Unter der Erde

„Lili! Halte durch!“, schrie Jessi.

Goldi packte Jessi an der Hüfte, damit sie nicht auch noch in den Sumpf rutschte, und Jessi streckte Lili die Hand entgegen. Lili hielt sich daran fest und gemeinsam zogen Jessi und Goldi sie aus dem Sumpf.

Lili schob sich die nassen Haare hinter die Ohren und rieb ihr schlammverschmutztes Kleid so gut es ging mit Blättern sauber. „Igitt!“, sagte sie. „Jetzt sind wir schmutzig und triefnass.“

Jessi benutzte einen Zweig, um ihre Schuhe zu säubern. Goldi schüttelte Wassertropfen aus ihrem Fell.

„Und jetzt?“, fragte Lili. „Weiter kommen wir nicht.“

„Lasst uns zu der Stelle zurückgehen, wo wir zuletzt die Fußspuren gesehen haben“, schlug Jessi vor.

Es hatte aufgehört zu regnen, aber auf dem Weg hatten sich viele Pfützen gebildet, durch die sie nun stapfen mussten.

„Hier habe ich ganz sicher einen Fußabdruck gesehen“, meinte Jessi und blieb stehen.

Der Weg gabelte sich in drei Richtungen. Eine führte zum Sumpf und eine zurück zur großen Tupfenwiese.

Goldi deutete auf den dritten Weg. „Die Boggits und Susi müssen da entlanggegangen sein. Kommt!“

Die drei Freundinnen rannten los. Sie kamen an stämmigen Bäumen vorbei, eilten über eine Waldwiese und an einem gluckernden Bach entlang. Dann rutschten sie einen Hang mit stacheligem Brombeergebüsch hinunter. Unten angekommen, versperrte ihnen eine große Ansammlung von Felsbrocken den Weg.

„Das ist eine Sackgasse“, sagte Lili enttäuscht. „Sie sind nicht hier.“

„Der ganze Weg war umsonst“, meinte Jessi niedergeschlagen. Sie ging zu einem Felsen, um sich hinzusetzen.

„Halt!“, rief Lili plötzlich und zog sie zurück.

„Was ist?“, fragte Goldi.

„Seht euch die Felsen mal genau an“, forderte Lili sie auf.

Goldi und Jessi kniffen die Augen zusammen.

„Sie schimmern“, stellte Goldi fest. „Und sie sind nicht fest!“

Lili streckte die Hand nach einem Felsbrocken aus, um ihn zu berühren, aber ihre Hand glitt einfach hindurch. „Alles gut“, beruhigte sie ihre Freunde. „Es tut nicht weh.“

Jessi kniff die Augen noch mehr zusammen, um schärfer zu sehen, und entdeckte hinter den unechten Felsen eine dunkle Stelle. Sie berichtete es den anderen.

Goldi sah ebenfalls genauer hin. „Das ist der Eingang zu einem Tunnel!“, rief sie. „Erinnert ihr euch an die Legende von den Tunneln unter dem Wald der Freundschaft, die ich euch erzählt habe?“

Lili starrte sie an. „Dann ist es also wahr?“

„Warum sollten die Boggits in den Tunnel gehen?“, wollte Jessi wissen.

Lili runzelte nachdenklich die Stirn. „Wisst ihr noch die seltsamen Geräusche, die wir gehört haben? Und die Kochtöpfe, die im Café Fliegenpilz heruntergefallen sind? Was, wenn die Boggits herumgeschlichen sind, um etwas anzustellen?“, sagte sie. „Sie könnten gehört haben, wie du von den Edelsteinen in den Tunneln erzählt hast.“

Jessi nickte. „Ich glaube, du hast recht. Vielleicht suchen sie tatsächlich nach den Edelsteinen. Aber warum haben sie Susi entführt?“

„Ich weiß es nicht“, meinte Goldi. „Aber wir müssen in diesen Tunnel, wenn wir sie zurückholen wollen.“

Schaudernd schlüpften sie durch die unechten Felsbrocken und betraten den dunklen Tunnel.

„Ich gehe voran“, bestimmte Goldi. „Mit meinen Augen kann ich im Dunkeln hervorragend sehen.“

Sie reichte Jessi das Ende ihres Schals und bat Lili, sich in der Mitte davon festzuhalten. „So können wir uns im Dunkeln nicht verlieren“, erklärte sie.

Sie schlichen langsam durch den Tunnel. Jessi und Lili stolperten immer wieder auf dem unebenen Boden. Es war merkwürdig, die eigenen Füße nicht sehen zu können.

Plötzlich ertönte vor ihnen ein lautes Geräusch, das durch die Gänge hallte.

Die Freundinnen drängten sich dicht aneinander.

„Boggits?“, wisperte Lili.

Das Geräusch erklang erneut, diesmal näher.

Goldis Ohren zuckten. „Da lacht jemand“, sagte sie.

Das Geräusch von rennenden Füßen näherte sich.

Goldi und die Mädchen drückten sich an die kalte Tunnelwand.

Lili umklammerte Jessis Hand. „Was ist das?“, flüsterte sie.

„Keine Ahnung“, antwortete Jessi mit zitternder Stimme.

Das Lachen wurde lauter. Schattenhafte Gestalten kamen auf sie zu.

„Hallo!“, sagten zwei hohe Stimmchen.

Lili und Jessi seufzten vor Erleichterung, als sie erkannten, wer den Lärm verursacht hatte.

Zwei kleine, spitzbübisch grinsende Fuchskinder!