Ein neues Boggit-Zuhause
Etwas später halfen Jessi und Lili dem Uhu Herrn Federschlau dabei, das Dach auf die neue Hütte für die vier Boggits zu heben. Er hatte seine neue Erfindung, den Hochheber, mitgebracht. Jessi saß auf einem Stuhl mit Pedalen und trat so kräftig, wie sie nur konnte. Der Hochheber zog das Dach nach oben. Lili drückte auf einen Schalter und das Dach schob sich direkt über die Hütte.
Herr Federschlau drückte auf einen anderen Knopf und schon fiel das Dach hinunter.
Bamm!
Familie Federchen legte einen Teppich aus schleimiger Entengrütze in die Hütte, den sie vom Fluss mitgebracht hatten.
„Igitt, ist das eklig“, sagte Fibi Federchen.
„Boggits mögen eklige Sachen“, erklärte Lili ihr kichernd. „Und Matsch.“
Die anderen Tiere häuften Abfall rund um die Hütte an.
Mief betrachtete ihn sehnsüchtig, während Stinki und Schnuff im Schlamm badeten. Susi und die Fuchskinder hüpften ebenfalls darin herum.
„Der Gestank macht einem nach einer Weile gar nichts mehr aus!“, rief Finn lachend.
Da meldete Herr Federschlau sich zu Wort: „Die Fütte ist hertig – äh, ich meine, die Hütte ist fertig!“
„Noch nicht ganz“, grunzte Müffel. „Die Hütte muss viel schlammiger sein.“ Sie schaufelte Matsch mit den Händen auf und schleuderte ihn auf das Dach der Hütte.
Die anderen Boggits halfen ihr.
„Die Menschenmädchen und die Katze haben den Sumpf gefunden. Gute Mädchen!“, brummelte Stinki.
Schnuff grinste. „Gute Katze!“
„Guter Matsch!“, rief Müffel.
Mief drehte sich zu Susi um. „Will die Miezekatze helfen?“
Alle wollten helfen!
Plötzlich fiel Lili ein Lichtkreis ins Auge, der über den Sumpf direkt auf sie zugeflogen kam.
„Griselda!“, rief sie. „Da kommt Griselda!“
Die Tiere schrien erschrocken und rannten schnell zu Goldi und den Mädchen, um sich hinter ihnen zu verstecken.
Der Lichtkreis schwebte kurz auf der Stelle, dann blitzte und krachte es und das Licht zerbarst in einem Schauer aus gelbgrünen Funken. Dort stand nun die böse Hexe. Sie trug ein violettes Kleid, eine schwarze Hose und spitze Stiefel. Ihr grünes Haar wogte um ihren Kopf wie ein Knäuel Schlangen.
„Boggits!“, kreischte sie. „Zurück an die Arbeit. Ab unter die Erde und bringt die Säulen zum Einstürzen!“
Einen Augenblick lang war es ganz still. Die Boggits tuschelten miteinander.
„Oh, nein“, wisperte Lili. „Sie werden ihr gehorchen.“
„Das dürfen wir nicht zulassen“, murmelte Jessi. „Boggits!“, rief sie. „Ihr habt ein neues Zuhause. Ihr müsst nicht machen, was sie verlangt. Sagt Nein!“
Mief sah Jessi an. Er betrachtete die neue schmutzige Hütte. Dann wandte er sich an Griselda. „Nein!“, rief er. „Wir Boggits helfen dir nicht mehr!“
Stinki trottete ein paar Schritte vor. „Griselda soll selbst die Säulen zerdonnern“, knurrte er.
„Waaas!“, kreischte Griselda. „Ich? Arbeiten? Seid ihr verrückt? Ihr macht das!“
Lili und Jessi hielten den Atem an. Würden die Boggits nachgeben?
„Nein!“, schrie Müffel hinter Schnuffs Rücken hervor.
Griselda kreischte wütend. „Wenn ihr ein neues Zuhause wollt, müsst ihr erst die Tiere verjagen –“
„Nein!“, sagte Mief. „Uns Boggits gefällt es hier im Sumpf. Hau ab!“
Griseldas Haare peitschten durch die Luft. Ihr Gesicht verfärbte sich zornesrot. „Ich werde nicht aufgeben“, zischte sie. „Der Wald der Freundschaft wird eines Tages mir gehören!“
Sie schnippte mit den Fingern und verschwand in einer Wolke aus roten sirrenden Funken.
Die Tiere jubelten: „Ein Hurra auf die Boggits!“
Lili und Jessi nahmen Goldi an die Hand und wirbelten mit ihr im Kreis herum.
„Der Wald ist gerettet!“, freute sich Lili.
Trotz aller Freude machte Goldi ein eher besorgtes Gesicht.
„Was ist los?“, fragte Jessi.
„Ich denke, Griselda meint es ernst“, erklärte Goldi. „Sie wird nicht aufgeben, bis sie den Wald für sich alleine hat.“
Lili umarmte ihre Katzenfreundin. „Dann werden wir eben weiterhin unser Bestes geben, um sie aufzuhalten. Versprochen!“
Jessi umarmte Goldi ebenfalls. „Du kannst auf uns zählen.“
Die Tiere winkten den Boggits zum Abschied zu und machten sich auf den Heimweg. Die Boggits saßen im sumpfigen Matsch und rieben sich Schlamm ins Fell. Sie grinsten Goldi und die Mädchen an und zeigten ihnen ihre schwarzen Stummelzähne.
„Kaum zu glauben, dass wir jetzt mit ihnen befreundet sind“, sagte Lili leise kichernd.
„Stimmt“, meinte Jessi. „Eigentlich sind sie ganz in Ordnung, wenn sie nicht gerade Griseldas schreckliche Befehle ausführen. Aber schmutzig sind sie immer noch.“
„Und sie stinken“, sagte Lili.
„Und sind hässlich und pummelig“, ergänzte Goldi.
„Aber irgendwie auch nett“, fügte Jessi hinzu und alle drei lachten.
Es wurde Zeit, nach Hause zu gehen. Jessi hob Susi auf ihren Arm, die sich sofort schnurrend an sie kuschelte, während Lili die Fuchskinder an die Hand nahm. Über ihnen flatterten die Schmetterlinge wie eine regenbogenbunte Wolke.
Da kam auf einmal Herr Fuchs herbeigeeilt. „Ich habe die Tunnel kontrolliert, wie du mich gebeten hast, Goldi“, sagte er. „Jedenfalls nachdem ich endlich den Eingang gefunden hatte. Aber ich habe gute Neuigkeiten. Die Säulen sind immer noch stark genug, um die Höhlendecke weiterhin zu tragen.“
„Hurra! Die Tupfenwiese ist in Sicherheit!“, freute Lili sich.
Zurück auf der großen Waldlichtung feierten die Tiere ein Freudenfest. Das Café Fliegenpilz hatte viele leckere Sachen zu essen vorbereitet und alle tanzten zur Musik, die aus einer merkwürdigen Box ertönte, die Herr Federschlau seine Melodienmaschine nannte. Lili, Jessi und Goldi wirbelten mit den anderen Tieren im Kreis herum. Susi ließ ihren Schwanz im Takt zur Musik hin und her schwingen und Familie Hoppel tanzte den Hasenhops, bei dem sehr viel gehopst wurde.
Schließlich war es Zeit für Lili und Jessi, nach Hause zurückzukehren.
„Mama und Papa werden staunen, wenn sie erfahren, was ich heute alles erkundet habe“, sagte Susi, als die Mädchen sie zum Abschied knuddelten. „Danke, dass ihr mich gerettet habt.“
„Das haben wir sehr gerne gemacht“, versicherte Lili.
Sie winkten ihren Freunden zum Abschied zu und folgten Goldi dann zum magischen Baum mit seinen golden schimmernden Blättern in der Mitte des Waldes.
Dort angekommen, sah Goldi sie dankbar an. „Ich bin so stolz auf euch, dass ihr Griselda die Stirn bietet und sie immer wieder stoppt. Als ich euch damals zum ersten Mal in der Tierklinik gesehen habe, wusste ich sofort, dass ich auf euch tapfere Mädchen zählen kann.“ Sie umarmte die Freundinnen.
„Wir haben tolle Abenteuer erlebt“, sagte Jessi.
„Ich werde bald wieder zu euch kommen“, versprach Goldi. Sie berührte den Baumstamm mit der Pfote und eine Tür erschien. „Auf Wiedersehen, Mädchen!“
„Auf Wiedersehen!“, verabschiedeten sich Lili und Jessi. Sie hielten sich an den Händen und traten durch die Tür in das golden schimmernde Licht. Als es verblasste, standen sie wieder auf der großen Wiese mit der Eiche.
„Was für ein Erlebnis“, sagte Jessi seufzend, während sie über die Trittsteine sprangen und zurück zur Tierklinik liefen. „Ich bin so froh, dass der Wald in Sicherheit ist.“
„Ich auch“, stimmte Lili ihr zu.
Obwohl die Mädchen die ganze Nacht weg gewesen waren, war in ihrer eigenen Welt keine Zeit vergangen. In der Scheune wachten die Kätzchen gerade auf und gähnten herzhaft.
„Sie sind so süß“, meinte Lili. „Das kleinste sieht ein bisschen wie Susi Samtpfote aus, findest du nicht auch?“
„Stimmt“, erwiderte Jessi. „Oh, Lili, es ist so niedlich. Ich wünschte –“
Sie hielt inne, als die Tür geöffnet wurde und ihr Vater mit einer dampfenden Teetasse hereinkam.
„Jessi, ich habe nachgedacht“, sagte er. „Wir sollten helfen, für alle Kätzchen ein neues Zuhause zu finden. Und eines könnte vielleicht sogar bei uns wohnen.“
Sie umarmte ihren Vater stürmisch.
„Oh, danke, Papa!“, sagte sie. „Ich würde gern das kleinste behalten.“
Lili legte das Kätzchen in Jessis Hände. Das Kleine fing sofort an zu schnurren und die Mädchen lächelten sich glücklich an. Was für ein magischer Tag!