In der Schule und auf dem Schulhof begegnen dem autistischen Kind Gleichaltrige, die sich oftmals laut, chaotisch, unverständlich oder sogar gemein verhalten. Auch der Unterricht kann erhebliche Probleme bereiten, wenn die Besonderheiten des autistischen Kindes nicht berücksichtigt werden. Lichtblicke sind beschützende Freunde, verständnisvolle Lehrer und unterstützende Fördermaßnahmen.
Auf den folgenden Seiten beschreiben die beiden autistischen jungen Männer Sascha Dietsch und Marco Hoppe sehr anschaulich und detailliert, mit welchen Hindernissen sie in ihrer Schullaufbahn zu kämpfen hatten und welche Maßnahmen getroffen wurden, um sie zu unterstützen und ihnen zu helfen, die Schule schließlich erfolgreich abzuschließen. Deutlich wird in ihren Texten, dass viele unterschiedliche Situationen im schulischen Kontext für autistische Menschen problematisch sind, dass es mit etwas Glück und Engagement aller Beteiligten aber oft gelingt, individuelle Lösungen zu finden, die diese Zeit erträglich und fruchtbar machen.
Werden nicht autistische und autistische Kinder ohne Vorbereitung »aufeinander losgelassen«, kommt es fast zwangsläufig zu Missverständnissen und verstörenden Erlebnissen. Denn viele Kinder mit Autismus
Immer wieder wird die Hilfe des Pädagogen notwendig sein, um dem betroffenen Schüler zu befriedigenden Kontakten mit seinen Mitschülern zu verhelfen. Dazu sind manchmal einige Variationen zum sonst üblichen Vorgehen nötig: In einem polnischen Therapiezentrum werden die Kinder intensiv auf die Gruppenerlebnisse vorbereitet, um ihnen eine möglichst angenehme Situation zu bieten, die sie auch in Zukunft wieder suchen werden. So üben die dortigen Therapeuten zunächst im Einzelsetting mit den Betroffenen die Fähigkeiten, die sie in der Gruppe beherrschen müssen (bestimmte Rollenspiele etc.). Wenn das Kind dies beherrscht, werden im nächsten Schritt einzelne Kinder aus der Gruppe dazugeholt. Auch in dieser nächsten Stufe wird das weitere Üben vom Therapeuten begleitet. Schließlich, wenn das Kind in der Kleingruppe besteht, geht es in Begleitung des Erwachsenen in die gesamte Gruppe, um dort die vielfach geübte Situation zu erleben. Dabei darf es in der Regel die Erfahrung machen, dass sich die zunächst so angstbesetzte Situation viel angenehmer als erwartet darstellt, was es zu weiteren Erfahrungen motivieren wird (Urbaniak 2006).
Dieses Vorgehen unterscheidet sich ganz wesentlich von der so oft erlebten Situation, dass das Kind gleich in einer großen Gruppe bestehen soll, was in vielen Fällen nicht möglich ist. Der Versuch scheitert, das Kind wird nach draußen geschickt, weil es »nicht mehr tragbar« erscheint, und bei allen Beteiligten bleibt ein schlechtes Gefühl zurück mit viel Frustration und dem Wunsch, so etwas zukünftig nicht mehr erleben zu wollen.
Meine Schulzeit war für mich sehr schwierig
Sascha Dietsch
Mein Name ist Sascha-Thorsten, ich bin 20 Jahre alt, habe im Jahr 2010 mein Abi tur am beruflichen Gymnasium mit einem Notendurchschnitt von 1,9 bestanden und studiere seit dem Wintersemester 2010/11 Informatik an der Technischen Universität Darmstadt.
Nach unendlich vielen Besuchen bei verschiedenen Kinderärzten, von denen keiner wirklich wusste, was mit mir los war, bekam ich im Alter von 3,5 Jahren von der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Heidelberg die Diagnose Asperger-Autismus. Nach mehreren Versuchen, mit dieser Diagnose einen Kindergartenplatz zu finden, erhielt ich endlich einen Platz im evangelischen Kindergarten in Lorsch, wo ich mich sehr wohl fühlte. Dort lernte ich auch meine Freundin und »Beschützerin« Lea kennen. Irgendwann aber war diese schöne Zeit vorbei und ich sollte zur Schule gehen.
Im Kindergarten lernte ich meine Freundin und »Beschützerin« Lea kennen, die später auch in dieselbe Klasse ging wie ich und weiterhin auf mich »aufpasste«.
Doch die Einschulung gestaltete sich nicht einfach. Der Rektor lehnte mich wegen meines Autismus ab, obwohl er mich bis dahin nicht persönlich kennen gelernt hatte. Allein aufgrund der Diagnose wollte man mich nicht aufnehmen. Erst durch das Einschalten eines Rechtsanwaltes war die Schule dazu bereit. Im Vorfeld hatten meine Eltern darauf geachtet, dass ich mit 12 Kindern aus meiner Kindergartengruppe in dieselbe Klasse eingeteilt wurde, da sie alle meine Besonderheiten kannten. Auch meine Kindergartenfreundin und »Aufpasserin« Lea war mit in dieser Klasse.
Zum Glück hatte ich eine verständnisvolle Klassenlehrerin, Frau W., die recht schnell herausfand, dass ich zwar die Antworten auf ihre Fragen wusste, diese sich aber in vielen Fällen nicht so spontan bei mir abrufen ließen. Sie nahm mich dann später nochmals dran und ich wusste meist die Antwort. Ihr möchte ich an dieser Stelle danken für all das, was sie für mich getan hat. Auch ließ sie es zu, dass meine Eltern bei allen Klassenausflügen als Begleitpersonen dabei sein durften, was für mich sehr angenehm war, da ich mit neuen Umgebungen und ungewohnten Speisen immer ein Problem hatte. Durch ihre Anwesenheit fühlte ich mich sicherer.
Mobbing und üble Scherze
Leider waren die meisten meiner Mitschüler chaotisch und unberechenbar und mobbten mich oft, lachten mich aus oder schlugen mich. Sie fanden immer etwas, mit dem sie mich ärgern und fertig machen konnten, vermutlich deshalb, weil ich anders war als alle anderen und meine Eigenheiten hatte, die manchmal auch sehr unangenehm sein konnten. Insbesondere dann, wenn ich ausgelacht und verspottet wurde, konnte ich ungehalten und laut werden.
Manchmal heckten die anderen aber auch wirklich gemeine und auch gefährliche »Scherze« aus. So bot mir beispielsweise ein Klassenkamerad Bonbons an, da er wusste, dass ich Süßes mochte. Allerdings wusste ich nicht, dass er die Bonbons zuvor mit Klebstoff überzogen hatte und nur darauf wartete, dass ich sie in den Mund steckte. Lea, die neben mir stand, bemerkte gerade noch rechtzeitig, dass irgendetwas mit diesen Bonbons nicht stimmte, und riss sie mir aus der Hand. Als ich mir den Arm gebrochen hatte und deshalb einen Gipsverband tragen musste, musste dieser jeden Tag erneuert werden, da einige Mitschüler es lustig fanden, mir so fest auf den Arm zu schlagen, dass der Gips jedes Mal auseinanderbrach. Auch fesselten sie mich während dieser Zeit an einen Laternenpfahl, zogen mir die Schuhe aus und warfen sie in die Hecken. Zum Glück erlöste mich meine Freundin Lea wieder und half mir, meine Schuhe zu suchen. Das war eine sehr schlimme Zeit für mich, da ich mich weder verbal noch körperlich gegen die Angriffe wehren konnte. Deshalb war ich immer sehr froh, wenn meine Klassenlehrerin Pausenaufsicht hatte, denn dann passierten solche Dinge nur sehr selten. Es folgten teils wunderschöne, teils grauenhafte Zeiten.
Der Religionsunterricht wurde für mich zeitweise regelrecht zur Qual. Die Lehrerin ließ die Schüler kreuz und quer durch das Zimmer laufen, es war laut und vollkommen unstrukturiert, jeder durfte machen, was er wollte und tat das auch. Oft malten die anderen Kinder in meinem Heft herum oder zerrissen es einfach. Wenn ich unruhig und aufgeregt war, kaute ich ununterbrochen auf meinem Füller herum, bis er vollkommen zersplittert war und ich fast jede Woche einen neuen brauchte, oder aber ich fing an, die Haut von meinen Fingern abzukauen. Da ich ein sehr empfindliches Gehör habe und laute Töne mir Schmerzen bereiten, musste ich mir oft die Ohren zuhalten, was dann wiederum zur Folge hatte, dass mich die anderen auslachten, nur noch lauter tobten und mich am Ende oft zum Ausrasten brachten.
Ich erhielt einen Schulbegleiter
Um meine Schullaufbahn einigermaßen zu sichern, beantragten meine Eltern beim Jugendamt einen Schulbegleiter, der schließlich auch genehmigt wurde. Ab der zweiten Hälfte des dritten Schuljahres begleitete mich also ein junger Mann täglich zur Schule. Anfangs lief es ganz gut, auch die Mitschüler und Lehrer waren froh, dass ich einen Begleiter hatte. Er bezog die Klassenkameraden in der Pause beim Spielen ein, sodass ein freundschaftlicher Kontakt zu den anderen Schülern entstehen konnte. Nach den Sommerferien fingen dann aber die Probleme mit dem Schulbegleiter an. Er diskutierte oft laut mit mir im Unterricht, was natürlich die anderen Schüler störte, sodass meine Klassenlehrerin häufig eingreifen musste. In den Pausen spielte er mit den anderen Kindern und wurde zunehmend deren »Kumpel«, was dann irgendwann dazu führte, dass niemand mehr vor ihm Respekt hatte.
Nun begleitete mich also ein junger Mann täglich zur Schule. Anfangs lief es ganz gut, auch die Mitschüler und Lehrer waren froh, dass ich einen Begleiter hatte.
Dann kam es zu einem Beinahe-Unglück nach dem Schwimmunterricht: Mein Begleiter sollte eigentlich mein Ankleiden im Jungen-Umkleideraum überwachen, was er allerdings nicht tat. So kam es, dass beim Duschen versehentlich mein Kulturbeutel mit Föhn komplett nass wurde, was mir aber nicht auffiel. Nach dem Anziehen wollte ich zur Steckdose laufen und meine Haare föhnen, doch zum Glück kam meine Lehrerin, kontrollierte meinen Kulturbeutel und nahm mir sofort den Föhn weg. Auch in der Folge gab es noch weitere Vorfälle, und so trennten wir uns nach fünf Monaten von ihm und suchten einen neuen Schulbegleiter (Ende September 2000).
Nun musste ich wieder alleine den Unterricht besuchen. In dieser Zeit war ich sehr unruhig und unkonzentriert, ließ mich von allem und jedem ablenken, was meine Lehrer nicht gerade erfreute und sich natürlich auch bei meinen schulischen Leistungen bemerkbar machte. Ich vergaß oft, die Hausaufgaben aufzuschreiben oder Termine für anstehende Klassenarbeiten zu notieren, sodass meine Mutter jeden Tag bei meiner Mitschülerin Lea anrief, um sich nach dem Wesentlichen zu erkundigen. Auch hatte ich große Schwierigkeiten, meinen Arbeitsplatz in der Schule zu organisieren, oft fand ich die Bücher in meinem Ranzen oder auf dem Schreibtisch nicht, da ich sie nach der Schulstunde nicht in den Ranzen zurücklegte, sondern alles aufeinanderstapelte und mich meist erst dann wohl fühlte, wenn der Stapel zu einem Berg angewachsen war, hinter dem ich mich verstecken konnte. Im Unterricht auffällig wurde nun meine große Schwierigkeit, Bilder richtig zu interpretieren. Ich konnte nur das wiedergeben, was auch wirklich darauf zu sehen war. Auch wurde meine Handschrift oft beanstandet, da sie sehr klein und undeutlich war, was aber auf meine Probleme mit der Feinmotorik zurückzuführen war.
Mir stand eine Integrationshelferin bei
Im Februar 2001 bekam ich eine neue Integrationshelferin, Frau H. Ich war froh, wieder jemanden zu haben, der mir Sicherheit gab und mich und mein Umfeld zur Ruhe brachte. Allmählich besserten sich auch wieder meine Leistungen, sodass ich am Ende der vierten Klasse die Empfehlung für das Gymnasium bekam. Meine Eltern entschieden sich nach Beratung aber für die Realschule, da man vermutete, dies könnte aufgrund der kleineren Klassen mit weniger Schülern für mich leichter sein. Doch so einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten, ging das nicht. Der Rektor meiner Schule erklärte uns, dass er erst einmal eine Lehrkraft finden müsse, die bereit sei, einen Schulbegleiter in ihrer Klasse zu dulden, doch es gelang ihm nicht. Erst nachdem bekannt wurde, dass an dieser Schule eine Freundin meiner Schulbegleiterin als Lehrerin arbeitete, war diese bereit, mich mit Begleitung aufzunehmen. Anfangs konnte ich durch die neue Situation an der mir noch unbekannten Schule vor Aufregung und Unsicherheit nachts nicht schlafen und auch nur wenig essen.
Frau H. sorgte dafür, dass mich meine Mitschüler in der Pause mitspielen ließen. Dadurch kam es manchmal zu komischen Situationen. Wenn die Kinder beispielsweise Fangen oder Raufen spielten und einer den anderen festhielt, wurde ich böse und schimpfte fürchterlich, denn ich war immer der Meinung, dass sich der »Gefangene« in einer bedrohlichen Situation befand und meiner Hilfe bedurfte. Ich konnte das Spiel nicht verstehen und das Verhalten der Mitschüler nicht richtig interpretieren, es wirkte auf mich bedrohlich. Erst nachdem mir Frau H. mehrmals erklärt hatte, dass dies alles nur ein Spiel war, konnte ich langsam mein Verhalten ändern.
Nachdem ich meine Klassenarbeiten in einem separaten, ruhigen Raum schreiben durfte, hatte ich meistens nur noch Einser und Zweier.
Der Unterrichtsstoff bereitete mir keine Probleme, nur der heftige Lärm auf dem Schulhof und die Unruhe in der Klasse machten mir Schwierigkeiten. Besonders während der Klassenarbeiten konnte ich mich schlecht konzentrieren, was dazu führte, dass ich sie auf Antrag in einem separaten, ruhigen Raum schreiben durfte. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich meistens nur Einser und Zweier.
Doch dann gab es erneut einige Zwischenfälle. Frau H. versuchte, das Vertrauen der Kinder zu gewinnen, um dann das Erfahrene an die Lehrkräfte weiterzugeben. Dadurch machte sie sich bei meinen Mitschülern sehr unbeliebt und die meisten hielten sich in der Folge auch von mir fern, sodass ich in den Pausen wieder alleine war. Auch saß meine Begleiterin während der Pausen oft im Lehrerzimmer und ließ mich in diesen für mich sehr stressigen und unüberschaubaren Situationen alleine. So kam es öfter vor, dass die Kinder mich umringten, mich »Behindi-Kindi« nannten und ich dann total »ausrastete«. Alle Bemühungen meiner Integrationshelferin, wieder ein gutes Verhältnis zu den Mitschülern zu bekommen, scheiterten. So wurde das Arbeitsverhältnis mit ihr beendet und wir suchten erneut nach einem neuen Schulbegleiter.
Schulbegleiter Manuel – vermeintliche Konkurrenz für den Klassenlehrer
Das Verhältnis zu meinen Mitschülern besserte sich relativ schnell, als ich in der achten Klasse einen neuen Begleiter bekam. Manuel war etwas anders als meine bisherigen Integrationshelfer. Er war Erzieher und gewann auch schnell das Vertrauen der Mitschüler, da auch sie ihre Probleme mit ihm besprechen konnten, ohne dass er etwas davon den Lehrern mitteilte. Durch dieses Vertrauensverhältnis bekam ich endlich auch einen besseren Kontakt zu meinen Mitschülern.
Nun fingen meine Probleme im Deutschunterricht an. Es wurden vermehrt Interpretationen gefordert, die ich einfach nicht leisten konnte.
Mit Manuel fuhr ich das erste Mal ohne meine Eltern auf eine Klassenfahrt und fühlte mich in seiner Gegenwart wohl und sicher. Da ich mich sehr einseitig ernähre und nur bestimmte Lebensmittel ohne Ekel und Würgereiz essen kann, kümmerte sich Manuel auch täglich um mein Mittag- und Abendessen und sorgte dafür, dass ich bei Bedarf ein ruhiges Plätzchen zum Entspannen und Erholen fand. In der 8. Klasse fand ein Schüleraustausch zu unserer Partnerstadt nach Frankreich statt. Ich wäre auch hier gerne dabei gewesen, aber mein Lehrer fand, man könne mich keiner Gastfamilie zumuten, obwohl Manuel mit dabei gewesen und notfalls auch mit mir in ein Hotel gezogen wäre.
Mittlerweile hatten wir einen neuen Klassenlehrer bekommen. Er war ein großer, braun gebrannter schwarzhaariger Mann, für den sich die Mädchen anfangs sehr interessierten und der sich dabei sehr wohl zu fühlen schien. Leider jedoch sah er in Manuel einen Konkurrenten, der ihm seiner Meinung nach seinen Platz streitig machen könnte.
Nun fingen meine Probleme im Deutschunterricht an. Es wurden vermehrt Interpretationen gefordert, die ich einfach nicht leisten konnte. Mein Problem war, dass ich nicht »zwischen den Zeilen« lesen konnte, sondern nur das, was auch wirklich dastand. Auch konnte ich keine Gefühle aus Texten herauslesen oder mich in die Gefühlswelt anderer hineinversetzen. Versteckte Ironie, Metaphern, Zweideutigkeiten etc. verstand ich einfach nicht. Auch mit der Mimik und Gestik anderer Menschen hatte ich Probleme. Durch die nun geforderte Schnelligkeit wurde meine Schrift so unleserlich, dass ich selbst Probleme damit hatte, sie zu entziffern. Mir fielen Tafelabschriften schwer, denn ich musste ständig von der Tafel in mein Heft schauen, was durch die hohe Geschwindigkeit nicht einfach für mich war. Die Bitte um Tafelabschriften blieb trotz des besprochenen Nachteilsausgleichs leider unerfüllt.
Da mir jede plötzliche Veränderung Probleme machte, fanden häufig Elterngespräche mit den Lehrkräften statt. Schwierig war es auch für mich, wenn der Klassenlehrer uns ständig umsetzte und ich mich an einen neuen Nachbarn gewöhnen musste. So wurde abgesprochen, dass solche Veränderungen genau geplant und rechtzeitig mit mir besprochen werden sollten, was mir sehr geholfen hätte. Allerdings hielt sich unser Klassenlehrer nicht daran, und es kam öfter vor, dass er die Schüler umsetzte, während ich krank war, obwohl er genau wusste, dass mich solche Ereignisse vollkommen aus dem Gleichgewicht brachten. Leider nahm er darauf keine Rücksicht. Auch wurde uns nicht erlaubt, dass wir einen Zivi als Ersatz nehmen durften, wenn mein Schulbegleiter krank war. Ich musste dann alleine am Unterricht teilnehmen und oft auch ohne Begleitung Arbeiten schreiben.
Im neuen Klassenraum befand sich ein alter, defekter Computer. Er stand genau hinter meinem Schreibtisch und ich überlegte ständig, ob und wie ich ihn wieder zum Laufen bringen könnte.
Eines Tages zogen wir um in einen neuen Klassenraum. Dort befand sich kurioserweise ein alter Computer, von dem niemand wirklich wusste, was mit ihm gemacht werden sollte. Er stand genau hinter meinem Schreibtisch, sodass es mir schwer fiel, mich auf den Unterricht zu konzentrieren, denn ich überlegte ständig, ob und wie ich ihn wieder zum Laufen bringen könnte. Dadurch war ich sehr abgelenkt und unkonzentriert. Auch Manuels Bemühungen, mich wieder aktiv in den Unterricht einzubinden, halfen nicht.
Nachdem dies über mehrere Wochen so ging, fragte er meinen Klassenlehrer, ob man diesen defekten PC vielleicht in einem anderen Raum unterbringen könnte. Dieser versprach, er würde demnächst entfernt werden, doch nichts geschah. So musste Manuel sich jeden Tag mit mir herumquälen und versuchen, mich bei der Konzentration zu halten, was nicht einfach für ihn war. Eines Tages ließ Manuel den PC durch den Hausmeister entfernen, was zur Folge hatte, dass mein Lehrer tobte und Manuel wegen Kompetenzüberschreitung aus der Schule warf. So stand ich wieder einmal ohne Schulbegleiter da.
Einmal wurde ich beschuldigt, dass ich die Lehrer beim Rauchen fotografiert hätte, dabei interessierte es mich überhaupt nicht, was sie in der Pause machten (damals war es Lehrern untersagt, an der Schule zu rauchen). Der Vorwurf entstand, als ich von einem Klassenkameraden Bilder über eine Website zugespielt bekam. Da ich diese Bilder lustig fand, habe ich diese Website an eine einzige Klassenkameradin weitergeleitet, ohne mir darüber Gedanken zu machen. Am Tag darauf kamen die Anschuldigungen, ich hätte die Bilder online gestellt, die meine Mutter gemacht hätte… Sogar das Jugendamt wurde von der Schule eingeschaltet, um den Vorfall zu klären. Kurze Zeit später jedoch verschwanden die Bilder von der Website und tauchten seitdem nie wieder auf. Später erfuhr ich, dass es ein Schüler war, der beim Rauchen ertappt und bestraft wurde und der sich deshalb an den Lehrern rächen wollte. Bis heute hat es niemand für notwendig empfunden, sich bei mir oder bei meiner Mutter dafür zu entschuldigen. Ich könnte noch über viele ähnlich problematische Situationen berichten, aber ich habe die Schulzeit für mich nun endgültig abgeschlossen. Insgesamt war die Schule für mich eine sehr schwierige Zeit und ich bin froh, dass ich sie erfolgreich zu Ende bringen konnte.
Meine Eltern standen immer hinter mir
Was mir in diesen Jahren sehr geholfen hat, waren meine Eltern, besonders meine Mutter, die mich immer begleitet, unterstützt, gefördert und getröstet hat. Sie hat mir auch immer wieder Mut gemacht, nicht zu verzweifeln oder aufzugeben, sondern mein Ziel, einmal Informatik studieren zu können, weiter zu verfolgen. Auch meiner langjährigen Freundin Lea möchte ich danken, da sie immer zu mir gestanden und mich aus mancher für mich unverständlichen kritischen Situation gerettet hat. Geholfen haben mir auch meine beiden Hunde, die mich, wenn ich traurig aus der Schule kam, freudig begrüßt und getröstet haben.
Was ich mir und anderen autistischen Schülern wünsche, sind fachkundige, autismusspezifisch weitergebildete Schulbegleiter, die in der Lage sind, unser manchmal sehr eigenwilliges Handeln zu verstehen und nachzuvollziehen. Auch wäre es wünschenswert, dass alle Regelschullehrer bereits in ihrem Studium den Umgang mit und die Besonderheiten von autistischen Schülern kennen lernen und daher von Beginn an darauf Rücksicht nehmen könnten. Wichtig wären auch ein autismusspezifischer Nachteilsausgleich und die problemlose Anerkennung ärztlicher Gutachten durch die Lehrkräfte. Mein größter Wunsch aber sind verständnisvolle und hilfsbereite Mitschüler, die sich nicht schämen, mit einem Autisten befreundet zu sein und die eine Integration zulassen.
Meine Erfahrungen in der Schule
Marco Hoppe
Es stellte sich schon früh heraus, dass ich anders war als andere Kinder. Ich konnte mit zwei Jahren schon schwierige Wörter und ganze Sätze sprechen. Auch habe ich sehr früh lesen und schreiben gelernt (und mit etwa fünf Jahren meinen Eltern bereits aus der Zeitung vorgelesen), aber ich war nicht in der Lage, mir die Schnürsenkel zuzubinden oder ohne Hilfe Fahrrad zu fahren. Meine Bewegungen wirkten sehr ungeschickt.
Als ich mit vier Jahren in den Kindergarten kam, gab es dann die ersten Schwierigkeiten. Ich hasste Feiern, weil dort so viele Menschen waren und mich das ganz durcheinander brachte. Es fiel nun stärker auf, dass ich lieber alleine spielte als mit anderen Kindern. Am liebsten puzzelte ich für mich allein. Auch schwierige Puzzles waren kein Problem. Sobald das Bild fertig war, zerstörte ich es wieder. Andere Kinder zeigten ihre Bilder stolz den Erzieherinnen.
Meine Eltern konnten sich nicht erklären, was mit mir los war, darum suchten sie mit mir viele Ärzte auf. Aber erst im Alter von 11 Jahren wurde dann, mehr durch Zufall, die Diagnose gestellt: Ich bin ein Asperger-Autist.
Der Unterricht in der Grundschule war o.k.
Bevor ich eingeschult wurde, begann eine heftige Diskussion um meine Schulreife. Ich bekam wenig davon mit, merkte nur, dass meine Eltern immer wieder zu Gesprächen im Kindergarten waren und mir von einer Schuluntersuchung durch eine Ärztin erzählten. Diese traf eine kluge Entscheidung und stellte mich für ein Jahr vom Schulbesuch zurück, damit ich noch etwas Zeit zum Spielen und zur Entwicklung bekam. In diesem Jahr war es im Kindergarten sehr langweilig für mich und ich wich oft in eine andere Gruppe aus. Meine Kindergärtnerin kümmerte sich wenig um mich und die erhofften Fortschritte hielten sich in Grenzen.
Um die Schulfrage zu klären, fuhren meine Eltern mit mir zur Schulberatungsstelle. Dort sollte ich viele Fragen beantworten und Spiele machen. Dazu hatte ich keine Lust. Die Lehrerin sprach einen seltsamen Dialekt, sodass ich sie kaum verstehen konnte. Ich war ungeduldig und wollte nicht mehr mitmachen. Dann kamen endlich meine Eltern und waren sehr betroffen, weil ich zur Förderschule sollte. Sie waren, ebenso wie die Kindergartenleiterin, damit nicht einverstanden, und so wurde ich wie die anderen Kinder meiner Gruppe in die örtliche Grundschule eingeschult.
Der schriftliche Unterricht war für mich meistens in Ordnung. Ich sagte wenig, hörte aber zu und konnte meine Gedanken gut umsetzen. Am liebsten mochte ich Kunst. Ich konnte nicht gut malen, aber die Lehrerin las immer so schöne Geschichten dabei vor. Außerdem war es dann sehr still in der Klasse, was mir gefiel.
Das Schlimmste waren die Pausen
Es verunsicherte mich, wenn alle Kinder nach der Schulstunde aufsprangen und laut schreiend auf den Pausenhof liefen. Am liebsten wäre ich in der stillen, leeren Klasse geblieben, aber das durfte ich nicht. Auf dem Pausenhof hielt ich mich am Rand nahe einer Hecke auf, führte Selbstgespräche und versuchte, mich in meiner Welt zu entspannen. Einige Jungen wurden auf mein ungewöhnliches Verhalten aufmerksam und ärgerten mich mit Spinnen und Schlangen aus Gummi. Diese Gummitiere bereiteten mir Angst und ich schrie und lief weg (ich habe auch heute noch Angst vor Schlangen, mit den Spinnen ist es nicht mehr so schlimm). Eine solche Szene wurde von meiner Oma zufällig beobachtet, und meine Eltern rieten mir, mich zu wehren. Daraufhin griff ich einen der Jungen an, wofür ich eine Strafarbeit bekam.
Andere schlimme Ereignisse waren für mich Weihnachtsfeiern, Sportfeste und vor allem Karneval. Ich weigerte mich, mich zu verkleiden und ängstigte mich vor den Kostümen der anderen Kinder.
Andere schlimme Ereignisse waren für mich Aktivitäten, die die gewohnte Routine durchbrachen, wie z. B. Weihnachtsfeiern, Sportfeste und vor allem Karneval. Ich weigerte mich, mich zu verkleiden, und ängstigte mich vor den Kostümen der anderen Kinder. Diese Feiern wurden für mich zur Qual, und wenn ich den Lärm und das Durcheinander nicht mehr ertragen konnte, rannte ich immer wieder weinend hinaus. Ab dem dritten Schuljahr wurden die Pausen erträglicher. Einerseits gehörte ich nun zu den älteren Kindern, andererseits wurde meine jüngere Schwester in dieselbe Schule eingeschult. Sie achtete auf dem Schulhof auf mich und informierte die Aufsicht, wenn sich ein Konflikt mit anderen Kindern anbahnte.
Im Unterricht kam mir mein gutes Gedächtnis zur Hilfe. Ich konnte mir Inhalte leicht merken und einmal gelernte Strukturen gut abrufen. Bei Matheaufgaben fiel auf, dass ich oft ungewöhnliche Rechenwege wählte, das Ergebnis aber stimmte. Im Unterricht sprach ich wenig, konnte aber gute Leistungen bei schriftlichen Aufgaben und Übungen erzielen. Solange alles seinen gewohnten Verlauf nahm, war die Schule für mich in Ordnung.
Als sich die Grundschulzeit im vierten Jahr dem Ende zuneigte, sprach meine Lehrerin wieder mit meinen Eltern. Sie wusste nicht, welche Empfehlung zu einer weiterführenden Schule sie geben sollte. Vom Leistungsvermögen hielt sie das Gymnasium für besser, fürchtete aber, dass ich das dort geforderte selbstständige Arbeiten nicht leisten könnte. Nach umfangreichen Besuchen der in Frage kommenden Schulen kamen meine Eltern zu dem Ergebnis, dass ich zur Realschule gehen sollte. Dies hatte den Vorteil, dass sich die Lehrer intensiver um jedes einzelne Kind kümmern konnten.
Zwischenzeitlich war bei mir das Asperger-Syndrom erkannt worden und meine neuen Lehrer wurden von dem Psychologen, der die Diagnose gestellt hatte, über die Besonderheiten autistischer Kinder informiert. So gelang mir der Schritt von meiner kleinen Grundschule in die riesige Schule mit 900 Schülern dann insgesamt doch besser als erwartet. Ich hatte das Glück, dass noch weitere Kinder aus meiner Grundschulklasse mit in meine neue Klasse an der Realschule wechselten und so einige vertraute Kinder dabei waren, die mich und meine Gewohnheiten schon mehr als vier Jahre kannten und akzeptierten.
Die Herausforderungen in der Realschule
Während meiner ersten Jahre in der Realschule war ich nicht in der Lage, mit dem Zug von meinem Wohnort zur Schule zu fahren. Das Abteil war oft sehr voll, ich hatte Angst vor der Drängelei. Meine Eltern fürchteten, dass ich nicht an der richtigen Haltestelle ausstieg. Auch an der neuen Schule waren die Pausen für mich belastend. Es gab zwar einen eigenen Schulhof für die jüngeren Schüler, aber auch hier wurde ich sehr oft geärgert, und nach einigen Zwischenfällen bekam ich einen älteren Schüler als »Paten« zur Seite gestellt.
Der Sportunterricht war eine Qual für mich. Aufgrund meiner eingeschränkten Bewegungsabläufe konnte ich manche Übungen einfach nicht ausführen. Deswegen wurde ich ausgelacht und war oft verzweifelt. Meine Sportlehrerin schlug daraufhin vor, mich vom Sportunterricht zu befreien. Dank eines ärztlichen Attests musste ich nicht mehr teilnehmen und durfte diese Zeit in der Schülerbibliothek verbringen. Ich erinnere mich mit Freude daran, weil ich unheimlich gerne und viel lese. Die zuständige Lehrerin setzte sich in der Folge dafür ein, dass ich nun auch in den Pausen dort lesen konnte. Das war für mich eine tolle Entspannungszeit.
Alles in allem brachte ich die Schulzeit gut hinter mich, nicht zuletzt dank der Unterstützung meiner Eltern, meiner Lehrer und auch meiner Schwester.
Nachdem bekannt geworden war, dass ich das Asperger-Syndrom habe, schlug meine Klassenlehrerin zunächst vor, einen Integrationshelfer für mich zu finden. Da das nicht möglich war, wurde eine »sonderpädagogische Förderung« bei der Bezirksregierung für mich beantragt. Dazu kam an einem Schultag in der Woche ein Sonderpädagoge, der schon mehrfach Kinder mit Autismus unterrichtet hatte, in meine Klasse. Er besprach mit mir die auftretenden Probleme und zeigte nach Absprache mit den Lehrern und meinen Eltern mögliche Lösungen auf. Er war ein Vermittler zwischen mir, meinen Mitschülern und den Lehrern, so ähnlich wie ein Dolmetscher.
Alles in allem brachte ich die Schulzeit gut hinter mich, nicht zuletzt dank der Unterstützung meiner Eltern, meiner Lehrer und auch meiner Schwester, die auch wieder dieselbe Realschule wie ich besuchte. Jetzt, da klar war, was bei mir anders war, konnte man mich gezielt fördern und unterstützen. So bekam ich zum Beispiel bei den Zentralen Abschlussprüfungen und bei späteren Klausuren im Wirtschaftsgymnasium und der Berufsschule mehr Zeit, weil ich mich dabei immer sehr unter Druck setzte. Ich konnte die Aufgaben zwar schaffen, aber nicht in der eigentlich dafür vorgesehenen Zeit.
Im Unterricht hing meine Aufmerksamkeit sehr vom Unterrichtsfach und dem Thema ab, das gerade durchgenommen wurde. So war ich beispielsweise in Geschichte meistens aufmerksamer als in Mathe oder Physik und konnte mir die Hauptstädte oder Flächen von Ländern in Erdkunde eher merken als den Ablauf der Photosynthese in Biologie. Es erwies sich als vorteilhaft für mich, wenn ich im Unterricht in der Klasse möglichst weit vorne saß. Dann konnte ich eher mitbekommen, was der Lehrer erzählte, und die Nebengeräusche im Raum lenkten mich nicht so sehr ab.
Ich besuchte das Wirtschaftsgymnasium
Nach Abschluss der Realschule stand ich wieder vor neuen Herausforderungen. Sollte ich weiterhin zur Schule gehen? Und wenn ja, welche Schulform kam für mich in Frage? Entscheidend für die Wahl des Wirtschaftsgymnasiums war die Tatsache, dass es sich um eine kleine Schule in privater Trägerschaft handelte und so ein familiäres, vertrautes Umfeld bestand. Auch hier wurden die Lehrer im Vorfeld durch meinen Sonderpädagogen über die Besonderheiten des Asperger-Syndroms informiert und besuchten sogar eine Fortbildung zu diesem Thema. Leider stellte sich heraus, dass die Mehrzahl der Fächer matheorientiert war und dies meinen sprachlichen Interessen nur wenig entgegenkam. In den mathematisch-betriebswirtschaftlichen Fächern stieß ich in der 12. Klasse an meine Grenzen.
Belastend für mich war auch eine Clique von Mädchen, die hinter mir saßen und sich über meine Verhaltensweisen und Beiträge zum Unterricht auf oft subtile Art negativ äußerten. Dieses Verhalten verunsicherte mich, und es war sehr schwierig für mich, das auszuhalten. Auch in diesem Schulabschnitt hatte ich einen Sonderpädagogen als Berater. Er riet mir, die Lästereien nicht auf mir sitzen zu lassen und mir passende Antworten auszudenken. Ein paar Mal gelang mir das auch ganz gut, und die Situation besserte sich.
Insgesamt hatte ich immer nur wenige Freunde in meiner jeweiligen Klasse. Es gab immer wieder Kontakte, die aber nach einiger Zeit wegen unterschiedlicher Interessen abnahmen. Nur zu einem »normalen« Jungen habe ich bis heute noch regelmäßig Kontakt. Nach der 12. Klasse verließ ich dann die Schule, um eine Ausbildung im öffentlichen Dienst zu beginnen.
In der Berufsschule lief es ganz gut
Nachdem ich meine Ausbildung begonnen hatte, gehörte es zu meinen beruflichen Pflichten, zur Berufsschule und zur dienstbegleitenden Unterweisung zu gehen. Wieder wurden die Dozenten und meine Mitschüler im Vorfeld über das Asperger-Syndrom informiert, also darüber, was mich anders macht.
In der Berufsschule lief es so weit ganz gut. Im Unterricht hatte ich fachlich keine Probleme, allerdings hatten wir während des dreimonatigen Blockunterrichts mehrere Projektaufgaben in ständig wechselnden Gruppen zu erfüllen. Das bedeutete jedes Mal eine große Umstellung für mich. Deswegen setzte ich mich unter Stress und war in der Schule häufig gereizt. Ich bemühte mich, meine Gereiztheit nicht allzu deutlich zu zeigen und mich zu entspannen. Das wurde dadurch begünstigt, dass wir in der Berufsschule ein Fach hatten, in dem es darum ging, einen Ausgleich zu eventuellem beruflichem oder schulischem Stress zu schaffen. Ich versuchte, einige der Techniken, die dort unterrichtet wurden, in mein Privatleben zu übertragen.
Lesen ist meine liebste Freizeitbeschäftigung
Bei meiner Freizeitgestaltung stellt das Lesen meine liebste Beschäftigung dar. Bücher üben eine besondere Faszination auf mich aus.
Nachdem die Diagnose Asperger-Syndrom feststand, wurde mir empfohlen, das Autismus-Therapie-Zentrum (ATZ) in Paderborn zu besuchen. Diese Einrichtung gibt autistischen Menschen Hilfestellungen, um sich im Leben zurechtzufinden und das Verhalten anderer Menschen zu deuten. Hier lernte ich vieles, was für den Umgang mit anderen Menschen wichtig ist. Über die Kontakte zum ATZ in Bielefeld lernte ich außerdem meine Freunde aus der Osterfreizeitgruppe kennen. Es war wichtig für mich zu erfahren, dass noch mehr Menschen ähnliche Probleme haben wie ich. Ich habe viel Spaß an den gemeinsamen Unternehmungen, weil diese Asperger-Freunde »dieselbe Sprache« sprechen. Leider finden die Begegnungen nicht so oft statt, weil wir zu weit auseinander wohnen.
Wichtig für meine Mobilität war der Erwerb des Führerscheines. Hierbei gab es anfangs Probleme, als dem TÜV meine Behinderung bekannt wurde. Erst durch das Gutachten der Ärztin einer Behindertenberatungsstelle bekam ich grünes Licht für die Teilnahme an der praktischen Prüfung. Diese musste ich zwar mehrfach wiederholen – aber ich habe nicht aufgegeben.
»Nicht aufgeben!« – dieser Wahlspruch spielte in meinem Leben oft eine große Rolle. Viele Dinge musste ich mehrfach versuchen, weil sie mir schwerer fielen als anderen. Aber am Schluss zählt das Ergebnis, und so war ich dann immer wieder stolz, wenn ich etwas mit viel Mühe erreicht hatte, was anderen ganz leicht fiel.