Die Bereitschaft, den Erfordernissen eines Menschen mit Autismus Rechnung zu tragen, ist in der »normalen Berufswelt« zurzeit noch relativ gering ausgeprägt. Viele Betroffene landen in Behindertenwerkstätten, in denen ihre Fähigkeiten kaum zur Geltung kommen. Zwei Berichte zur erfolgreichen Ausbildung bzw. zu Studium und Berufsausübung sollen Mut machen.
Auch für autistische Menschen bedeutet die Arbeit »weit mehr als ihr Lohn, die Gehaltszahlung. Arbeit zu haben und einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen bedeutet Persönlichkeitsentwicklung, Selbstverwirklichung, Erweiterung sozialer Kontakte und die Ausstattung mit finanziellen Ressourcen als Grundvoraussetzung, um an den als relevant empfundenen Lebensbereichen teilhaben zu können« (Dittrich 2005, 99).
Die Teilhabe am Arbeitsleben ist also auch für Menschen mit Autismus von großer Bedeutung. Aktuell jedoch arbeiten in Deutschland ca. 65 % von ihnen in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), 30 % sind ohne Arbeit und nur etwa 5 % auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig, und auch im internationalen Vergleich zeigt sich, dass die Betroffenen nur zu einem geringen Teil in Arbeitsprozesse eingebunden sind (Baumgartner et al. 2009, 14 ff.; Gillberg et al. 2010). Menschen mit Asperger-Syndrom, die meist über einen höheren Bildungsabschluss verfügen und für die die Tätigkeit in einer WfbM keine Option darstellt, sind in besonderem Ausmaß von Arbeitslosigkeit betroffen. Hier besteht also ein dringlicher Unterstützungsbedarf, da andernfalls die Betroffenen trotz vergleichsweise guter schulischer Voraussetzungen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nahezu chancenlos sind. Sie sind zwar in der Regel sehr motiviert, ihren Platz in der Arbeitswelt zu finden, dies gelingt ihnen aber meist nicht ohne Unterstützung. Beim Übergang von der Schule in den Beruf ergeben sich Schwierigkeiten, da nun neue Anforderungen gestellt werden hinsichtlich »Soft Skills« wie Selbstständigkeit, Flexibilität, Zeit- und Stressmanagement, kommunikative Kompetenzen, Umgang mit Konflikten und ein angemessenes Sozialverhalten. Zudem wächst der Erwartungsdruck kontinuierlich, in immer kürzerer Zeit muss ein stetig steigendes Arbeitspensum bewältigt werden. Auch gilt es, sich gegenüber Kollegen und Vorgesetzten zu behaupten.
Auch wenn es ihnen gelingt, eine Berufsausbildung erfolgreich abzuschließen, sind die Chancen, anschließend eine passende Arbeitsstelle zu finden, sehr gering.
Diese schwierige Situation erklärt die Tatsache, dass die meisten autistischen Menschen Unterstützung im Bereich Arbeit und Beruf für sich als sehr wichtig erachten (Preißmann 2007). In diesem Kapitel kommen exemplarisch zwei Menschen mit Asperger-Syndrom zu Wort, die über sehr unterschiedliche Berufswünsche und -vorstellungen berichten, ein junger Mann mit mittlerem Bildungsabschluss und eine Frau mit abgeschlossenem Hochschulstudium. Ihre Berichte sollen die Vielfalt an Möglichkeiten auch für autistische Menschen aufzeigen, aber sie sollen auch dokumentieren, wie viele unterschiedliche Faktoren zu beachten sind und wie wichtig es ist, die Hilfsmaßnahmen individuell anzupassen, um zum Erfolg zu kommen.
Autistische Menschen erhoffen sich insbesondere Unterstützung beim Knüpfen von Kontakten zu potenziellen Arbeitgebern und beim Finden einer für sie geeigneten Arbeitsstelle. In mancher Hinsicht sind sie auch nahezu perfekte Arbeitnehmer. Sie sind in der Regel pünktlich und zuverlässig, legen keinen großen Wert auf häufige gemeinsame Pausen mit Arbeitskollegen, sondern bleiben lieber an ihrer Arbeit.
Oft wollen sie dabei ein akkurates und bestmögliches Ergebnis erzielen. Häufig werden aber ihre Fähigkeiten durch die bestehenden Defizite z. B. im sozialen und kommunikativen Bereich überlagert, sodass es oft gar nicht gelingt, die bestehenden Ressourcen zu erkennen und zu fördern.
Die Tatsache, nicht gebraucht zu werden, bedeutet für viele Menschen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, Frustration und Depression. Für Menschen mit Autismus verschärft sich diese Situation noch, da sie nicht über adäquate Kompensationsmöglichkeiten in Freizeit oder Privatleben verfügen. Sie haben meist keine Möglichkeit, Verständnis und Unterstützung in einer funktionierenden Partnerschaft zu erhalten. Ein Leben ohne äußere Struktur durch die tägliche Arbeit ist für sie oft mit Langeweile verbunden, die in der Regel dazu führt, dass sie sich verstärkt ihren Spezialinteressen widmen und in Stereotypien verfallen, da ihnen die Anregung fehlt, was sie stattdessen tun könnten. Dies beschreiben sowohl Nicole Höhlriegel als auch Kilian Sterff in ihren Texten.
Mein Weg zum Mediengestalter in Bild und Ton
Kilian Sterff
Meine Suche nach einer Berufsausbildung war ein sehr langwieriges Unterfangen, bei dem ich viel Glück hatte. Ich habe mehrmals die richtigen Leute zur richtigen Zeit getroffen, die mir weiterhelfen konnten, bis ich schließlich einen Ausbildungsplatz bekam. Es waren allerdings auch viel Unsicherheit und Angst vor der Zukunft dabei, weil es lange Zeit keine feste Perspektive für mich gab, sondern nur viele Empfehlungen für diverse Praktika.
Zu Beginn der zehnten Klasse im Gymnasium war abzusehen, dass ich es bis zum Abitur nur mit extremem Aufwand meinerseits und meiner Eltern schaffen würde. Intelligent genug wäre ich gewesen, aber ich hatte große Probleme mit »sozialen« Fächern wie Geschichte, Sozialkunde und auch Wirtschafts- und Rechtslehre, weil ich all die Zusammenhänge nicht einordnen und nachvollziehen konnte. Ich war zudem noch recht verträumt in meiner eigenen Welt und zeigte nicht immer von mir aus Interesse für neue, mir unbekannte Dinge. Textverständnis war schon immer eine gewisse Schwäche von mir, weil ich einen Text als solchen zwar lesen kann, ihn aber inhaltlich oft nicht verstehe, wenn ich nichts damit verbinde. Meine Eltern und ich hätten auf jeden Fall sehr viel Mühsal gehabt, bis ich vielleicht das Abitur erreicht hätte.
Mein Spezialinteresse war seit meinem siebten Lebensjahr alles, was mit der Bearbeitung von Bild und Ton zu tun hatte. Es kamen also nur Berufe wie Cutter, Kameramann oder Tontechniker infrage.
Wir hatten aber schon vorher den Entschluss gefasst, dass ich nach der Mittleren Reife die Schule verlassen würde. Ich war fasziniert von Videoschnitt und Tonbearbeitung, kurzum allem, was irgendwie mit der Bearbeitung von Bild und Ton zu tun hatte. Das war seit meinem siebten Lebensjahr mein Spezialinteresse, dem ich mich mit autismuseigener Ausschließlichkeit hingab. Ich besaß eine digitale Videokamera und einen Computer mit Schnittsoftware und beschäftigte mich mit der Erstellung und Bearbeitung von Videos. Bei der Frage nach dem Berufswunsch kamen wir daher immer mehr zu dem Schluss, dass nur Berufe wie Cutter, Kameramann, Tontechniker oder ähnliche Tätigkeiten im Medienbereich infrage kommen konnten. Ich war körperlich unbeholfen, feinmotorisch nicht sehr geschickt und in allen Bereichen, die nicht mit meinem Spezialinteresse zusammenhingen, langsam in der Auffassung. Also ging ich frühzeitig zum Arbeitsamt und wollte mich beraten lassen, wo es denn nach der Schule Chancen für mich geben könnte, einen Weg in der Medienwelt einzuschlagen.
Der Besuch beim Arbeitsamt war ernüchternd
Dort wollte man sich meines Problems erst gar nicht annehmen. Die Mitarbeiter hatten anscheinend sehr pauschale Vorstellungen von Autismus und waren der Überzeugung, dass ich mich niemals für einen Beruf im Medienbereich eignen würde. Man sagte mir, dafür müsste ich extrem flexibel und stressresistent sein, da in diesem Beruf vieles in sehr kurzer Zeit und sehr hektisch geschehe. Außerdem ist ein Medienberuf immer mit sehr viel Kommunikation verbunden, da man sowohl als Cutter als auch als Kameramann und Tontechniker in jedem Fall viel mit Arbeitskollegen kommunizieren muss, damit die gewünschten Ergebnisse von allen Beteiligten richtig umgesetzt werden können. Man hatte von Autismus offenbar die Vorstellung, dass die betroffenen Menschen kaum mit anderen Leuten kommunizieren können, vieles falsch verstehen, sich sozial schwer einbinden lassen und auch mit Stress nicht umgehen können.
Meine Eltern und ich waren zweimal beim Arbeitsamt, und zwei verschiedene Berater wollten uns nachdrücklich von meiner Vorstellung abbringen, einen beruflichen Weg in die Medienwelt zu suchen. Sie wollten uns nicht helfen und mich auch nicht weitervermitteln. Einer der Berater sagte in meinem Beisein zu meiner Mutter: »Vergessen Sie es, Autisten sind ja noch schwerer zu vermitteln als Epileptiker.« Daraufhin entgegnete meine Mutter, es gebe ja das Behinderten-Gleichstellungsgesetz, welches vorschreibe, dass in jedem größeren Betrieb eine gewisse Zahl an behinderten Mitarbeitern angestellt sein müsse. Sie zitierte die Worte »… gemäß seinen Neigungen und Fähigkeiten« und verwies darauf, dass ich innerhalb meines Spezialgebietes mit meinem Perfektionismus und meiner großen Sachkenntnis meine Schwächen durchaus ausgleichen könnte und für jeden Arbeitgeber ein Gewinn wäre. Der Berater winkte nur lachend ab und entgegnete: »Ja, die Floskel gilt natürlich heutzutage längst nicht mehr. Sie müssen sich da immer den Nachsatz dazudenken: ›… sofern das mit den Interessen des Arbeitsmarktes in Einklang zu bringen ist.‹«
Der Berater beim Arbeitsamt meinte, ich solle in einem Lager oder in einer Gärtnerei arbeiten, das sei doch »etwas für autistische Menschen«.
Er erwähnte dann die Möglichkeit, in einem Lager oder in einer Gärtnerei zu arbeiten, das sei doch »etwas für autistische Menschen«. Zwar gab er uns halbherzig eine kleine Liste mit Kontaktadressen in der Medienbranche, legte mir dann aber eine Broschüre mit anderen Berufen in den Schoß und forderte mich auf, mir doch davon etwas auszusuchen. Ich begann darin zu blättern und war laut meiner Mutter sichtlich überfordert damit. Von den meisten Berufen hatte ich noch nie gehört, aber ich wusste auch nicht so recht, wie ich mit der Situation umgehen sollte. Ich war so in mich gekehrt und spielte im Kopf schon die nächsten Filmsequenzen durch, die ich an jenem Abend dann zu Hause basteln wollte, dass ich von all den Problemen mit dem Berater gar nicht viel mitbekommen habe. Meine Mutter war entrüstet und enttäuscht, aber ich habe von alledem nicht allzu viel wahrgenommen. Ich war der Ansicht, das würde schon irgendwie seine Richtigkeit haben und ändern könnte ich es sowieso nicht.
Der Berater sagte zu meiner Mutter: »Das ist doch Ihr Problem, wo Sie eine Ausbildung für Ihren Sohn finden, und nicht unseres!«
Meine Mutter beharrte in den folgenden Wochen noch mehrmals darauf, dass man uns beim Arbeitsamt weiterhelfen sollte. Einer der Beamten wurde am Telefon dann recht unverschämt zu ihr und meinte: »Das ist doch Ihr Problem, wo Sie eine Ausbildung für Ihren Sohn finden, und nicht unseres! Wir haben Ihnen gesagt, dass wir keinen Sinn darin sehen, ihn in die Medienbranche zu schicken, weil er dort keinen Fuß fassen wird. Deshalb sehen wir das als eine Fehlinvestition an. Wir bieten Ihnen die erwähnten Alternativberufe an. Suchen Sie doch selbst nach einer Ausbildung; wir zahlen dann, wenn Sie was auf eigene Faust gefunden haben.« Daraufhin wurde uns klar, dass es ein schwerer Weg in die Medienbranche werden würde. Uns wurde außerdem bewusst, dass es wohl keine Rolle spielte, ob ich Abitur oder »nur« mittlere Reife in der Schule erreiche. Beim Bayerischen Rundfunk gibt es jedes Jahr Hunderte Bewerber auf ein paar ganz wenige Ausbildungsplätze, und dabei werden selbst unter den Abiturienten nur die allerbesten herausgepickt, die auch noch Instrumente spielen und mehrere Fremdsprachen beherrschen müssen. Und in anderen Betrieben sehe es nicht viel besser aus, berichtete man uns. Uns wurde also klar, dass ich nur durch Beziehungen eine Nische in den Medien finden würde, in der ich mich weiterentwickeln könnte, und dass dabei der Schulabschluss nicht unbedingt von Relevanz sein würde.
Ich machte die mittlere Reife
Ich schloss also die Schule trotz einiger Schwierigkeiten im Sommer 2005 mit der mittleren Reife ab und erhielt ein passables Zeugnis. Zusätzlich zu den Leistungen in den einzelnen Fächern erntete ich im Zeugnis viel Lob und Anerkennung, da ich freiwillig in meiner Freizeit einige Arbeiten für die Schule verrichtet hatte, die den Bereich der Filmgestaltung betrafen. So dokumentierte ich eine Politikexkursion meiner Klasse und gestaltete sie als Filmbeitrag für die Homepage der Schule, ich bastelte eine kurze Videosequenz für eine Theateraufführung von »Die Welle«, der Theatergruppe meiner Schule, und führte zudem noch Mitschnitte von der einen oder anderen Schulveranstaltung durch, die ich der Schule auf DVD zur Verfügung stellte. Man merkte, wie sehr mich diese Aufträge ansprachen und welch großes Engagement ich dabei zeigte.
Praktikum beim Bayerischen Rundfunk
Durch Beziehungen konnten wir ein Praktikum beim Bayerischen Rundfunk für mich organisieren, welches nach den Sommerferien im September beginnen sollte. Geplant waren zunächst drei Wochen, zwei Wochen davon in der Tonbearbeitung und eine Woche im Filmschnitt. Ich war sehr interessiert und konnte in dieser Zeit viele Eindrücke über das Filmemachen fürs Fernsehen sammeln. Ich bekam öfter kleinere Aufträge, im Geräuschearchiv nach bestimmten Geräuschen zu suchen oder mal kleinere Stücke in einem Fernsehbeitrag selbst im Ton zu bearbeiten, Geräusche einzufügen und Ähnliches. Die Leute waren recht angetan von mir, allerdings war ich doch noch sehr zurückhaltend und in mich gekehrt. Die Woche im Filmschnitt war deutlich anstrengender, weil man mich dort einem Redakteur und seiner Cutterin anvertraute, die unter Zeitdruck einen Dokumentarfilm schneiden mussten und daher keine Zeit hatten, mir etwas zu erklären. Ich saß die ganzen acht Stunden auf der Rückbank im Zimmer und durfte zuschauen, aber außer den Monitor mit dem Bild habe ich nicht allzu viel gesehen. Ich habe auch keinen Einblick bekommen, wie genau der technische Ablauf ist, mit dem so ein Film geschnitten wird. Leider war der Raum auch noch sehr warm und stickig, sodass ich immer wieder einmal kurz einnickte. Natürlich hatte dies zur Folge, dass beim Abschlussgespräch mit meinen Eltern der Verdacht zur Sprache kam, ich sei nicht voll aufnahmefähig und nicht belastbar, weil ich immer wieder einschliefe, und außerdem sei ich viel zu zurückhaltend und würde dem enormen Stress dieser Arbeit wohl kaum standhalten können. Ich bekam zwar eine positive Bescheinigung, allerdings wurde meinen Eltern mitgeteilt, dass ich für diesen Beruf nicht wirklich geeignet sei und vor allem eine Berufsausbildung beim Bayerischen Rundfunk überhaupt nicht infrage komme. Ein Kollege der Tonabteilung, der mich die ganzen drei Wochen über sehr fürsorglich betreut hatte, bescheinigte mir jedoch eine große Begabung. Er gab mir die Kontaktadresse der »Music Support Group« (MSG), einer kleinen privaten Medienakademie in München, und empfahl mir, mich dort für eine Tontechnikausbildung zu bewerben.
Ausbildung zum technischen Tonmeister
Ich bekam dann dort tatsächlich einen Platz in einem entsprechenden Kurs und konnte die achtzehnmonatige Ausbildung in Teilzeit zum technischen Tonmeister besuchen. Ich hatte nur zweimal pro Woche Unterricht und daher viel Zeit, daheim den Stoff zu verinnerlichen und zu lernen. Nebenbei absolvierte ich in diesen eineinhalb Jahren einige Praktika. Bei allen Tätigkeiten war ich sehr interessiert, konnte viel Erfahrung im Berufsalltag sammeln und auch einiges über Tontechnik und Beleuchtung lernen, was mir heute noch in meiner jetzigen Ausbildung dienlich ist.
Nachdem die Ausbildung an der »MSG« vorüber war, standen wir vor demselben Problem wie unmittelbar nach Ende der Schulzeit. Ich bewarb mich bei der »Bayerischen Akademie für Fernsehen« in Unterföhring für einen Studienplatz im Filmschnitt und sandte eine Reihe von Arbeitsbeispielen ein. Ich kam in die engere Wahl und führte ein Vorstellungsgespräch. Wohl auch deshalb, weil ich etwas über ein Jahr jünger als die vorgegebene Altersgrenze war, bekam ich diesen Studienplatz nicht. Wiederum über viele Ecken (inzwischen bemühten sich nicht nur meine Eltern, sondern auch viele meiner »Arbeitgeber« während der letzten Jahre um Kontakte und Wege für mich) sprach man mir im September 2007 ein Praktikum in einer der Bavariafilm in München-Grünwald angegliederten Praktikantenagentur zu. Ich hatte dort kaum angefangen, als ich auf ein Angebot stieß, für ein Jahr in einer Postproduktionsfirma in Unterföhring zu arbeiten. Im Nachhinein stellte sich diese Arbeit als ziemlich stupide heraus, aber ich hatte ein kleines Gehalt, regelmäßige Arbeitszeiten und lernte einiges Technische dazu. Ich konnte vor allem meine Kenntnisse im Umgang mit Studiorekordern und dem Erstellen von Sendebändern fürs Fernsehen stark verbessern, was mir ebenfalls die Arbeit in meiner jetzigen Ausbildung einfacher macht.
Die Hauptsorge meiner Eltern bestand darin, dass ich irgendwann beschäftigungslos zu Hause sitzen und mangels Anregung von außen zurück in Stereotypien und Zwangshandlungen fallen könnte.
Anfang 2008 bestand meine Perspektive eigentlich nur darin, mich im Mai ein zweites Mal bei der Bayerischen Fernsehakademie für einen Studienplatz zu bewerben, was ich auch tat. Ich kam erneut in die engste Wahl, sagte aber aus unten erklärten Gründen das Gespräch ab. Seit Beendigung meiner Schulzeit waren über zwei Jahre vergangen. Die Hauptsorge meiner Eltern bestand immer darin, dass ich irgendwann beschäftigungslos zu Hause sitzen und mangels Anregung von außen zurück in Stereotypien und Zwangshandlungen fallen könnte. Alle Praktika stellten für mich einen Gewinn an Zeit dar, in der ich mich weiterentwickeln und Kontakte in »meiner Branche« knüpfen konnte.
Wie ich an meinen Ausbildungsplatz zum Film- und Videoeditor kam
In dieser Zeit hatten meine Eltern bei ihrer unermüdlichen Suche nach Perspektiven von einer kleinen Filmfirma erfahren, der »abm – Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien e.V.«, welche in München ansässig ist. Meine Mutter schrieb in meinem Namen eine Blindbewerbung und fragte an, ob man dort nicht irgendeine Art von Arbeit für mich hätte. Nach dem Motto »Frechheit siegt« erwähnten wir, dass uns ein Ausbildungsplatz zum »Film- und Videoeditor« natürlich noch lieber wäre. Auch zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht in der Lage, mich um Belange wie Bewerbungen oder Arbeitsplatzsuche selbst zu kümmern. Zu unserer Überraschung bekamen wir vom dortigen Chefcutter Antwort mit der Bitte um etwas Geduld – und ein paar Tage später einen Vorstellungstermin. Dabei erläuterte er uns, man habe selbst keine Beschäftigung für mich und der Betrieb habe auch noch nie ausgebildet. Da unser Gesprächspartner aber in der Prüfungskommission für das Fach »Film- und Videoeditor« bei der IHK ist und ihn »meine« Bewerbung sehr berührte, beantragte er bei der IHK, extra für mich einen entsprechenden Ausbildungsplatz einrichten zu dürfen. Der Geschäftsführer sah sich während des Gesprächs wohlwollend nickend meine Bewerbungsmappe mit der großen Zahl von Zeugnissen und Bescheinigungen an. Pro forma wurden ein paar Tage zur Probe und zum genaueren Kennenlernen vereinbart, aber noch bevor diese stattfanden, sagte man mir eine Ausbildung ab September 2008 zu.
Die Arbeitsagentur stellte sich wieder quer
Kurze Zeit später sprachen wir wieder in der Arbeitsagentur vor. Da ich Rehastatus besitze, würde die »abm« einen Teil der Ausbildungskosten von der Arbeitsagentur bekommen, und man hatte uns ja empfohlen, selbst eine Ausbildung für mich zu suchen. Die diesmal zuständige Dame war nun aber alles andere als erfreut darüber. Wir könnten doch nicht einfach einen Ausbildungsvertrag abschließen, ohne das vorher mit der Agentur abgesprochen zu haben. Und mit einer Ausbildung in einem Medienberuf wäre man keinesfalls einverstanden gewesen. Man bot einen lächerlich geringen Zuschuss für die abm an. Erst die Intervention der damaligen Behindertenbeauftragten der bayerischen Staatsregierung zog ein Umdenken der Arbeitsagentur nach sich.
Ein Notendurchschnitt von 1,5 in der Berufsschule nach dem ersten Lehrjahr und mein großes Interesse auch an Kamera und Ton veranlassten meine Lehrer, mir einen Ausbildungswechsel nahezulegen: Anstelle des »Film- und Videoeditors« sollte ich den höherwertigen Abschluss als »Mediengestalter in Bild und Ton« machen. Meine Ausbildungsfirma war von der Idee ebenfalls sehr angetan, und so wurde dieser Wechsel ziemlich unbürokratisch vollzogen.
Im Sommer werde ich dann also meine Abschlussprüfung ablegen. Bereits jetzt werde ich aber wieder unruhig, wie es dann weitergehen soll. Mein Betrieb ist außerordentlich zufrieden mit mir und möchte mich gerne übernehmen, ist aber aufgrund der Rezession in einer finanziellen Schieflage. Der freie Markt in der Medienbranche ist hart umkämpft, und meine Fähigkeiten liegen mehr im fachlichen Bereich als im Knüpfen von Kontakten und Pflegen von Seilschaften. Und an eine konstruktive Hilfe der Arbeitsagenturen wage ich nach den letztjährigen Erfahrungen nicht mehr zu glauben. Ich hoffe trotz allem, dass man sich in der Firma nach dem Abschluss meiner Ausbildung um Lösungswege für meine berufliche Zukunft bemühen wird.
Menschen mit Autismus arbeiten in der Regel exakt und genau, sind pünktlich und zuverlässig.
Wenn sie ihre Kompetenzen ausspielen können, werden sie zu unglaublich wertvollen Mitarbeitern.
Ich bin Fachärztin für Innere Medizin
Bereits während der Schulzeit bestand mein Tagesablauf und somit der Rahmen meines Lebens aus dem Stundenplan. Zu Beginn eines Schuljahres erarbeitete ich mir diesen Rahmen. Ich malte ihn auf die Innenseite meines Schulordners, genau nach Zeitablauf und Wochentag sortiert. Für jede Stunde des Tages gab es einen Inhalt. Nicht nur die Schulfächer, sondern auch meine sonstigen Aktivitäten standen dort (Volleyballtraining, Turntraining, Nachhilfe geben, Oma besuchen …).
Ich arbeitete mit Stundenplan und Skripten
Das Studium lief nach dem gleichen Schema ab. Bereits vor dem Semester bastelte ich meinen Stundenplan und bereitete die einzelnen Inhalte vor. Vor der ersten Vorlesung musste ich auf meine Art die Lerninhalte erarbeitet haben. Hierfür ging ich in die Universitätsbibliothek und schrieb meine Skripte mit verschiedenen Farben auf unterschiedliche Papiere, sortiert nach meiner Einordnung der Themen. Parallel zu den Vorlesungen wiederholte ich meine Skripte und konnte mit den Kursen und Praktika Verständnislücken füllen. Ein alleiniges Lernen anhand der normalen Semesterinhalte wäre für mich nicht denkbar gewesen, denn die Vorlesungen waren von vielen unabsehbaren Hürden umgeben (Weg zur Uni, Laune der Mitstudenten, Stress in der Mensa, schlaflose Nacht wegen Krach im Wohnheim usw.). Auch verstehe ich Geschriebenes viel leichter als den Inhalt eines (leider oft unstrukturierten) Vortrages.
Der fachliche Inhalt des Studiums war relativ einfach zu bewältigen – sehr schwierig war allerdings das ganze Drumherum, denn ich durchschaute viele der sozialen und universitären Regelungen nicht.
Insgesamt gesehen war für mich der fachliche Inhalt des Studiums relativ einfach zu bewältigen – sehr schwierig war allerdings das ganze Drumherum, denn ich durchschaute viele der sozialen und universitären Regelungen nicht. Wo andere längst über Prüfungsinhalte und -zeiträume informiert waren, war ich häufig erstaunt über diese Informationen und erfuhr oft nur zufällig von Vorbereitungskursen und Anmeldefristen. Trotz meiner Andersartigkeit gab es aber fast immer nette Menschen, die mir über die größten Hürden hinweghalfen. Daraus haben sich später auch echte Freundschaften entwickelt. Bei einer Kommilitonin durfte ich sogar Trauzeugin sein. Mittlerweile hat sie zwei süße Kinder, und ich mag die ganze Familie sehr. Ohne solche Menschen wäre mir ein Leben als Autistin in einem so vielseitigen Studium wie der Humanmedizin (Theorie, Praxis, verschiedene Standorte, Praktika an verschiedenen Kliniken innerhalb und außerhalb Deutschlands, Aufenthalt in einem Entwicklungsland, Promotion in der Forschung und vieles andere mehr) kaum möglich gewesen. Im Nachhinein betrachtet, wurde mir fast immer die Möglichkeit gegeben, Fragen zu stellen und auch mehrfach um Antworten zu bitten. Sogar meine zwischenzeitlichen »Ausraster« und predigtartigen Monologe wurden mir anscheinend nicht allzu übel genommen.
Zu Tumorpatienten, die von außen oft als schwierig angesehen werden, habe ich einen besonderen Draht.
Insgesamt machte mir das Studium – besonders der fachliche Teil – sehr viel Spaß, und ich finde es noch heute sehr schade, dass man sich innerhalb des großen Gebietes der Medizin nur sehr kleine Teilbereiche detailliert aneignen kann. Am Ende entschied ich mich für die Innere Medizin, denn dies schien mir trotz der Spezialisierung das breiteste Fachgebiet zu sein. Die Möglichkeit des Zusammensetzens einer Erkrankung aus vielen Puzzleteilen (Anamnese, körperliche Untersuchung, technische Methoden und viele indirekte Krankheitszeichen) finde ich noch heute sehr spannend. Ich glaube, dass genau dies mein Spezialgebiet innerhalb meiner autistischen Wahrnehmung ist. All der Stress rund um Schule und Studium hat sich aus heutiger Sicht gelohnt für das Ziel, meinen Beruf, den ich als Berufung empfinde, ausüben zu dürfen.
Bereits vor Beginn meines Studiums (im Pflegepraktikum) »landete« ich in der Versorgung von Tumorpatienten. Bis heute bin ich hauptsächlich mit dieser Patientengruppe und diesen Krankheitsbildern beschäftigt und bin mir mittlerweile sicher, dass das kein Zufall ist. Tumorpatienten haben aus meiner Sicht sehr viele Probleme, die auch autistischen Menschen bekannt sind. Dies wurde mir nach meiner Diagnose plötzlich klar und erklärte meinen Draht zu diesen von außen oft als schwierig angesehenen Patienten. So besteht während der Chemotherapie häufig eine veränderte und intensivere Wahrnehmung von Geruch und Geschmack. Viele Autisten bemerken genau dies auch bei sich selbst als besondere Fähigkeit, manchmal aber auch als Beeinträchtigung. Seltsamerweise beschreibe ich den »Geschmack« mancher Chemotherapeutika ebenso wie meine Patienten. Diese sind oft zunächst verwundert, dass ich das wahrnehme – im Gegensatz zu nicht autistischen Kollegen. Somit kann ich die negativen Empfindungen, die meine Patienten unter der Therapie haben, zumindest ein wenig nachfühlen. Oft ergeben sich aus solchen Situationen sehr bereichernde Gespräche für beide Seiten, denn es gibt eine Basis, die nur wenige Menschen teilen.
Mit dem Start ins Berufsleben erfüllte sich einerseits mein Traum, Ärztin sein zu dürfen, andererseits kam ich aber auch in der Realität der Leistungsgesellschaft an. Somit kann ich für den Beruf nur beide Seiten darstellen: die positive, die meinem Leben mit Behinderung einen Sinn verleiht, und die negative, die durch die Ansprüche des Alltags für mich kaum zu leistenden Inhalte.
Einen passenden Arbeitsplatz finden
Insgesamt denke ich, dass es den passenden Beruf für Autisten nicht gibt. Jeder von uns ist, wie jeder andere Mensch auch, ein Individuum mit verschiedenen Begabungen und Interessen. Somit halte ich es für wesentlich, etwas zu verfolgen, was einen interessiert. Es kann durchaus problematisch sein, das mit einem konventionellen Beruf in Einklang zu bringen – aber mit Kompromissen sollte dies in vielen Fällen möglich sein. Jeder muss im Rahmen seiner Ausbildung und seines Berufes auch schwierige und ihm nicht immer angenehme Inhalte absolvieren. Vielleicht sollte man das als Herausforderung annehmen. Ich kenne viele Autisten, die zeigen, dass es in fast allen Berufsfeldern möglich sein kann, erfolgreich tätig zu werden (z. B. Fahrradhändler, Lehrer an Gymnasium und Berufsschule, Forscher im medizinischen Labor, IT-Fachkraft, Bäcker, Geologe, Jurist, Ingenieur, Bibliothekar, Mathematiker, Pharmakologe, Dolmetscher). Wenn man seine Interessensgebiete kennt, ist vermutlich die Basis gelegt. Im Laufe des Ausbildungs- und Berufslebens kommt es aus meiner Sicht viel mehr auf die Rahmenbedingungen als auf den fachlichen Arbeitsinhalt an. Ich halte die meisten Autisten für fachlich gut qualifiziert und interessiert, und wenn es der äußere Rahmen ermöglicht, werden sie gewissenhaft und verantwortungsbewusst arbeiten.
Ich brauche manchmal »Umwege«, um meine fachliche Leistung zu bringen. Leider sind diese für andere nicht immer nachvollziehbar, unverständlich und vielleicht sogar störend.
Die Arbeitsbedingungen sind also das Haupt- und ein Dauerproblem, und ich befürchte, dass dies die größte Hürde für einen Menschen mit Autismus darstellt. Hieran scheitern viele (auch Menschen mit anderen Behinderungen), denn es ist schwierig, in der schnelllebigen und leistungsorientierten Gesellschaft mitzuhalten, wenn man »Umwege« gehen muss. Für mich selbst kann ich sagen, dass ich solche Umwege brauche, um meine fachliche Leistung zu bringen. Leider sind sie jedoch für andere nicht immer nachvollziehbar, unverständlich und vielleicht sogar störend, sodass ich verstehen kann, dass dies nur in gewissem Maße (in manchen Arbeitssituationen gar nicht) toleriert werden kann.
Seit meiner Diagnosestellung bemerke ich, dass es leichter wird, wenn man wenigstens selbst die Wege versteht, die zum Ziel führen. Zumindest hat es mir dazu verholfen, dass ich es akzeptieren konnte, wenn ich für manche Dinge mehr Zeit, den Rückzug in einen ruhigen Raum oder gar ein Hilfsmittel (oft in Form selbst erstellter Skripte) benötigte, wo andere ganz selbstverständlich ihre Arbeit erledigten. Beispielsweise lenkte mich das Radio im Stationsstützpunkt sehr ab, und ich war nicht in der Lage, bestimmte Tätigkeiten konzentriert durchzuführen, während die Musik lief. Seit ich bewusst eine ruhige Ecke auf Station aufsuche, um bestimmte Arbeiten zu erledigen, bemerke ich, dass ich weniger Energie dafür brauche und weniger genervt bin. Andererseits ist mir klar geworden, dass in einem Arbeitsumfeld, wo ein laufendes Radio von der Mehrheit gewünscht wird, ich als Einzelfall keine dauerhafte Lösung finden kann. Vermutlich muss ich mir einen Arbeitsplatz ohne Radio suchen.
Der Umgang mit den vielen Kollegen fällt mir schwer
Für mich ist es nicht leicht, mit etwa 40 ärztlichen Kollegen zu arbeiten. Hinzu kommen sehr viele Pflegekräfte, die Reinigungs- und Transportteams und viele andere im Krankenhaus beschäftigte Menschen, mit denen man tagtäglich zu tun hat und die meiste Zeit seines Lebens verbringt. Es gab schon immer Dinge, die mir im täglichen Miteinander schwerfielen, und besonders schwierig wird es, wenn die berufliche Interaktion plötzlich mit privaten Anlässen verknüpft wird. Sei es der Betriebsausflug, das gemeinsame Skiwochenende oder die nett gemeinte, mich aber komplett überfordernde Einladung zur Hochzeit einer Arbeitskollegin: Wie sagt man ab, wenn man spürt, dass man die Erwartungen nicht erfüllen kann und gleichzeitig höflich sein möchte? Am schlimmsten dabei ist, wenn man selbst nicht genau weiß, warum man einer nett gemeinten Einladung nicht nachkommen kann. Einfacher wurde es für mich, als ich dank der Autismusdiagnose verstand, was das Problem war. Leider war meine schriftliche Absage mit dem Versuch einer Erklärung dennoch für meine Kollegin nicht wirklich zu verstehen. Dies führte dazu, dass der Umgang miteinander noch schwieriger wurde und auch die Arbeit belastete.
Mir ist sehr wohl bewusst, dass der Umgang mit mir eine Herausforderung für alle darstellt und dass viele durch mich entstandene Situationen energieraubend und mühsam waren.
Insgesamt gehören die Arbeitskollegen zu den Rahmenbedingungen des Jobs, die man nur in geringer Weise beeinflussen kann. Vielleicht wird es in Zukunft, wenn autistische Störungen bekannter werden, einfacher, auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen zu verbessern. Ob es aber in einem so großen Betrieb wie der internistischen Station eines Krankenhauses je möglich sein wird, ein Nebeneinander oder vielleicht sogar ein konstruktives Miteinander von Menschen mit verschiedenen Wahrnehmungen zuzulassen, bleibt abzuwarten. Gemeinsam mit meinem Chef und einem der Oberärzte kämpfe ich seit der Bekanntgabe meiner Diagnose um die Möglichkeit für ein gemeinsames Arbeiten und ein besseres Verständnis. Es ist für alle Beteiligten mühsam.
Allgemein wäre es wünschenswert, wenn es im beruflichen Umfeld einen Ansprechpartner gäbe, der beide Sichtweisen nachvollziehen und ordnen könnte. Auch als Sprachrohr, um kommunikative Hindernisse zu überwinden, wäre ein solcher Mensch sehr wertvoll. Im Alltag der vielfältigen Berufswelt ist dies derzeit aber vielfach ein Wunschtraum. So liegt es an jedem Menschen und besonders an Menschen mit Beeinträchtigungen selbst, im eigenen Umfeld für Verständnis und Miteinander zu werben. Leider sind wir Autisten diesbezüglich nicht allzu begabt und mit unserer direkten und oft fordernd und kompromisslos erscheinenden Art politisch nicht ganz glücklich im Vorgehen. Von dieser Stelle aus kann ich meinen Kollegen und Vorgesetzten nur versuchen zu erklären, dass ich zwar oft aus Überforderung, Verzweiflung und Stress heraus Dinge fordere und anmahne, aber insgeheim und in ruhiger Stunde zu Hause doch sehr froh bin über alles, was mir der bisherige Berufsalltag an Chancen und Möglichkeiten gegeben hat. Mir ist sehr wohl bewusst, dass der Umgang mit mir und meinen Verhaltensweisen eine Herausforderung für alle darstellt und dass viele durch mich entstandene Situationen energieraubend und mühsam waren.
Seit ich versuche, mich in die vermutlichen sozialen Vorstellungen von Nichtautisten hineinzudenken, kann ich ein bisschen nachvollziehen, wie merkwürdig manches erschien.
Ich weiß heute, dass die im Berufsalltag erzwungene Interaktion zwischen zwei Menschengruppen, welche eine komplett verschiedene Wahrnehmung haben und damit auch unterschiedliche Verhaltensweisen zum Erreichen von Zielen benutzen, fast immer zu Missverständnissen und in der Folge zu Vorurteilen oder gar Verurteilungen führt. Viele meiner schlaflosen Nächte entstanden dadurch, dass ich Alltagssituationen im Beruf anders beurteilte, als dies ein Nichtautist tun würde. Alles, was ich beurteile, unterliegt meinen eigenen Wertevorstellungen und meinen eigenen – auch von bisherigen Erfahrungen geprägten – Interpretationen. Seit ich versuche, mich in die vermutlichen sozialen Vorstellungen von Nichtautisten hineinzudenken, kann ich ein bisschen nachvollziehen, wie merkwürdig und unpassend manche meiner Handlungen und Aussagen angekommen sein müssen. Es fällt mir sehr schwer, die Gedanken- und Wahrnehmungswelt von Nichtautisten nachzuvollziehen, denn sie scheint von Smalltalk und Oberflächlichem geprägt zu sein, und dies sind Dinge, bei denen mir eine intuitive Einordnung nicht möglich ist. Ich kann nur versuchen, sie rational zu verstehen. Zusätzlich ist mir diese Wertevorstellung sehr fremd, und ich kann auch im Nachhinein sagen, dass ich die Dinge, die ich in meiner Naivität oft aussprach, meist wirklich so gemeint habe und inhaltlich noch immer so meine. Heute weiß ich, dass es zum Teil cleverer wäre, manche Sachverhalte und Meinungen unkommentiert stehen zu lassen. Hierfür ist allerdings ein sehr großer Energieaufwand nötig, denn es fällt mir schwer, meinen Mund zu halten. Oft ärgere ich mich im Nachhinein über mein »Blubbern«, aber in dem betreffenden Moment muss einfach das heraus, was ich denke. Vermutlich ist durch genau dieses Verhalten von meiner Seite in der Arbeitsumgebung häufig eine provozierende Situation entstanden. Im gegenseitigen Unverständnis wurde mir dies als Uneinsichtigkeit, Besserwisserei oder Arroganz ausgelegt. Dass ich nur meine Meinung zum jeweiligen Thema mitteilen wollte, meist ohne überhaupt zu bemerken, dass ich jemandem auf den Schlips trat, wurde nicht verstanden.
Vielleicht kann in Zukunft durch offeneren Umgang mit Behinderung und durch Verbesserung der Kommunikation ein einfacheres, konstruktiveres und entspannteres Miteinander erreicht werden. Vielleicht kann es dann auch gelingen, dass ich meine andere Wahrnehmung erkläre und in manchen Situationen sogar gewinnbringend einsetze.
Der Umgang mit Vorgesetzten
Für mich war es schon immer einfacher, mit älteren Menschen umzugehen. Bei Gleichaltrigen gab es häufig Probleme. So verhält es sich, wenn es um fachliche Inhalte geht, auch mit Vorgesetzten. Meist kommt es zu interessanten Diskussionen, und dies macht für viele Autisten den Arbeitsinhalt aus. Problematisch kann es werden, wenn der Autist auf seiner fachlichen Meinung besteht. Dies kann auch vor Vorgesetzten passieren, die sich dann eventuell angegriffen und durch die beharrliche Art der Meinungsäußerung auf den Schlips getreten fühlen. Häufig beschäftigt sich ein Autist sehr intensiv mit seinem Lieblingsthema und weiß wirklich gut Bescheid, was aber im Umgang mit Vorgesetzten oft unangemessen und nicht immer erwünscht ist.
Im Rahmen meiner Facharztweiterbildung gab es immer wieder Gespräche und Diskussionen um die Weiterbildungsplanung. Für mich waren viele Abläufe und Zeitpläne nicht nachvollziehbar, und noch verunsichernder waren Äußerungen wie »… das entscheiden wir dann, wenn es so weit ist«. Am liebsten wäre mir für eine sinnvolle und strukturierte Vorbereitung direkt zu Beginn der Tätigkeit ein Plan mit genauen Zeitangaben und Inhalten gewesen. Dies war jedoch nicht möglich und führte bei jedem Mitarbeitergespräch, das einmal im Jahr stattfand, zu erneutem Fragen meinerseits und ungenauen Antworten durch meinen Chef. Ich konnte und kann bis heute nicht nachvollziehen, wie es Nichtautisten egal sein kann, wann was in welcher Form stattfindet. Ich selbst litt sehr unter der Unsicherheit und zweifelte regelmäßig auch meine fachlichen Fähigkeiten an; so redete ich mir jedes Jahr stärker ein, dass ich bestimmte Inhalte aufgrund von Inkompetenz nicht machen darf. Dass meist organisatorische Gründe die Ursache waren, konnte ich nicht verstehen.
Mir brachte die Mitteilung der Autismusdiagnose am Arbeitsplatz nur Nachteile
Bezüglich der Mitteilung der Autismusdiagnose an Vorgesetzte habe ich noch keine eindeutige Meinung. Einerseits spürte ich immer, dass ich mit manchen – meist nicht direkt fachlichen – Arbeitsinhalten überfordert war. Durch Mitteilung der Behinderung erhoffte ich mir eine Erleichterung in diesen Bereichen, besonders in interaktiven Arbeitssituationen. Andererseits mache ich seit der Mitteilung der Diagnose in meinem Arbeitsumfeld viele unangenehme und energieraubende Erfahrungen, sodass ich derzeit immer wieder daran zweifle, ob mein Vorgehen richtig war. Dies muss also im Einzelfall und abhängig von der jeweiligen Arbeitssituation entschieden werden. Auch bei einem Neuanfang an einer Arbeitsstelle muss gut abgewogen werden, ob die eventuellen Vorteile durch die offizielle Schwerbehinderung die Vorurteile und die damit verbundenen Schwierigkeiten überwiegen. Autismus ist leider weiterhin weitestgehend unbekannt und wird immer noch falsch eingeschätzt, und ein Einarbeiten in dieses Thema ist den meisten Vorgesetzten und Arbeitskollegen nicht möglich.
Mit der Mitteilung der Diagnose erhoffte ich mir eine Erleichterung in interaktiven Arbeitssituationen. Was leider nicht eintrat, stattdessen wurde ich trotz Facharzttitel zu Anfängertätigkeiten degradiert.
In meinem Fall führte die Mitteilung der Diagnose bislang nicht zur Vereinfachung der beruflichen Situation. Die Tatsache, dass ich konkret mich beeinträchtigende Rahmenbedingungen nennen konnte (lautes Radio, täglich anders verräumte Gegenstände auf dem Schreibtisch, kurzfristige Bereichszuteilungen, ungeplante Dienständerungen, häufige Telefonanrufe zu Hause bezüglich beruflicher Inhalte) und die Bitte um Berücksichtigung dieser Punkte bei weiteren Planungen halfen nicht. Im Gegenteil, die bestehenden funktionierenden und geplanten Strukturen wurden sehr kurzfristig geändert. Ich wurde im Dauertagdienst eingesetzt; somit genau dann, wenn am meisten »Soziales« zu tun war und ich mit den meisten Menschen gemeinsam unter sehr reizintensiver Umgebung arbeiten musste. Meine Fähigkeiten, die ich besonders in reizarmer und geordneter Umgebung effektiv einsetzen kann, wurden mir dadurch von einem Tag auf den anderen genommen.
Ich kann nicht verstehen, warum die Zuordnung des Begriffs Autismus zu meinen Schwächen und Fähigkeiten ad hoc zu diesen Veränderungen führte, obwohl ich der gleiche Mensch bin wie zuvor und der Autismus so angeboren ist wie jede meiner sonstigen Eigenschaften auch. Mit der Mitteilung der Diagnose wurde ich trotz Facharzttitel zu Anfängertätigkeiten degradiert. Dass mir diese besonders schwer fielen (wegen der Rahmenbedingungen), wurde dann insoweit fehlinterpretiert, dass man mir nicht einmal dies mehr zutraute und mich als »krank« nach Hause schickte. Dass das plötzliche komplette Umstellen meines Arbeitsinhaltes und -rahmens mich weiter kaputt machte, war für meine Vorgesetzten und Kollegen nicht nachzuvollziehen.
Mit diesem Beispiel möchte ich zeigen, dass es für beide Seiten (die betroffenen erwachsenen Autisten und das Umfeld einschließlich Arbeitgeber) dringend notwendig ist, Strukturen zu schaffen, um ein Miteinander zu ermöglichen. Ansonsten befürchte ich, dass die Ausgrenzung im Prinzip arbeitsfähiger Menschen immer weiter voranschreiten wird. Umgekehrt aber denke ich, dass bei Änderung einiger Rahmenbedingungen, was selbst in komplexen Arbeitsbereichen zumindest teilweise möglich wäre, auch auf offizieller Basis ein Autist sehr leistungsfähig sein kann.
Karriereplanung – es ist alles möglich
Ich möchte dazu sagen: »Es ist alles möglich«, man sollte seine Ziele und Träume verfolgen. Oft ist hierbei für Autisten der Energieaufwand im Vergleich zu Nichtautisten ungleich höher, aber nach dem Erreichen der Ziele oder Zwischenziele sind wir häufig auch zufriedener als andere Menschen.
Mir wurde bereits während der Schulzeit sehr häufig prophezeit, dass aus mir »nichts werden kann«, dass ich dies alles nie kapieren würde und dass ich mich »sowieso zu blöd für alles« anstelle – aus heutiger Sicht kann ich darauf antworten: Ich bin mit Mitte Dreißig Fachärztin für Innere Medizin und habe sogar für Normalo-Ansprüche einen ordentlichen Lebenslauf. Zusätzlich habe ich mittlerweile erkannt, was es bedeutet, stets seinen eigenen Weg selbst erfinden zu müssen und nicht von den allgemein üblichen Vorgehensweisen profitieren zu können. Auf das Bestehen gegen all die von außen unbewusst aufgestellten Hürden bin ich inzwischen stolz. Denn ich habe meine Ziele erreicht in einer Welt, deren Sprache und Wahrnehmung mir fremd sind und deren Handwerkszeug des Alltags ich mir mühsam aneignen musste.
Für die Zukunft und die Karriere von Autisten würde ich mir wünschen, dass auch sie all dies erreichen dürfen, in ihrer eigenen Sprache und Wahrnehmung und mit viel weniger Energieaufwand. Dann bin ich mir sicher, dass wirklich alles möglich ist.
Obwohl sich viele erwachsene Autisten (die oft selbst nicht einmal wissen, warum die Welt um sie herum so »verkehrt« ist, da die Diagnose noch immer viel zu häufig übersehen wird) aufgegeben haben, möchte ich an den Glauben an ihre Fähigkeiten appellieren. Ich bin überzeugt davon, dass es sich lohnt, weiterhin für ein Miteinander zu kämpfen. Wir sind nicht so unfähig, wie wir oft dargestellt werden. Wir sehen die Dinge einfach anders, aber nicht falsch. Wir tun vieles auf einem anderen Weg – aber wer darf bestimmen, welches der richtige Weg ist?
Stress bewältigen – eigene Entspannungstechniken finden
Vermutlich besteht in jeder Arbeits- und Berufssituation für einen Autisten Stress, denn alle Tätigkeiten finden in einem für nicht autistische Menschen konzipierten Umfeld statt und nach einem Schema, welches mehr auf sozialer Intuition als auf logischer Herangehensweise basiert. Somit wird fast jeder Arbeitsalltag für einen autistischen Menschen energieraubender sein als für Nichtautisten. Durch Anpassung der Rahmenbedingungen, soweit dies möglich ist, kann ein Teil des Stresses reduziert werden. Wenn der Autist von seinen Einschränkungen und Schwierigkeiten weiß und es lernt, stressvermeidende Verhaltensweisen anzuwenden, kann in gewissen Grenzen ein Arbeiten unter den normalen Bedingungen möglich werden. Nach meiner Erfahrung ist aber ein solcher Arbeitstag dennoch sehr mühsam. Die zum Teil im fachlichen Bereich bestehenden Vorteile bleiben wegen der sozialen Hürden oft im Hintergrund. Insgesamt erscheint es mir nötig, dass man einen guten Stressbewältigungsmechanismus aufbaut. Seit vielen Jahren benutze ich dafür das Joggen. Meist laufe ich die gleiche Strecke (immer einfach am Fluss entlang), denn so spare ich Energie (auf neue Wege müsste ich mich mühsam konzentrieren, denn ich habe einen sehr schlechten Orientierungssinn). Durch die körperliche Belastung schaffe ich es, die sich im Arbeitsalltag angehäuften Gedanken (mein Freund nennt sie Hirnschwurbel, denn sie sind ungeordnet und ohne sinnvolle graduelle Abstufung) in eine Ordnung zu bringen. Erst mit einer gewissen Ordnung kann ich mich an die Erarbeitung von Lösungsstrategien für Probleme machen. Dabei ist es egal, ob es sich um komplexe soziale Schwierigkeiten oder die Vorbereitung eines Fachvortrages handelt, wobei mir fachliche Inhalte leichter fallen als soziale Fragestellungen.
Früher versuchte ich, vor dem Fernseher auszuruhen, denn ich sah andere, die dies zum Entspannen nach einem stressigen Arbeitstag taten. Ich bin danach eher noch aufgewühlter.
Jeder Mensch – ob Autist oder Nichtautist – muss individuelle Stressbewältigungsstrategien für sich entwickeln. Seit der Diagnose bemerke ich, dass es für mich nicht sinnvoll ist, hierbei andere Menschen nachzuahmen. Früher versuchte ich beispielsweise, vor dem Fernseher auszuruhen, denn ich sah andere, die dies zum Entspannen nach einem stressigen Arbeitstag taten. Da ich mich aber sehr konzentrieren muss, wenn ich die Handlung in einem Film nachvollziehen will, da ich Gesichter in verschiedenen Szenen kaum wiedererkenne und das Gesprochene vielfach erst überdenken muss, bevor ich es verstehe, ist für mich Fernsehen denkbar ungeeignet, um zu entspannen. Meist bin ich danach eher noch aufgewühlter, denn es ergeben sich so viele neue Fragestellungen. Im Gegensatz dazu habe ich bemerkt, dass ich ruhiger werde, wenn ich am Computer an meinen Klinikskripten schreibe. Dabei sortiere ich fachliche Inhalte zu allen möglichen Themen rund um die Medizin, lese Fachartikel und überlege mir die Zusammenhänge nach meinen Vorstellungen. Hierbei lebe ich ein bisschen in meiner Gedankenwelt und kann mich vom Alltag ablenken, und vermutlich bezeichnet man dies am ehesten als Entspannung.
Vor der Diagnose habe ich einige Entspannungstechniken intuitiv angewandt, da sie mir gut taten (z. B. Puzzle legen, Fahrrad auseinander- und wieder zusammenbauen, Möbel anmalen, Natur fotografieren, Pflanzen umtopfen). Leider habe ich mich von meinem Umfeld oft davon abhalten lassen, denn man sagte mir, dass man anders entspanne. Heute versuche ich bewusst, meine eigenen Entspannungsverfahren anzuwenden, wenn ich merke, dass ich nicht zur Ruhe komme und gestresst bin.
Ich wünsche mir mehr Raum für Menschen, die außerhalb der Norm liegen
Insgesamt wünsche ich mir für den Bereich Arbeit (der für viele Autisten gleichzeitig das Spezialgebiet und damit den Lebensmittelpunkt darstellt), dass trotz der heutzutage notwendigen Leistungsorientierung wieder ein größerer Raum für Menschen geschaffen wird, die außerhalb der Norm liegen. In naher Zukunft wird es sonst immer mehr Randgruppen geben, die von wesentlichen Inhalten dieser Gesellschaft und dieser Kultur (dazu gehören Beruf und Berufstätigkeit und damit die Möglichkeit zu selbstbestimmtem und zielgerichtetem Leben) ausgeschlossen werden. Ich finde es frustrierend, viele autistische Menschen kennen gelernt zu haben, die aufgrund der Rahmenbedingungen keine Möglichkeit sehen, ihre Fähigkeiten sinnvoll in diese Gesellschaft einzubringen. Der Satz einer Freundin aus der Selbsthilfegruppe »ich bin nicht brauchbar für diese Gesellschaft« hat mich sehr nachdenklich und traurig gemacht – besonders, weil diese autistische Freundin ein sehr netter Mensch ist und viele Fähigkeiten besitzt.
Ich finde es sehr schade, dass die Neigung besteht, einen Menschen mit Behinderung hauptsächlich nach seinen Schwächen zu beurteilen. Dass beispielsweise viele Autisten auch beachtliche Fähigkeiten besitzen, scheint im Arbeitsalltag nicht bemerkt zu werden, da dies häufig von sozialen Fehltritten überschattet wird. Vielleicht sind sogar bestimmte autistische Fähigkeiten die Voraussetzung für manche Leistungen. Um diese bewusst zu nutzen, wäre es notwendig, auch die Schwächen im Berufsalltag zu akzeptieren. Ein Autist wird nur dann in der Lage sein, seine Leistung dauerhaft zu bringen, wenn der Rahmen zumindest einigermaßen passt. Unter Stress- oder gar Mobbingbedingungen wird niemand die ihm eigentlich mögliche Leistung abrufen können, sondern er wird vielmehr durch zu viel Energieverlust ausgelaugt und krank werden.
Ich finde es sehr schade, dass die Neigung besteht, einen Menschen mit Behinderung hauptsächlich nach seinen Schwächen zu beurteilen.
Ich freue mich aber auch über die derzeitige Entwicklung innerhalb einiger Bereiche und über das zunehmende Bekennen zur Diagnose durch autistische Menschen in verantwortungsvoller Position und möchte auch andere dazu ermutigen. Ein Autist ist trotz allem nicht so alleine, wie er es die meiste Zeit seines Lebens vermutet. Es gibt sehr viele von uns, und es gibt auch Menschen, die uns verstehen. Ich glaube, dass ein Miteinander unterschiedlicher Menschen möglich und nötig ist und alle Menschen gemeinsam diese Gesellschaft mit ihrer gesamten Entwicklung ausmachen.