Ich stand unter der Dusche, die Augen geschlossen, und spürte das warme Wasser auf mich herabprasseln wie einen tropischen Regen. Die Tropfen zerplatzten so laut und regelmäßig auf meiner Haut, dass sie alle Gedanken in meinem Kopf übertönten, es klang wie Trommeln von Indianern, ein verlockendes Geräusch, ein wiegender Rhythmus.
Die Duschkabine umschloss mich, der warme Dampf hüllte mich ein, stieg mit fruchtigem Duschgelgeruch an meinem Körper hinauf, strich zärtlich durch mein Gesicht, hielt die kalte Welt draußen, beschützte mich.
Der Dampf stand so dicht um mich herum, dass er meinen Körper zu stützen und zu tragen schien. Es war eine Schwerelosigkeit, wie ich sie mein Leben lang erträumt hatte. Ich konnte mich fallen lassen, ohne zu fallen. Der Dampf schmiegte sich an mich, ging in meinen Körper über, trug ihn mit sich. Ich spürte, wie ich aufstieg, zu Dampf wurde, wie sich alles in mir auflöste, was schwer gewesen war.
Ich schwebte die Duschkabine hinauf, schwebte durch die Decke, schwebte an den Himmel des tropischen Regenwalds. Ich war ein feiner Dunst, den dieser mächtigste Wald der Erde ausatmete, nachdem der warme Regen niedergegangen war, ein feiner Dunst des Lebens in der unendlichen Weite.
Ich sah Bäume, die bis in den Himmel ragten, Bäume im Dunst, die das Licht der wieder erwachenden Sonne wie flüssigen Honig tranken. Und im höchsten Baum, auf dem höchsten Ast, mitten im Himmel, da thronte ein gelb-roter Papagei, schön wie der letzte Strahl der Abendsonne, das prächtigste Tier, das ich je gesehen hatte.
»Sei vorsichtig«, krächzte er. »Fall nicht auf sie rein. Sie wollen dich linken.« Ich kannte seine Stimme. Aber woher?
»Wer will mich linken?«, fragte ich zurück.
Der Papagei öffnete seinen Schnabel, um zu antworten. Aber der Ast, auf dem er saß, wurde lebendig. Im Nullkommanichts rollte er sich zusammen, umschlang den Hals des Vogels, würgte ihn. Der Papagei brachte keinen Ton mehr heraus, und dem Ast wuchs ein Schlangenkopf mit braunem Teint und schwarzen Kulleraugen. Eine zischende Zunge fuhr heraus. Und dann schnellte der Kopf nach vorne, und seine Giftzähne schlugen sich in den Hals des Papageis.
Noch ehe ich die Augen aufschlug, wusste ich: Die Schlange hatte ausgesehen wie Marion. Und der Papagei mit der Stimme meines inneren Teufelchens gesprochen.