Fußspuren im Matsch

Lili wachte am nächsten Morgen als Erste auf. Als sie über sich das Dach der Höhle erblickte, wusste sie im ersten Augenblick nicht, wo sie war. Doch dann erinnerte sie sich wieder. „Wir sind in Goldis Grotte im Wald der Freundschaft“, dachte sie lächelnd. „Ob Susi auch schon wach ist?“

Sie rollte sich auf die andere Seite – aber Susi war nicht da.

Lili rüttelte Jessi und Goldi wach. „Ich kann Susi nicht finden“, sagte sie.

„Wahrscheinlich liegt sie irgendwo unter den vielen Decken vergraben“, meinte Goldi verschlafen.

Sie suchten zwischen den Kissen und Decken und riefen Susis Namen. Aber von dem kleinen Kätzchen fehlte jede Spur.

Entsetzt schlug Jessi die Hände vor den Mund. „Sie ist weg!“, rief sie.

Lili deutete auf einen leeren Haken. „Ihr Rucksack ist auch verschwunden“, sagte sie.

„Und Susis Nachtsichtgerät ebenfalls“, stellte Goldi fest.

Lili wurde blass. „Erinnert ihr euch an den Lärm von letzter Nacht? Vielleicht ist Susi aufgewacht und hat Geräusche gehört, denen sie nachgegangen ist.“

Goldi nickte. Ihre Schnurrhaare zuckten vor Anspannung. „Lasst uns zurück zur Tupfenwiese gehen“, sagte sie. „Wenn Susi sich auf eine Erkundungstour begeben hat, hat sie dort vielleicht jemand gesehen.“

Sie griff nach ihrem Schal. Vor der Höhle bemerkten sie, dass es in der Nacht stark geregnet hatte. Regentropfen glitzerten auf den Blättern vom Busch der ewigen Blüten.

„Hoffentlich ist Susi nicht völlig durchnässt worden“, sagte Lili und eilte hinter Goldi her.

Auf der Tupfenwiese sprang Goldi auf einen Baumstumpf und rief die Tiere zu sich. „Hat jemand Susi Samtpfote gesehen?“

„Seit gestern nicht“, antwortete Frau Mauseohr, die Mäusemutter.

Frau Hoppel nickte zustimmend. „Zuletzt haben wir sie gesehen, als ihr zu deiner Höhle aufgebrochen seid.“

Goldi runzelte die Stirn. „Hat jemand seltsame Geräusche im Wald gehört? Oder etwas Merkwürdiges gesehen? Es könnte uns helfen, Susi zu finden.“

Ein Entenkind in gelben Gummistiefeln watschelte näher. Es war Fibi Federchen. Bei ihrem letzten Abenteuer im Wald der Freundschaft hatten Lili und Jessi Griselda und die Boggits daran gehindert, den Weidenfluss zu verseuchen, wo die Familie Federchen lebte. Fibis sieben Brüder und Schwestern, ebenfalls in bunten Gummistiefeln, watschelten hinter ihr her.

„Wir haben gerade in den Pfützen gespielt“, erzählte Fibi schüchtern. „Mein Bruder Linus hat im Matsch Fußspuren entdeckt. Große! Kommt und seht sie euch an.“

Fibi führte Goldi und die Mädchen in den Wald zu den Pfützen, wo die Entenkinder gespielt hatten. Sie entdeckten vier Paar große Fußabdrücke und ein Paar kleine.

Voller Entsetzen starrten sie sich an.

„Es gibt nur ein Wesen, das solche großen Fußabdrücke hinterlässt“, sagte Goldi. „Ein Boggit!“

„Die Spuren sind von vier Boggits und Susi“, flüsterte Lili. „Glaubst du, sie haben Susi entführt, so wie sie es mit Hasi Hoppel gemacht haben?“

„Ich fürchte, es sieht ganz danach aus“, erwiderte Goldi.

„Kommt“, meinte Jessi. „Wir müssen Susi zurückholen!“

Sie bedankten sich bei den Entenkindern für ihre Hilfe und folgten den Spuren durch den Wald.

„Beeilen wir uns lieber“, sagte Goldi und warf einen Blick zum Himmel. „Es sieht so aus, als ob es bald wieder zu regnen anfängt.“

Tatsächlich fielen schon einige Augenblicke später die ersten dicken Regentropfen.

„Wir werden nass bis auf die Haut“, sagte Lili und schüttelte ihren tropfnassen Pony.

Jessi blieb stehen und zeigte nach vorn. „Oh nein, der Regen wäscht die Fußspuren weg!“

Betroffen mussten sie mit ansehen, wie die Fußspuren vor ihren Augen verschwanden. Sie eilten weiter, ohne zu wissen, ob sie in die richtige Richtung liefen.

„Wo kann Susi nur sein?“, überlegte Lili laut. „Sie muss sich schrecklich fürchten.“ Sie blieb stehen und blinzelte durch den Regen. „Hier stehen nicht mehr so viele Bäume. Sieht fast so aus, als ob da vorne der –“

„Waldrand ist!“, sagte Goldi alarmiert. „So weit bin ich noch nie gewesen. Oh, es tut mir so leid. Ich weiß nicht, wo Susi ist und ich weiß auch nicht, wo wir sind. Dieser Ort riecht ekelerregend.“

Jessi tröstete Goldi, die den Tränen nah war, während Lili sich umsah. Sie zwängte sich durch wucherndes Gestrüpp und trat mit dem Fuß plötzlich in etwas Weiches.

Vor ihr lag ein großer Tümpel aus gelblich braunem Matsch. Blasen stiegen an die Oberfläche und platzten dort. Grüne stinkende Gaswolken wurden freigesetzt. Es roch wie in einem alten Abwasserkanal.

„Hilfe!“, rief sie. „Mein Fuß steckt im Sumpf fest!“