Sie wachte auf, die Sonne schien. Das wunderte sie. Als wäre gar nichts gewesen, standen die Bäume reglos da, die Vögel sangen, ein wunderschöner Frühsommertag hatte begonnen. Sie fühlte sich betrogen. Ihr Körper abgekämpft, als hätte man ihn geschlagen. Sie wusch sich, zog sich an. Noch nie hatte sie die Menschen verstanden, die sich vor dem Essen die Zähne putzten. Was für eine Perversion. Draußen der Hügel, sie beugte sich aus dem Fenster. In der Entfernung ein Pferdewagen voller Heu, dass es das noch gab! Langsam verschwand er hinter der Kuppe, zeichnete eine zuckelnde, trockengrüne Wölbung in den Morgen. Sie richtete sich auf, dehnte sich, rollte die Schultern nach hinten. Ihre müden Augen zuckten im Spiegel an ihr vorüber. Sie sah aus, als wäre sie in die Schlacht gezogen.

Im Frühstücksraum war für eine Person gedeckt. Der Kaffee war grässlich, aber reichlich vorhanden. Sie

 

Wollen Sie noch Kaffee, rief die Alte. Es knackte, ihr überlautes Krächzen drückte eine Delle in die Morgenstimmung.

Ich habe noch, erwiderte sie so laut, dass die Alte sich nicht beklagen konnte. Wo kann man denn hier einkaufen gehen?, fragte sie.

Charona, schon im Gehen, wandte sich wieder zurück. Was wollen Sie denn einkaufen gehen.

Sie schwieg, hielt dem Blick der anderen stand. Alles musste sie sich auch nicht bieten lassen.

Die Alte gab schließlich nach. Der Greißler ist auf Urlaub. Ich kann Ihnen einkaufen gehen. Schreiben Sie mir einen Zettel und legen Sie ihn mir hin.

Sie nickte, sah dem abziehenden Dutt hinterher. Die Katzen schickten ihr verdrossene Blicke nach. Wie die Alte einkaufen gehen wollte, war ihr ein Rätsel. Kein Supermarkt weit und breit und ein urlaubender Greißler. Sie hatte vor dem Haus kein Auto gesehen.

 

 

Sie ging hinauf auf ihr Zimmer, die knarrende Treppe im dumpfen Morgenlicht. Sie sah die Farbe des Holzes, der Geruch der Nacht hing als fahle Erinnerung im Gang. Sie ließ sich auf ihrem Bett nieder, grub mit einer Hand im Koffer nach den Wanderschuhen, wofür sie sich nicht einmal erheben musste. Wann sie sich das letzte Mal so deutlich gespürt hatte, ihre Ränder, ihre Konturen? Sie stieg in die Schuhe, drückte nach, bis auch ihre Ferse hineinschlüpfte. Band mit

 

Wo war wessen Perspektive? Die Fliege am Fensterglas, die Zeugin wird von etwas Ungeheuerlichem. Erregung durch Ausschnitt, Wegschnitt, Abschnitt. Filmschnitt. Was der Mensch nicht weiß, aber zu wissen vermeint, das regt ihn ganz besonders auf. Das süße Wiener Mädel: Schnitzler schätzte die Künstlichkeit, die dargestellte Natürlichkeit brauchte, und wusste sie seinerseits richtig darzustellen. Natürlichkeit als mal mehr, mal weniger gelingendes Schauspiel, das als solches deutlich wurde. Die Frauen spielen dienliche Rollen, nicht immer widerwillig; die Freude, eine Partie besonders kunstfertig auszugestalten, darf dabei definitiv nicht unterschätzt werden. Die Männer dürfen sich über ihr eigenes Tun viel mehr täuschen, sie haben den Luxus, sich dumm genug verhalten zu können, damit die Frauen sie durchschauen. Weil ihr Verhalten im Zwischenmenschlichen im Grunde egal ist. Sie sind, wie sie sind, und alles andere hat sich nach diesen Göttersöhnen, nach diesen pflockgleich vom Himmel gefallenen Monolithen zu richten. Seltsam unfähig, sich wirklich vom Fleck zu bewegen, feststeckend in ihrer Umgebung, die sie tödlich fest umarmt, richten sie bloß ihren Penis nach dem Wind, einen Appendix, ein müdes Wetterfähnchen, das auf die nächste Dame zeigt, die sich seiner annimmt. Et al. hatte sich

 

Als sie vor die Tür trat, musste es in etwa elf gewesen sein. Sie ging hinters Haus, warme Stille, durchbrochen von Vogelsingen. Vogelrascheln in den Büschen. Vogelschatten in einzelnen zuckenden Bahnen am Himmel. Die Sonne hatte sich mit freundlicher Stärke über die Berge gelegt. Obwohl es nicht geregnet hatte, lag eine angenehme Feuchte in der Luft. Schon zu Beginn dieser Jahreszeit hier oben angenehmer als in der Stadt. Sie holte Atem. Das war also ihre Welt. Sie würde sich berauschen an allem, was diese seltsame Landschaft hergab, das Glimmen des bevorstehenden Feuers als Sonnensamt über den Hügeln, verwegen zwitschernde Ruhe vor dem Sturm. Egal, welches Jahrhundert. Eine Euphorie befiel sie, als hätte sie sich am Morgenkaffee schwer betrunken. Menschenleer, sie stand allein hinter einem alten Haus, im halben Schatten zweier Bäume, in ihrem Rücken der Hügel, den sie nun erklimmen würde. Blinzelnd, den Himmel inhalierend. Alles frei, alles offen. Sie, der Mittelpunkt der Welt.

 

Alles bodenlos. Welche Geschichten noch erzählen, wenn alles Geschichtenerzählen müßig wird? Die

Sie hatte schon immer zwischen den Zeiten gesteckt, eigenartige Verbundenheit über die Jahrhunderte hinweg. Diese nicht enden wollende Gemütlichkeit, die

 

Als hätte sie getrunken. Der Wald, sie wollte den ganzen Wald einatmen. Ihre Wanderschuhe mit den geschundenen Kappen, einbiegen auf den Waldweg, nichts ausgeschildert. Kleine, schmale Pfade. Nur bergauf. Sie hatte so viele Bilder im Kopf. Sich das Neue, das unbarmherzig Neue wieder ins Gedächtnis rufen, alles immer zum ersten Mal. Sie musste sich erinnern, wie sich das anfühlte, erstes Mal: erstes Mal Cola trinken, erstes Mal Waldspaziergang, erstes Mal Sex. Nein, sie musste sich nicht erinnern, sie musste gar nichts denken, immer war sie am Denken, Waldbodenknirschen unter ihren Schuhen, immer denken, so viel Luft in ihren Lungen, sie sah den kleinen Ästen beim Brechen zu, den Zapfen, wie sie vor ihren Schuhen wegrollten. Was wollte sie eigentlich hier auf dieser Welt, was wollte sie herausfinden, wieso wollte sie diese Büsche und

 

Die eigenartigen Zustände, in denen sie sich befunden hatte während ihrer Pubertät. Man hätte experimentieren sollen, aber sie hatte überhaupt keine Lust dazu gehabt. Es war schon überwältigend genug gewesen, bloß zu schauen, bloß zu denken. Einen Jungen anzufassen, das hätte sie erschlagen. Um Gottes willen, ein Mensch, der so unerträglich da ist, was tun mit so einem, wie schauen, wenn einem die Augen aus dem Kopf fallen wollen? Sich angreifen lassen, um Gottes willen, auf

Niemals das Gefühl haben wollen, dankbar sein zu müssen für jemandes Begehren. Dann lieber gar nicht. Keine Kompromisse und keine zweite Wahl. Nur Göttin oder Geist.

 

Eine Grenze wie ein Kettenvorhang. Sie trat aus dem Schatten in die sengende Sonne, einen Schritt über den Waldrand hinaus. Sie hatte geglaubt, schon oben zu sein, aber da war noch eine Kuppe und dahinter noch eine. Alles lang gezogen und weich, keine harten Steinwände. Keine Felsen. Sie hörte es plätschern, dort oben neben einem Marterl ein kleiner Brunnen, ein Baumstamm mit tief eingeschnitztem Becken, das Wasser troff in kleinen Rinnsalen darüber hinaus. Der

 

Was sie nicht schon alles an Worten verloren hatte in ihrem Leben. Anhänge, Literaturverzeichnisse, Fußnoten. Dabei hätte man auch alles viel kürzer sagen können. Wo war wessen Perspektive? Dissertiert hatte sie über die weibliche Sexualität bei Schnitzler. Es gab die Sexualität, und dann gab es die weibliche Sexualität, die es eigentlich nicht gab. Beziehungsweise doppelt gab. Es gab das, was die Männer erdichteten, ein seltsames Schauspiel, das sie von den Frauen umgesetzt sehen wollten, auf dessen genaue Abarbeitung sie bestanden, zumindest in der Literatur. Man hatte sich darauf geeinigt, dass dieses Schauspiel der

Und dann gab es das, was es nicht gab. Das, was sich nicht zeigen durfte, weil es der Zeigenden sehr übel genommen wurde. Ein ganz klarer Unterschied, ob man im Text das Passionsspiel rezitiert oder über das zu schreiben versucht, für das die Worte fehlen. Wo es doch wirklich niemanden interessierte. Wer niemand ist, das ist die Frage! Zum Jemand werden, heißt, die eigene Geschichte als solche etablieren. In so vieler Hinsicht. Auch: ein Kanon der Körperlichkeit. Wie darüber schreiben? Eine Kartografie dessen, was ihr an ihm so gefällt. Aus der Stille hinaus-, in die Stille hineinzeichnen. Den Blick lenken. Ein Verzeichnis erstellen, ein Verzeichnis der anderen Art. Schnitzler schwieg aus einem lauteren Instinkt heraus. Wieso ausgerechnet das die Männer das Fürchten lehrt?

 

Sie sollte nicht so viel nachdenken. Sie hatte sich eine Pause verordnet, aber wie das Echte, wie das Eigentliche aushalten, wenn man es gar nicht gewöhnt war? Sie hatte gesagt, sie brauche keine Pause. Keine Pause

Als junge Studentin war sie mit dem Rucksack nach Südamerika gereist. Schon beim Einsteigen ins Flugzeug diese erbarmungslose Angst. Drogenkartelle, Schießereien, verschwundene Touristinnen. Es war eine einzige Qual gewesen. Natürlich war nichts passiert, aber diese Angst, die unbequemen Busse, die aufgeschürften Füße, Verstopfung, sechs Wochen lang Verstopfung vor lauter Sorge. Sich nirgends ausgekannt. Die Tage gezählt bis zur Rückkehr. Wieso immer dorthin müssen, wo man nicht, aber auch absolut gar nicht war? Wieso konnte man sich selbst nicht in der eigenen Abstellkammer finden? Die Erleichterung, als sie wieder nach Hause gekommen war. Den Rucksack hatte sie unters Bett geschoben und nie wieder angeschaut. Sie war nur mehr dorthin gefahren, wo der Rollkoffer lautlos über die Straße glitt. Das schlechte Gewissen hinter den Erlebnissen, die ihr, wie sie meinte, das Wesentliche vorenthalten hatten: sich selbst gesucht, nichts gefunden. Drauf geschissen. Nun einen Dschungel aufgesucht, der näher lag.

 

Mitten auf der Weide – war es denn eine Weide? – überkam sie große Lust, sich hinzulegen. Das Gras hoch und von Wiesenblumen durchsetzt. Ein Flirren, ein Surren in der Luft, heiß, aber noch nicht sengend. Sie setzte sich, ließ sich fallen, breitete sich hin. Die Beine

 

Sie hätte auch in die Naturwissenschaften gehen können, hatte ihre Tante gesagt und es als Kompliment gemeint. Sie hatte es nicht als solches verstanden. Die Tante als erste Studierte gleich Schuldirektorin geworden, eine schmale, durchsetzungsfähige Frau mit dem Horizont einer Lehrerin. Nichts wäre einem Menschen wie ihr so gegen den Strich gegangen wie die Arbeit an der Universität. Fragen, die keine Antworten kennen. Antworten, zu denen die richtige Frage fehlt. Aber die Tante hatte ihr sagen wollen, dass sie gescheit war und dass sie ihre Zeit nicht verschwenden sollte mit Literatur. Wo doch mit der Literatur nichts zu holen ist. Im Gegenteil, Leute gingen darin verloren und hielten das, was zwischen zwei Buchdeckeln stand, im Gegensatz zum Rest der Welt tatsächlich für relevant. Sie hatte versucht, das Kompliment von der daran klebenden Schelte zu trennen. Es war ihr nicht gelungen.

 

 

Eine Zeit, in der sie in StudentInnengruppen über alles Mögliche diskutiert hatten. Voller Rauch dieses Kämmerchen, die grauen Schwaden dick in der Luft, wider Erwarten ausschließlich Tabak, kein bitteres Gras, kein süßer Nachgeschmack. Kaffeebecher mit

Sie hatten mit einem Eifer diskutiert, den nur Unmenschen als naiv bezeichnen können. Alles war vor ihnen gelegen und die Lösungen so greifbar, so klar. Es konnte doch nicht daran scheitern, dass man sie einfach nicht umsetzen wollte! Im Wesentlichen war die Misere dieser frühen, sehr ernsthaften Zeit damit zusammenzufassen, dass sie noch an die Vernunft im Menschen geglaubt hatten. Sie hatten Einsicht unterstellt, wo Logik überzeugen musste. Sie waren wirklich noch nicht lange genug auf der Welt gewesen, um den Menschen zu kennen. Nichts lag ihm ferner, als Erkenntnisse weiterzuverfolgen, die sich in Handlungsimperative auszuwachsen drohten. Wegschauen war einfacher, als sie damals noch dachten.

In angenehm theoretischer Entfernung zu allen möglichen Katastrophen: Sie mochte gar nicht daran denken, wie die aktuell junge Generation empfand.

 

Natürlich hatte Schnitzler nichts wissen können. Schnitzler war kein Prophet. Aber trotzdem steckte es so dick in seinen Texten, so unübersehbar hinter jedem Satz – dass das doch alles absurd war, dass es so nicht weitergehen konnte, dass man ein vollbekleidetes Theater aufführte und es dann im nackten Zustand weiterspann. Dieses Nichtauskönnen. Dieses In-Wien-Sein, In-Wien-bleiben-Müssen. Dieses Nicht-aus-der-Zeit-heraussteigen-Können, immer dieselben Fehler, immer dieselben Situationen, immer dieselben Frauen, nur mit einem anderen Gesicht. Selbstverständlich alles ganz anders gelesen vor zwanzig Jahren. Aber ob nicht seine Texte insgeheim für diese Zeit hier geschrieben worden waren, ob nicht ein Loch, ein Verbindungsgang mit einem Schnalzen eingerissen war zwischen damals und dem jetzigen Jetzt, dieser zukunftslosen Zeit, die in der zukunftslosen Vergangenheit ihre Parallele fand … Die Zukunft nur vorstellbar als eine ewige Wiederholung des Jetzigen im

Sie mochte auch Ödön von Horváths Texte, die er mit ähnlichem Verständnis wesentlich später geschrieben hatte als Schnitzler. Aber die waren fundamental anders. Dort gab es durchaus eine Zukunft, sie war naheliegend und sehr klar. Dort war der Weg schon vorgezeichnet, mit Stacheldraht bewährt und führte ohne viele Kurven ins Verderben.

 

Sie öffnete die Augen und richtete sich auf. Stützte sich auf die Unterarme. Ihr Kopf summte. Vielleicht hätte sie sich doch eine Kappe aufsetzen sollen? Hinter ihr eine Bewegung. Sie wandte sich um und hatte mit einem Mal das Gefühl, dass ihr Magen voller Steine war.

 

Bist du eh nicht gestorben?, sagte er und sah sie an. Seinen Gesichtsausdruck konnte sie nur erahnen, blendender Himmel hinter ihm. Gelehnt auf eine Sense, eine Hand in die Hüfte gestützt. Zog das Leibchen hoch und wischte sich damit über die Stirn.

Nein, ich bin nicht gestorben, sagte sie, hob eine Hand über die Augen. Sie spürte ihr Gesicht von innen. Es zeigte Dinge, die es nicht zeigen sollte.

Nein, sie schüttelte den Kopf und ließ sich wieder zurückfallen. Ich bleibe liegen, sagte sie. Ich träume noch. Das konnte doch nicht sein. Noch immer schlief sie, noch immer nur ein Traum.

 

Als sie aufstand, war es später Nachmittag. Sie verwendete keinen Gedanken an das, was geschehen war. Nicht jeder eigenartigen Anwandlung nachgeben. Die Zeit hatte sich über sie ergossen. Seltsame Nächte, ein noch seltsamerer Tag. Sie schüttelte sich, klopfte die Blütenblätter von ihren Kleidern. Eine Stelle in der Nähe war gemäht, aber das mochte nichts heißen. Ob sie es zu weit getrieben hatte? Nein, das hatte sie nicht. Sie würde mit sich selbst allein sein können, auch wenn keine Buchstaben mehr standen zwischen ihr und der Welt.

Sie trottete den Berg hinunter. Der Abend schon als anbrechender Nebel am Horizont. Sie hätte Schnitzlers Texte ja gerne ausgebessert. Oder nicht ausgebessert, sie hätte gerne etwas Eigenes hinzugefügt. Ein hübscher Mann. Nein. Ein Mann, der ihr sehr gefiel. Eigene Versionen von etwas. Perspektiven. Aber das konnte sie nicht. Sie war sekundär, sie konnte über-schreiben. Sie wäre gerne jemand gewesen, die eigene Texte schreiben konnte. Anstatt sich zu echauffieren, sich ständig zu ärgern, wenn sich wieder eine Frau in einem Männerbuch so unglaublich ferngesteuert

 

Der Wald, wie er knapp vor dem Abend stand: eine Stille zwischen den Bäumen, die etwas so Absolutes wie Einladendes hatte. Wie der Tod, dachte sie, und wo sie das schon einmal gelesen hatte. Stammweise Dunkelheit. Andacht. Ihre Füße stiegen fast geräuschlos, bloß ein leises Rascheln, als wäre sie ein Tier. Sie roch sich ganz deutlich: Es war ein fordernder, aber kein unangenehmer Geruch. Sie ließ sich bei jedem Schritt in die Knie fallen, obwohl sie wusste, dass es ihr nicht guttat. Wie ein Kind. Sich Zukunft stehlen, es deshalb immer endlos haben.

 

 

Sie trat aus dem Wald, und wieder überkam es sie: Die Landschaft war unfassbar schön. In zartes

 

Diese Nacht träumte sie von ihm. Der Blick in den Spiegel noch nachhallend, gelbes Licht, die Zahnbürste tropfend in den Halter geklemmt. Es war einer dieser Tage, an dem sie das Hemd an ihrer Haut kaum aushielt. Sie kroch ins Bett und wusste, dass sie bald schlafen würde. Der Weg in den Schlaf ein sanft abfallender Pfad.

Regungslos stand er zwischen den Bäumen, als hätte sie ihn festgepinnt mit ihren Augen. Genau so, wie er gestern dagestanden war, eine Hand am Stamm des Baumes, die andere lose hängend, sein

Sie hob die Augen. Wie sie das genoss. Sie sah ihn an, während sie hinter ihn trat; seine Augen folgten ihr, bis sie sie nicht mehr halten konnten. Er würde nichts wissen, gar nichts wissen würde er. Sie betrachtete seine Hand, wie sie da auf der Rinde lag, seine kräftigen Finger, die aussahen, als ob er damit Dinge anfasste, die wirklich waren und fest. Sie hob ihre eigene Hand und

 

Ein Rascheln im Gras, von der Hügelkuppe herunter stob der Pudel über die Wiese. Sie jetzt zu stören. Dieses elende Tier. Er machte knapp vor ihnen halt, bellte, fletschte mit zitternden Lefzen die Zähne. Sie ging ein paar Schritte auf den Pudel zu. Was denn?, sagte sie, aber der Hund gab keine Ruhe. Er knurrte den Fremden an, mit seinen kleinen Tatzen stampfte er mehrmals auf den Waldboden, dass es seinen ganzen Körper schüttelte. Der Hund wagte sich immer weiter vor. Er hatte wohl verstanden, dass sich der andere nicht regen würde. Das war ihr Bild, das sie geschaffen hatte, ihre Gedanken, die sie vor sich hingebreitet hatte, um

Die Dunkelheit kippte in dicken Brocken über ihr Blickfeld herein, schüttete ihr die Augen zu, es war kein Vorbeikommen mehr daran. Alles ein dunkles Glosen, samten und dick. Aus der Ferne drang ein kleines, wütendes Geheul.