Licht im Dunkeln
„Das sind Finja und Finn Fuchs“, stellte Goldi die beiden vor. „Was macht ihr zwei denn hier?“
„Wir wohnen in der Nähe“, antwortete Finn.
„Mama und Papa wissen nichts von den Tunneln“, erklärte Finja. „Sie sind unser Geheimversteck, bitte erzählt es ihnen nicht.“ Sie stellte zwei Laternen auf dem Boden ab, die nicht angezündet waren.
„Wie seid ihr hereingekommen?“, fragte Jessi und überlegte, ob die Fuchskinder wohl auch den magischen Eingang entdeckt hatten.
„Wir kennen viele Eingänge“, antwortete Finn. „Aber sie sind alle gut verborgen. Deshalb kommt sonst niemand hierher.“
„Heute ist noch jemand anderes hier“, sagte Goldi und erzählte ihnen von Susi und den Boggits. „Ihr kennt die Tunnel und Gänge gut, würdet ihr uns bei der Suche nach Susi helfen?“, fügte sie am Ende hinzu.
Die Fuchskinder waren sofort einverstanden. „Was für ein Abenteuer!“, sagte Finn freudig und hob die Laternen hoch. „Die könnten uns nützlich sein. Herr Federschlau hat sie gebaut.“
Lili und Jessi nahmen jeweils eine Laterne in die Hand und suchten nach einer Möglichkeit, sie anzuknipsen.
„Wo macht man sie an?“, fragte Jessi.
Die Fuchskinder mussten so heftig lachen, dass sie sich am Boden kugelten. „Für Glühwürmchen braucht man keinen Schalter!“, kicherte Finja. „Schaut zu!“
Sie ging ganz nah an die Laterne heran und wisperte: „Wacht auf, wacht auf! Glühwürmchen, macht euch bereit! Jetzt ist wieder Lichterzeit!“
Sofort erschien ein leichter Schimmer, der immer heller und heller wurde, bis der ganze Tunnel in warmes gelbes Licht getaucht war.
„Wahnsinn!“, flüsterte Lili. Sie hielt ihre Laterne dicht an ihren Mund. „Wacht auf, wacht auf! Glühwürmchen, macht euch bereit! Jetzt ist wieder Lichterzeit!“ Sie lachte vor Freude auf, als auch ihre Laterne zu leuchten begann. Nun, da sie wieder sehen konnte, war der Tunnel gar nicht mehr so unheimlich.
Sie wollten sich gerade auf den Weg machen, als lautes Gebrüll durch den Tunnel hallte.
„Boggits!“, sagte Goldi und griff nach Lilis Arm. Einen Augenblick später krachte es und der ganze Tunnel schien zu beben.
„Ist das ein Erdbeben?“, fragte Lili leise.
Wieder krachte es. Sie hielt sich die Ohren mit den Händen zu.
Die Laternen gingen aus.
„Oh, nein!“, klagte Jessi. „Der Lärm hat die Glühwürmchen erschreckt. Aber ohne sie ist es zu dunkel und wir können nicht weitergehen.“
„Glühwürmchen, habt keine Angst“, wisperte Lili. „Das war nur ein lautes Krachen. Wir lassen nicht zu, dass euch etwas passiert. Bitte wacht auf, wacht auf.“
Es schimmerte nur ganz schwach.
„Bitte!“, bettelte Lili. „Macht euch bereit.“
Finn versuchte es ebenfalls. „He, Glühwürmchen“, flüsterte er. „Wir sind echt verzweifelt und brauchen eure Hilfe!“
Ein winziger Schimmer erschien, dann noch einer und dann noch einer. Kurze Zeit später war die Laterne hell erleuchtet und die Mädchen konnten wieder sehen.
„Was haben die Boggits nur vor?“, wunderte Goldi sich. „Ich mache mir solche Sorgen um Susi. Finn und Finja, ich weiß, dass es beängstigend ist, aber könnt ihr uns bitte weiter durch die Tunnel führen, damit wir nach ihr suchen können?“
Ohne zu zögern, stürmten Finn und Finja los.
Die anderen folgten ihnen hastig. Jessi bemerkte, dass das Licht der Glühwürmchen riesige Schatten an die Tunnelwände warf. „Woher kommen diese nur?“, überlegte Jessi und schauderte vor Furcht. Dann begriff sie es. „Das sind die Schatten der Fuchskinder. Sie sehen wie Riesen aus“, sagte sie.
Finn und Finja hörten sie. Sie schüttelten drohend ihre Fäuste und peitschten mit ihren Schwänzen hin und her. Ihre Schatten sahen jetzt aus wie wütende Monster.
Der Gang schlängelte sich hierhin und dorthin, dann wurde er auf einmal breiter. Die Freunde standen plötzlich am Rand einer großen Höhle. Durch ein kleines Loch in der Decke fiel ein blasser Lichtstrahl herein.
In der Mitte der Höhle standen vier haarige Gestalten. Ihr Fell hatte die Farbe von schmuddeligem Grün, verwaschenem Blau und eitrigem Gelb: Boggits!
„Aber wo ist Susi?“, wisperte Goldi.
Lili und Jessi blickten suchend in der Höhle umher. Hasi Hoppel hatten die Boggits damals in einen Käfig eingesperrt. Aber was hatten sie mit Susi gemacht?
Auf einmal tauchte Susi hinter den Boggits auf. Sie trug ihr Nachtsichtgerät und pfiff fröhlich vor sich hin!