kind krank ist, fällt auch unser Kartenhaus in sich zusammen, weil unser Plan nicht mehr aufgeht.
Ich bin nur heilfroh, dass wir beide genügend Humor haben. Anders überlebt man das doch nicht!
Stellt euch mal vor, ihr hättet zwei kleine Kinder und dann auch noch einen Kerl, der nicht über sich selbst lachen kann. Hölle.
Dazu kommt, dass ich häufig mit irgendeiner hässlichen, ausgeleierten Buxe durch die Wohnung laufe, am besten hängt noch eine Titte raus, weil ich manchmal nicht dazu komme, mich ordentlich anzuziehen. In so einem Zustand mit dem Partner Konflikte auszutragen ist irgendwie nicht ideal.
Ja, was mich am Muttersein am meisten irritiert, ist tatsächlich das neue Streiten. Wenn ich mich mit Alex zoffe, bin ich eine Dramaqueen in Perfektion. Früher bin ich bei heftigen Streitereien aus der Wohnung gerannt, habe die Tür knallen lassen – und natürlich gehofft, dass er mir hinterhergelaufen kommt.
Mit zwei Kindern kannst du natürlich nach wie vor wütend aus dem Haus rennen. Aber dann stehst du alleine wutschnaubend auf der Straße, und keiner kommt dir mehr hinterher. Denn die Kinder kann man ja schlecht alleine zu Hause lassen, während sich die Eltern theatralisch auf dem Bürgersteig versöhnen.
Wenn also eines definitiv vorbei ist, dann sind das die Machtspielchen mit deinem Kerl. Du kannst dir auch nicht mehr einen Whiskey aufmachen und eine Schachtel Zigaretten rauchen, damit die Wut wieder verfliegt. Vor allem nicht, wenn du stillst.
Das Wohl der kleinen Mäuse geht vor. Immer. Das muss man sich mal vorstellen: Du stehst so sehr in einer Abhängigkeit zu deinen Kindern, dass du noch nicht mal mehr so emotional streiten kannst wie früher. Jetzt gilt es, sich im Griff zu haben. Denn was soll der Vater tun, wenn du nach einem Zoff in der Kneipe sitzt und säufst, das Baby aber Hunger hat und nach der Brust verlangt? Als Stillende weißt du eben nie, wann das Baby das nächste Mal Milch braucht.
Ihr seht den Punkt, oder?
Du bist in einer crazy Art und Weise gefangen in der eigenen Wohnung. Früher ging es nur um mich. Heute dreht sich alles um die Kinder.
Und selbst wenn es mir richtig mies geht und ich vor Frust weinen muss, denke ich an die zwei kleinen Menschen, denen ich eine gute Mama sein will. Schließlich merken Kinder, wenn die Stimmung zu Hause schlecht ist.
Früher hatten Alex und ich auch supergerne Freunde bei uns zu Hause. Damit ist es jetzt auch erst mal vorbei. Du kannst mit kleinen Kindern eben nicht die Bude voll mit Leuten haben. Da drehen sie nämlich so richtig auf und denken nicht ans Schlafen. Am nächsten Morgen kriegst du dann die Quittung mit völlig übernächtigten Kindern, denen gar nichts recht ist.
Deshalb hänge ich momentan am liebsten mit Leuten ab, die auch Kinder haben. Da musst du dich nicht groß entschuldigen, wenn du 20 Minuten zu spät kommst. Alle wissen ja, was abgeht. Wir Eltern haben dieselben Themen, und das tut gerade echt gut.
Meine Freunde ohne Kinder sind beispielsweise völlig verdattert, wenn wir uns auf dem Spielplatz nicht in Ruhe auf eine Bank hocken, Kaffee trinken und quatschen können. Lilly ist gerade zwei geworden, der muss ich die ganze Zeit hinterherrennen. Also müssen meine Freunde wohl oder übel mit mir über den Spielplatz rennen, damit wir überhaupt drei zusammenhängende Sätze wechseln können. Hat natürlich nicht jeder Bock drauf, das verstehe ich auch.
Auf der anderen Seite ist es aber auch wichtig, ein paar Freunde ohne Kinder zu haben. Denn wenn mal wirklich etwas ist und wir dringend Hilfe brauchen, sind die Eltern um uns herum ja mit ihrem eigenen Nachwuchs zugange und können nicht mal eben schnell rüberkommen und mit anpacken. Und außerdem ist es echt wichtig, den Kontakt zur Außenwelt nicht zu verlieren und auch noch mitzubekommen, was außerhalb der »Eltern-Bubble« so abgeht.
Ich erzähle euch das alles deshalb so ehrlich, weil es mir selbst so krass guttut, wenn mir meine Freundinnen berichten, dass es bei ihnen zu Hause genauso zugeht und sie selbst am Struggeln sind.
Bei den meisten ist es doch so, jeder kommt an seine Grenzen. Das ist alles total normal in der ersten Zeit als Familie mit kleinen Kindern. Und ich bin verdammt dankbar, dass meine Freundinnen und Freunde klar und deutlich aussprechen, was Phase ist.
Für mich ist es ein echtes Highlight, wenn wir uns mit befreundeten Familien verabreden, im Wohnzimmer mit den Kleinen auf dem Teppich sitzen und uns gegenseitig erzählen, wie scheiße die eine oder andere Situation in dieser Woche wieder war und wie man als übernächtigter Zombie den Partner mitten in der Nacht angekackt hat.
Dann lachen wir gemeinsam darüber, wie abgefuckt wir gerade alle sind. Probiert es aus, danach fühlt ihr euch besser!
Alex und ich sind ein Superteam. Eigentlich die beste Voraussetzung, dass es mit so einem Familienleben klappt. Auf der anderen Seite fühlen wir uns beide – und das, was wir leisten – vom anderen manchmal nicht gesehen.
Diese Wertschätzung, die flöten geht, weil die Tage so voll sind mit
Spielplatz besuchen,
füttern,
trösten,
wickeln,
in den Schlaf wiegen,
Rotze wegwischen,
aufräumen,
Wäsche waschen,
kochen,
einkaufen
und so weiter. Und dann will man sich ja auch irgendwann mal die Zähne putzen. Jobs haben wir ja auch noch.
Vor allem an den Tagen, an denen die Kinder krank sind, kommen wir an unsere Grenzen. Und dann streiten wir uns auch, weil wir beide das Gefühl haben, nur noch zu rotieren.
Wenn ich mir vorstelle, dass manche Paare ein Kind als Beziehungsretter bekommen, finde ich das schon verdammt optimistisch. Wer da als happy family endet: Chapeau.
Denn eigentlich crasht so ein Kind ja erst mal die harmonischste Beziehung. Es ist in einer intakten Partnerschaft schon schwer genug, sich als Liebespaar nicht zu verlieren – zumindest für eine Weile.
Kinder stellen ein Paar auf die Probe. Du kannst noch so cool sein, es kommen viele krasse Situationen auf dich zu, die dich an deine Grenzen bringen. Und eigentlich hilft da nur eines:
Redet miteinander, Leute. Teilt eurem Mann, eurer Frau, eurem Partner oder eurer Partnerin eure Gefühle mit. Nur so könnt ihr aufeinander zugehen und verliert nicht die Connection zueinander.
Manchmal umarmen Alex und ich uns mitten am Tag für 30 Sekunden. Einfach so. Dann spüren wir uns wieder, und das tut total gut.
Aber manchmal fühle ich mich halt auch einfach nur wie ein Horst und mache mir absurde Gedanken. Zum Beispiel geht mir dann durch den Kopf, wie es wäre, wenn Alex und ich irgendwann nicht mehr ein Paar wären.
Nicht, dass ich mir das vorstellen könnte. Aber ich glaube, diese Gedanken hat jede Frau mal. Dann denke ich mir: Wenn wir uns – warum auch immer – eines Tages trennen würden und ich müsste wieder daten.
Wieder von vorne anfangen. Tinder oder Bumble oder wie die nächste App dann heißt. Der Mann, mit dem ich mich dann einlasse, hat ja gar nichts damit zu tun, dass mein Körper nicht mehr so in Schuss ist wie früher. Er ist nicht der Vater meiner Kinder. Alex hat ja bei Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit aktiv mitgemacht.
Jetzt datest du neu, und der Kerl hat zu deinem Busen gar keinen Bezug. Er hat dich nicht gesehen, wie du gestillt und dein Baby mit deinen Brüsten ernährt hast.
Und jetzt kommt mir nicht mit Rückbildungsgymnastik! Ihr könnt noch so oft euren Beckenboden anspannen: Die Möpse sind einfach gebeutelt vom Stillen, und da hilft auch keine Gymnastik.
Zurück zur Realität. Alex und ich sind – zum Glück und hoffentlich für immer! – ein Paar, regen wir uns mal wieder ab. Aber diese absurden Gedanken kommen eben manchmal. Ich schicke sie dann meistens weiter. Und ganz ehrlich: Mit zwei kleinen Kindern hat man meistens auch gar nicht die Hirnkapazität, sich bei einem Gedanken aufzuhalten, weil gleich wieder jemand etwas von dir braucht und du gefordert bist.
Und wisst ihr was? Alex ist mein Traummann. An den allermeisten Tagen finde ich, dass wir das ganz großartig hinkriegen mit dem neuen Familienwahnsinn. Wenn man in einer solchen Lebenssituation wie wir ist, vergisst man schnell, dass es eigentlich nur eine Momentaufnahme ist.
Die Kinder werden so schnell groß, das sehe ich bei meinen Freundinnen. Zack, da werden sie schon eingeschult, und ein paar Jahre später musst du sie nachts vor irgendeinem Klub einsammeln. Der Zeitraum, in dem sie dich so krass intensiv brauchen, ist recht überschaubar, wenn man mal das ganze Leben betrachtet.
Gerade habe ich das Gefühl, dass Lilly und Tilly für immer so klein sein werden, weil sich die Tage manchmal so lang und die Nächte so kurz anfühlen. Aber so wird es definitiv nicht für die nächsten zehn Jahre bleiben.
Deshalb versuche ich, ab und an innezuhalten und das Chaos zu genießen. Ich weiß jetzt schon, dass es mir sehr schwerfallen wird, wenn sie älter sind und flügge werden. Ich bin heute schon innerlich am Heulen, wenn ich mir vorstelle, wie meine beiden Babys irgendwann auf Klassenfahrt fahren oder eines Tages ausziehen werden.
Ich kann mir mein Leben ohne Kinder einfach nicht mehr vorstellen. Alex und ich sind total leidenschaftliche Eltern und finden es in den meisten Situationen zum Glück wunderschön, eine Familie zu sein.
Das Paradoxe am Muttersein ist aber: Du liebst dein neues Leben und vermisst dein altes gleichzeitig.
Und manchmal fühlst du dich einfach auch wie ein dummer Vogel, der abends alleine zu Hause hockt und auf den Mann wartet. Das ganze Geheimnis ist vielleicht, das alles nicht zu ernst zu nehmen und den Mann und die Kinder und dich selbst mit Liebe zu überschütten. Deshalb, Leute, umarmt euch. Haltet einander fest. 30 Sekunden und am besten noch viel länger.