Schade, dass Sie mir nicht über die Schulter schauen können, sonst hätten Sie gerade ein ängstliches Häslein gesehen, das über den Rasen gehoppelt ist, von Baumstamm zu Baumstamm. Ich kauere im zweiten Stock der barocken Villa, im Schatten eines alten Vorhangs neben dem Fenster. So muss sich ein Adler fühlen, wenn er hoch über dem Feld kreist, das Häslein erspäht, sich freudig hinabgleiten lässt und seine Krallen bald in den warmen Nacken schlägt, um das überraschte Beutetier mit sich zu reißen.
Sicher hält die neugierige Frau es für eine glückliche Fügung, dass das Grundstück gerade so verwaist, der Zugang zum Haus unversperrt und ein Kellerfenster geöffnet ist. Aber Ihnen wird klar sein, dass es sich um meine gute Planung handelt: Das Sprengteam macht gerade Mittagspause, das Haus wurde bereits durchsucht und durch einen Balken vor der Tür versiegelt. Um vierzehn Uhr blüht dieser Villa dann der Exodus. Und nicht nur ihr.
Ach ja, ein Detail sollte ich Ihnen noch schildern: Das Haus wurde durchsucht, aber nicht vorschriftsgemäß. Bei einem Raum im Keller, offenbar einem alten Weinlager, war eine massive Stahltür leider nicht zu öffnen. Jemand muss die Tür verriegelt und den Schlüssel entwendet haben. Der Sprengmeister wird sich an dieses Detail nach Vollzug seiner Arbeit nicht mehr erinnern, weil es seine Aufgabe gewesen wäre, alle Räume des Hauses zu kontrollieren.
Wie es jetzt weitergeht, ist schnell zusammengefasst: Die neugierige Frau schleicht ein wenig durch dieses Haus und sucht ein Geheimnis, auf das sie schließlich mit rasendem Herzen stößt; sie wird Stimmen hören, die aus dem verriegelten Kellerraum dringen. Ein sehr interessantes Gespräch!
Sie wird ihr Ohr an diese Tür pressen, um alles mitzubekommen. Ihre Konzentration wird so sehr auf das Geschehen drinnen konzentriert sein – in der Psychologie spricht man von einer »selektiven Wahrnehmung« –, dass ihr ein Besucher von hinten entgehen wird. Dieser Besucher, sprich ich, wird seine Hand zärtlich auf ihren Mund und ihre Nase legen und dabei ein speziell präpariertes Erfrischungstuch zum Einsatz bringen. Das Narkosemittel Halothan gelangt beim Einatmen sofort ins Blut und raubt das Bewusstsein. Wenn die Dosis stimmt, wovon Sie bei mir ausgehen dürfen, kommt es nicht zu einer Atemlähmung; das wäre die falsche Todesursache.
Die neugierige Frau wird zusammensacken und von mir Erste Hilfe erfahren, indem ich sie in den verschließbaren Raum mit der Strahltür transportiere.
Dort bereite ich ihr auf dem Boden ein letztes Bett, liebevoll wie immer, verriegele die stählerne Tür, verlasse das Haus durch einen präparierten Hinterausgang – und entferne mich gerade weit genug, um das Vollzugsignal des Sprengmeisters zu hören. Wenn es knallt, ist meine Arbeit vollbracht.