Monsterzeit
Jessi flüsterte Susi etwas ins Ohr.
Die Augen des Kätzchens weiteten sich.
„Geh jetzt“, sagte Jessi zu ihr, als sie fertig war. „Nachtsichtgerät an, mutige Entdeckerin!“
Susi eilte in die Höhlenmitte zurück. Gerade rechtzeitig, bevor die Boggits zurückkamen, die sich über seltsame Geräusche unterhielten.
„Boggits!“, rief Susi. „Ich musste gerade an etwas Gruseliges denken.“
Stinki schnaubte. „Wir Boggits fürchten uns vor nichts.“
Die anderen lachten. „Har! Har!“
„Sch!“, machte Susi. „Ihr weckt es auf.“
„Was?“, knurrte Stinki.
„Das Monster!“, antwortete Susi. „Das boggitsfressende Monster!“
„So was gibt’s nicht“, grunzte Mief.
„Und wenn doch?“, fragte Schnuff unsicher.
Müffel sah auf ihre Beine. „Müffels Knie zittern.“
„Nix da, Monster“, knurrte Mief. „Mieze, such nach Rissen in den Säulen. Wir Boggits hauen sie um!“
In ihrem Felsversteck erklärte Jessi inzwischen den anderen ihren Plan: „Susi hat ihnen von einem unheimlichen Monster erzählt, das Boggits frisst, und genauso müssen wir jetzt aussehen.“
Sie stellten sich in einer Reihe auf und legten einander die Arme um die Hüften. Lili und Jessi standen vorne, sodass es aussah, als hätte das Monster zwei Köpfe und vier Beine. Hinter ihnen waren die Fuchskinder, so kamen also noch acht kürzere Beine dazu. Goldi bildete den Schluss. Sie beugte sich über Finja und Finn, sodass es wirkte, als habe das Monster einen Buckel.
Lili gab Susi das Daumen-hoch-Zeichen. In einem unbemerkten Augenblick stahl sich Susi davon, um die beiden Laternen zu holen.
„Wacht auf, wacht auf! Glühwürmchen, macht euch bereit! Jetzt ist wieder Lichterzeit!“, wisperte Lili und reichte dem Katzenmädchen die Laternen.
Susi schlich damit zu den Boggits zurück.
Das Licht der Laternen glomm erst schwach, dann fing es hell an zu leuchten. Susi strahlte die Freunde mit den Laternen an und an der Höhlenwand entstand der riesige Schatten eines Monsters.
Lili und Jessi brüllten furchterregend und schüttelten ihre Köpfe. Die Köpfe des Monsters ruckten wütend vor und zurück. Die Fuchskinder stampften mit den Füßen und heulten.
„Ahhh!“, kreischte Stinki.
„Monsterangriff!“, schrie Mief. „Lauft!“
Das Schattenmonster brüllte weiter und peitschte mit seinem Schwanz.
„Friss mich nicht“, bettelte Schnuff. „Friss Müffel!“
„Nein, Müffel ist dünn und knochig“, heulte Müffel. „Friss Schnuff! Schnuff ist lecker!“
In ihrer Panik schubsten und rempelten die Boggits sich gegenseitig an, als sie versuchten, dem Monster zu entkommen. Schließlich fanden sie einen Tunneleingang und rannten stampfend und kreischend davon.
Die Freunde und Susi folgten ihnen heulend und brüllend durch den Tunnel und auch noch durch den nächsten Gang.
Goldi hielt plötzlich ihre Nase in die Luft und schnupperte. „Von da vorne kommt ein entsetzlicher Gestank!“, rief sie den anderen zu.
„Das ist der Sumpf“, antwortete Finn. „Er ist die reinste Matschbrühe und stinkt fürchterlich.“
„Wenn wir sie bis in den Sumpf jagen und sie den Matsch sehen, sind sie vielleicht so froh, dass sie nicht mehr zurückkommen, um die Säulen zu zerstören“, meinte Lili.
„Gute Idee“, sagte Jessi.
Brüllend und heulend verfolgte das Schattenmonster die Boggits weiter den Tunnel entlang. Kreischend vor Angst rannten diese noch schneller, bis sie endlich hinaus ins Freie gelangten.
Lili, Jessi, Goldi und die anderen warteten im Tunnel, bis das Geschrei der Boggits nicht mehr zu hören war. Erst dann schlichen sie aus dem Tunnel. Die Boggits stampften mit großen Schritten auf den Sumpf zu.
Mief drehte sich um. Als er sie entdeckte, brüllte er vor Zorn. „Wir Boggits wurden ausgetrickst! Schnappt sie euch!“
Aber die anderen Boggits beachteten ihn gar nicht.
Müffel schaufelte aus dem Sumpf Schlamm mit den Händen hoch. „Herrlich!“, juchzte sie und rieb ihn in ihr Fell.
Schnuff und Stinki bewarfen sich mit Matschklumpen.
„Ist besser als der Matschtümpel neben Griseldas Turm“, sagte Stinki begeistert. Er warf sich auf den Rücken und versank im Schlamm. „Herrlich grässlicher Sumpf!“, brüllte er. Er stand wieder auf und Schlamm tropfte ihm von der Nase.
Sogar Mief stimmte zu. „Der Sumpf ist superschlürfig“, sagte er und tauchte kopfüber hinein. „Juhu!“
„Ich glaube, wir sind in Sicherheit“, wisperte Jessi. „Goldi, die Boggits lieben den Sumpf so sehr, dass sie mich auf eine Idee gebracht haben.“ Sie grinste. „Vielleicht können wir sie dazu überreden, hierzubleiben!“
Lili umarmte ihre Freundin. „Das ist eine fantastische Idee“, sagte sie. „Griselda hat ihnen ein neues Zuhause versprochen, wenn sie den Wald der Freundschaft zerstören. Sie sind bestimmt begeistert, wenn sie hierher umziehen dürfen.“
„Das ist wirklich eine schöne Idee“, meinte Goldi. „Wenn es ihnen hier gefällt, haben sie keinen Grund mehr, Griseldas Befehle auszuführen und die Tiere aus dem Wald zu verjagen. Aber den Sumpf in ein perfektes Boggit-Zuhause zu verwandeln, dazu ist viel Arbeit nötig. Wir werden Hilfe brauchen.“
„Schick eine Flatternachricht“, schlug Jessi vor. „Oder noch besser viele Flatternachrichten.“
Goldi ahmte mit ihren Pfoten einen Schmetterling nach und wedelte mit ihnen, als wären es Flügel. Die Fuchskinder und Susi machten es ihr nach, auch Jessi und Lili flatterten mit ihren Händen.
Einen Augenblick später landete ein großer gelber Schmetterling auf Goldis Schulter.
„Hallo, Aurora“, sagte die Katze.
Ein violetter Schmetterling ließ sich auf Goldis anderer Schulter nieder.
„Hallo, Hermia“, sagte Jessi, die sich an den Schmetterling von einem ihrer letzten Abenteuer erinnerte, als sie Mia Mauseohr gerettet hatten.
Kurze Zeit später waren sie von einer Wolke aus Schmetterlingen umgeben. Die Tiere schimmerten in allen Regenbogenfarben, tanzten fröhlich durch die Luft und plapperten mit ihren feinen klimpernden Stimmchen. Jessi und Lili schnappten etwas von ihrer Unterhaltung auf.
„Dieser Gestank! Meine Güte!“
„Ganz recht! Da lässt man fast die Flügel hängen.“
„Ihr seht ja, woran es liegt“, sagte einer. „Boggits!“
Goldi lachte. „Schmetterlinge, bitte benachrichtigt die anderen Tiere. Sie sollen alles herschaffen, was sich dazu eignet, ein Boggit-Zuhause herzurichten.“
Als die Schmetterlinge davonflatterten, hörten die Mädchen, wie Hermia zu Aurora sagte: „Das wird den Tieren nicht schwerfallen. Sie müssen ja einfach nur ihre Abfalleimer mitbringen!“