image

Das kaltblütige Biest

Convol stürmte durch das Wasser auf sie zu und holte mit seinem Schwanz wie mit einer Peitsche nach ihnen aus. Er erwischte Storm an den Beinen und riss ihn von den Hufen. Storm wieherte vor Schmerz und Elenna und Tom krachten heftig auf den Wüstenboden.

Benommen versuchte Tom, wieder auf die Füße zu kommen, und auch Storm richtete sich langsam auf. Tom zog sein Schwert, aber es fühlte sich seltsam an, anders als sein eigenes. Er erinnerte sich daran, dass der Bernstein in seinem Gürtel, den er von Tusko dem Mammut bekommen hatte, seine Kampfkraft stärken würde.

Elenna rappelte sich auf und zog ihn weg vom Wasser in den trockenen Sand. Silver knurrte, aber auch er zog sich zurück. Convol kroch aus dem Wasser ans Ufer und kam hinter ihnen her. Er hatte vier kräftige Beine mit riesigen Krallen an den Füßen.

Das Biest spannte seine Muskeln an und sein Schwanz erhob sich über seinem Körper wie bei einem angreifenden Skorpion. Tom erkannte die Gefahr sofort. Er riss seinen Schild hoch, und schon krachte der Schwanz des Biests donnernd dagegen. Tom wurde zu Boden geschleudert. Seine Schulter schmerzte von dem Aufprall.

image

Convol brüllte und holte erneut mit dem Schwanz aus. Tom wehrte den heftigen Schlag im letzten Moment ab. Das Biest schrie wütend auf und entblößte dabei eine Reihe riesiger spitzer Zähne. Saurer Atem wehte zu Tom herüber.

Elenna war auf Storms Rücken gesprungen und ritt auf das Biest zu. Am Rande des Wassers brachte sie den Hengst zum Stehen. Silver stellte sich tapfer an ihre Seite und knurrte drohend.

„Hier rüber!“, rief sie dem Biest zu.

Convols rote Augen blitzten auf und fixierten die neue Beute. Er holte mit dem Schwanz nach Elenna aus, aber sie wich ihm rechtzeitig aus. Auch Silver sprang zur Seite.

„Verschwindet!“, rief Tom und stand langsam auf.

Doch Elenna wartete so lange ab, bis Convol aus dem Wasser kam, um sie zu verfolgen. „Sie lenkt ihn ab“, begriff Tom. Im letzten Moment drückte seine Freundin die Fersen in Storms Seiten und ritt weg, dicht gefolgt von Silver. Dabei wirbelten Storms Hufe Sand auf, der dem Biest direkt ins Gesicht geschleudert wurde. Das Biest wurde wütend. Seine Augen flackerten angriffslustig hinter den doppelten Lidern.

„Was ist das?“ Tom bemerkte, dass Convols gestachelter Rücken nicht mehr so glänzte, wie zuvor. Das Wasser trocknete in der Sonne und hinterließ raue Stellen. Die dicke Haut des Biests sah rissig aus, als würde sie durch das fehlende Wasser austrocknen. „Convol ist kein Wüstentier“, erinnerte sich Tom. Das Biest war also doch nicht unbesiegbar. Tom sprang vor und schlug nach Convols Schwanz. Aber sein Angriff war ungeschickt und die Klinge rutschte ab.

image

Convol stieß ein entsetzlich lautes Zischen aus. Das Geräusch ging Tom durch Mark und Bein und er hielt sich mit den Händen die Ohren zu. Er sah den Schwanz nicht kommen. Er traf ihn mit voller Wucht in den Bauch und schleuderte Tom durch die Luft, sodass sein Umhang flatterte. Tom stürzte in den Sand. Sein Körper krümmte sich vor Schmerz und er rang nach Luft. Er schüttelte den Kopf, um wieder klar zu werden, und sah, dass das Biest jetzt Elenna jagte.

Noch war sie ein Stück vor ihm, aber das Biest rannte mit seinen gedrungenen Beinen erstaunlich schnell über die Dünen. Convol schnappte nach Storms Hufen, aber der Hengst wich ihm geschickt aus.

Die Sonne stand nun direkt über ihnen und brannte auf sie herab. Die Risse, die sich auf seinem Körper bildeten, und die angespannte Haut schienen das Biest rasend zu machen. Convol stürmte durch den Sand hinter Elenna her, aber seine Wutschreie waren nun mit Schmerzenslauten vermischt. „Er braucht das Wasser genauso sehr wie wir“, dachte Tom.

Er rannte über die Düne. „Locke ihn hierher!“, rief Tom seiner Freundin zu.

Doch beim Laufen verhedderte er sich immer wieder mit den Füßen im Umhang und stolperte über den unebenen Boden. Schweiß lief ihm von der Stirn und brannte in seinen Augen.

„Uns rennt die Zeit davon“, dachte er.

Elenna ritt nun mit Storm im Galopp zurück zum Wasser, dicht gefolgt von Silver.

„Nein!“, schrie Tom. „Nicht in diese Richtung!“ Das Wasser war der einzige Ort, an dem das Biest in der Wüste überleben konnte.

Doch Elenna hatte sein Rufen nicht gehört und ritt weiter direkt auf die Oase zu. Convol war nur eine Pferdelänge hinter ihr. Speichel flog ihm aus dem Maul, während er hinter ihr herrannte. Ein plötzlicher Windstoß peitschte den Sand auf. Als er um Tom herumwirbelte, hätte er schwören können, dass er das boshafte Gelächter von Malvel hörte.

„Du wirst verlieren, Tom“, spottete eine geisterhafte Stimme.

Als die Luft wieder aufklarte, erblickte Tom etwas, das das Blut aus seinen Wangen weichen ließ. Convols Schwanz war hoch über Elenna und Storm erhoben. Ein Schlag mit dieser furchtbaren Waffe und seine Freunde wären tot!