WIE FUNKTIONIERT WÄRMESCHUTZ?

RUNTER MIT DEM ENERGIEVERBRAUCH

Nachdem wir in den beiden vorangegangenen Kapiteln kennengelernt haben, wie man seinen Energieverbrauch einschätzt und was die Ursachen für den Energieverbrauch sind, geht es nun ans Eingemachte, an die Mutter eines jeden Energiespargedankens: Wie kann ich meinen Energieverbrauch reduzieren? Bei dieser Frage ist es erst mal vollkommen unerheblich, ob die Ursprungsmotivation rein wirtschaftliche Überlegungen sind, ob mich Umwelt- oder Klimathemen antreiben oder ob ich mich unabhängiger von den großen Energieversorgern machen will. Häufig sind es ohnehin Mischungen aus diesen drei Zielen, die Menschen veranlassen, eine Energieberatung in Anspruch zu nehmen.

Um mehr über die Motivation der von mir beratenen Menschen herauszufinden, stelle ich zu Beginn des Gesprächs sinngemäß immer die gleiche Frage: „Wenn Sie die Gründe dafür, dass Sie meine Telefonnummer gewählt und um einen Energieberatungstermin gebeten haben, in einem Satz zusammenfassen würden, wie würde dieser Satz lauten?“ Obwohl es sich jedes Mal wieder um andere Menschen mit sehr unterschiedlichen Häusern und Energieverbräuchen handelt, sind die Antworten doch erstaunlich nah beieinander. Wenn man die vielen unterschiedlichen Ziele der unterschiedlichen Beratungssuchenden in einem Standardsatz zusammenfassen würde, dann würde dieser Satz ungefähr so lauten: Mit welchen sinnvollen Maßnahmen kann ich meinen (fossilen) Energieverbrauch spürbar und kostengünstig reduzieren?

Dieser Satz passt nach meiner Einschätzung bei weit über 90 Prozent meiner Energieberatungen, obwohl die ursprünglichen Auslöser, eine Energieberatung in Anspruch zu nehmen, doch jedes Mal sehr unterschiedlich und individuell sein können. Denn Energieberatungen fallen i. d. R. mit einem Instandsetzungszeitpunkt zusammen. Instandsetzung meint, irgendetwas ist kaputt oder zumindest nicht mehr vollständig in Ordnung und muss repariert oder erneuert werden. Wenn ein solcher Instandsetzungszeitpunkt ansteht, entsteht bei vielen Menschen häufig der Wunsch, sich zunächst mal über die Möglichkeiten geeigneter Maßnahmen zu informieren. Man möchte möglichst nichts falsch bzw. möglichst viel richtig machen. In vielen Fällen spielt natürlich dann auch die Förderung energetischer Maßnahmen eine große Rolle.

Mal geht es dabei um das Dach, das neu gedeckt werden muss, mal um die Heizung, die ausgetauscht werden muss. Mal sind es die Fenster, ein anderes Mal ist es die Außenwand, die erneuert werden muss. In einigen Fällen sind es Feuchte- oder sogar Schimmelprobleme, die das Telefon bei mir klingeln lassen. Nicht selten ist es auch ein Potpourri aus mehreren Dingen. In einigen Fällen wollen die Beratungssuchenden gleich alles auf einmal angehen und brauchen dafür ein stimmiges Gesamtkonzept. Das sind dann meist Situationen, in denen die Beratungssuchenden ein Haus gekauft oder geerbt haben, das gleich zu Beginn und manchmal noch vor Einzug ganz grundsätzlich für die Zukunft fit gemacht werden soll. Egal, was es im Einzelnen ist, Energieberatung hat fast immer einen solchen Auslöser. Vorbeugende, präventive Energieberatung – im Sinne von: wir wollen uns erst mal ohne konkreten Anlass so ganz grundsätzlich informieren – kommt eigentlich nicht vor.

So einfach es auch ist, die Ziele der Beratungssuchenden in einen einzigen Satz zu pressen, so ungleich schwerer wird das bezüglich der Formulierung der „sinnvollen Maßnahmen“. Denn um sinnvolle Maßnahmen zu identifizieren und zu definieren, muss man zunächst mal die individuelle Situation und die Rahmenbedingungen des Gebäudes kennen. Wo muss instand gesetzt werden? Gibt es neben der erforderlichen Instandsetzung noch weiteren, bisher unentdeckten dringenden Handlungsbedarf? Was sind die größten Energielöcher? Wie ist die Wärmeversorgung organisiert? Gibt es bauliche Einschränkungen? Und so weiter.

Sanierungsbedürftiges Einfamilienhaus. Hier ist der Zeitpunkt für die Durchführung energetischer Sanierungsmaßnahmen besonders günstig.1

Und dann kommt noch etwas hinzu, was nach meiner Einschätzung in Energieberatungen häufig zu kurz kommt. Was sind denn eigentlich die Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner und Bewohnerinnen? Gibt es Behaglichkeits- oder Hygieneanforderungen? Wie wird sich die Wohnsituation in Zukunft darstellen und gegebenenfalls auch verändern? Wie groß ist der Wunsch nach Klimaneutralität und Autarkie? Wie groß ist das zur Verfügung stehende Budget?

Ihr seht schon, die Ausgangssituationen und Fragestellungen sind so individuell und unterschiedlich, die werden wir hier nicht pauschal für alle Häuser und Situationen beantworten können. Denn eure jeweilige Ausgangslage ist mir nicht bekannt. Daher werden wir uns den potenziellen energetischen Maßnahmen in diesem Kapitel nicht individuell, sondern systematisch nähern. Es mag sein, dass das eine oder andere, was in diesem Kapitel behandelt wird, für euch nicht relevant ist. Wenn zum Beispiel euer Dach gerade vor ein paar Jahren erst saniert wurde, dann spielt das Kapitel zum oberen Gebäudeabschluss für euch wahrscheinlich eine kleinere Rolle. Ihr könnt euch dann jeweils nur die Themen rauspicken, die euch wirklich interessieren.

Die im Folgenden zusammengetragenen Empfehlungen werden sich dabei in erster Linie mit Dingen beschäftigen, die tendenziell weniger bekannt sind. Das hat den einfachen Grund, dass ich euch mit langweiligen Empfehlungen wie: dämmt euer Dach oder eure Wand oder baut eine effiziente Heizung ein, nicht langweilen will. Mir geht es in diesem Kapitel mehr darum aufzuzeigen, worauf zu achten ist, wenn ihr das eine oder das andere umsetzen wollt. Wir kümmern uns daher mehr um die wichtigsten Kniffe, die man kennen sollte.

Zunächst werde ich dafür auf die einzelnen Maßnahmen an der thermischen Gebäudehülle eingehen. Immer werden wir uns dabei auch die Wechselwirkungen zwischen diversen Maßnahmen ansehen, die sich bei Instandsetzungsmaßnahmen ergeben können. Worauf muss ich achten, damit ich mir keine Stolperfallen oder teure Barrieren für zukünftige Maßnahmen einbaue? Diese Stolperfallen führen dann zum sogenannten Lock-in-Effekt. Damit bezeichnet man Situationen, in denen gute Lösungen schwer möglich sind oder nur extrem teuer erreicht werden können und dadurch oft verhindert werden.

Mit der thermischen Gebäudehülle sind die Bauteile und Flächen gemeint, die warme Räume gegen kalte Außenluft oder ungeheizte Räume abgrenzen, also die Außenwand, die Fenster sowie der obere und der untere Gebäudeabschluss. Das sind dann wiederum das Dach und/oder die oberste Geschossdecke und die Kellerdecke bzw. der Kellerfußboden und manchmal auch Kellerwände.

Bei den hier besprochenen Maßnahmen wird es darum gehen, die wichtigsten Informationen zur Verfügung zu stellen. Wir werden nicht jeden einzelnen Arbeitsschritt bezüglich der Umsetzung behandeln und alle möglichen Materialeigenschaften besprechen. Ich werde mich auf die grundsätzlichen Punkte konzentrieren, um euch einen guten Überblick darüber zu verschaffen, was man tun kann.

Anders als beim Bau eines Hauses, bei dem man unten am Fundament beginnt und nach oben baut, fange ich in der Energieberatung immer oben beim Dach an und arbeite mich von da aus nach unten zum Keller vor. Der Grund dafür sind die häufig sehr komplexen Fragestellungen, die sich im unteren Gebäudeabschluss in Verbindung mit geförderten Effizienzhaus-Konzepten ergeben können. Manchmal kann man sich die Erörterung dieser komplexen Fragestellungen im Keller sparen, wenn sich während des Beratungsgesprächs das Konzept in eine andere Richtung entwickelt, in der der Keller keine so große Rolle spielt. Die Wahl der Reihenfolge meiner Herangehensweise hat also einen rein didaktisch-organisatorischen Hintergrund. Da wir hier ohnehin über alles sprechen wollen, könnte ich von meiner Gewohnheit durchaus abweichen und auch von unten anfangen. Aber ihr wisst ja sicher, wie das mit alten Gewohnheiten ist. Daher starte ich wie gewohnt mit dem Dach.

DÄMMUNG VON DACH UND OBERSTER GESCHOSSDECKE

Eigentlich ist die Rede von „Dach und oberste Geschossdecke“ ein wenig irreführend oder zumindest nicht ganz vollständig. Denn der obere Gebäudeabschluss besteht in vielen Häusern nicht nur aus einer dieser beiden Komponenten. Tatsächlich ist es zumindest manchmal doch etwas komplizierter. Daher beginnen wir erst mal mit einer Einordnung und Benennung der im oberen Gebäudeabschluss vorkommenden Bauteile. In der nachfolgenden Abbildung findet ihr dafür eine Übersicht der gängigen Dachkonstruktionen mit dem jeweiligen typischen Verlauf der thermischen Gebäudehülle.

Da wäre zunächst mal das Flachdach. Eine insbesondere in den 1960er Jahren bis in die 1980er Jahre hinein vorkommende Dachvariante. Bei den Flachdächern gibt es zwei unterschiedliche Systeme, die wir uns getrennt voneinander ansehen werden. Dann gibt es das klassische Schrägdach. Das stellt allerdings nur dann die thermische Hüllfläche dar, wenn das Dachgeschoss auch beheizt ist. Ist das nicht der Fall, übernimmt die oberste Geschossdecke die Funktion der Hüllfläche. Darüber hinaus gibt es noch eine häufig vorkommende Mischform, bei der das Dachgeschoss zwar beheizt ist, sich darüber aber ein nicht beheizter sogenannter Spitzboden befindet. Der Spitzboden wird vom beheizten Dachraum durch die sogenannte Kehlbalkenlage getrennt. Immer wenn ein solches Dachsystem existiert, verläuft die thermische Hülle nur teilweise über die Dachschräge und wechselt ab der Kehlbalkenlage auf diese. Der Verlauf der Hüllfläche ist in dem Fall trapezförmig.

Da sich die Maßnahmen auf einer Kehlbalkenlage nicht von denen auf der obersten Geschossdecke unterscheiden, werden wir diese beiden im Folgenden gemeinsam behandeln. Danach kümmern wir uns um die Dachschrägen. Auch hier ist es unerheblich, ob die Hüllfläche bis zum First des Hauses durchläuft oder am Kehlbalken abknickt. Die gewählten Maßnahmen hängen davon nicht ab. Und zum Schluss geht es um das Flachdach.

OBERSTE GESCHOSSDECKE UND KEHLBALKENLAGE

Zunächst mal gibt es in Verbindung mit diesen Bauteilen eine sehr gute Nachricht: Unter den ganzen potenziellen Dämmmaßnahmen in einem Wohnhaus gibt es keine Maßnahme, die sich mehr lohnt, als die oberste Geschossdecke zu dämmen. Das liegt in erster Linie an den – im Vergleich zu den anderen Maßnahmen – deutlich geringeren spezifischen Kosten pro Quadratmeter Bauteilfläche. Gleichzeitig ist hier ein hohes Maß an Eigenleistung möglich. Auch die Einspareffekte sind relativ hoch und umso höher, je schlechter der Wärmeschutz der vorhandenen Decken ist.

Die am häufigsten anzutreffenden Decken sind sogenannte Holzbalkendecken. Die Holzbalken bilden dabei die Tragekonstruktion, die in den Zwischenräumen je nach Baualter mit unterschiedlichsten Materialien (Sand, Asche, Bims, Ziegel, Lehm usw.) ausgefüllt wurden. Je schwerer das Füllmaterial ist, desto schlechter ist der vorhandene Wärmeschutz und umso größer das Einsparpotenzial. Das größte Einsparpotenzial aller Decken haben aber nicht Holzbalkendecken, sondern Stahlbetondecken. Stahlbeton hat eine sehr hohe Wärmeleitfähigkeit. Wenn nun auf einer solchen Decke keine oder nur eine ein bis zwei Zentimeter dünne Dämmschicht unter dem Estrich vorhanden ist, geht durch sie unglaublich viel Wärme verloren. Besonders gravierend wirkt sich eine solche Betondecke auf den Energieverbrauch der in den 1960er bis 1970er Jahren beliebten Bungalows aus. In einem eingeschossigen Haus ist der Flächenanteil der Decken zum unbeheizten Dachgeschoss sehr viel größer als in einem mehrgeschossigen Haus, in dem der Wandanteil an der thermischen Hüllfläche mit jedem Stockwerk zunimmt. Bungalows liegen daher wegen des großen Flächenanteils ihrer Obergeschossdecken und deren mäßigem Wärmeschutz beim spezifischen Verbrauch im Bereich von 200 kWh/(m2a) und darüber.

Geschossdecke mit Bretterboden. Im unbeheizten Dachboden ist es sinnvoll nicht die Dachfläche, sondern die oberste Geschossdecke von oben zu dämmen.1

Denjenigen von euch, die eine ungedämmte Beton- oder Holzbalkendecke haben, empfehle ich, schnell aktiv zu werden. Es gibt keine andere Dämmmaßnahme, die so viel bringt und gleichzeitig so wenig kostet. Ein weiterer Vorteil dieser Maßnahme ist, dass sie nicht an irgendwelche Instandsetzungszeitpunkte gebunden ist. Anders als bei einem Fenster, das man sinnvollerweise erst dann austauscht, wenn es kaputt oder schon in die Jahre gekommen ist, muss man bei der Deckendämmung auf nichts warten. Man kann sofort loslegen. Wenn es einen Hinderungsgrund für eine Deckendämmung gibt, dann meist den, dass der Dach- oder Spitzboden über die vergangenen Jahrzehnte mit diversem Gerümpel vollgestellt wurde. In dem Fall ist dann erst mal ein Flohmarktbesuch oder Sperrmülltermin erforderlich, bevor man sich an die eigentliche Arbeit machen kann. Als Ziel-U-Wert empfehle ich ca. 0,15 W/(m2K) anzustreben. Das entspricht einer erforderlichen Dämmstoffdicke von ca. 20 bis 30 Zentimetern, je nach Beschaffenheit der Decke und natürlich auch je nach Dämmstoff. Das ist zwar etwas mehr, als das Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) verlangt, macht preislich aber keinen großen Unterschied.

Die Umsetzung kann auf unterschiedlichste Weise erfolgen und unterscheidet sich zunächst mal in die zwei Dämmkategorien „begehbar“ und „nicht begehbar“. Die einfachste Variante ist die nicht begehbare. Hier reicht es, eine Dämmwolle auf der Decke auszurollen. Bei Betondecken ist nicht einmal eine zusätzliche Dampfbrems- und Luftdichtheitsebene erforderlich, da die Betondecke von sich aus bereits dampfbremsend und luftdicht ist.

Nur bei Holzbalkendecken ist eine Dampfbremsfolie oder -pappe zwischen Decke und Dämmschicht sinnvoll und meist auch erforderlich, das sollte im Vorfeld durch eine U-Wert-Berechnung einschließlich Dampfdiffusionsberechnung geprüft werden. Notwendig ist das nicht nur wegen der Dampfdichtheit, sondern auch wegen der vorhandenen Luftundichtigkeiten der Holzbalkendecke, die durch die zusätzliche Folie oder Pappe unterhalb der Dämmung abgedichtet werden können. Bei der Wahl des Dämmmaterials gibt es kaum Einschränkungen. Für die unbegehbare Variante empfehlen sich Mineralfaserdämmungen, die man einfach ausrollen kann. Wenn eine Fachfirma mit der Umsetzung beauftragt wird, ist eine Ausblasung mit Zellulosedämmung eine günstige und schnell zu realisierende Variante. So eine Decke lässt sich in wenigen Stunden mit Dämmstoff ausblasen.

Oberste Geschossdecke, gedämmt mit loser Steinwolle (nicht begehbar)1

Wer eine begehbare Decke haben möchte, weil der Dachboden nach der Dämmung wieder für den zukünftigen Sperrmüll genutzt werden soll, hat auch dafür mehrere Möglichkeiten. Entweder man nimmt gleich ein begehbares Dämmmaterial. Dafür eignen sich z. B. formstabile Dämmplatten aus Mineralfaser, Schäumen oder Holzfasern, die obendrauf noch eine begehbare Schicht aus irgendeinem Plattenwerkstoff bekommen. Bei manchen Produkten ist die begehbare Schicht sogar schon auf die Dämmung aufgeklebt und muss nicht mehr extra verlegt werden. Das spart einen zusätzlichen Arbeitsgang.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, mit weichen Dämmmaterialien eine begehbare Dämmung zu realisieren. In dem Fall muss für die Begehbarkeit zunächst eine Tragkonstruktion hergestellt werden. Zwischen der Tragkonstruktion, die meist aus Holzwerkstoffen gebaut wird, wird der Dämmstoff eingebracht. Die Gehplatten kommen dann zum Schluss obendrauf. Dieses Variante eignet sich sehr gut, um sie in Eigenleistung zu realisieren, ist aber auch relativ arbeits- und mader Suche nach einer einfachen und schnellen Lösung für die begehbare Variante ist, dem empfehle ich auch hier wieder die Ausblasvariante z. B. mit Zellulose. Die Tragkonstruktion wird dabei durch mit Zellulose vorgefüllte Pappzylinder oder vorgefertigte Dämmständer aus Holz hergestellt, die einfach auf die Decke gestellt werden. Die begehbaren Platten werden anschließend einfach auf den Dämmständern verlegt. Zum Schluss wird der sich zwischen Decke und begehbarer Platte ergebende Hohlraum mit Dämmstoff ausgeblasen.

Oberste Geschossdecke mit Zellulose- terialaufwändig. Wer auf Einblasdämmstoff (nicht begehbar)4

Der Vorteil von flexiblen und Ausblasdämmstoffen ist, dass es völlig egal ist, wie uneben die Fläche der betroffenen Decke ist. Der Dämmstoff passt sich den vorhandenen Unebenheiten an. Bei druckstabilen Dämmplatten muss man dagegen aufpassen. Wenn man feste Platten auf die unebene Deckenfläche legt, liegen diese nur an den höchsten Punkten der Decke auf. Dadurch können sich je nach Grad der Unebenheiten zwischen Decke und Dämmplatten Hohlräume von mehreren Zentimetern bilden. Im ungünstigsten Fall kann bei starkem Wind die Luft unter der Dämmung von kalter Außenluft unterspült werden. Dadurch verliert sie zumindest einen Teil ihrer Wirkung, weil es nun unter der Dämmung kalt ist. Vor dem Einbau druckstabiler Dämmplatten sollten die Unebenheiten z. B. durch eine Dämmschüttung (z. B. mit Perlite Granulat) zunächst ausgeglichen werden, sodass sich keine großen Hohlräume zwischen Decke und Dämmung bilden können und die Dämmung ihre Wirkung voll entfalten kann.

Oberste Geschossdecke mit Einblasdämmung und begehbarer Schicht4

In seltenen Fällen kann es sein, dass der Zwischenraum zwischen den Holzbalken nicht verfüllt ist. In dem Fall ist es möglich und sinnvoll, diesen Hohlraum zunächst mit Wärmedämmung zu verfüllen. Denn Hohlräume im Dach bergen immer die Gefahr, dass sie von kalter Außenluft durchströmt werden. Nach dem Verfüllen mit Dämmstoff ist damit selbstverständlich Schluss. Sind die Hohlräume von oben geschlossen, weil z. B. eine begehbare Schicht verlegt wurde, bietet sich auch hier eine Einblasdämmung an, da die begehbare Schicht nicht aufwändig entfernt werden muss.

Fast immer gibt es zu den unbeheizten Dachräumen einen Zugang. Entweder es gibt eine ausziehbare Dachbodenluke oder Bodentreppe, auch als Ruck-Zuck-Treppe bekannt, oder es führt eine richtige Treppe in den kalten Dachraum. In beiden Fällen sind diese Dachbodenzugänge eine Ursache für hohe Wärmeverluste. Das haben wir im vorherigen Kapitel bereits behandelt. Für die Dachbodenluke gibt es im Kapitel „Do-it-yourself-Maßnahmen“ eine Anleitung zum nachträglichen Dichten und Dämmen.

Für die Dachbodenzugänge über richtige Treppen werdet ihr da nichts finden. Diese Treppenaufgänge sind zu unterschiedlich, um die erforderlichen Dicht- und Dämmmaßnahmen in einer Kurzbeschreibung zusammenzufassen. Das heißt aber nicht, dass sie weniger wichtig wären, im Gegenteil. Solche Treppenaufgänge findet man häufig in sehr alten Häusern aus der Zeit vor 1945. Im Dachgeschoss befinden sich dann oft nur eine undichte Zugangstür zum Dachboden und eine Einhausung des Zugangs als dünner Bretterverschlag. Mein Tipp, wenn ihr einen solchen Zugang habt: Schaut euch die Situation sehr genau an und prüft, welche Flächen den warmen Wohnraum vom kalten Dachgeschoss trennen. Wenn ihr die Flächen identifiziert habt, versucht die Dichtheit und den Wärmeschutz auf Basis dessen, was ihr in den vorherigen Kapiteln gelernt habt, einzuschätzen. Sollte es an einer oder mehreren dieser Flächen ein Problem geben, versucht dieses durch einfache Mittel zu beheben. Das Wichtigste ist dabei die Luftdichtheit so gut es irgendwie geht zu verbessern. Denn die ist bei solchen Bretterverschlägen meist ziemlich übel und führt ähnlich wie bei der Holzinnenverkleidung im Dach zu erheblichen Wärmeverlusten.

Zugang zum Dachboden über Bodentreppe (Ruck-Zuck-Treppe)1

Zugang zum Dachboden über eine Einhausung des Treppenhauses1

Häufig werde ich gefragt, ob es sinnvoll sei, zusätzlich zu der Decke auch noch die Dachschräge zu dämmen. Diese Frage lässt sich ganz einfach beantworten. Eine Dämm- und Dichtheitsebene sollte immer nur in einer einzigen Ebene liegen. Das bedeutet, entweder man möchte einen warmen Dachraum, dann verläuft die thermische Hülle (Dämmung und Dichtheit) über die Dachfläche. Soll der Dachraum kalt bleiben, verläuft die thermische Hülle über die Decke. Eine zweite Dämmebene schadet zwar nicht, bringt aber auch nichts außer Mehrkosten.

DACHSCHRÄGE

Bei der nachträglichen Modernisierung von Dachschrägen gibt es ganz grundsätzlich drei unterschiedliche Varianten. Die ersten beiden Varianten sind die am häufigsten vorkommenden und bekanntesten. Entweder man dämmt das Dach von außen oder man geht von innen ran. In beiden Fällen wird i. d. R. erst mal etwas rückgebaut. Wenn man von außen dämmt, wird zunächst die Dacheindeckung heruntergenommen. Wenn man von innen drangeht, muss meist erst einmal die Innenverkleidung dran glauben.

Es gibt noch eine dritte, weit weniger bekannte Variante, bei der kein Rückbau von außen oder von innen erforderlich ist. Bei dieser Variante erfolgt die Dämmung vom Spitzboden aus.

Außerdem müssen wir in diesem Kapitel auch über die sogenannten Abseiten bzw. Drempel sprechen. Diese insgesamt vier Maßnahmen unterscheiden sich in Form und Ausführung stark. Daher werden sie nachfolgend getrennt voneinander ausführlich behandelt und erklärt. Möglicherweise ist nicht jede der nachfolgend erklärten Ausführungen für euch von Belang. Ihr könnt daher die für euch nicht infrage kommenden Ausführungen einfach überspringen und euch auf das konzentrieren, was für euch tatsächlich relevant ist.

DACHSCHRÄGE ‒ DÄMMUNG VON AUSSEN

Von der Außenseite ranzugehen, bietet sich immer dann an, wenn das Dach eine neue Eindeckung bekommt, wenn also die Ziegel erneuert werden müssen. Bevor man die neuen Ziegel verlegt, wird zunächst eine Dämmschicht aufs Dach gepackt. Und hierfür gibt es zwei Möglichkeiten: Die Dämmung kann zwischen die Sparren eingebaut werden, und die Dämmung kann auf die Sparren montiert werden.

Bei der ersten Variante, der sogenannten Zwischensparrendämmung, sollte man ein paar wichtige Dinge wissen und beachten. Die Sparrenhöhe ist in Bestandsgebäuden sehr begrenzt. In Bauten mit Baujahr vor 1978 beträgt sie meist nur ca. zwölf Zentimeter. Für einen heute üblichen und zukunftsfähigen Wärmeschutz ist das deutlich zu wenig. Hinzu kommt, dass bei einer reinen Zwischensparrendämmung die Dachfläche im Bereich der Sparren keine Dämmung bekommt. Da sich der Flächenanteil der Sparren in einer Größenordnung zwischen zehn und 15 Prozent der Dachfläche bewegt, bleiben bei der Zwischensparrendämmung somit bis zu 15 Prozent der Dachfl äche ungedämmt. Viele Menschen gehen davon aus, dass das nicht so dramatisch ist, da Holz ja auch einigermaßen gut dämmt. Das stimmt aber nur zum Teil. Zwar leitet Holz die Wärme nicht so gut wie ein Naturstein oder Metall. Holz ist allerdings weit davon entfernt, ein Dämmstoff zu sein. Das bedeutet, wenn man einen guten und zukunftsfähigen Wärmeschutz im Dach realisieren möchte, reicht die reine Zwischensparrendämmung nicht aus. Es braucht zusätzlich eine Dämmschicht auf dem Sparren, die die Dämmdicke insgesamt erhöht und – was noch wichtiger ist – die Dachsparren zusätzlich überdämmt. Solche zusätzlichen Aufsparrendämmungen sollten sich möglichst in einer Größenordnung von nicht weniger als sechs Zentimetern bewegen. Für die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen nach dem GEG reichen sechs Zentimeter aber meist gar nicht aus. Ganz egal wie hoch die zusätzliche Dämmschicht auch sein muss, eines ist klar: Wir brauchen eine Kombination aus Zwischen- und Aufsparrendämmung.

Dachfläche von außen – Zwischensparrendämmung mit Dampfbremse im Sub-Top-Verfahren. Gut zu sehen ist die Anpresslatte, die die Dampfbremse mit dem Sparren verbindet (Foto rechts).1/5

Wenn man sich für diese Kombination entscheidet, bleibt ein Problem aber immer bestehen. Der nachträgliche Einbau einer Luftdichtheitsebene (Dampfbremse) von außen ist bei Zwischensparrendämmungen nicht ganz trivial. Das hat damit zu tun, dass die Dampfbremse von oben eingebaut wird und dabei in ihrer Lage verspringt. Im Bereich des Sparrens verläuft sie über den Sparren. Im Sparrenzwischenraum verläuft sie im Bereich der Unterseite des Sparrens. Die Dampfbremse umhüllt den Sparren also von drei Seiten.

Damit sich kein Wasserdampf in die Grenzschicht zwischen Sparren und Dampfbremse verirrt, muss sie im unteren Bereich des Sparrens fixiert werden. Das alles muss äußerst sorgfältig umgesetzt werden und ist recht aufwändig. Und auch die zusätzliche Aufsparrendämmung erfordert einen weiteren Arbeitsschritt, was den Aufwand noch einmal erhöht. All das führt dazu, dass diese Variante gegenüber einer reinen Aufsparrendämmung keinen wirklichen Kostenvorteil hat.

Der Vorteil dieser Variante liegt eher darin, dass sie durchaus auch mit sogenannten ökologischen Dämmstoffen ausgeführt werden kann. In Verbindung mit ökologischen Dämmstoffen wird diese Variante möglicherweise teurer sein als die reine Aufsparrendämmung. Die Aufsparrendämmung schneidet dafür bei der Ökologie schlechter ab. Denn um mit einer rein auf den Sparren verlegten Dämmschicht eine ordentliche Dämmqualität hinzubekommen, braucht man Hochleistungsdämmstoffe mit sehr geringen Wärmeleitfähigkeiten bzw. hoher Dämmwirkung. Ansonsten werden die erforderlichen Dämmschichtdicken extrem groß. Der Dämmstoff, der in der Dachsanierung für Aufsparrendämmung am häufigsten eingesetzt wird, ist Polyurethan (PUR). PUR ist so ein Hochleistungsdämmstoff, der eine einigermaßen schlanke Aufsparrendämmung zulässt. Ohne Chemie ist eine schlanke Lösung nicht möglich.

Bei der Wahl der Ausführung gibt es also zwei sehr unterschiedliche Varianten, zwischen denen man sich entscheiden muss: eine eher selten vorkommende, etwas ökologischere Variante mit gewissen bauphysikalischen Risiken und eine bauphysikalisch unkritische Variante, die aber hinsichtlich der ökologischen Bewertung deutlich schlechter abschneidet. Für die Wahl der einen oder anderen gibt es keine allgemeingültige Regel. Es gibt hier kein Richtig oder Falsch. Die Frage nach der richtigen Variante kann jeder und jede nur für sich selbst beantworten.

Aufsparrendämmung aus Polyurethan (PUR). Gut erkennbar: die Konterlattung.6

PUR-Dämmschicht ist von der Seite noch sichtbar, weil das WDVS auf der Fassade noch fehlt6

Ganz egal für welche Variante ihr euch entscheidet: beide Varianten packen das Dach von oben her ein. Der komplette Dachstuhl und damit auch die vollständige Dachkonstruktion befinden sich somit unter der Aufsparrendämmung auf der warmen Seite. Das ist erst mal gut. Denn warme Bauteile sind trockne Bauteile. Eine Problemstelle gibt es bei beiden Varianten: der luftdichte Anschluss im Traufbereich des Daches. Die Traufe, das ist die sogenannte Tropfkante des Daches, also der Teil, an dem die Dachrinne befestigt ist. An der Stelle, an der die Dachsparren auf dem Mauerwerk aufliegen, muss natürlich auch die luftdichte Ebene (Dampfbremse) ans Mauerwerk angeschlossen werden. Hier gibt es nun ein klitzekleines Problem. Die Dampfbremse liegt unterhalb der Dämmung auf dem Sparren. Um von da aus an das angrenzende Mauerwerk anschließen zu können, muss man mit der Folie an den Sparren vorbei. Denn die Sparren hören in den allermeisten Fällen nicht auf dem Mauerwerk auf, sondern gehen noch ein Stück weiter und bilden in der Verlängerung den sogenannten Dachüberstand. Das bedeutet, um von oben nach unten zu kommen, muss die Dampfbremse um jeden einzelnen Sparren mühsam herumgeführt und luftdicht verklebt werden.

Die luftdichte Abklebung der Sparrenhölzer ist sehr aufwändig, da sie sehr sorgfältig durchgeführt werden muss5

Das ist nicht nur aufwändig, sondern birgt wiederum ein nennenswertes Fehler- und Schadenspotenzial, denn mehr Klebestellen bedeuten auch mehr Möglichkeiten, Fehler zu machen. Wenn die luftdichte Abklebung der Sparren nicht hundertprozentig umgesetzt wird, kann bei starkem Wind auf der windzugewandten Seite durch die verbliebenden Undichtigkeiten Luft ein- und auf der windabgewandten Seite ausströmen. Die einströmende Luft ist kein Problem, denn diese wird beim Eindringen ins Haus aufgewärmt und trocknet die betroffene Stelle aus. Auf der windabgewandten Seite strömt die Luft dagegen von innen nach außen. Dabei wird die warme Raumluft im Winter auf dem Weg nach draußen abgekühlt, wodurch der in der Luft enthaltene Wasserdampf zu Wasser wird. Und wenn genug Wasser zusammenkommt, kann das zu dauerhaften Überfeuchtungen führen, die in der Folge den betroffenen Holzsparren schädigen können.

Ich gebe zu, das kommt selten vor. Aber immer wenn es vorkam waren die verursachten Schäden und damit auch die Kosten enorm. Im Extremfall muss der komplette Dachstuhl erneuert werden. Daher empfehle ich bei Dachdämmungen von außen standardmäßig eine alternative Lösung für den Anschluss der Dampfbremse im Traufbereich. Diese Lösung reduziert die Luftundichtigkeiten und damit auch das Risiko der Überfeuchtung an der Traufe praktisch auf null. Klingt gut, oder? Was dagegen vielleicht ein wenig befremdlich klingen mag, ist die Tatsache, dass für diese Lösung der Sparren bündig mit dem Außenputz erst mal abgeschnitten werden muss. Ja, richtig gehört, der komplette Dachüberstand wird erst mal abrasiert. Aber keine Angst. Jetzt kann man die Dampfbremse über die abgesägten Stummel der Dachsparren legen und an den Außenputz anschließen. Sobald das passiert ist, wird der Dachüberstand mit sogenannten Aufschieblingen wieder hergestellt. Die Aufschieblinge sind kurze Sparrenhölzer, die nicht direkt auf den Sparren, sondern innerhalb der Dämmebene von oben auf die alten Dachsparren aufgeschraubt werden.

Diese Ausführungsvariante ist zwar etwas aufwändiger als die Standardvariante, bei der die Dampfbremse um jeden Sparren herumgeklebt werden muss, dafür ist sie wie schon erwähnt absolut sicher. Man kann sich das so vorstellen wie eine Versicherung, die man für den Schadensfall des Daches abschließt. Nur, dass der Versicherungsbeitrag nicht jährlich erhoben wird, sondern nur einmal ganz am Anfang, indem die Maßnahme etwas mehr kostet.

Ich habe dieses Detail so ausführlich erklärt, weil man diese Lösung nur von den wenigsten Handwerksbetrieben vorgeschlagen bekommt. Den meisten Betrieben ist sie nicht einmal bekannt. Wenn ihr euch mit einer anstehenden Dachdämmung beschäftigen müsst, solltet ihr zumindest alle Optionen kennen und euch nicht aus Unwissenheit für irgendeine zufällige Lösung entscheiden, die möglicherweise ein potenzielles Schadensrisiko birgt. Jetzt kennt ihr alle Optionen und könnt selbst entscheiden, welche Ausführung für euch infrage kommt.

Wenn ein Dach von außen gedämmt wird, sollte man die Außenwanddämmung unbedingt schon mitdenken. Und zwar unabhängig davon, ob die Außenwand gleichzeitig mit dem Dach oder erst später gedämmt wird. Denn durch die zusätzliche Dämmdicke auf der Außenwand verringert sich der vorhandene Dachüberstand um das entsprechende Maß. Der Dachüberstand sollte daher auf allen betroffenen Seiten um das entsprechende Maß verlängert werden. Gerade in den Fällen, in denen die Außenwand erst zu einem späteren Zeitpunkt gedämmt werden soll, wird die Verlängerung des Dachüberstandes häufig versäumt. Wenn es dann einige Jahre später zur Ausführung der Außenwanddämmung kommt, verursacht die nachträgliche Verlängerung des Dachüberstandes unerwünscht hohe und vor allem vermeidbare Mehrkosten.

Ich empfehle euch, den Dachüberstand möglichst groß zu wählen. Je größer, umso besser, aber zumindest so groß, wie es technisch möglich und optisch verträglich ist. Denn Dachüberstände erfüllen einen Zweck. Sie schützen die Fassade, insbesondere auf den Wetterseiten, vor Regenwasser und verlängern dadurch deren Lebensdauer. Hinzu kommt, dass Dachüberstände die direkte Sonneneinstrahlung auf die Fensterflächen reduzieren. Damit sind sie eine passive Sonnenschutzmaßnahme gegen Übertemperaturen und werden wegen der infolge der Klimaerwärmung heißeren Sommer immer wichtiger. (Mehr zum Thema sommerlicher Wärmeschutz gibt es noch im Unterkapitel „Fenstermodernisierung“.)

Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, bietet die Dachsanierung von außen wenig Möglichkeiten, euch selbst einzubringen. Für eine DIY-Aktion ist die kaltseitige Dachdämmung nicht wirklich geeignet und auch nicht ratsam. Anders sieht das bei der Dämmung der Dachschrägen von innen aus.

DACHSCHRÄGE ‒ DÄMMUNG VON INNEN

Wenn ein Dach nicht gerade zufällig neue Dachziegel braucht, ist es wenig sinnvoll von außen zu dämmen. Eine solche Dachdämmung wäre viel zu teuer, wenn man dafür die noch guten Dachziegel opfern müsste. Manchmal werde ich gefragt, ob es nicht sinnvoll sei, die Dachziegel einfach abzudecken und wiederzuverwenden. Klar kann man das machen. Wenn das aber von einem Handwerksbetrieb gemacht wird, ist es nicht günstiger, als wenn man einfach neue Dachziegel kauft und aufs Dach legen lässt. Das Abdecken und Zwischenlagern der Ziegel ist so arbeitsaufwändig, dass selbst eine Neueindeckung kaum teurer sein wird.

Daher bleibt in diesem Fall eigentlich nur die Möglichkeit, von innen zu dämmen. Am einfachsten ist das möglich, wenn das betroffene Dachgeschoss zum Zeitpunkt der Maßnahme unbewohnt ist. Aber auch im bewohnten Zustand ist die nachträgliche Dämmung mit gewissen räumlichen Einschränkungen machbar, wenn man dabei raumweise vorgeht. Und wie schon bei der Dämmung von außen gibt es auch bei der Dämmung von innen wieder zwei mögliche Varianten. Entweder man dämmt rein unterhalb der Sparren oder man öffnet die Innenverkleidung und dämmt zwischen und unter den Sparren.

Variante eins ist deutlich weniger aufwändig und käme immer dann ins Spiel, wenn zwischen den Sparren bereits eine Dämmschicht sowie eine Winddichtung – die sogenannte Unterdeckbahn – zwischen Sparren und Ziegeleindeckung vorhanden sind.

Allerdings birgt diese Variante eine Vielzahl an komplexen Unwägbarkeiten und Stolperfallen. Diese hier zu behandeln, würde den Rahmen des Buches sprengen. Ich beschränke mich im Folgenden auf die zweite, zwar aufwändigere, aber dafür deutlich weniger problematische Variante.

Unabhängig davon, ob man sich das komplette Dach auf einmal vornimmt oder raumweise vorgeht: Die erforderlichen Maßnahmen sind stets die gleichen und beginnen mit der Demontage der Innenverkleidung einschließlich der Unterkonstruktion. Nachdem der Blick auf die Sparren und den Sparrenzwischenraum freigelegt ist, sieht man entweder die Ziegel, eine Unterdeckbahn oder eine eventuell bereits vorhandene Dämmschicht. Ob man die vorhandene Dämmschicht weiterverwenden kann, hängt von zwei Dingen ab. Erstens sollte die Dämmschicht nicht offensichtlich beschädigt sein und den Sparrenzwischenraum lückenlos ausfüllen. Zweitens sollte hinter der Dämmung eine intakte Unterdeckbahn als Winddichtung existieren. Diese Winddichtung ist deshalb wichtig, da ohne sie der Zwischensparrenraum den Windbewegungen ausgesetzt wäre und der Dämmstoff stetig von kalter Luft ausgespült würde. Dadurch würde die Wirkung der Dämmung deutlich herabgesetzt werden. Fehlt die Unterdeckbahn oder ist sie stark beschädigt, bleibt uns nichts anderes übrig, als Dämmung und Winddichtung zu demontieren.

Dachziegel von innen – ohne Unterspannbahn1

Ist die Unterdeckbahn intakt und soll weiterverwendet werden, ist noch eine Prüfung erforderlich. Es muss eindeutig geklärt werden, um welche Art von Unterdeckbahn es sich handelt. Es gibt nämlich einen entscheidenden Unterschied zwischen den frühen Unterdeckbahnen und denen, die man heute verbaut. Bis in die 1990er Jahre wurden noch Gitternetzfolien aus Polyethylen (PE) verbaut.

Diese PE-Folien waren dampfsperrend. Wenn man unterhalb dieser Folien dämmen wollte, musste man zwischen Folie und Dämmung einen Luftspalt lassen, damit der anfallende Wasserdampf aus der Raumluft über den Luftspalt nach oben abgeführt werden konnte und das Bauteil nicht absäuft. Das ist natürlich ein Nachteil, da man dadurch nicht den vollständigen Sparrenzwischenraum dämmen kann. Ein weiterer Nachteil dieser PE-Folien ist, dass sie nicht UV-beständig sind. Sonnenlicht macht sie bereits nach wenigen Jahren brüchig und spröde. Wenn eine solche Folie schon 30 oder mehr Jahre alt ist, reichen selbst geringste Mengen an Sonnenlicht, das zwischen den Ziegeln auf die Folie scheint, um diese zu schädigen. Sollte in eurem Dach eine solche Gitterfolie als Unterdeckbahn eingebaut sein, empfehle ich euch daher, diese nicht weiter zu verwenden. Geht keine Risiken ein und entfernt sie, indem ihr sie im Abstand von zwei bis drei Zentimetern vom Sparren einfach abschneidet.

Unterspannbahn aus PE-Gitterfolie1

Beschädigte Gitterfolie1

Ist alles entfernt, erfolgt der Neuaufbau Schritt für Schritt von außen nach innen. Zunächst muss die Unterdeckbahn als Winddichtung eingebracht werden. Dafür eignen sich spezielle Unterdeckbahn-Folien, die von außen zwar wasserdicht, aber gleichzeitig dampfoffen sind. Wasserdicht müssen sie sein, damit bei starkem Wind eindringender Regen oder Schnee nicht bis in den Dämmstoff eindringen kann, sondern über die Folie in die Dachrinne geleitet werden kann. Daher ist es erforderlich, die Folie bis ganz nach unten möglichst in die Regenrinne zu verlegen. Dabei fängt man von oben an und arbeitet sich nach unten vor. Die Folie wird dabei seitlich am Sparren befestigt und mit einer Anpresslatte fixiert. Vor dem Einbau der Folie wird in der Mitte des Sparrenfeldes noch eine Dachlatte befestigt. Diese sorgt dafür, dass die Folie in der Mitte des Sparrenfeldes einen Knick nach unten macht. Dieser Knick soll das eindringende Regenwasser oder den Flugschnee vom Sparren weg in die Mitte der Folie leiten.

Zwischensparrendämmung von innen1

Zwischensparrendämmung mit eingebauter Luftdichtheitsschicht (Dampfbremse) und Kreuzlattung1

Ist die Winddichtfolie eingebaut, kann es mit der Dämmung des Zwischensparrenraums losgehen. Als Dämmstoffe kommen diverse Mattenwerkstoffe aus Mineral- und Steinwolle, aber auch Holz- und Hanffasern infrage. In Form von sogenannten Dämmkeilen lassen sich diese Matten bequem einbringen. Der Dämmstoff darf dabei direkt bis an die Unterdeckbahn grenzen und sie auch berühren. Eine Hinterlüftung in Form eines Luftspalts, wie bei der Gitterfolie, ist bei der Verwendung von dampfoffenen Unterdeckbahnen nicht erforderlich. Auch Ausblasdämmungen wie Zellulose können als Dämmmaterial problemlos eingesetzt werden. Dafür muss allerdings innen auf der Unterseite der Sparren bereits die Luftdichtheitsebene (Dampfbremse) eingebaut und mit einer Konterlattung auf dem Sparren oder als um 90° gedrehte Kreuzlattung gesichert sein.

Häufig werde ich in meinen Beratungen gefragt, ob anstatt einer Dampfbremse denn nicht eine Dampfsperre besser sei. Der Unterschied zwischen Bremse und Sperre ist grob der, dass die Bremse nur wenig Wasserdampf durchlässt, während die Sperre gar kein Wasser durchlässt. Die Annahme hinter der Frage ist, dass die Sperre kein Wasser durchlässt und deshalb das Wasser auch keinen Schaden anrichten kann. Allerdings lässt die Sperre in beide Richtungen kein Wasser durch, und das kann speziell in Holzkonstruktionen auch ein Nachteil sein. Sollte doch mal aus irgendwelchen Gründen etwas Feuchtigkeit in die Konstruktion kommen, hat dieses Wasser bei Verwendung einer Dampfsperre selbst im Sommer keine Chance, nach innen auszutrocknen. Bei der Dampfbremse hat das Wasser die Möglichkeit, nach allen Seiten hin auszutrocknen. Daher werden heute im Dachbereich fast ausschließlich Dampfbremsen verwendet.

Beim Einbau der Dampfbremse ist auf Lückenlosigkeit zu achten. Das gilt sowohl für Überlappungen der einzelnen Bahnen als auch für die Anschlüsse der Dampfbremse an benachbarte Bauteile. Benachbarte Bauteile sind Innen- und Außenwände, der Fußboden, Gebälk, Dachflächenfenster oder auch Dachbodentreppen. Aber auch Durchdringungen wie Kanal- oder Lüftungsrohre oder ein Schornstein müssen berücksichtigt werden. Kurzum alles, was an die Dachfläche angrenzt oder diese unterbricht, muss luftdicht angeschlossen werden. Je nach Material, an das man die Dampfbremse anschließt oder anklebt (Gipsputz, Holz, Kunststoff, Metall usw.), gibt es unterschiedliche Klebeverfahren und -materialien. Am besten bleibt man dabei im System der gewählten Dampfbremse. Jeder Hersteller von Dampfbremsen bietet für diese unterschiedlichen Anforderungen passende Klebesysteme an. Wer im System bleibt, kann am wenigsten falsch machen.

Im Gaubendreieck wurde ein Stück Dampfbremse vergessen1

Das Kanalrohr wurde bei der Durchdringung der Dampfbremse nicht luftdicht verklebt1

Geht die Dachschräge im oberen Bereich in die Decke, in die sogenannte Kehlbalkenlage über, kann es durchaus sinnvoll sein, die Dampfbremse auch von unten komplett über die Decke zu verlängern. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn die Kehlbalkenlage von unten noch nicht verputzt ist oder auch über keine sonstige luftdichte Schicht verfügt.

Ist der Zwischensparrenraum gedämmt und die luftdichte Ebene fertig eingebaut, geht es an den nächsten Arbeitsschritt, die Untersparrendämmung. Die ist deshalb sinnvoll bzw. erforderlich, damit auch die Sparren eine Dämmschicht bekommen. Ihr erinnert euch: Bekommen die Sparren keine Dämmschicht, bleiben zehn bis 15 Prozent des Daches einfach ungedämmt, und das soll natürlich nicht sein.

Um die Sparren zu überdämmen, gibt es wieder zwei Möglichkeiten. Entweder man nutzt den Hohlraum, der sich durch die Unterkonstruktion der Innenverkleidung ergibt, für den Einbau einer zusätzlichen Dämmschicht, oder man schraubt einfach eine Dämmplatte direkt unter die Sparren, die später noch verputzt oder verkleidet werden kann. Bei der zweiten Variante sind die Sparren automatisch überdämmt. Soll die Unterkonstruktion als zusätzliche Dämmebene genutzt werden, muss man darauf achten, dass die Konstruktionshölzer nicht direkt auf die Sparren, sondern im rechten Winkel zu ihnen geschraubt werden. Dadurch ergeben sich nur noch wenige Kreuzungspunkte, an denen die Lattung den Sparren berührt, wodurch der Wärmedurchgang deutlich reduziert wird. Diese Art von Unterkonstruktion nennt man auch Kreuzlattung.

Bevor die Innenverkleidung montiert wird, können nun die Zwischenräume der Kreuzlattung mit Dämmmatten ausgekleidet werden. Die Dämmdicke ergibt sich dabei aus der Dicke der gewählten Unterkonstruktion. Je dicker die Untersparrendämmung wird, desto besser ist der erzielte Wärmeschutz, aber desto mehr Raum geht auf der Innenseite auch verloren. Als gängige Aufbauhöhe empfehle ich hier mindestens fünf Zentimeter. Das ist ein guter Kompromiss zwischen erzielter Dämmwirkung und verlorenem Raum. Wer ausreichend Platz hat, kann selbstverständlich auch eine höhere Dämmdicke wählen.

In manchen Fällen ist es aber auch gar nicht erforderlich, das Zimmer zu verkleinern, um den Wärmeschutz der Dachschräge zu verbessern. Das ist immer dann der Fall, wenn man vom Spitzboden aus Zugang zu den ungedämmten Sparrenzwischenräumen hat.

DACHSCHRÄGE ‒ DÄMMUNG VON OBEN

Die wohl am wenigsten invasive Maßnahme zur Dämmung von Schrägdächern ist vermutlich das sogenannte Dämmsackverfahren. Dieses Verfahren kann immer dann angewendet werden, wenn man vom unbeheizten Dachraum (z. B. Spitzboden) in den Zwischensparrenraum sehen kann. Über diese sichtbare Öffnung wird der Dämmsack mittels Hilfslatten von oben nach unten in den Hohlraum hineingeschoben. Der Sack besteht dabei aus zwei unterschiedlichen Folien. Auf der Raumseite befindet sich eine Dampfbremse und auf der Außenseite eine diffusionsoffene Unterdeckbahn. So haben wir es schon aus den vorherigen Beschreibungen der Zwischensparrendämmung kennengelernt. Am unteren Ende ist der Dämmsack verschlossen. Zur Dachseite hin wird mittig im Sparrenfeld noch eine Dachlatte befestigt. Diese sorgt für die notwendige Hinterlüftung zwischen dem Sack und den Dachziegeln. Außerdem hilft die Latte, damit sich eindringendes Wasser durch Regen oder Flugschnee tendenziell weg vom Sparren, hin zur Mitte des Sparrenfeldes bewegt und dort abläuft. Damit der Sack beim Einbau nicht beschädigt wird, sind die beiden Folien aus reißfestem Material. Nach dem Einbringen in den Zwischensparrenraum wird der Dämmsack mit einem Faserdämmstoff (z. B. Zellulose) ausgeblasen. Durch das Ausblasen füllt der Dämmsack den Sparrenzwischenraum passgenau aus. Ist er voll, wird er am oberen Ende verschlossen.

Ein im Zwischensparrenraum eingebrachter Dämmsack wird ausgeblasen4

Mit Zellulose ausgeblasener und verschlossener Dämmsack4

Der Vorteil des Dämmsackverfahrens ist, dass es ohne Eingriff in die vorhandene Bausubstanz realisiert werden kann. Weder müssen Dachziegel abgedeckt noch eine Innenverkleidung demontiert werden. Aber dieses Verfahren bietet auch ein paar Nachteile. Denn durch die Begrenzung der Dämmung auf die reine Sparrenhöhe kann diese Maßnahme immer nur eine temporäre Behelfslösung sein, die man nutzt, wenn alle anderen Optionen nicht realisierbar sind. Außerdem gibt es zusätzlich Einschränkungen unterhalb von Dachflächenfenstern. Um diese zu dämmen, muss man die Innenverkleidung unter dem Fenster dann doch wieder öffnen.

Öffnung zur Abseite (Drempelraum)1

Blick in einen Drempelraum4

DREMPELDÄMMUNG

In vielen bewohnten Dachgeschossen gibt es seitlich kleine, ca. einen Meter hohe sogenannte Abseitenwände, hinter denen sich ein unbeheizter, im Schnitt dreieckiger Raum verbirgt. Die Abseitenwände bestehen meist nur aus einer dünnen gemauerten Wand oder einer verkleideten Holzkonstruktion. Manchmal gibt es über kleine Öffnungen oder Türen auch einen Zugang zu diesen Abseiten- oder Drempelräumen.

Wirft man mal einen Blick hinein, stellt man meist fest, dass das Dach darin weder konsequent gedämmt noch luftdicht abgeschlossen ist. Im Drempelraum herrscht dadurch praktisch Außenlufttemperatur. Im Winter gelangt die Kälte über die dünne Abseitenwand in den Dachraum und über die Decke in das darunterliegende Geschoss. Falls die Abseitenwand zusätzlich noch luftundicht ist, kommen immens hohe Lüftungswärmeverluste hinzu. Es ist daher höchst ratsam, sich um diese Drempel zu kümmern.

Hier wurde der Drempelraum komplett räume sind meist nur sehr mit Zellulose ausgeblasen4

Als mögliche Maßnahmen kommen die bereits oben besprochenen Verfahren in Betracht, indem man die Dachschräge von innen dämmt. Alternativ können auch die Abseitenwand und die Decke zum darunterliegenden Geschoss gedämmt werden. Beides ist theoretisch möglich. Nur an der Praxis hapert es oft. Denn Drempelklein, was das Arbeiten extrem erschwert.

Ich empfehle daher als Alternative die Abseitenräume einfach komplett mit Dämmstoff auszublasen. Dafür muss in der Dachschräge lediglich eine dampfoffene Unterspannbahn vorhanden sein. Ist das nicht der Fall, kann man eine entsprechende Folie einfach unter die Sparren tackern, um die erforderliche Hinterlüftung zwischen Dämmstoff und Ziegel sicherzustellen. Danach einfach ausblasen lassen und fertig. Einfacher und schneller kommt man nicht zu einer funktionierenden Lösung für die Drempeldämmung.

Belüfteter Kaltdachraum mit Glasfaserdämmmatten1

Durch eine Dämmschicht von oben wird jedes Flachdach zum Warmdach1

FLACHDACH

Bei Flachdächern gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Arten und Funktionsweisen. Man spricht von Warmdach und Kaltdach. Warm und kalt bezieht sich dabei jeweils auf die Lage der Tragkonstruktionen. Beim Warmdach befindet sich die Tragkonstruktion unterhalb der Dämmschicht und damit auf der warmen, trocknen Seite. Anders ist das beim Kaltdach. Hier befindet sich die Holztragkonstruktion oberhalb der Dämmebene und liegt somit auf der kalten Seite. Die Dachabdichtung von Flachdächern besteht aus dampfdichten Folien oder Bahnen. Kaltdächer brauchen daher unbedingt eine Hinterlüftung der Dachabdichtung, um die Holzkonstruktion vor Feuchte zu schützen, die durch die Dachabdichtung nicht nach draußen kann.

Um ein Warmdach zu dämmen, wird einfach eine Dämmung auf das Dach oder die bereits vorhandene Dämmlage gelegt und wieder abgedichtet. Da gibt es keine großen Spielräume. Alles, was man dazu wissen muss, wird von den Dachdeckerbetrieben beherrscht.

Beim Kaltdach sieht die Sache anders aus. Hier stehen uns mehrere Optionen zu Verfügung, um den Wärmeschutz zu verbessern. Eine der häufig empfohlenen Varianten ist die Dämmung und Neuabdichtung oberhalb der Dachkonstruktion. Dies führt automatisch dazu, dass unser Kaltdach zu einem Warmdach wird, was ja erst mal nicht so schlecht ist. Denn wir haben ja gelernt warme Konstruktion = trockne Konstruktion. Aber Achtung! Vergisst man bei dieser Variante die Abdichtung der Lüftungsöffnungen der Hinterlüftung des ehemaligen Kaltdaches, bleibt die neue Dämmung auf der Konstruktion praktisch wirkungslos, da sie ständig von kalter Luft unterspült wird. Damit die neue Dämmung ihre Wirkung entfalten kann, ist das Verschließen der Lüftungsöffnungen unbedingt erforderlich.

Als kostengünstige Alternative kommt bei Kaltdächern daher auch das Verfüllen der vorhandenen Luftschicht infrage. Mittels Ausblasdämmung lassen sich sehr gute Wärmeschutzstandards mit deutlich geringeren Kosten erreichen. Das ist insbesondere dann eine sinnvolle Alternative, wenn die Dachabdichtung noch intakt ist und nicht erneuert werden müsste. Das Verfüllen kann mittels Ausblasdämmung geschehen. Nach dem Ausblasen ist lediglich auf eine ausreichende Rest-Hinterlüftung zu achten. Gegebenenfalls müssen in Rücksprache mit den Fachbetrieben die Lüftungsöffnungen verlegt oder auch ergänzt werden.

Als Ziel-U-Wert empfehle ich wie schon bei der Obergeschossdecke einen Wert von ca. 0,15 W/(m2K) anzustreben. Das ist zwar etwas besser, als es das GEG verlangt, macht am Ende preislich aber keinen großen Unterschied und ist wirtschaftlich daher ratsam.

FENSTERMODERNISIERUNG

In meinen Energieberatungen spreche ich mit meinen Kundinnen und Kunden über alle denkbaren Themen der Gebäudehülle und Anlagentechnik. Aber bei kaum einem Thema gibt es so viel Missverständnisse und Aufklärungsbedarf wie bei den Fenstern. In meinen Gesprächen höre ich z. B. Sätze wie: „Unsere Fenster sind sehr gut. Wir haben schon die besseren zweifach verglasten.“ Wenn ich dann nochmal nachfrage, wann die Fenster eingebaut wurden, heißt es nicht selten, dass sie doch schon 30 oder 40 Jahre alt sind. Ich erkläre dann erst mal, dass diese Fenster einen dreimal höheren Wärmeverlust haben als heutige Standardfenster, und schaue oft in überraschte und nicht selten betretene Gesichter.

Nicht jedes zweifach verglaste Fenster hat einen guten Wärmeschutz1

Offensichtlich vermuten viele Menschen, dass man den Wärmeschutzstandard eines Fensters allein anhand der Anzahl der Scheiben festmachen kann. Darin liegt das erste, weit verbreitete Missverständnis zum Thema Fenster. Denn das stimmt so definitiv nicht. Für die Wärmeschutzqualität der Fenster ist eben nicht allein die Anzahl der Scheiben verantwortlich. Nimmt man es ganz genau, sind insgesamt drei Einzelkomponenten bestimmend. Neben der Fensterverglasung spielen auch der Fensterrahmen und der sogenannte Randverbund der Verglasung eine Rolle. Der Randverbund ist dabei der Abstandhalter, der die einzelnen Scheiben von Mehrfachverglasungen zusammenhält. Da sich dieser negativ auf den Wärmeschutz eines Fensters auswirkt, wird er bei der U-Wert-Berechnung eines Fensters ebenfalls berücksichtigt.

DER FENSTER-U-WERT

Ich möchte an dieser Stelle aber gar nicht so sehr in die Einzelheiten der Fenster-U-Wert-Berechnung eintauchen. Wichtig ist nur zu wissen, dass alle drei genannten Elemente (Glas, Rahmen, Randverbund) einen Einfluss auf die energetische Qualität des Fensters haben. Und wenn man alle drei berücksichtigt, drückt sich die wärmetechnische Gesamtqualität des Fensters im sogenannten UW-Wert aus. Das W steht dabei für Window, also für Fenster. Der UW-Wert ist zwar für uns der wichtigste Wert, aber er ist nicht allein, er hat noch zwei Kollegen.

Den UW-Wert sollte man z. B. nicht mit dem UG-Wert verwechseln. Das G steht für Glazing und meint die Verglasung. Der UG-Wert ist also der U-Wert der reinen Fensterverglasung. Und dann gibt es noch den UF-Wert, der den U-Wert des Fensterrahmens, des Frames beschreibt. Der UW-Wert beschreibt also nichts anderes als die flächengewichteten UG- und UF-Werte eines Fensters plus noch ein bisschen Wärmebrückenwirkung des Randverbundes und damit, wie schon erwähnt, die energetische Gesamtqualität des Fensters.

Dummerweise wird der UW-Wert in Fensterangeboten nicht standardmäßig ausgewiesen. Da steht meistens nur der UG-Wert für die Fensterverglasung drin. Den UF- und UW-Wert sucht man in Angeboten meist vergebens. Genau dieser Umstand führt häufig zu einem zweiten großen Missverständnis rund um das Thema Fenster. Viele Menschen glauben, dass der Wert, der in ihrem Angebot steht, der Fenster-U-Wert ist. Wie wir gerade gelernt haben, ist das aber meistens nur der Wert der Fensterverglasung. Wenn die Werte der Verglasung und des Gesamtfensters ungefähr gleich groß wären, wäre das auch nicht so schlimm. Üblicherweise sind aber die UG-Werte der Verglasung deutlich besser als die UF-Werte der Fensterrahmen. Wenn in einem Angebot ein UG-Wert von 0,6 W/(m2K) steht, kann der Rahmen durchaus einen UF-Wert von 1,2 W/(m2K) haben. Der sich dann ergebende UW-Wert für das Gesamtfenster liegt damit irgendwo zwischen 0,6 und 1,2. Klar, dass das zu Missverständnissen und Fehleinschätzungen führen muss.

Dass die UW-Werte für das Gesamtfenster dennoch nicht immer standardmäßig in den Angeboten stehen, hat einen ganz einfachen Grund. Während der UG-Wert der Verglasung vom Glashersteller mitgeliefert wird, muss der UW-Wert für jedes Fenster erst einzeln berechnet werden. Denn je nach Größe und Größenverhältnissen eines Fensters ergeben sich ganz unterschiedliche UW-Werte, auch wenn UF und UG immer gleich bleiben. Einige wenige Handwerksbetriebe haben bereits eine Angebotssoftware, in der die Berechnung des UW-Werts automatisch erfolgt und ausgegeben wird. Die meisten Handwerker müssten sich dafür aber hinsetzen und den UW-Wert zumindest für ein Beispielfenster extra ermitteln. Da das zusätzliche Arbeit macht, wird darauf gern mal verzichtet. Falls ihr ein Fensterangebot erhaltet, in dem der UW-Wert fehlt, wisst ihr nun Bescheid, und ihr solltet ihn unbedingt nachfordern. Denn nur über den UW-Wert lässt sich die Wärmeschutzqualität des Gesamtfensters bewerten. Fehlt diese Angabe, wäre das ungefähr so, als ob ihr Milch kauft, auf deren Packung nur der prozentuale Fettanteil angegeben ist. Wenn man Milch kauft, will man aber schon wissen, ob das ein oder fünf Liter sind, die man für sein Geld bekommt. Jetzt kann man das bei der Milch noch abschätzen. Bei einem Fenster nicht. Hier braucht es harte Fakten, und die müssen in Form des UW-Werts zwingend im Angebot berücksichtigt sein.

Da wir nun wissen, was der UW-Wert ist, können wir uns ja mal anschauen, wie sich dieser bei verschiedenen Typen und Baualtersklassen verhält. In der folgenden Grafik sind die UW-Werte von verschiedenen Fenstern auf eine Achse verteilt.

Wenn ihr gut aufgepasst habt, müsste euch sofort auffallen, dass die bis vor 30 Jahren üblichen zweifach verglasten Isolierglasfenster tatsächlich einen nur sehr moderaten Wärmeschutz hatten. Typische U-Werte in dieser Zeit lagen zwischen 2,5 und 3,5. Erst mit den Wärmeschutzverglasungen, die ab Mitte der 1990er Jahre zum Standard wurden, haben die zweifach verglasten Fenster beim Wärmeschutz nochmal einen deutlichen Sprung gemacht und lagen ab diesem Zeitraum unter 1,8.

Seitdem haben sich die Fenster nochmals verbessert. Die besten Zweifachfenster liegen mittlerweile bei einem U-Wert von 1,1 W/(m2K). Heute baut man in der Altbausanierung überwiegend Fenster mit UW-Werten unter 1,0 W/(m2K) ein! Die bekommt man allerdings nur mit dreifach-wärmeschutzverglasten Fenstern hin. Der Grund dafür liegt in der vorhandenen Förderung, die es für eine Fenstermodernisierung gibt. Das Förderprogramm fordert schon seit einigen Jahren einen maximalen UW-Wert von 0,95 W/(m2K). Die Fensterindustrie hat ihre Produktionskapazitäten entsprechend auf diese Fensterqualität ausgerichtet.

Aber egal, ob man sich ein Fenster anschafft, das gerade so den gesetzlichen Anforderungen von bis zu 1,30 W/(m2K) entspricht, oder ob es die geförderte Variante mit einem UW-Wert unter 0,95 W/(m2K) ist. Moderne Fenster sind heute so gut, dass sie in vielen Fällen einen besseren Wärmeschutz haben als die Wände, in die sie eingebaut werden. Damit gehen heute häufig bauphysikalische Probleme einher. Und um die zu erklären, muss ich ein klein wenig ausholen.

FENSTERMODERNISIERUNG IM ALTBAU

Fenster sind in Bezug auf den Wärmeschutz normalerweise die schlechtesten Bauteile. Im Winter, wenn es draußen kalt wird, führt das dazu, dass die Fenster auf der Innenseite die niedrigsten Oberflächentemperaturen im ganzen Haus aufweisen. Durch den schlechten Wärmeschutz der Fenster wird es nirgendwo in einem Haus oder einer Wohnung kälter als auf der Fensterinnenseite. In der Zwischenzeit ist der Wärmeschutz der Fenster zwar besser geworden, mit den Fenstern wurde aber auch der Wärmeschutz aller anderen Außenbauteile eines Hauses besser. Somit hat sich das Temperaturverhältnis zwischen Fenster und der Wand, in die es eingebaut wird, nicht verändert. In einem Neubau sind die Fenster heute zwar sehr viel wärmer, aber sie sind immer noch die kältesten Bauteile.

Dass die Fenster immer die kältesten Bauteile sind, ist auch gut so. Denn wenn sich die mit Wasserdampf gesättigte Raumluft an einem Fenster so stark abkühlt, dass die Raumluftfeuchte am Fenster kondensiert, können wir die Wassertropfen sehen und direkt reagieren. Wir können z. B. die Fenster öffnen, um die Raumluftfeuchte abzuführen. Wir können das Kondenswasser am Fenster entfernen, indem wir es einfach wegwischen. Die Wassertropfen am Fenster sind für uns wie ein automatisch eingebautes Feuchtemessgerät.

Fenstermodernisierungen in Altbauten bergen Risiken. Man sollte sie kennen und entsprechend vorbeugen.1

Was passiert aber, wenn wir in eine typische Altbauwand mit einem U-Wert von deutlich über 1,30 W/(m2K) eines dieser modernen Fenster mit UW-Werten von weniger als 1,30 W/(m2K) einbauen? Nun dreht sich dieses über Jahrzehnte existierende Temperaturverhältnis plötzlich um. Nun ist erstmals nicht mehr das Fenster das kälteste Bauteil, sondern die Wand daneben. Von nun an wird sich das Wasser aus der Raumluft nicht mehr am Fenster niederschlagen. Jetzt sucht es sich die kältesten Stellen im Raum aus, um sich niederzuschlagen. Diese Stellen, das sind meist besonders kalte Wandbereiche wie Fensterlaibungen, Raumecken, einbindende Betondecken. Nur gibt es jetzt einen entscheidenden Unterschied zur oben geschilderten Situation. Wir können das Wasser nicht sehen. Da sich das Wasser an der meist verputzten Wand niederschlägt, wird es von der Wand aufgesaugt. Es bilden sich daher erst mal keine Tropfen. So können wir nicht sofort erkennen, dass es möglicherweise längst Zeit für eine Stoßlüftung wäre. Wir nehmen diese feuchten Wandbereiche manchmal erst wahr, wenn es schon viel zu spät ist, da sich an den betroffenen Stellen bereits Schimmel gebildet hat.

Damit haben wir so ganz nebenbei ein drittes, weit verbreitetes Missverständnis zum Thema Fenstermodernisierung aufgedeckt. Wenn nach einer Fenstermodernisierung Schimmelprobleme auftreten, wird meist der verringerte Luftaustausch durch die nun dichteren Fenster als Ursache vermutet. Natürlich wird der etwas geringere Luftwechsel durch die neuen Fenster einen zusätzlichen, kleinen Einfluss haben. Die Hauptursache für etwaige Schimmelprobleme ist und bleibt aber die Tatsache, dass die Wand nun kälter ist als das Fenster. Die neuen dichteren Fenster verstärken den Tauwassereffekt lediglich, sind aber nicht ursächlich für das Schimmelproblem.

Häufig habe ich gehört, dass selbst Fensterbauer tendenziell lieber zweifach verglaste Fenster mit etwas geringerem Wärmeschutz anbieten, um genau dieses Problem zu vermeiden. Dahinter steckt die Vermutung, dass mit einem etwas schlechteren Fenster-U-Wert das Wasser auch weiterhin am Fenster kondensiert und nicht an der Wand. Wer aber genau aufgepasst hat, sollte gemerkt haben, dass der Einbau eines schlechteren Fensters nicht garantieren kann, dass es nicht zu Schimmelproblemen durch den Fensteraustausch kommt. Denn das nach GEG schlechteste Standardfenster, das wir einbauen dürfen, hat einen UW-Wert von höchstens 1,3 W/(m2K). Wie ich bereits oben geschrieben habe, liegt der U-Wert von Außenwänden vieler Altbauten aus den 1970er Jahren und davor nicht selten deutlich über diesen 1,3 W/(m2K). Wenn der U-Wert der Wand also über 1,3 liegt, ist es völlig unerheblich, ob ich ein eher schlechtes oder ein eher gutes neues Fenster einbaue. In beiden Fällen wird das neue Fenster einen besseren Wärmeschutz haben als die Wand, in die das Fenster eingebaut wird. Der pauschale Einbau eines schlechteren Fensters kann eine Schadenfreiheit daher nicht garantieren. Man muss die Verhältnisse vor Ort daher immer im Einzelfall prüfen und bewerten.

Da wir gerade so schön über Missverständnisse plaudern: Hier kommt noch eins. Ich höre in Verbindung mit Fenstermodernisierungen häufig von Empfehlungen sogenannter Fensterfalzlüfter oder Überströmelemente, die in den neuen Fenstern vorzusehen sind. Im Prinzip soll damit die höhere Dichtheit der Fenster durch geplante Undichtigkeiten kompensiert werden. Das Problem mit diesen Lüftungsöffnungen ist allerdings, dass die genau wie auch die ungewünschten Luftleckagen in der Gebäudehülle nicht in der Lage sind, einen gleichmäßigen und definierten Luftaustausch zu garantieren. Wie bereits in Kapitel 3 beschrieben, hängt der Luftaustausch von den jeweiligen klimatischen Bedingungen ab. So wird bei Windstille keine oder zumindest viel zu wenig Luft ausgetauscht. Ein wirksamer Schutz vor Feuchte und Schimmelproblemen ist durch den alleinigen Einbau von Fensterfalzlüftern nicht zu erreichen.

Dennoch können solche Überströmelemente eine sinnvolle Komponente sein, wenn man sie mit einem Abluftventilator im Bad kombiniert. Durch den Abluftventilator und seinen definierten Luftaustausch kann man die Luftfeuchte in einer Wohnung und insbesondere die Feuchtespitzen im Bad deutlich reduzieren. Die Bildung von Tauwasser auf den Wänden wird durch die verringerte Luftfeuchte deutlich reduziert und Schimmelbildung in der Regel verhindert. Der zum Feuchteschutz eingesetzte Abluftventilator wird in der Heizperiode dauerhaft (24/7) betrieben. Die dabei für den reinen Feuchteschutz erforderlichen Luftmengen sind nur sehr gering. Sie liegen deutlich unterhalb dessen, was für die Sicherung der Raumlufthygiene erforderlich ist. Sprich, wir müssen trotz des Lüfters die Fenster regelmäßig öffnen, nur etwas seltener.

Abluftventilator zum Feuchteschutz1

ESK-Folge:
Aufgepasst beim Fenstertausch im Altbau – Darauf ist zu achten!

Ich habe mit solchen Lüftungen zum Feuchteschutz sehr gute Erfahrungen gemacht. Bei Fenstermodernisierungen, die ich berate, empfehle ich diese Lösung daher standardmäßig. Auch in Fällen, bei denen ein Fensteraustausch in der Folge bereits zu einem Schimmelproblem geführt hat, habe ich den Abluftventilator schon mehrfach empfohlen. Die Rückmeldungen waren stets positiv. Die ursprünglichen Schimmelprobleme waren nach Einbau des Lüfters selbst ohne vorhandene Fensterfalzlüfter bald vergessen. Es klingt verrückt. Aber dieser kleine Abluftventilator im Bad ist in der Lage, verzweifelte Menschen glücklich zu machen. Wer mehr zu dem Thema wissen möchte, sollte sich auf jeden Fall auch die entsprechende YouTube-Folge anschauen.

So, jetzt haben wir viel über U-Werte und Temperaturen gesprochen. Jetzt möchte ich aber auch noch ein paar Dinge zum Thema Fenstereinbau loswerden. Zum Fenstereinbau gibt es zwar nur ein paar wenige Dinge zu sagen. Die allerdings sollte man wissen. Beginnen will ich mit der Einbausituation des Fensters.

EINBAUSITUATION FENSTER

In einer Hauswand ist das Fenster mit seinem Rahmen in der sogenannten Fensterlaibung montiert. Meist sitzt das Fenster nicht genau in der Mitte der Laibung sondern tendenziell etwas mehr in Richtung Außenseite gerückt. Häufig findet man im Altbau auch sogenannte Mauerwerksanschläge in der Laibung. Die Fensterrahmen wurden bei der Montage direkt an den Anschlag gerückt und festgeschraubt. Wie das im Schnitt aussieht, ist in der folgenden Grafik dargestellt.

Wenn man nun ein altes Fenster austauscht, muss man sich entscheiden, an welcher Stelle in der Laibung man es montiert. Wird nur das Fenster getauscht, ohne dass die Außenwand gedämmt wird, würde man das Fenster tendenziell wieder an der gleichen Position einbauen wie das alte. Erhält die Außenwand allerdings auch einen außenliegenden Wärmeschutz, ist die alte Position des Fensters nicht optimal. Denn das Fenster rückt durch die zusätzliche Dämmschicht nun in der Wandebene weit nach hinten. Es verschwindet so tief in der Laibung, dass die Optik einer solchen Fassade deutlich negativ beeinträchtigt wird. Wenn man sich solchen Fassaden von der Seite nähert, tauchen die Fenster oft erst im letzten Augenblick auf. Häuser, bei denen die Fenster entsprechend tief in der Laibung versinken, wirken auf viele Menschen daher oft hohl und charakterlos. Architektinnen und Architekten sprechen hier gerne auch vom Schießscharteneffekt.

Wer Schießscharten in seinem Haus vermeiden will, hat die Möglichkeit, die neuen Fenster in der Laibung einfach so weit nach vorn zu rücken, dass der Fensterrahmen bündig mit dem alten Außenputz abschließt. Zwar wird der Abstand zur Vorderkante der Fassade je nach Dicke der Außenwand dämmung auch dann noch größer sein, als er es vor der Modernisierung war. Der Schießscharteneffekt bleibt aber aus oder wird zumindest deutlich abgemindert.

Wem nicht allzu viel an der optischen Erscheinung seines Hauses liegt, der kann den vorherigen Absatz gern vernachlässigen. Es gibt jedoch noch einen zweiten, technischen Grund, den Fensterrahmen an den Außenputz zu rücken. Und zwar wird der Wärmeverlust (Wärmebrückeneffekt) in Verbindung mit der Außenwanddämmung deutlich kleiner, wenn die Wanddämmplatten direkt mit dem Fensterrahmen verbunden sind. Bleibt das Fenster an der alten Stelle, muss der Abstand zwischen Rahmen und Dämmung mit einer sogenannten Laibungsdämmung überbrückt werden. Die Laibungsdämmung bewirkt zwar, dass der Fensteranschluss schadensfrei (schimmelfrei) bleibt. Aber der Wärmeverlust ist gegenüber der Variante, bei der der Fensterrahmen nach vorn gerückt wird, spürbar größer. Wer also die optimale Lösung für sein neues Fenster sucht, sollte den Rahmen nach vorn rücken.

Neu eingebautes Fenster in einem Altbau1

Der Fensterrahmen ist bündig mit dem alten Außenputz1

Wer diese Lösung wählt, muss allerdings zwei Dinge beachten. Durch das Vorrücken des Fensters ist nun die Fensterbank auf der Innenseite zu kurz. Nun muss man entweder den Abstand zwischen Fensterrahmen und Fensterbank mit einer Blende überbrücken, oder die Fensterbank muss komplett erneuert werden. Außerdem verschiebt sich durch die neue Lage des Fensters auch die Lage der Rollladenschiene. Das bedeutet i. d. R., dass der alte Rollladenkasten nicht mehr verwendet werden kann. Das Vorrücken des Fensters bedingt damit auch die Verlegung des Rollladensystems nach außen. In Verbindung mit einer Außenwanddämmung bieten sich dabei komplett außenliegende Rollladenkästen an. Diese werden noch vor Aufbringung der Dämmplatten auf die alte Fassade geschraubt und verschwinden später in der Dämmebene. Der alte Rollladenkasten kann anschließend von innen gedämmt werden.

Wissen sollte man auch, dass durch die Überdämmung der nach vorn gerückten Fenster die lichte Breite der Fensteröffnung in der Fassade auf allen Seiten um etwa drei bis vier Zentimeter kleiner wird. Möchte man die ursprüngliche Größe der Fenster beibehalten, muss man auf den entsprechenden Seiten der Laibung den zusätzlichen Platz schaffen. Das geht, indem man vorher die Laibung im Bereich des Fensterrahmens etwas verbreitert und ein Stück der Laibung wegschneidet. Ist ein Mauerwerksanschlag vorhanden, dann reicht es diesen wegzuschneiden, um auch nach der Dämmung die alte Fensterbreite beizubehalten.

Kommt es beim Einbau eines neuen Fensters zu dem seltenen Fall, dass der alte Rollladenkasten erhalten bleibt, ist es sinnvoll, diesen zumindest nachträglich zu dämmen und zu dichten. Wie das geht, wird im Kapitel mit den Do-it-yourself-Maßnahmen erklärt.

Jetzt gibt es noch einen letzten Tipp zum Thema Fenstereinbau. Dieser betrifft den luftdichten Anschluss des Fensters an das Mauerwerk. Hier werden in der Praxis die mit Abstand meisten Fehler in Verbindung mit dem Fenstereinbau gemacht. Ich schätze das liegt daran, dass viele Fensterbaufirmen mittlerweile auf externe Montageteams zurückgreifen, die tendenziell schlecht ausgebildet sind und entsprechend wenig über die Fallstricke wissen, die so ein luftdichter Anschluss bietet. Ein weiterer Grund für die Fehlerhäufigkeit beim luftdichten Anschluss liegt darin, dass man eigentlich nicht nur einen Fenstermonteur, sondern gleichzeitig einen Verputzer bräuchte, um die Luftdichtheit sauber hinzubekommen. Da aber damit ein hoher Koordinationsaufwand verbunden ist, wird darüber lieber geschwiegen. Was ist da los?

Bei den Bauprodukten hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. So gibt es auch für den Fenstereinbau heute die Möglichkeit, den luftdichten Anschluss, die Winddichtheit und den wärmegedämmten Anschluss durch ein einziges Dichtband zwischen Fenster und Laibung herzustellen. Möglich ist das mit multifunktionalen Dichtbändern, die alle drei genannten Funktionen auf einmal erfüllen. Diese Dichtbänder wurden aber ursprünglich vorrangig für den Neubau entwickelt. Entsprechend brauchen diese Bänder gewisse bauliche Rahmenbedingungen, um einwandfrei zu funktionieren. Wichtigster Punkt ist dabei ein sauberer, möglichst ebener und vor allem luftdichter Untergrund in der Laibung. Dafür wird im Neubau vor dem Fenstereinbau die entsprechende Laibungsfläche vorgeputzt.

Werden in einem Bestandsgebäude Fenster ausgetauscht, haben wir eine völlig andere Situation. Die Fenstermonteure sind in einem Einfamilienhaus meist ein paar Tage beschäftigt. Damit das Haus nicht über Nacht ohne Fenster dasteht, werden an jedem Tag nur so viele Fenster ausgebaut, wie am selben Tag auch montiert werden können. Das bedeutet, zum Vorputzen bleibt meist nicht viel Zeit. Der Verputzer müsste praktisch bereits während der Demontage bereitstehen und sofort mit dem sogenannten Glattstrich der Laibungen beginnen, sobald das erste Fenster ausgebaut ist.

Wer einmal erlebt hat, wie chaotisch es auf einer Baustelle zugehen kann und wie schwer es ist, Handwerksbetriebe zu koordinieren bzw. überhaupt zu bekommen, dem ist klar, dass ein solches Szenario vollkommen unrealistisch ist. Ich kenne praktisch nur Einzelfälle, in denen das gelungen ist. Wenn es aber schiefgeht oder versäumt wurde, ist Ärger vorprogrammiert, bei dem die Bauherrschaft dann meistens doch den Kürzeren zieht.

Auftragen des Glattstrichs1

Fertiger Glattstrich1

Daher empfehle ich in meinen Beratungen, sich als Bauherrschaft um den Glattstrich selbst zu kümmern. Entweder der Bauherr oder die Bauherrin stellen sich selbst mit Putzkelle und -eimer an die Fensterlaibung, oder sie haben irgendjemand aus dem Verwandten- oder Freundeskreis, den oder die man damit betrauen kann. Alles, was man dazu braucht, ist eine Glättkelle und schnellabbindender Putz, den es schon fertig angerührt zu kaufen gibt. Wer es sich zutraut, kann das in der Billigvariante selbst anrühren. Dafür braucht es lediglich einen Gipsputz und einen Ansetzputz, die zu gleichen Teilen vermischt und mit Wasser angerührt werden. Durch den Ansetzputz bindet das Gemisch in rund einer Viertelstunde ab. Es kann also lange genug bearbeitet werden, um mit einer Mischung mindestens ein Fenster fertigzubekommen. Danach kann das neue Fenster sofort und luftdicht eingebaut werden. Ich garantiere euch, die Fenstermonteure werden noch Jahre von diesem besonderen Tag auf der Baustelle erzählen.

FENSTER UND BEHAGLICHKEIT

Gegen Ende unserer Fensterrunde will ich noch einmal auf das Thema Wärmeschutz zurückkommen. Denn was vielen Menschen gar nicht bewusst ist, ist der große Einfluss von Fensterflächen auf die Behaglichkeit in einem Raum oder einer Wohnung. Wir haben bereits gelernt, dass Fenster immer die kältesten Oberflächen in einem Haus sind. Damit fühlt sich der Aufenthalt zumindest im Einflussbereich von alten Fenstern sehr unangenehm an. Vereinfacht kann man sagen, die Fenster strahlen kalt, und diese Kälte können wir spüren. Bereits einen Temperaturunterschied zwischen der Raumluft und einer Wand- oder Fensteroberfläche von nur drei Grad können wir spüren. Je größer dieser Temperaturunterschied wird, desto unangenehmer fühlt sich der Aufenthalt im Einflussbereich einer kalten Oberfläche an.

Am gravierendsten ist dieser Effekt bei bodentiefen Fenstern zu spüren. Denn hier existiert nicht einmal ein Heizkörper, der gegen die strahlende und am Fenster abfallende Kälte ankämpft. Diese Kälte von bodentiefen Fenstern wirkt daher besonders weit in einen Raum hinein. Aber auch Brüstungsfenster können sich sehr unangenehm auf die Behaglichkeit auswirken, wenn z. B. ein Wohn- oder Esszimmer so eingerichtet ist, dass man direkt an einem Fenster sitzt oder liegt.

Die Tatsache, dass nur manche Fenster einen solchen direkten negativen Einfluss auf die Behaglichkeit unserer Aufenthaltsbereiche haben, kann man sich natürlich auch zunutze machen. Um die Wohnqualität eines Hauses oder einer Wohnung deutlich zu verbessern, ist es manchmal nicht erforderlich, sämtliche Fenster auszutauschen. Der gezielte Austausch der spürbar kritischen Fenster kann hier mitunter schon kleine Wunder bewirken, ohne dass man horrende Summen für eine umfassende energetische Modernisierung ausgeben muss. Das ist insbesondere dann eine gute Option, wenn man gerade nicht in der Lage ist, so ohne Weiteres eine sechsstellige Summe aus dem Ärmel zu schütteln.

SONNENSCHUTZ

Zum Abschluss will ich aber auch noch ein paar Worte zum sommerlichen Wärmeschutz loswerden. Denn für die sommerlichen Übertemperaturen oder wie man bei uns in Südhessen sagt, „die Hitz“ im Haus, sind in erster Linie die transparenten Flächen und damit die Fenster verantwortlich. Durch die opake Gebäudehülle (Wände, Dächer) kommt zwar auch ein Teil der sommerlichen Wärme ins Haus, der ist aber deutlich kleiner als der Fensteranteil. Außerdem ist die Wärmemenge, die am Tag von den opaken Bauteilen aufgenommen wird, ungefähr so groß wie die Wärmemenge, die von diesen Bauteilen in der Nacht wieder an die Umgebung abgegeben wird. Sprich: der Wärmehaushalt ist bei Dach und Wand über 24 Stunden gesehen relativ ausgeglichen. Quasi Nullsummenspiel.

Bei der Fensterverglasung ist das ganz anders. Durch die direkte Sonneneinstrahlung wird das Licht beim Durchgang durch das Fenster direkt in Wärme umgewandelt. Diese Wärme kann aber nicht mehr durch das Fenster nach draußen zurückgestrahlt werden und bleibt daher drinnen. Dafür verantwortlich ist der allseits bekannte Treibhauseffekt.

Anders, als man vielleicht vermuten würde, kommen die größten Wärmeeinträge nicht über die Südfenster ins Haus, sondern über die Fenster auf der West- und Ostseite. Über die west-/ostausgerichteten Fenster werden fast zwei Drittel der gesamten Wärmeeinträge der transparenten Flächen verursacht. Ursächlich dafür ist die tief stehende Morgen- und Abendsonne, deren Wirkung auf die Ost- und Westfenster deutlich stärker ist als die Wirkung der hochstehenden Mittagssonne auf die Südfenster. Die Südfenster werden durch die hochstehende Sonne schräg von oben angestrahlt, wodurch sich die wirksame Strahlungsfläche und damit auch die direkte Sonneneinstrahlung deutlich reduziert.

Bei den Dachflächenfenstern ist die Ausrichtung dagegen fast egal. Hier sind die Wärmeeinträge durch die hochstehende Mittagssonne unabhängig von der Himmelsrichtung immer sehr hoch. Damit ihr mal eine Vorstellung davon habt, wie viel Wärme das ist, die durch ein Fenster kommt, hier ein kleines Beispiel:

Knallt die Sonne auf eine etwa zwei Quadratmeter große Fensterfläche mit moderner Wärmeschutzverglasung, ist das genauso, wie wenn ihr einen 1000-Watt-Heizstrahler in die Wohnung stellt. Ist das Fenster schon 30 Jahre alt, kommt noch mehr Wärme rein, nochmal 500 Watt zusätzlich.

Wenn wir Überhitzungen in unseren Wohnungen verhindern oder verringern wollen, dann müssen wir uns vor allem um die Verschattung unserer Fensterflächen kümmern. Wenn das gelingt, dann haben wir den Großteil der Hitze ausgesperrt, und so kann in vielen Fällen die maximale Raumtemperatur in der Wohnung bereits um mehrere Grad reduziert werden.

Das Wichtigste bei der Verschattung von Fenstern ist, dass verhindert wird, dass Sonnenlicht durch die Verglasung hindurchgeht. Denn sobald die Sonnenstrahlen in der Wohnung sind, ist es schon zu spät. Wenn die Hitze draußen bleiben soll, geht das nur, wenn man konsequent von außen verschattet. Bereits die kleinsten unverschatteten Glasflächen führen zu ärgerlichen Temperaturanstiegen im Innern. Und wenn die Wärme erst mal im Raum ist, wird sie von allen Bauteilen und der Inneneinrichtung aufgenommen und gespeichert. Das heißt, wenn die Hitze erst mal drinnen ist, wird man sie nicht mehr so einfach los. Das geht nur noch mit Nachtlüftung. Aber um den Wärmeeintrag von einem verpatzten Tag wieder loszuwerden, dauert das manchmal eine ganz Woche. Wer also schon eine außenliegende Verschattung hat, sollte diese konsequent nutzen. Und das gilt vor allem auch für die West- und Ostseite eines Hauses, weil da die tief stehende Sonne am Morgen und Abend die größten Wärmeeinträge verursacht.

Jetzt aber zu dem eigentlichen Punkt, den ich ansprechen wollte. Der sommerliche Wärmeschutz wird in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielen, da unsere Sommer durch den Klimawandel immer heißer werden. Das bedeutet, wir müssen uns darauf einstellen, dass wir sämtliche Möglichkeiten nutzen sollten, die uns ein möglichst angenehmes Raumklima mit vertretbaren Innentemperaturen gewährleisten. Dazu gehört heute etwas, was in den südlichen Ländern Europas bereits seit Jahrzehnten Standard ist: die Sonnenschutzverglasung.

ESK-Folge:
Sommerhitze in der Wohnung – Was sind die wirklichen Ursachen?

Der Wärmeeintrag bei einer modernen Standardverglasung beträgt ca. 50 Prozent. Sonnenschutzglas reduziert diesen Anteil auf nur noch 30 oder sogar 20 Prozent. Gleichzeitig lässt eine Sonnenschutzverglasung kaum weniger Tageslicht durch. Solche Verglasungen sind daher auch zusätzlich zu den außenliegenden Verschattungssystemen eine sehr gute Ergänzung. Denn wenn man mal vergessen sollte den Rollladen oder die Jalousie runterzulassen oder die Sonne rauskommt, wenn man gerade nicht zu Hause ist, dann kann eine Sonnenschutzverglasung das Allerschlimmste verhindern. Daher rate ich euch bei der nächsten Fenstermodernisierung zumindest über eine Sonnenschutzverglasung nachzudenken. Von meiner Seite gibt es dazu jedenfalls eine eindeutige Empfehlung, es sei denn, ihr wohnt in einer Kellerwohnung oder in einem Erdloch.

DÄMMUNG VON AUSSENWÄNDEN

Neben dem oberen Gebäudeabschluss, dem Dach, gehört die Außenwand zu den Bauteilen der Gebäudehülle, über die am meisten Wärme verloren geht. Gegenüber dem Dach gibt es nur zwei wichtige Unterschiede. Erster Unterschied: Die Luftdichtheit in der Außenwand spielt zwar auch eine Rolle, diese ist aber bei weitem nicht so kritisch, wie sie es im Dach sein kann. Das liegt daran, dass bei Wänden der Innenputz eine sehr gute Luftdichtheit bietet. Überall da, wo der Innenputz vorhanden ist, ist daher auch die Luftdichtheit ok. Wenn der Innenputz fehlt, gibt es auch keine Luftdichtheit, denn die meisten Mauersteine sind porös und somit nicht luftdicht.

Viele der vorhandenen Luftundichtigkeiten, an denen der Putz fehlt, lassen sich nachträglich aber gar nicht mehr so einfach ausbessern. Zu diesen Luftundichtigkeiten gehören z. B. auch die Stellen der Außenwand, die sich hinter dem Estrich befinden. Hier wurde der Innenputz häufig aus Kostengründen nicht bis auf den Rohfußboden aufgebracht. Das klingt erst mal nach nicht viel, halt ein kleiner Streifen am Boden. Doch so sind in vielen Altbauten mehrere Quadratmeter Außenwand hinter dem Estrich unverputzt und entsprechend undicht. Gleiches gilt z. B. für sogenannte Vorwandinstallationen an Außenwänden von Bädern und Küchen. Werden die Vorwand-Montageelemente montiert, bevor der Putz aufgetragen wird, bleiben die Wandflächen dahinter unverputzt. Ein nachträgliches Abdichten durch Verputzen ist kaum möglich. Dafür müsste das komplette Bad oder die komplette Küche auseinandergenommen werden.

Kurz zusammengefasst ist jede Stelle der Außenwand ohne Innenputz eine Luftundichtigkeit. Das gilt auch für Steckdosen, für die der Innenputz unterbrochen wurde. In der Summe sind diese Luftundichtigkeiten nennenswert. Aber im Vergleich zu den möglichen Luftundichtigkeiten im Dach sind sie meist deutlich weniger kritisch. Überall da, wo man nicht mehr rankommt (Estrich, Vorwandinstallation), erübrigt sich ein nachträgliches Abdichten ohnehin. Man kann sich daher auf die Reparatur von kaputten Putzstellen, das Abdichten der Steckdosen und das bereits erwähnte Abdichten oder den Austausch der Rollladenkästen konzentrieren. Mit den restlichen Undichtigkeiten muss man sich abfinden.

Es gibt aber noch einen zweiten großen Unterschied zum Dach, der mich seit Jahren immer wieder aufs Neue beschäftigt. Während im Dach die Verwendung und der Einbau von Dämmstoffen ganz selbstverständlich zu sein scheinen, sind in Verbindung mit Außenwänden immer wieder Vorbehalte gegenüber einer Wärmedämmung zu vernehmen. Im Dach wird der Einsatz einer Dampfbremse, die gleichzeitig auch die Luftdichtheit gewährleistet, nicht hinterfragt. Ganz anders bei der Wand, die angeblich unbedingt atmen können muss.

Das älteste WDVS in Deutschland wurde 1963 an einem Haus in Hauenstein (Rheinland-Pfalz) angebracht. Das WDVS blieb bis heute frei von Schäden und das Mauerwerk frei von Erstickungsanfällen.7

Über diese Ungleichbehandlung von Dach und Wand bezüglich ihrer „Atmungsfähigkeit“ lässt sich nur spekulieren. Worüber sich aber nicht spekulieren lässt ist die sogenannte atmende Wand.

Muss eine Wand wirklich atmen? Viele Bewohnerinnen und Bewohner von Häusern sind sich darüber einig: Ja klar müsse sie das! Selbst in gewissen Kreisen von Expertinnen und Experten wird die atmende Wand nicht hinterfragt. Ganz im Gegenteil, sie entspricht dort nicht selten sogar der Lehrmeinung. Erstaunlich ist allerdings, dass man von denselben Expertinnen und Experten noch nie etwas über ein atmendes Dach oder eine atmende Kellerdecke gelesen hat. Das alles ist verwirrend und folgt keiner erkennbaren Logik. Grund genug, sich mit dem Thema der atmenden Wand etwas ausführlicher zu beschäftigen. Im Kapitel „Energiesparmythen“ wird die atmende Wand daher auf Herz und Nieren – oder soll ich sagen auf Lungen und Bronchien? – geprüft.

Hier und jetzt geht es nun erst mal mythenfrei weiter mit den möglichen Maßnahmen, die den Wärmeschutz einer Außenwand verbessern. Die Wärmedämmung von Außenwänden gehört wie die Dachdämmung zu den hochinvestiven Maßnahmen. Wie wir ja schon gelernt haben, werden hochinvestive Maßnahmen eigentlich immer nur in Verbindung mit Instandsetzungsbedarf oder mit ohnehin anstehenden oder geplanten Modernisierungen durchgeführt. Eine Außenwand ohne weiteren Grund zu dämmen, wäre viel zu teuer und ist außer in Ausnahmefällen wirtschaftlich nicht ratsam. Ein Ausnahmefall könnte z. B. sein, dass ich nicht weiß, was ich sonst mit meinem Geld machen soll. Da ein solcher Fall aber nur sehr selten vorkommt, bleibt es erst mal bei der Empfehlung, hochinvestive Maßnahmen dann umzusetzen, wenn ohnehin etwas repariert werden muss oder ein sonstiger ähnlich günstiger Anlass existiert.

Wie schon beim Dach gibt es auch bei der Außenwand gleich mehrere Möglichkeiten, eine Wärmedämmung anzubringen. Bei zweischaligem Mauerwerk mit innenliegender Luftschicht bietet es sich an, die vorhandene Luftschicht zwischen den beiden Mauerwerksscheiben für eine Dämmschicht zu nutzen. Diese Variante nennt man auch Kerndämmung. Bei einschaligem Mauerwerk kann man entweder von außen oder von innen dämmen. Das sind also drei sehr unterschiedliche Dämmvarianten mit sehr unterschiedlichen Anforderungen, die wir uns nun nacheinander einzeln genauer anschauen.

INNENDÄMMUNG

Für Innendämmung gilt eine einfache Regel. Eine Innendämmung ist immer nur dann empfehlenswert, wenn eine Wärmedämmung von außen nicht möglich ist. Das ist z. B. häufig dann der Fall, wenn das betroffene Gebäude unter Denkmalschutz steht und das historische Erscheinungsbild nicht verändert werden darf. Manchmal ist es aber auch unabhängig vom Denkmalschutz unerwünscht, von außen zu dämmen, weil die außenliegende Dämmschicht die Architektur oder den Charakter des Gebäudes nachteilig verändern würde.

In den vergangenen Jahren hat sich ein weiterer Grund bei der Entscheidung für eine Innendämmung etabliert: Die Möglichkeit, die Wärmedämmung selbst einzubauen, spielt für viele bei der Entscheidung eine Rolle. Denn Innendämmung gilt, im Gegensatz zur Dämmung von außen, auch als Do-it-yourself-Maßnahme. Man kann raumweise arbeiten, und man braucht kein teures Gerüst. Wer etwas handwerkliches Geschick mitbringt und mehr als nur einen Hammer und Schraubenzieher in seiner Werkzeugkiste hat, sollte beim Bau der einen oder anderen Innendämmvariante keine großen Probleme bekommen.

Innendämmung aus Mineralschaumplatten mit Schleppstreifen zur Wärmebrückenminderung im Deckenbereich1

Auftragen des Klebemörtels1

Dadurch lässt sich gegenüber der kaltseitigen Dämmung, die zwingend durch einen Fachbetrieb gemacht werden sollte, kräftig Geld sparen.

Allerdings gibt es bei der Innendämmung gegenüber der Außendämmung auch ein paar handfeste Nachteile. So verbleibt die Außenwand bei der Innendämmung auf der kalten Seite und wird durch die Dämmschicht erstens kälter und zweitens feuchter. Das muss nicht unbedingt problematisch sein, kann es aber, wenn die entsprechende Fassade von außen durch Schlagregen belastet ist und Regenwasser in die Wandkonstruktion eindringt. Dringt zu viel Wasser ein und verbleibt zu lange in der Konstruktion, kann das über kurz oder lang zu Schäden an der Fassade führen. Bei verputzten Fassaden mit intakten und nicht saugfähigen Putzen sollte das kein Problem sein. Bei Sichtfachwerk ist es das allerdings schon. Da Ritzen und Fugen bei Fachwerkwänden nicht dauerhaft vermieden werden können, müssen die Wetterseiten von innen gedämmten Fachwerkhäusern vor Schlagregen geschützt werden. Und wenn sie ohnehin von außen verkleidet oder verputzt werden, dämmt man sie am besten auch gleich von außen. Dann gibt es keine Probleme.

Ein weiterer Nachteil von Innendämmung ist der Umstand, dass man i. d. R. nur die freien und zugänglichen Wandflächen dämmen kann. Überall da, wo eine Innenwand oder eine Decke im Weg ist, wird die Dämmschicht unterbrochen. Ein Teil der Außenwand bleibt bei Innendämmung daher unberührt, was die Wirkung von Innendämmung gegenüber einer Außendämmung reduziert. Diese ungedämmten Restflächen bergen einen weiteren Nachteil. Da die Decken und Innenwände in direkter Verbindung mit der kalten Außenwand stehen, werden sie auf der Innenseite sehr kalt und bieten der Raumluft eine wunderbare Gelegenheit, Wasserdampf kondensieren zu lassen. Um diese sogenannten Wärmebrücken muss man sich daher kümmern, um Tauwasser zu verhindern. Tut man das nicht, sind Feuchte- und Schimmelprobleme möglich und wahrscheinlich.

Hinzu kommt, dass die Innendämmung meist in der möglichen Dicke begrenzt ist. Nur selten werden bei Innendämmung Dämmschichten von mehr als zehn Zentimetern realisiert. Nicht zuletzt auch um nicht allzu viel Wohnraum zu verlieren, liegen übliche Dämmdicken eher zwischen vier und acht Zentimetern. Durch diese begrenzte Dicke ist auch die mögliche Dämmwirkung begrenzt. Während man bei der Außenwanddämmung mit heute üblichen Dämmdicken von 14 bis 18 Zentimetern auf U-Werte um die 0,20 W/(m2K) und besser kommt, liegen die U-Werte bei innen gedämmten Konstruktionen eher im Bereich 0,40 bis 0,60 W/(m2K), sind also deutlich schlechter. Und in diesen Werten sind die Wärmebrückenwirkungen der Innenwände und Decken noch nicht berücksichtigt. Ihr seht, die Innendämmung ist aus verschiedensten Gründen keine optimale Lösung. Wenn man die Möglichkeit hat, von außen zu dämmen, sollte man das der Innendämmung auf jeden Fall vorziehen.

Die Innendämmung ist aber deutlich besser als ihr Ruf. So geistern z. B. diverse Geschichten durch die Medien, in denen von gefährlichen Taupunktverschiebungen durch die innere Dämmschicht die Rede ist. Jahrzehntelang wurde die Innendämmung daher sogar kaum angewendet, war vom Markt fast verschwunden. Woher diese Ängste kamen und was an den Befürchtungen dran ist, wird im Kapitel „Energiesparmythen“ noch einmal ausführlich behandelt. Hier und jetzt wollen wir uns eher mit der Frage beschäftigen, was eine gute und funktionierende Innendämmung ausmacht.

ESK-Folge:
Innendämmung I. – Geht das? (Taupunkt, Dampfdiffusion, Feuchteschäden)

Die Tatsache, dass eine Innendämmung etwas komplizierter ist als eine Außendämmung, heißt nämlich ganz und gar nicht, dass man sie nicht machen sollte. Sie ist und bleibt eine gute Wahl, wenn von außen nichts geht. Ich selbst lebe in einem denkmalgeschützten Fachwerkhaus, das von innen gedämmt wurde. Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht. Von irgendwelchen Schäden keine Spur. Diese gute Erfahrung teile ich mit vielen Menschen, die mir in ihren Kommentaren ihre eigenen positiven Erfahrungen mit Innendämmung geschildert haben. Fakt ist, Innendämmung funktioniert! Damit sie funktioniert, gibt es lediglich ein paar wenige Regeln zu beachten.

Die erste Regel haben wir bereits angesprochen. Wir müssen verhindern, dass Regenwasser in großen Mengen von außen in die Konstruktion eindringt. Ist eine funktionierende äußere Putzschicht oder Verkleidung vorhanden, ist diese Anforderung bereits erfüllt.

Auch die zweite Regel haben wir bereits angeschnitten. Sie lautet: Wärmebrücken vermeiden. Für die, die es nicht wissen: Wärmebrücken sind Bereiche der Gebäudehülle, die gegenüber der normalen – der sogenannten ungestörten Wand – veränderte, meist niedrigere Oberflächentemperaturen aufweisen. Die kalten Wärmebrücken sind damit besonders anfällig für Tauwasserausfall, Überfeuchtungen und schlimmstenfalls auch Schimmel.

Im Prinzip gibt es zwei Arten von Wärmebrücken. Materialbedingte Wärmebrücken entstehen, wenn zum Beispiel ein Betonbauteil in eine Wand eingebaut wird. Beton leitet die Wärme sehr viel besser als das Mauerwerk und wird auf der Innenseite daher deutlich kälter.

Die sogenannten konstruktionsbedingten Wärmebrücken ergeben sich durch die Bauform. Prominentestes Beispiel ist die Ecke eines Zimmers. In den Raumecken ist es konstruktionsbedingt immer besonders kalt, weil die kalte Seite eine viel größere Fläche hat als die warme Innenseite. Dadurch hat die kalte Außenlauft eine viel größere Angriffsfläche, und es wird in der Ecke deutlich kälter.

Bei Innendämmung gibt es zwei Wärmebrücken, die im Prinzip immer vorkommen. Beide sind eine Mischform aus materialbedingten und konstruktiven Wärmebrücken: die sogenannten einbindenden Innenwände und Geschossdecken. Die Wärmebrückenwirkung kommt hier zustande, da im Bereich der Decken und Innenwände die Dämmschicht i. d. R. unterbrochen ist. Einzige Ausnahme: Man entfernt im Bereich der Innendämmung ein Stück Wand und baut die Dämmung hinter der Innenwand unterbrechungsfrei ein. Das geht auch bei Holzbalkendecken, zumindest im Bereich zwischen den Balken. Beides ist allerdings extrem aufwändig und wird daher eher selten realisiert. Einfacher ist es, die Innendämmung im Bereich der Innenwände oder Decken einfach zu unterbrechen.

Wenn man nun wissen will, ob die niedrigeren Oberflächentemperaturen im Bereich der Innenwände Probleme bereiten könnten, kann man sie im Vorfeld mittels Wärmebrückenberechnung untersuchen lassen. Stellt sich dabei heraus, dass die niedrigeren Oberflächentemperaturen kritisch sind, muss man zwingend Gegenmaßnahmen treffen. Das kann zum Beispiel der Einbau eines sogenannten Schleppstreifens oder Dämmkeils im Bereich von Innenwand oder Decke sein. Damit wird der Weg für die Wärme verlängert und die Temperatur erhöht.

In manchen Fällen reicht aber auch schon die Reduktion von sogenannten Feuchtespitzen. Das erreicht man z. B. durch den Einsatz einer Lüftung zum Feuchteschutz. Das habe ich in der Folge „Kann man überhaupt ‚richtig lüften‘?“ ausführlich erklärt.

Damit hätten wir die wichtigsten Punkte geklärt. Bleibt nur noch eine letzte Sache, die ich loswerden möchte. Die betrifft alle Häuser mit Holzbalkendecke. Hier gibt es die Besonderheit, dass die Balkenköpfe, die in der Wand aufliegen, auf der kalten Seite sind und daher die Holzfeuchte durch die Innendämmung etwas ansteigt.

ESK-Folge:
Kann man überhaupt „richtig Lüften“?

Dieser Feuchteanstieg bleibt unkritisch, solange der Schlagregenschutz der entsprechenden Fassade gewährleistet ist und solange es zusätzlich keine größeren Luftundichtigkeiten im Bereich der Balkenköpfe gibt, die zu erhöhter Luftbewegung von innen nach außen führen. Denn die Kombination aus Kälte und Luftbewegung kann zu einer Überfeuchtung der Balkenköpfe führen, wenn sich die warme Luft auf dem Weg von innen nach außen abkühlt und dabei Tauwasser hinterlässt.

Wenn wir aber den für die Innendämmung ohnehin erforderlichen Schlagregenschutz im Griff haben und zusätzlich die Balkenköpfe gegen erhöhte Konvektion, also Luftbewegung schützen, dann ist die Konstruktion schadensfrei und wir brauchen uns absolut keine Sorgen zu machen.

Wem das noch nicht reicht, der kann noch einen Schritt weiter gehen und eine Abluftanlage einbauen. Die Lüftungsanlage dient nicht in erster Linie der Trocknung der Balkenköpfe. Eine solche Anlage sorgt in einem Haus zunächst mal für eine dauerhaft gleichbleibende Qualität der Raumlufthygiene, indem sie Luft in den Räumen absaugt, in denen Feuchte und Gerüche entstehen, also in Küche, Bad und WC. Durch den so vorhandenen Unterdruck strömt die frische Außenluft über in den restlichen Zimmern speziell dafür eingebaute Außenluftdurchlässe wieder ins Haus. Die Luft strömt aber nicht nur über diese Außenluftdurchlässe. Nein, Luft kommt über alle erdenklichen Wege ins Haus, die sie findet. Dazu gehören auch sämtliche Luftleckagen in der Gebäudehülle. Durch den Unterdruck der Lüftung ist der vorherrschende Luftstrom im Bereich von Luftleckagen im Jahresmittel immer von außen nach innen gerichtet. Sollte an einem Balkenkopf nun versehentlich doch noch eine Luftundichtigkeit vorhanden sein, wird dieser nun durch den Luftstrom von außen nach innen nicht aufgefeuchtet, sondern tendenziell ausgetrocknet. So kann auch das allerletzte Restrisiko einer Überfeuchtung der Balkenköpfe beseitigt werden.

ESK-Folge:
Nützliches Wissen zu Tauwasser – Ursache für Schimmel und feuchte Keller

Zu dieser Methode mit der Abluftanlage werdet ihr allerdings keinerlei Studien oder sonstige Quellen finden. Das wurde bisher scheinbar noch nicht systematisch untersucht und aufgeschrieben. Meine Empfehlung basiert rein auf simplen physikalischen Grundprinzipien, wie sie in der Energiesparkommissar-Folge „Tauwasser“ beschrieben sind.

Werden die oben beschriebenen Hinweise und Regeln bezüglich der Innendämmung befolgt, wird sie funktionieren und dauerhaft schadensfrei sein. Bleibt noch die Frage nach der Wahl des Innendämmsystems. Denn auch hier gibt es zwei ganz grundsätzlich unterschiedliche Varianten. Variante 1 verhindert, dass zu viel Wasserdampf in eine Konstruktion eindringen kann. Variante 2 lässt Wasserdampf zwar eindringen, kann entstehendes Tauwasser in der Konstruktion aber aufnehmen, abtransportieren und wieder an die Raumluft abgeben.

Das sind zwei Varianten, die zwar sehr unterschiedlich funktionieren, aber beide ihren Zweck erst mal erfüllen: Wärmeschutz von innen, und zwar schadensfrei. Wie das jeweils erreicht werden kann, das schauen wir uns nun genauer an. Beginnen wir mit Variante 1.

Wie bereits gesagt, verhindert diese Variante, dass zu viel Wasserdampf in die Konstruktion eindringen kann. Das macht dieses System genauso, wie wir das auch im Dach kennengelernt haben. Man verwendet einfach dampfbremsende Materialien. Dabei gibt es wieder zwei Wege, das zu tun.

Entweder man sieht auf der Innenseite, also vor der Dämmung, eine dampfbremsende Schicht vor. Diese Schicht kann eine Dampfbremsfolie, Dampfbremspappe oder auch eine Schicht aus dampfbremsenden Plattenmaterialien sein, wie z. B. OSB-Platten, die man aus dem Holzbau kennt. Der Dämmstoff liegt dabei zwischen der Dampfbremse und der Außenwand. An die Dämmstoffe gibt es dabei keine besonderen Anforderungen. Häufig werden bei dieser Variante herkömmliche Mineralfaser oder manchmal auch Zellulosefasern verwendet.

Obwohl diese Variante mit Dampfbremse auf der Innenseite in der Praxis am meisten vorkommt, ist sie dennoch nicht die beste Wahl. Das System funktioniert nämlich nur so lange, wie die Dampfbremse auf der Innenseite auch intakt ist. Das setzt aber voraus, dass heute und in Zukunft alle Bewohnerinnen und Bewohner wissen müssen, dass die Dampfbremse nicht beschädigt werden darf. Denn mit jedem Umbau, mit jedem Durchbruch, mit jeder Bohrung läuft man Gefahr, dass die Dampfbremse unbemerkt beschädigt wird und sich dadurch verstärkt Tauwasser innerhalb der Konstruktion ansammelt. Da man so was über mehrere Jahre und Jahrzehnte kaum garantieren kann, rate ich von dieser Ausführung eher ab. Entscheidet euch lieber für eine der nachfolgenden Ausführungen.

Zum Beispiel die, bei der man anstatt einer innenliegenden Dampfbremse gleich einen dampfbremsenden oder sogar dampfsperrenden Dämmstoff verwendet. Als dampfbremsende Dämmstoffe wurden und werden häufig Verbundplatten aus Polystyrol (PS) und Gipskarton verwendet. Worauf man bei dampfbremsenden Materialien jedoch achten muss: Die Montage der Dämmplatten sollte auf gar keinen Fall mit der häufig anzutreffenden Methode mittels Ansetzgips und Batzentechnik erfolgen. Anstatt Gips sollte man einen zementhaltigen Kleber – z. B. Fliesenkleber – verwenden. Der Kleber wird auf der Plattenrückseite wie bei einem Wärmedämmverbundsystem mit umlaufendem Mörtelwulst aufgebracht, bevor die Platte an die Wand gedrückt wird. Dieses Vorgehen verhindert, dass die Dämmplatte von warmer Raumluft hinterströmt wird und sich so Konvektionsfeuchte zwischen Dämmung und Wand bilden kann. Wenn man diese flächige Verklebung berücksichtigt, kann aber nix passieren.

Aber auch diese Version der Variante 1 ist nur die zweitbeste Möglichkeit. Ich empfehle die folgende Variante 2, die vollständig auf irgendwelche dampfbremsenden oder -sperrenden Schichten verzichtet. Hier werden dampfoffene Dämmstoffe verwendet, die erst mal alles an Wasserdampf durchlassen. Dieses Wasser darf am Taupunkt innerhalb der Konstruktion durchaus kondensieren. Das macht in dem Fall gar nichts aus. Denn bei dieser Variante werden nicht nur dampfoffene Dämmstoffe ohne zusätzliche Dampfbremsen verwendet, sondern die verwendeten Dämmstoffe sind auch in der Lage, das anfallende Kondensat in sich aufzunehmen, zu verteilen und wieder nach innen zu transportieren. Man spricht dabei auch von kapillar aktiven oder kapillar wirksamen Dämmstoffen. Dämmstoffe, die imstande sind, das Tauwasser wie ein Schwamm aufzusaugen und zu transportieren.

Damit das auch wirklich funktioniert, werden dampfoffene Dämmmaterialien vollflächig mit dem Untergrund verklebt, sodass die Kontaktfläche zwischen Dämmplatte und Wandoberfläche an jedem Punkt unterbrechungsfrei ist und Tauwasser über die ganze Fläche leicht aufgenommen werden kann.

Dafür geeignete Dämmstoffe sind zum Beispiel Holzweichfaser, Kalziumsilikat, Korkdämmstoffe, Mineralschaum, Polyurethan und Porenbeton. Damit steht für die dampfoffenen Systeme eine große Vielfalt an Dämmstoffmaterialien zur Verfügung. Die für Innendämmung so gern genommene Mineralfaser ist dafür nicht brauchbar. Die ist für außen super geeignet, für innen aber nur mit Dampfbremse und dann nur mit den bereits erwähnten Nachteilen.

Die Gründe, warum ich diese Variante 2 bevorzuge, liegen vor allem im Bereich der Schadensanfälligkeit. Hier kann keine Dampfbremse kaputtgehen, weil es keine gibt. Und Wasser kann in dampfdiffusionsoffenen Systemen in alle Richtungen – also nach innen und nach außen – austrocknen. Im Normalfall ist das nicht unbedingt erforderlich. Manchmal kommt es aber vor, dass irgendwas nicht normal ist. Außergewöhnliche Ereignisse wie ein Wasserrohrbruch oder ein heftiger Schlagregen, bei dem Wasser in die Konstruktion eindringt. Immer wenn so etwas passiert, ist die dampfoffene Konstruktion den anderen Innendämmungen gegenüber klar im Vorteil, weil sie einfach viel schneller wieder trocknen kann. Man kann bei solchen dampfoffenen Systemen viel weniger Fehler machen, weil sie Fehler eher verzeihen und nicht gleich wegen eines jeden bisschen Wassers beleidigt sind.

Damit wäre zur Innendämmung nun auch so ziemlich alles gesagt. Wer noch etwas tiefer in das Thema Innendämmung einsteigen möchte, kann das in der YouTube-Folge „Innendämmung II. – So geht’s!“ tun.

ESK-Folge:
Innendämmung II. – So geht‘s!

AUSSENDÄMMUNG

Wie bereits erwähnt, gibt es bei vielen Menschen bezüglich der Dämmung von Außenwänden Vorbehalte. Über die „Atmungsfähigkeit“ habe ich schon berichtet. Das ist aber lange noch nicht alles, worüber diskutiert wird. Manche machen sich Sorgen wegen der Brandgefahr von Wärmedämmverbundsystemen.

Wärmedämmverbundsystem (WDVS) aus Polystyrol (PS)1

Wieder andere vermuten, dass für die Herstellung der Dämmung mehr Energie benötigt als eingespart wird. Es gibt Berichte darüber, dass Tiere die Dämmschicht nutzen, um ihr Nest darin zu bauen. Bis hin zu Entsorgungsproblemen, wenn die Dämmung nach Jahrzehnten wieder von der Hauswand entfernt werden muss. Die Themenvielfalt ist enorm.

Einige der genannten Themen sind durchaus ernst zu nehmen. Einige der genannten Vorbehalte würde ich aber eher als Mythen bezeichnen, die sich teils sehr hartnäckig halten. In manchen der Mythen steckt vielleicht ein Stückchen Wahrheit. Die rein fachlichen Fragen werden wir gleich hier behandeln. Einige der oben genannten Vorbehalte werden im Kapitel „Energiesparmythen“ behandelt.

Der erste große und nennenswerte Unterschied der Außendämmung gegenüber der Innendämmung ist der, dass es sich nicht um eine klassische Do-it-yourself-Maßnahme handelt. Außenwanddämmungen werden i. d. R. von Fachbetrieben montiert. Die Aufgaben sind so komplex, umfangreich und erfordern solches Fachwissen, dass ein Selbermachen kaum möglich und auch nicht ratsam ist. Die gebräuchlichste Art von kaltseitigen Außenwanddämmungen ist das sogenannte Wärmedämmverbundsystem (WDVS). Ein WDVS besteht im Prinzip aus drei Schichten: einer Dämmplatte, die mit einer Klebeschicht auf die Wand geklebt und anschließend von außen verputzt wird. Klebeschicht, Dämmschicht und Putzschicht. Zur besseren Stabilität werden die Dämmplatten vor dem Verputz noch mit der Wand verdübelt.

Die allermeisten WDVS werden mit Dämmplatten aus Polystyrol hergestellt. Das hat einen einfachen Grund. Polystyrol (PS) ist vergleichsweise günstig. Außerdem ist es leicht zu verarbeiten und unempfindlich gegenüber Feuchte. Dennoch sind auffällig viele Menschen, mit denen ich über Außendämmungen spreche, alles andere als begeistert, wenn wir über PS sprechen. Ich vermute, das liegt auch daran, dass es sich bei PS um ein chemisches Produkt handelt. Häufig höre ich den Satz: „Eine Plastiktüte kommt mir nicht aufs Haus.“ Durch die große Zahl von Häusern, die mit PS gedämmt werden, färbt dieses negative Image von PS auch auf die Maßnahme WDVS im Allgemeinen ab. Ich habe häufig den Eindruck, Wärmedämmverbundsystem und Polystyrol-Dämmung sind für viele Menschen ein und dasselbe. Es wird gar nicht mehr getrennt, wodurch sich die Vorbehalte gegenüber Polystyrol automatisch auf das Wärmedämmverbundsystem übertragen. Das aber völlig zu Unrecht.

ÖKOLOGISCHE BEWERTUNG VON WDVS-DÄMMSTOFFEN

Ein Wärmedämmverbundsystem besteht, wie schon erwähnt, aus drei Schichten, eine davon ist eine Dämmschicht. Aus welchem Material die Dämmschicht besteht, ist erst mal vollkommen egal. Das für WDVS zweithäufigste verwendete Material ist z. B. Mineralfaserdämmung (Steinwolle). Dann gibt es da natürlich auch noch diverse „ökologische Dämmmaterialien“, prominentestes Beispiel sind Holzfaserplatten, die für WDVS geeignet sind. Man hat bei der Suche nach einem Dämmstoff für die Außenwand also eine gewisse Wahlfreiheit. Dennoch entscheiden sich die meisten Sanierungswilligen für PS, weil es die mit Abstand kostengünstigste Variante ist. Zur Beruhigung des ökologischen Gewissens muss man beim WDVS sonst deutlich tiefer in die Tasche greifen. Dazu sind viele Menschen meist nicht bereit bzw. nicht in der Lage. Vielleicht ist auch genau das der Grund, warum WDVS und PS praktisch gleichgesetzt werden. Denn wenn man sich eine solche Maßnahme leisten kann, dann häufig eben nur die Chemievariante aus Polystyrol.

Die ist tatsächlich viel besser als ihr Ruf. Der Grund, warum Mineralfasern teurer sind als Dämmplatten aus PS, liegt in erster Linie im höheren Energieaufwand, der bei der Herstellung erforderlich ist. Dieser wiederum wirkt sich auch auf das Global Warming Potential (GWP) aus. Das GWP gibt an, wie viel CO2 bei der Herstellung von Produkten anfällt. Hier ist PS bei gleicher Dämmwirkung im Vergleich zu Mineralfasern und Steinwolle um den Faktor zwei bis drei besser. Ungeschlagen ist hier allerdings die Holzfaser. Da Holz CO2 bindet, ist der GWP von Holzfasern sogar negativ.

Aber diese auf den ersten Blick deutlichen Unterschiede relativieren sich auf lange Sicht fast vollständig. Egal mit welchem Material man auch dämmt, spätestens nach einem Jahr haben sämtliche Varianten den Energieeinsatz bei der Herstellung durch die Einsparung an Wärmeenergie bereits wieder reingeholt. Über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten Lebensdauer gleicht sich die CO2-Bilanz der unterschiedlichen Dämmstoffe mehr oder weniger einander an. Daher gilt: Ganz egal womit ich dämme, die Umwelt wird durch Wärmeschutz langfristig immer entlastet.

Wenn die Nutzung endet, müssen Dämmstoffe allerdings entsorgt werden, und das passiert sehr unterschiedlich. Für Mineralfaserdämmstoffe gibt es bis heute nur die Deponierung. Die auf Erdölbasis produzierten Polystyrole werden dagegen immer noch in Müllverbrennungsanlagen thermisch entsorgt. In den vergangenen Jahrzehnten wurden auch Dämmstoffe verbaut, die heute als Sondermüll gelten. So waren ältere Hartschäume auf Harnstoffbasis nicht selten mit Formaldehyd belastet. Noch bis ins Jahr 2000 eingebaute Glasfasern gelten als krebserregend und sollten daher nur von speziell geschultem Personal ausgebaut und entsorgt werden. Sondermüll und Dämmung sind also durchaus ein Thema. Wichtig ist aber zu wissen, dass heute keiner der angebotenen Dämmstoffe mehr als Sondermüll gilt.

WDVS UND BRANDSCHUTZ

Bleibt noch das Thema Brandschutz. Wenn man die Hartschäume thermisch entsorgen kann, dann können die ja scheinbar brennen. Hier hat sich in den vergangenen Jahren eine emotional ziemlich aufgeladene Debatte entwickelt. Dämmstoffgegner argumentieren, dass Dämmung auf Außenwänden lebensgefährlich sei, was durch teils spektakuläres Filmmaterial von brennenden Fassaden unterstützt wird. Wie groß ist diese Gefahr? Muss man tatsächlich Angst um sein Leben haben, wenn man eine Außenwand dämmt? Versuchen wir uns der Sache einmal sachlich zu nähern.

Zunächst ist festzuhalten: Es gibt Dämmstoffe, die sind brennbar. Das gilt aber, wie wir gelernt haben, nicht für sämtliche Produkte. Was in der Branddebatte passiert, ähnelt dem, was ich bereits oben beschrieben habe. Polystyrol und Wärmedämmung werden gleichgesetzt. Quasi Wärmedämmung = Polystyrol. Dabei wird vergessen, dass es auch nichtbrennbare Dämmstoffe gibt. Die einfachste Möglichkeit, eine Außenwand zu dämmen, ohne eine zusätzliche Brandlast aufs Haus zu kleben, ist einfach einen nicht brennbaren Dämmstoff (z. B. Mineralfaser) zu verwenden. Fertig!

Aber bleiben wir mal bei den brennbaren Dämmstoffen. Wie lässt sich die Gefahr für einen Hausbrand durch z. B. Polystyrol einschätzen? Dazu zwei Zahlen: Pro Jahr gibt es laut Statistik in den 19 Millionen Häusern in Deutschland rund 180 000 Wohnungs- und Hausbrände. Darin enthalten sind weniger als zehn Fälle, bei denen eine Fassadendämmung brennt. Ein nennenswerter Anteil davon passiert dabei während der Bauphase, wenn der Dämmstoff noch nicht verputzt ist und freiliegt.

Diese geringe Anzahl von Bränden ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Polystyrol sich gar nicht so leicht entzünden lässt. Für einen richtigen PS-Brand braucht es eine Ursache, einen Entstehungsbrand (Zimmerbrand, brennende Mülltonne oder brennendes Auto), der dann auf die Dämmung überschlägt. Eine Außenverkleidung aus Holzbrettern oder Holzschindeln gerät im Vergleich dazu deutlich leichter in Brand. Interessanterweise gibt es bis heute keine mir bekannte Interessengruppe, die sich im Sinne des Brandschutzes gegen die Verwendung von Holzverkleidungen oder Balkonen aus Holz an unseren Wohnhäusern ausgesprochen hätte. Das wäre auch völliger Quatsch, denn auch die brennen super selten. Dieses geringe Restrisiko bei Holzverkleidungen nehmen wir daher gerne in Kauf, wenn dafür die Fassade trocken bleibt oder einfach nur schön aussieht.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die reelle Brandgefahr deutlich geringer ist als die öffentliche Aufmerksamkeit, die sich darum entwickelt hat. Statistisch spielt sie eine absolute Außenseiterrolle. Quasi Meteoriteneinschlag. Wem das für einen ruhigen Schlaf noch immer nicht reichen sollte, der hat ja noch die Möglichkeit, auf etliche alternative, nicht brennbare bzw. schwer entflammbare Dämmstoffe auszuweichen. Der Brandschutz ist daher definitiv kein Argument, um auf Wärmeschutz auf der Fassade zu verzichten.

VORHANGFASSADE

Wenn man sich für einen Wärmeschutz der Fassade entscheidet, gibt es grundsätzlich zwei Umsetzungsvarianten. Neben dem hier schon umfangreich besprochenen WDVS gibt es noch die sogenannte Vorhangfassade. Bei Vorhangfassaden bekommt die Wärmedämmung keine Putzschicht, sondern wird von außen verkleidet. Dafür wird zunächst eine Tragkonstruktion auf die Wand montiert, zwischen die der Dämmstoff eingelegt oder eingeblasen wird.

Als Dämmstoffe werden meist Mineralfaserdämmstoffe verwendet. Aber auch Holz- und Hanffasermatten oder Einblasdämmung kommen zum Einsatz. Zwischen die Dämmung und die Verkleidung kommen noch eine Winddichtung (Unterdeckbahn) und eine Luftschicht. Als Verkleidung kommen diverse

Vorgehängte Fassade eines Fachwerkhauses mit Verkleidung aus Holzschindeln1

Holz- und Plattenmaterialien infrage. Beliebt sind hier Holzverschalungen, Holzschindeln oder Schiefer. Aber auch moderne Plattenwerkstoffe werden häufig genutzt. Vorhangfassenden sind zwar etwas teurer als WDVS, bieten dafür aber einen großen Gestaltungsspielraum und noch einen weiteren wichtigen Vorteil: Die Verkleidung von Vorhangfassaden kann durch die Hinterlüftung auch nach einem Schlagregen sehr gut abtrocknen, wodurch Algenwachstum meist verhindert oder zumindest stark reduziert wird.

Bei Putzfassaden ist das anders. Putze können immer nur in eine Richtung, zur Außenluft hin, abtrocknen. Je nachdem, wie saugfähig der Putz ist, kann die Putzfassade deutlich mehr Wasser in sich aufnehmen als eine hinterlüftete Fassadenbekleidung. Dadurch benötigt der Putz sehr viel mehr Zeit zum Abtrocknen. Zeit, in der Algenwachstum eine Chance hat. Algen erkennt man an großflächigen dunklen Verfärbungen auf der Fassade. Je feuchter eine Putzfassade ist, desto größer ist der mögliche Algenbefall. Und das ist erst mal ganz unabhängig davon, ob eine Fassade gedämmt oder ungedämmt ist. Auch ungedämmte Fassaden können veralgen, wenn die Wachstumsbedingungen für die Algen stimmen. Diese sind umso besser, je mehr Wasser auf die Fassade regnet und je weniger Sonne auf eine Fassade trifft. Daher sind auch tendenziell die Wetterseiten im Westen und die Nordseiten von Algen betroffen.

Dass Fassaden mit WDVS von Algenbefall stärker betroffen sind als ungedämmte Fassaden, hängt mit der Temperatur des Außenputzes zusammen. Bei ungedämmten Fassaden führt die Wärme aus dem Innenraum zu einer leichten Temperaturerhöhung auf der Außenseite. Der Außenputz ist daher wärmer als die Außenluft und trocknet schneller ab. Der Putz auf einem WDVS ist allerdings genau so kalt wie die Außenluft und braucht zum Trocknen mehr Zeit. So haben auch die Algen mehr Zeit zum Wachsen und vermehren sich schneller.

Veralgung auf einer Hauswand ohne WDVS1

Veralgung auf einer Hauswand mit WDVS (deutlich erkennbar, die Dübel des WDVS)1

Aber das ist alles halb so wild, denn Algenwachstum ist erst mal ein rein ästhetisches Problem. Die Algen sind weder gesundheitsschädlich noch schädigen sie den Putz. Wer sie dennoch möglichst vermeiden möchte, muss seine Fassade einfach trocken halten. Dabei hilft ein möglichst großer Dachüberstand, der in Verbindung mit einer Dachdämmung auf manchen Seiten noch verlängert werden kann. Auch sogenannte Dickschichtputze sind in der Lage, dem Algenwachstum entgegenzuwirken. Vom Einsatz giftiger Biozide rate ich wegen ihrer schädlichen Umweltwirkung allerdings ab. Diese verhindern nicht nur das Algenwachstum, sondern sind auch für andere Lebewesen schädlich. Also Finger weg von Giften.

Ich empfehle in meinen Beratungssituationen da, wo es möglich ist und passt, häufig eine Kombination aus WDVS und Vorhangfassade zu nutzen. An den Fassadenseiten, wo kein Wasser hinkommt, braucht man auch bei Putzfassaden keine Angst vor Algen zu haben. Überall da, wo Wasser auf der Fassade nicht zu verhindern ist, kann man mit Vorhangfassaden arbeiten. Manchmal reicht es sogar aus, nur den oberen Teil (Giebel, Obergeschoss) als Vorhangfassade auszubilden und das Erdgeschoss kann verputzt werden. Wenn man diese Kombination geschickt einsetzt, kann sich das durchaus positiv auf die Ästhetik eines Hauses auswirken.

KERNDÄMMUNG

Die beiden bisher behandelten Dämmvarianten werden immer dann eingesetzt, wenn wir ein einschaliges Mauerwerk oder eine Fachwerkwand haben. Neben diesen beiden Wandarten gibt es aber noch eine dritte, die manchmal ein bisschen in den Hintergrund gerät und wenig Beachtung findet. Das aber völlig zu Unrecht. Denn ungefähr 30 Prozent der Wohngebäude, so schätzt man, haben ein sogenanntes zweischaliges Mauerwerk. Insbesondere in der nördlichen Hälfte Deutschlands ist diese Bauweise bereits seit dem 19. Jahrhundert weit verbreitet. Diese Gebäude haben also nicht nur eine Mauerscheibe, sondern gleich zwei. Zwischen den beiden Mauerwerksscheiben befindet sich bei Häusern älterer Bauart eine Luftschicht (Hohlschicht). Nun kommt die gute Nachricht: Diese Hohlschicht kann nachträglich mit Dämmstoff verfüllt werden. Diese sogenannte Kerndämmung wurde nicht nur in Deutschland, sondern europaweit bereits hunderttausendfach erfolgreich erprobt. Zum Einblasen des Dämmstoffs werden in den erforderlichen Abständen Einblasöffnungen von wenigen Zentimetern Durchmesser in die Fassade gebohrt. Durch diese Öffnungen wird der Dämmstoff in den Hohlraum eingeblasen. Als Dämmstoffe eignen sich ausschließlich spezielle wasserabweisende (hydrophobe) Kerndämmstoffe. Ist der Dämmstoff eingebracht, werden die Einblaslöcher wieder geschlossen.

Einblasarbeiten einer Kerndämmung4

Blick in den Hohlraum zwischen den beiden Mauerschalen4

Für die Verfüllung der Hohlschichten eines Einfamilienhauses wird von einem Team von meist zwei Personen i. d. R. nur ein einziger Arbeitstag benötigt. Das macht die Kerndämmung im Vergleich zur Außen- und Innendämmung zu einer vergleichsweise kostengünstigen Maßnahme. Auch wenn die Umsetzung relativ einfach ist, handelt es sich bei der Kerndämmung nicht um eine DIY-Maßnahme. Für eine Kerndämmung sind Spezialgeräte erforderlich und sie darf nur durch eigens dafür geschulte Fachfirmen durchgeführt werden. Es ist aber durchaus möglich, die Fachfirmen bei den vielfältigen Handlangerdiensten zu entlasten, um so vielleicht auch noch ein paar Euro zu sparen.

Einer der wohl wichtigsten Vorteile der Kerndämmung ist, dass sie nicht an irgendwelche Instandsetzungszeitpunkte gebunden ist. Kerndämmung kann zu jeder Zeit in Angriff genommen werden. Und da den geringen Investitionskosten stattliche Einsparungen gegenüberstehen, gibt es für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer keinen Grund zu warten. Wer ein Haus mit zweischaligem Mauerwerk hat, sollte nicht zögern, sich einen Fachbetrieb zu suchen.

UNTERER GEBÄUDEABSCHLUSS (KELLER)

Der untere Gebäudeabschluss ist in unterkellerten Gebäuden in den allermeisten Fällen die Kellerdecke. Ist der Keller beheizt oder gibt es keinen Keller, ist der untere Gebäudeabschluss ein Fußboden, der meist an das Erdreich grenzt. Bei beheizten Kellerräumen kommen dann noch die Kelleraußenwände, die auf der Außenseite an das Erdreich grenzen, dazu und bei teilbeheizten Kellern die entsprechenden Kellerinnenwände, die warme Räume von kalten trennen. Dann gibt es manchmal auch noch die Flächen im Bereich der Kellertreppe, die kalte von warmen Bereichen trennen. Es gibt somit viele mögliche Teilflächen, und es wird schnell ähnlich unübersichtlich wie im oberen Gebäudeabschluss.

Eines ist aber ganz anders als im Dach. Die Wärmeverluste im unteren Gebäudebereich sind deutlich geringer. Daher wird das nun folgende Unterkapitel auch deutlich kürzer.

KELLERDECKE ZU UNBEHEIZTEM KELLER

Befinden wir uns im Erdgeschoss, stehen wir auf der Kellerdecke, die das warme Erdgeschoss gegen den kalten, unbeheizten Keller abgrenzt. In Altbauten werden die Kellerdecken daher häufig für vorhandene Fußkälte verantwortlich gemacht. In den allermeisten Fällen kann die ungedämmte Kellerdecke aber gar nichts für unsere kalten Füße. Die ist vollkommen unschuldig. In ungedämmten Altbauten haben nicht nur die Kellerdecken einen mäßigen bis schlechten Wärmeschutz, sondern auch die Außenwände und die Fenster. Während die Fassade den warmen Wohnraum gegenüber der Außenluft abgrenzt, grenzt die Kellerdecke das Erdgeschoss nur gegen den kühlen Keller ab.

Jetzt ist es aber so, dass es im Keller im Winter immer wärmer ist als draußen. Selbst an den richtig kalten Tagen, wenn es unter minus 5 °C kalt wird, ist es im Keller selten kälter als 10 °C. In den meisten Kellern, in denen noch die Heizung steht und die Rohrleitungsverteilung für die Heizkörper unter der Kellerdecke verläuft, ist es durch die Wärmeverluste der Heizungsanlage sogar noch deutlich wärmer. Minimaltemperaturen von 15 °C und mehr haben hier keinen „Seltenheizwert“. Ganz praktisch gesprochen, hätte selbst der Fußboden einer typischen Kellerdecke mit einem U-Wert von 1,0 W/(m2K) bei einer Kellertemperatur von 10 °C und einer Wohnraumtemperatur von 21 °C immer noch eine Oberflächentemperatur von fast 19 °C. Diese zwei Grad Unterschied reichen nicht wirklich aus, um die Fußkälte zu erklären.

Nehmen wir dagegen die gleichen Bauteileigenschaften für eine Außenwand an, ergibt sich bei einer Außentemperatur von minus 5 °C eine Oberflächentemperatur auf der Raumseite von nur 17 °C. Bei einer alten Isolierverglasung sind es sogar nur noch 11,5 °C. Das bedeutet, dass der um ein Vielfaches größere Anteil der Wärme über die Außenwand und die Fenster verloren geht. Entsprechend mehr Luft wird auch über die Fassaden auf der Raumseite abgekühlt. Diese an Wand und Fenster abgekühlte Luft fällt nach unten und sammelt sich in sogenannten Kaltluftseen auf der Kellerdecke, während sich die wärmere Luft unterhalb der Decke zum Obergeschoss sammelt.

In Altbauten sind solche Temperaturschichtungen üblich. Die Heizkörper heizen die Raumluft, die nach oben steigt. Die Innenoberflächen der Fassaden kühlen die Raumluft ab, die am Boden zusammenläuft. In diesen Kaltluftseen stehen wir dann mit unseren Füßen und geben der Kellerdecke die Schuld dafür, dass unsere Zehen abfrieren, während es auf Kopfhöhe angenehm warm ist. Wer versteht, dass die Kellerdecke nicht die Ursache für die kalte Luft am Boden ist, wird auch verstehen, dass wir mit einer Kellerdeckendämmung mit hoher Wahrscheinlichkeit nichts gegen Fußkälte ausrichten können. Der Anteil der Wärmeverluste über die Kellerdecke ist im Vergleich zu den Verlusten über die ungedämmte Außenwand, einschließlich Fenster, viel zu gering, um eine spürbare Verbesserung erzielen zu können. Unseren Füßen können wir mit einer Fassadendämmung und/oder einem Fensteraustausch einen deutlich größeren Gefallen tun.

Wenn Kellerdeckendämmung infrage kommt, dann sollte man sie weniger wegen der Füße machen, sondern eher, um Heizenergie zu sparen. Aber auch hier führen die vergleichsweise hohen Temperaturen im Keller zu eher überschaubaren Einspareffekten. Das ist auch der Grund, warum ich die Kellerdeckendämmung in meinen Beratungen in der Prioritätenliste der potenziellen Wärmeschutzmaßnahmen an einem Haus nicht an vorderster Stelle sehe. Ganz im Gegensatz zu manchen Fachveröffentlichungen oder Infobroschüren, in denen die Kellerdeckendämmung meist ganz oben zu finden ist, weil sie nicht an einen Instandsetzungszeitpunkt gebunden ist und durch die Dämmarbeiten kein bewohnter Raum in seiner Nutzung eingeschränkt ist. Mit der Kellerdecke kann im Prinzip jederzeit begonnen werden.

Kellerdeckendämmung kaltseitig (von unten)4

Eine Kellerdeckendämmung kostet deutlich weniger als eine Fassadendämmung oder ein Fensteraustausch, dafür bringt sie aber auch nur einen sehr geringen Nutzen. Die Kosten-Nutzen-Abwägung ist bei der Kellerdeckendämmung daher als reine Einzelmaßnahme nicht ganz einfach. Einfacher wird es, wenn man ohnehin die Außenwände dämmt. Warum das so ist, will ich kurz erklären.

Immer wenn eine Außenwand kaltseitig gedämmt wird, ergibt sich im Bereich der Kellerdecke eine Wärmebrücke, da Wärme von der Kellerdecke über die Kellerwand unter der Dämmung hindurchschlüpfen kann. Wenn man die Dämmschicht im Bereich der Kellerdecke etwas nach unten verlängert, verlängert sich auch der Weg der Wärme, um nach außen dringen zu können. So wird die Wärmebrücke entschärft. Das Maß, um das man die Dämmschicht über den Sockel nach unten verlängern muss, beträgt 50 Zentimeter. Bei den meisten Häusern ist man mit 50 Zentimetern schon im Erdreich oder zumindest nicht mehr weit davon entfernt.

Im Spritzwasserbereich nutzt man verrottungsfreie Perimeterdämmung (hell)1

Da im Spritzwasserbereich des Sockels (50 Zentimeter über Erdreich) ohnehin eine verrottungsfreie Perimeterdämmung verwendet werden muss, kann man die Verlängerung i. d. R. ohne Weiteres bis ins Erdreich verlegen. Wenn man die Sockeldämmung ca. 20 Zentimeter ins Erdreich zieht, ist auch die Kellerwand im Prinzip ganzjährig frostfrei. Zwar ist die offizielle Frostgrenze in Mitteleuropa erst bei 80 Zentimeter erreicht. Allerding stammt diese Grenze aus einer Zeit, in der es noch deutlich kälter war. Ich selbst kann mich zumindest bei uns zu Hause in den letzten 20 Jahren an kein Jahr erinnern, in dem der Boden mal mehr als zehn Zentimeter gefroren gewesen wäre. Wir können daher in den allermeisten Regionen in Deutschland bis auf seltene Ereignisse bei 20 Zentimeter Bodentiefe von Frostfreiheit ausgehen.

Da das so ist, wird es in unserem Keller durch die vollständige Sockeldämmung nun sehr viel wärmer. Dieser Effekt ließe sich durch neue zweifach verglaste Fenster einfachster Bauart nochmals verstärken. Im Keller wird es dadurch so warm, dass eine Kellerdeckendämmung von unten nicht mehr erforderlich ist. Wir haben das bei uns im Büro thermisch simuliert, indem wir das Haus einmal mit einer Kellerdeckendämmung ausgestattet haben, und ein anderes Mal bekam das gleiche Haus nur eine Sockeldämmung bis 20 Zentimeter ins Erdreich. Das Ergebnis: Der Energiebedarf beider Dämmvarianten war annähernd identisch. Wenn man eine Außenwanddämmung macht und den Sockel mitdämmt, kann man ohne Nachteil getrost auf die Kellerdeckendämmung verzichten.

Für die Kellerdeckendämmung gibt es eigentlich nur noch einen schlagenden Grund: die Effizienzhausförderung. Die Konzeption eines Effizienzhauses kann man sich vorstellen wie einen Eimer, den man stopft. Jedes Loch im Eimer steht dabei stellvertretend für irgendeine Schwachstelle der Gebäudehülle oder der Anlagentechnik. Wenn man eines der Löcher nicht stopft, kann man den Eimer nicht gebrauchen. Erst wenn man sämtliche Löcher gestopft hat, ist mit dem Eimer wieder etwas anzufangen. Im übertragenen Sinn ist das auch beim Effizienzhaus so. Werden sämtliche Löcher gestopft, ist alles klar. Bleibt auch nur eines der Löcher ungestopft, wird es auch kein Effizienzhaus. Die Info, dass eine Sockeldämmung genauso viel bringt wie eine Dämmung der Kellerdecke, hat sich leider noch nicht bis in die oberen Etagen der Fördermittelgeber durchgesprochen. Solange das so ist, ist die Kellerdeckendämmung zumindest bei der Förderung zum Effizienzhaus Pflicht. Zumindest dann, wenn der Keller unbeheizt ist.

KELLERBAUTEILE GEGEN ERDREICH

Bei beheizten oder teilbeheizten Kellern sind die Probleme ungleich größer. Denn sobald wir einen beheizten Keller haben, müssten wir zur Erreichung der Effizienzhausförderung sämtliche Kellerbauteile dämmen, und zwar auch die, die an das Erdreich grenzen. Der Aufwand, der hier betrieben werden muss, ist ungleich höher als eine Sockel- oder Kellerdeckendämmung und daher in den meisten Fällen auch ein Effizienzhaus-Verhinderer. Denn spätestens wenn der Kellerfußboden gedämmt werden muss, lässt sich der entsprechende Aufwand weder mit der erzielten Heizenergieeinsparung noch mit der generierten Förderung rechtfertigen.

Für eine vollständige Kellerwanddämmung sind aufwändige Erdarbeiten erforderlich1

Jetzt kann man für den Keller, je nachdem, wie er genutzt wird, noch nach Zwischenlösungen suchen. Auch die Dämmung von Teilflächen ist möglich, um gerade noch so den Effizienzhausstandard zu erreichen. Auf jeden Fall gibt es da keine allgemeingültige Lösung. Die sehen je nach Haus, Ziel und in Abhängigkeit der sonstigen Maßnahmen jedes Mal anders aus.

Das ist auch der Grund, warum ich in meinen Beratungen immer oben anfange und unten im Keller aufhöre. Falls sich auf dem Weg nach unten möglicherweise schon ein anderes Problem ergeben hat, warum ein Effizienzhaus nicht mehr möglich ist, dann braucht man all diese komplizierten Sachen im Keller gar nicht mehr zu besprechen und sucht nach der einfachsten und sinnvollsten Lösung, ohne sich von irgendwelchen förderrelevanten Abhängigkeiten beirren zu lassen.

Wenn die Maßnahmen im unteren Gebäudeabschluss dann auch noch geklärt sind, ist man mit der Gebäudehülle durch, und wir können uns in Ruhe dem Herzen eines jeden Gebäudes zuwenden, der Anlagentechnik.